In der Antike wird von Anaximander von
Milet (etwa 610 - 546 v. u. Z.) mit dem Urstoff Apeiron die Vorstellung
einer unendlichen Zahl von Welten verbunden, die aus dem Unendlichen,
Unbegrenzten in die Existenz treten und später wieder von ihm aufgenommen
werden. Das Weltall ist unendlich und ewig existierend, ohne Mittelpunkt.
Unendlich viele Welten ohne Zentrum lehrt ebenfalls der Atomist Demokrit von
Abdera (etwa 470 - 380 v. u. Z.).
Ein unendliches, unbegrenztes Universum wird auch von Anaxagoras von
Klazomenai (etwa 500 - 428 v. u. Z.) und dem Pythagoreer Archytas von
Tarent (428 - 365 v. u. Z.) angenommen.
Im Mittelalter geht vieles von dem Wissen der antiken Astronomen zunächst
verloren; zum Beispiel wird zeitweise die Erde wieder als Scheibe angesehen.
Die große Übergangsgestalt zwischen der Weltanschauung des Mittelalters und der
Renaissance ist der deutsche Kardinal Nicolaus von Cues (1401 - 1464),
latinisiert auch Cusanus genannt. Cusanus fordert zur exakten
Beobachtung der Natur, zum Experiment und zur mathematischen Naturbeschreibung
auf. Er macht sich mit dem Erbe der antiiken Philosophen vertraut und wird
nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung der Renaissancephilosophie ausüben.
Weltanschaulich besonders bedeutsam wird seine dialektische These vom
Zusammenfallen der - im Endlichen einander ausschließenden - Gegensätze im
Unendlichen. Cusanus vertritt die erstaunlich moderne Ansicht, daß die
Welt gleichsam überall ihren Mittelpunkt und nirgendwo eine Grenze hat. Jeder
Punkt im All besitzt nämlich nach seiner Überzeugung die gleiche Entfernung zu
Gott, so daß deshalb jeder Punkt gleichermaßen als Mittelpunkt des Universums
aufzufassen ist. Im Gegensatz zu Aristoteles sieht Cusanus keinen
prinzipiellen Unterschied zwischen Himmel und Erde und befindet sich damit ein
einem tiefen Gegensatz zum mittelalterlich-scholastischen Weltbild. Die Erde
dreht sich um ihre eigene Achse und ist ein Himmelskörper unter unzähligen
anderen Sternen. Daß diese Weltbetrachtung nicht mit der vorherrschenden Lehre
seiner Zeit in manifesten Konflikt gerät, ist sicherlich seiner hohen Stellung
in der kirchlichen Hierarchie zu verdanken.

Das System des Copernicus bereitet
den Bruch mit dem mittelalterlichen Modell eines endlichen, geschlossenen Kosmos
vor: Um die um die Sonne kreisende Erde und die zunächst fehlende jährliche
Fixsternparallaxe in Einklang zu bringen, müssen Sterne und Planeten offenbar
viel weiter von der Erde entfernt sein als bisher vermutet. Auch dies führt zu
weitreichenden weltanschaulichen Konsequenzen über die vermutliche Größe des
Universums.
Giordano Bruno - Bild links
(1548 - 1600) schließlich bekennt sich zum heliozentrischen System von
Aristarch und Copernicus sowie zu den Ideen von Cusanus über die
Unendlichkeit des Weltalls in Raum und Zeit. Aus beiden Grundlagen entwickelt er
unter neoplatonischen Einflüssen ein pantheistisches Weltbild. Da dies im
Gegensatz zu den Lehren der Kirche steht, endet er auf dem Scheiterhaufen.

Während im Mittelalter nicht die Natur, sondern das, was in Büchern über sie
steht, der Gegenstand des Wissens ist, wird von Francis Bacon (1561 -
1626) und Galileo Galilei (1564 - 1642) das Experiment in den Mittelpunkt
der Gewinnung von Erkenntnis gestellt (Bild unten links).
Bild unten rechts. Die Pluralität der Welten nach Leonhard Euler (1707-1783). In Eulers Bild kündigt sich die neue, von Nicolaus von Cues (1401-1464) und Giordano Bruno vorweggenommene Vorstellung vom Kosmos an: Das Sonnensystem ist eines von vielen, die den Himmel erfüllen und die alle - genau wie die Kometenbahnen - denselben Gravitationskräften unterliegen.
