Wahrnehmungsabwehr (als
Abwehrmechanismus),
Wahrnehmungshemmung

damit zusammenhängend: Verdrängung, Emotionen, Vorurteile*,
Wahnideen*
*
>hier< zu zwei ausführlichen Artikeln (auf
dieser Seite):
1. "Die Ursachen der
sog. Vorurteilshaftigkeit"
und
2. "Die politische Dimension von
Vorurteilen"
>Hier< zum Buch von Alexander und Margarete Mitscherlich:
"...Grundlagen eines
kollektiven Verhaltens", Analyse,
wieso dem
"Führer" bedingungslos gefolgt wurde.
Neue Web-Seite:
>hier< zu Vorurteilen und dem Buch von Josef Rattner
"Aggression und menschliche Natur".
Ein paar Definitionen:
Wir nehmen unsere Umwelt über unsere Sinnesorgane
wahr und
verarbeiten das Wahrgenommene im Gehirn ("als Verarbeitung von Informationen
betreffs Zustand und Veränderung der Außenwelt", nach D. Droz*, aber auch
unter Berücksichtigung eigener individueller bisheriger Erfahrungen, also unter
Einbeziehung des eigenen
Innenlebens). Nach der Erkenntnistheorie bestimmen "die Leistungen unseres
Wahrnehmungsapparates"
(weitgehend) "das Weltbild unseres Organismus und auch die Grenzen
unmittelbarer Erkenntnis"
(wieder nach D. Droz). Die Wahrnehmungen sind in ein vorgegebenes Umfeld einzuordnen.
welches immer in irgendeiner Form ein religiöses und ideologisches, zumindest weltanschauliches ist
(nämlich ein kulturelles** [cultura: lateinisch »Bebauung«, »Pflege« {des Körpers und
Geistes}, »Ausbildung«]). Abweichendes Denken ist in allen Kulturen
bedrohlich, heute noch in islamischen Ländern meist tödlich.
*
Prof. Dr. Rémy Droz (Lausanne, Schweiz)
**
>Hier< die Definitionen mit
Verweis auf eine weiterführende Seite. Im jetzt betrachteten Fall muss man von
Eingebundenheit in eine »Dominanzkultur« bzw. »Leitkultur« sprechen
Die Wahrnehmung ist also
keine Abbildung (bzw. Aufnahme)
der Realität, d.h. einer wissenschaftlich
erforschten Gegebenheit, sondern abhängig von den
Gegebenheiten der jeweiligen Gesellschaftsform (Kulturformen
>hier<), in der sich
der jeweils Wahrnehmende befindet bzw. - schärfer formuliert - in der er
aufgewachsen ist.
In der experimentellen Psychologie wird die
Wahrnehmungsabwehr gerne an der Verzögerung von zu erkennenden
Tabuwörtern (z.B. aus dem Bereich der Sexualität) demonstriert, wobei Tabuwörter
beim Vorlesen des Probanten
(getesteten Personen) verzögert gegenüber anderen Wörtern gleicher Buchstabenanzahl
wiedergegeben werden.
Für
Wahrnehmungsabwehr kann auch der Begriff
Meidungsverhalten herangezogen werden (englisch:
avoidance behavior, aversive behavior), ein Verhalten des Rückzugs oder der
Abwehr. Meidungsverhalten kann in seinem Ablauf und als Reaktion auf bestimmte
Situationen gelernt werden, so weitgehend wie bis zu einem angeborenen
Instinktverhalten als auslösendem Verhalten, z.B. spontane, unbewusste Flucht
und Abwehr. Anderes Beispiel: Ein überzeugter Nicht-Gläubiger, aber ehemaliger
orthodoxer Katholik, fällt in einer urchristlichen Kirche in Syrien auf die Knie
und murmelt, über sich selbst entsetzt: "Pawlow"; gemeint ist dessen
"Anzüchtung" des bedingten Reflexes - siehe
Homöostase
(>hier<):
"...Reflex- und
Instinktverhalten von erworbenen Gewohnheiten und Anpassungen und schließlich
Willenshandlungen, die in den Dienst des selbstregelnden Systems treten",
und
Konditionierung (>hier<):
"...ein ursprünglich neutraler Reiz wird mit einem reflexauslösenden gekoppelt".
Meidungsverhalten
gilt auch als innerer Vorgang zur Sicherung des "Ich" (>hier<
und S. Freuds
Abwehrmechanismen), zur Beseitigung bedrohlich wirkender Kognitionen, also
"einem Erkennen aber nicht wahr haben wollen" (z.B. dem »reichen Mann und
später armen Lazarus« nach Neuem Testament: Lukas16,1931), speziell
tabuierter Wahrnehmungen („Wahrnehmungsabwehr, unterschwellige [subliminale]
Wahrnehmung), und zur Abschirmung vor schmerzhafter und fortgesetzter
Reizung.
Meidungsverhalten
beim Denken und Wahrnehmen wird
vorzugsweise als defensives Verhalten bezeichnet. Die Disposition zum
Meidungsverhalten bzw.
zum defensiven Verhalten ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. In diesen
Komplex münden auch die Begriffe Projektion (>hier<)
und Konflikt (z.B. zwei Handlungsmöglichkeiten
bestehen: Man hat Hunger und Durst, kann aber nur Brot oder Wasser haben)
ein.
Wahrnehmungsabwehr ist zu vergleichen
mit der Doppelbindungs-Theorie
(double-bind), wonach ein Lebewesen nicht in der Lage ist, sich mit einer
paradoxen Situation (Handlungsanweisung) kritisch auseinanderzusetzen bzw. die
Absurdität einer Äußerung nachzuweisen. (Mehr
>hier< und von da zu einer
ausführlichen Erklärung des Begriffes).
Jedenfalls führt die
WAHRNEHMUNGSHEMMUNG bzw.
-ABWEHR objektiv zur
Einschränkung der Lebensqualität in Form von Wirklichkeitsverzerrung (wird
jedoch nicht unbedingt subjektiv als Einschränkung empfunden).
Natürlich hat die inzwischen sehr ausgefeilte
Psychologie eine Menge Feinaufteilungen anzubieten, an dieser Stelle jedoch nur
einige wenige Beispiele:
UNTERSCHWELLIGE
WAHRNEHMUNGSHEMMUNG
Der affektive (gefühlsbetonte) Inhalt eines Wortes verhindert dessen Wahrnehmung.
• Paradox:
Wie kann der Inhalt eines Wortes erfasst werden, ohne dass es wahrgenommen wird?
• Lösung:
Es gibt verschiedene Stufen der Wahrnehmung.
Man kann zwar annehmen, dass ein negativ geladenes Wort auf verschiedenen Stufen
weit verarbeitet wird, das heißt es wird erfasst, gelangt aber nicht in das
Bewusstsein. Die Bedeutung von Wörtern kann durchaus wahrgenommen werden, ohne
dass die Bedeutung in das Bewusstsein gelangt. Die Bedeutung wird erfasst, als
negativ bewertet und gelangt durch die negative Bewertung nicht in das
Bewusstsein.
WAHRNEHMUNG EMOTIONALER
INHALTE
- Perzeptuelle (unbewusste) Abwehr (als Reizwahrnehmung)
- Verdrängung; Elementarster Abwehrmechanismus des Ich. (FREUD, 1915)
ABWEHRMECHANISMEN
(>hier<)
VERDRÄNGUNG
Vorgang, durch den Vorstellungen, Wünsche, Triebregungen (insbes. libidinöse)
aus dem Bewusstsein ausgeschieden werden. Mehr
>hier<.
EMOTIONEN ALS
SOZIALES KONSTRUKT
Manche Forscher würden noch eine soziale Komponente einfügen:
– Emotionen als individuelles versus soziales Phänomen:
– Soziale Ursachen von Emotionen
– Emotionen bedeuten auch, dass man „in der Welt ist“:
– Soziale Begegnungen, Beziehungen, andere Personen (was diese sagen, tun oder nicht tun, was wir glauben, was sie denken), gelobt werden
– Emotionen, die einen starken sozialen Aspekt beinhalten.
– Emotionen als Bestandteil eines sozialen Prozesses
– Soziale Funktionen von Emotionen
– Soziale Konsequenzen von Emotionen
– Einfluss von Emotionen und Stimmung auf kognitive Prozesse
• Emotionsgeladene
Wörter werden weniger schnell erkannt als neutrale Wörter.
Solche Wörter sind Wörter, die tabuisiert sind.
Einfache Interessenlosigkeit, insbesondere
der "Null-Bock-Generation", wird von Psychologen weitgehend unbeachtet
gelassen und gerne in die pathologische Kiste der Depressionen geschoben. Dabei
handelt es sich ganz einfach um eine Charaktereigenschaft!
Es gibt viele Mitmenschen, die sich aus ihrer geistigen Verfassung heraus praktisch
für garnichts interessieren. Sie sehen nichts;
sie hören nichts; sie merken nichts. Sie scheinen "sich selbst genug", wirken
abwesend, antriebsarm, tagträumerisch. Es ist fast unmöglich, sie für etwas zu
begeistern. Sich zeichnen sich fast regelmäßig durch Faulheit aus. Ihnen fehlt
Neugierde, Selbstkritik, überhaupt Kritikfähigkeit. Sie sind keineswegs strebsam
Ein Synonym ist:
Desinteresse,
d.h. Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit, Unbeteiligtheit, Uninteressiertheit;
bis zur Apathie, Indifferenz, Indolenz
(ist im Duden - dem orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache« seit 1880
wegweisend für eine einheitliche Rechtschreibung - zu lesen)
Zugehörige Begriffe:
Lustlosigkeit
Synonyme zu Lustlosigkeit
Energielosigkeit: Interesselosigkeit, lustlose Stimmung,
Temperamentlosigkeit, Trägheit, Unlust, Unlustempfinden, Unlustgefühl;
Desinteresse
Gleichgültigkeit
Synonyme zu Gleichgültigkeit:
Achtlosigkeit, [innere/innerliche] Unbeteiligtheit,
Interesselosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Unachtsamkeit,
Ungerührtheit, Uninteressiertheit; (bildungssprachlich
Bequemlichkeit
d.h. Gleichgültigkeit,
Interesselosigkeit, Passivität, Teilnahmslosigkeit, Trägheit;
(gehoben) Müßiggang, Müßigkeit; (bildungssprachlich) Apathie, Lethargie,
Phlegma
Lethargie
(griechisch Betäubung,
eine Form, die mit Schläfrigkeit verbunden ist).
Synonyme zu Lethargie:
Bequemlichkeit, Geistesträgheit, Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit,
Passivität, Stumpfsinn, Teilnahmslosigkeit, Trägheit, Uninteressiertheit
Apathie
(griechisch
„Unempfindlichkeit“) bedeutet Teilnahmslosigkeit, mangelnde
Erregbarkeit
Synonyme zu Apathie Abstumpfung,
Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit, Stumpfheit,
Stumpfsinn[igkeit], Teilnahmslosigkeit, Unbeteiligtheit,
Unempfindlichkeit, Ungerührtheit, Uninteressiertheit
Unlust
Synonyme zu Unlust :Abneigung,
Abscheu, Antriebslosigkeit, Ärger, Ekel, Energielosigkeit, Faulheit,
Horror, innere Leere, Interesselosigkeit, Langeweile, lustlose
Stimmung, Lustlosigkeit
Die
Depression
- als
Krankheitsbild - unterscheidet sich insbesondere durch Bedrücktheit, unbestimmte
Angst, sehr oft Angst vor dem Alltag. Hinzu kommen Freudlosigkeit,
Antriebs- und Interesselosigkeit, jedoch weil vor allem ihre Aktivitäten gehemmt
sind. Sie sind in der Regel entscheidungsunfähig, grüblerisch und unruhig. Durch
das Bedrücktsein ist die Körperhaltung oftmals sogar gebückt. Die Mimik ist
starr, der Blick niedergeschlagen. Depressive Menschen möchten sich am liebsten
im Bett verkriechen. Ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen sind in der Regel
vermindert. Sie plagen sich mit unbegründeten Selbstvorwürfen oder
Schuldgefühlen. Denkvermögen und Gedächtnis haben im Laufe der Zeit eine
Verlangsamung erfahren. In besonders schweren Fällen besteht sogar eine Neigung
zu Selbsttötungsgedanken.
Den Leidenden kann geholfen werden.
Alltag,
Vorurteile
und interkulturelles
Lernen
Alltag und Vorurteile
von Prof.
Dr. Hans Nicklas, Frankfurt:
Die Ursachen der Vorurteilshaftigkeit
Ein Vorurteil ist nicht einfach ein falsches
Urteil, sondern oft eine komplizierte Mischung aus etwas "Wahrem" und etwas
"Falschem". Wichtig am Vorurteil ist seine Hartnäckigkeit, d.h. es sträubt
sich gegen die Berichtigung. Hierin liegt der entscheidende Unterschied z.B.
zwischen einem falschen oder vorläufigen Urteil und einem Vorurteil:
Falsche Urteile, vorläufige Urteile können durch
neue Erfahrungen berichtigt werden. Dazu ein Beispiel: Wenn ich den Wal als
einen Fisch angesehen habe aufgrund seiner Form und seiner Lehensweise, dann
aber in einem Biologielehrbuch erfahre, daß der Wal ein Säugetier, also kein
Fisch ist, so wird es mir keine Schwierigkeiten bereiten, dieses mein
falsches Urteil zu berichtigen. Ein Vorurteil zeichnet sich aber dadurch
aus, daß es sich hartnäckig gegen diese Berichtigung durch neue Erfahrungen
wehrt, daß es resistent ist gegen neue Erkenntnisse.
Diese Abschottung des Vorurteils gegen neue
Erfahrungen wird vor allem durch zwei Mechanismen bewirkt: Erstens durch
das, was in der Psychologie selektive Wahrnehmung genannt wird. Wenn ich
beispielsweise das Vorurteil habe, daß es in Frankreich schmutziger ist als
in Deutschland, so werde ich in Frankreich auf jeder Straße und in jedem
Hotelzimmer Schmutz sehen und werde durch diese auswählende Wahrnehmung mein
Vorurteil als berechtigt empfinden. Ich verstelle mir so den Weg, zu
erkennen, daß in der Tat in bestimmten Zusammenhängen oder Situationen
Sauberkeit in Frankreich eine andere Bedeutung hat als in Deutschland und
daß deshalb die Kategorie "Sauberkeit" als Zugang zu diesem Problembereich
in Frankreich sehr unzulänglich ist. Zweitens: Vorurteile verhindern neue
Erfahrungen dadurch, daß der Vorurteilsbehaftete den Kontakt mit dem Objekt
seines Vorurteils vermeidet. Der Antisemit wird Bekanntschaft mit Juden, der
Rassist Berührung mit Negern scheuen; er wird sich gegen diese neue
Erfahrung wehren.
Vorurteile sind gewissermaßen ein
liebgewordenes Mobiliar unseres Weltbildes. Wir haben uns mit den
Vorurteilen eingerichtet, und wir möchten nicht verunsichert werden dadurch,
daß dieses Weltbild in Gefahr kommt.
Wie entsteht die Bereitschaft im Menschen,
Vorurteile anzunehmen und sie zu einem Bestandteil seines Denkens und
Handelns zu machen?
Die ersten Voraussetzungen zur
Urteilsbereitschaft entstehen bereits in frühester Kindheit. Schon der
Säugling erwirbt die Disposition, die ihn später befähigt, Vorurteile in
sein Weltbild einzubauen und nach ihnen sein Verhalten einzurichten.
Zu den wichtigsten Dingen, die ein Säugling im
ersten Lebensjahr lernen muß, gehört die Unterscheidung zwischen innen und
außen. Der Säugling muß seinen eigenen Körper, seine Gefühle, seine
Bedürfnisse, seine Wünsche von der Umwelt unterscheiden können. Das ist ein
sehr schwieriger Prozeß, denn für den Säugling sind zunächst sein eigener
Körper, das Bettchen, die Mutter, eine Einheit. Die Differenzierung zwischen
dem Selbst und der Umwelt beginnt damit, daß der Säugling feststellt, daß
Dinge, die er sich gerne zueignen würde, wie etwa die Mutterbrust,
offensichtlich seinem Willen nicht gehorchen, also “draußen“ sind, während
andere Dinge, die er gerne abweisen möchte, wie etwa die Leibschmerzen, zu
ihm gehören, ein Teil seines Selbst sind. Der Säugling muß also lernen zu
unterscheiden zwischen den Reizen, die aus der Umwelt auf seinen Körper
treffen und den Triebregungen, die aus seiner eigenen Person kommen.
Freud hat diese Fähigkeit, die der Säugling
erwerben muß, "Realitätsprüfung" genannt.
14)
Diese Realitätsprüfung, also die Fähigkeit des Menschen, zwischen innen und
außen unterscheiden zu können, zwischen der Welt draußen und den eigenen
Gefühlen und Bedürfnissen, kann natürlich niemals vollständig gelingen. Wir
können die äußere Welt nur als Subjekt erfahren, das heißt, alle Wahrnehmung
ist durch unsere Sinne, durch unsere Befindlichkeit, durch unsere Aktivität
vermittelt.
Aber die Fähigkeit zur Realitätsprüfung kann
verschieden stark entwickelt sein. Manche Menschen sind in hohem Maße fähig,
die äußere Realität vergleichsweise unbeeinflußt von ihren eigenen Gefühlen,
Bedürfnissen und Wünschen wahrzunehmen; andere dagegen projizieren ihre
Innenwelt so stark auf die Umwelt, daß sie kaum imstande sind, die Realität
unvoreingenommen sehen zu können.
Was sind nun die Bedingungen, die gegeben sein
müssen, damit der Säugling diese Fähigkeit der Realitätsprüfung verläßlich
erwirbt? Ich möchte nur einige dieser Bedingungen nennen. Zunächst ist
wichtig, daß der Säugling ein Gefühl der Sicherheit und Verläßlichkeit
erwerben kann, also die Bezugspersonen sich in ihrer Anwesenheit und
Abwesenheit auf die Bedürfnisse des Säuglings einstellen und für ihn diese
Anwesenheit oder Abwesenheit kein irrationales Ereignis ist. Zu häufiges
Anwesendsein und zu lange Abwesenheit sind schlechte Bedingungen für die
Entwicklung dieses Stabilitätsgefühls. Auch dürfen die Erwachsenen den
Säugling nicht für ihre eigenen Gefühle instrumentalisieren, also eigene
Gefühlsdefizite - entstanden etwa in der Ehe oder dem Beruf - durch
Überhäufen des Säuglings mit Zuwendung und Gefühlen auszugleichen versuchen.
15)
Dies sind alles sehr subtile Vorgänge, die auch keineswegs planbar sind,
sondern in hohem Maße davon abhängen, inwieweit die Bezugspersonen selbst
jene Stabilität und Ausgeglichenheit besitzen, die sie dem Säugling
vermitteln sollen. Und dies wiederum hängt ab von ihren eigenen frühesten
Erfahrungen und der realen Situation, in der sie leben.
Erwirbt der Säugling die Fähigkeit zu
angemessener Realitätsprüfung nicht, dann ist damit die erste Voraussetzung
für vorurteilshaftes Verhalten gegeben, denn vorurteilshaftes Verhalten
bedeutet ja nichts anderes, als daß der Mensch Teile seines Inneren -
Bedürfnisse, Wünsche, Triebe - auf ein äußeres Objekt projiziert und dann
glaubt, das, was er als Bild im Kopf hat, sei das Bild der Realität. Dies
gilt insbesondere für die Gefühle der Abneigung und des Hasses. Margarete
Mitscherlich hat dies einmal so formuliert: "Nur wenn wir die Fähigkeit
entwickelt haben, zwischen äußeren und innerseelischen Anlässen zum Haß zu
unterscheiden, läßt sich feststellen, ob er aus tatsächlichen
Unmenschlichkeiten oder Kränkungen entsprungen ist oder aus einem
Phantasievorgang, indem einem Haßopfer die Unmenschlichkeit angedichtet
wird."
16)
Daß die Entscheidung, ob ein Mensch eine
angemessene Fähigkeit zur Realitätsprüfung erwirbt, bereits in der frühesten
Kindheit fällt, bedeutet natürlich nicht, daß Vorurteilsbereitschaft eine im
ersten Lebensjahr erworbene Determinante ist, die den Menschen für den Rest
seines Lehens prägt. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein, sondern das,
was in diesem ersten Lehensjahr erzeugt wird, ist eine Disposition, die
aber, wenn im weiteren Sozialisationsprozeß verstärkende Erfahrungen
hinzukommen, zu einer verfestigten Verhaltensweise wird. Wenn also der
Mensch im Heranwachsen immer wieder die Erfahrung der Unsicherheit, der
Nichtverläßlichkeit macht, dann wird er mit großer Wahrscheinlichkeit seine
negativen Gefühle auf äußere Objekte projizieren und damit vorurteilshaft
reagieren.
Die Funktion von Vorurteilen:
Vorurteile erfüllen für den Menschen, der sich an
sie klammert, eine ganz bestimmte Funktion: Etwa die Funktion, Unsicherheit
und Bedrohung seelisch zu bewältigen. Vorurteile sind dann ein Instrument,
um Angst abzuwehren. Sie dienen dazu, Sicherheit für das eigene Handeln zu
finden, die Welt überschaubar zu machen, für alles die richtige Schublade zu
finden. Damit hängt zusammen, daß es Wellen des Antisemitismus oder Wellen
von Vorurteilsbereitschaft gibt. Diese Welle von Vorurteilen scheint im
Anschwellen begriffen zu sein, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch
in Frankreich. Die Ursache dafür, daß die überwunden geglaubten nationalen
Stereotypen und Vorurteile wiederum belebt werden, liegt in der
Verunsicherung, die in allen europäischen Staaten durch krisenhafte
Erscheinungen in Wirtschaft, Politik und Alltagsleben hervorgerufen worden
sind.Die Welt ist für sehr viele
Menschen nicht mehr überschaubar, und insbesondere sind für sie die Folgen
ihres Handelns nicht mehr kalkulierbar. Wenn vor zehn Jahren ein junger
Mensch in der Bundesrepublik das Lehrerstudium begann, dann konnte er
abschätzen, daß er zu einem bestimmten Zeitpunkt in seinem Beruf würde
arbeiten können. Heute ist das überhaupt nicht mehr absehbar. Das
Entscheidende dabei ist nicht das Risiko der Berufswahl, sondern die
Irrationalität dieser Verteilung von Lebenschancen, die etwa darin besteht,
daß es lediglich auf die Stärke des Abiturjahrgangs ankommt, ob ein junger
Mensch einen Studien- oder Arbeitsplatz bekommt oder nicht. Mit anderen
Worten: die Lebenschancen von ganzen Generationen junger Menschen hängen für
sie von völlig irrationalen, von ihnen nicht beeinflußbaren Faktoren ab. Das
ist mit der These gemeint, daß für sehr viele Menschen nicht mehr des eigene
Handeln in Bezug auf einen möglichen Erfolg abschätzbar ist. Das gleiche
gilt auch für andere Bereiche. Auch da sind Konjunkturschwankungen,
sektorale ökonomische Prozesse vom einzelnen überhaupt nicht mehr zu
überschauen.
Eine zweite Funktion der Vorurteile ist das,
was man Stabilisierung des sozialen Selbstwertgefühls nennen könnte. In
Amerika gehören die weißen Dockarbeiter zu der sozial am niedrigsten
eingeschätzten Gruppe der Arbeiter. Bei dieser Gruppe ist der Rassismus
besonders stark. Das ist ein Beispiel für diese Funktion von Vorurteilen.
Man findet sich mit einer niedrigen sozialen Position ab, wenn es eine
Gruppe gibt, die noch drunter steht. Das gleiche gilt natürlich auch auf
anderen Stufen der sozialen Leiter. So haben vom sozialen Abstieg bedrohte
Gruppen der Mittelschicht in europäischen Staaten häufig rechtsradikal oder
faschistisch reagiert.
Dritte Funktion von Vorurteilen: sie liefern
ein gesellschaftlich gebilligtes Objekt für die Aggressionsabfuhr. In den
modernen Industriestaaten gibt es, wie der amerikanische Soziologe Parsons
überzeugend nachgewiesen hat, ein großes Potential an Aggressivität - das
wissen wir auch aus unserer Alltagserfahrung -; diese Aggressivität findet
in den vorurteilsbelegten Gruppen ein gesellschaftlich gebilligtes Objekt.
17)
Vorurteile und Feindbilder haben also eine
individuelle und eine gesellschaftliche Funktion. Für des Individuum tragen
sie zur Stabilisierung des Ichs bei. Sie vermitteln Sicherheit und
vermindern die Angst. Dies bedeutet, daß Menschen umso stärker
vorurteilshaft reagieren, je größer ihre Defizite in Bezug auf persönliche,
berufliche und gesellschaftliche Identität sind. Auf der anderen Seite sind
die Inhalte von Vorurteilen gesellschaftlich vorgegeben, und sie tragen bei
zur gesellschaftlichen Integration. Die Gesellschaft akzeptiert und prämiert
denjenigen, der das gesellschaftliche Normen- und Vorurteilssystem teilt,
während sie denjenigen mit Sanktionen belegt, der abweichende Auffassungen
vertritt. Dies bedeutet, daß Menschen von geringer Ich-Stärke aufgrund
geringer persönlicher und sozialer Akzeptanzerlebnisse und Zuwendung den
Versuch machen, durch Integration in dieses Normen- und Vorurteilssystem
sich die erforderliche Akzeptierung und Zuwendung zu erkaufen. Sie werden
umgekehrt den Versuch, ihr mühsam stabilisiertes Vorurteils- und Wertsystem
in Frage zu stellen, als Bedrohung empfinden und mit Angst oder Flucht
reagieren.
Vorurteile im internationalen Feld
Wie werden die Muster für die Wahrnehmung und die
Beurteilung einer anderen Nation gebildet?
Zunächst gibt es die nationalen Stereotypen, die in den nationalen Kulturen
überliefert werden. Diese nationalen Stereotypen vereinigen in der Regel
positive und negative Eigenschaften. "Der Franzose" gilt in Deutschland als
kultiviert, eloquent, aber unzuverlässig und pfauenhaft, der Deutsche in
Frankreich als tüchtig, sauber, aber als tendenzieller Nazi. Diese
nationalen Stereotypen sind historisch entstanden und verändern sich nur
langsam. Sie - über die jeder verfügt, auch wenn er wenig oder gar keinen
Kontakt mit dem Land hatte, auf das er die Stereotypen anwendet -
beeinflussen, oft unbewußt, die Erfahrung des anderen Landes.
Neben diesen spezifischen Stereotypen gibt es
allgemeine Formen der Wahrnehmung von Fremdem. Es sind dies die
Wahrnehmungsgewohnheiten und Interpretationsregeln der jeweils eigenen
Kultur. Die "Codes“ der eigenen Kultur werden - bewußt oder unbewußt - zum
Maßstab für die Wahrnehmung und Interpretation des Fremden gemacht
Menschen neigen dazu, auf Bereiche, in denen
sie keine unmittelbaren Erfahrungen haben, die Muster anzuwenden, die sie in
ihrer Alltäglichkeit anwenden. Das aber bedeutet, daß sie das, was sie im
Ausland sehen, interpretieren und beurteilen nach den Kriterien ihrer
Alltagserfahrung in der eigenen Kultur. Bereits das Sehen und Wahrnehmen
wird davon bestimmt. Je stärker die Andersartigkeit der Lebensweise der
anderen Länder empfunden wird, desto eher besteht die Gefahr, daß man sich
mit den Ursachen und Wirkungen dieser Andersartigkeit nicht
auseinandersetzt, sondern sie nur wie ein exotisches Schauspiel betrachtet
und so in seinen Vorurteilen bestätigt wird.
Der Umgang mit Vorurteilen
Vorurteile zu bekämpfen, heißt, den Menschen
größere Chancen der Selbstverwirklichung zu geben, sie anzuleiten, sich
selbst besser akzeptieren zu können, ihr Ich zu Stärken. Vorurteile
bekämpfen heißt auch, den gesellschaftlichen Druck, der auf den Menschen
lastet, zu verringern, ihnen die Angst und die Unsicherheit zu nehmen, ihren
Freiheitsspielraum zu vergrößern. So ist die Frage der Relativierung von
Vorurteilen sehr eng mit der Stärkung der Demokratie verbunden. Bearbeitung
von Vorurteilen bedeutet aber auch Aufklärung. Aufklärung nicht nur im Sinne
von besseren Informationen, sondern Aufklärung ür die Mechanismen, nach
denen Vorurteile funktionieren. Bei Menschen, die Vorurteile zu einem Teil
ihrer Persönlichkeitsstruktur gemacht haben, ist der Frontalangriff auf
Vorurteile zum Scheitern verurteilt. Allein Selbsteinsicht könnte hier dazu
führen, die Verteidigungs- und Abwehrstellungen aufzuweichen, mit denen das
Vorurteilssystem abgesichert ist. Erst Lernprozesse, die es dem Menschen
erlauben, Einsicht in die eigenen psychischen Strukturen und ihre soziale
Position zu gewinnen, die ihn erkennen lassen, weshalb er der Vorurteile
bedarf, erleichtern den Versuch der Verminderung von Vorurteilen.
Aufgabe ist also die Schärfung der
Beobachtungsfähigkeit für unser eigenes Verhalten, die Einübung einer
Sensibilität für das, was wir sagen und tun. Nur so kann es gelingen, die
Blindheit aufzuhellen, die nur zu oft die Grundlage unserer Selbstsicherheit
ist.
Diese Selbstbesinnung ist nicht einfach. Denn
solcher Introspektion stehen erhebliche Widerstände entgegen. Geradezu
Schrecken erzeugt die unverstellte Selbstwahrnehmung, weil sie unser oft mit
großer Anstrengung errichtetes Selbstbild gefährdet. Wir haben unser
Selbstbild durch ein Bündel von Vorurteilen gesichert, und ein
tiefgestaffeltes System von Selektionsmechanismen und Wahrnehmungshemmungen
verhindert die Aufnahme von äußerer Realität, die unsere Vorstellungen von
uns selbst stören oder korrigieren und damit unsere Selbstsicherheit
bedrohen könnte.
Dies freilich ist nur die individuelle Seite.
Es muß angemerkt werden, daß der Erfolg solcher Bemühungen nicht unabhängig
vom gesellschaftlichen Zusammenhang gesehen werden kann. Wenn Vorurteile
gesellschaftliche Deformationen der Lebenspraxis der Menschen spiegeln, dann
verlangt die Befreiung von Vorurteilen auch die Änderung dieses
Lebenszusammenhangs.
In jedem Fall dürfte feststehen, daß eine Veränderung der Alltagssituation,
eine Dissonanz, eine Verunsicherung notwendig ist, um Lernprozesse in Gang
zu setzen und Verhaltensänderungen möglich zu machen. Die Frage ist
einerseits, wie stark die Verunsicherung sein muß, um überhaupt wahrgenommen
zu werden und die vorhandenen Denk- und Verhaltensmuster in Frage zu
stellen. Andererseits: Wie stark darf sie sein, um nicht Angst und Abwehr zu
provozieren, die dann mögliche Lernprozesse blockieren?
Ziel einer deutsch-französischen Begegnung
müßte ein vorsichtiges Anstoßen, eine behutsame Verunsicherung der
Teilnehmer sein, wobei allerdings zu bedenken ist, daß die
Verunsicherungstoleranzschwelle individuell verschieden hoch ist. Das heißt,
einige Teilnehmer reagieren bereits in bestimmten Situationen mit Angst und
Abwehr, während andere Teilnehmer weit davon entfernt sind, die
Verunsicherung wahrzunehmen.
- 14) Zu dem Freudschen
Begriff der Realitätsprüfung vergleiche: J. Laplanche, J.-B. Pontalis,
Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt/Main 1972, p. 431 sq.
zurück
-
- 15) Vergl. zu dem Begriff
der Instrumentalisierung die unter Leitung des Verfassers in der
Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung entstandenen
Arbeiten zur Aggressionsproblematik, besonders: Ute Volmerg, Gewalt im
Produktionsprozeß und Birgit Volmerg, Zur Sozialisation Struktureller
Feindseligkeit In: Friedensanalysen, Bd 6, Frankfurt/Main 1977. Ferner:
Ute Volmerg, Identität und Arbeitserfahrung. Eine theoretische
Konzeption zu einer Sozialpsychologie der Arbeit, Frankfurt/Main 1978
zurück
-
-
- 16) Margarete Mitscherlich,
Müssen wir hassen? Über den Konflikt zwischen innerer und äußerer
Realität. München 1972, p. 64.
zurück
-
- 17) Talcott Parsons, Über
wesentliche Ursachen und Formen der Aggressivität in der Sozialstruktur
westlicher Industriegesellschaften In: Talcott Parsons, Beiträge zur
soziologischen Theorie, Neuried 1964, p. 223-255.
Martin
Blumentritt: Die politische Dimension von
Vorurteilen. (Dieser Artikel unterscheidet sind nicht
wesentlich vom vorher zitierten.)
Es soll hier nur über soziale Vorurteile gesprochen werden, also über
Vorurteile, die gesellschaftlich produziert werden und die - wie eingeschränkt
auch immer - gesellschaftlich gebilligt werden. Beispiele dafür sind: der
Antisemitismus, die nationalen Stereotypen und die Feindbilder.
(1)
Eigentlich ist der Ausdruck "soziale Vorurteile" ein Pleonasmus (»Überfluss«,
durch einhämmernde Reden, immer wiederkehrende »Werbung«), denn "private
Vorurteile" werden in der Regel nicht als Vorurteile angesehen, sondern
derjenige, der ein individuelles Wahngebilde sich aufbaut, gilt als krank.(2)
Wenn beispielsweise ein Mensch von der fixen Idee besessen ist, alle rothaarigen
Kellner trachteten nach seinem Leben, so wird er sicher an einen Psychiater
verwiesen, obwohl diese seine Wahnidee psychologisch nichts anderes ist als die
Wahnidee Hitlers von der jüdischen Weltverschwörung. Der Unterschied zwischen
der Kellner-Wahnidee und der Juden-Wahnidee liegt lediglich darin, daß es sich
im ersten Fall um einen individuellen Wahnsinn - eine Form der Paranoia -
handelt, während die Vorstellung von der jüdischen Weltverschwörung auf eine
lange Geschichte gesellschaftlicher Approbation zurückblicken kann, von breiten
Schichten der deutschen Gesellschaft als wahr geglaubt wurde, weil diese
Wahnvorstellung bestimmte gesellschaftliche und individuelle Bedürfnisse
befriedigte.(3)
Ein Vorurteil hat drei Aspekte. Zunächst den kognitiven Aspekt: Ein Vorurteil
spricht ein Urteil aus. Beispiel: Alle Neger stinken. Zweitens hat ein Vorurteil
einen affektiven Aspekt, das bedeutet, daß ein Vorurteil eine gefühlsmäßige
Ladung besitzt. Beispiel: Jedesmal, wenn ich in der Untergrundbahn neben einem
Neger sitze, wird mir schlecht. Und drittens hat ein Vorurteil einen konativen
Aspekt, also eine Disposition zum Handeln. Beispiel: Jedesmal, wenn sich in der
Untergrundbahn ein Neger neben mich setzt, dann wechsele ich den Platz.(4)
Die Disposition zum Handeln ist natürlich die gefährlichste Eigenschaft, die
Vorurteile haben, denn dieses Handeln kann von Diskriminierung über Verfolgung
bis hin zu Pogrom und Mord reichen. Eine geläufige Definition von Vorurteil
lautete: "Von anderen ohne ausreichende Begründung schlecht denken".(5)
Mit diesem "schlecht denken" könnte man sich abfinden, wenn nicht jedes
Vorurteil die Tendenz hätte, sich in Gewalttaten gegen denjenigen fortzusetzen,
der mit dem Vorurteil belegt wird. Allport hat die fünf Eskalations-Stufen
feindseligen Handelns beschrieben, die sich aus einem Vorurteil entwickeln
können: Am Anfang steht die Verleumdung und die Vermeidung, es folgen die
Diskriminierung und schließlich die körperliche Gewaltanwendung und Vernichtung.(6)
Deshalb gibt es keine "unschuldigen" oder "harmlosen" Vorurteile; im
antisemitischen Witz liegt bereits der Keim zum Pogrom. Für Vorurteile und
Feindbilder gilt in besonderem Maße: pricipiis obsta, den Anfängen gilt es zu
widerstehen. Das Bemühen, Vorurteile kritisch anzugehen und den Versuch zu
machen, sie abzubauen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der politischen
Bildung.(7)
Freilich handelt es sich bei dem Versuch, Vorurteile abzubauen, um ein
schwieriges Unterfangen. Ein Vorurteil ist nicht einfach ein falsches Urteil,
sondern ein hartnäckig falsches Urteil, d. h. es sträubt sich gegen die
Berichtigung. Hierin liegt der entscheidende Unterschied zwischen einem falschen
oder vorläufigen Urteil und einem Vorurteil: Falsche Urteile, vorläufige Urteile
können durch neue Erfahrungen berichtigt werden. Dazu ein Beispiel: Wenn ich den
Wal als einen Fisch angesehen habe aufgrund seiner Form und seiner Lebensweise,
dann aber in einem Biologielehrbuch erfahre, daß der Wal ein Säugetier, also
kein Fisch ist, wird es mir keine Schwierigkeiten bereiten, mein falsches Urteil
zu berichtigen. Ein Vorurteil zeichnet sich aber dadurch aus, daß es sich
hartnäckig gegen diese Berichtigung durch neue Erfahrungen wehrt, daß es
resistent ist gegen neue Erkenntnisse. Diese Abschottung des Vorurteils gegen
neue Erfahrungen wird vor allem durch zwei Mechanismen bewirkt. Erstens durch
das, was in der Psychologie selektive Wahmehmung genannt wird. Wenn ich
beispielsweise das Vorurteil habe, daß es in Frankreich schmutziger ist als in
Deutschland, werde ich in Frankreich auf jeder Straße und in jedem Hotelzimmer
Schmutz sehen und werde durch diese auswählende Wahrnehmung mein Vorurteil als
berechtigt empfinden. Zweitens: Vorurteile verhindern neue Erfahrungen dadurch,
daß der Vorurteilsbehaftete den Kontakt mit dem Objekt seines Vorurteils
vermeidet. Der Antisemit wird Bekanntschaft mit Juden, der Rassist Berührung mit
Negern z.B. scheuen; er wird sich gegen diese neue Erfahrung wehren. Vorurteile
sind gewissermaßen ein liebgewordenes Mobiliar unseres Weltbildes. Wir haben uns
mit den Vorurteilen eingerichtet, und wir möchten nicht verunsichert werden
dadurch, daß dieses Weltbild in Gefahr kommt.
Wie entsteht die Bereitschaft im Menschen, Vorurteile anzunehmen und sie zu
einem integrierten Bestandteil seines Denkens und Handelns zu machen? Die ersten
Voraussetzungen zur Vorurteilsbereitschaft entstehen bereits in frühester
Kindheit. Schon der Säugling erwirbt die Disposition, die ihn später befähigt,
Vorurteile in sein Weltbild einzubauen und nach ihnen sein Verhalten
einzurichten. Zu den wichtigsten Dingen, die ein Säugling im ersten Lebensjahr
lernen muß, gehört die Unterscheidung zwischen Innen und Außen. Der Säugling muß
seinen eigenen Körper, seine Gefühle, seine Bedürfnisse, seine Wünsche von der
Umwelt unterscheiden können. Das ist ein sehr schwieriger Prozeß, denn für den
Säugling sind zunächst sein eigener Körper, das Bettchen, die Mutter eine
Einheit. Die Differenzierung zwischen dem Selbst und der Umwelt beginnt damit,
daß der Säugling feststellt, daß Dinge, die er sich gerne zueignen würde, wie
etwa die Mutterbrust, offensichtlich seinem Willen nicht gehorchen, also
"draußen" sind, während andere Dinge, die er gerne abweisen möchte, wie etwa die
Leibschmerzen, zu ihm gehören, ein Teil seines Selbst sind. Der Säugling muß
also lernen zu unterscheiden zwischen den Reizen, die aus der Umwelt auf seinen
Körper treffen, und den Triebregungen, die aus seiner eigenen Person kommen.
Freud hat diese Fähigkeit, die der Säugling erwerben muß, "Realitätsprüfung"
genannt.(8) Diese Realitätsprüfung, also die
Fähigkeit des Menschen, zwischen Innen und Außen unterscheiden zu können,
zwischen der Welt draußen und den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen, kann
natürlich niemals vollständig gelingen. Wir können die äußere Welt nur als
Subjekt erfahren, das heißt, alle Wahrnehmung ist durch unser Wesen, durch
unsere Befindlichkeit, durch unsere Aktivität vermittelt.
Aber die Fähigkeit zur Realitätsprüfung kann verschieden stark entwickelt sein.
Manche Menschen sind in hohem Maße fähig, die äußere Realität vergleichsweise
unbeeinflußt von ihren eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen wahrzunehmen;
andere dagegen projizieren ihre Innenwelt so stark auf die Umwelt, daß sie kaum
imstande sind, die Realität unvoreingenommen sehen zu können.
Was sind nun die Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit der Säugling diese
Fähigkeit der Realitätsprüfung erwirbt? Ich möchte nur einige dieser Bedingungen
nennen. Zunächst ist wichtig, daß der Säugling ein Gefühl der Sicherheit und
Verläßlichkeit erwirbt, also die Mutter sich in ihrer Anwesenheit und
Abwesenheit auf die Bedürfnisse des Säuglings einstellt und für ihn diese
Anwesenheit oder Abwesenheit kein irrationales Ereignis ist. Zu häufiges
Anwesendsein und zu lange Abwesenheit sind schlechte Bedingungen für die
Entwicklung dieses Stabilitätsgefühls. Auch darf die Mutter den Säugling nicht
für ihre eigenen Gefühle instrumentalisieren, also ihr eigenes Gefühlsdefizit -
entstanden etwa in der Ehe oder dern Beruf - durch Überhäufen des Säuglings mit
Zuwendung und Gefühlen auszugleichen versuchen.(9)
Dies sind alles sehr subtile Vorgänge, die auch keineswegs planbar sind, sondem
in hohem Maße davon abhängen, inwieweit die Mutter selbst jene Stabilität und
Ausgeglichenheit besitzt, die sie dem Säugling vermitteln soll. Und dies
wiederum hängt ab von ihren eigenen frühesten Erfahrungen und der realen
Situation, in der sie lebt.
Erwirbt der Säugling die Fähigkeit zu angemessener Realitätsprüfuungen nicht,
dann ist damit die erste Voraussetzung für vorurteilhaftes Verhalten gegeben,
denn vorurteilhaftes Verhalten bedeutet ja nichts anderes, als daß der Mensch
Teile seines Inneren - Bedürfnisse, Wünsche, Triebe - auf ein äußeres Objekt
projiziert und dann glaubt, das, was er als Bild im Kopf hat, sei das Bild der
Realität. Margarete Mitscherlich hat dies einmal so formuliert:
"Nur wenn wir die Fähigkeit entwickelt haben, zwischen äußeren und
innerseelischen Anlässen zum Haß zu unterscheiden, läßt sich feststellen, ob er
aus tatsächlichen Unmenschlichkeiten oder Kränkungen entsprungen ist oder aus
einem Phantasievorgang, in dem einem Haßopfer die Unmenschlichkeit angedichtet
wird".(10)
Daß die Entscheidung, ob ein Mensch eine angemessene Fähigkeit zur
Realitätsprüfting erwirbt, bereits in der frühesten Kindheit fällt, bedeutet
natürlich nicht, daß Vorurteilsbereitschaft gewissermaßen eine im ersten
Lebensjahr erworbene Determinante ist, die den Menschen für den Rest seines
Lebens prägt. Davon kann überhaupt nicht die Rede sein, sondern das, was in
diesem ersten Lebensjahr erzeugt wird, ist lediglich eine Disposition, die aber,
wenn im weiteren Sozialisationsprozeß verstärkende Erfahrungen hinzukommen, zu
einer verfestigten Verhaltensweise wird. Wenn also der Mensch im Heranwachsen
immer wieder die Erfahrung der Unsicherheit, der Nichtverläßlichkeit macht, dann
wird er mit großer Wahrscheinlichkeit vorurteilhaft reagieren.
Dieses Phänomen, daß Menschen flir eine realitätsangemessene Wahrnehmung der
Welt Stabilität und Sicherheit brauchen, läßt sich auch in Krisen und
Ausnahmesituationen feststellen. Wenn Menschen in solche Situationen kommen,
dann geschieht es sehr oft, daß ihre differenzierten Umweltbilder
zusammenbrechen und daß sie seelisch auf einen früheren Zustand zurückfallen und
ihre Fähigkeit zur Realitätskontrolle wieder verlieren. Das läßt sich sehr gut
am Beispiel des politischen Terrorismus studieren. Nicht nur bei den Terroristen
ist jeder Realitätsbezug verlorengegangen; auch die emotionalisierten Reaktionen
in der Öffentlichkeit zeigen dieses Zusammenbrechen der differenzierten
Umweltbilder und der Fähigkeit der Realitätsprüfung. Vorurteile erfüllen für den
Menschen, der sich an sie klammert, eine ganz bestimmte Funktion; etwa die
Funktion, Unsicherheit und Bedrohung in seelischer Weise zu bewältigen.
Vorurteile sind ein Instrument, um Angst abzuwehren. Sie dienen dazu, Sicherheit
für das eigene Handeln zu finden, die Welt gewissermaßen überschaubar zu machen,
für alles die richtige Schublade zu finden. Damit hängt zusammen, daß es Wellen
des Antisemitismus oder Wellen von Vorurteilsbereitschaft gibt. Diese Welle von
Vorurteilen scheint im Anschwellen begriffen zu sein, nicht nur in der
Bundesrepublik, sondem etwa auch in Frankreich. Die Ursache dafür, daß die
überwunden geglaubten nationalen Stereotypen und Vorurteile wiederum belebt
werden, liegt in der Verunsicherung, die in allen europäischen Staaten durch
krisenhafte Erscheinungen in Wirtschaft, Politik und Alltagsleben hervorgerufen
worden sind. Die Welt ist für sehr viele Menschen nicht mehr überschaubar, und
insbesondere sind für sie die Folgen ihres Handelns nicht mehr kalkulierbar.
Wenn vor 10 Jahren ein junger Mensch in der Bundesrepublik das Lehrerstudium
begann, dann konnte er abschätzen, daß er zu einem bestimmten Zeitpunkt in
seinem Beruf würde arbeiten können. Heute ist das überhaupt nicht mehr absehbar.
Das Entscheidende dabei ist nicht das Risiko der Berufswahl, sondern die
Irrationalität dieser Verteilung von Lebenschancen, die etwa darin besteht, daß
es lediglich auf die Stärke des Abitujahrgangs ankommt, ob ein junger Mensch
einen Studien- oder Arbeitsplatz bekommt oder nicht. Mit anderen Worten: die
Lebenschancen von ganzen Generationen junger Menschen hängt für sie von völlig
irrationalen, von ihnen nicht beeinflußbaren Faktoren ab. Das ist mit der These
gemeint, daß für sehr viele Menschen nicht mehr das eigene Handeln in bezug auf
einen möglichen Erfolg abschätzbar ist. Das gleiche gilt auch für andere
Bereiche. So sind etwa Konjunkturschwankungen, sektorale ökonomische Prozesse
vom einzelnen überhaupt nicht mehr zu überschauen.
Eine zweite Funktion der Vorurteile ist das, was man Stabilisierung des
Selbstwertgefühls nennen könnte. In Amerika gehören die weißen Dockarbeiter zu
der sozial am niedrigsten eingeschätzten Gruppe der Arbeiter. Bei dieser Gruppe
ist der Rassismus besonders stark. Das ist ein Beispiel für diese Funktion von
Vorurteilen. Man nimmt eine niedrige soziale Position in Kauf, wenn es eine
Gruppe gibt, die noch drunter steht. Das gleiche gilt natürlich aufjeder Stufe
der sozialen Leiter. Dritte Funktion von Vorurteilen: sie liefern ein
gesellschaftlich gebilligtes Objekt für die Aggressionsabfuhr. In den modernen
Industriestaaten gibt es, wie der amerikanische Soziologe Parsons überzeugend
nachgewiesen hat, ein großes Potential an Aggressivität - das wissen wir auch
aus unserer Alltagserfahrung -; diese Aggressivität findet in den
vorurteilsbehafteten Gruppen ein gesellschaftlich gebilligtes Objekt.(11)
Auch dafür bietet der politische Terrorismus ein Beispiel. Ich will daran
erinnere, welche schlimmen Dinge etwa zutage gekommen sind, als der Stuttgarter
Oberbürgermeister Rommel die Bestattung der Stammheimer Selbstmörder gestattet
hatte. Damals konnte man in Leserbriefen in Stuttgarter Zeitungen lesen, diese
Kerle gehörten zerstückelt und in die Kanalisation geworfen usw. Das ist ein
Beispiel für die Aggressionsabfuhr, die sich an solche Ereignisse heftet. Eine
vierte Funktion der Vorurteile. sie stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl, sie
bilden ein Ingroup-Bewußtsein. Ich möchte dazu Mitscherlich zitieren, der das
einmal so beschrieben hat:
"Der Gewinn, den ein geteiltes Vorurteil abwirft, liegt darin, daß wir in
konformem Verhalten mit der Gruppe auch ihre spezifischen Erleichterungen
mitgenießen dürfen. Wir dürfen mit den Wölfen heulen, wir dürfen nach
Vorurteilen agieren, mithandeln und unsere eigene innere Triebspannung damit
erleichtern. Die Ablenkung der Triebspannung nach außen auf Minoritätsgruppen
ist gleichsam der ökonomische Trick zur Erhaltung des Gruppengleichgewichts.(12)
Vorurteile und Feindbilder haben eine individuelle und eine gesellschaftliche
Funktion. Für das Individuum tragen sie zur Stabilisierung des Ichs bei. Sie
vermitteln Sicherheit und vermindern die Angst. Dies bedeutet, daß Menschen umso
stärker vorurteilshaft reagieren, je größer ihre Defizite in bezug auf
persönliche, berufliche und gesellschaftliche Identität sind. Auf der anderen
Seite sind die Inhalte von Vorurteilen gesellschaftlich vorgegeben, und sie
tragen bei zur gesellschaftlichen Integration. Die Gesellschaft prämiert und
akzeptiert denjenigen, der das gesellschaftliche Normen- und Vorurteilssystem
teilt, während sie denjenigen mit Sanktionen belegt, der abweichende
Auffassungen vertritt. Dies bedeutet, daß einerseits die Menschen, die von
geringer Ich-Stabilität aufgrund geringer persönlicher und sozialer
Akzeptanzerlebnisse und Zuwendung den Versuch machen, durch Integration in
dieses Normen- und Vorurteilssystem sich die erforderliche Akzeptierung und
Zuwendung zu erkaufen. Sie werden umgekehrt den Versuch, ihr mühsam
stabilisiertes Vorurteils- und Wertsystem in Frage zu stellen, als Bedrohung
empfinden und mit Angst oder Flucht reagieren.
Nun noch einige Worte zu den Objekten von Vorurteilen. Wenn die These zutrifft,
daß bei Vorurteilen nicht das Objekt das entscheidende ist, sondern die
Bedürfnisse, Triebspannungen und Wünsche des Subjekts, dann dürfen die Objekte
der Vorurteile im Grunde austauschbar sein. Das trifft bis zu einem gewissen
Grade auch zu. Es gibt allerdings historisch vorgezeichnete Vorurteilsobjekte,
wie etwa die Juden im Antisemitismus oder die Neger. Aber tendenziell sind die
Objekte von Vorurteilen austauschbar. Eine Eigenschaft allerdings müssen die
Objekte von sozialen Vorurteilen haben. Sie müssen unterscheidbar sein.(13)
Und gerade das ist ja bei den Juden mit Schwierigkeiten verbunden. Hitler hat im
Sinne der Vorurteilspsychologie folgerichtig gehandelt, als er den Juden den
Judenstern angeheftet hat. Neger beispielsweise sind unmittelbar erkennbar. Auch
andere soziale Minioritäten wie Zigeuner sind ebenfalls unmittelbar
identifizierbar. Da sind solche Hilfsmittel nicht notwendig. Die zweite
Eigenschaft, die Objekte von Vorurteilen haben müssen, ist, daß sie schwach sein
müssen, zugleich aber auch als Gefahr dargestellt werden können.(14)
Vorurteile sind verzerrte Bilder von der Welt, wobei die Ursachen für die
Verzerrung auf individuelle und gesellschaftliche Defizite und Mängel
zurückgehen. Weil Menschen aus Gründen, die in ihrer Lebensgeschichte oder in
der Struktur der Gesellschaft liegen - beides ist untrennbar verbunden - nicht
die äußere und innere Freiheit gewinnen können, nach der sie streben, bauen sie
sich eine Welt des Wahns aus Vorurteilen und Feindbildern auf. Goethe hat einmal
auf die Macht dieser zweiten Welt hingewiesen:
"...so ist außer dieser realen Welt noch eine Welt des Wahns, viel mächtiger
beinahe, in der die meisten leben."(15)
Für das politische Handeln hat diese Wahnwelt der Vorurteile und Feindbilder
fatale Folgen. In der Politik, besonders in der internationalen Politik, können
die Menschen in der Regel keine eigene unmittelbare Erfahrung machen. Sie
interpretieren deshalb die Ereignisse der Politik in der Regel nach dem Vorbild
ihrer Alltagserfahrungen und projizieren dadurch ihre Alltagsvorurteile auf den
Bereich der Politik. Ich möchte nur einige dieser Alltagsformeln nennen, mit
denen Politik interpretiert wird: Nur Stärke zählt. Oder: wenn man angegriffen
wird, muß man sich wehren und dergleichen. Die politische Realität wird auf ein
Freund-Feind- Raster reduziert; es wird eine Schwarz-weiß-Zeichnung angefertigt
und eine schreckliche Vereinfachung der politischen Realität vorgenommen. Dies
hat zur Folge, daß eine realitätsbezogene Politik nur schwer legiti- mierbar
ist. Schließlich wird die Politik als Projektionsschirm benutzt für private
Ängste.(16)
Adorno hat in der Untersuchung über den autoritären Charakter diese von
Vorurteilen und Stereotypen entstellte Welt, in der die meisten Menschen leben,
einmal so beschrieben:
"Die autoritäre Persönlichkeit lebt in einer Welt, die sie sich als Dschungel
ausmalt, wo jeder gegen jeden ist, wo die Welt betrachtet wird als gefährlich,
bedrohlich, wo jedes menschliche Wesen aufgefaßt wird als selbstsüchtig, böse
oder dumm. Die Sicherheit kann man dann nur durch Stärke erlangen, oder sie
besteht hauptsächlich in der Fähigkeit zu dominieren. Wenn jemand nicht stark
genug ist, ist die einzige Altemative, einen starken Beschützer zu finden."(17)
Wie kann man diese Wahnwelten aufbrechen? Wie kann man Menschen anleiten, sich
von der unheilvollen Wirkung von Vorurteilen und Feindbildem freizumachen?
Richtigstellende Informationen allein genügen wohl kaum. Aufklärung ist
ungeheuer wichtig, aber sie genügt nicht. Die Vorurteile sind zu fest in der
Struktur der Menschen verankert; sie haben eine zu starke Funktion für den
einzelnen und die Gesellschaft, als daß sie durch bloßes Argumentieren abgebaut
werden könnten. Das ist ein gesicherter Bestand der Forschung. Das leuchtet auch
ein, denn Vorurteile haben ja relativ wenig mit dem Gegenstand zu tun, den sie
zu bezeichnen vorgeben. Adorno hat dies einmal am Antisemitismus exemplarisch
gezeigt: man gehe bei dem Versuch, durch Gegeninformation antisemitische
Vorurteile abzubauen, allzusehr von der Voraussetzung aus, der Antisemitismus
habe etwas Wesentliches mit den Juden zu tun und könne durch konkrete
Erfahrungen mit Juden bekämpft werden, während der genuine Antisemit vielmehr
dadurch definiert sei, daß er überhaupt keine Erfahrungen machen könne, daß er
sich nicht ansprechen ließe.(18) Sigmund Freud hat
einmal folgende Geschichte erzählt: Wenn jemand komme und sage, der
Erdmittelpunkt besteht aus einer Eisen-Nickel-Legierung, dann könne man mit
diesem Menschen ein wissenschaftliches Streitgespräch mit Argumenten führen.
Wenn aber jemand komme und sage, der Erdmittelpunkt besteht aus
Erdbeermarmelade, dann sei ein Argumentieren relativ sinnlos. Freud schlägt dann
eine Wendung des Blicks vor. Dann sei eigentlich die Frage sehr viel
interessanter, was für ein Mensch das sei, der diese Auffassung habe.(19)
Wieso komme er dazu, diese Auffassung zu vertreten? Welche Bedürfnisse sind es,
die ihn so wahrnehmen und denken lassen?
Vorurteile sind Gewaltstrukturen in unseren Köpfen. Sie sind ein Element der
Unfreiheit und deshalb nicht allein durch Argumente zu bekämpfen. Vorurteile
sind das Ergebnis erduldeter Gewalt, die an einen dritten weitergegeben wird.
Deshalb heißt Vorurteile bekämpfen, den Menschen größere Chancen der
Selbstverwirklichung zu geben, sie anzuleiten, sich selbst besser akzeptieren zu
können, ihr Ich zu stärken. Vorurteile bekämpfen heißt, den gesellschaftlichen
Druck, der auf den Menschen lastet, zu verringern, ihnen die Angst und die
Unsicherheit zu nehmen, ihren Freiheitsspielraum zu vergrößern. So ist die Frage
des Abbauens von Vorurteilen sehr eng mit der Stärkung der Demokratie verbunden.
Stärkung der Demokratie bedeutet aber nicht, wie man heute gelegentlich zu
glauben scheint, eine Verstärkung der Polizei, sondern ein Vorantreiben all der
mühsamen Prozesse, die die Selbstbestimmung und die Freiheit des Menschen von
äußeren und inneren Zwängen steigern. Abbau von Vorurteilen bedeutet aber auch
Aufklärung. Aufklärung nicht im Sinne von Gegeninformation, sondern Aufklärung
über die Mechanismen, nach denen Vorurteile funktionieren.
Bei Menschen, die Vorurteile zu einem Teil ihrer Persönlichkeitsstruktur gemacht
haben, ist der Frontalangriff auf Vorurteile zum Scheitern verurteilt. Allein
Selbsteinsicht könnte hier dazu fuhren, die Verteidigungs- und Abwehrstellungen
zu durchbrechen, mit denen das Vorurteilssystem abgesichert ist. Erst
Lemprozesse, sie es dem Menschen erlauben, Einsicht in die eigenen psychischen
Strukturen zu gewinnen, die ihn erkennen lassen, weshalb er der Vorurteile
bedarf, versprechen Erfolg bei dem Versuch des Abbaues von Vorurteilen.
Bei anderen sind wir sehr wohl in der Lage, Vorurteile zu erkennen und zu
analysieren. Bekanntlich ist der Balken im eigenen Auge das beste
Vergrößerungsglas für den Splitter im Auge des Nächsten. Aber bei uns selbst
will die Erkenntnis, daß wir Vorurteile haben, nach ihnen die Welt
interpretieren und sie zur Richtschnur unseres Handelns machen, nur schwer
gelingen. Das Vorurteil der eigenen Vorurteilslosigkeit ist das hartnäckigste
Vorurteil überhaupt.
Aufgabe ist die Schärfung der Beobachtungsfähigkeit für unser eigenes Verhalten.
Die Einübung einer Sensibilität für das, was wir sagen und tun. Nur so kann es
gelingen, die Blindheit aufzuhellen, die nur zu oft die Grundlage unserer
Selbstsicherheit ist.
Diese Selbstbesinnung ist nicht einfach. Denn solcher Introspektion stehen
erhebliche Widerstände entgegen. Geradezu Schrecken erzeugt die unverstellte
Selbstwahrnehmung, weil sie unser oft mit großer Anstrengung errichtetes
Selbstbild gefährdet. Wir haben unser Selbstbild durch ein Bündel von
Vorurteilen gesichert, und ein tiefgestaffeltes System von Selektionsmechanismen
und Wahrnehmungshemmungen verhindert die Aufnahme von äußerer Realität, die
unsere Vorstellungen von uns selbst stören oder korrigieren und damit unsere
Selbstsicherheit bedrohen könnten.
Dies freilich ist nur die individuelle Seite. Es muß angemerkt werden, daß der
Erfolg solcher Bemühungen nicht unabhängig vom gesellschaftlichen Zusammenhang
gesehen werden kann. Wenn Vorurteile gesellschaftliche Deformationen der
Lebenspraxis der Menschen spiegeln, dann verlangt die Befreiung von Vorurteilen
die Änderung dieses Lebenszusammenhangs. Wenn nach Max Horkheimer "die Zustände
des gesellschaftlichen Lebens ... von selbst zum starren Vorurteil" treiben,
dann hängt die Authebung der Blindheit der Menschen im Vorurteil letztlich ab
von der Aufhebung des gesellschaftlichen Verblendungszusammenhangs, der diese
Blindheit produziert."(20)
Wie steht es um die Chancen der Änderung solcher individueller und
gesellschaftlicher Strukturen? Die Situation ist freilich entmutigend: die
Gewaltstrukturen im internationalen System, in den GeseIlschaften und in den
Köpfen der Menschen sind so stabil, daß es schon einer Art neurotischen
Starrsinns bedarf, an der Hoffnung, die Wahnwelten der Vorurteile und
Feindbilder könnten abgebaut werden, festzuhalten. Sigmund Freud hat einmal die
Schwäche der Vemunft dem Aberwitz, der Unvemunft und der Übermacht der Triebe
gegenüber beschrieben. Aber es sei doch etwas Besonderes um diese Schwäche:
"die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich nicht
Gehör geschafft hat. Am Ende nach unzählig oft wiederholten Abweisungen, findet
sie es doch. Dies ist einer der wenigen Punkte, in denen man für die Zukunft der
Menschheit optimistisch sein darf."(21)
Auf diese leise Stimme der Vemunft sollten wir vertrauen.
Anmerkungen
1) Der vorliegende Text stellt eine überarbeitete
Fassung eines Vortrages dar, den der Verfasser am 18.11.1977 in Loccum im Rahmen
der Tagung der Evangelischen Akademie "Vorurteil ohne Ende" hielt.
2) Zu dem Begriff "soziales Vorurteil" vergleiche
die Untersuchung von Peter Heintz, Soziale Vorurteile, Ein Problem der
Persönlichkeit, der Kultur und der Gesellschaft, Köln 1957.
3) Freud hat einmal darauf hingewiesen, daß
offensichtlich solche kollektiven Wahnsysteme das Individuum davor bewahren,
individuelle Wahnsysteme entwickeln zu müssen. Freilich sah er darin keine
Rechtfertigung für kollektiven Wahn. Vgl. S. Freud, Gesammelte Werke, Bd. XIII,
S. 159f
4) Vgl. Earl E. Davis, Zum gegenwärtigen Stand der
Vorurteilsforschung, in: Vorurteile, ihre Erforschung und ihre Bekämpfung.
Politische Psychologie, Bd. 3, Frankfurt/M. 1964, S. 51 ff.
5) Vgl. Gordon W. Allport, Die Natur des Vorurteils,
Köln 1971, S. 20.
6) A. a. 0., S. 28 f
7) Der Verfasser hat zusammen mit Änne Ostermann den
Versuch unternommen, die Vorurteilsproblematik für die politische Bildung
darzustellen und Material für den Unterricht zusammenzustellen: Änne
Ostermann/Hans Nicklas, Vorurteile und Feindbilder, Materialien, Argumente und
Strategien zum Ver- ständnis der Mechanismen, die Menschen dazu bringen,
einander mißzuverstehen und zu hassen. Zugleich eine Einftihrung in die
politische Psychologie. München 1976 (Verlag Urban u. Schwarzenberg).
8) Zu dem Freudschen Begriff der Realitätsprüfuungen
vergleiche: J. Laplanche, J.-B. Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse,
Frankfurt/M. 1972, S. 431 ff.
9) Vgl. zu dem Begriff der Instrumentalisierung die
unter Leitung des Verfassers in der Hessischen Stiftung für Friedens- und
Konfliktforschuungen entstandenen Arbeiten zur Aggressionsproblematik,
besonders: Ute Volmerg, Gewalt im Produktionsprozeß, und Birgit Volmerg, Zur
Sozialisation struktureller Feindseligkeit" in: Friedensanalysen, Bd. 6,
Frankfurt/M. 1977. Femer Ute Volinerg, Identität und Arbeitserfahrung. Eine
theoretische Konzeption zu einer Sozial- psychologie der Arbeit, Frankfurt/M.
1978.
10) Margarete Mitscherlich, Müssen wir hassen?
Über den Konflikt zwischen innerer und äußerer Realität, München 1972, S. 64.
11) Talcott Parsons, Über wesentliche Ursachen und
Forrnen der Aggressivität in der Sozialstruktur westlicher
Industriegesellschaften, in: Talcott Parsons, Beiträge zur soziologischen
Theorie, Neuwied 1964, S. 223-255. 12 Alexander Mitscherlich, Revision der
Vorurteile, in: Der Monat 1962 Nr. 165, S. 12. 13 Bernd Tichatschek-Marin wies
in der Diskussion darauf hin, daß für das vorurteilshafte Verhalten ebenso das
Aufspüren des nicht ohne weiteres erkennbaren Vorurteilsobjektes
charakteristisch sei. Dieser wichtige Hinweis findet seine Bestätigung in der
Untersuchuug zum "Autoritären Charakter,", vgl. Anmer kung 14 und 17.
14) Leo Löwenthal, Norbert Gutermann, Agitation
und Ohnmacht. Auf den Spuren Hitlers im Vorkriegsamerika, Neuwied 1966, S. 46 f.
15) Goethe, Maximen und Reflexionen, 293.
16) Die Hessische Stiftung Friedens- und
Konfliktforschung versucht in einem Forschungsprojekt den Zusammenhang von
Alltagserfahrung, Angst und Politikverständnis zu erhellen. Vgl. dazu: Hans
Nicklas, Birgit Volmerg, Ute Volmerg, Thomas Leithäuser, Sicherheitsbedürfnis
und Konfliktverarbeitung. Eine soziologisch- psychologische Untersuchung zum
Ost-West-Konflikt. Eine Projektskizze (Manuskript). Femer. Thomas Leithäuser,
Birgit Volmerg, Gunther Salje, Ute Volmerg, Bemhard Wutka, Entwurf zu einer
Empirie des Alltagsbewußtseins, Frankfurt/M. 1977.
17) Theodor W. Adorno, Studien zum autoritären
Charakter, Frankfurt/M. 1973.
18) Theodor W. Adorno, Was bedeutet: Aufarbeitung
der Vergangenheit?, in: Eingriffe, Neun kritische Modelle, Fmnkfurt/M. 1963, S.
144.
19) Sigmund Freud, Gesammelte Werke, Bd. XV, S.
53.
20) Max Horkheimer, Über das Vorurteil
(Arbeitsgemeinschaft für Forschuug des Landes Nordrhein-Westfalen,
Geisteswissenschaften Heft 108), Köln 1963, S. 7
21) Sigmund Freud, Gesammelte Werke, Bd. XIV, S.
377.
Hans Nicklas, Die politische Dimension von Vorurteilen aus: M.Bosch,
Antisemitismus, Nationalsozialismus und Neonazismus S. 13f
Aus:
http://comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr212s.htm vom 07.
April 1998
In der Werbepsychologie sind obige Begriffe zu
finden unter den Stichworten:
-
Aktuelle Informationsbedingungen
-
Der Einfluss der Werbung auf die
Gesellschaft
-
Der Beworbene und seine Anforderungen an die
Werbung
-
Die menschliche Wahrnehmung
-
Die Wahrnehmung in der Werbung
-
Aktivierungstechniken
-
Wahrnehmungshemmungen, Wahrnehmungsverzerrungen
-
Unterschwellige Wahrnehmung
-
Gestaltpsychologische Aspekte
Buch von Alexander und Margarete Mitscherlich:
Die Unfähigkeit
zu trauern
Grundlagen kollektiven Verhaltens
R. Piper & Co. Verlag
München, 1968
340 Seiten
Wichtige Stichworte:
Rückhaltlose Identifizierung mit den
Naziidealen, "Gleichschaltung" genannt.
Hitler hielt sich selbst nicht
verantwortlich für das katastrophale Ende seiner Herrschaft, sondern das
deutsche Volk habe sich seiner nicht würdig erwiesen.
Analyse, wieso die Menschen dem
Führer bedingungslos folgten, mit Hilfe der Massenpsychologie und Ich-Analyse
seiner Gefolgschaft. Der Massenführer "tritt an die Stelle des Ich-Ideals
(>hier<
Über-Ich) jedes Einzelnen... erfüllt die kühnsten Phantasien über eigene
Bedeutung, Vollkommenheit und Überlegenheit, ferner die natürlichen Hoffnungen
des menschlichen Lebens..."
Inhalt
Vorbemerkung
I. Die Unfähigkeit zu trauern – womit zusammenhängt: eine deutsche Art zu lieben
1. Deutsche Illusionen
2. Der »Führern war an allem schuld«
3. Erfolgreiche Abwehr einer Melancholie der Massen
4. Techniken der Entwirklichung
5. Narzißtisch gekränkt
6. Die Projektion unbewußter Rachephantasien
7. Emigration als Makel
8. Die Verliebtheit in den Führer
9. Noch eine Möglichkeit für Trauer?
10. Nachbemerkung
II. Variationen des Themas
1. Psychoanalytische Anmerkungen über die Kultureignung des Menschen
2. Tabu – Ressentiment – Rückständigkeit demonstriert an geschichtlichen
Entscheidungen
3. Zur Psychologie des Vorurteils
III. Die Relativierung der Moral
Von den Widersprüchen, die unsere Gesellschaft dulden muß
IV. Identifikationsschicksale in der Pubertät
1. Protest und Verwirrung
2. Eltern als Vorbild
3. Wandlung der Rollen
4. Identifikation – Identität
5. Wiederholung und Auflösung bisheriger Verhaltensweisen in der Pubertät
6. Die Beziehung des Pubertätsverlaufs zum Autoritätswandel
7. Verlängerung oder innere Abwehr der Pubertät
8. Die Wirkung des Ich-Ideals auf die Pubertätsentwicklung
9. Die Art der Gefühlsbeziehung zu den Eltern als Grundlage des eigenen
Wertgefühls
10. Der Einfluß des Dritten Reiches
11 Pubertätsschicksale
12. Pubertät und politisches Verhalten
V. Proklamierte und praktizierte Toleranz
Vl. Das soziale und das
persönliche Ich
VII. Änderungen im Wesen politischer Autorität
VIII. Konsequenzen bei offenem Ausgang der Konflikte
Personen- und Sachregister
Ein wenig aus der Vorbemerkung:
Von allen Staatsformen gewährt die parlamentarische Demokratie ihren
Mitgliedern das größte verbriefte Recht auf individuelle Freiheit. In Tat und
Wahrheit ist der Spielraum nicht groß. Es kann deshalb nicht als Ausdruck eines
ängstlichen Pessimismus gedeutet werden, wenn man sich um den Fortbestand dieses
Wenigen Sorge macht. Denn offenbar fällt es unvergleichlich schwerer, eine
kollektive Lebensform zu erreichen, welche Gedankenfreiheit gewährt – als Basis
jeder Freiheitserfahrung –, als diese Freiheit wieder zu verlieren.
Die Abhandlungen dieses Buches untersuchen psychische Prozesse in großen
Gruppen, als deren Folge sich Freiheit oder Unfreiheit der Reflexion und der
Einsicht ausbreiten. Es wird also der Versuch unternommen, einigen Grundlagen
der Politik mit Hilfe psychologischer Interpretation näherzukommen, der
Interpretation dessen, was Politik macht, nämlich menschlichen Verhaltens in
großer Zahl.
Den Ausgangspunkt solcher Überlegungen bildet die Bundesrepublik. In ihr
erfahren deutsche Bürger zum ersten Mal demokratische Gedankenfreiheit in
Verbindung mit der Ausbreitung relativen Wohlstands. Der Beobachter dieses
politischen Gebildes sieht sich jedoch zu der Frage gedrängt, wieviel
Leidenschaft für die Demokratie sich zeigen würde, wenn die
bundesrepublikanischen Geschäfte einmal entschieden schlechter gehen sollten.
Gibt es neben unserem Streben nach Reichtum auch ein neuerdings erwachtes nach
Freiheit? Mehrt oder mindert sich die Toleranz, abweichende Meinungen – auch
solche, die uns ärgern – zu ertragen und zu achten? Ist Gedankenfreiheit für die
Bürger unseres Landes zur unabdingbaren Forderung an ihre Gesellschaft geworden?
In Kürze: Der
(Atheist,) Arzt, Psychoanalytiker und Schriftsteller, Alexander
Harbord Mitscherlich, wurde 1908 in München geboren und starb 1982
in Frankfurt am Main. Es hatte auch Geschichte, Kunstgeschichte und
Philosophie an der Universität München stdiert.
Die neun Jahre jüngere Ehefrau,
Psychoanalytikerin und Medizinerin Margarete
Mitscherlich-Nielsen, (geborene Nielsen 1917 in Gravenstein),
Mit-Autorin obigen Buches, wurde auch bekannt durch zahlreiche
Veröffentlichungen.