Friedenspolitik
und die ethischen Grundlagen internationaler Beziehungen
EINE FRIEDLICHE WELT IST MÖGLICH
WAS DÜRFEN STAATEN?
GERECHTE WELTORDNUNG - VISIONEN FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT

Umschlagrückseite:
Weltpolitik ist unvermittelt wieder ein Thema geworden, und zwar
besonders die Frage nach den Werten in der Weltpolitik. Welche Prinzipien und
ethische Standards leiten Staaten bei ihrer Außenpolitik? Darf eine Supermacht
alles? Ist Krieg erlaubt? Gibt es eine Weltordnungspolitik, die Gerechtigkeit
für alle Staaten erzielen kann? Wie können die Beziehungen zwischen
Industrieländern und den Entwicklungsländern auf eine zukunftssichere Basis
gestellt werden?
Diese Fragen diskutieren hochkarätige Experten aus ethischer,
politikwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive. Ihr Ergebnis: Es gibt
die Möglichkeit einer internationalen, auf gemeinsamen Werten und Maßstäben
gegründeten Friedenspolitik, die Krieg als Option der Weltpolitik ausschließen
kann.
>Hier< ein Kommentar zum Buch,
>hier< Begriffserklärungen.
>Hier< zu getrennten Seiten
über "Moral und Ethik",
>hier< über das "Weltethos" mit
einer Rede des Südafrikanischen Bischofs Desmond Tuto,
>hier< eine .pdf-Datei: die
Verleihung des Abraham-Geiger-Preises an Hans Küng,
>Hier< eine .pdf-Datei: Globales
Wirtschaftsethos - Konsequenzen für die Weltwirtschaft
(Oktober 2009),
eine Erklärung des Parlamentes der Weltreligionen in Chicago (USA)
mit (u.a.) 13
Artikeln.
Herausgeber: HANS KÜNG, DIETER SENGHAAS
Friedenspolitik
Ethische Grundlagen internationaler Beziehungen
ISBN 3-492-04541-3
© Piper Verlag GmbH, München 2003
Satz: Stephan Sohlensog, Tübingen
Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany
Die
Herausgeber:
Hans Küng, geboren 1928 in Sursee, Schweiz, ist Professor emeritus für
Ökumenische Theologie an der Universität Tübingen und (derzeitiger vorsitzender)
Mitgründer der Stiftung
»Weltethos« (www.weltethos.org). Sein Werk liegt im Piper Verlag
vor. Zuletzt erschienen seine Erinnerungen unter dem Titel »Erkämpfte Freiheit«
(2002).
Dieter Senghaas, geboren 1940 in Geislingen/Steige, ist Professor für
Internationale Politik am Institut für Interkulturelle und Internationale
Studien der Universität, Bremen. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Friedens- und
Entwicklungsforschung
Die Autoren:
Norbert Brieskorn SJ, Professor für Sozial- und Rechtsphilosophie,
Hochschule für Philosophie München.
Ernst-Otto Czempiel, Professor em. für Internationale Politik und
Außenpolitik, Universität Frankfurt a. M.; Gründer der Hessischen Stiftung
Friedens- und Konfliktforschung.
Helmut Fahrenbach, Professor em. für Philosophie, Universität Tübingen.
Andreas Hasenclever, Dr. rer. pol., Projektleiter, Hessische Stiftung
Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt a. M.
Otfried Höffe, Professor für Philosophie, Universität Tübingen.
Hans Küng, Professor em. für ökumenische Theologie, Universität Tübingen;
Präsident der Stiftung Weltethos.
Klaus M. Leisinger, Professor für Politikwissenschaft, Universität Basel;
Vorsitzender der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung.
Manfred Mols, Professor em. für Philosophie, Universität Mainz.
Alois Riklin, Professor em. für Politikwissenschaft, Universität St.
Gallen.
Volker Rittberger, Professor für Politikwissenschaft, Universität
Tübingen.
Dieter Senghaas, Professor für internationale Politik und internationale
Gesellschaft, insbesondere Friedens-, Konflikt- und Entwicklungsforschung, am
Institut für Interkulturelle und Internationale Studien, Universität Bremen.
Rainer Tetzlaff, Professor für Politikwissenschaft, Universität Hamburg.
Schwerpunkte der Autoren:
Dieter Senghaas macht sich auf die Suche nach einem Erklärungsschema
für die internationalen Beziehungen,
Hans Küng skizziert die ethischen
Herausforderungen für die Gestaltung der Weltpolitik,
Ernst-Otto Czempiel
schreibt über die Falle des »realistischen« Paradigmas,
Otfried Höffe
zeichnet das Bild der einen Welt mit Recht auf Differenz,
Helmut Fahrenbach
plädiert für kommunikative Vernunft als die weltpolitisch und interkulturell
notwendige Denkform,
Volker Rittberger überlegt, was Weltregieren leisten
kann und muss,
Manfred Molls beschreibt regionale Ordnungsstrukturen als ethische
Chance in Lateinamerika und Asien,
Norbert Brieskorn denkt über weltgerechte
Ordnungsprinzipien nach,
Alois Riklin diskutiert die Doktrin des Krieges,
Andreas Hasenclever reflektiert über die zivilisierende Kraft von
Religionen,
Rainer Tetzlaff fragt nach der Anschlussfähigkeit Afrikas an
die globalisierte Welt,
Klaus M. Leisinger übt Kritik an der
Entwicklungspolitik und zieht daraus praktische Folgerungen.
Inhalt
HANS KÜNC, - DIETER SENGHAAS: Vorwort
HANS KÜNG: Weltpolitik und Weltethos
Zur Problemstellung
1. Paradigmenwechsel in den internationalen Beziehungen
2. Das neue Paradigma internationaler Beziehungen
und seine ethischen Voraussetzungen
3. Weltpolitik aus Weltverantwortung
4. Statt des Zusammenpralls der Dialog der Kulturen
5. Die Religionen in Weltkonflikten
6. Tragweite und Inhalt des Weltethos
7. Rückfall in das alte Paradigma?
8. Wie es zum Krieg kam
9. Ein unmoralischer Krieg
10. Welche neue Weltordnung?
I. Die Herausforderungen angesichts
der Lage der Welt
DIETER SENGHAAS:
Welches Paradigma für die internationalen
Beziehungen angesichts welcher Welt(en)?
1. Die Teilwelten der Welt
2. Konsequenzen für Welt-Programmatiken (Leitperspektiven)
3. Handlungsimperative
HANS KÜNG:
Ethische Herausforderungen für die Gestaltung
der Weltpolitik
1. Welt-Analyse und Welt-Kulturen
2. Werte in Asien und im Westen
3. Weltethos als Irenik und Programmatik
4. Keine neue Weltordnung ohne Weltethos
ERNST-OTTO CZEMPIEL: Die Realismusfalle des »realistischen « Paradigmas
1. Einleitung
2. Die Bedeutung von Sicherheit und Herrschaft
3. Die Herausforderungen des neuen Paradigmas
4. Die Gewaltursachen und Friedensstrategien
5. Erforderlich: den Staatsbegriff auflösen
6. Der OECD-Raum
7. Ausblick
OTFRIED HÖFFE: Normative Modernisierung in der einen Welt mit Recht auf
Differenz
1. Dimensionen der Globalisierung
2. Normative Modernisierung
3. Religion und Recht
4. Schlussbemerkung
HELMUT FAHRENBACH: Kommunikative Vernunft - die weltpolitisch und interkulturell
notwendige Denkform
1. Spannungen und Gegensätze in der gegenwärtigen Weltlage
2. Notwendigkeit und Potentiale einer Philosophie der Vernunft
3. Weltpolitische und interkulturelle Aufgaben und Perspektiven
kommunikativer Vernunft
II. Weltordnungspolitik: Alternativen und normative Orientierung
VOLKER RITTBERGER: Weltregieren: Was kann es leisten? Was muss es leisten?
1. Einleitung
2. Weltregieren als Antwort auf Weltprobleme
3. Modelle des Weltregierens
4. Vergleichende Bewertung der Modelle
5. Kritik staatszentrierter Modelle des Weltregierens und das »neue
Paradigma für globale Beziehungen«
MANFRED MOLS: Regionale Ordnungsstrukturen als ethische Chancen: Lateinamerika
und Asien-Pazifik
1. Einleitende Bemerkungen zum modernen Regionalismus
2. Regionale Strukturen in Lateinamerika
3. Die ethische Seite des lateinamerikanischen Regionalismus
4. Regionale Strukturen in Asien-Pazifik und ihre historischen
Voraussetzungen
5. Regionalismus und Ethik in Asien-Pazifik
6. Ein abschließender Vergleich des ethischen Ertrags beider
Regionalismen
NORBERT BRIESKORN: Weltgerechte Ordnungsprinzipien
1. Zur »Region«
2. Der positivrechtliche Teil
3. Zum Verhältnis universaler und regionaler Ordnung
4. Ein positiver Vorschlag: dem Subsidiaritätsprinzip folgen
5. Anfragen
ALOIS RIKLIN: Gerechter Krieg? Die sechs Kriterien einer neualten Theorie
1. Gerechte Ursache (lusta causa)
2. Ehrliche Absicht (Recta intentio)
3. Verhältnismäßigkeit (Proportionalitas)
4. Bevollmächtigte Instanz (Legitima auctoritas)
5. Letztes Mittel (Ultima ratio)
6. Recht im Krieg (lus in bello)
ANDREAS HASENCLEVER: Geteilte Werte - Gemeinsamer Frieden?
Überlegungen zur zivilisierenden Kraft von Religionen und Glaubensgemeinschaften
1. Die Grenzen des modernisierungstheoretischen Paradigmas
2, Der Einfluss von Religionen und Glaubensgemeinschaften auf
Konfliktverläufe
3. Die Organisation des Glaubens innerhalb wie zwischen den Religionen
als Friedensstrategie
4. Schluss
III. Auswege aus der Sozialpathologie von Ethnokonflikten, Staatszerfall und
Gewaltmärkten
RAINER TETZLAFF: Staats- und Zivilisationszerfall. Wird Afrika anschlussfähig an
die globalisierte Welt?
1. Einleitung: Afrika, der abgeschaltete Kontinent — Verlierer der
Globalisierung?
2. Afrika existiert nur im Plural: Vielfalt, Heterogenität und die Last
der Vergangenheit
3. Der (postkoloniale) Staat als institutionelle Grundlage für
Modernisierung und Zivilisierung
4. Modernisierung von außen ohne interne gesamtgesellschaftliche
Entwicklung
5. Die Geburt der Vierten Welt als Opfer der sozialen Exklusion Liberia
und Sierra Leone
6. Die Krux mit dem »rent-seeking«
7. Politisierte Ethnizität und Gewalteskalation
8. Die Politisierung der kulturellen Differenz bis zu Völkermord und
Dauerkrieg: Ruanda und Sudan
9. Der politisierte Kulturkampf der Religionen im eigenen Land: Nigeria
10. Machtgier von Staatsklassen als Triebfeder von Regression: Simbabwe
11. Die Entmenschlichung von Gesellschaft als Folge von Staatsverfall – ein
Handlungsdilemma
12. Ausblick für die Vierte Welt: statt »sustainable development«
Krisenprävention und »sustainable livelihood«
KLAUS M. LEISINGER: Eine überfällige Kritik an Entwicklungspolitik und
praktische Folgerungen
1. Generelle Bilanz der Entwicklung im Jahre 2003 und Afrikas Bilanz
2. Korrekte Politik anstatt »politische Korrektheit«
3. Globalisierung als neuer Sündenbock
4. Semantische Klarheit als ethischer Auftrag
5. »Good governance«: politische Normalität statt Ausnahme von der Regel
6. Politisch motivierte Umsetzungsdefizite und nicht Wissensdefizite sind
das Problem
7. Subsidiarität als Grundprinzip staatlichen Handelns
8. Globalisierung mit menschlichem Antlitz: »Good Corporate Governance«
9. Wie kann man von außen unterstützend helfen?
10. Zusammenfassung und Ausblick
Ein wenig an Leseprobe:
Die ersten Sätze aus dem Vorwort:
Krieg — wieder ein Mittel der Politik? Mit dem Afghanistan- und Irak-Krieg und
der Androhung weiterer Kriege scheint die ersehnte neue, friedlichere
Weltordnung in weite Ferne gerückt. Das alte Paradigma der vor allem
militärischen Konfrontation, Aggression und Revanche triumphiert zur Zeit über
das neue Paradigma der Verständigung, des Kompromisses und des
Interessenausgleichs, der Kooperation und Versöhnung. Die gestellte Frage ist
nicht nur eine wirtschaftlich, politisch und völkerrechtlich relevante; sie
verweist in vielfältiger Hinsicht auf zutiefst ethische Problemstellungen.
Das Projekt Weltethos hatte deshalb von vornherein nicht nur mit Weltreligionen
und Weltkulturen, sondern auch mit Weltpolitik und Weltwirtschaft zu tun. Bei
der Rezeption des Buches »Projekt Weltethos« (1990) hat man freilich des öfteren
übersehen, daß es sich beim Projekt Weltethos nicht um eine Kopfgeburt handelt,
sondern sich entwickelt hat aus ganz praktischen Herausforderungen des
interreligiösen und interkulturellen Dialogs, noch einmal verstärkt durch die
politische Wende von 1989. Schon in den 1980er Jahren hatten an der Universität
Tübingen interdisziplinäre Dialog-Vorlesungen und Dialog-Seminare stattgefunden,
die dokumentiert sind in den Bänden »Christentum und Weltreligionen. Hinführung
zum Dialog mit Islam, Hinduismus und Buddhismus« (1984) und »Christentum und
Chinesische Religion« (1988). Die für die Gesamtkonzeption wichtige
hermeneutische Frage nach dem Paradigmenwechsel in der Welt der Religionen wurde
behandelt in »Theologie im Aufbruch. Eine ökumenische Grundlegung« (1987). Breit
historisch und systematisch entfaltet wurde diese Konzeption dann in den
umfangreichen Bänden »Das Judentum« (1991), »Das Christentum« (1994) und »Der
Islam« (vorgesehen für 2004). Eine multimediale Realisierung am Beispiel von
sieben Weltreligionen bietet das Multimedia-Projekt »Spurensuche. Die
Weltreligionen auf dem Weg« (1999, mit 7 Filmen, einem Sachbuch und einer
CD-ROM)...
Zur "Inpflichtnahme des privaten Sektors" (aus "9. Wie kann man von außen unterstützend helfen?"):
Viele Verantwortung Tragende in Unternehmen sind nicht nur bestürzt über den
negativen Tenor der Globalisierungsdebatte, sie beschweren sich auch über eine
zu hohe Regelungsdichte durch Gesetze, Vorschriften und Auflagen.
Unternehmerische Freiheit könne, so die weitergehende Beschwerde, in einem immer
enger werdenden Korsett staatlicher Vorschriften nicht mehr verwirklicht werden.
Vieles deutet darauf hin, dass solche Beschwerden in vielerlei Hinsicht eine
reale Grundlage haben, und dass »weniger Staat« sich belebend auf das
unternehmerische Engagement auswirken könnte. Allerdings, Freiheit ist immer nur
einforderbar als Freiheit in ethischer Verpflichtung und somit rückgebunden an
Verantwortung. Wer eine weitere Verrechtlichung der Wirtschaft vermeiden helfen
will und zur Korrektur verfehlter Rechtsentwicklungen beitragen möchte, muss
glaubwürdigerweise ethisch verantwortungsvolles Verhalten auf globaler Basis
unter Beweis stellen.
...
Innovation, Effizienz, Effektivität, die Fähigkeit, Marktpotentiale optimal
auszunutzen und die Zeichen der Zeit richtig zu deuten sowie die Kunst, am
richtigen Ort und zur richtigen Zeit Kosten und Aufwand zu sparen, werden neben
allen anderen unternehmerischen Tugenden auch in Zukunft höchste Wichtigkeit
behalten. Ein zusätzliches Element wird jedoch an Bedeutung gewinnen: angewandte
Unternehmensethik. Sie wird immer mehr zu einer neuen, soliden Basis der
Wettbewerbsfähigkeit...
10. Zusammenfassung und Ausblick
Was immer auch die Ressourcenausstattung, die klimatischen Gegebenheiten, die
sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen und kulturellen Realitäten sowie
historischen Tatsachen eines Landes sein mögen, menschengerechte Entwicklung
erfordert gute Gouvernanz. Ober die Chancen für eine menschengerechte
Entwicklung in armen Ländern wird hauptsächlich in den betroffenen Ländern
selbst entschieden — Hilfe von außen kann sie erleichtern, vielleicht
beschleunigen, kann aber nichts ins rechte Lot rücken, was im Inneren im Argen
liegt.
Die Lebensqualität der großen Mehrzahl der Menschen eines Landes wird sich nur
in einem Umfeld wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung sowie politischer
Stabilität nachhaltig verbessern. Dieses jedoch kann nur geschaffen werden, wenn
— alle Schichten der Bevölkerung an der Gestaltung der öffentlichen
Angelegenheiten Anteil haben,
— die Freiheiten und Grundrechte jedes Einzelnen geschützt sind und dies
— durch eine unabhängige Justiz nach rechtsstaatlichen Prinzipien eingefordert
werden kann,
— die politischen Instanzen ihrer Wählerschaft rechenschaftspflichtig sind,
— ein offenes, dezentrales und wettbewerbsorientiertes wirtschaftliches Umfeld
besteht,
— sozialer Ausgleich für eine gerechte Verteilung der Einkommen und Besitztümer
sorgt und deshalb legitimer Individualismus nicht zu inakzeptablen
Ungerechtigkeiten führt, und schließlich
— eine professionell kompetente und integre Verwaltung mit Angestellten und
Beamten sich dem Dienst für die Mitbürger und Mitbürgerinnen verpflichtet sieht.
Kommentar: Nach dem "Urheberrecht" sollten keineswegs mehr als 30 Zeilen aus einem Werk wie einem mit © gekennzeichneten Buch wörtlich wiedergegeben werden. Beim auf dieser Seite bekanntgemachten Buch könnte diese "Übereinkunft" überschritten worden sein. Aber die "Übereinkunft" sagt nichts über Zeilenlänge und Schriftgröße aus und auch nichts darüber ob die Bewerbung eines literarischen Werkes durch Buchumschlagsaufdrucke, insbesondere durch einen Blick ins Innere, z.B. das Inhaltsverzeichnis, auch geschützt sind. Warten wir es ab, wie der Piper-Verlag reagiert.
Das vorgestellte Buch bringt uns kaum einen Schritt weiter; denn die Autoren haben wenige Erkenntnisse aus Psychologie und Soziologie berücksichtigt, insbesondere nichts von den weltbeherrschenden Charaktereigenschaften der Führungspersönlichkeiten, die fast ausnahmslos in die Gruppe der Psychopathen fallen >hier<. Das Buch kann nur gedacht sein für gutwillig theologisch orientierte Philosophen, sowie US-amerikanisch ausgerichtete erfolgreiche (von Gott liebgehabte) Betriebs-(keineswegs Volks-)Wirtschaftler. Die Autoren berücksichtigen nicht die ausschließlich brutalen, unkontrollierten und unkontrollierbaren Machtverhältnisse in Afrika und übersehen, dass dort nach gängiger, demokratischer Rechtsauffassung ausschließlich von verbrecherischer Energie geleitete Herrscher die Länder ausbeuten und verarmt haben. Solche Herrscher hatten jedoch hochrangige Freunde auch in Deutschland. Franz Josef Strauß, der langjährige Ministerpräsident des Bundeslandes Bayern und Bundesminister verschiedener Ressorts (Geschäftsbereiche), steht in Lomé, der Hauptstadt von Togo, überlebensgroß auf einem Denkmalsockel. Mobutu Sese-Seko (bis 1972 Joseph-Désiré Mobutu), kongolesischer General, der sich selbst 1965 zum Staatspräsidenten ernannt und sein, in Zaire umbenanntes, zentralafrikanisches Land diktatorisch beherrschte und ausplünderte, feierte bei Ministerpräsidenten und anderen hochrangigen Persönlichkeiten im Bundesland Baden-Württemberg seinen Geburtstag. Daher sind in meinen Augen die oben zuletzt zitierten Sätze, dass das nach der Kolonialzeit noch viel stärker verarmte und dumm gehaltene Volk in Afrika selbst die Initiative ergreifen muss, beleidigend. Wo und wie können die "Grundrechte und Freiheiten eines jeden Einzelnen geschützt" werden in welchem Land in Afrika? Jeder, der solch einen Blödsinn von "good governance" (einige Wort- und Begriffserklärungen am Ende des Kommentars) schreibt, sollte einmal ein halbes Jahr lang gezwungen sein, in einem x-beliebigen so genannten Entwicklungsland zu überleben von Haiti über Afrika bis nach Indonesien und den Philippinen. (Ich gestehe gerne zu, dass in dem "x-beliebigen" Entwicklungsland der Autorenwahl noch englische Sprachkenntnisse vorhanden sind.) Die einzige Möglichkeit der Sanierung Afrikas ist, die Konten der Machthaber in Europa zu konfiszieren. So könnte von den Schreckensherrschern, den Duvaliers, nach Frankreich transferierten Reichtümer Haiti wieder nach dem furchtbaren Erdbeben aufgebaut werden. Kaum eine Spende wäre nötig. Wenn der Internationale Strafgerichtshof (IStGH und auch Weltstrafgerichtshof) einen Haftbefehl gegen einen sudanesischen Präsidenten ausstellen kann, dann müsste eine entsprechende Vorgehensweise durchaus machbar sein.
Haben die Autoren noch nie etwas von Korruption (Bestechlichkeit, insbesondere politischem Betrug und Erpressung, von Preisabsprachen, von Börsenmanipulationen) gehört, von einem Buch über Werbepsychologie (>hier<), von Verbrauchermanipulation (>hier<), von Artikeln des Bundesrechnungshofes (z.B. >hier<).
Aber genug der beißenden Kritik: Bemühungen im Buch zu einem Weltethos zum - wie bereits der Untertitel "ethische Grundlagen internationaler Beziehungen" fordert - sind auf jeden Fall zu unterstützen. Hans Küng verliert sich jedoch ein wenig anfänglich in einem Unterschied zwischen Ethik und Ethos, eigentlich ist aber griechische "Ethos" in "Ethik" zu übersetzen mit der Bedeutung: "Sitte, moralische Gesamthaltung eines Einzelnen oder einer Gruppe". Belassen wir es dabei, sonst wird wieder eine Diskussion begonnen, wie viele Engel auf eine Nadelspitze passen.
Die Gründung einer Weltethos-Stiftung ist voll zu unterstützen und vor allem, dass die Autoren nach Wegen suchen und auch zu berücksichtigende Wege vorschlagen, sehr zu begrüßen. Ferner ist eine Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten unbedingt erforderlich. Wir Menschen haben nicht nur Rechte, wie ich oft bei meinen Mitmenschen den Eindruck habe. (Ich kenne meine Rechte...)
Das vorgestellte Buch ist daher sehr zu empfehlen!!
Paradigma (para = nahe stehend, ähnlich, aber auch: über hinaus; abweichend,
z.B. von der Norm, fehlerhaft; gegen): Paradigma bedeutet:
-
In der Wissenschaftstheorie, eine über einen bestimmten Zeitraum allgemein
gültige und akzeptierte Auffassung.
-
In der Informatik: ein grundlegendes Konzept (als Plan) für die
Vorgehensweise zu einer Problemlösung.
-
Allgemein: Muster
"corporate governance" = Unternehmensführung (gemeint ist insbesondere ohne Fehlverhalten und Machtmissbrauch, sowie faire Berücksichtigung von Interessen der Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten unter Berücksichtigung rechtlicher, ökonomischer, kultureller und sozialer Besonderheiten...(Aber das und die folgenden Bedeutungen weiß doch jeder!?)
"good governance" = gute Herrschaft, Beherrschung, Kontrolle; "governance", Handeln der Regierung; Wirtschaftwissenschaftliche Bedeutung von "good governance": effiziente Gestaltung der öffentlichen Verwaltung unter Einbeziehung wichtiger gesellschaftlicher Gruppen (aber auch Minderheiten) in demokratische Entscheidungsprozesse (ohne Vetternwirtschaft und Korruption)...
"global governance" = (volkswirtschaftlich) das gesamte System (auf der Welt) der Institutionen (also: Gesamtgesellschaft, Unternehmen, Verbände, Märkte, aber auch rechtliche Normen, Gesetze oder Verträge) und den Regeln, nach denen sie arbeiten (und die Interaktion, d.h. Wechselbeziehungen, gegenseitige Beeinflussungen und Vernetzung mit einzelstaatlichen Institutionen)
OECD = Organization for Economic Co-operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gibt Ratschläge beim Zusammenspiel der Währungs-, Wirtschafts-, insbesondere Außenwirtschaftspolitik (einschließlich Finanzmärkte, Entwicklungshilfe), sowie in Bereichen wie Umwelt, Energieversorgung, Verkehrs- und Kommunikationswesen, Anlagen (Gebäude, Bauwerke), Arbeit, Soziales (Kindergärten, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Altenheime) usw.
Sustainable Development = nachhaltige Entwicklung, d.h. dauerhaft umweltgerechte Entwicklung. (Sustainable = haltbar, aufrechterhaltend, tragbar)
Sustainable Livelyhood = nachhaltiger Lebensunterhalt, d.h. dauerhaft
aufrechterhaltendes Einkommen
Heterogenität = Ungleichförmigkeit, Verschieden-, Fremdartigkeit
Heuristik von griechisch heurískein = finden, ist die "Lehre von der methodischen Gewinnung neuer Erkenntnisse mithilfe von Denkmodellen, Analogien, Gedankenexperimenten; im Unterschied zur Logik, welche lehrt, sie zu begründen." (© 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)