Extremereignisse
der Gegenwart
und die
Grenzen
unserer Vorstellungskraft,
dazu Informationsüberschüttung
>Hier< zu einer Seite über Naturkatastrophen
(bzw 3 Sendungen vom Deutschlandfunk
aus der Serie "Weltuntergänge" von Januar 2011)
Anregung zur folgenden Seite gab eine Sendung des
DEUTSCHLANDFUNK Köln bzw. im Deutschlandradio
Redaktion Hintergrund Kultur
Essay und Diskurs
Dr. Norbert Seitz/Dr. Matthias Sträßner
vom Sonntag, dem 2. Januar 2011 um 09:30
Nachzulesendes, aber vom Autor der jetzt folgenden Seite als überflüssig gewertetes DLF-Manuskript: >hier< in Form einer .pdf-Datei
(Jedoch: "Das Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf vom Empfänger ausschließlich zu rein privaten Zwecken genutzt werden. Jede Vervielfältigung, Verbreitung oder sonstige Nutzung, die über den in den §§ 45 bis 63 Urheberrechtsgesetz geregelten Umfang hinausgeht, ist unzulässig.")
Wenn sie obiges Bild unter der angegebenen "Spiegel"-Adresse aufrufen, geben die mit "i" gekennzeichneten Ereignisse weitere Auskunft.
Aber alles schon bald vergessen, wie:
Flut in Australien mit einer Fläche so groß wie
Deutschland und Frankreich zusammen
Die Wochenzeitschrift "Der Spiegel" schreibt
einiges unter den Überschriften: Hubschrauber retten Hunderte Australier vor
Rekordflut (29.12.2010)
Behörden warnen vor Krokodilen (27.12.2010)
Flut in Pakistan: Ein Land geht unter (Überschrift "Der Spiegel" vom 24.12.2010). - http://de.wikipedia.org/ schreibt: Vom 27. Juli 2010 an kam es im nordwestlichen Pakistan als Folge eines außergewöhnlich starken Monsunregens zu katastrophalen Überschwemmungen, bei denen bis zum 3. September 2010 offiziell 1738 Menschen ums Leben kamen. 1.781.018 Häuser wurden beschädigt...
Erdbeben in Haiti am 12. Januar 2010 um 21:53, das schwerste Beben in der Geschichte Nord- und Südamerikas sowie um das weltweit verheerendste Beben des 21. Jahrhunderts. Opferzahlen konnten wegen der anarchischen Verhältnisse nur geschätzt werden können. Natürlich war keine ordnungsgemäße Identifizierung möglich. Verschiedenen Organisationen vermuteten zwischen 220.000 und 500.000 Todesopfer.Vulkanausbruch in Island unter dem Eyjafjalla-Gletscher hatte Mitte April 2010 riesige Mengen Asche in die Luft ausgestoßen, die in Richtung Osten auf den europäischen Kontinent zustrebte und zuerst den Flugverkehr in den Skandinavischen Ländern und Großbritannien lahmlegte. Auch andere Länder waren betroffen. Als langfristige Folgen wurde nicht nur das Wetter der Region für mehrere Monate verändert. Sogar das Weltklima kann über Jahre hinweg beeinflusst werden.
Wald-
und Torfbrände in Russland im Juli und August 2010 forderten laut
offiziellen Angaben mindestens 50 Tote, wobei Hilfsorganisationen von mehr
Opfern ausgehen. Nach Wochen einer Gluthitze standen 9000 Quadratkilometer Wald
und Felder in Flammen. In weiten Teilen Russlands herrschte von Ende Juni bis
Mitte August 2010 die größte Hitze seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130
Jahren. Ganze Dörfer wurden von der Feuerwalze überrollt.
Waldbrände in Nordisrael: Am 3. 12. 2010 berichtete die "Tagesschau" des Deutschen Fernsehens, dass beim schwersten Wald- und Buschbrand in der Geschichte des Landes mehr als 40 Menschen ums Leben gekommen seien...
Jedes Jahr lodern Brände auf Madeira und verwüsten Teile der Insel, vor allem im bevölkerungsarmen Westen. So auch im August 2010. Die Behörden gehen vielfach von Brandstiftung aus.
Juli 2010 (so wie jedes Jahr): Waldbrände in Kalifornien: "Unermüdlich kämpfen die Feuerwehrleute gegen die riesigen Flammen an – doch großen Erfolg hatten sie bisher nicht..."
Dezember 2010: "Im Südwesten Australiens wütet derzeit ein Waldbrand, der droht auf die Stadt Perth in Australien überzugreifen. Die Wetterverhältnisse erschweren ..."
Vier große Waldbrände in Griechenland im August 2010, Wiederholung von August 2009: Verheerende Brände kosten in Griechenland 77 Menschen das Leben. ... In Spanien kommen bei mehreren Waldbränden im Juli und August insgesamt 13 Menschen ums Leben...
2010 – Das Rekordjahr der Naturkatastrophen: Hurrikans, Überschwemmungen und Waldbrände – selten zuvor haben Naturkatastrophen so viele Schäden angerichtet wie im Jahr 2010.
Menschengemachte Katastrophen:
Vielleicht sind viele der Feuersbrünste durch Brandstiftung verursacht worden...
aber weiter:
Selbstmordattentate
Beispiel: allein im Irak pro Tag Durchschnittliche Anzahl der zivilen Todesopfer pro Tag durch Selbstmordattentate und Autobomben
allein im Irak von 2003 bis 2010

Das sind also etwa 20.000 getötete Menschen insgesamt.
Erfasst sind nicht die Verletzten, in der Regel über 4 mal so viele.
Damit kommen wir auf um die 100 tausend geschädigte Menschen.
Zahlen von überall auf der Welt sind schwer und sehr mühsam zu bekommen.
Am 2. Januar 2010 ereignet sich in Pakistan ein schwerer Terroranschlag. Bei einem Selbstmord-Attentat während eines Volleyball-Spiels kommen mindestens 96 Menschen ums Leben. Mindestens 100 Personen wurden verletzt. Der Attentäter steuerte laut Polizei ein mit Sprengstoff beladenes Auto während des Spiels auf den Platz und sprengte sich damit inmitten der rund 300 Zuschauer in die Luft. Die Wucht der Detonation brachte einige umliegende Häuser zum Einsturz. Es wurde befürchtet, dass unter den Trümmern noch Menschen begraben sind...
Am 11.12.2010 hatte sich ein Selbstmordattentäter in Schwedens Hauptstadt in die Luft gesprengt. Die Behörden von einem Terroranschlag aus. Die Polizei in Großbritannien hat Haus durchsucht, das mit dem Terroranschlag in Verbindung gestanden haben soll....
Nach einer Meldung von DPA: (Deutsche Presse-Agentur) unter der Überschrift "Viele
Tote in Afghanistan durch Selbstbau-Bomben":
Washington. Noch nie sind in Afghanistan so viele US-Soldaten durch
selbst gebaute Taliban-Sprengsätze ums Leben gekommen wie 2010. 268
Militärangehörige wurden Explosionen von improvisierten Sprengkörpern getötet,
berichtete die "Mashington Post" unter Berufung auf neue Militärstatistiken. Das
seien etwa genauso viele wie in den drei Jahren zuvor zusammengenommen.
Das reicht als Beispiele
Andere Gesichtspunkte in diesem Zusammenhang:
Folgen eines
Selbstmordattentats zeigt folgendes Beispiel: Die Tötung von 13 srilankischen
Soldaten durch die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) im Juli 1983, und die
darauf folgenden Pogrome gegen die tamilische Minderheit mit 1000 bis 5000
Toten. (Etwa. 90 Prozent der Tamilen sind Hinduistischen Glaubens.)
In Großbritannien leben nach offiziellen Angaben 1,6 Millionen Muslime. Über 140
tausend
von ihnen erklären sich dazu bereit, aktiv Selbstmordattentäter zu unterstützen.
Und sogar 320.000 britische Muslime (20 Prozent) sympathisieren mit
Selbstmordattentätern, würden sich allerdings nicht selbst bei einem
Terroranschlag in die Luft sprengen.
Haras Rafiq, ein Berater der britischen Regierung, hat diese Zahlen offiziell vorgelegt, wobei er ausdrücklich hervorhebt, dass allein in Großbritannien 144.000 britische Muslime aktiv den Islam-Terror unterstützen. Jeder elfte britische Muslim unterstütze den Selbstmord-Terror (Quelle: "This is London" 3. August 2007).
Menschen kommen nicht nur durch Attentate zu Schaden sondern auch durch terroristische Geiselnahme, politisch motivierte Inhaftnahme, durch Heckenschützen, durch Nato bzw. ISAF-Truppen (Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe, kurz ISAF - aus dem engl. International Security Assistance Force).
Die
israelische Militäraktion
gegen die Solidaritätsschiffe
im Mai 2010 hatte nicht nur in der arabischen Welt Wut und Empörung
hervorgerufen
Die israelische Armee stoppte Schiffe der internationalen Solidaritätsflotte vor
der Küste Gazas. Israelische Soldaten landeten mit Helikoptern 65 Kilometer vor
der israelischen Küste auf jenem Schiff, das unter der Führung der IHH* segelte,
einer türkisch-islamischen Hilfsorganisation. Sie schossen auf die Besatzung –
zehn Aktivisten waren tot und eine unbekannte Zahl verletzt...
* İnsan Hak ve Hürriyetleri ve İnsani Yardım Vakfı (Internationale Humanitäre Hilfsorganisation in Deutschland inzwischen verboten)
Aber alles ist nichts im Vergleich zu den
mehr als eine Million Verkehrstoten weltweit
Autoinsassen machen nur die Hälfte aller Verkehrstoten weltweit aus, fast genauso viele Menschen sterben als Fußgänger, Radfahrer, Motorrad- oder Mopedfahrer. Nach einer UN-Auswertung aus 173 Ländern - bekanntgegeben von DPA - sterben jedes Jahr 1,27 Millionen Menschen weltweit bei Unfällen auf der Straße, und weitere 20 bis 50 Millionen Verkehrsteilnehmer werden bei Unfällen teils schwer verletzt. Was wird dagegen getan? Sicherheitsgurte, Luftsäcke (Air-Bags - reagieren aber zu spät bei hohen Geschwindigkeiten), Helmpflicht für Zweiradfahrer, aber keine Geschwindigkeitsbegrenzung bzw. Anpassung zu einer gleichmäßigen Geschwindigkeit und vieles mehr. Die Opfer werden mehr oder weniger stillschweigend dem globalen Wirtschaftssystem geopfert!
Weitere Unfälle:
an erster Stelle im Haushalt, dann
am Arbeitsplatz (berichtenswert sind nur Grubenunfälle und andere ab einer bestimmten, betroffenen Personenzahl),
Todesrate durch "Krankenhauskeime", z.B. durch Multi-Resistente-Staphylococcus-Aureus (MRSA). Man spricht von 70 Tausend im Jahr allein in Deutschland...
Größte Ölkatastrophe im Gold von Mexiko: Diese "Ölpest" 2010 wurde durch die Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon der Firma BP* am 20. April 2010 ausgelöst mit einer ausgetretenen Ölmenge schätzungsweise 500 tausend bis 1 Million Tonnen.
* früher für: „British Petroleum“, heute Backronym - ein sogenanntes Kofferwort aus backwards = rückwärts und acronym = Abkürzung - für den Slogan „beyond petroleum"
Die Tagesschau des Deutschen Fernsehens erinnerte am 2. Sept. 2010 an die vergessene Ölpest in Nigeria: "Seit in Nigeria Öl gefördert wird, sind auf diese Weise viele Millionen Liter Öl ins Wasser und in den Boden geflossen. ..." Also um einiges mehr als im Golf von Mexiko. Dort ist der Öl-Konzern Shell (englisch: Schale, Muschel) am Werk.
Nicht nur durch verunglückte Öltanker werden Gewässer verunreinigt sondern auch als auch illegal eingeleitete Öle. Der große Anteil, den Öltanker hierbei durch Waschen von Tanks und Ballastwasseraufnahme in Ladungstanks verursachten, ist jedoch aufgrund geänderter Vorschriften und Verfahren zurückgegangen. Durch die Erdölförderung auf See erfolgt eine "tolerierte" Verschmutzung.
Es gibt keinen Ort mehr auf der Welt (vielleicht außer der Antarktis), an dem es keine von Menschen verursachten Geräusche gibt. Sogar der Nordpol bliebt nicht unberührt. Den "Freuden an Feuerwerkskörpern" kann man an keinem Ort mit menschlichen Siedlungen auf der Welt entkommen.
Die Flut an Berichten in den Medien mit ihren Vermittlungsmitteln von Informationen, also in Zeitungen, Zeitschriften, Bücher, Internet, Rundfunk- und Fernsehnachrichten oder "features*", Filme, Videos udgl. erschlägt uns; angefangen von
- wer etwas im Bundestag oder überhaupt als bekannte Persönlichkeit von sich gegeben hat;
- von Terroranschlägen, Kriegen, insbesondere in Afghanistan;
- von Naturkatastrophen und Gefahren durch die angebliche Schweinegrippe oder Vogelgrippe, weswegen hunderttausende Hühner "gekeult" werden mussten (nach einer Ausdrucksweise des Ministerpräsidenten des Freistaates Bayern, Horst Lorenz Seehofer, "Tiere mit der Keule erschlagen"). "Sollte sich die Vogelgrippe weiter ausbreiten, seien einige Geflügelfarmbetreiber in ihrer Existenz bedroht usw. Dass sich die Tiere infizieren müssen wegen der ungeheuerlichen Massentierhaltung..." Lassen wir es!
- Hochwasser in Polen, Bayern, Brandenburg, insbesondere an Oder und Elbe im Mai - Juni 2010 scheint allmählich zur Regel zu werden, allerdings zu geänderten Zeiten.
- Dann gab es Grubenunglücke (allerdings auch eine Rettung, das sogenannte "Wunder von Chile”). Gründe wurden auch hier wie bei der Ölpest im Golf von Mexiko nur an Rande vermerkt. Keiner der wirklich Verantwortlichen durfte einmal ein Gefängnis kennenlernen (nicht einmal als Abschreckung von außen) wegen des Verdachts einer fahrlässigen Tötung oder zumindest Körperverletzung.
- Von den Toten und Verletzten bei einer "Loveparade" in Duisburg am 24. Juli 2010 wird sogar heute noch 2011 berichtet. 100 Tausende Menschen sollten durch nur einen Ein- und Ausgang geschleust werden. Die Veranstalter hätten sich die alten Amphitheater der Römer einmal in Erinnerung rufen sollen.
- Von Skandalen, insbesondere im Rahmen der Finanzkrise wurde und wird immer wieder berichtet, aber von einer strafrechtlichen Aufarbeitung dieser Finanzkrise ist keine Rede. »Gerade jetzt, wo die Untreue insbesondere im Wirtschaftsleben eine scheinbar beispiellose Konjunktur erlebt, wäre die Kritik lautstark zu formulieren. Zudem könnte man im Zuge die strukturelle Weite des Untreuetatbestandes "nutzen", um vermeintlich unmoralische bzw. strafwürdige Verhaltensweisen strafrechtlich zu erfassen, und so dem allerorts vorzufindenden "Volkszorn" Genüge zu tun«, schreibt der wissenschaftliche Assistent Dr. Christian Becker, von der Bucerius Law School, Hamburg.
- Von monatelangen Bürgerprotesten wird immer und immer und monatelang berichtet, dabei jedoch nur beispielsweise gegen den Um- und Ausbau eines Bahnhofs in Stuttgart zu unbekannten Milliarden Euro, weswegen Schulen verkauft, öffentliche Schwimmbäder und Kindertagestätten geschlossen werden müssen und weswegen kein Geld für sonstige soziale Notwendigkeiten, insbesondere zur Beseitigung von Straßenschäden vorhanden ist (letzteres ist aber nicht Inhalt von Nachrichten),
- wer gewählt würde, wenn jetzt Wahl wäre,
- von Filmfestspielen und Ehrungen von wem auch immer,
- vom "Eurovision Song Contest” (deutsch: Liederwettbewerb der Eurovision; kurz ESC). Von "allen Geschehnissen rund um den Grand Prix Vorentscheid und das Finale auf der offiziellen deutschen Seite. Dazu Rückblicke auf die vergangenen Wettbewerbe".
- Davon, dass ein junger Mann mit dem Wagen seines Vaters aus bisher nicht bekannten Gründen am Ortsausgang von "Groß-Deppendorf" in einer Kurve gegen einen Baum gefahren und nach der Bergung aus dem völlig zerstörten Fahrzeug in einer Spezialklinik seinen Verletzungen erlegen ist...
- Es wimmelt in den Nachrichten von sportlichen und kulturellen Ereignissen (Sport ist Bestandteil unserer derzeitigen Kultur) mit unzähligen Namen, die man sich kaum längere Zeit merken könnte.
Insbesondere die Nachrichten wimmeln von belanglosem Zeug - erstaunlicher Weise auf allen Sendern zeit- und inhaltsgleich.
* feature = Merkmal, Charakteristik) ist eine
journalistische Darstellungsform. Features enthalten sowohl Merkmale
einer
Reportage als auch einer
Dokumentation.
Sie zeichnen sich aus durch
• dramaturgische Gestaltung,
• technische Kunstfertigkeit und
• eine große Vielfalt sprachlichen Ausdrucks.
Nur durch die immer wieder berichteten Extremereignisse ziehen, insbesondere mit Bildern und Videos gestützten Nachrichten täglich neu die volle Aufmerksamkeit auf sich wie in den Fortsetzungsserien, z.B. abends im 1. deutschen Fernsehen "Lindenstraße", eine Sendung, die alltägliche Probleme einer Familie und deren Freundeskreis zeigt. Die Zuschauer wollen wissen, wie es weitergeht mit der Ölverseuchung, mit der Rettung von verschütteten Bergleiten in Chile.
Wer könnte sich noch an alles erinnern, was man gehört und gesehen hat? Die Aufzählung vorher war ja nur ein ganz kurzer Ausschnitt aus dem Jahresverlauf.
All diese Naturkatastrophen bringen wir zwar nicht mehr unbedingt mit strafenden Göttern in Verbindung, sehen uns auch nicht unmittelbar, wie in den traditionellen Gesellschaften, zu ritualisierten Opferungen aufgefordert. Aber es wird uns immer wieder eine Verpflichtung zu Spenden irgendwie eingeredet. Doch da tut sich das Problem auf, dass etwa nach einer Untersuchung von "Globale Fonds" (spezialisiert auf die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, in 140 Ländern vertreten) "2/3 der Spenden entwendet" also zweckentfremdet oder sogar gestohlen werden. Nach einem Agenturbericht wird behauptet, dass "bei dem 21,7 Milliarden-Dollar-Fonds, der von Promis unterstützt wird und als Alternative zur UN-Bürokratie galt, bis zu zwei Drittel der Spenden von Korruption gefressen werden." (Mehr vom Journalisten Steven Geyer in der "Berliner Zeitung", Artikel vom 25.1.2011 unter "ressort: politik" betitelt "Afrika-Fonds leidet unter Korruption".)
Am 26. Juli 2010
eröffnete wikileaks ((hawaiisch ""wiki"
für "schnell"; englisch leaks für "Lecks", "Löcher", "undichte Stellen") ihre
Internetpräsenz als "eine neue Dimension": »Mehr als 91.000 Dokumente der
amerikanischen Kriegsführung in Afghanistan wurden an einem Tag zugänglich
gemacht.
Rund 15.000, teilweise als "top secret” bezeichnete Dokumente sollen
angeblich
noch zurückgehalten werden; andererseits liefern nicht alle Papiere neue
Informationen. Allerdings zeichnen sie in der Fülle ein verschärftes
Gesamtbild der Kriegsführung. Auf erschreckende Weise untermauert
wurde dies noch durch die drei Monate später erfolgte Veröffentlichung
von 400.000 Dokumenten aus einer "Datenbank des Pentagons” über
Gefangenen-Folter und den Tod von Zivilisten im Irak-Krieg in der Zeit
zwischen dem 1. Januar 2004 und dem 31. Dezember 2009.
In solchen Fällen legen die Medien und das Internet eine Tiefendimension
von politisch-militärischen Extremereignissen offen, die das Extreme als
noch viel grausamer als ohnehin bekannt zeigen. Lange Zeit aufrecht
erhaltene Bilder eines "sauberen Krieges” stürzen in sich zusammen«,
ist vom Deutschlandfunk zu vernehmen.
Aber was soll das Ganze? Wie lange braucht ein Mensch, um einige hundert Tausend Dokumente zu sichten, alle in englischer Sprache? Angenommen etwa mindestens 10 Sekunden, d.h. einige Millionen Sekunden insgesamt, sagen wir (mal vereinfacht) 3,6 Millionen. Dann komme ich auf Tausend Stunden: Diese Zeit habe ich absolut nicht. Also kann ich mit diesem Medium nichts anfangen.
Leider zeigt jedoch die als verlogene und irreführende US-amerikanische Vorgehensweise mit ihrer Jagd auf Mitarbeiter von WikiLeaks, wie auf gefährliche Staatsfeinde. In den Medien war von Folter von einem eingekerkerten Wikileaks-Informanten die Rede. Vertreter der USA maßen sich an, die Einhaltung von Menschrechten zu fordern, z.B. gegenüber Vertretern der chinesischen Regierung. Selbst werden diese Rechte jedoch mit Füßen getreten.
Kritik an der Sendung des Deutschlandfunks:
Da wird von der Schöpfung und von einem "dem Menschen eigenes Ethos" gesprochen. Die Autoren der Sendung sind also noch in einer mittelalterlichen Denkweise behaftet und offensichtlich wenig in Psychologie und Soziologie bewandert (>hier< zur Wahrnehmungshemmung, Voreingenommenheit udgl.). Bisher hat weder ein Schöpfer sich zu einem Korrektiv bei verbrecherisch vorgehenden Mitmenschen bewegen lassen, weil - wie >hier< beschrieben der sogenannte Schöpfer - zumindest nach den "heiligen Schriften" ohne Zweifel ein ganz einfacher, primitiver und verbrecherischer Warlord war. Ein fast Ertrinkender bei den ungeheuerlichen Überschwemmungen in Pakistan rief in ein Mikrofon in etwa: "Niemand hilft außer Gott..." Ob ein Gott nun geholfen hat, kann von hier aus nicht geklärt werden. Jedenfalls ging mir durch den Kopf: Dann kann man sich sparen, etwas zu spenden (zumal Mitmenschen sich offensichtlich gerne an Spenden bereichern).
Der gern zitierte Immanuel Kant hat (zusätzlich zu anderen Philosophen als hervorragende Denker vor ihm) eine durchaus wertvolle Vorarbeit mit seinem »Sittengesetz« geleistet (innerhalb seines Hauptwerkes von 1788: »Kritik der praktischen Vernunft«) und die Pflichterfüllung in den Mittelpunkt einer sittlichen Wertordnung stellt - mit seinem »kategorischer Imperativ«. Nach Kant ist es verboten, den Menschen nur als Mittel zu benutzen. Aber genau das ist heute in der politischen Religion des "globalen Kapitalismus" der Fall. Alle unsere Führungskräfte, die Politiker einbezogen (leider offensichtlich durch eine psychische Störung getrieben, >hier<), betrachten ihre Mitmenschen und alle Mitlebewesen (fast) ausschließlich als Ausbeutungsobjekte und »Mittel zum Zweck«, um bei Kant zu bleiben.
Kant und viele Vordenker
vor ihm haben erst die moderne Gesetzgebung, die vielen Konventionen, die
klareren Definitionen von Moral und dieser übergeordneten Ethik (>hier<)
ermöglicht. Ein dem "Menschen eigenes Ethos" gibt es »a priori« nicht. Das muss
mühsam jedem neu auf die Welt hinzukommenden Erdenmitbewohner beigebracht werden
>hier<.
Weiter ist in der Deutschlandfunk-Sendung eine Aussage eines "KZ-Mitarbeiters" zu finden: "Ich bin völlig normal. Denn selbst, als ich diese Vernichtungsaufgabe durchführte, war mein Familienleben durchaus normal.” (Übrigens ist keiner dieser in den Vernichtungslagern aktiv Tätigen nach dem Ende der politischen Religion der Nazi-Diktatur auffällig, geschweige denn mit Verstößen gegen die geänderte Gesetzgebung auffällig geworden.)
Das Gleiche gilt auch
für einen heute noch als Schlächter, d.h. als grausamste Mörder von Tieren! Nachdem
ich in einem Schlachthof - speziell der MKS-Station (also für Maul- und
Klauenseuche-Vakzine-Herstellung der Firma Bayer AG) als Student tätig war zur
"Zusammenstellung von Bedarf an reparaturbedürftigen Maschinen und Werkzeugen"
und auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, weiß ich, wovon ich rede! Die moderne
Fleischproduktion ist durchaus vergleichbar mit grausamsten Konzentrationslagern
für Mitlebewesen, die ebenso rücksichtslos und grausam sogar tagelang
transportiert, brutal in die Abschlachtungseinrichtungen getrieben werden...
Mehr in einem in der Wochenzeitschrift Stern Nr. 4 vom 20.1.2011 unter dem
Titel: Fleischlos glücklich. Zitat aus dem Artikel über Kühe:
»...auf Lebenszeit angebundene Tiere,
ausgemergelt, abgemagert bis zum Skelett, von Schmerzen geplagt, bis zum Gelenk
hängt das Euter, so groß wie ein Gymnastikball. „Wollten diese auf maximale
Milchproduktion hochgezüchteten Kühe von Gras leben", sagt Sophie Greger,
„würden sie verhungern." Diese Milchmaschinen brauchen Soja und anderes Zufutter.
„Gab eine Kuh früher 2000 Liter Milch pro Jahr, liefert die Hochleistungskuh
heute 15000. Sie wird künstlich befruchtet; damit ist sie immer schwanger. So
wird alles aus ihrem Körper rausgeholt."
Tatsächlich weiß kaum einer, der seinen Joghurt löffelt, dass eine solche Kuh
gerade einmal vier bis fünf Jahre alt wird. In diesem kurzen Leben hat sie dann
viermal gekalbt und 60000 Liter Milch produziert. Ihre Kälber hat sie nie
gesehen, nur das laute Blöken nach der Mutter auf dem Hof gehört. Alles für die
Milchquote.« In besagtem Artikel wird von den Säuen
gesprochen, die sich in ihrem Pferch weder drehen noch legen können, die sich in
der Enge gegenseitig die Schwänze abbeißen.... Von Hähnchen, die an 20 von ihren
32 Lebenstagen Antibiotika verabreicht bekommen... Von Puten, deren Brust so
monströs verzüchtet ist, dass ihnen die Beine einknicken usw. usw.

Haarsträubend ist der Hinweis im DLF-Feature, dass »in traditionellen Kulturen die Gelassenheit, aufgrund eines tief verwurzelten Vertrauens in die Göttlichkeit des Geschehens und in die kosmische Ordnung, die natürliche Reaktionsform« ist. »Es wäre sehr hilfreich, Extremereignisse wie "fremde Kulturen” als erst noch zu verstehende und zu deutende Komplexe zu betrachten. Das Erklären selbst ist für unsere Kultur spezifisch.«
Ja so sollte es sein? Erfreue dich an der Fleischtheke! Lass dir das Wasser im Munde zusammenlaufen! Lehne dich ja nicht gegen Unrecht, gegen vermeidbare Ereignisse auf. (Hier< zu einem Zitat von Alexander und Margarete Mitscherlich). So war es immer und so sollte es auch bleiben. Gehe ja nicht auf die Straße, rotte dich nicht nicht mit Gleichgesinnten zusammen, um zu protestieren, um Unrecht zu vermeiden, um menschliche Schwächen aufzudecken.
Sollten folgende, für sich selbst sprechende Bilder des ausschließlich durch den Luftverkehr geprägten Himmels eine Klimaveränderung bewirken, dann möchten die Autoren des DLF, dass wir es "gelassen hinnehmen und der Göttlichkeit des Geschehens vertrauen":

Walter Rath, Ende Januar 2011