Menschenrechte in den USA
Uni Kassel 13.2.2010
Im Mai 2001 veröffentlichte die Amerikanische Vereinigung der Juristen eine Erklärung aus Anlass des Ausschlusses der USA aus dem Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen (siehe unseren Beitrag darüber), die interessante Details über die Behandlung von Menschenrechtsfragen in der USA enthält. Wir dokumentieren die Erklärung in unserer Übersetzung.
- Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte einschließlich der Zusatzprotokolle zu diesem Pakt,
- die Konvention gegen Apartheid (südafrikanisches Wort für Trennung von "Schwarzen" und "Weißen"),
- die Konvention über die Nichtanwendbarkeit (nationaler) gesetzlicher Beschränkungen bei der Ahndung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit,
- die Konvention zur Aufhebung aller Formen der Frauendiskriminierung,
- die Konvention über das Verbot von Menschenhandel und der Ausbeutung durch Prostitution Dritter,
- die Konvention über den Status von Flüchtlingen,
- die Konvention über die Rechte von Arbeitsmigranten und deren Familienmitgliedern,
- die Ottawa-Konvention über das Verbot von Anti-Personen-Minen.
- Die Vereinigten Staaten verweigern die Anerkennung des Kyoto-Protokolls über die Verminderung von Umweltverschmutzungen.
Die Vereinigten Staaten stimmten auch nicht für die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs, obwohl US-Staatsangehörigen eine Straffreiheit zugesichert wäre, bis die Tätigkeit des Gerichts dem Sicherheitsrat unterstellt würde. Die Vereinigten Staaten haben lediglich 12 der über 170 Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation unterzeichnet, und diese 12 gehören nicht einmal zu den wichtigsten. Nicht unterzeichnet wurde
Nr. 87, in der die Koalitionsfreiheit geregelt wird,
Nr. 98 über das Recht auf Kollektivverhandlungen und
Nr. 138 über das Mindestalter für Arbeitskräfte.
Bei der Ratifizierung der internationalen Konvention über bürgerliche und politische Rechte machten die USA eine Reihe Vorbehalte geltend, so gegenüber Artikel 6 Abs. 5,
der die Anwendung
der Todesstrafe für Verbrechen verbietet, die von Kindern oder
Jugendlichen unter 18 Jahren begangen wurden.
Und im Namen der
Meinungsfreiheit verweigerten die USA die Zustimmung zu Artikel 20,
der den Gebrauch von Kriegspropaganda und
ethnischen, rassischen oder religiösen Hass verbietet.
Die USA sind eines von zwei Ländern
in der Welt, die die Konvention über die Rechte der Kinder nicht
ratifiziert haben.
Während einer Pressekonferenz 1994, als der Bericht "Die Entwicklung
der Vereinten Nationen 1994" vorgestellt wurde, erklärte James
Grant, damals Exekutivdirektor von UNICEF, dass die Lage der Kinder
in den USA die schlechteste unter den Industriestaaten sei.
Tatsächlich leben 20 Prozent der Kinder des Landes in Armut, im
Vergleich dazu schwankt der Anteil in anderen Industriestaaten
zwischen fünf Prozent in Westeuropa und zehn Prozent in Kanada,
Australien und dem Vereinigten Königreich. Außerdem wird geschätzt,
dass im Durchschnitt in den USA jedes Jahr etwa drei Millionen
Kinder verlassen werden oder Opfer von Verwahrlosung, Misshandlung
und sexueller Gewalt werden. Diese Zahl ist drei Mal so hoch wie
1980.
Im Bericht 1996 der Sonderberichterstatterin für die
Menschenrechtskommission wurde hinsichtlich des Umfangs des
Kinderhandels, der Kinderprostitution und der Kinderpornographie
eine Studie des Gesundheitsministeriums der USA zitiert, wonach bis
zu 300.000 Kinderprostituierte geschätzt wurden. Dieselbe Anzahl,
aber aus einer anderen Quelle, wurde in der UNICEF-Veröffentlichung
"Die Entwicklung der Vereinten Nationen 1995" genannt. Die
Berichterstatterin wiederholte diese Angaben in ihrem Bericht von
1997, der sich auf ihre Mission in der Vereinigten Staaten im
Dezember 1996 bezog. Hinzugefügt wurde, dass 22,7 Prozent der
Minderjährigen unter 18 Jahren unter der Armutsgrenze lebten.
Auch wenn das Problem nicht die Größenordnung wie in anderen Ländern
erreicht, existiert Kinderarbeit in nennenswertem Umfang in illegalen
und halblegalen "Sweatshops" in New York, Los Angeles und anderen
Städten. Verbreitet ist sie in der Landwirtschaft.
Seit 1992 haben fast alle Staaten der USA Gesetze verabschiedet,
wonach Kinder in Strafprozessen mit Erwachsenen gleichgestellt sind.
Mehrere Staaten haben die Altersgrenze auf 10 Jahre herabgesetzt
außer Michigan, wo es überhaupt keine Altersgrenze gibt. In den
letzten zehn Jahren sind 12 Menschen, die als Minderjährige
verurteilt wurden, hingerichtet worden. Ungefähr 70 Menschen, die
als Minderjährige Verbrechen begangen haben, warten im Gefängnis auf
ihre Hinrichtung. Seitdem die Todesstrafe 1976 wieder eingeführt
wurde, sind 600 Menschen hingerichtet worden, darunter etwa 200 im
Staat Texas.
Die Zahl der Häftlinge in den Vereinigten Staaten beläuft sich auf
zwei Millionen Menschen, das sind doppelt so viel wie vor zehn
Jahren und ist die höchste Zahl weltweit, wenn man sie auf die
jeweilige Gesamtbevölkerung bezieht. Private Gefängnisse (120 mit
insgesamt 120.000 Insassen) sind ein einträgliches Geschäft zum
Schaden der Gesundheit und der Rechte der Häftlinge. Die Behandlung
der Gefangenen ist in den städtischen Gefängnissen genauso brutal
wie in den Arbeitfarmen, die nichts anderes sind als
Zwangsarbeitslager wie "Silverdale" in Tennessee.
In den Bundesstaaten Texas, Arkansas und Louisiana sind Häftlinge
zur Gratisarbeit auf den Feldern gezwungen - also Zwangsarbeit. Sexueller Missbrauch
gegen Frauen ist weit verbreitet. Im Allgemeinen nutzen private
Unternehmen die Arbeit von Häftlingen und der Lohn beträgt etwa fünf
Dollar pro Stunde, der aber auf ein bis zwei Dollar reduziert werden
kann, da erlaubte Abzüge bis zu 80 Prozent des Lohns ausmachen
können. Das kommt den Gewinnen wohlbekannter großer Firmen zugute.
Nicht registrierte Immigranten, deren Abschiebungsbefehl nicht
ausgeführt werden kann, bleiben in Jugendstrafanstalten oder
Gefängnissen inhaftiert. Sie werden dort unter schrecklichen
Bedingungen und ohne jede Rechte festgehalten - eine Situation, die
zeitlich nicht begrenzt ist. Schätzungsweise werden 13.000 Menschen
unter diesen Bedingungen in Gefangenschaft gehalten. Der Oberste
Gerichtshof hat eine Entscheidung des Appellationsgerichtshofs
bestätigt, wonach solche Häftlinge keine verfassungsmäßigen Rechte
besitzen, da sie nicht der Gerichtsbarkeit der USA, sondern der
Gerichtsbarkeit der INS unterlägen.
Die Methoden, die von der US-Regierung bei der Unterdrückung
sozialer Bewegungen angewendet werden, reichen von Mordanschlägen -
so geschah es mit den Black Panthers - bis zu fadenscheinigen
Gerichtsverfahren wie im Fall von Leonard Peltier, der wegen
Beihilfe zum Mord zweifach zu lebenslänglicher Haft verurteilter
indianischer Aktivist des American Indian Movement (AIM), und von Mumia Abu Jamal, der
1982 in Philadelphia wegen Mordes an einem Polizisten sowie wegen
Schusswaffenbesitzes angeklagt, für schuldig befunden und zum Tode
verurteilt wurde. Die Tat- und Prozessumstände, in der Haft
verfasste Artikel, Redebeiträge und Buchveröffentlichungen und ein
weltweites Netzwerk von Unterstützern haben weltweit Aufsehen
erregt.
In den Vereinigten Staaten wurde offiziell bekannt gegeben, dass die
Regierung Experimente mit radioaktiven Stoffen an Geisteskranken,
schwangeren Frauen und ganz gewöhnlichen Bürgern durchgeführt hat.
Offiziell zugegeben wurde auch, dass über Jahre hinweg über 400
Menschen schwarzer Abstammung als Versuchskaninchen in medizinischen
Experimenten benutzt wurden. Man hatte ihre Behandlung wegen
Syphilis ohne deren Zustimmung abgebrochen, um den Fortgang der
Erkrankung unter solchen Umständen zu erforschen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat auch die Vertretung der
Interessen transnationaler pharmazeutischer Konzerne übernommen, die
vor der Welthandelsorganisation (WTO) gegen Brasilien klagen um zu
verhindern, dass dieses Land wichtige Medikamente zu niedrigeren
Preisen herstellt. Unter diesen Medikamenten befinden sich auch
solche, die zur Bekämpfung von AIDS hergestellt werden.
Trotz der Internationalen Konvention gegen die Rekrutierung, die
Verwendung, Finanzierung und Ausbildung von Söldnern - auch eine
Konvention,,, die von den USA nicht unterzeichnet wurde - setzen die
USA sowohl innerhalb des Landes als auch in Kolumbienn und in den so
genannten Friedensmissionen in Bosnien-Herzegowina und Kosovo
Söldner ein.
Die Vereinigten Staaten verletzen systematisch Völkerrecht und
Menschenrechte, indem sie die Blockade gegen Kuba 40 Jahre lang
aufrecht erhalten und indem sie den UN-Sicherheitsrat zwingen, das
Embargo gegen Irak aufrecht zu erhalten. Auch verletzten die USA die
Genfer Konventionen über das humanitäre Kriegsvölkerrecht während
der Invasion in Panama, während des Golfkriegs und im Krieg gegen
Jugoslawien.
Mit der Umsetzung des "Plan Colombia" und mit der Aufrechterahtlung
ihrer Militärbasen in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern
(z.B. Manta in Ecuador, Wieques in Puerto Rico, Guantanamo auf Kuba)
und in anderen Ländern anderer Regionen schaffen die USA Zonen der
Unsicherheit, verschärfen internationale Konflikte und schaffen
Bedingungen für die Internationalisierung einiger solcher Konflikte.
Angesichts all dieser Tatsachen drückt die AAJ ihre Befriedigung
über die Entscheidung des UN-Wirtschafts- und Sozialrats aus, die
USA aus der Menschenrechtskommission auszuschließen. Die AAJ hofft,
dass dies den USA eine Warnung ist und eine Aufforderung, ihre
Arroganz zu vermindern, mit der sie die internationale Gemeinschaft
behandeln, und dass sie aufhört mit der Beschneidung der
Menschenrechte ihrer eigenen Bevölkerung und der Menschen in aller
Welt.
8. Mai 2001
Beinusz Szmukler (Präsident)
Vanessa Ramos (Generalsekretärin)
Alejandro Teitelbaum (AAJ-Vertreter bei der UNO in Genf)
(Übersetzung aus dem Englischen: Pst)