Probleme der rein wirtschaftlichen Globalisierung

Tobias Kröll für Attac: Paradigmenwechsels in der Wirtschaft >hier<

und ebenso von Kröll:

 Kapitalismus als kulturelles Kapital - Zur Kritik des wirtschaftlichen Liberalismus >hier<

>Hier< Kritik an Wirtschaftswissenschaften als "neue Theologie" mit

Artikel über staatliche Verschuldung..


Zuerst einige Begriffe und Definitionen die Wirtschaft betreffend:

Es gibt den Begriff der Wirtschaftswissenschaften (also mehr als eine Wissenschaft, ähnlich wie katholische, islamische, fernöstliche Theologien als Formulierung von Glaubensaussagen), die, nach © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG "sich mit Wesen, Ordnung, Aufbau, Ablauf und Ziel der Wirtschaft beschäftigt. Die wichtigsten Teildisziplinen sind Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre einschließlich Finanzwissenschaft, aber auch Statistik und Ökonometrie*. Enge Beziehungen bestehen zur Soziologie, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Philosophie, Psychologie, Arbeitsphysiologie, Geschichte (Wirtschafts- und Sozialgeschichte), Geographie, Informatik und Mathematik."

* wendet die Wahrscheinlichkeitstheorie auf wirtschaftsstatistische Daten im Rahmen wirtschaftstheoretischer Modelle, v.a. in Form simultaner Gleichungssysteme (ökonometrischer Modelle) an, zur Bestimmung wirtschaftlicher Größen, Prüfung wirtschaftstheoretischer Hypothesen und Prognose wirtschaftlicher Erscheinungen.

Als Wirtschaftssystem  wird nach Gabler-Wirtschaftslexikon "die Wirtschaftsweise einer Gesellschaft, determiniert durch Wirtschaftsgesinnung (Zwecksetzung und Verhalten der Wirtschaftssubjekte), Ordnung und Organisation des Wirtschaftslebens (Rechts-, Sitten- und Konventionalordnung) und realisierte Produktionstechnologien" bezeichnet.

Walter Eucken - 1891 bis 1950 - trat für eine Wirtschaftsordnung ein, die (nach Gabler-Wirtschaftslexikon) "durch staatliche, marktkonforme Maßnahmen (z.B. Monopolkontrolle) gesichert ist ein (Ordoliberalismus, >hier< zum Ahlener Programm der CDU): Idealtypische Art und Weise der Lenkung des Wirtschaftens. Klassifikationskriterium ist für Eucken, ob die Planung des Wirtschaftsgeschehens dezentral von den einzelnen privaten und öffentlichen Haushalten (Verkehrswirtschaft) oder von einer Zentralinstanz (Zentralverwaltungswirtschaft) durchgeführt wird. Zusammen mit den Marktformen (vollständige Konkurrenz, Teiloligopol, Oligopol, Teilmonopol, Monopol), den Formen der Geldentstehung (Warengeld, Kreditgeld) und den Hauptformen der Geldwirtschaft determiniert das Wirtschaftssystem (Form der Planung) die (marktwirtschaftliche) Wirtschaftsordnung.

Wirtschaftsordnung ist definiert als die Gesamtheit der jeweils realisierten Formen, in denen Haushalte und Unternehmen miteinander verbunden sind. Sie setzt sich aus verschiedenen Teilordnungen zusammen: Ordnung der Landwirtschaft, der gewerblichen Wirtschaft, des Verkehrswesens, der Arbeitsverhältnisse und des Geldwesens. Spätere Begriffserweiterung um die sittlichen und rechtlichen Determinanten (Bestimmungszahlen) des Wirtschaftsgeschehens (Karl Paul Hensel*) zusammen.

* Buch/Heft: Das Profitprinzip. von K. P. Hensel, K. Wessely, U. Wagner, Schriften zum Vergleich von Wirtschaftsordnungen , H. 19

 

Im Rahmen des heute vorherrschenden systemtheoretischen Ansatzes der Sozialwissenschaften bildet das Wirtschaftssystem den analytischen Oberbegriff. Unter einem System werden eine Menge von Elementen, die in einem System- und Sinnzusammenhang stehen, die zwischen ihnen bestehenden Interdependenzen und die hieraus folgenden Abläufe verstanden (Systemtheorie). Das Wirtschaftssystem ist ein Teil des Gesellschaftssystems. Als Mindestklassifikation wird zwischen wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Teilsystem unterschieden. Die Menschen, Grundelemente eines jeden Gesellschaftssystems, werden je nach Handlungszweck ihrer Aktivitäten den einzelnen Teilsystemen zugeordnet; sie sind gleichzeitig Element aller drei Teilsysteme und diese gegenüber ihrer Umwelt jeweils offen, so dass Interdependenzen zwischen diesen einzelnen gesellschaftlichen Teilstrukturen bestehen. Handlungszweck des Wirtschaftssystems ist die Produktion von Gütern und Diensten. Die von den Menschen in ihrer Eigenschaft als Produzenten und/oder Konsumenten durchgeführten Aktivitäten formen den Wirtschaftsprozess; dieser wird bestimmt durch:

(1) die Wirtschaftsordnung, die die realisierte Form theoretisch möglicher Systemregelungen repräsentiert. Sie setzt sich zusammen aus der rechtlich fixierten und der gewachsenen kulturellen und sittlich-moralischen Ordnung;

(2) die Wirtschaftsfaktoren, welche vorhandene Ressourcen, Humankapital (Unwort des Jahres 2004 nach einer Jury aus Sprachwissenschaftlern. Es degradiere Menschen) und daneben wirtschaftsrelevante Daten (Klima, Größe eines Landes u. a.) umfassen.

 

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Albach, geboren 1931; Professor an Humboldt-Universität zu Berlin, weitere Funktionen: Mitglied des Sachverständigen-Rats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
Entwicklung, Mitglied des Board of Directors ProLogis European Properties Fund, Kanzler des Ordens »Pour le mérite« für Wissenschaften und Künste, schreibt in "Gabler-Wirtschaftslexikon - Das Wissen der Experten" über:

Gegenstand der Wirtschaftswissenschaften ist die Erforschung der Wirtschaft. Unter Wirtschaft wird der rationale Umgang mit knappen Gütern verstanden. Güter sind sowohl reale Güter als auch Dienstleistungen, die zur Befriedigung menschlichen Bedarfs dienen. Ist der Vorrat an Gütern hinreichend, um den gesamten darauf gerichteten Bedarf stets zu befriedigen, dann handelt es sich um freie Güter. Übersteigt dagegen der Bedarf den Vorrat an Gütern oder Dienstleistungen, dann wird von knappen Gütern und Dienstleistungen gesprochen. Nur diese bilden den Gegenstand der Wirtschaftswissenschaften. Ein Anliegen der Wirtschaftswissenschaften ist demnach die Erforschung wirtschaftlicher Erscheinungen und ihrer Zusammenhänge bei der Verteilung der knappen Güter auf die einzelnen Individuen und Gemeinschaften sowie der Auswirkungen historischer Verteilungen auf die Gegenwart. Ein zweites Anliegen der Wirtschaftswissenschaften betrifft die Analyse der Ziele und Mittel zur Gestaltung wirtschaftlicher Prozesse und Strukturen.

Eigentlich sollte das ausreichen zur Beurteilung der "Wirtschaftswissenschaften" als eine moderne Form der Theologie"; denn die moderne Wirtschaft hat wie bei den traditionellen Religionen einigen Menschen maßlosen Reichtum verschafft oder der Mehrheit ihrer mit Scheuklappen ausgestatteten und "mitlaufenden" Mitmenschen Verarmung, Verdummung bis zur Verblödung verbreitet.

Auch die Wirtschaft bietet Propheten: Ein "stattlicher" (Schreiberin für Kölner Stadt-Anzeiger) Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), 2% Inflation wird angestrebt >hier<. Dieser Strauss-Kahn wurde noch kurz vor (oder sogar nach) seiner Affäre mit einer seiner Angestellten in einem New Yorker Hotel von der deutschen Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel, als (einziger?) Retter der Weltwirtschaft bezeichnet. Damit ist der Wirtschaftsmessias tot? Also geht es weiter drunter und drüber wie während der Zeit der jahrhundertelangen Alleinherrschaft der katholischen Kirche in Europa.

Erstaunlich ist, dass urplötzlich alles aus der Wirtschaft - insbesondere das unbedingt erforderliche Wachstum infrage gestellt wird, was schon sehr viele vorher getan haben. Zitiert sei ein Artikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger aus dem August 2011, nachdem die Börsen nicht mehr Gewinne machen und die USA von sogenanntern Rating-Agenturen als pleite eingestuft worden sind:

Panik wegen staatlicher Verschuldung
VON JÖRG WAGNER

"Ludwig Erhard (>hier<) war der Erste. Mit ihm ging im Nachkriegs-Deutschland das Schuldenmachen auf Bundesebene los. Vier Milliarden Mark betrug die Lücke im Haushaltsplan für 1967 — aus heutiger Sicht ein geradezu läppischer Betrag. Seitdem haben die deutschen Parteien am Schuldenmachen Gefallen gefunden — und die deutschen Bürger haben sich daran gewöhnt, mit absurden Milliardenbeträgen in der Kreide zu stehen. Es tat ja keinem weh, solange alle ruhig hielten.

Mehr als 40 Jahre später starren Regierungen, Bürger und Finanzexperten weltweit mit schreckgeweiteten Augen auf die aufgelaufenen Schuldenberge. Insbesondere die Politik verhält sich so, als sei eine Naturgewalt plötzlich entfesselt und auf sie losgelassen worden. Dabei ist es die gesammelte Leistung ihrer Vorgänger, die nun als Schuldenwelle über sie her-schwappt. Auch die ach so vernunftbasierten Investmentprofis treten gerade den nächsten Beweis an, dass auch sie nur Menschen sind, die ' impulsivem Verhalten nicht entsagen können. Obwohl sich an den fundamentalen Verschuldungsdaten kaum etwas geändert hat, folgen sie dem Herdentrieb und misstrauen heute dem Euro, morgen dem Dollar, übermorgen dem Yen. Vor wenigen Monaten waren sie diesen Währungen noch zugetan.
Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Verwerfungen haben bei aller Dramatik zwei gute Seiten. Erstens ist die oft als kleingeistig abgetane Auffassung, dass man auf dauerhaftem Schuldenwachstum kein funktionierendes Gemeinwesen aufbauen kann, in der Gesellschaft angekommen. Zweitens lernen Politiker, dass man auch mit ernsthaftem Sparwillen Wahlen gewinnen kann."

 

Solche Meinungen (und reichlich späte Erkenntnisse) werden in Kommentaren und Diskussionen über alle Medien verbreitet (August 2011).

 

Erstaunlich ist, dass alles in das "Irrationale" hineingebracht wird. Der evangelische Theologe Adolf von Harnack (1851-1930) hat die theoretischen Physiker als die wahren Philosophen des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Die Notwendigkeit zu philosophieren ergab sich vor allem durch die Schlüsselposition, die der Beobachter in der Quantentheorie einnimmt (ist http://www.weltderphysik.de/de/1519.php zu lesen).

 

"Andere Welt II", M. C. Escher, 1947. In M. C. Eschers Bild existieren drei

scheinbar identische Welten nebeneinander. Drei Kopien eines rätselhaften

Wesens sind zu sehen, die offenbar nichts voneinander mitbekommen. Eine

Interpretation der Quantentheorie geht davon aus, dass weit mehr als drei,

nämlich fast unendlich viele Welten parallel zueinander bestehen.

(© Photo: 2001 Cordon Art B.V.-Baarn, Holland. All rights reserved)

 

Die Quantenphysik macht alles möglich, wird von einigen behauptet:  Der US-amerikanische Physiker Hugh Everett meinte 1957 zur Interpretation von Messprozessen im Microkosmos, dass der Beobachter sich in mehrere Kopien seiner selbst aufspalte könne und dadurch jeden möglichen Ausgang eines Experiments sähe. Dabei muss auf das vom Physiker Werner Karl Heisenberg (1901 bis 976) formulierte quantenmechanische Prinzip hingewiesen werden, wonach Ort und Impuls eines Teilchens (eines Quants, "Wirkchens" nach Prof. Dr. Hans-Peter Dürr: Geist und Materie. Die Quantenphysik erschüttert unseren Realitätsbegriff!...)  nicht zugleich mit beliebiger Genauigkeit bestimmt werden können (Unschärferelation).

 

Der Beobachter merke nur deshalb nichts davon, meint Everett, weil jede Kopie nach der Beobachtung in ihrem eigenen, parallel existierenden Universum weiterlebe. Da für jedes denkbare Ergebnis jeder quantenmechanischen Wechselwirkung Kopien des jeweiligen Beobachters entstünden, existiere eine fast unendliche Zahl paralleler Universen nebeneinander.

 

Umstritten ist im Rahmen dieser Theorie die Frage, ob wir andere Universen besuchen könnten. Der britische Physiker David Deutsch bejaht dies und kommt zu dem überraschenden Schluss, dass Zeitreisen in Everetts "Viele-Welten-Theorie" ohne Widersprüche möglich wären. Eines der wichtigsten Argumente gegen Ausflüge in die Vergangenheit ist nämlich, dass der Zeitreisende in der Vergangenheit seine eigene Geburt verhindern und somit ein Paradoxon erzeugen könnte. Dieses Argument ist aber in einem "Multiversum" nicht stichhaltig: Denn ein Zeitreisender könnte sich in die Vergangenheit jedes parallelen Universums begeben und dort die Geburt seines "Doubels" verhindern, ohne dass ein logischer Fehler auftreten würde usw. usw.

 

Schweizerisch-amerikanischer Physiker österreichischer Herkunft, Wolfgang Pauli* (1900 - 1958) meinte: "Ob etwas, worüber man nichts wissen kann, doch existiert, darüber soll man sich ... doch wohl ebensowenig den Kopf zerbrechen, wie über die alte Frage, wieviele Engel auf einer Nadelspitze sitzen können."

*  Sein "Pauli-Prinzip" erklärt die Gesetzmäßigkeiten des Atombaus: Niemals können zwei oder mehr Elektronen eines Atoms für alle ihre vier Quantenzahlen übereinstimmende Werte haben, und darauf beruht der Schalenbau der Elektronenhülle der Atome und damit auch das Periodensystem der Elemente.
 

Da gab es den ernst genommen Streit um die Zahl von Engeln auf einer Nadelspitze:

Antworten (irgendwo aus dem Internet):

(1) "Alle" ist die richtige Antwort, weil "weiß nicht" oder eine konkrete Zahl ein Zweifeln an der Allmacht Gottes bedeutet hätte.

(2) Unendlich viele, aber sie machens nicht weils tierisch unbequem ist.

(3) pro Nadelspitze ein Engel. Mehr hat das kraftfahrzeugtechnische Bundesamt wegen Verletzungsgefahr nicht zugelassen. Es sind aber schon Klagen dagegen höheren Ortes auf den Weg gebracht worden. Der Himmels-TÜV wurde schon als Sachverständigenorganisation dazu geladen. Das wahre Problem steckt aber in der Geheimhaltung. Sollten die Engel sehen, dass ein Kamel tatsächlich durch ein Nadelöhr geht, wenn sie gerade auf der Nadelspitze rumlümmeln, könnte das zu Verwicklungen in höchsten Himelskreisen führen. Dann wäre nämlich einem Streitobjekt jeglicher Boden der Unrealität entzogen.

 


Die Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Wirtschaft hat Tobias Kröll für Attac ausgearbeitet. Entscheidend ist dabei die immer weitere Vergrößerung der Unterschiede zwischen Armen und Reichen, sowohl innerhalb der Staaten als auch zwischen den nördlichen und südlichen Ländern der Erde.

Was passiert bei der Marktöffnung? Fallen alle Handelsbarrieren zwischen einem reichen und einem armen Land, übernehmen die reichen Firmen die Industrie des armen Landes, weil sie dort günstiger produzieren können. Oder die großen Firmen des reichen Landes eröffnen neue Zweigstellen im armen Land, wo sie dann Arbeitsplätze schaffen, was erstmal positiv zu werten ist. Allerdings haben die heimischen Firmen des armen Landes im freien Wettbewerb kaum Chancen sich gegen die neue, besser kapitalisierte Konkurrenz durchzusetzen. Müssen die alten Firmen dann Konkurs anmelden, sind deren Arbeitsplätze dann verloren.

Zudem werden die Arbeitnehmer im reichen Land mit der Drohung der Auslagerung ihrer Arbeitsplätze zur Aufgabe von Sozialleistungen oder niedrigeren Lohnabschlüssen genötigt. Ein Teil der Arbeitsplätze wird auch tatsächlich abgebaut.

Wer sind also die Gewinner dieser Liberalisierung? Das Bruttoinlandsprodukt des armen Landes wird steigen, weil die neuen Firmen produktiver wirtschaften als die alten heimischen. Dieses Geld geht aber komplett in den Besitz der Investoren dieser Firmen. Durch niedrigere Lohnabschlüsse und Sozialabbau im reichen Land steigt der Gewinn dieser multinationalen Firmen noch weiter. Auch in dem ärmeren Land gibt es einige Menschen, die durch geschickte Investitionen ihr Geld vermehren können.

Investieren kann aber nur der, der schon Geld anzulegen hat. In beiden Ländern gewinnen also die Investoren und Geldbesitzer, während die Arbeitnehmer verlieren. Sichtbar ist dieser Effekt in den Statistiken, in denen die Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen eines Landes immer weiter auseinanderdriften. Die Menschen des ärmeren Landes profitieren zwar auch von der Liberalisierung (allerdings nicht gleichmäßig), die mit Abstand größten Profiteure sind aber die multinationalen Firmen des reicheren Landes und deren Investoren.

Nicht umsonst setzen sich vorwiegend Arbeitgebervereinigungen, Investorengruppen und die Leiter großer Firmen für eine immer weitere Liberalisierung ein.

Verstärkter Raubbau an der Natur zur Profitmaximierung. Durch den Wegfall von Zöllen wird weltweit nur in den billigsten Ländern produziert und die Produkte weltweit verschickt. Aus Umweltgesichtspunkten ein Irrsinn. Eine Theorie, die auf unendliches Wirtschaftswachstum setzt, wird irgendwann die sehr wohl begrenzten natürlichen Ressourcen zerstören. Außer es würde irgendwann gelingen, Wirtschaftswachstum bei gleichbleibendem Ressourcenverbrauch zu erzeugen. Dieser Verbrauch dürfte dann auch nicht größer sein, als die Regenerationsfähigkeit der Natur (Prinzip der Nachhaltigkeit).

Fortschreitende Monopolisierung der Wirtschaftszweige. Es entstehen immer größere und mächtigere transnationale Konzerne, die den gesamten Weltmarkt unter sich aufteilen. Illegale Preisabsprachen zwischen diesen wenigen Firmen (Oligopolen) können immer schwerer nachgewiesen werden. Die freie Marktwirtschaft zerstört sich dadurch selbst.

Der freie Markt hat die Aufgabe, die Wirtschaft effizienter zu gestalten. Die Marktwirtschaft an sich ist allerdings ineffizient, denn es gibt mehrere Firmen, die das gleiche Produkt herstellen. Durch die Zusammenlegung (Fusion) von Firmen können immer Kosten gespart werden, indem dann doppelt vorhandene Teile aufgelöst werden ("Synergie-Effekte nutzen"). Auf lange Sicht zerstört der freie Markt sich dadurch selbst, wenn er nicht eingeschränkt wird.

Globale Absenkung der Rechte und Einkommen von Arbeitnehmern. In den Industrieländern hatte sich ein Gleichgewicht zwischen starken Arbeitgeber- und starken Arbeitnehmervertretungen eingestellt. In den Ländern der Südhalbkugel waren beider Seiten weniger mächtig. Mittlerweile fallen aber die Vertreter der transnationalen Konzerne in den am wenigsten entwickelten Ländern ein, um ihre Produkte so billig wie möglich herzustellen. In diesen Ländern sind Gewerkschaften so gut wie gar nicht vorhanden und die Menschen müssen teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen für einen Hungerlohn schuften. Die Arbeitnehmer in den reicheren Ländern werden dann über die großen Kostenunterschiede erpresst.

Anstatt dass der Staat die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft festlegt, können die transnationalen Firmen die Staaten gegeneinander ausspielen und erpressen . Dieser Effekt ist durchaus gewollt, um die Staaten zu mehr Effizienz zu treiben. Die verringerten Einnahmen zwingen die Staaten allerdings zum Abbau von Sozialleistungen, während die Firmen und deren Investoren immer reicher werden.

Verschlechterung der Situation vieler Menschen durch die Privatisierung ihrer lebensnotwendigen Grundversorgung, z.B. des Trinkwassers, durch erhöhte Preise. Diese entstehen dadurch, dass den Privateigentümern keine Konkurrenz entgegensteht, und sie darum die Preise unkontrolliert erhöhen können, um ihre Profite zu vermehren. Es wird nur ein öffentliches Monopol durch ein privates ersetzt.

Investitionskapital ist ausreichend vorhanden, aber es fehlt die Kaufkraft bei der Masse der Bevölkerung

Stattdessen dürften die internationalen Wirtschaftsregeln nicht schwerer wiegen als internationale Umwelt- oder Sozialabkommen. Internationale Umwelt- und Sozialgesetze müssen den Rahmen bilden, innerhalb dessen freier Handel erlaubt ist.

Die neoliberalen Lösungen beziehen sich nur auf die wirtschaftlichen Probleme. Die Probleme* 3, 4 und 5 der Südländer und der Umwelt, werden nicht gelöst. ( >Hier< die Aufzählung der Probleme - nach unten gehen!). Im Gegenteil, werden diese Probleme durch die neoliberale Wirtschaftsweise noch verstärkt. Während politisch in einigen Ländern immer stärkere Umweltgesetze verabschiedet wurden, und auch die UNO Beschlüsse zur Bekämpfung der Armut und zu Nachhaltigem Wirtschaften verabschiedet hat, werden diese Beschlüsse aber nicht realisiert, weil sie der rein profitmaximierenden Wirtschaftsweise des Neoliberalismus entgegen stehen.
* 3. Großes Ungleichgewicht zwischen reichen Ländern im Norden und armen Ländern im Süden der Erde.
   4. Steigende soziale Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen innerhalb der Länder.
   5. Zu hoher Verbrauch der natürlichen Resourcen der Erde und zu hohe Belastung der Umwelt. 

Der Abbau aller Zölle und Handelsschranken führt zwar zu einer Angleichung der Verhältnisse weltweit, aber auf einem Niveau der Frühindustrialisierung mit mächtigen Konzernlenkern und rechtlosen Arbeitnehmern, ohne Sozial- und Umweltschutzregelungen. Die globalen Firmen verlagern ihre Produktionen und Entwicklungen in Länder möglichst ohne solche Regelungen, wodurch in den heutigen Industrieländern der Druck entsteht, ebenfalls wirtschaftseinschränkende Sozial- und Umweltschutz-Gesetzgebungen abzubauen. Das führt dann zu den steigenden sozialen Unterschieden zwischen den immer reicher werdenden Investoren, und denjenigen, die durch diese Entwicklung ihren Arbeitsplatz verlieren.

In dem resultierenden frühindustriellen Zustand könnten sich die Arbeitsbedingungen global dann wie in der Industrialisierungsphase Europas wiederholen, wenn sich weltweite Arbeitnehmervertretungen entwickeln. Allerdings werden für die heutige weltweite Produktion viel weniger Mitarbeiter benötigt, als es noch vor 100 Jahren der Fall war. Die Druckmittel der Arbeitgeber sind also weitaus größer. Ob die Natur eine weltweite Frühindustrialisierungsphase durchstehen würde, ist ebenfalls stark zu bezweifeln.

Die Produktionstechnik ist zwar durch staatlichen Druck viel umweltschonender geworden, bei einem Wegfall dieses Drucks, wird sie sich aber auch nicht in diese Richtung weiter entwickeln. Und eine weitere Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Produktion, bei der nicht mehr natürliche Ressourcen verbraucht werden, als sich wieder regenerieren können, ist zwingend notwendig, damit die Menschheit auf diesem Planeten überleben kann.

Darum muss diese Phase der Wirtschaftsentwicklung unbedingt übersprungen werden. Stattdessen müssen die heute in den Industrieländern etablierten Sozial- und Umweltstandards weltweit durchgesetzt, und weiter verbessert werden.

Die Theorie der freien Marktwirtschaft geht von einem unbegrenzten Wachstumspotenzial aus, ohne zu berücksichtigen, dass die natürlichen Ressourcen, die für dieses Wachstum benötigt werden, sehr wohl begrenzt sind.

Wohin soll diese Entwicklung führen? Firmen fusionieren um Synergieeffekte zu nutzen, also um diejenigen Angestellten, die in dann doppelt vorhanden Bereichen arbeiten, entlassen zu können. Soll es bis zum Schluss nur noch eine globale Firma geben, die aber nur 0,1% der Weltbevölkerung beschäftigt, und alle anderen sind arbeitslos? Ist das die Vision der freien Marktwirtschaft? Und wer soll die Produkte kaufen, wenn fast niemand mehr Geld hat?

Die Wirtschaft wird sich immer mehr auf die Produktion von Luxusgütern für die Superreichen umstellen. Auch bei den Produkten wird die Schere immer extremer werden, zwischen absoluten Billigprodukten für die Massen, die unter lebensunwürdigen Bedingungen in Billiglohnländern hergestellt werden, und immer teureren Luxusgütern für die Superreichen.

Die zwar immer reicher, aber auch immer geringer werdende Zahl der Superreichen kann den Verlust der Kaufkraft bei den Massen der Bevölkerung auf Dauer nicht ausgleichen.

Einige der Probleme kommen allerdings auch daher, dass eben nicht alle Handelsschranken beseitigt wurden, sondern die mächtigen nördlichen Industrieverbände und Länderregierungen ihre Produkte weiterhin schützen und subventionieren. Aber das kommt eben dabei heraus, wenn man alle Kontrolle abschaffen und den Markt alles entscheiden lassen will. Dann setzen sich eben nur die Stärksten durch, und alle anderen gehen vor die Hunde.

Diese Geisteshaltung führt auch dazu, dass in allen Bereichen einfach blind der Leistungsdruck erhöht wird. Dabei kann die Effektivität der Arbeit mit intelligenten Modellen, die die Motivation der Angestellten erhöhen, viel besser gesteigert werden.

Ausgearbeitet von Global Society
Letzte Anpassung: 11. Jan. 2011


Tobias Kröll, Tübingen
Mai 2007
Kapitalismus als kulturelles Kapital
Zur Kritik des wirtschaftlichen Liberalismus im Anschluss an Pierre Bourdieu


1 Einleitung ........................................................................................1
2 Wirtschaftsliberalismus als kulturelles Kapital....................................2
3 Komplizen der Sachzwänge ............................................................4
4 Von einer Theorie der Realität zur Realität der Theorie.................... 5
5 Wider die Immunisierung des Wirtschaftsliberalismus gegen Kritik ...7
6 Literatur:........................................................................................11


1 Einleitung


„Einer der theoretischen und praktischen Irrtümer vieler Theorien – angefangen bei der marxistischen – hat darin bestanden, die Wirksamkeit von Theorien außer Acht zu lassen. Diesen Fehler dürfen wir nicht mehr begehen. Wir haben es mit Gegnern zu tun, die sich mit Theorien wappnen, und es geht meines Erachtens darum, ihnen geistige und kulturelle Waffen entgegenzusetzen.“

Pierre Bourdieu, GF 61


Bei der Analyse des Kapitalismus hat Karl Marx bestimmte Regelmäßigkeiten festgestellt, so zum Beispiel dass sich die Profitrate nur zu Lasten des variablen Kapitals, d.h. der „Ware Arbeitskraft“ steigern lässt. Dies geschieht entweder direkt durch Entlassungen oder Lohnkürzungen (zum Beispiel durch Outsourcing und neue Arbeitsverträge) oder relativ durch Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich.
Beide Varianten sind zurzeit populäre von Spitzenmanagern angewandte Maßnahmen.


Mit Pierre Bourdieu kann der Wirtschaftsliberalismus (als Theorie des Kapitalismus1) – jenseits beobachtbarer gesellschaftlicher und ökonomischer Gesetzmäßigkeiten, „die nur dann wirksam werden können, wenn man sie gewähren lässt“ (GF 63) – als kulturelles Kapital betrachtet werden. Nach Bourdieu hat der Wirtschaftsliberalismus im Diskurs zwei Erscheinungsformen. Zum einen als doxa (d.h. als Vorurteil und Meinung) in einer populärwissenschaftlichen bzw. populistischen Variante und zum anderen als legitimes wissenschaftliches Wissen bezüglich des Wirtschaftsgeschehens. In beiden Formen kann er verinnerlicht werden. Diese zweifache Erscheinungsform, so die These, erschwert Kritikern das Greifen des zu kritisierenden Gegenstands. Der Wirtschaftsliberalismus immunisiert sich dadurch, er ist inzwischen zu einem „starkem Diskurs“ geworden (GF 110). Werden die praktischen Folgen wirtschaftsliberaler Politik kritisiert, so wird von Wirtschaftsliberalen auf die Theorie verwiesen, deren Modelle nur ceteris paribus (siehe Abschnitt 5) funktionieren, wenn der Staat nicht eingreift. Dem Staat wird von Wirtschaftsliberalen immer der Schwarze Peter zugeschoben, sei es, weil es zu viele Markteingriffe gibt oder weil der Staat Marktversagen nicht angemessen ausgleicht.

1 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 1997:19


Der freie Markt an sich und die Eigentumsverhältnisse im Besonderen werden von den Wirtschaftsliberalen nicht in Frage gestellt.

 

2 Wirtschaftsliberalismus als kulturelles Kapital
 

»Um das zu beschreiben, was wir unter Marktwirtschaft in reiner Form verstehen, muss man die verschiedenen Punkte addieren: Dezentralisierung, Subsidiarität, Wettbewerb, Selbstregulierung, Privatisierung, Privateigentum, Individualismus. Wer das Wort nicht scheut, mag das Ganze „Kapitalismus“ nennen, genauer: Wettbewerbskapitalismus«

Herbert Giersch 1991: 15f


Das (wissenschaftlich fundierte) gesellschaftlich legitime Wissen wird mit Bourdieu als kulturelles Kapital bezeichnet. Der Wirtschaftsliberalismus als legitimes ökonomisches Wissen erscheint dabei in allen drei  Formen des kulturellen Kapitals:
(1.) verinnerlicht im Habitus, d.h. in Köpfen von Professoren, Zentralbankchefs, JournalistInnen und Studierenden, aber auch als doxa (siehe unten.) im Alltagsdenken;
(2.) vergegenständlicht in Wirtschaftsabkommen, in Lehr- und Schulbüchern sowie in Tageszeitungen oder den täglichen Meldungen der Börsenkurse vor der Tagesschau

(3.) institutionalisiert in akademischen Titeln und Preisen für Wirtschaftsfachleute.
Gleichzeitig stellt der akademische Wirtschaftliberalismus als „legitimes Wissen bezüglich Wirtschaft“ auch symbolisches Kapital dar. Herausragendes Beispiel ist das „ökonomische Fachwissen“ von Bundespräsident Horst Köhler 2.  Analog zur bewussten, aktiven Weitergabe kulturellen Kapitals in Schule und Universität gibt es auch beim wirtschaftsliberalen Denken „verborgene Mechanismen“ der Übertragung kulturellen Kapitals (vgl. Bourdieu: VM). So wird wirtschaftsliberales Denken weitergetragen und verfestigt, wenn Bankangestellte Aktienfonds als Geldanlage zur Ergänzung der staatlichen Rente empfehlen und die Anleger dann ihre Zukunftshoffnungen mit dem Aktienkurs verknüpfen. Auch wenn neoliberale Lobbyisten Fernsehsendungen zum „Reformbedarf“ produzieren, aber nicht als Urheber genannt werden3, wird die verborgene Übertragung wirtschaftsliberaler Gedanken gefördert.

2 Köhler studierte an der als wirtschaftsliberalen ökonomischen Fakultät in Tübingen, wo er auch als Honorarprofessor tätig ist.

3 So z.B. die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft


Verinnerlicht ist der Wirtschaftsliberalismus in den Köpfen einflussreicher neoliberaler Wissenschaftler und Akteure, wie dem ehemaligen Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer, dessen wirtschaftsliberales Denken Bourdieu in einem Vortrag mit dem Titel „Warnung vor dem Modell Tietmeyer“ an der Universität Freiburg im Oktober 1996 (WMT 1997: 171f) analysierte. Nach Bourdieu sind heute wirtschaftsliberale Begriffe und Gedanken in aller Munde und laufen „wie Kleingeld“ überall herum:


„dauerhaftes Wachstum, das Vertrauen der Investoren, öffentliche Haushalte, Sozialsysteme, Erstarrung, Arbeitsmarkt, Flexibilität, aber auch Globalisierung, Flexibilisierung, Senkung der Abgabenlast, Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität, Deregulierung und so weiter und so fort.“ (WMT: 173).


Vergegenständlicht zeigt sich der Wirtschaftsliberalismus in wirtschaftlichen Grundlagen der Europäischen Union (zum Beispiel Dienstleistungs- /bzw. Bolkesteinrichtlinie) oder den Stabilitätskriterien. Bourdieu kritisiert „Bankleute und Finanzbeamte“, die sagen, wir müssten uns den Notwendigkeiten der internationalen Finanzmärkte beugen (GF 47). Sie „vergessen den Hinweis darauf, dass sie sich zu Komplizen dieser Zwänge gemacht“ haben (a.a.O., Hervorh. T.K.). Die Öffnung der Märkte leiste dem Kräftespiel des ungezügelten Kapitalismus Vorschub (GF 9).


„Experten“ vom Typ Weltbank oder Internationaler Währungsfonds helfen mit, die Gesetze dieses „neuen Leviathan“, speziell der Finanzmärkte, durchzusetzen (GF 36). Gruppen von wirtschaftsliberalen Intellektuellen haben über Jahre „anfangs gegen den Strom, unermüdlich jene Vorstellungen produziert, die nach und nach wie selbstverständlich geworden sind“ (GF 39f). Bourdieu nennt hier insbesondere die Mont Pelerin Society4.

4 Siehe dazu ausführlich: Walpen 2004

3 Komplizen der Sachzwänge


Auch der ehemalige Bundesbankchef Hans Tietmeyer wirkte an den Veränderungen mit. Anlässlich eines wirtschaftsliberalen Symposiums im November 1998 („Soll und Haben – 50 Jahre Soziale Marktwirtschaft“) in Tübingen begrüßte ihn der Ökonom Joachim Starbatty:

 

„Sie haben als Leiter der berühmten Grundsatzabteilung im Bundeswirtschaftsministerium im Jahre 1982 das Lambsdorff-Papier 5 mitformuliert, das – gewissermaßen als Lackmustest – das Ende der SPD-FDP-Koalition besiegelte“

5  Im Lambsdorff-Papier sind die wirtschaftliberalen Ideen für die Regierung Kohl ausformuliert. Im Wortlaut zu finden als PDF-Datei auf der Homepage der Friedrich-Naumann-Stiftung:
http://admin.fnst.org/uploads/644/Lambsdorffpapier-2.pdf.

 
(…) „Auch an der Entstehung des Maastricht-Vertrages haben sie Anteil. Insbesondere der Bundesbank ist es zu verdanken, dass das Statut des Maastricht-Vertrages nach dem Vorbilde der Deutschen Bundesbank geformt wurde.“

Starbatty 1999:4


Des weiteren würdigt Starbatty Tietmeyers Tätigkeit während seiner Zeit im Wirtschaftsministerium als so genannter Sherpa für Bundeskanzler Kohl und Finanzminister Waigel bei der Vorbereitung der Weltwirtschaftsgipfel: „Wir erinnern uns:
Im Himalaya schleppen die Sherpas das Gepäck in die jeweiligen Basislager. Von berühmten Sherpas berichtet man, dass die bisweilen auch die Hauptdarsteller – also die Bergsteiger und Gipfelteilnehmer – nach oben geschleppt haben“ (a.a.O.). Heute ist Hans Tietmeyer u.a. Vorsitzender des Kuratoriums der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, die seit einigen Jahren arbeitgeberfinanziert auf breiter Ebene in Medienkampagnen für wirtschaftsliberale Ziele wirbt (vgl. Kröll 2003). Der INSM geht es darum, die gesamte Bevölkerung von der Richtigkeit des Wirtschaftsliberalismus zu überzeugen (Rodenstock 2001: 31).


Unter den Unterstützern der Initiative sind einflussreiche Wirtschaftsliberale: u.a. Hans D. Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, Roland Berger, Milton Friedman (2000, 128), 1970-72 Präsident der Mont Pelerin Society, bezeichnete die Reformen unter Kanzler Gerhard Schröder (u.a. die Agenda 2010) als perfekte Umsetzung der (neoliberalen) Ideen der Regierung Kohl, Unternehmensberater, Lüder Gerken, Vorsitzender der Friedrich-August-von-Hayek Stiftung, Martin Kannegießer, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Hans-Dietrich Winkhaus, Präsident des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin und Mitglied des Aktionsrats Bildung, Lothar Späth, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Jenoptik AG, Randolf Rodenstock, Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Wirtschaft, Jürgen B. Donges, Professor an der Universität zu Köln und Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik, Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), sowie der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf, Mitglied im Kuratorium der Freiburger Friedrich-August-von Hayek-Stiftung.


Alle Genannten setzen sich dafür ein, sich den vermeintlichen Sachzwängen des Marktes zu beugen. Manchmal weisen sie indirekt auf die „Komplizenschaft“ wirtschaftsliberaler Akteure mit den „Zwängen der Globalisierung hin, wie in dem folgendem Zitat. Nicht zuletzt dank langjähriger Arbeit wirtschaftsliberaler „Fachleute“ in Zollsenkungsrunden internationaler Gremien seien die heutigen Zwänge der Globalisierung („Anpassungsdruck“) entstanden:


„Heutzutage sind die meisten ökonomischen Grenzen dank vieler Zollsenkungsrunden und der Fortschritte in der Informationstechnologie weitgehend eingerissen. Wirtschaften findet schon lange nicht mehr im nationalen Rahmen statt, die Märkte sind grenzenlos geworden. Diesen Umstand nennt man Globalisierung. Nationale Regulierungen, Vorschriften, steuern und Abgaben enden nicht an den Grenzen des jeweiligen Landes, sondern reichen in der globalisierten Wirtschaft weit über diese hinaus – sie sind quasi in die Exportprodukte eingebunden. Globalisierung bringt so einen Zuwachs an Chancen, verstärkt aber gleichzeitig den Wettbewerbs- und Anpassungsdruck – auch für die Wirtschaftspolitik.“

Rodenstock 2001: 30
 

4 Von einer Theorie der Realität zur Realität der Theorie


Liberale Ökonomen beschreiben „Regeln“ liberaler Märkte in Form von als natürlich angenommenen bestmöglichen Strukturen. In diesem Sinne kritisiert Bourdieu die moderne Wirtschaftswissenschaft auch als strukturalistische Theorie. Er lehnt theoretische Modelle nicht ab, weist jedoch auf ihre Grenzen hin. Die Theorie freier Märkte mag vieles erklären können. Ein theoretisch erarbeitetes Schema ist jedoch das „Modell einer Praxis, deren Grundlage dieses Modell nicht ist“ (SoSi: 26) Die Realität richtet sich nach einer komplexeren Logik, die mit starren Modellen nicht fassbar ist. Wird ein abstraktes (Markt-)-Modell auf die Praxis übertragen (wie zum Beispiel das berühmte Theorem der komparativen Kostenvorteile Ricardos, das von Ökonomen immer wieder zur Legitimierung des Freihandels herangezogen wird, z.B. Starbatty 2000), dann besetzt die theoretisch erdachte Regel einen doppelten Platz:
„den der theoretischen Matrix und der praktischen Matrix, des theoretischen Modells und des praktischen Sinns, und verhindert so, dass die Frage nach deren Verhältnis gestellt wird.“ (SoSi 189). Alle „Gegensätze, Äquivalenzen und Analogien“ die ein theoretisches Modell auf einen Blick sichtbar macht, gelten deshalb nur so lange, „wie sie für das genommen werden, was sie sind, also für logische Modelle, die die größtmögliche Zahl von beobachteten Fällen am schlüssigsten und sparsamsten erklären“. Solche Modelle werden jedoch falsch und gefährlich, „sobald man sie als reale Grundlagen dieser Praktiken behandelt“ (SoSi: 26f). Genau dies tun jedoch wirtschaftsliberale Politiker und ihre ökonomischen Berater. Sie wollen das Modell, das zur Erklärung der (ökonomischen) Praktiken konstruiert worden ist, „tendenziell zu der Macht machen, die diese Praktiken tatsächlich bestimmen kann.“ (vgl. SoSi: 71). So wird ein theoretisch erdachtes Modell zur Norm (vgl. SoSi: 73) für die Praxis (bzw. Politik)und es kann ein schleichender Übergang „vom Modell der Realität zur Realität des Modells“ stattfinden (vgl. SoSi: 75). Dies wird heute überall gefördert und praktiziert, wo wirtschaftsliberale Fachleute als Berater Einfluss auf die ökonomische Infrastruktur nehmen, sei es in wissenschaftlichen Beiräten und Gremien in der Politik, sei es als Mitarbeiter der Zentralbanken, auf dem G8-Gipfel, im Sachverständigenrat (den fünf Wirtschaftsweisen) oder im „Aktionsrat Bildung“.

 

Die Grundlagen der Theoriekritik entwickelte Bourdieu in der Auseinandersetzung mit strukturalistischen Modellen und übertrug sie später auf den politischen Neoliberalismus: „Im Namen dieses zum politischen Aktionsprogramm gewandelten wissenschaftlichen Ansatzes vollzieht sich eine ungeheure politische Arbeit, die darauf zielt, die Betriebsbedingungen dieser »Theorie« herzustellen: es ist ein Programm der planmäßigen Zerstörung der Kollektive“ (GF: 110).


So sehen es die Vertreter der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ als notwendig an, „dass die Deutschen im 21. Jahrhundert ihre kollektiv organisierten Systeme zurückfahren“ (Rodenstock 2001: 79).

 

 »Manches spricht dafür, dass sich die Neue Soziale Marktwirtschaft schrittweise aus ihrer von kollektivistischen Vorstellungen geprägten Vergangenheit löst«, meint Rodenstock (a.a.O.: 83). Das Individuum suche nur da den Schulterschluss mit anderen, wo es allein nicht klarzukommen meine. Da sich heute viele Chancen und Möglichkeiten böten, würde sich das Schutzbedürfnis verringern (a.a.O.: 71). Zur „Zerstörung der Kollektive“ zählen die zunehmende Aushöhlung von Tarifverträgen oder die Aushöhlung der gesetzlichen Krankenversicherung sowie die Privatisierung der Rente, des öffentlichen Verkehrswesens, aber auch die Aushöhlung des „Normalarbeitsverhältnisses“ und die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse (Zeitarbeit, befristete Arbeit, Praktika) usw.


Damit deutet Bourdieu den Kapitalismus aber nicht in einem einfachen Ursache-Wirkungs-Schema zur bloßen Folge wirtschaftsliberaler Ideologie um, sondern zeigt auf, dass es Wechselwirkungen gibt, dass ökonomische Sachzwänge menschliche Komplizen haben, die diese gewähren lassen:
„Bei dem, was man ständig als ein von den unwandelbaren »Naturgesetzen« des Gesellschaftlichen regiertes Wirtschaftssystem hinstellt, scheint es sich meines Erachtens vielmehr um eine politische Ordnung zu handeln, die nur mittels der aktiven oder passiven Komplizenschaft der im eigentlichen Sinne politischen Mächte errichtet werden kann.“ Bourdieu, GF: 101


5 Wider die Immunisierung des Wirtschaftsliberalismus gegen Kritik


Um wirksam kritisiert zu werden, muss der Wirtschaftsliberalismus heute als Gesamt gefasst werden. Das geht nur, wenn die Verfechter des Wirtschaftsliberalismus als Teil des betrachteten Gegenstands, d.h. des Kapitalismus betrachtet werden.


Ebenso muss aufgezeigt werden, dass journalistische, politische und wissenschaftliche Akteure als Vertreter derselben Ideologie zu sehen sind. Dazu müssen Verbindungen zwischen ihnen aufgezeigt werden. Bourdieu schlägt dazu vor, die Unterzeichner von Experten-Petitionen aufzuzeigen.6 Auch Wechselwirkungen zwischen ökonomischer Theorie und Praxis (zum Beispiel durch wirtschaftsliberale Politikberatung des Sachverständigenrats) müssen aufgezeigt und in diesem Zusammenhang gesehen werden.7 Der Wirtschaftsliberalismus erscheint im Diskurs in zweifacher Form: als Meinung und als Wissen. Die Grenzen sind jedoch fließend. So kann ein Wirtschaftswissenschaftler in einer Talkshow den Wirtschaftsliberalismus als floskelhafte Meinung vertreten.

6  Hierzu bieten sich aktuell die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft an, sowie das Institut der Deutschen Wirtschaft und die Stiftung Marktwirtschaft (Kronberger Kreis).

7 Eine Pionierarbeit bezüglich neoliberaler Lobbyarbeit leisteten Günter Bachmann und Dirk Kotzur (1997), die den Kronberger Kreis der Stiftung Marktwirtschaft als wichtiges Bindeglied zwischen neoliberaler Wirtschaftstheorie und Politik analysieren.


Die Schwierigkeit der wissenschaftlichen Kritik ist, dass der Wirtschaftsliberalismus schwer zu fassen ist. Kritisiert man die praktischen Folgen neoliberaler Politik, dann wird auf die Theorie verwiesen, nach der die Segnungen der Marktwirtschaft nur unter weitgehendem Ausschluss des Staates erreicht würden, es aber immer noch zu viele Markteingriffe gebe. Kritisiert man die theoretische Grundannahme rational handelnder Egoisten, die sich auf Adam Smith´ “unsichtbare Hand“ beruft, so wird man darauf verwiesen, dass in der Praxis soziales Handeln notwendig ist. Manche Autoren schwanken bisweilen zwischen verschiedenen sich widersprechenden Annahmen hin und her. Da sie sich dabei nicht explizit auf eine einzige umfassende Theorie berufen, führt dies im Diskurs letztlich zu einer Immunisierung gegen Kritik.


Den Kritikern zerrinnt der kritisierte Gegenstand zwischen den Händen, wenn die wirtschaftsliberalen Autoren nicht als wesentlicher Bestandteil eines Gesamtzusammenhangs eingeordnet werden in dem sie aktiv oder funktional den „archaischen Kräften des Marktes“ (GF 8) Vorschub leisten So schreibt Randolf Rodenstock frei nach Adam Smith: „Aber sozial heißt eben nicht, dass man aus lauteren und gemeinwohlorientierten Motiven handelt, sondern, dass das Ergebnis des Handelns – und sei es noch so egoistisch motiviert – der Gesellschaft nutzt. Dafür, dass dies so kommt, sorgt der Wettbewerb am Markt“ (Rodenstock 2001: 23), um ein paar Seiten weiter zu formulieren: „Friedrich August von Hayek (1899-1992), Nobelpreisträger, glühender Verfechter der Freiheit und großer liberaler Ökonom des vorigen Jahrhunderts, erinnerte an drei Werte, ohne die die Menschen ihre Chancen nicht wahrnehmen könnten: das private Eigentum, die Familie und die Rechtschaffenheit aller Beteiligten.“ (Rodenstock 2001: 36). Am Ende des Buches wird eine Utopie formuliert, wie die Gesellschaft nach der wirtschaftsliberalen Umgestaltung zur Neuen Sozialen Marktwirtschaft als „Lebensentwurf der Freiheit“ aussehen soll: „Leitbild ist dabei nicht die selbstsüchtige Ich-Gesellschaft. Die sich öffnenden Freiheitsräume lassen vielmehr eine Gesellschaft erkennen, in der Arbeit für alle, die arbeiten wollen, möglich ist, und in der Arbeit vor allem als Dienst am Mitmenschen verstanden wird“ (Rodenstock 2001: 190).


Im Selbstverständnis des Wirtschaftsliberalismus ist der Gegenstand der Wirtschaftstheorie die Beschreibung, Erklärung und Vorhersage der wahrscheinlichen Wirklichkeit (Starbatty 2000). Die Sätze der Theorie sind „analytisch und empirisch“. Die wirtschaftliche Wirklichkeit sei allerdings zu komplex, um sie gedanklich vollständig zu erfassen. Deshalb bedient sich die Volkswirtschaftslehre der vereinfachten Modellbildung und sogenannter Ceterisparibus-Modelle (vgl. Starbatty 2000: 27ff). Die von Alfred Marshall (1842-1924) eingeführte »Ceteris-Paribus-Klausel« bedeutet „unter sonst gleichen Bedingungen“. Gemeint ist damit die (gedankliche) Konstanz aller Zusammenhänge und Einflussfaktoren, die in der Realität vorkommen, im Modell aber nicht explizit berücksichtigt werden, wenn jeweils eine Variable verändert und deren Wirkung durchgespielt wird. Die Ceteris-Paribus-Klausel dient also der gedanklichen Ausschaltung von allen Einflüssen, die in einem Modell nicht erfasst werden Die Verwendung von Ceteris-paribus-Modellen baut letztlich auf eindimensionalen Ursache-Wirkungs-Ketten auf und widerspricht vernetztem Denken. Ausführlich beschäftigen sich auch die Ökonomen Horst Hanusch und Thomas Kuhn (1998: 44ff) mit dem Problem der Ceteris-paribus Modelle: Wissenschaftliche Theorien können keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Sie gelten nur, sofern sichergestellt ist, dass die in ihnen enthaltenen Angaben in der Realität wenigstens annähernd erfüllt sind.


Die Anwendbarkeit einer Theorie setze einen gewissen empirischen Gehalt voraus, den man überprüfen könne. Wenn eine Theorie dieser Überprüfung nicht standhalte, gelte sie als falsifiziert (a.a.O.: 44). Bourdieu kritisiert, dass viele Ökonomen tief überzeugt von Modellen seien, die nie auch nur in Verlegenheit kamen, sich einer experimentellen Prüfung unterziehen zu müssen (GF 115). Es kann letztlich keinen empirischen Beweis für die Richtigkeit und Wahrheit einer Theorie geben. Selbst wenn eine Theorie empirisch schon bestätigt wurde, kann in der Realität immer ein Fall auftreten, der die Theorie widerlegt. Nach dem »Popper-Kriterium solle man nicht nach Fakten suchen, die eine Theorie stützen, sondern diese ganz gezielten Versuchen der Falsifizierung aussetzen. Die Möglichkeit des Scheiterns einer Theorie sei dabei umso größer, je mehr Realitätsbezug und Informationsgehalt sie besitzt (a.a.O.: 45):


»Allerdings existieren mittlerweile in der Volkswirtschaftslehre eine Reihe von Theorien, die gegen solche Falsifizierungsversuche als quasi immun gelten. Sie beruhen zumeist auf Annahmen, die so realitätsfern und idealisierend formuliert sind, dass man fast nie eine reale Situation finden wird, auf die sie zutreffen könnten«

Hanusch/Kuhn 1998: 45
 

Die Immunisierung der Theorie gegen Kritik liege in erster Linie in der Anwendung der Ceteris-paribus-Klausel, so Hanusch/Kuhn (a.a.O.). Wenn man auf die Ceteris-Paribus-Klausel zurückgreife, ergebe sich einem stets die Möglichkeit zu argumentieren, dass diese nicht erfüllt war, sobald eine Theorie nicht mit der Realität übereinstimmt. Also könne dies noch nicht als Beweis für ihre endgültige Falsifikation gelten (a.a.O.). Da es in der Ökonomie zudem kaum möglich sei, Theorien unter Laborbedingungen zu testen, die genau den Annahmen des benutzten Modells entsprächen, müsse die Ceteris-paribus-Klausel  letztlich dazu führen, dass ökonomische Theorien gegenüber Falsifizierungen immun werden. Die theoretische Legitimierung des neoliberalen Freihandels und Wettbewerbs als wohstandssteigernd 8 lässt sich nicht unter Laborbedingungen testen und mit alternativen Modellen vergleichen. Auf die Ceteris-paribus-Klausel bezieht sich auch Starbatty (2000: 113f). Da Wenn-dann-Beziehungen nur dadurch als widerlegt gelten können, wenn keine unerwarteten Größen von außen (exogene Größen) auftreten, müsse man prüfen, ob im Falle falscher Prognosen unerwartete exogene Größen aufgetreten seien. In diesem Falle folge aus der Widerlegung der Prognose nicht unmittelbar die Widerlegung der Theorie (a.a.O.: 114). Auch Milton Friedman bezieht sich implizit auf die Ceteris-paribus Klausel wenn er sagt, seine Ideen seien nie konsequent umgesetzt worden (vgl. Heuser 1993: 102). Die wirtschaftsliberalen Modelle der modernen ökonomischen Theorie können so nicht widerlegt werden, es sei denn, man kritisiert schon die mangelnde Abbildung der komplexen Wirklichkeit auf der konstitutiven und methodischen Ebene der Theorie. Zudem wird der Realitätsgehalt der Theorien bezüglich der Grundannahmen höher, je mehr sich der Wirtschaftsliberalismus durchsetzt: immer mehr Kollektive werden zerstört.

8  Zum Beispiel Gilles (2000: 95): »Angelpunkt vieler Missverständnisse ist das Bild vom Wettbewerb, der inneren Logik der Globalisierung. Er vergrößert die Märkte aller - und zum Wohle aller.«


Die Umsetzung wirtschaftsliberaler Politik gefährdet solidarisches Handeln. Von Arbeitnehmern wird bedingungslose Flexibilität gefordert und gleichzeitig der Zusammenhalt der Familie beschworen. Der wirtschaftsliberalen Ideologie, „die ein schlicht und einfach konservatives Denken unter dem Deckmantel reiner Vernunft präsentiert, gilt es vernünftige Gründe, Argumente, Widerlegungen, Beweise entgegenzusetzen, kurzum: es gilt wissenschaftliche Arbeit zu leisten“ (GF 62).


Brennende Aufgabe bleibt, „im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion“, die Widersprüche wirtschaftsliberaler Argumentationen ebenso allgemeinverständlich darzustellen, wie die angeblichen Segnungen derselben in Randolf Rodenstocks Buch „Chancen für Alle“.


6 Literatur:
 

ABÖ: Bourdieu, Pierre 1997: Für einen anderen Begriff von Ökonomie. In: Der Tote packt die Lebenden. Schriften zu Politik & Kultur 2. Hamburg, S. 79-100.
GF: Bourdieu, Pierre 1998: Gegenfeuer. Wortmeldungen im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion. Konstanz.
WMT: Bourdieu, Pierre 1997: Warnung vor dem Modell Tietmeyer. (Nachdruck aus der ZEIT vom 1.11.1996) In: Der Tote packt die Lebenden. Schriften zu Politik & Kultur 2. Hamburg, S. 171-177.
Bachmann, Günter/Kotzur, Dirk 1997: Der Kronberger Kreis. Think-Tank der Politikberatung und der Parteien.

In: Schui, Herbert u.a.1997: Wollt ihr den totalen Markt? Der Neoliberalismus und die extreme Rechte. S. 239-270.
Friedman, Milton 2000: „Alle Steuern sind zu hoch“. Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Milton Friedman, 88, über Gerhard Schröders Reformen, soziale Gerechtigkeit und den Segen der Anarchie. In: Der Spiegel 41/2000; S. 128-132.
Giersch, Herbert 1991: Ordnungspolitische Aufgaben in Ost und West. Mit einem Vorwort von Gert Dahlmanns. Bad Homburg.
Gillies, Peter 2000. marktwirtschaft.de. Bad Homburg.
Hanusch,Horst/Kuhn, Thomas 1998: Einführung in die Volkswirtschaftslehre. 4. überarbeitete Auflage Berlin u.a.
Heuser, Uwe Jean 1993: Geld, Freiheit, Ideologie - Milton Friedman hat mit seinem Monetarismus die Welt verändert. Die Bilanz des Chicagoer Wirtschaftsprofessors ist zwiespältig. In: ZEITPUNKTE 3/93. Zeit der Ökonomen - Eine kritische Bilanz volkswirtschaftlichen Denkens. Hamburg. S. 100- 102.
Kröll, Tobias 2003: Randolf Rodenstock: Chancen für Alle – Die Neue Soziale Marktwirtschaft. Rezension. In: Das Argument 252 , Heft 4/5 2003, S. 270ff. http://www.linksnet.de/rezension.php?id=1446
Rodenstock, Randolf 2001: Chancen für Alle – Die Neue Soziale Marktwirtschaft. Köln.
Starbatty, Joachim 1999: Begrüßung. In: Hasse, Rolf/Starbatty, Joachim (Hg.) 1999: Soll und Haben – 50 Jahre Soziale Marktwirtschaft. Stuttgart. S. 3-5.
Starbatty, Joachim 2000: Einführung in die Volkswirtschaftslehre / Sommersemester 2000, Vorlesungsskript. Universität Tübingen.
VGWL (Vahlens Großes Wirtschaftslexikon) 1994. 4 Bände, herausgegeben von Dichtl, Erwin/Issing, Otmar. 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage. München.
Walpen, Bernhard 2004: Die offenen Feinde und ihre Gesellschaft. Eine hegemonietheoretische Studie zur Mont Pèlerin Society. Hamburg.