Gedächtnis
hat die Fähigkeit, "Informationen" (Eindrücke) zu speichern.
Nach der klassischen Vorstellung werden von unseren Sinnen wahrgenommene Eindrücke im Ultrakurzzeitgedächtnis bis maximal 10 Sekunden aufbewahrt, im Kurzzeitgedächtnis für maximal 12 Stunden (in der Regel jedoch nur für Sekunden bis Minuten). Werden aber Inhalte im Kurzzeitgedächtnis (z.B. Namen [Vokabeln], Zahlenfolgen) mehrfach wiederholt (eingeübt), um sie sich einzuprägen, kommen diese Inhalte ins Langzeitgedächtnis. Ansonsten wird alles vergessen.
Ist das Gehirn wie ein Sieb? Keineswegs; denn Münchner Forscher haben in Tierversuchen herausgefunden, dass erworbenes Wissen nicht wieder verschwindet. Die Verbindung zu diesem Teil der Erinnerung wird nur deaktiviert - lässt sich jedoch mehr oder weniger leicht wieder mobilisieren.
Wie immer ist alles recht kompliziert, wenn man genauere Untersuchungen anstellt: Frau Vera F. Birkenbihl, Leiterin des Institutes für "gehringerechtes arbeiten", zeigte einmal in einem ihrer Seminare mit einem Vergleich zu einem Maßband von 11 Kilometern Länge, dass uns unser Gehirn aus dieser unglaublichen Länge nur 15 Millimeter (!!) an direktem Wissen, also bewusst zur Verfügung hält. Der Rest ist verschlossen. Die "Verschlusssache" kann nach Darstellung von Birkenbihl nur mit Mühe geöffnet werden. Aber man kann es! Sie bietet in ihren Seminaren (seit 1973) einige Schlüssel an.
Synapsen (griechisch: σύν, syn = zusammen, ἅπτειν, haptein = ergreifen, fassen, tasten) sind Kontaktstellen zwischen Nervenzellen (Neuronen) oder primären Sinneszellen und anderen Zellen (wie Sinnes-, Muskel- oder Drüsenzellen, "Erfolgsorgane" genannt) oder zwischen Nervenzellen untereinander. Durch die Synapsen findet eine Erregungsübertragung zwischen Nervenzellen oder zwischen einer Nervenzelle und einer Sinnes-, Muskel- oder Drüsenzelle statt. Die den Impuls aussendende Zelle wird als präsynaptische Zelle bezeichnet, die ihn empfangende als postsynaptische Zelle. Unterschieden werden elektrische Synapsen, die eine Erregung so, wie sie ankommt, in der Form eines Aktionspotenzials weiterleiten, denn die beiden beteiligten Zellen stehen durch Kanäle (englisch „gap junctions“) miteinander in Verbindung, und chemische Synapsen, bei denen sich zwischen den beteiligten Zellen der synaptische Spalt befindet, der überbrückt werden muss. Beim Eintreffen einer Erregung setzen sie einen chemischen Botenstoff (Neurotransmitter) in den Spalt frei. Dieser kann in der postsynaptischen Zelle erneut eine Erregung auslösen oder aber hemmend wirken. Bestimmte Medikamente (Blutdruckmittel, Psychopharmaka) vor allem aber auch Drogen (Kokain) und Giftstoffe wirken auf die Synapsen ein; denn jede Nervenzelle im Gehirn bildet durchschnittlich viele hundert synaptische Kontakte aus. Die Erregungsübertragung erfolgt auf biochemischem Weg durch Freisetzen von Neurotransmittern (neurogen gebildete Substanzen) aus den in der Präsynapse eingeschlossenen synaptischen Vesikeln (Bläschen =kleinsten Blasen).
Die moderne Gehirnforschung entdeckte Ende des vergangenen Jahrhunderts ein besonderes Netz von Nervenzellen im Gehirn, die nicht nur dann aktiviert werden, wenn wir selbst aktiv sind, reden, musizieren, laufen, raufen und was sonst noch. Nein, wir erhalten heutzutage das meiste passiv aus dem Fernsehen, dem Kino, dem Internet. Unser Gehirn wird regelrecht zugeknallt mit Ereignissen, an den wir nicht direkt beteiligt sind. Die Forscher sagen: In unserem Gehirn wird ständig alles "gespiegelt", was um uns herum passiert. Die zuständigen Empfangs-Nervenzellen werden daher Spiegelneuronen genannt. Irgendwie werden wir eingebunden. Es wird gegruselt bei einer bestimmten Filmhandlung, gelacht, geweint. Man empfindet Mitleid, teilt Freude, obwohl es keinen realen Grund gibt. Aber auch im täglichen Leben spielen die Spiegelneuronen eine Rolle. Gähnen steckt an, wenn andere Leute gähnen. In Versuchen, in denen den Versuchspersonen gähnende Leute gezeigt wurden, fingen fast 60% auch an zu gähnen. In einer Vergleichgruppe ohne Zeigen von Gähnenden gähnte kaum jemand. Auch bei Menschenaffen, z.B. bei Schimpansen konnte man das beobachten. Lachen steckt ebenfalls an. Verbrechen im Fernsehen stimuliert verbrecherisch vorgeprägte Menschen. Nach einem schlimmen Sexualdelikt flehte ein Ermittler die Presse regelrecht an, nichts zu berichten; denn ansonsten würden "Schläfer" geweckt.
Der 1959 geborene Physiker, Ranga Yogeshwar (nicht nur bekannt durch seine
Fernseh-Sendungen "Quarks und Co."), schreibt in seinem, im Verlag KiWi
erschienenen Buch "Sonst noch Fragen?" in diesem Zusammenhang ein Beispiel:
"Mütter öffnen zum Beispiel den Mund, wenn sie ihr Kind füttern. Das Kind sieht
die Bewegung, das Gehirn spiegelt unbewusst, und das Mündchen geht auf."
Also: die sogenannten Spiegelsynapsen* können
nicht zwischen Fernsehen bzw. Internet und Realität unterscheiden.
Sie überschütten uns als Reaktion auf im Fernsehen oder Internet Gesehenes mit
den gleichen
Hormonen, die wir auch über uns ergehen lassen müssten, wenn wir die
entsprechende Situation real
erleben würden, zwar in geringerer Dosis; aber dennoch ist es für unseren Körper so, als
würde er das Gesehene tatsächlich erleben.
* Synapsen sind Kontaktstellen im Nervensystem, die sich zwischen Nervenzellen oder Sinneszellen und anderen Nervenzellen oder einem Organ, wie Muskelzellen, Drüsenzellen befinden und welche eine Erregungsübertragung von einer Zelle zur anderen ermöglichen. Synapsen setzen sich aus zwei Zellanteilen zusammen (Präsynapse und Postsynapse), die sich beide sich nicht direkt berühren, sondern zwischen beiden befindet sich ein (mehr oder weniger breiter synaptischer) Spalt...
Das erklärt zum Teil auch das Ausgelaugtsein nach langen Zeiten vor dem
Fernseher, worüber manche Leute klagen. Schließlich hat man ja im Prinzip so viel erlebt, ohne dass jedoch
eine wirkliche Ermüdung, wie z.B. durch reale körperliche Anstrengung
stattgefunden hätte.
Auch auf Propaganda und Werbung reagiert der Mensch entsprechend. Und damit kommen wir zum wesentlichen Teil dessen, warum wir uns obige Darlegungen immer wieder bewusst machen müssen, um nicht auf Wahlversprechungen reinzufallen, nicht von den mitmenschlichen Wegelagerern ausgeplündert, reingelegt, ausgenutzt werden zu können.
Walter Rath, Oktober 2009