Parteienfinanzierung

>Hier< zu einer Rede von Manfred Kock, Präses der Evamgelischen Kirche zu

Gesprächen mit islamischen Vertretern;

>hier< Interview (?) mit Saul Friedländer und ein Brief an Bundeskanzlerin und EU-Ratspräsidentin, Frau A.Merkel (zu Krieg gegen Iran),

>hier< das durchaus lesenswerte "Aktionsprogramm der Nationalen Organisation Deutschland der Kommunistischen Programmpartei",

>hier< zu einem Kommentar über Politikermoral.

>Hier< zur Vorstellung des Buches: "Auf dem Weg in den Parteienstaat".


 

Parteienfinanzierung - Diebstahl

am Bürger

Es sollte herausgefunden werden, inwieweit Religionsgemeinschaften im Rahmen ihrer Machtausweitung oder wenigstens zu ihrem Machterhalt Parteien und Abgeordnete "unterstützen". Es waren jedoch dazu keine Anhaltspunkte ausfindig zu machen.

Die nachfolgenden Beiträge beschränken sich also "nur " auf die "Käuflichkeit" unserer "Repräsentanten" im Allgemeinen und bekannten Rahmen.

 

 


 

Parteienfinanzierung - Diebstahl am Bürger!

 

Von: Hans-Wolff Graf

 

05.09.07

 

Zuerst glaubte ich an einen schrägen Witz: Da verlangen die Koalitionäre – sich ihrer Mehrheit bei Gesetzesvorlagen sicher – eine überdimensionierte Aufstockung der öffentlichen Subventionen zur Finanzierung ihrer Demokratur, unter Hinweis auf ihre "schwierige Finanzlage aufgrund der bedrohlich gesunkenen Mitgliederzahlen" und die Tatsache, daß "die Parteienfinanzierung seit fünf Jahren nicht aufgestockt worden" sei.

 

Stellen wir fest:

 

1) Zwischen 1990 und 2005 sank die Mitgliederzahl (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)

 

- der CDU von 658.000 auf 572.000 (also um 13,07%);

- der CSU von 186.000 auf 170.000 (- 8,6%);

- der SPD von 943.000 auf 590.000 (- 37,43%);

- der FDP von 179.000 auf 65.000 (- 63,69%) und

- der Linken von 281.000 auf 61.000 (- 78,20%).

 

Lediglich die Grünen gewannen in diesem Zeitraum 4.000 neue Mitglieder (9,76%), verloren jedoch seit 1999 schon wieder 10%.

 

In Summe: Hatten diese sechs Parteien 1990 noch 2,288 Millionen offizielle Mitglieder, so waren es 2005 nur noch 1,503 Millionen, also 34,31% weniger.

 

Kommentar: Es ist höchst erfreulich, daß immer mehr Menschen systemisch korrupten öffentlich-(un)rechtlichen Organisationen demonstrativ den Rücken kehren – gleiches gilt ja auch für die Kirchen und Gewerkschaften. Jeder Verein, der eine derart katastrophale Mitgliederentwicklung aufwiese, wäre zum raschen Untergang verurteilt. Die Parteien können sich überhaupt nur noch dank ihrer vorgeblich "volksdienlichen Aufgabe" (!) am Leben erhalten (lassen). Allen ökonomischen Grundsätzen entsprechend wären die Parteien längst aufzulösen. Ihre "Mitwirkung an der politischen Willensbildung" – ein geradezu zynischer Euphemismus! – besteht darin, Bürger immer konsequenter zu entmündigen, ihre originäre Freiheitlichkeit einzuschränken – Herr Schäuble, hören Sie auf von "der vornehmsten Aufgabe des Staates, dem Schutz der Bürger" zu schwadronieren –, jede Kreativität abzuwürgen und vor allem die Großkonzerne steuerlich großzügig zu entlasten, wodurch die allgemeine Steuer- und Abgabenlast für Durchschnittsbürger und insbesondere den Mittelstand im internationalen Vergleich überproportional hoch liegt. Den Parteien geht es lediglich vor Wahlen darum, die treudoofen Mitglieder bei der Stange zu halten und als Plakatkleber und Claqueure einzuspannen.

 

2) Parteien finanzieren sich

 

a) aus den Mitgliedsbeiträgen (durchschnittlich 43%);

b) aus öffentlichen Zuschüssen (31%);

c) aus Spenden (ca 18%) und

d) aus sonstigen Einnahmen (Beteiligungen, Zinserträge, etc; ca 8%).

 

Hierbei werden die öffentlichen Zuschüsse dafür gewährt, daß "die politischen Parteien bei der Willensbildung mitwirken". Dieser "Zuschuß" macht bislang 133 Millionen € aus und soll jetzt auf 153 Millionen € erhöht werden.

 

Mit anderen Worten: Als Folge dessen, daß 34,31% der BürgerInnen erkannt haben, daß diese Systemparteien - lediglich ein ruchloses Machtspiel aufführen; - längst jegliche Bürgernähe vermissen lassen und - grundsätzlich nach den Wahlen alles wesentliche, was sie vorher versprochen und (per Grundsatzprogramm) ihren Mitgliedern vorgegaukelt haben, in ausgeprägter Demenz vergessen, also - sie, die Mitglieder, nur zahlende Marionetten waren und deshalb diesen Systemparteien enttäuscht den Rücken kehrten, wollen sich diese Vereine nun einen Extraschluck aus der öffentlichen (Steuer-) Pulle genehmigen. Folge: Statt wie bisher rund 58 € pro Parteimitglied wären dies dann 101,80 €, mithin 75,52% mehr – prozentual zur Zahl derer, die immer noch einem dieser Politclubs angehören.

 

Aus o.g. Kommentar wäre eine völlige Einstellung jeglicher Finanzierung der Parteien einzuklagen. Aber wer sollte dies rechtlich beschließen, geschweige denn durchsetzen; die Systemparteien haben sich ihre steuerlichen Erbhöfe gesichert.

 

- Sie besetzen die Posten der Intendanten bei allen öffentlich-(un)rechtlichen Medien;

- Sie (insbesondere die SPD) sind in erheblichem Maße an Zeitungen und Zeitschriften beteiligt;

- ohne ihren erhobenen Daumen wird kein Posten an einem höheren Gericht besetzt;

- sie kontrollieren auch die Staatsanwaltschaften; wer eine Karriere als Richter oder Staatsanwalt plant, bedarf des richtigen Parteibuchs und des entsprechenden "Wohlwollens";

- paßt dem Finanzminister eine Entscheidung des Bundesfinanzgerichts nicht, erläßt er kurzerhand einen 'Nichtanwendungsbescheid'. Dann verschwindet das Gesetz ungelesen und ohne juristische Relevanz in den Bibliotheken! Im Verlaufe der letzten sechs Jahrzehnte ereilte dieses Schicksal bereits Hunderte von Fällen(!) – einzigartig unter allen Industrienationen;

- passen dem Justizminister oder der jeweils regierenden Partei das Beharrungsvermögen und das Rechtsempfinden eines Staatsanwaltes nicht, wird dieser entweder "belehrt" (und beugt sich) oder er wird versetzt. So einfach geht das in unserer Parteiendemokratur!

 

3) Parteien erhalten Staatsgelder für Wahlstimmen:

 

- bei Europa-, Bundes- und Landtagswahlen: 0,70 € pro Stimme;

- für die ersten vier Millionen Stimmen gibt's sogar 0,85 €.

 

Daneben laufen ihre "Stiftungen" und diverse Beteiligungen. Das Wohlwollen der nur allzu käuflichen Politiker sichern sich die Konzerne durch Aufsichtsrats-/ Beiratsposten, die man (gerade nicht als Ministern dienenden) Abgeordneten und natürlich abgehalfterten Ministern – völlig jenseits jeglicher Qualifikation – andient; "Lobbyarbeit" heißt diese Klüngelwirtschaft, und sie ist in der Tat legal!

 

4) Parteien erhalten Staatsgelder für

 

- Spenden: 0,38€ für jeden gespendeten Euro und

- Mitgliedsbeiträge: 0,38 € für jeden Beitrags-Euro.

 

Welcher Verein – ich spreche von wirklich sinn- und nutzbringenden, gemeinnützigen Organisationen – erhielte jemals derartige Zuwendungen?!?

 

Summa summarum: Das bundesdeutsche Parteienwesen stinkt an allen Ecken und Enden. Es ist alles andere als demokratisch, vielmehr die Brutstätte schlüpfriger Karrieren und ungezügelter Machtgier, jenseits jeglicher Verantwortung und Verpflichtung im originären Sinne dessen, was die Politiker der Antike – von Solon und Perikles über Seneca und Hobbes, Kant und alle Aufklärer – als "öffentliche Verantwortlichkeit" postulierten.

 

Aber statt daß die Parteien mit Millionen wütender Protestschreiben überhäuft werden und die restlichen 1.503 Millionen ihren Parteiausweis zurückgeben, wird die brave, angepaßte Bürgerschar sich auch dieser Unverschämtheit der Parteien wortarm beugen.

 

Bedient Euch, Ihr Schergen der Demokratur, die Ihr den Kragen nicht voll genug bekommt, bis die Volksseele tatsächlich mal zu kochen beginnt und Euch zum Teufel jagt!

Fazit: Der Staat ist – auf absolut allen Ebenen – längst zur totalen Beute der Parteien verkommen!

H.-W. Graf

 


 

Rede anlässlich des ökumenischen Jahresempfangs der kirchlichen Dienststellen in Brüssel:

 

Manfred Kock

11. Dezember 2002

Es gilt das gesprochene Wort!

"Nicht du trägst die Wurzel,
sondern die Wurzel trägt dich"
(Römerbrief Kap. 11,18b)

 

Das Thema meines Vortrags oder besser sein biblisches Motto ist dem Brief des Apostel Paulus an die christliche Gemeinde im antiken Rom entnommen. Paulus war der erste christliche Missionar, der seinen Fuß auf europäischen Boden setzte. Auf seinen Reisen von Kleinasien nach Griechenland, oder auf dem Seeweg um Zypern herum, durch die Ägäis und zuletzt über Kreta und Malta nach Rom führten ihn seine Wege. Er war in Regionen unterwegs, die damals wie heute für Europa von besonderer Bedeutung sind. Paulus war nicht nur ein beeindruckender Prediger des Evangeliums, sondern er legte mit seinen Briefen und zahllosen persönlichen Kontakten den Grundstock für ein ökumenisches "Netzwerk" von christlichen Gemeinden und Kirchen in der gesamten Mittelmeerregion. Aus seinen Briefen spricht die Sorge um den Zusammenhalt der verschiedenen Ortsgemeinden – und ihre Verbindung nach Jerusalem. Die schon damals sehr bunten und vielfältigen Gemeinden warnte er nachdrücklich davor, ihre Ursprünge im Judentum zu vergessen. Sich von den eigenen Wurzel zu kappen hat keine Verheißung. Er schärfte der Gemeinde in Rom ein, das von Gott erwählte Volk Israel und die bleibende Gültigkeit seiner Verheißungen für das jüdische Volk auch künftig zu achten. Denn für Christinnen und Christen gilt: "Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich." Diese Mahnung wurde häufig überhört und in ihr Gegenteil verkehrt. Die europäische Geschichte der Judenverfolgung ist lang, schmerzlich und beschämend.

Was bedeuten nun die Worte des Paulus am Vorabend der Erweiterung der Europäischen Union? Welches sind die prägenden geistig-religiösen Wurzeln, die wir als Europäer nicht vergessen sollten und an die auch im Zusammenhang mit dem Entwurf einer Verfassung der Europäischen Union gedacht werden soll und muss ?
 
2. Die Wurzeln Europas

Europa ist kein einheitliches Gebilde und ist dies nie gewesen, Europa ist geprägt von Veränderung und Pluralität und zieht seine kulturelle Substanz aus vielen Wurzeln. Europa ist ein Mosaik aus unzähligen kleinen und größeren Teilen, die alle für das Gesamtbild unentbehrlich und wertvoll sind. Ein politisches Unikat und ein geografisches Unikum zugleich, denn wer vermag ganz präzise zu sagen: Hier ist Europa zuende und dort beginnt es. Europa wächst nicht aus einer einzelnen Wurzel, sondern wird von einem starken und vielfältigen Wurzelgeflecht getragen. Ich möchte von den wesentlichen religiösen Wurzeln und ihrer Bedeutung für das zusammenwachsende Europa sprechen. Sie verbinden sich mit klingenden Namen: Jerusalem, Athen, Rom, Konstantinopel, Kiew und Moskau.

Europa ist älter als die Kirchen, es schließt germanisches, jüdisches und slawisches Erbe ein; die römische und griechische Antike und die arabisch#sarazenische Kultur haben ebenfalls den europäischen Entwicklungsstrom gespeist.

Was die christlichen Impulse angeht, so ist Europa im Osten in byzantinisch orthodoxer, im Westen in römisch#katholischer und reformatorisch-protestantischer Ausformung geprägt worden. Die durch die Jahrhunderte hindurch entwickelten unterschiedlichen konfessionellen Räume sind bis in unsere Gegenwart spürbar. Sie beeinflussen # verbunden mit den Wirkungen der neuzeitlichen Aufklärung # die Kultur und das Lebensgefühl der Menschen bis heute. Hinzu kommt die Prägung, die das Judentum für Europa geleistet hat.
Was können die Kirchen auf diesem Hintergrund zu einem Europa der Zukunft beitragen?
In drei Schritten will ich antworten:
 
2.1   Versöhnung in Europa

Die christlichen Kirchen können einen Beitrag zur Entwicklung und Wahrung von Frieden und Gerechtigkeit in Europa leisten, wenn sie sich auf die Mitte ihrer Botschaft besinnen, denn aus ihr kommen Offenheit und  Versöhnungsfähigkeit. Die Kirchen müssen dabei helfen, dem Missbrauch von Religion zu wehren. Das ist gerade in diesen Monaten eine herausragende Aufgabe.

Auch gegenwärtig gibt es noch blutende Teile Europas, die sich konfessioneller Gegensätze bedienen, um Gewalt und Terror ideologisch zu begründen. In Nordirland sind es die katholischen und protestantischen Traditionen; in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens ist es im Augenblick unter dem Schild des multinationalen Militäreinsatzes einigermaßen ruhig, aber dort sind es in erster Linie römisch#katholische und orthodoxe Herkünfte, die gegeneinander und in Spannung zu muslimischen Traditionen stehen.

Ethnische Konflikte können jederzeit aufbrechen. Ein Zusammenwachsen wird nur möglich sein, wenn Rücksicht auf die Vielfalt genommen wird. So wie das protestantische Verständnis von Ökumene von einer Einheit in der Vielfalt ausgeht, so ist auch eine politische Einheit nur denkbar, die unterschiedliche Kulturen und Lebensformen respektiert. Wo solche Unterschiede zum Hebel für ökonomische Ungleichheit,  zum Ausschluss von politischer Teilhabe oder zur Kompensation von Unsicherheit und Minderwertigkeitskomplexen genutzt werden, da geschieht Missbrauch der kulturellen und religiösen Herkunft.

Das Wachsen der Europäischen Union lenkt den Blick auch auf den Beitrag des Islam zur Kultur in Europa. Inzwischen leben etwa 15 Mio. Muslime in Europa, in Deutschland sind es mehr als 3 Millionen.

Kontakte zu muslimischen Gemeinden haben sich in der Zeit nach der Erschütterung durch die Attentate vom 11. September 2001 bewährt. Doch wir sind erst Anfänger im Dialog mit den Muslimen. Vielerorts lähmen Unsicherheiten über die eigene christliche Identität die Integrationskraft. Erst wenn wir mehr für die Vergewisserung unserer Identität getan haben, werden wir auch die Bereicherungen durch die Anwesenheit anderer Religionen in unserem Land entdecken können. "Statt einem Kampf der Kulturen das Wort zu reden, sollten wir einen Kampf um Kultur aufnehmen."(1)  – heißt es in der Kulturdenkschrift der EKD, die wir kürzlich veröffentlicht haben.

Der Dialog mit Muslimen ist nicht einfacher geworden. Wer im Islam für wen eigentlich verbindlich sprechen kann, dies bleibt selbst in jenen europäischen Ländern unklar, in denen gesetzliche Vorgaben die Muslime zu verbandlicher Zentralisierung zwingen. Uns begegnet bei einem Teil der Muslime Gesprächsbereitschaft, andere schotten sich völlig ab. Es gibt in der Öffentlichkeit Stimmen, die von prinzipieller Unfähigkeit des Islam zum Dialog sprechen.

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler hält die muslimisch-türkische Diaspora (>hier<) für "im Prinzip nicht integrierbar" (Interview in der TAZ v. 10.9.02). Der Orientalist Hans-Peter Raddatz warnt davor, die Gewaltbereitschaft und den Hass auf die sog. "Ungläubigen", dazu rechnen Juden und Christen, nur den Fundamentalisten zuzuschreiben und sich für den offiziellen Dialog einer "Islam-Fiktion" zu bedienen (so in der WELT v. 11.9.02). Andere weisen hin auf Imame in Moscheen und Lehrer in den Koranschulen, die Hass auf die Welt des Westens gepredigt hätten und sich als Basis ihres Erziehungsprogramms des Wahhabismus bedienen, der seine machtvolle Realisation in der saudi-arabischen Herrscherdynastie habe.

* der islamische Theologe Mohammed Ibn Abd al-Wahhab (1703 - 1792) forderte Wiedereinführung altarabischer Gesetze, z.B. bei Diebstahl Abhacken der Hand des Diebes, und nachkoranischen Neuerungen auszumerzen.

So nachdenklich solche Stimmen machen können, sie tragen zur Lösung unseres Integrationsproblems in Europa nicht bei. Wir haben zum Dialog keine Alternative. Er ist der einzige vorstellbare Weg in die Zukunft. Bei diesem Dialog darf jedoch nicht der Fehler gemacht werden, die verschiedenen religiösen Herkünfte für bedeutungslos zu erklären. Nivellierung und Assimilation sind keine Lösung.

Bei allen Begegnungen mit Muslimen sind unsere Gesprächsfähigkeit und unsere kritische Wahrnehmung gleichermaßen gefragt. Erfahrungen aus der Geschichte unserer Kirche und unseres Landes, die wir zu ganz wesentlichen Teilen der Reformation und der Auseinandersetzung mit der Aufklärung verdanken, haben wir in die Gespräche mit den Muslimen einzubringen.

  • Dazu gehört, dass wir die organisatorische Trennung von Kirche und Staat befürworten und in der Partnerschaft von Staat und Kirche ein bewährtes Modell gefunden haben, das der Freiheit des Glaubens dient und zugleich der Gesellschaft Nutzen bringt.
     

  • Dazu gehört, dass wir staatliche wie geistliche Autorität relativieren und gegen die Ansprüche der Gemeinschaft persönliche Freiheit und die Prinzipien des Rechtsstaats als Grundlage des demokratischen Zusammenlebens befürworten.
     

  • Dazu gehört, dass wir das Gewaltmonopol des Staates anerkennen.
     

  • Dazu gehört, dass die Freiheit des Einzelnen immer mit der Bereitschaft zur Verantwortung verbunden sein muss.
     

  • Dazu gehört das Eintreten für die Gleichstellung von Männern und Frauen.
     

  • Dazu gehört, dass wir uns aus christlicher Überzeugung für Benachteiligte, für gerechte soziale Strukturen, die Förderung des Friedens und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen.

Die Zuspitzung der kirchlichen Aufgaben für Europa auf diese Fragen macht deutlich: Es geht nicht um europäisch#abendländische Restauration. Die blutige Geschichte Europas zeigt, dass die christlichen Kirchen nicht schon automatisch Herz und Seele für Europa gewährleisten. Das menschliche Gesicht Europas bedarf der nüchternen Erkenntnis, dass triumphalistische Dominanz christlicher Provenienz auch mit dem dunklen Schicksal Europas verwickelt ist.

  • Mit ihrer Spaltung liefern die Kirchen ein negatives Bild. Spaltung schwächt die Glaubwürdigkeit ihres Auftrages. Solange die Kirchen die gewachsenen Unterschiede aggressiv gegeneinanderstellen oder die unterschiedlichen Herkünfte zur ideologischen Waffe für den Kampf zwischen Wirtschaftsinteressen missbrauchen lassen, sind sie Hindernis im europäischen Einigungsprozess.
     

  • Die Einigungsschritte der Kirche sind daher Ausdruck einer Bußbewegung, die auf eine Gemeinschaft der versöhnten Verschiedenheit zielt. Es gibt Hoffnungszeichen für die weitere Entwicklung. Die Charta Oecumenica ist ein solches Zeichen.
     

  • Viele Kirchen in Europa haben sich an kolonialistischer Beherrschung beteiligt, haben legitimiert, dass in der Welt Kulturen zerstört wurden, und haben geschwiegen, wenn die Ausrottung von Menschengruppen in Kauf genommen wurde. Ein "Überlegenheitswahn" europäischer Völker sichert bis heute die Herrschaft über die Reichtümer und Märkte anderer Völker.

    Dass die Kirchen zur Umkehr bereit sind, zeigt sich heute im Kampf gegen den Hunger in der Welt und im Einsatz für Gerechtigkeit, den viele Kirchen leisten und bei den Regierungen ihrer Länder einfordern.
     

  • Bußbedürftig sind die Kirchen auch im Blick auf das Verhältnis von Männern und Frauen. Die Kirchen haben über Jahrhunderte in patriarchalischen Strukturen gelebt und darin das gesellschaftliche Leben geprägt. Trotz eines unübersehbaren Wandlungsprozesses gibt es nach wie vor Diskriminierung, ungleiche Bezahlung, falsche Lastenverteilung und unzureichende Beteiligung an Leitungsverantwortung. Was diese Frage angeht, stimmen wir den Bemühungen um rechtliche Regelungen gegen Diskriminierung in Europa zu.
     

  • Eine solche Bußbewegung bezieht sich auch auf die Verfehlungen gegenüber dem Auftrag, die Schöpfung Gottes zu bewahren. Der Auftrag der Heiligen Schrift, sich die Erde untertan zu machen, wurde als Recht zur Unterwerfung missverstanden. Die Folgen sind noch unübersehbar.

    Die Kirchen in Europa sind den europäischen Gesellschaften diese Bußbewegung schuldig. Freilich ist Buße "kein Ersatz für Gerechtigkeit und Wahrheit" (Schlussdokument von Graz, 1997), sondern deren Voraussetzung.

2.2   Soziale Gerechtigkeit in Europa

Die kapitalistische Wirtschaft in Europa braucht Zähmung. Christliche Kirchen haben daran zu erinnern: der Mensch ist nicht Eigentümer, sondern Treuhänder der Erde. Aber die Globalisierung macht die Welt zu einem einzigen Markt.

In schwieriger und schmerzhafter Weise wird dies gegenwärtig auch in den osteuropäischen Gesellschaften spürbar, dass viele Menschen, ja ganze Berufsstände und Regionen an den Rand der ökonomischen Entwicklung gedrängt werden. Von den Erfolgen der ökonomischen Entwicklung profitieren also keineswegs alle gesellschaftlichen Bereiche.

In dieser Situation ist es nötig, dass die Kirchen sprechen. Dabei geht es nicht um kirchliche Interessen, sondern um die verbindende Kraft der Botschaft: "Du bist nicht für dich selber da!"

In den ökonomischen Entwicklungen sind die Kirchen Fürsprecher für das Leben, für das leidende, sterbende und behinderte Leben. Die Botschaft von der Erlösung Christi macht zur Hoffnung fähig. Sie entlastet, denn sie lässt auch Vorletztes und Unvollkommenheit aushalten.

 

2.3   Europa als Friedensfaktor stärken

Bei der Antwort auf die Herausforderungen durch Krieg, Terror und anderer ideologisch motivierter Gewalt sind die Gemeinsamkeiten der Kirchen besonders groß. Ihre Zusammengehörigkeit überschreitet die Grenzen zwischen den Völkern. Der Friede, "der höher ist als alle Vernunft", kann Menschen wieder zu Gott und zueinander führen. Das zu bezeugen ist ihre zentrale Aufgabe. Dieses öffentliche Zeugnis sind die Kirchen den in Europa zusammenwachsenden Nationen schuldig. Sie nennen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit beim Namen und setzen sich für die Strafverfolgung von Verbrechen durch nationale und internationale Gerichtsbarkeit ein.

Die Kirchen haben aus der biblischen Friedensbotschaft heraus dafür einzutreten, dass die Sicherheitspolitik weiterentwickelt wird. Nationalstaaten muss die Fähigkeit genommen werden, eigenständig Kriege zu führen. Wir müssen darauf bestehen, dass der ‘prima ratio’, also der politischen Konfliktlösung, höchste Priorität beigemessen wird, damit so selten wie möglich zu militärischer Gewalt als ‘ultima ratio’ gegriffen werden muss. Darum ist es nötig, die Fixierung der Politik auf die militärischen Optionen der Konfliktlösung, insbesondere bei der Terrorbekämpfung zu überwinden.

Die Vision eines "Europa mit menschlichem Gesicht" leitet die Menschen und auch die kirchliche Arbeit seit Jahren. Vierzig Jahre lang war die Grenze durch Deutschland reales Symbol der Trennung der Welt in zwei Teile. Diese Grenze hat viele in unserer Kirche nicht davon abgehalten, Schritte auf dem Weg der Begegnung und der Versöhnung zu suchen. Und sie fanden jeweils auf der anderen Seite der Grenze Partner, die das verstanden haben.

Europa war dabei kaum ein eigenes kirchliches Thema. Erst seit dem Fall der Mauer ist die Herausforderung deutlich geworden. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat nach der Vereinigung des Landes ihren besonderen Auftrag auch darin gesehen, die Einigung Europas nicht auf die westeuropäischen Länder zu beschränken, sondern die östlichen Nachbarn einzubeziehen und dabei das kulturelle Erbe und die geschichtliche Verpflichtung aus den schrecklichen Erfahrungen der Zeit des Nationalsozialismus und des Realsozialismus in den europäischen Einigungsprozess einzubringen.

Inzwischen ist die Entscheidung gefallen, weitere östliche Nachbarn der EU beitreten zu lassen. Das ist nicht nur und nicht in erster Linie ein ökonomisch bedeutender Vorgang. Er ist vor allem Ausdruck der gemeinsamen kulturellen Verantwortung, die wahrzunehmen ist für die Gestaltung des künftigen, friedlichen Zusammenlebens in unserem Kontinent, der eine Jahrhunderte lange Geschichte von Kriegen hinter sich hat. Es ist zu hoffen, dass dieser Prozess weiter entwickelt wird. Eine Rückkehr in nationalstaatliche Politik hätte verheerende Folgen.

Die "Christen und Kirchen, die sich zur Verheißung einer neuen Schöpfung als Bestandteil ihres Glaubens bekennen, haben die Aufgabe, ihre Vision einer gerechten, friedlichen und bewahrten Welt in die Gestaltung des neuen Europa mit einzubringen." So hat es im Jahre 1996 die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland einmal programmatisch  festgestellt.

Mit der Erweiterung stellt sich für die Europäische Union und alle die sie tragenden gesellschaftlichen Kräfte, also auch die Kirchen, die Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass Menschen und Völker jenseits dieser Grenzen nicht aus der Solidarität ausgeschlossen werden. Die Frage, wer zu Europa gehört und wer nicht, darf das Klima untereinander nicht vergiften. Hier sehe ich die großen Herausforderungen im Dialog zwischen den Kirchen des Westens mit den Kirchen der orthodoxen Tradition.

 

3. Konstruktive Pluralität als christliches Erbe

Aufs Ganze gesehen sind also die gemeinsamen Wurzeln Europas, die uns heute tragen, vielgestaltig. Einen Exklusivanspruch auf das europäische Erbe kann niemand erheben - auch das Christentum nicht.

Gleichwohl gilt: Europa ist ganz wesentlich von christlichen Traditionen geprägt, selbst wenn das den politisch Handelnden nicht immer bewusst ist und sich manche mittlerweile gar nicht mehr so gerne daran erinnern lassen. Doch darf sich Europa nicht von seinen jüdisch-christlichen Wurzeln distanzieren oder gar der Versuchung eines oberflächlichen Modernismus unterliegen, sie zu kappen.

Ein Beispiel soll dies unterstreichen:

Im Westfälischen Frieden von 1648 ging es im Kern um die Frage, wie drei christliche Konfessionen – Katholiken, Lutheraner und Reformierte – die in der Zeit des 30 jährigen Krieges in die blutigen Kämpfe ihrer Staaten verwickelt waren, auf Dauer nebeneinander in geordneten Verhältnissen leben könnten. Die Antwort lag in der Ausgestaltung neuer nationalstaatlicher Rechtsordnungen in Europa. Diese Entwicklung wäre ohne die humanitären Anteile der christlichen Überlieferung nicht denkbar gewesen, doch lag ihr Ziel primär in der Schaffung eines Rechtsrahmens für das staatliche Handeln und nicht eines überkonfessionellen Rahmens für die christlichen Denominationen. Der Westfälische Frieden konzipierte eine eher nüchtern-pragmatische Rechtsordnung, die darauf zielte, die konfessionellen Lager soweit voneinander zu trennen wie nötig, damit nicht neuer Gewalt Vorschub geleistet wurde. Nicht ganz freiwillig wurden die Kirchen durch diese auch für sie verbindlichen Regelungen auf ein Nebeneinander auf relativ engem Raum eingestellt. Kein Zweifel, das war das Verdienst von Menschen, die sich einer humanen Rationalität eher verpflichtet fühlten, als den jeweiligen damaligen kirchlichen Eigeninteressen, die aus sich heraus zu einer solchen Lösung nicht gefunden hätten.

Die westlichen Kirchen haben aus den dunklen Kapiteln ihrer Geschichte gelernt (??) und sind selber zu Protagonisten jener Regelungen geworden, die sie in der Vergangenheit aus eigener Kraft nicht hätten formulieren und umsetzen können. Heute sind sie mit anderen gesellschaftlichen Kräften daran interessiert, dass im staatlichen und zwischenstaatlichen  Bereich nicht mächtige Einzelinteressen bzw. nationale oder parteipolitische Egoismen obsiegen (?? Wählerbeeinflussung von der Kanzel herab).

Zum positiven europäischen Erbe gehört die konstruktive Wechselwirkung von religiösen Identitäten und weltanschaulich unabhängigen staatlichen Strukturen, die gleichwohl von Menschen gestaltet und gehandhabt werden, die ihre religiöse oder weltanschauliche Prägung ja konstruktiv in die Führung von Ämtern und Mandaten einbringen und darum ihre Kirchenzugehörigkeit nicht verstecken müssen.

Der friedliche Einigungsprozess Europas, dessen Zeugen wir sind, ist ein historisches Ereignis. Was die komplexen gesellschaftspolitischen Entwicklungen prägt, ist nicht statisch zu beschreiben. Kulturelle und auch religiöse Traditionen sind höchst lebendige Quellen, aus denen Europa Kraft schöpft. Darum dürfen sie bei der Suche nach notwendigen Identifikationsgrundlage für die Bürgerinnen und Bürger mit Europa weder als historische Relikte vernachlässigt noch als unveränderliche Gegebenheiten missverstanden werden.  Auf der Suche nach den gemeinsamen Wertgrundlagen ist zu entdecken, dass der Umgang mit dem religiösen Erbe Europas ein dynamischer Vorgang ist. Der christliche Glaube und die ihn vermittelnden Institutionen, Familie und Kirche, sind dabei lebendige Faktoren, die sich ständig neuen, veränderten Herausforderungen stellen müssen. Das reformatorische Prinzip der "ecclesia semper reformanda", der permanenten Reform, gilt längst über den Protestantismus hinaus für alle Kirchen, mehr noch, es gilt für die moderne Gesellschaft schlechthin. Solche Lernbereitschaft und Flexibilität sind nicht einfach nur Kennzeichen der säkularen Moderne, sondern sie sind Markenzeichen jüdisch-christlichen Denkens. Als Werte behalten sie ihr Gewicht und ihr innovatorisches Potenzial am ehesten, wenn man sich ihrer religiösen Wurzeln erinnert.

 

4. Die Bedeutung des religiösen Erbes Europas für einen europäischen Verfassungsvertrag

Eine Verfassung der Europäischen Union, die identitätsstiftende Funktion haben soll, sollte den gebührenden Respekt vor den Quellen erkennen lassen, aus denen die Bürger der EU ihre Werte, ihr Selbstverständnis schöpfen. Sie sollte darum die gemeinsamen Wurzeln deutlich benennen. Zu diesen Grundlagen europäischer Identitäten gehören – wie bereits dargestellt - neben den kulturellen und philosophischen ganz wesentlich auch die religiösen Traditionen. Dabei spielt die Tatsache der christlichen Prägung der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger Europas zwar keine exklusive aber doch eine wichtige Rolle. Europa muss anderen Religionen und Weltanschauungen Raum geben, sofern sie bereit sind, sich aktiv und konstruktiv auf den Wertekanon der EU einzulassen.

Die Präambel des europäischen Verfassungstextes, sollte sie denn einen Verweis auf das religiöse Erbe - oder gar einen dezidierten Gottesbezug - enthalten, würde damit nicht von den Kirchen exklusiv vereinnahmt werden, so als bilde nur ein einziges religiöses, politisches oder weltanschauliches Glaubensbekenntnis die Möglichkeit zur Identifikation mit der Verfassung. Aber es ist unbestreitbar, dass die Grundlagen des europäischen Wertekanons sich aus den Quellen der christlichen Überlieferung gespeist haben. Es geht heute beim religiös-spirituellen Erbe um einen wesentlichen gemeinsamen Wurzelstrang Europas, nicht um eine kulturhistorische Nebensache. Ein Bezug auf das religiöse Erbe wirkt identitätsstiftend, und verweist neben der individuellen und partikularen Verantwortlichkeit auch modellhaft auf die gemeinschaftliche Verantwortung gesellschaftlicher Gruppen für die Zukunft Europas.

 

5. Geordnete religiöse Vielfalt als Bestandteil nationaler Identität - Konsequenzen aus der Erklärung 11 des Amsterdamer Vertrages

Das Verhältnis von Staat und Kirche ist in den einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlich ausgestaltet und in der Regel über Jahrhunderte historisch gewachsen. Die europäische Einigung kann nur dann erfolgreich fortgesetzt werden, wenn sie auf solchen Fundamenten aufbaut.

Ein künftiger Verfassungsvertrag für die Europäische Union müsste darum sicherstellen, dass die staatskirchenrechtliche Vielfalt erhalten bleibt. Europäische Politik und die Gesetzgebung der Union haben häufig nur indirekte, aber gleichwohl vielfältige Auswirkungen auf die Arbeitsfelder der Kirchen und auf deren eigene Gesetzgebung oder die rechtliche Verfasstheit von Caritas und Diakonie. Als Beispiele sei hier auf die Bedeutung des Tendenzschutzes für die Anstellungsbedingungen verwiesen; ein weiteres Beispiel ist der Bereich der karitativen bzw. diakonischen Dienstleistungen etwa in der häuslichen Krankenpflege, für die das europäische Wettbewerbsrecht keine Bedingungen schaffen darf, die mit den christlichen Standards von menschenwürdiger Pflege nicht oder nur schwer vereinbar sind.

Die Europäische Union sollte den Status der Kirchen in der Form, wie der durch das nationale Recht vorgegeben ist, unangetastet lassen. Ein Beitrag hierzu wäre eine ausdrückliche Klarstellung in einem künftigen Verfassungsvertrag, dass der Status der Kirchen in den Mitgliedstaaten als Bestandteil der nationalen Identität von der Europäischen Union respektiert würde.
 
6. Demokratie braucht Teilhabe - Plädoyer für einen strukturierten Dialog der Europäischen Union mit den Kirchen

Demokratie lebt von der Teilhabe die Bürgerinnen und Bürger und gesellschaftlicher Gruppen an den politischen Willensbildungsprozessen. Auch das zusammenwachsende Europa als Union demokratischer Staaten braucht wechselseitige Rückkopplung zwischen den Bürgern, den gesellschaftlichen Gruppen und politischen Entscheidungsträgern.

Der Dialog europäischer politischer Institutionen mit den gesellschaftlichen Kräften ist eine wichtige Voraussetzung, um die gemeinsamen, vielgestaltigen Wurzeln des religiösen, philosophischen und geistigen Gedankenguts zu pflegen, ihr Zukunftspotenzial zu erschließen und im politischen Alltag Gestalt gewinnen zu lassen. Auch müssen sich die politischen Entscheidungsträger Europas an die ethischen Maßstäbe ihres Handelns erinnern lassen, damit in Europa eine nachhaltige Politik gemacht wird, die den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Toleranz verpflichtet bliebt und zugleich ein menschliches Gesicht behält.

Nicht zuletzt darum sollte der Grundsatz der Partizipation, also der Teilhabe an den politischen Gestaltungsprozessen in einem künftigen Verfassungsvertrag verankert werden, um der besondere Rolle von Nichtregierungsorganisationen wie etwa den Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften gerecht zu werden.

Die EU-Institutionen werden es alleine nicht schaffen, ihre Politik dem Bürger näher zu bringen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mit der EU identifizieren. Sie brauchen die Vermittlung der gesellschaftlichen Gruppen und sollten sich darum weiterhin intensiv um das politische Gespräch mit ihnen bemühen. Gesellschaftlicher Konsens und Werteerneuerung wachsen aus vielen Diskursen, dort aber brauchen wir motivierte und engagierte Menschen. Noch immer gehört freiwillige Mitgliedschaft in organisierten Teilen der Gesellschaft wie Kirchen und Verbänden zu den elementaren Formen bürgerschaftlichen Engagements.

Die Kirchen und andere große gesellschaftliche Gruppen bieten in vielfältiger Weise Praxisfelder für gesellschaftliches Handeln, in dem sich Werte ausdrücken, bewähren müssen und zugleich reflektiert und weiterentwickelt werden.

Wo wären wir beispielsweise in der Frage der menschenwürdigen Versorgung von Krankenhauspatienten ohne tragendes familiäres Umfeld ohne die ehrenamtlichen Kräfte der Krankenhausseelsorge und der Krankenhaushilfe? Kirchen - und wie sie auch andere "Freiwilligenagenturen" haben damit Brückenfunktion zwischen der Bürgerschaft, staatlichen Institutionen und politischen Verantwortungsträgern.

Schließlich möchte ich darauf verweisen, dass es sich beim Öffentlichkeitsauftrag der Kirchen nicht etwa um eine eigenmächtige Anspruchshaltung handelt. Christen sollen ihr Licht nicht unter einen Scheffel stellen. Sie sind mit ihrer Botschaft und ihrem Dienst "Salz der Erde".

Weil die Kirchen solche biblische Verpflichtung zum öffentlichen Zeugnis und Dienst ernst nehmen, engagieren sie sich in gesellschaftlichen Prozessen und beziehen öffentlich Stellung. In der säkularen Gesellschaft Europas können die Kirchen diesen Öffentlichkeitsauftrag nur dann zum Nutzen für alle erfüllen, wenn sie sich ihrerseits nicht ins Getto der Privatheit abgedrängt werden, sondern wenn sie die Gelegenheit behalten mit anderen gesellschaftlichen Gruppen im Rahmen der Zivilgesellschaft engagieren.

Das Besondere an Kirchen und Religionsgemeinschaften ist, dass sie nicht aus dem gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsprozess legitimiert sind, sondern für die transzendente Dimension des menschlichen Lebens stehen und die darin begründeten Werte. Dies spielt eine wesentliche Rolle in der bioethischen Debatte. Das Menschenbild Europas ist von der biblischen Vorstellung der Gottebenbildlichkeit stärker geprägt als von anderen geistigen Einflüssen. Dies gilt auch für die davon abgeleiteten Werte, wie etwa der Menschenwürde, die gerade dort, wo sie von ihren religiös-spirituellen Wurzeln isoliert betrachtet wird, Anfälligkeit für Aufweichung zeigt. Ich denke dabei an die Frage des Personseins, die aus der Perspektive der biblischen Wurzeln anders beantwortet werden muss, als aus der Verkürzung auf ein reduziertes Verständnis vom "Bewusstsein". Die biblischen Wurzeln mahnen an, dass das Personsein des Menschen, sein Wert und seine Würde nicht von ökonomischen, psychologischen oder physiologischen Kriterien abhängig gemacht werden dürfen.

Anders als andere gesellschaftliche Verbände, Parteien, Gewerkschaften u.a. vertreten die Kirchen keine Partikularinteressen. Sie setzen sich für Werte ein, die eine freie Gesellschaft für die Erfüllung ihrer Aufgaben und die Bewältigung ihrer Konflikte braucht: unbedingter Schutz der Menschenwürde, Toleranz und Verpflichtung auf Freiheit und Gleichheit der Menschen ebenso wie nachhaltige Förderung und Stärkung der Gemeinschaftsfähigkeit und damit Stärkung der Demokratie.

 

7. Sollte eine europäische Verfassung einen Gottesbezug benennen?

Der Gottesbezug eines Verfassungstextes ist stets konfliktträchtig und sollte in der gebotenen Zurückhaltung, die sich im Respekt vor anderen Verfassungstraditionen und vor Nicht- und Andersgläubigen ergibt, diskutiert werden.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland enthält in seiner Präambel mit der Formulierung "im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen..." einen ausdrücklichen Transzendenzbezug, um dadurch einerseits die Begrenztheit der positiven Verfassungsgebung zu verdeutlichen, und sich andererseits von jeglichem Absolutheitsanspruch des Staates auf alle Lebensbereiche zu distanzieren .

Diesen Weg hat das deutsche Grundgesetz auf dem Hintergrund der Erfahrungen des Dritten Reiches mit dem totalen Staat gewählt. Hier hatte sich eine Ideologie zum Religionsersatz bzw. ein politischer Führer zur letzten Instanz über Tod und Leben aufgeschwungen und die selbst geschaffene Ordnung verabsolutiert. Indem nun die letzte Verantwortung vor Gott festgehalten wird, soll die Selbstbegrenzung des politischen Gemeinwesens zum Ausdruck gebracht werden. Der Verweis auf Gott als Horizont unserer Verantwortung relativiert alle Ansprüche auf menschliche Allmacht.

So wäre es wünschenswert, wenn durch einen zusätzlichen Gottesbezug im europäischen Vertragswerk festgehalten und unterstrichen würde, dass jeder Verabsolutierung der politischen Ordnung der Europäischen Union ein Absage erteilt wird.

Man könnte nun einwenden, dies sei doch vor allem ein deutsches Problem. Deutschland sei ein "gebranntes Kind" und wolle deshalb sich selbst schützen, aber für Europa müsse das nicht in gleicher Weise gelten.

Ich sage: Gerade für Europa muss dies gelten. Denn die Hitlerdiktatur war nicht das einzige totalitäre Regime in Europa, wenn auch seine Aggressionen unvergleichbar waren und eine Verwüstung ganz Europas zur Folge hatten. Andere totalitäre Herrschaftsformen, nämlich die kommunistisch-stalinistischen und die nationalistisch-autoritären Diktaturen haben deutliche Spuren der Zerstörung hinterlassen.

Zugegeben: problematisch wird ein Gottesbezug in diesem Zusammenhang, wenn Totalitarismus gerade in Verbindung mit Religion oder Kirche erlebt wurde. Vor diesem Hintergrund könnte der Verweis auf Gott genau anders herum verstanden werden: nicht als Begrenzung staatlicher Macht, sondern als deren transzendente Legitimation.

Die Gefahr einer totalitären Vereinnahmung scheint mir aber bei einem deutungsoffenen Gottesbegriff, der die Selbstbegrenzung des Staates verdeutlicht und sich der Vereinnahmung durch eine bestimmte Religion oder Konfession entzieht, eher gering.

Der Transzendenzbezug in einer künftigen Europäischen Verfassung soll nicht die Verfassung im Sinne einer bestimmten Konfession oder Religion anreichern. Gott müsste dann vielmehr als deutungsoffene Chiffre stehen für die Begrenzung staatlicher Macht, die für alle Vorstellungen von Transzendenz offen ist, seien sie jüdischer, christlicher, muslimischer oder anderer Natur.

Ein solcher deutungsoffener Transzendenzbezug würde zugleich die vielfältigen europäischen Wurzeln widerspiegeln und denjenigen Menschen in Europa helfen, die ihr Wertesystem religiös verankert haben. Die wenigsten Menschen im heutigen Europa sind konsequente Atheisten, die jede Form von Religiosität ablehnen. Wenn man Umfragen aus den letzten Jahren Glauben schenken darf, dann ist der Glaube an Gott oder an eine göttliche Macht bei der überwiegenden Mehrheit fest verhaftet. Häufig orientieren sich Menschen nicht an bestimmten religiösen Dogmen und konfessionellen Ausprägungen, sondern drücken ihre religiöse Haltung einesteils in einem diffusen Transzendenzgefühl, andernteils in der Suche nach Klarheit und Gewissheit aus.

Wenn in der Präambel einer künftigen Europäischen Verfassung die Selbstbegrenzung des politischen Gemeinwesens durch einen expliziten Transzendenzbezug ausgedrückt würde, widerspräche das nicht dem Anspruch der EU, eine weltanschaulich neutrale verfasste Staatengemeinschaft zu verkörpern. Im Gegenteil ist die weltanschauliche Neutralität des Staates auch ein christliches Postulat, sie ist aus theologischer Sicht wünschenswert.

Wichtig für diese Auffassung ist Luthers Lehre von den "zwei Regimentern" oder "zwei Reichen". Luther unterschiedet zwei Handlungsweisen Gottes in bezug auf diese Welt: mit der "Linken" will Gott die Welt erhalten und durch die politische Ordnung "unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden (zu) sorgen" (Barmen V). Mit seiner "Rechten" will Gott die Welt erretten und Menschen ohne jeden Zwang, sondern allein durch die Verkündung des Evangeliums zum Glauben führen. Auf der Rechten zielt alles auf den Glauben, auf der Linken spielt der Glauben zunächst keine Rolle. Aus reformatorischer Sicht ist deshalb Ziel nicht ein christlicher Staat, sondern vielmehr ein Staat, der christlichen Werten Raum gibt und die freie Religionsausübung gewährleistet. Beide Regierungsweisen Gottes werden jedoch dadurch zusammengehalten, dass die Menschen in beiden Bereichen, auch in der Politik, mit ihren Verhalten vor Gott verantwortlich sind.

Die Politik ist kein autonomer, und insofern "gottloser" Bereich unserer Gesellschaft, als Gottes Gebote, der Zuspruch seiner Vergebung und die Verheißung seines Friedens für Politiker keinerlei Relevanz hätten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Beispiele für Versagen und Schuld bei den Skandalen im Bereich der Parteienfinanzierung zeigen doch, dass der Buchstabe des Gesetzes nicht alles ist, was Menschen in politischer Verantwortung verlässlich hilft, die moralische Orientierung zu behalten.

Auch die Bewahrung der weltanschaulichen Neutralität des Staates braucht letztlich eine geistig-moralische Voraussetzung, die sich nicht automatisch schon aus dem Postulat solcher Neutralität ergibt. Das Bemühen, den Menschen anderer Überzeugung unbedingt respektieren zu wollen, wurzelt im Wissen und in der Gewissheit, dass auch dieser andere ein von Gott geliebter und respektierter Mensch ist. Diesen Wurzelgrund, diesen "Humus der Humanität" kann sich weder der säkulare Nationalstaat noch das geeinte Europa selber schaffen.

"Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich". Diese theologische und politische Einsicht des Völkerapostels aus den frühen Tagen Europas hat in diesen Monaten und heute an der Schwelle zur Erweiterung der Europäischen Union bleibende Aktualität.

 

Fußnote:

(1)   Räume der Begegnung, Seite 66


 

Interview mit dem Historiker Saul Friedländer, der im Oktober 2007 in Frankfurt mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wurde.  (? Wie, was, das ist doch kein Interview! Die Herkunft der folgenden (Mitte 2006 als e-Mail erhaltenen) Ausführungen sind nicht bekannt. Das muß nachgeforscht werden (dürfte möglich sein über die angegebenen Namen). Da aber doch einige Anregungen darin zu finden sind, wurden sie (die Ausführungen) nicht gelöscht.

 

Als Nährboden für die Ausbreitung extremer Positionen sehe ich den Egoismus. Aktueller Anlass für diese Einschätzung ist die Abschiebung von Familien ausländischer Herkunft, die wegen des Zeitpunkts (Schuljahr hat bereits begonnen) und dramatischer Begleiteffekte (eine 15-Jährige entzog sich durch Flucht der Abschiebung und droht für den Fall der Abschiebung mit Suizid, ihre Mutter erlitt einen Nervenzusammenbruch und musste ins Spital gebracht werden, ihr Vater und ihre Geschwister wurden abgeschoben) zum Gesprächsstoff geworden sind. Was von den Befürwortern der Abschiebung in der Bevölkerung (Internetdebatten und live-Gespräche) geäußert wird, erklärt Friedländers geänderte Einschätzung hinsichtlich einer Wiederholbarkeit.

 

Die Wiederholungsgefahr sehe ich auch wegen des Einflusses der Reichen auf die Politik über die Wahlkampfspenden. Die Parallelen zur Finanzierung von Hitlers Wahlkämpfen durch maßgebliche deutsche Großunternehmen und US-Banken haben Parallelen in der Gegenwart nicht nur in den US-Wahlkämpfen und der Befriedigung der Interessen der Geldgeber durch den Irak-Krieg 2003. Weiters stammten die Blaupausen zu unsäglichen Propagandafilmen wie "Der ewige Jude" von den Reichen der sogenannten Ostküste (Henry Ford als ein Name von mehreren), denen der egalitäre Ansatz der religiösen Überlieferung der Juden ein Dorn im Auge war. Die Ausblendung dieses Erbes im Christentum ist wohl kein Zufall, genausowenig die öffentlichkeitswirksame Reduktion auf eine Unterleibsfixierung.


 

Brief an Bundeskanzlerin, A. Merkel:

 

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin und EU-Ratspräsidentin,

wir, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses offenen Briefes, wenden uns an Sie mit der Bitte, alles Ihnen Mögliche zu tun, um einen Krieg der USA gegen Iran zu verhindern.
Alles deutet auf einen bevorstehenden, umfassenden Luftkrieg der Vereinigten Staaten gegen Iran. Studien der International Crisis Group zeigen, ein Angriff würde sich nicht auf die Zerstörung atomarer Anlagen beschränken. Die Flugzeugträger Stennis und Eisenhower sind bereits vor Irans Küsten stationiert. Laut «Guardian» vom 10. Februar ist ein dritter Flugzeugträger in Richtung Persischer Golf unterwegs. Die drei Flugzeugträger und ihre Verbände verfügen über Waffen, die ausreichen, um die gesamte militärische und zivile Infrastruktur Irans, einschließlich Brücken, Autobahnen, Elektrizitätskraftwerken, Raffinerien, Wasserversorgungseinrichtungen, vollständig zu zerstören. Zur Abwehr iranischer Raketen gegen US-Kriegsschiffe wurden im Süd­irak Patriot-Raketen stationiert.
Namhafte Experten wie Sam Gardiner, Seymour Hersh und Daniel Elsberg wenden sich seit Wochen mit alarmierenden Appellen gegen einen neuen Krieg der US-Regierung. Am 4. Februar warnten drei ehemalige Kommandanten des US-Militärs in der Sunday Times eindringlich vor den katastrophalen Folgen eines Militärschlages. Ähnlich äußerte sich in München auch der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clarke. Die «New York Times» vom 9. Februar lieferte bereits unverblümt Vorwände für einen Angriff auf Iran, indem sie diesen für den Tod von 170 US-Soldaten im Irak verantwortlich macht. Gegen die Verbreitung solcher Vorwände wendete sich kein geringerer als Zbigniew Brzezinski. Er warnte Anfang Februar vor dem Außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen ­Senats ­Präsident Bush davor, Beweise für eine «defensive» Militäraktion gegen Iran zu konstruieren. Die Situation heute erinnert an die Lügenpropaganda in den Monaten vor dem Irak-Krieg.
Leider gibt es keinen Anhaltspunkt, dass der amerikanische Präsident auf eine diplomatische Lösung hinarbeitet. Den Dialog mit Iran lehnt er trotz der Empfehlungen der Baker-Kommission ab. Seine ständigen Beteuerungen, den diplomatischen Weg bevorzugen zu wollen, dienen der Täuschung des amerikanischen Volkes und der Europäer. In der politischen Führung der Vereinigten Staaten scheinen sich diejenigen durchgesetzt zu haben, die entschlossen sind, das Regime der Islamischen Republik zu beseitigen und Iran durch Vernichtung nicht nur der atomaren Anlagen, sondern sämtlicher militärischer und relevanter ökonomischer Kapazitäten zu einer unbedeutenden Macht in der Region zurückzubomben. Geschieht dies tatsächlich, so wird damit der gesamte Nahe Osten in ein Chaos gestürzt, das für den Weltfrieden die größte Gefährdung darstellt – ganz zu schweigen von den schweren politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen in der Welt, nicht zuletzt auch auf Deutschland.
Der US-Präsident handelt mit seinen Wahnsinns-Kriegsplänen gegen die Mehrheit der Amerikaner, auch gegen viele in seiner eigenen Partei. Ein weiteres gemeinsames Vorgehen mit Bush im Iran-Konflikt entbehrt unseres Erachtens jeglicher politischer und moralischer Legitimation, vielmehr kann es nur als Billigung seiner Angriffspläne verstanden werden.


Sehr verehrte Frau Merkel, wegen Gefahr im Verzug bitten wir Sie zu handeln. Verhindern Sie diesen Krieg und dass Deutschland und die Europäische Union für ein Desaster unvorstellbaren Ausmaßes mit verantwortlich gemacht werden wird.


– Erteilen Sie im Namen Deutschlands dem Einsatz von militärischer Gewalt gegen Iran eine unmißverständliche Absage.
– Fordern Sie die EU und ihre Mitgliedsstaaten auf, sich in gleicher Weise zu äußern.
– Treten Sie für neue Verhandlungen mit der iranischen Führung ohne Vorbedingungen ein und berücksichtigen Sie dabei die rechtliche Grundlage des Atomwaffensperrvertrages.
– Setzen Sie sich für den baldigen Beginn einer Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit im Nahen Osten ein, um damit den friedlichen Dialog in der Region zu eröffnen. Denn entweder gibt es eine gemeinsame Lösung für die aktuellen Konflikte in der Region, oder es gibt einen Flächenbrand, Chaos und neues Unglück für die Menschheit.
In der Hoffnung, dass der Frieden durch Anstrengungen von vielen Seiten gesichert werden kann, verbleiben wir hochachtungsvoll!

Hans-Christof Graf von Sponeck (ehem. UN-Beauftragter im Irak für das Projekt «Öl für Lebensmittel»)
Prof. Dr. h.c. Karlheinz Koppe (Friedensforscher, Bonn)
Prof. Dr. Ekkehart Krippendorf (Politikwissenschaftler, Berlin)
Friedrich Schorlemmer (Bürgerrechtler, Lutherstadt Wittenberg)
Prof. Dr. Oskar Negt (Soziologe, Hannover)
Prof. Dr. Christine Morgenroth (Psychotherapeutin, Hannover)
Prof. Dr. Peter Grottian (Politikwissenschaftler, Berlin)
Dr. Gerald Mader (Friedensforscher, Stadtschlaining, Österreich)
Prof. Dr. Werner Ruf (Politikwissenschaftler/Nordafrikaexperte, Kassel)
Prof. Dr. Andreas Buro (Friedensforscher, Gräven Wiesbach)
Prof. Dr. Mohssen Massarrat (Politikwissenschafter/Mittel- und Nahostexperte, Osnabrück)
Dr. Peter Strutynski (Friedensforscher, Kassel)
Dr. Angelika Claussen (Vorsitzende der IPPNW, deutsche Sektion, Bielefeld)
Dr. Ulrich Gottstein (Ehrenvorsitzender der IPPNW, deutsche Sektion, Frankfurt/M.)
Prof. Dr. Hans-Peter Dürr (Kernphysiker, München)


 

Dieses Aktionsprogramm der Nationalen Organisation Deutschland der Kommunistischen Programmpartei enthält politische Ziele, die bereits innerhalb der in Deutschland herrschenden Ausbeutergesellschaft verwirklicht werden können. Die KPP betrachtet die hierin aufgestellten Konzepte gleichermaßen als Forderungen an die Regierenden in Deutschland, als auch als konstruktive Vorschläge an alle politisch Interessierten zur Umgestaltung unseres Landes im Interesse des werktätigen Volkes. Die KPP wird alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, die in diesem Aktionsprogramm aufgestellten Forderungen und Vorschläge politisch umzusetzen. Dazu wird sie alle Schritte unterstützen, die in diese Richtung gehen. Die KPP sieht die Verwirklichung der in diesem Aktionsprogramm aufgestellten politischen Ziele als möglichen ersten Schritt hin zum Übergang zu einer kommunistischen Gesellschaft:

 

Arbeit

 

Wirtschaft

 

Steuern

 

Umweltschutz

 

Kinder

Bildungswesen

 

Hochschulwesen

 

Gesundheit

 

Verteidigung

 

Parlament und Demokratie

 

Justiz und Kriminalität

 

Ost-West-Problematik

 

Religion

 

Tiere

 

Dieses Aktionsprogramm wurde in der hier vorliegenden Fassung von der Nationalen Organisation Deutschland der Kommunistischen Programmpartei am 1. Februar 2001 beschlossen.

 

Merseburg, Deutschland, Europa, Terra

Tec Dian
Prikoordinator
Nationale Organisation Deutschland
Kommunistische Programmpartei

 


 

Der Verfasser des folgenden (Ende 2000 als e-Mail geschickten) Artikels ist unbekannt; dennoch sind darin einige Anregungen und nachdenklich machende "Gedanken" zu finden:

 

Allerorts ist nun das parteipolitische Geschrei groß. Systematisch, über Jahre hinweg, mit erheblich krimineller Energie, haben Politiker das Wohl ihrer Partei über ihre eigenen moralischen Standards – und über die geltenden Gesetze - gestellt. Nun rufen die Medien nach einer moralischen Autorität.

 

Die Tageszeitungen kommentieren, dass durch die Parteispendenaffäre, in welche leitende CDU-, Partei- und Staatsfunktionäre verwickelt sind, die Grundfeste der Demokratie erschüttert seien. Warum erst jetzt – nach der Aufdeckung? Sind nicht 16 Jahre lang diese Grundfeste, zwar verdeckt, doch kontinuierlich erschüttert worden? Ach was! – 16 Jahre lang. War es nicht schon immer so? Napoleon I. meinte: „Das sicherste Mittel arm zu bleiben, ist, ein ehrlicher Mann zu sein“. Diesen Aphorismus haben sich unsere Politiker offenkundig intensivst zu Herzen genommen.


Nur so ist zu erklären, dass „arme“ Ex-Minister immer noch die Dienste des Staates in Anspruch nehmen (gepanzertes Fahrzeug, Leibwächter, etc.. Herbert Ferstl im privaten Gespräch mit der ehemaligen CDU-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger [MdB] und Prof. Dr. Schulz-Hageleit [HVD] am 11.11.1998 in Nürnberg).
Stutzig machen mich zudem Aussagen von Politikern, über andere Politiker - in anderen Parteien - wenn diese über alles gelobhudelt werden: „...in unermüdlicher und erfolgreicher Arbeit unter Zurückstellung persönlicher Vorteile und Annehmlichkeiten [haben sie] nur ein Ziel verfolgt: Das Wohl ihrer Gemeinde und Bürger“ (Bürgermeister W. Kelsch, Marktgemeinde Wendelstein, im MB Seite 1, vom 18.01.2000).

 

„Ehrlich währt am längsten“ – war die Botschaft des Schwabacher Pastors Gudbrod in seinen „Betrachtungen zum Sonntag“ im Schwabacher Tagblatt (ST) vom 22./23.01.2000. Gudbrod warnte be-züglich der Parteispendenaffäre mit den jesuanischen Worten: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“. Nun denn, selbst zu Zeiten der historischen „Gottesstaaten“ in Europa hat sich kaum ein Mensch (und wohl kaum ein Christ) an diese Worte gehalten. Doch in einem säkularen Staat empfinde ich diese klerikale Forderung als Affront. Als Rechtsstaat wurde die BRD durch den Souverän, via verfassungskonformer Legislative verpflichtet, für eine entprechende Judikative zu sorgen. Deutsche Kanzler schwören einen Eid auf die Gesetze. Göttliche Gesetzesgewalt ist im Strafgesetzbuch nicht vorgesehen.


Doch im christlichen Hauptnachschlagewerk steht geschrieben: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deine Nächsten". Was wurde gelogen, verschleiert, die Wahrheit verschwiegen, die Halbwahrheit verbreitet. Um die Wahrheit zu verschleiern, dem Schimpf und der Schande zu entgehen, gibt es die ersten Suizide. Und, der Sumpf, er ist noch nicht ausgelotet. Der Judas, der Waffenhändler Schreiber, will seine Haut retten. Wie pikant, wie originell, aus Waffengeschäften stammendes Geld der Kollekte zu spenden (Internet: Mailingliste HUMANISMUS).

 

Ist die Gudbrod`sche Forderung aber vielleicht lediglich ein Versuch, den Konservativen – stets den Kirchen nahestehend – ein milderes moralisches Urteil in Sachen Parteispendenaffäre zukommen zu lassen? Und hätte die Gutbrod`sche Forderung auch Bestand gegenüber Freigeistigen, Humanisten, Kommunisten, Linksliberalen, etc.?
Gerade wurden bei uns in Bayern wieder einige Anträge zu (mehr) Volksbegehren mit m.E. fadenscheinigen Begründungen abgelehnt, respektive der Justiz zur Entscheidung vorgelegt („richtet nicht!“). Wo bleibt hier die entsprechende Entrüstung?

 

Ich entgegne dem vorgenannten Zitat von Pastor Gudbrod mit Tacitus: "Nichts hält die Gesetze so wirksam wie ihre Anwendung gegen hochgestellte Personen". Wenn überhaupt diese Option bestünde, dann wäre gerade dies eine gesetzeskonforme Forderung, deren Erfüllung auch durchwegs von der Majorität der Wähler akzeptiert würde – ja einen geradezu idealisierenden Effekt hätte.

 

„Man sieht einem Menschen viel Schwächen der Moralität nach und handhabt dabei ein grobes Sieb, vorausgesetzt, dass er sich immer zur strengsten Theorie der Moral bekennt! Dagegen hat man das Leben der freigeistigen Moralisten immer unter das Mikroskop gestellt: mit dem Hintergedanken, dass ein Fehltritt des Lebens das sicherste Argument gegen eine unwillkommene Erkenntnis sei“ (Nietzsche).


Hatten nicht insbesondere ehedem die Konservativen bei ihrer Machtübernahme Anfang der Achtziger eine „geistig moralischen Wende“ versprochen und von allen gefordert? Wie wahr!


Die Doppelzüngigkeit der Kohl`schen Mannen hat ihr Ziel jedoch nicht erreicht, sondern etwas anders, viel Wertvolleres. Für einen kurzen Augenblick sorgt die korrupte politische Kaste dafür, dass die wirklichen Grundlagen unseres, aber auch fast aller Regierungssysteme, zutagetreten; sich somit die Nebel der Illusion einmal kurz lichten. Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, dass mancher deutsche Politiker das Los von Bettino Craxi, ehemaliger italienischer Ministerpräsident, zu teilen hat, und seinen Lebensabend – zwar weit ab von der deutschen Justiz, aber nicht auf Staatskosten – im Exil verbringen muss. Vielleicht ist dies der Grund, warum von unserem „Bruder Johannes“, dem Bundespräsidenten, so wenig Resonanz in Sachen „Korruption“ zu hören ist? Die West-LB lässt grüssen...

 

Aber, hat nicht jeder Mensch „Dreck am Stecken“?


Menschen, die z.B. als Politiker zum Wohle anderer, als deren gewählten Repräsentanten tätig sind, unterstehen einem sittlichen Auftrag (siehe Vereidigung auf die Verfassung). Das für diese Personen eigentlich daraus resultierende sittliche Erkenntnisvermögen bezeichnet man als Gewissen. Es urteilt über die Handlungen eines jeden Menschen nach gleichen Massstab. Demgegenüber steht das Gewissen als „innerer Gesetzgeber“ und Richter nur für den einzelnen. „Mein Gewissen klagt mich an“, nicht aber einen Hitler oder Stalin... (wird auch oft als Stimme Gottes aufgefasst).


"Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht." Wie oft hat Helmut Kohl als Bundeskanzler und alle seine Exminister Kanther, Schäuble und wie sie alle heißen, die Floskel: "So wahr mir Gott helfe" nach dem Amtseid gesprochen?

„Gewissenlosigkeit ist nicht Mangel des Gewissens, sondern der Hang, sich an dessen Urteil nicht zu kehren“. (Kant)

 

„Wir sind auf Spenden für unsere Arbeit angewiesen“, betont der Ex-Religionslehrer und bayerischer Minister Freller im ST vom 22./23.01.2000. Weiter heißt es, „ohne dieses Geld sei ein Wahlkampf nicht zu führen“. Nun denn, wissen Politiker überhaupt, dass das Volk gar keinen Wahlkampf will, ihn gar nicht braucht? Bedingt durch die Nachrichten- und Medienberichterstattung wissen die Bürger bestens über die Absichten der schillernden und facettenreichen Politiker Bescheid. Dem Souverän zu unterstellen, er „wisse ja sonst nicht, was er wählen soll“ (CSU-Wahlzettelverteiler [Name bekannt] im Gespräch mit Herbert Ferstl), ist der impertinente Versuch, ihn für dumm zu verkaufen. Die bayerische Ministerin Barbara Stamm formulierte dies in einem an mich gerichteten, persönlichen Brief (vom 08.09.1996), ich sei „ein Opfer der undifferenzierten Medienberichterstattung“ (zum § 218, Schwangerenberatungsgesetz). Ein Schlag ins Gesicht der – wenigen unabhängigen – Medien.

 

„Sein Gewissen war rein. Er benutzte es nie“. (Lec).


Gilt selbstverständlich nicht für Kohl. Doch warum bricht er nicht sein bockiges Schweigen? Mit seinem Eid auf die Verfassung (und Bibel) stellte er persönliche Ansprüche in den Hintergrund? Zählt nun sein Ehrenwort gegenüber den „Spendern“ mehr, als sein Eid? Gibt es vielleicht keine Spender-Namen? Stammen die vermaledeiten Millionen gar aus Drogengeldern und Geldwäsche? Gar findet sich zuletzt hier das verschwundene Vermögen der SED?


Law-and-order-Parolen, verbreitet nicht nur durch Kanther, desweiteren Krokodilstränen über einen sogenannten Werteverfall erscheinen im richtigen Licht – im Zwielicht. Die Medien werden viel zu tun haben, nicht nur bei der „rückhaltlosen Aufklärung“ des so genannten Skandals, sondern mehr noch am Ende bei der Wiedererweckung der verlorenen Illusionen (Tageszeitung „junge Welt“ vom 22.01.2000).

 

Meines Erachtens sollte die Parteienfinanzierung ausschliesslich über die Parteimitglieder stattfinden. Konzerne, Unternehmer, todbringende Waffenhändler, etc. hätten nur noch eine stark reduzierte Option und untergeordnete Rolle zur Beeinflussung von Wahlkämpfen und Politikern. Die Parteien müßten sich zudem mit aller Kraft um das Wohlwollen der Basis bemühen, um neue Mitglieder zu gewinnen, respektive, um keine zu verlieren. Parteien könnten darüber hinaus effektiv an ihre Wahlversprechen erinnert (und gemessen) werden, da ihnen sonst durch Parteiaustritte der finanzielle Boden entzogen würde. In den achtziger Jahren hatte das Bundesverfassungsgericht in mehreren Entscheidungen die Legislative aufgerufen, durch entsprechende Gesetze die Parteienfinanzierung neu zu regeln. Nur unter ersichtlichen Unmut der Betroffenen geschah dies. Was letztlich dabei herauskam, breiten gerade die Medien genüßlich aus, sie stellen Öffentlichkeit her. Die Staatsanwaltschaft ermittelt - wer das Recht gebrochen hat, wird hoffentlich bestraft... doch Pinochet läßt grüßen!

 

Zur guten, also besonders gern geglaubten Lüge gehört immer der Selbstbetrug. Somit also auch das Gefühl, man lüge gar nicht, denn wer so ein anständiger Mensch sei, wie man selbst, wer so sehr im Dienst einer guten Sache – der Partei – stehe, könne im Grunde doch nichts Falsches tun (Süddeut-sche Zeitung vom 17.01.2000).

 

„...daraus ergibt sich die bekannte Praxis des Politikers, welcher denkt: „Gebt mir nur den Erfolg; mit ihm habe ich auch alle ehrlichen Seelen auf meine Seite gebracht - und mich vor mir selber ehrlich gemacht.““. (Nietzsche)

 

Das vorhandene System der "repräsentativen Demokratie" fordert es geradezu heraus, durch Korruption und geldwerte Vorteilnahme Machteinflüsse geltend zu machen und auszuüben. Erst wenn der "Repräsentant" anteilig selbst haftet, für großzügige Wahlversprechen, verschuldete Steuerverschwendung, etc., respektive wenn der Souverän nicht nur alle paar Jährchen zur Abgabe seiner "Stimme" aufgerufen wird, wenn er in das tages- und kommunalpolitische Geschehen involviert wird (durch kontinuierliches Feedback, Bürgerentscheide, Volksabstimmungen), habe ich die Hoffnung, dass grundlegende (auch gesellschaftliche) Änderungen möglich wären. Aber wer ist schon daran interessiert? In einer Welt in der das Vermögen der 200 Reichsten ausreichte, den Lebensunterhalt der 2.700.000.000 (2,7 Milliarden) Ärmsten für mindestens ein Jahr zu bestreiten, muss sich unbedingt was ändern. Ansonsten gilt beinahe unverändert seit einigen Jahrtausenden: "same procedure as every (last) year", oder, um den Historiker Karlheinz Deschner (>hier< am Seiten-Ende) zu bemühen: "Demokratie ist die Kunst, dem Volk im Namen des Volkes feierlich das Fell über die Ohren zu ziehn".

 

Autor und Erstellungsdatum unbekannt


>Hier< zu einem Artikel, der sich mit der Finanzierung der NSDAP (NantionalSozialistischeDeutscheArbeiterPartei) von Adolf Hitler beschäftigt.