Schweigende Mehrheit

 

besteht aus Mitläufern. Das sind Personen, die an einer Ideologie, Gruppierung oder Handlung ohne wirkliche Überzeugung und in einer untergeordneten Rolle beteiligt sind. Von Mitläufern wird in der Regel in Zusammenhang mit negativ eingeschätzten Charaktereigenschaften (Bewegungen oder Handlungen) gesprochen; denn sie lassen im Prinzip alles mit sich machen. Sie wollen unauffällig bleiben. "Man kann doch sowieso nichts machen," ist ihre Überzeugung.

 

Der Begriff des Mitläufers bezieht sich sowohl auf die Motivation als auch die eingenommene Rolle:

  • Ein Mitläufer schließt sich nicht aus innerer Überzeugung einer Gruppe oder Handlung an, sondern folgt einem Gruppenzwang oder sucht die soziale Umgebung.

  • Ein Mitläufer nimmt keine tragende oder treibende Rolle ein. Jemand, der eine solche Rolle einnimmt, wird auch dann nicht als Mitläufer bezeichnet, wenn er sich der fraglichen Bewegung ohne wirkliche Überzeugung angeschlossen hat.

Der Mitläufer wird als "ungefährlich" eingestuft. Er bietet keinerlei Widerstand, entwickelt aber auch keine Eigeninitiative. Diese Aussage muß jedoch stark eingeschränkt werden; denn der Mitläufer marschiert mit in den Krieg und beteiligt sich an allgemein üblichen Verbrechen (Denunzierungen in einem totalitären System, Diskriminierungen, Massenvergewaltigungen)


 

Der Opportunist (lateinisch opportunus: günstig, bequem, gelegen, passend, vorteilhaft, geschickt, gewandt) handelt nicht nach Grundsätzen, sondern nach Zweckmäßigkeit, immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Er richtet sich nach den jeweiligen Einflußverhältnissen (vor allem den jeweiligen ideologischen Strömungen) aus. Er verhält sich parasitär (schmarotzerhaft). Er nutzt eine günstige Gelegenheit ohne Rücksicht auf Konsequenzen oder eigene Wertvorstellungen zu seinem Vorteil. Er sieht nur Zweckmäßigkeit für sich selbst und kennt kaum Grundsätze. Eine abgeschwächte Form des Opportunismus findet sich im Pragmatismus (lebensnah) oder eventuell auch Realismus wieder. Dann schleicht sich Kompromissbereitschaft in den Opportunismus ein. Der Opportunist nimmt unter Umständen langfristige Nachteile in Kauf, um kurzfristig Zustimmung zu erzielen und gibt oftmals eine eigene Meinung auf - teilweise oder ganz - zum Vorteil einer anderen Meinung, welcher er größere Chancen auf allgemeine Zustimmung einräumt. Als Gegenpol zum Opportunisten kann man den Ideologen sehen, der im Extremfall nur seiner Ideologie (Religion) kompromisslos folgt.

Die darwinsche Evolutionstheorie beschreibt beispielsweise ein opportunistisches Prinzip in der Natur. In der Ökologie bezeichnet Opportunismus ein Verhalten von an sich harmlosen Parasiten, die bei einer Abwehrschwäche des Wirtes zu gefährlichen Krankheitserregern werden können.


 

Als Wendehals, in Anlehnung an den Wendehals, wurde in der Zeit der "Wende" (vom Sozialismus zum Kapitalismus) in der DDR (Deutschen Demokratischen Republik) 1989 eine Person bezeichnet, die in kurzer Zeit ihren politischen Standpunkt grundlegend änderte.

 

Dabei handelte es sich beispielsweise um Kader (leitende politische Personen) der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), der FDJ (Freie Deutsche Jugend) oder der Blockparteien (Ost-Christdemokraten), die zuvor die Politik der SED in der Öffentlichkeit vertreten hatten, mit der Wende jedoch häufig auf genau entgegengesetzte Positionen umschwenkten und dies auch dadurch dokumentierten, dass sie in westdeutschen etablierte Parteien eintraten beziehungsweise die Politik der „gewendeten“ Blockparteien weiter vertraten. Andere Beispiele waren leitende Kader im Produktionsapparat, die Manager der nun privatisierten ehemaligen „Volkseigenen Betriebe“ und Kombinate wurden.

 

Später wurde dieser Begriff auf alle Menschen ausgedehnt, die ihre Meinung sofort ändern, wenn es angebracht erscheint.