Entwicklung der rein wirtschaftlichen Globalisierung

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Diese Seite soll Möglichkeiten aufzeigen, die

laufende wirtschaftliche Globalisierung gerechter

zu gestalten.

Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist geprägt von der Richtung des sogenannten Neoliberalismus, einer Politik der Öffnung aller Märkte und der weitestgehenden Privatisierung, die alle Bereiche des Lebens zu kommerzialisieren versucht.

Dieses Paradigma hat sich etwa seit 1970 immer weiter (als Musterbeispiel) verbreitet, und hat nach dem Zusammenbruch des Gegenpols in Form der Sowjetunion richtig Fahrt aufgenommen. Diese neoliberale Politik wird von Abgeordneten fast aller Parteien vertreten, egal ob eine konservative oder sozialdemokratische Regierung vorherrscht. Am stärksten natürlich von wirtschaftsliberalen Parteien wie der FDP.

Durch den großen Einfluss der Industrievertreter in fast allen Parteien, haben diese es geschafft, fast allen Politikern und den meisten Bürgern einzureden, dass es keine Alternative zum Neoliberalismus gibt.

Diese Seite beschreibt die Probleme, die durch den Neoliberalismus bekämpft werden sollten , zeigt aber auch die Probleme, die dadurch erst entstanden oder noch verstärkt wurden, und versucht zukunftsfähige Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, die es eben doch gibt.

Ursprüngliche Probleme

1. Undurchsichtige Zollbestimmungen zum Schutz der heimischen Industrie führten (und führen in geringerem Ausmaß immer noch) zu Handelskriegen zwischen Staaten, bei denen willkürlich wichtige Produkte des Gegners mit hohen Auflagen belegt wurden.
2. Riesige Beamtenapparate arbeiten ineffizient. Sie verschlingen Unmengen an Steuergeldern für wenig Leistung.
3. Großes Ungleichgewicht zwischen reichen Ländern im Norden und armen Ländern im Süden der Erde.
4. Steigende soziale Unterschiede zwischen armen und reichen Menschen innerhalb der Länder.
5. Zu hoher Verbrauch der natürlichen Ressourcen der Erde und zu hohe Belastung der Umwelt.

Neoliberale Lösungen

1. Öffnung der Märkte durch Abschaffung aller Zölle und Subventionen
2. Freisetzung von Investitionskapital durch niedrige Besteuerung von Kapitaleinkünften
3. Privatisierung öffentlichen Eigentums
4. Alle Entscheidungen dem Markt überlassen.
5. Mehr Eigeninitiative, weniger Staat.
6. Alleinige Ausrichtung auf Wirtschaftswachstum.

Die neoliberalen Vorgehensweisen sollten die Wirtschaft beleben, und zu einem stärkeren Wirtschaftswachstum, und damit mehr Wohlstand führen.

Das funktioniert allerdings nur eingeschränkt, denn von dem Wachstum profitieren fast nur die reicheren Teile der Bevölkerung, durch die einseitige Bevorzugung bei der Besteuerung von Kapitalgewinnen.

Die arbeitende Bevölkerung wird dagegen immer stärker belastet für die Aufrechterhaltung der Sozialsysteme. Je höher diese Belastung aber ist, um so stärker steigen auch die Lohnkosten für die Betriebe, während die Kaufkraft der Bevölkerung sinkt.

Die zurzeit von der Wirtschaft bevorzugte Lösung besteht in einer Abkopplung der Löhne von den Sozialversicherungen (mehr Eigenvorsorge). Das wird aber die Arbeitnehmer noch mehr belasten und die Kaufkraft noch weiter schwächen.

VWL statt BWL (Volkswirtschafts- statt Betriebswirtschaftslehre)

Die Bertelsmann-Stiftung und wirtschaftsliberale "Experten" betrachten ein Land wie eine Firma.
Bei der Bertelsmann-Stiftung ist es sogar das erklärt Ziel, Managementmethoden aus der Wirtschaft auf die Politik zu übertragen.

Eine Volkswirtschaft funktioniert aber wesentlich komplexer als ein Wirtschaftsbetrieb. Nicht umsonst sind das zwei verschiedene Studiengänge. Durch den Vergleich einer Volkswirtschaft mit einem Betrieb oder einer Haushaltskasse, lassen sich wirtschaftsliberale Maßnahmen aber leider sehr einfach anschaulich darstellen.

Bei einer Firma muss man aber nur dafür sorgen, die Produktion zu verbessern, zu erhöhen oder zu verbilligen. Es geht nur um die Angebotsseite.
Bei einer Volkswirtschaft muss die Wirtschaftspolitik aber nicht nur die Angebotsseite beachten, sondern auch dafür sorgen, dass es genug Menschen gibt, die diese Produkte auch kaufen können.
Eine funktionierende Volkswirtschaft braucht Angebot und Nachfrage, in einem gesunden Gleichgewicht.

In einer globalisierten Welt kann eine Volkswirtschaft zwar für eine gewisse Zeit mit einer verringerten Nachfrage leben, und dadurch ihre Gewinne sogar vermehren, das funktioniert aber nur so lange, wie die Nachfrage in anderen Teilen der Welt erfüllt wird. Die Gewinne der Volkwirtschaft mit Export-Überschuss gehen auf Kosten der Volkswirtschaften mit Export-Defizit.
Das geht nicht ewig gut, denn dem Land mit Export-Defizit geht das Geld aus. Das Land mit dem Export-Überschuss macht sich immer stärker abhängig von den Wirtschaften in anderen Teilen der Welt.
In den letzten Jahrzehnten waren die US-Konsumenten die wichtigste Senke der Weltwirtschaft, weil sie bereit waren, sich für ihren Konsum immer weiter zu verschulden. Das hat nur funktioniert, weil die immer weiter steigenden Preise für ihre Immobilien ihnen als Sicherheit dienten.

Diese bequeme Situation ist jetzt vorbei.
Für eine stabile Weltwirtschaft müsste jede Volkswirtschaft darauf achten, ihre Außenhandelsbilanz einigermaßen im Gleichgewicht zu halten, also Export-Überschuss oder -Defizit in Grenzen zu halten.
Je nach Situation des Landes, muss dafür entweder das Angebot oder die Nachfrage gestärkt werden. Eine rein angebotsseitige Ausrichtung ist keine langfristige Lösung.

Für die einzelnen Volkswirtschaften geht es, wie an der Börse oder bei anderen Anlagen, um die Frage Gewinn oder Sicherheit. Höhere Gewinne gibt es nur bei höherem Risiko.
Um Weltwirtschaftskrisen in Zukunft zu vermeiden, müssen solche Stabilitätskriterien weltweit akzeptiert und eingehalten werden.


Wachstumskritik

Ist das Wirtschaftswachstum überhaupt wirklich immer positiv zu sehen?

Wirtschaftswachstum ist die prozentuale Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP), also der Summe aller Wirtschaftsleistungen, egal wie schädlich sie für Menschen, die Umwelt oder Arbeitsplätze sind.

Verkaufe ich einen Fernseher, der ein Menschenleben lang hält, geht das nur einmal ins BIP ein. Verkaufe ich aber einen, der nach einem Jahr kaputt geht, muss der Kunde sich jedes Jahr einen neuen kaufen, was immer wieder das BIP erhöht. Qualität ist also schlecht für das Wirtschaftswachstum. Obwohl dem Kunden der erste Fernseher sicher lieber wäre.

Katastrophen sind gut für das Wirtschaftswachstum, weil der Wiederaufbau das BIP erhöht.

Wenn ich mich verschulde, um etwas zu kaufen, steigert das auch das BIP, weil die Form der Finanzierung dabei nicht berücksichtigt wird. Es ist also kein Wunder, dass fast alle Länder, die nur das Wirtschaftswachstum im Auge haben, sich immer weiter verschulden. Und die angebliche Lösung, um die Verschuldung abzubauen, heißt dann immer weiteres Wachstum.

Freundschaft ist auch schlecht für das Wirtschaftswachstum: Wenn ich umziehen muss, und einige Freunde habe, die mir dabei helfen, geht es nicht ins BIP ein. Habe ich aber keine Freunde, muss ich einen kommerziellen Umzugsservice bezahlen, was den Geldumsatz und damit das BIP erhöht. Wirtschaftswachstums auch Freundschaften oder Freundschaftsdienste verbieten?


Da das Wirtschaftswachstum immer im Vergleich zum Vorjahr berechnet wird, wird bei einem konstant steigenden BIP das Wachstum immer kleiner, weil die Basis der Berechnung immer größer wird. Um ein konstantes Wirtschaftswachstum zu erreichen, wie es immer wieder gefordert wird, müsste das BIP absolut exponentiell steigen. Wäre jede Wirtschaftsleistung mit einem Ressourcenverbrauch verbunden (Produktion oder Transport), würde man unweigerlich irgendwann an die Grenze der auf diesem Planeten vorhandenen Elemente stoßen.

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Kenneth E. Boulding hat es auf den Punkt gebracht: "Jeder, der glaubt, dass exponentielles Wachstum für immer weitergehen kann in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom." Selbst einige Ökonomen haben allerdings dieses Problem erkannt. Darum versuchen sie einen immer größeren Teil der Wirtschaftsleistung auf immaterielle Produkte zu verlagern, z.B. Patente, Design, Labels, Finanztransaktionen, Spekulationen etc.

Aber kann es für immer gut gehen, immer mehr Geld für immer weniger reelle Gegenleistung auszugeben? Und ist das ein sinnvolles Modell für die zukünftige Entwicklung? Ist es nicht einfach Blödsinn, die Weiterentwicklung einer Gesellschaft nur danach zu beurteilen, dass sie immer mehr Geld ausgibt?

Zudem wird das Wirtschaftswachstum dadurch gesteigert, dass immer mehr Produkte und Leistungen privatisiert werden , die vorher als Gemeineigentum kostenlos waren. Das steigert zwar das BIP, verringert aber den allgemeinen Wohlstand, weil die Menschen dadurch zusätzliches Geld ausgeben müssen.

Spätestens wenn jeder Kubikmeter Atemluft privatisiert ist, wäre diese Wachstumsmöglichkeit auch vorbei. Muss es erst so weit kommen?

Wäre es nicht sinnvoller, statt nur auf ein Wirtschaftswachstum, auf eine Steigerung des allgemeinen Wohlstands abzuzielen?

 Wie die Graphik beweist, sind Wirtschaftswachstum und Wohlstand nicht immer identisch. Das Bild zeigt den in den USA entwickelten Index für soziale Gesundheit im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt (auf englisch Gross Domestic Product - GDP).

Darum müssen Vergleiche zwischen Ländern auf eine breitere Basis gesetzt werden, durch ganzheitlichere Vergleichswerte.

"Einen sinnvollen Begriff von 'Wohlstand' und 'Lebensqualität' zu entwickeln und zu operationalisieren, also Indikatoren-Bündel samt Berechnungsverfahren präzis zu definieren, bleibt daher die zentrale bisher unerledigte Aufgabe, um das BIP als ungeeigneten Indikator abzulösen."
Ein ökologisch nachhaltiges Wirtschaftswachstum dürfte höchstens logarithmisch sein, wobei die Kapazitätsgrenze höchstens bei der Regenerationsfähigkeit der natürlichen Ressourcen liegen dürfte.

Entwicklungsländer könnten dabei durchaus noch exponentiell wachsen, und Schwellenländer linear, bei entwickelten Ländern müsste aber die Wachstumsrate immer geringer werden. Was aber ja auch Sinn macht, da der dringende Bedarf irgendwann gedeckt ist.

Ungebändigte Kräfte des freien Marktes

Allen, die von den ungebändigten Kräften des freien Marktes schwärmen, empfehle ich die Ursachen für die große Weltwirtschaftskrise von 1929 nachzulesen. Damals haben genau diese ungezügelten Kräfte zusammen mit der kompromisslosen Gier einiger Mächtiger zu millionenfachem Hunger und Verzweiflung geführt.

Mittlerweile wird der rein spekulative Anteil der internationalen Geldflüsse immer größer. Die Zentralbanken der einzelnen Nationen haben immer weniger Möglichkeiten regulierend einzugreifen. Die Geldflüsse werden zu immer größeren Teilen von Hedge-Fond-Managern gesteuert, denen Geldwertstabilität völlig egal ist. Es kümmert sie nicht, wenn sie ganze Staaten in die Pleite führen, und damit tausende von Familien in die Armut stürzen, solange sie einige Milliarden Dollar damit erzielen können.

Die Asienkrise von 1997/98 war nur eine kleine Vorwarnung. Auch wenn deren Ursachen umstritten sind, wie fast alle wirtschaftlichen Zusammenhänge, tragen die wilden Spekulationen zumindest einen Teil der Schuld.

Diese Zustände führten zur weltweiten Wirtschaftskrise, weil die ausufernde Spekulation nicht eingedämmt wurde.

Paul Volcker, Vorgänger des US-Notenbankchefs Alan Greenspan, rechnete schon 2005 mit einer 75%igen Wahrscheinlichkeit für einen Dollar-Crash in den folgenden fünf Jahren. (DER SPIEGEL Nr.32/2005 S.86). Und der Dollar ist die Leitwährung, die alle Notenbanken zur Absicherung ihrer eigenen Währungen im Keller haben.

Dieser vorhergesagte und nicht - wie viele uns glauben machen wollen - völlig aus heiterem Himmel gekommene Crash ist dann schon Anfang 2008 eingetreten.

Weltweit versuchen professionelle Anleger ihr Geld möglichst gewinnbringend anzulegen, was aber immer nur zu neuen Spekulationsblasen geführt hat (jedoch keineswegs zu einer Einsicht).

Nach dem Zusammenbruch des "neuen Marktes" um die Jahrtausendwende, wurden wieder "sichere" Anlagemöglichkeiten gesucht. Diese wurden in Grundstücken gesehen. Das haben aber so viele gedacht, dass sich in den USA, Großbritannien, Irland und Spanien die Grundstückspreise in wenigen Jahren vervierfacht haben. Die realen Werte haben sich aber natürlich nicht verändert.
Hinzu kam der Versuch, über 'Innovative Finanzprodukte' Anlagerisiken dadurch zu verstecken, dass man sie auf viele Pakete verteilt. Dass dieses Verstecken die Anleger dazu verleitet, höhere Risiken einzugehen, hätte man sich eigentlich denken können.

Ein netter Cartoon (witzige Zeichnung über Alltagsereignisse, in etwa schon als Karikatur anzusehen) erklärt anschaulich, wieso es trotzdem passieren konnte (und dass das durchaus kriminell abgelaufen ist über Lügerei und Falschmeldungen, § 186 des Deutschen Strafgesetzbuches. Aber für die "Dogbert the Ceos", als Parteienfinanzierer gelten Strafgesetze nicht!).

Das gleiche Spiel läuft seit dem Immobilien-Crash mit Lebensmitteln und Energie-Ressourcen.

Eine Artikelserie beschreibt die kurze Geschichte der Weltwirtschaftskrise umfassend, allerdings nicht so kurz, wie es der Name verspricht.

Es gibt auf den Weltmärkten mehr Investitionskapital als sinnvolle Projekte. Und jede Privatisierung von Renten-, Arbeitslosen- oder anderen Versicherungen erhöht die Summe an Kapital auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten.

Nach Marktgesetzen müsste das eigentlich dazu führen, dass Investitionskapital verglichen mit Ideen, Kreativität und Arbeit an Wert verliert.

Im Widerspruch dazu, predigen Wirtschaftsberater und Investmentbanker immer noch, alle Unternehmensziele nur am Wohl der Investoren auszurichten, am Shareholder-Value. Kann das wirklich richtig sein, oder erzählen diese Leute das nur, weil sie damit mehr Geld verdienen?

Wirtschaftstheorien

Die jetzige Wirtschaftsordnung ist wesentlich auf den Theorien von Adam Smith (1776) aufgebaut, die wirtschaftliche Globalisierung basiert auf der Theorie des komparativen Kostenvorteils von David Ricardo (1817).

Nach Adam Smith wird das beste Ergebnis erzielt, wenn jeder versucht das Beste für sich selbst zu erreichen. Die ' unsichtbare Hand des Marktes ' sollte dann dafür sorgen, dass der Profit des Einzelnen automatisch auch zu einem Profit für die Gemeinschaft führt . Im 18 Jahrhundert mag das noch einen gewissen Sinn gemacht haben, weil die Profite auch wieder vor Ort angelegt werden mussten, im Zeitalter globaler Konzerne ist diese Vorstellung aber mindestens genauso unrealistisch, wie das Vertrauen in die Selbstlosigkeit der Menschen im Kommunistischen Manifest . Trotzdem behaupten immer noch die meisten Wirtschaftslenker, dass Wirtschaftswachstum automatisch zu Wohlstand für alle führen würde. Aus Unwissenheit? Oder einfach, weil sie persönlich von der bestehenden Wirtschaftsordnung profitieren?

Diese Theorie von Adam Smith wurde auch schon während des 2. Weltkriegs von John Nash widerlegt, der dafür 1994 den Nobelpreis für Wirtschaft erhielt. Nach Nash wird das beste Ergebnis erzielt, wenn jeder versucht das Beste für sich selbst und die Gemeinschaft zu erreichen. Und für die Gemeinschaft auch eigene Ziele etwas zurückschraubt. (Anschaulich erläutert im Film 'A beautiful mind'.) Der Versuch ein Nash-Geichgewicht* zu erreichen, hat schon bei vielen Verhandlungen zu einem für alle Parteien zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Könnte man das nicht auf die gesamte Wirtschaft ausweiten?

* Nash entwickelte eine Spieltheorie, die auch auf die Wirtschaft angewendet werden kann, bekannt als "Nash-Gleichgewicht", in dem die Erwartungen aller Spieler erfüllt werden. Ihre Strategiewahl ist optimal...

 Zu versuchen, Bedingungen zu schaffen, in denen alle Beteiligten gewinnen (Win-Win-Situation), ist wesentlich sinnvoller als alle erbarmungslos gegeneinander antreten zu lassen.Eine Wirtschaftsordnung, die auf Nashs Spieltheorie beruht, müsste also insgesamt mehr Wohlstand bringen , auch wenn die Stärksten nicht ganz so viel bekommen wie bei der gnadenlosen Konkurrenz.

Auch eine einzelne Firma wird wettbewerbsfähiger, wenn die Mitarbeiter sich für das Beste der Firma einsetzen, statt nur ihrer eigenen Karriere nachzujagen und dabei Kollegen (Konkurrenten um den Chefposten) zu verunglimpfen.

Ich bin auch überzeugt davon, dass viele Menschen motivierter arbeiten (und auch wählen) würden, wenn sie das Gefühl hätten, damit eine zukunftsfähigere Entwicklung zum Besten der Menschheit zu unterstützen.

Die Firmen-Manager sollten im Auge behalten, dass die Konkurrenz allein das Ziel hat, bessere und günstigere Produkte herzustellen, und nicht sich gegenseitig auszulöschen und vom Markt zu verdrängen. Es ist eine sanfte Konkurrenz, kein Überlebenskampf.

Dieses gemeinnützige Ziel des Wettbewerbs sollte jeder Manager berücksichtigen, und auch den BWL-Studenten beigebracht werden. Studenten der Wirtschaftswissenschaften sollten nicht nur Wettbewerbsregeln auswendig lernen, sondern auch über den Sinn des Wettbewerbs nachdenken.

Menschenbild

Das marktradikale Wirtschaftsmodell betrachtet den Menschen als 'Homo Ökonomikus'. Einem Wesen, das immer nur versucht, möglichst viel Gewinn zu machen, möglichst billig einzukaufen, und Karriere zu machen um jeden Preis.

Also jemandem der keine Freunde hat, und den eigentlich kein Mensch leiden kann. Wollen wir tatsächlich alle so werden? In der Psychologie werden solche Menschen als dissoziale Persönlichkeiten oder Soziopathen bezeichnet.

Leider begünstigt unser Wirtschaftsmodell aber gerade diesen Typ Mensch, und belohnt solch asoziales Verhalten. Dadurch nötigt es jeden, der etwas erreichen will, sich in diese Richtung zu entwickeln. Und wer annimmt, dass alle anderen Menschen nur egoistisch und profitgierig sind, wird sich genauso verhalten, um möglichst viel des Kuchens zu bekommen, bevor die anderen es ihm wegnehmen.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass sowohl unsere Wirtschaft als auch unsere Gesellschaft zusammenbrechen würden, wenn tatsächlich alle Menschen Homo Ökonomiki wären, und niemand mehr Rücksicht auf den anderen nehmen würde. Menschen sind viel mehr als Arbeits- und Konsum-Maschinen.

Auch viele Wirtschaftswissenschaftler geben zu, dass es den 'Homo Ökonomikus' in dieser Form nicht gibt. Da es aber noch nicht gelungen ist, ein Modell für den Menschen in all seiner Komplexität zu schaffen, basieren immer noch alle Wirtschaftstheorien auf dem 'Homo Ökonomikus'.

Und obwohl die meisten Wirtschaftswissenschaftler sich darüber im klaren sind, dass ihre Prognosen auf äußerst wackligen Beinen stehen, verkaufen einige von ihnen sie Politikern und Öffentlichkeit als unumstößliche Tatsachen.

Es wird höchste Zeit für ein Wirtschaftsmodell basierend auf dem Modell eines Menschen, der nicht nur an sich selbst, sondern auch an seine Mitmenschen und das Wohl der gesamten Menschheit denkt.
Dieses Wirtschaftsmodell würde dann die Karriere solcher Menschen fördern, und dadurch die Entwicklung zu diesem Menschenbild unterstützen.

Es wird höchste Zeit den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu bringen. Die Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Selbst Adam Smith war eigentlich Moralphilosoph, und hat versucht mit seinen Theorien den Wohlstand der ganzen Menschheit zu verbessern. Er selbst hat gesagt: "Der Kapitalismus funktioniert, solange all die individuellen Akte von Gewinnstreben und Eigennutz am Ende doch zum allgemeinen Wohl ausfallen."

Dabei ist er davon ausgegangen, dass die Gewinne auch wieder dort investiert werden, wo sie erwirtschaftet wurden. Zu seiner Zeit hat es auch weder Börsen noch eine grenzüberschreitende Wirtschaft gegeben. Wahrscheinlich würde er im Grab rotieren, wenn er wüsste wie seine Theorien der Liberalisierung der Märkte dazu benutzt werden soziale Strukturen, und damit Wohlstand für alle, abzubauen.

Der Liberalismus hat dabei ein ähnliches Problem wie der Sozialismus, dass sich trotz guter Absichten der Begründer sowohl im real existierenden Sozialismus als auch im real existierenden Liberalismus sehr wohl einige gravierende Nachteile gezeigt haben .

Eine umfassende Beschreibung der Probleme der aktuellen rein wirtschaftlichen Globalisierung findet sich >hier<.

Bei der aktuellen Weltwirtschaftsordnung wurde nicht viel mehr gemacht, als die Gesetze eines lokalen Bauernmarktes auf die gesamte Welt aufzublähen . Es wird höchste Zeit, dass die Wirtschaft die Komplexität der Welt und ihrer verschiedenen Kulturen, als auch die Begrenztheit der natürlichen Ressourcen berücksichtigt.

Ganzheitliche Lösungsvorschläge im Überblick

Im Folgenden werden mehrere Ansätze vorgestellt, die zur Lösung der angesprochenen Probleme beitragen könnten. In der Übersicht wären das:

Ganzheitliche Bewertungskriterien

Die Unterordnung der Staaten unter einen gemeinsamen Markt führt zu einem Wettbewerb darum, welcher Staat die besten Bedingungen für die Industrie schafft, was aber zum Abbau von Sozial- und Umweltregelungen führt. Industriepolitik ist allerdings nur einer der Punkte, die zu Wohlstand der Bevölkerung führen.

Ein Wettbewerb zwischen Staaten sollte daher nicht nur an der Wirtschaftskraft gemessen werden , sondern auch an der Gesundheit der Bevölkerung, Kindersterblichkeit, gesunder Umwelt, Kultureller Möglichkeiten, freier Entwicklungsmöglichkeiten jeder Person, sowie der Spanne der Einkommensunterschiede.

Insgesamt sollte der Systemwettbewerb also darum gehen, wo es den Menschen am besten geht , und wo sie am glücklichsten leben können.

Wirtschaftswachstum, Bruttoinlandsprodukt (BIP) oder Bruttosozialprodukt (BSP) sind nicht in der Lage den Wohlstand der Bevölkerung eines Staates darzustellen, darum sollten sich Vergleiche zwischen Staaten beuspielsweise an dem Genuine Progress Indicator (GPI) orientieren, der auch Faktoren wie Ressourcenbestand, Umweltverschmutzung, Freizeit, Gesundheit, Kriminalität, Verteilungsgerechtigkeit, Arbeitslosigkeit sowie unbezahlte Arbeit in Ehrenamt und Haushalt berücksichtigt.

Das Bild zeigt den Vergleich zwischen GPI und Bruttoinlandsprodukt (engl. Gross Domestic Product - GDP).

Entsprechend sollten Firmen-Manager nicht nur nach dem Aktienkurs bewertet und bezahlt werden, sondern nach einer Kombination von Indize, die das Gesamtwohl der Firma repräsentieren. Neben Aktienkurs also auch Kundenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit, Fluktuationsrate der Mitarbeiter oder Zukunftsfähigkeit der Firma. Welche Werte dabei wie gewichtet werden, ist natürlich branchenabhängig.

Als ersten Schritt sollten alle Firmen ab einer bestimmten Größe dazu verpflichtet werden, Nachhaltigkeitsberichte nach der internationalen Norm G3 der Global Reporting Initiative (GRI) zu erstellen. Für mittelständische Unternehmen gibt es das weniger aufwendige High5!-Handbuch, das 2007 an die G3-Richtlinien angepasst wird.

Eine Ausrichtung auf Wachstum an Lebensqualität statt Wirtschaftswachstum würde nicht nur einen besseren Vergleich der Staaten ermöglichen, sondern würde auch bei gleichbleibender Wirtschaftsleistung anzeigen, wenn Fortschritte beim Ressourcenverbrauch, der Gesundheitsversorgung oder dem sozialen Frieden erzielt werden.

Wenn heute Politiker und Wirtschaftsexperten von "Wachstum" sprechen, verbirgt sich dahinter aber leider immer nur Wirtschaftswachstum.

Regulierung des Wettbewerbs

Die Grundidee der Liberalisierung der globalen Wirtschaft und das Verbot aller Zölle sollte zu einem Ausgleich zwischen den Staaten und Wohlstand für alle führen. Die Daten der Wirtschaftsentwicklungen der letzten 20 Jahre zeigen aber das Gegenteil: sowohl interstaatlich als auch innerhalb der Staaten wird die Schere zwischen Reichen und Armen immer größer. Und diese Entwicklung wird sich fortsetzen, wenn die neoliberale Ausrichtung der Wirtschaft beibehalten wird.

Das kommt nicht von einer großen Verschwörung, sondern einfach daher, dass jeder nur versucht das beste für sich selbst zu erreichen.  Und die (einfluss-)reichen Gruppen haben eben die größere Macht, Vorteile für sich selbst herauszuschlagen.

Darum kann ein liberaler Freihandel nur dann zu Wohlstand für alle führen, wenn alle beteiligten Gruppen in etwa gleich mächtig sind, und es auch bleiben.

Bis dahin muss ein künstlicher Ausgleich geschaffen werden, der nicht alle (Staaten und Menschen) gleich macht, aber allen die Möglichkeit gibt, ihre Situation durch Anstrengung und Arbeit zu verbessern.

Das wird aber nicht passieren, wenn man die Marktwirtschaft immer weiter liberalisiert, und ihr freien Lauf lässt.

Um die Unterschiede zwischen armen und reichen Ländern zu reduzieren, sollten nicht einfach nur alle Zölle abgebaut werden, sondern die ärmeren Länder sollten Unterstützung bekommen, um funktionierende lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, so dass nur Produkte, die lokal nicht hergestellt werden (können), importiert werden müssen.

Letzten Endes führt ein völlig unkontrollierter Wettbewerb dazu, dass nur der Stärkste überlebt , und alle anderen zugrunde gehen. Dieser Monopolist kann dann die Preise grenzenlos erhöhen.

Die Verehrer der völlig freien und unregulierten Marktwirtschaft wehren sich zwar mit allen Mitteln gegen jede öffentliche Beeinflussung des Wettbewerbs, aber nicht nur staatliche Eingriffe können den Wettbewerb verhindern, sondern auch die Marktwirtschaft selbst kann die Wettbewerbsstrukturen außer Kraft setzten, wenn ein Wettbewerber zu mächtig wird (Monopolisierung), oder wenige führende Wettbewerber sich absprechen (Bildung von Oligopolen).

Zurzeit haben wir in vielen Bereichen schon weltweite Oligopole (Marktbeherrschung durch wenige Firmen). Je weniger Konkurrenten es gibt, um so leichter ist es aber auch schon, Preisabsprachen zu führen. Diese sind zwar illegal, aber wenn die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden nur gering ist, und die drohenden Geldbußen die möglichen Gewinne nicht weit übertreffen, finden sich immer Firmen, die es tun. Die immer mal wieder aufgedeckten Fälle illegaler Preisabsprachen sind wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs.

Dass die Situation der Monopolisierung zum Wohl Aller verhindert werden muss, haben auch die Ökonomen nach der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren eingesehen, und Kartellämter ins Leben gerufen.

Die Kartellämter können allerdings erst eingreifen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, und eine Firma ein Monopol hat. Sie können zwar auch Zusammenschlüsse zu einem Monopol verhindern, wenn eine Firma aber durch Wachstum ein Monopol erringt, kann das Kartellamt erst einschreiten, wenn das Monopol missbraucht wird.

Eine Verbesserung der Gesamtsituation durch freien Wettbewerb funktioniert aber nur unter gewissen Randbedingungen:

mindestens zwei Unternehmen müssen konkurrieren
die Unternehmen müssen konkurrenzfähig sein, also vergleichbar mächtig
die Leistungen der Produkte müssen vergleichbar und Informationen darüber für alle frei zugänglich sein

Für den letzten Punkt bietet das Internet die besten Möglichkeiten, die es bisher in der Geschichte gab. Diese neuen Möglichkeiten müssen nur richtig genutzt werden.

Die für die Allgemeinheit beste Wettbewerbssituation ist eine Konkurrenz vieler etwa gleich starker Firmen . Je mehr Wettbewerber es gibt, umso größer der Anreiz für die Firmen innovativ zu sein. Und je mehr Firmen konkurrieren, um so mehr Mitarbeiter sind beschäftigt, können Steuern und Sozialabgaben zahlen, und damit auch das allgemeine Niveau des Sozialstaats heben. 10 konkurrierende Firmen benötigen auch 5 mal mehr Mitarbeiter, als ein Oligopol aus 2 Firmen.

Die Kartellämter sollten also gestärkt werden, um laufend für einen fairen Wettbewerb sorgen zu können.

Ähnlich wie es die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation in Deutschland oder die Kontrollbehörden für elektrischen Strom in vielen EU-Staaten für diese speziellen Sektoren heute schon tut.

Diese Wettbewerbswächter müssten viel mehr Einflussmöglichkeiten haben als die Kartellämter heute, und auch Preisspannen festlegen dürfen, und Firmen zur Veröffentlichung interner Daten zwingen können. Dabei muss ihre einzige Zielsetzung die Ermöglichung eines breiten, fairen Wettbewerbs sein.

Wenn dadurch in jedem Bereich mehr Firmen konkurrieren als heute, brauchen diese auch mehr Angestellte. Die Anzahl der Firmen wird sich duch die Begrenzung der Verfügbarkeit an Mitarbeitern selbst regulieren. Mitarbeiter werden aber zu einem kostbaren Gut, um das die Firmen konkurrieren, indem sie ihnen bessere Arbeitsbedingungen bieten.

Durch Wettbewerbswächter müssten auch die Firmen nicht mehr um ihr Überleben kämpfen, sondern die Konkurrenz würde nur für die Motivation sorgen, die Produkte laufend zu verbessern. Der Wettbewerb müsste dann nicht mehr mit Mitteln der Kriegsführung erfolgen, sondern könnte wie ein sportlicher Wettkampf mit fairen Mitteln unter klaren Regeln durchgeführt werden. Wer den Konkurrenzkampf wie einen Krieg sieht, den man mit allen Mitteln gewinnen muss, sollte sich in Erinnerung rufen, dass die Konkurrenz den alleinigen Zweck hat, immer bessere und günstigere Produkte zu erzeugen, also dem Wohl aller Menschen dienen soll.

Parallel dazu müssen alle Firmen zur Einhaltung einer Corporate Social Responsibility (CSR) verpflichtet werden. Es könnte ein CSR-Level für die Produktkette entwickelt werden, das der breiten Öffentlichkeit verlässliche Informationen über das Verhalten bestimmter Unternehmen liefert. Zu den möglichen Beurteilungskriterien gehören u.a. ILO-Arbeitsstandards, die UN-Charta für Menschenrechte, Kriterien zu Korruption, Fair-Trade-Grundsätze und Umweltnormen.

Anstatt Regulierungsbehörden wäre zwar zu bevorzugen, wenn es eine Wirtschaftsordnung gäbe, die sich selbst reguliert und nicht zur Monopolisierung neigt, wie es auf der Attac-Seite zur Konzernentmachtung gefordert wird. Aber leider habe ich noch niemanden finden können, der wirklich erklären könnte wie diese Wirtschaftsordnung funktionieren soll.

Regulierung der Kapitalmärkte

Besteuerung von Aktien- und Devisenhandel (Tobin-Tax) zur Stabilisierung der Wirtschaft und Ermöglichung langfristiger Planung. Denn zurzeit werden für jeden Dollar, der für einen reellen Wert gezahlt wird, 6 Dollar rein spekulativ ohne materiellen Hintergrund an den Weltbörsen gehandelt. Die Auswirkungen von Störungen in diesem System kann niemand mehr überblicken.

Sinnvolle Maßnahmen zur Stabilisierung der ausufernden Finanzspekulationen finden sich im Maßnahmenkatalog, den Attacs aus elf europäischen Ländern erarbeitet haben, um die Krisenanfälligkeit der Finanzmärkte zu reduzieren und die Dominanz der Finanzmärkte über die Realwirtschaft zu brechen.


Ein sich daraus ergebendes Zukunfts-Szenario könnte etwa so aussehen:

Die Verantwortlichen in IWF und WTO sehen aufgrund der Krise ein, dass eine Verpflichtung der Kreditnehmer allein auf Exportorientierung nicht nur Wachstumschancen sondern auch Risiken birgt, und ändert ihre Strategie auf eine Bevorzugung regionaler Wirtschaftskreisläufe, wie sie auch ökologisch sinnvoller ist.
Hochspekulative Finanzinstrumente ohne gesellschaftlichen Nutzen werden weltweit verboten oder stark eingeschränkt.
Es werden globale Steuern auf Finanztransaktionen erlassen, die kurzfristige Spekulationen unrentabel machen, höhere Einkommen stärker belasten, und deren Einkommen zur Reduzierung der Besteuerung von Arbeitsleistung verwendet wird. Dadurch wird der Abbau der Arbeitsplätze in der Rezession gebremst.
Kapitalflucht in Steueroasen wird durch internationale (Mindest-)Standards reduziert.
Ökologische und soziale Kriterien werden in die Preisgestaltung einbezogen, wie es u.a. die Erdcharta des UN-Umweltprogramms UNEP fordert. Beispielsweise werden Produkte aus Ländern oder von Produzenten, die die Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) nicht erfüllen, mit Zöllen belegt.
Der Konsumwahn hat ein Ende, und die Mehrheit der Verbraucher orientiert sich an nachhaltigeren Produkten. Einige aus Einsicht in den ökologischen und sozialen Sinn, die Mehrheit nur aus ökonomischer Notwendigkeit.
Das Wirtschaftswachstum wird nie wieder so hoch wie in den letzten Jahren, dafür aber auch der Absturz nach dem nächsten Crash nicht so tief. Die Konjunkturzyklen werden gedämpft, die politischen Ziele verschieben sich auf die Verbesserung von Indize wie Human Development Index (HDI) oder Genuine Progress Indicator (GPI), bei denen die Wirtschaftsleistung nur einer von mehreren Indikatoren ist.
Soziale Notlagen werden durch verschiedene Grundeinkommens-Modelle in mehreren Ländern verhindert, die sich mit der Zeit durch praktische Erfahrungswerte aneinander anpassen.

Bevorzugung lokaler Wirtschaftskreisläufe

Beim Handel müssten wieder lokale Kreisläufe bevorzugt werden. Produkte, die in der eigenen Region erzeugt werden, sollten bevorzugt gekauft werden. Nur was es in der Region nicht gibt, wird aus dem nächstgrößeren Gebiet (Region, Bundesland, Land, Kontinent, Welt) gekauft (Prinzip der Subsidiarität). Das könnte durch festgelegte, einheitliche Abstufungen der Mehrwertsteuer erreicht werden. Z.B. +5% auf Produkte aus einer anderen Region, +10% aus einem anderen Bundesland, +15% aus dem gleichen Land, +20% aus einem anderen Land der Wirtschaftsgemeinschaft, +25% aus anderen Ländern des gleichen Kontinents, und +30% für Produkte aus Ländern von anderen Kontinenten. Alle willkürlichen Zölle und Subventionen sollten aber aufgehoben werden (in diesem Punkt bin ich mit den Neoliberalen einer Meinung). Diese prinzipielle Bevorzugung lokaler Wirtschaftskreisläufe würde verhindern, dass z.B. eine Kuh aus Deutschland nach Polen zum Schlachten gefahren wird, um ihr Schnitzel dann in Paris zu verkaufen, obwohl es auch in der Nähe einen Schlachter und Metzger gibt.

Auch beim Systemdesign für Computer achtet man darauf, dass man Module so aufteilt, dass sie den Großteil ihres Datenaustausches intern bewältigen und die Schnittstellen zu anderen Modulen so klein wie möglich sind. Nur dann wird ein System effizient, schnell und verbraucht wenig Energie. Die Kriterien, nach denen die 'richtige' Zuständigkeit ermittelt wird, entsprechen bei der Subsidiarität denen beim objektorientierten Systementwurf.

Dieses Konzept gibt es in den meisten Gebieten der Wissenschaft: In der Systemtheorie heißt es modularer Aufbau, beim Software-Design Objekt-Orientierung, in der Politik Subsidiaritätsprinzip. Auch in der Biologie haben diejenigen Pflanzen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit, die ihre Energieversorgung über möglichst kurze Wege bewerkstelligen können, also energieeffizient aufgebaut sind.

Nur in der Wirtschaft ist man der Meinung, dass es sinnvoller ist, die Prinzipien eines dörflichen Bauernmarktes einfach nur auf die ganze Welt hochzuskalieren.

Mit der Modularisierung ist allerdings keine funktionale Aufteilung gemeint, also in einer Art wie ' Deutschland entwirft Autos ', ' Indien macht Software ', ' China wird die Fabrik der Welt '. Das wäre eine Aufteilung, wie sie sich nach dem gängigen Wirtschaftsmodell des komparativen Kostenvorteils ergibt. Das Modell der funktionalen Programmierung hat es in der Informatik auch gegeben. Dort hat es sich aber als sinnvoller ergeben, nicht nur die Funktionen, sondern auch die Daten zu modularisieren und als Objekte möglichst eigenständig zu machen . Diesen Wechsel von der funktionalen zur objektorientierten Arbeitsweise müssen wir in der Weltwirtschaft auch vollziehen.

Übertragen auf die Wirtschaft würde das bedeuten, kleineren Wirtschaftsregionen eine möglichst große Eigenständigkeit zu ermöglichen, statt alles Wirtschaften auf den Weltmarkt auszurichten .

Eine Bevorzugung lokaler Kreisläufe wäre auch kein Rückfall in den Protektionismus , weil nicht gezielt unerwünschte Produkte blockiert oder verteuert werden, sondern allgemein auf verbrauchsnahe Produktion Wert gelegt würde. Diese Lokalitätspriorität könnte jedes Land realisieren, ohne dass es zu Handelskriegen kommt . Die Höhe der Besteuerung könnte sich von selbst einpendeln, weil ja auch erwünschte Importe von Waren, die es intern nicht gibt, von hohen Steuern betroffen wären.

Diese  Lokalitätspriorität wäre vielmehr eine Art Synthese oder goldener Mittelweg zwischen Protektionismus und völlig unkontrolliertem Freihandel , der die Nachteile beider Extreme vermeiden würde. Wie sich das System auswirkt, hängt dabei völlig von den einstellbaren Sätzen ab. Es ließe sich damit paraktisch jeder Zustand zwischen Freiwirtschaft (gleich hohe Sätze für alle Entfernungen) und Abschottung (1000% auf alles aus dem Ausland) einstellen. Klassischer Protektionismus wäre aber nicht möglich, weil sich weder ein bestimmtes Produkt, noch eine Firma, noch ein Land gezielt angreifen ließen.

Diese Abgaben sollen natürlich nicht den weltweiten Handel verhindern, sondern sie könnten zu einer Dezentralisierung und Streuung der Produktionsstätten führen, weil es dann wirtschaftlich günstiger wäre, nahe am Verbraucher zu produzieren. Diese Dezentralisierung der Produktion würde weltweit verstreut Arbeitsplätze schaffen, und wäre auch aus Sicherheitsgründen sinnvoller. Vor einigen Jahren wäre die Produktion von Mikrochips fast zum Erliegen gekommen, weil Erdbeben die weltweit einzigen, wenigen Fabriken in Südostasien stark beschädigt hatten.

Walden Bello nennt dieses Vorgehen 'Entglobalisierung' oder 'Deglobalisierung' (engl. ' De-Globalization '). >Hier< der Bericht des "International Forum on Globalization": Eine bessere Welt ist möglich! Alternativen zur ökonomischen Globalisierung (PDF-Datei von 25 Seiten).

Das Prinzip der Förderung lokaler Kreislaufwirtschaft wurde auch schon für Maßnahmen der Agenda21 als sinnvoll anerkannt.

Eine andere Möglichkeit, eine Lokalitätspriorität einzuführen , wäre eine erhebliche Verteuerung der Transporte . Würden die Transportkosten einen erheblichen Teil der Preise ausmachen, würde das auch zu einem Vorteil lokaler Produktionen führen.

Die Verteuerung des Erdöls durch die rasant gestiegene Nachfrage in China und die höheren Kosten für die Erschließung der verbliebenen Lagerstätten könnte von selbst zu diesem Effekt führen. Allerdings befürchte ich, dass es eher zu harten Auseinandersetzungen um die letzten Felder kommen wird, als dass sich die Wirtschaft auf verbrauchsnahe Produktion umstellt. Eine abrupte Erhöhung der Transportkosten mit dem expliziten Ziel der Modularisierung könnte durch eine Anrechnung der ökologischen Schäden der Transporte erfolgen.

Ökologische und soziale Beeinflussung der Preise

Die Kosten, die den Gemeinschaften aus dem Ressourcenverbrauch und der Umweltzerstörung der Firmen entstehen, sollten an diese in Form von Steuern weitergegeben werden. Zum Ausgleich sollten die Lohnsteuern gesenkt werden. Das führt dazu, dass es für eine Firma zur Kostensenkung rentabler ist den Ressourcenverbrauch oder den Schadstoffausstoß zu senken, als Mitarbeiter zu entlassen.

Der CO2-Handel durch das Kyoto-Protokoll ist ein Anfang. Staatengemeinschaften wie die Europäische Union müssen gemeinsame ökologische und soziale (Mindest-)Regeln aufstellen, und Zölle auf externe Produkte erheben, die die ökologischen, sozialen oder andere Regeln der Gemeinschaften nicht einhalten . Z.B. durch Kinderarbeit hergestellte Waren, Produkte aus undemokratischen Ländern oder Waren für die die Regenwälder oder andere ökologisch wichtige Ressourcen zerstört werden.

Dazu müssen einheitliche Bewertungen der ökologischen und sozialen Mängel aufgestellt werden, und eine Kennzeichnungspflicht für diese Produkte verabschiedet werden. Die Kennzeichnung sollte möglichst leicht verständlich sein, z.B. rot, gelb, grün für Umweltschutz und soziale Bedingungen, oder ein einfaches Punktesystem.

Diese Zölle müssen so hoch sein, dass diese Produkte teurer werden als 'saubere' Produkte.

Dadurch würde auch die Forderung der Erdcharta (>hier<) erfüllt, dass die ökologischen und sozialen Kosten von Gütern und Dienstleistungen in den Verkaufspreis einbezogen werden.

Die sozialen Regeln können sich in einem Prozentsatz des Bruttoinlandsprodukts des Erzeugerlandes für die Löhne manifestieren ( Sozialquote).

Dadurch bleibt der Wettbewerb zwischen den Ländern mit einem Vorteil für die demokratischen ärmeren erhalten, verhindert aber Lohndumping und Raubbau an der Natur in den Entwicklungsländern. Steigt dann durch den Preisvorteil das BSP des Landes, steigen auch die Löhne entsprechend, was zu einem langfristigen Gleichgewicht der Weltökonomie führt.

Von einer sofortigen Abschaffung aller Zölle profitieren nur diejenigen (Menschen und Firmen), die jetzt schon am reichsten und mächtigsten sind , und ihre Interessen am besten durchsetzen können. Die Mehrheit der Bevölkerungen wird aber auf das Niveau der ärmsten Staaten gedrückt.

Darum müssen alle Freihandelsabkommen (WTO, GATS und TRIPS) so schnell wie möglich dahingehend geändert oder gekündigt werden. Insgesamt sollten die Preise also nach den Kriterien Lokalität, Umweltverträglichkeit und soziale Produktionsbedingungen beeinflusst , alle willkürlichen, vereinzelten Subventionen und Zölle aber gestrichen werden.

Durch diese Änderungen würden allerdings die Preise fast aller Produkte teilweise stark ansteigen.

Absicherung der Lebensgrundlage aller Menschen

Die Einnahmen aus den vorhergehend geforderten Zöllen könnten jedoch durch die Auszahlung eines Grundeinkommens in Höhe des (auf Grund der höheren Preise neu berechneten) Sozialhilfesatzes wieder an alle Bürger zurückgegeben werden, die die erhöhten Preise damit ausgleichen könnten.

Alle Bürger würden dieses Geld zusätzlich zu ihren Einkünften bekommen.

Bei Arbeitslosen würde dieses Geld die Sozialhilfe ersetzen, müsste aber nicht aufwändig beantragt und verwaltet werden. Und jeder Lohn, ist er auch noch so klein, würde diesen Basissatz erhöhen. Löhne die niedriger als die Sozialhilfe sind, werden dadurch unmöglich, obwohl die Arbeitgeber für geringfügige Arbeit auch nur noch wenig 'dazuzahlen' müssen.

Dieses Grundeinkommen bleibt frei von Steuern und Abgaben, und erfüllt dadurch automatisch die Forderung des deutschen Bundesverfassungsgerichts nach Abgabenfreiheit des Existenzminimums.

Das ganze ist natürlich kein Nullsummenspiel, denn das Grundeinkommen ist für alle gleich hoch. Durch die Zölle werden diejenigen Bürger stärker belastet, die teurere Produkte kaufen und Produkte aus größerer Entfernung bevorzugen. Aber das ist ja der Sinn der Sache.

Die heimische Industrie würde durch die Umweltabgaben beim Export stärker belastet, hätte zum Ausgleich aber Vorteile beim inländischen Absatz durch die Lokalisierungsabgaben.

Brasilien arbeitet daran, von 2005 bis 2010 ein Grundeinkommen schrittweise einzuführen.

In Deutschland gibt es verschiedene Vorschläge für ein bedingungsloses Grundeinkommen:
Von konservativ, über anthroposophisch (Götz Werner), links (Netzwerk Grundeinkommen), bis links-utopisch und Vorschlag der global Society.

Demokratisierung der Wirtschaft

Firmen müssten dazu verpflichtet werden, außer ihre eigenen auch die Interessen der Allgemeinheit zu berücksichtigen, und sollten bei Verstoß auch angemessen bestraft werden können.

Natürlich sind die Firmen ihren Anlegern gegenüber verpflichtet, möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Damit sich der Einsatz zum Wohl der Allgemeinheit auch finanziell lohnt, könnten regelmäßig Geldpreise an die Firmen vergeben werden, die sich für das Allgemeinwohl eingesetzt haben. Die Beträge sollten in der gleichen Größenordnung wie die Gewinne der Firmen sein. Die Preisträger könnten direkt von der Bevölkerung z.B. über das Internet bestimmt werden.

Innerhalb von Firmen sollte mehr Vertrauen in die Selbständigkeit der Mitarbeiter gelegt werden, und eine Beteiligung der Mitarbeiter am Erfolg der Firma stattfinden. Wie schon von Hewlett, Packard oder Robert Bosch erdacht.

Abgabe von Firmenaktien an die Mitarbeiter. Nur Aktien der Mitarbeiter sind stimmberechtigt. Aktien von externen Investoren sind reine Geldanlagen für Dividenden ohne Stimmrecht. Dadurch finden Übernahmen nur statt, wenn die Mitarbeiter beider Firmen damit einverstanden sind. Die Entwicklung einer Firma wird besser kalkulierbar, weil sie nur vom Vorstand und den Mitarbeitern abhängt, und nicht mehr von vielen externen Investoren, deren Verbindungen und Verpflichtungen teilweise unbekannt sind.

Vorgesetzte könnten aus der Gruppe der Mitarbeiter selbst gewählt werden, statt von oben bestimmt. Sie wären Entscheider statt Chefs. Das Preinzip der Alleinentscheider sollte möglichst zugunsten eines Gremiums aus mindestens 3 Personen umgestellt werden (siehe >hier< die Konsequenzen der "Milgram"-Experimente).

Ein solcher Entscheider wird von allen Wahlberechtigten für einen limitierten Zeitraum gewählt, hat aber keine alleinige Gewalt, sondern spielt nur das Zünglein an der Waage. Langfristige Entscheidungen werden mehrheitlich von allen Wahlberechtigten gefällt. Nur wenn das Abstimmungsergebnis nicht eindeutig ist, gibt der Entscheider den Ausschlag. Außerdem ist der Entscheider für alle kurzfristigen Angelegenheiten zuständig, die keine Zeit für eine Abstimmung erlauben. Er kann aber jederzeit von der Mehrheit der Wähler abgewählt werden, wenn er seine Aufgaben nicht zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllt.

Unterstützung der Gründung von Genossenschaften , in denen die Mitarbeiter auch die Besitzer sind, und ähnlicher Formen der Sozialwirtschaft. Wird z.B. in Italien schon gemacht.

Es gibt auch heute schon Firmen, die sich dem globalen Wettbewerb entziehen, und trotzdem sehr erfolgreich sind:

Bosch kann nicht aufgekauft werden, weil über 50% der Firma für alle Ewigkeit der Bosch-Stiftung gehören.
Zeiss gehört komplett der Carl-Zeiss-Stiftung, auch wenn es seit 2003 eine AG ist.
Der Ökostrom-Anbieter Greenpeace-Energy ist eine Genossenschaft, die allen Kunden gehört.
Der Bund Solardach ist eine sehr erfolgreiche Genossenschaft, bestehend aus vielen kleinen lokalen Unternehmern.

 Zugegeben, Firmen die nicht aufgekauft werden können, locken auch weniger Investoren an. Aber ist die Sicherheit das nicht wert? Die Verbreitung westlicher Konzerne in Entwicklungsländer ist nicht schlecht, wenn diese nach Erdcharta-Kriterien handeln (lokale Kultur respektieren, keine Korruption unterstützen). Wirtschaft braucht stabile politische Verhältnisse, und kann dadurch zur Entwicklung der Region beitragen.

Der Wettbewerb muss aber mit fairen Mitteln ausgetragen werden, nur dann setzt sich wirklich das beste Produkt / die beste Firma durch, und nicht die skrupelloseste. Jeder Staat und interstaatliche Verträge müssen Bestechung, Industriespionage und Kreuzsubventionen hart bestrafen.

Vergleichswerte über die Konkurrenzprodukte müssen allen offen zur Verfügung stehen, um einen gleichberechtigten Wettbewerb zu ermöglichen. Privatisierung öffentlicher Aufgaben kann prinzipiell nur dort sinnvoll sein, wo Konkurrenz besteht oder geschaffen werden kann , und diese die Preise und Leistungen regelt. Bei der Privatisierung z.B. von Wasserwerken wird nur ein öffentliches durch ein privates Monopol ersetzt.

Auf der anderen Seite sollten aber auch die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst nach Leistung bezahlt werden, und nicht nur nach Lebensalter. Beispielsweise wenn es ihnen gelingt die Wasserqualität zu verbessern.

Dabei müssen Möglichkeiten geschaffen werden, wie die Bürger den öffentlichen Angestellten "auf die Füße treten" können. Die in Deutschland noch aus wilhelminischer Zeit bestehenden Beamten-Privilegien sind meiner Meinung nach von den Wirtschaftsliberalen zu Recht angegriffen worden. Allerdings sollten sie nicht durch wirtschaftliches Konkurrenzdenken, sondern durch demokratischen Einfluss ersetzt werden.


Ist zu überarbeiten...