Ahlener Programm

>Hier<  zu einem Kommentar

mit etwas über den deutschen

Nachkriegskanzler L. Erhard,

vor allem über Staatsschulden

>Hier< "wirtschaftspolitische

Leitsätze der AG der CDU"

(die Düsseldorfer Leitsätze).


 

Am 3. Februar 1947 verabschiedete der Zonenausschuß der CDU (Christlich Demokratischen Union) der britischen Zone das Ahlener Programm, mit dem die Union nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus eine grundlegende soziale und wirtschaftliche Neuordnung anstrebte. Aus der programmatischen Diskussion der folgenden zwei Jahre gingen am 15. Juli 1949 die Düsseldorfer Leitsätze der Arbeitsgemeinschaft von CDU und CSU hervor, die zugleich Neuansatz und organische Weiterentwicklung des Ahlener Programms sind.

 


>Hier< Klaus Gotto: "Das Ahlener Programm und die Düsseldorfer Leitsätze" mit

Stellungnahme (und Adresse) der Konrad-Adenauaer-Stiftung (http://www.kas.de)


 

Der Wortlaut des Ahlener Programms:

Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr als das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.

In dieser Erkenntnis hat das Parteiprogramm der CDU vom März 1946 folgende Grundsätze aufgestellt:
 

Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes.

Die Wirtschaft hat der Entfaltung der schaffenden Kräfte des Menschen und der Gemeinschaft zu dienen. Ausgangspunkt aller Wirtschaft ist die Anerkennung der Persönlichkeit. Freiheit der Person auf wirtschaftlichem und Freiheit auf politischem Gebiet hängen eng zusammen. Die Gestaltung und Führung der Wirtschaft darf dem Einzelnen nicht die Freiheit seiner Person nehmen. Daher ist notwendig:
Stärkung der wirtschaftlichen Stellung und Freiheit des Einzelnen; Verhinderung der Zusammenballung wirtschaftlicher Kräfte in der Hand von Einzelpersonen, von Gesellschaften, privaten oder öffentlichen Organisationen, durch die die wirtschaftliche oder politische Freiheit gefährdet werden könnte. Kohle ist das entscheidende Produkt der gesamten deutschen Volkswirtschaft. Wir fordern die Vergesellschaftung der Bergwerke.

In Verfolg dieser Grundsätze ist nunmehr von der CDU folgendes Programm für die Neuordnung der Wirtschaft beschlossen worden.
 

I. Die deutsche industrielle Wirtschaft in der Vergangenheit

1. Die deutsche industrielle Wirtschaft war technisch und wissenschaftlich in der Zeit von 1918 bis 1945 im allgemeinen auf der Höhe. Sie konnte jeden Vergleich mit der Wirtschaft anderer Länder nach dieser Richtung aushalten. Das gilt auch vom Bergbau. Den klarsten Beweis für die technische und wissenschaftliche Höhe der deutschen Industrie liefern die Erklärungen ausländischer Staatsmänner und Zeitungen über den ungeheuren Wert der von ihnen beschlagnahmten deutschen Patente und Geheimverfahren. Sie erklären, dass die deutsche Wissenschaft, Technik und Industrie in vielen Beziehungen voraus gewesen sei.

2. Das Verhältnis zwischen der deutschen industriellen Wirtschaft und dem Staate, der Gesamtheit des Volkes und dem einzelnen Arbeitnehmer zeigte in vieler Hinsicht schwere Mängel. Es darf auch hier nicht verkannt werden, dass in Deutschland, ehe es 1933 zum getarnten Staatssozialismus überging, erhebliche Teile der industriellen Wirtschaft in Gemeinbesitz waren: Bahnen fast restlos, einschließlich der Kleinbahnen und Straßenbahnen, Post, Telegraf, Rundfunk, Gas- und Wasserversorgung, der größte Teil der Erzeugnisse elektrischer Kraft, ein erheblicher Teil des Bergbaus in der britischen Zone, der Saarbergbau ganz.

Auch das Genossenschaftswesen war in Deutschland auf allen Gebieten einschließlich dem des Geldwesens sehr stark entwickelt. Auf dem Gebiete des Geld- und Bankwesens war der gemeinwirtschaftliche Einfluss durch Reichsbank, Staatsbanken, Giroverbände der Sparkassen, Landesbanken, Sparkassen sehr groß. Dasselbe gilt vom Versicherungswesen durch die staatlichen und provinziellen Versicherungen.

Aber auf den wichtigsten Gebieten des Bergbaus und der Schlüsselindustrie waren schwere Schäden vorhanden. Die Zeit vor 1933 hat zu große Zusammenballungen industrieller Unternehmungen gebracht. Diese bekamen dadurch einen monopolartigen Charakter. Sie wurden für die Öffentlichkeit undurchsichtig und unkontrollierbar. Wenn der Aktienbesitz der großen industriellen Unternehmungen, abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie z.B. Krupp, auch stark gestreut war, so wurde doch die Zusammensetzung des Aufsichtsrats und Vorstandes infolge der Vertretung der zahlreichen Aktionäre durch wenige Banken von einem verhältnismäßig kleinen Kreis von Personen bestimmt. Die zu dem engen Kreis der Vertreter der Großbanken und der großen industriellen Unternehmungen gehörigen Personen hatten infolgedessen eine zu große wirtschaftliche und damit zu große politische Macht.

Das Verhältnis des Arbeitnehmers zu seinem Betrieb war vor 1933 im Beginn einer die Interessen des Arbeitnehmers berücksichtigenden Entwicklung. Diese Entwicklung war aber 1933 noch nicht zu einem befriedigenden Abschluss gelangt. Während der Jahre 1933 bis 1945 waren auch die größeren industriellen Unternehmungen der Sache nach, wenn auch nicht dem Namen nach, Staatsbetriebe. Der nationalsozialistische Staat nahm sich das Recht, jede leitende Persönlichkeit, wenn sie ihm politisch oder wirtschaftlich widerstrebte, ohne weiteres zu entfernen; er vergab Aufträge, er verteilte dementsprechend die Rohstoffe, die Arbeitskräfte, er setzte Preise, Löhne usw. fest.

Der Arbeitnehmer war gegenüber seinem Betrieb machtlos. Es gab keine Lohnbewegungen, keine Lohnerhöhungen, keinen Wechsel des Arbeitsplatzes, kein Mitspracherecht bei der Führung des Betriebes. Es herrschte in vollem Umfange ein getarnter Staatssozialismus.
 

II. Neue Struktur der deutschen industriellen Wirtschaft

Die neue Struktur der deutschen Wirtschaft muss davon ausgehen, dass die Zeit der unumschränkten Herrschaft des privaten Kapitalismus vorbei ist. Es muss aber ebenso vermieden werden, dass der private Kapitalismus durch den Staatskapitalismus ersetzt wird, der noch gefährlicher für die politische und wirtschaftliche Freiheit des einzelnen sein würde. Es muss eine neue Struktur der Wirtschaft gesucht werden, die die Mängel der Vergangenheit vermeidet, und die Möglichkeit zu technischem Fortschritt und zur schöpferischen Initiative des einzelnen lässt.

1. Konzerne und ähnliche wirtschaftliche Gebilde, die nicht technisch, sozial oder wirtschaftlich absolut notwendig sind, sind zu entflechten und in selbständige Einzelunternehmungen zu überführen. Die technische Entwicklung verlangt bei gewissen Unternehmungen eine bestimmte Mindestgröße, namentlich auch um gegenüber dem Ausland konkurrenzfähig zu sein. Diese Mindestgröße muss derartigen Unternehmungen unbedingt belassen werden.

2. Unternehmungen monopolartigen Charakters, Unternehmungen, die einen bestimmte Größe überschreiten müssen, verleihen eine wirtschaftliche und damit eine politische Macht, die die Freiheit im Staate gefährden kann. Dieser Gefahr muss dadurch vorgebeugt werden, dass entsprechende Kartellgesetze erlassen werden. (Siehe Antrag 1 der CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen). Darüber hinaus soll bei diesen Unternehmungen das machtverteilende Prinzip eingeführt werden, damit jede mit dem Gemeinwohl unverträgliche Beherrschung wesentlicher Wirtschaftszweige durch den Staat, Privatpersonen oder Gruppen ausgeschlossen wird.

a) Zu diesem Zweck sollen öffentliche Körperschaften wie Staat, Land, Gemeinde, Gemeindeverbände, ferner Genossenschaften und die im Betrieb tätigen Arbeitnehmer an diesen Unternehmungen beteiligt werden; der dringend notwendigen Unternehmerinitiativen ist der erforderliche Spielraum zu belassen.

b) Weiter soll bei solchen Unternehmungen der private Aktienbesitz, der in einer Hand dem Eigentum oder dem Stimmrecht nach vereinigt ist, in der Höhe gesetzlich begrenzt werden.

3. Bergbau. Monopolartigen Charakter haben die Kohlenbergwerke schlechthin wegen des von ihnen geförderten, für das gesamte Volk lebenswichtigen Urproduktes. Daher ist die Anwendung der in Ziffer II/2 aufgestellten Grundsätze auf sie vordringlich; sie sind somit zu vergesellschaften.
Wenn in besonderen Fällen die Form des Staatsbetriebes zweckmäßiger erscheint, so sollten die vorstehenden Grundsätze der Anwendung dieser Form nicht entgegenstehen.

4. Eisenschaffende Großindustrie. Auch bei der eisenschaffenden Großindustrie ist der Weg der Vergesellschaftung zu beschreiten. (Antrag 2 der CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen).

5. Das Genossenschaftswesen ist mit aller Kraft auszubauen und die Rechtsform der Stiftung auch in wirtschaftlichem Bereich nachdrücklich zu fördern.

6. Die schon vor 1933 begonnene gesetzliche Kontrolle des Geld- und Bankwesens sowie des Versicherungswesens muss weiter ausgebaut werden.

7. Leistungsfähige Klein- und Mittelbetriebe sind um ihres volkswirtschaftlichen Wertes und ihrer sozialen Aufstiegsmöglichkeiten willen zu fördern. In Industrie, Handel und Gewerbe ist die private Unternehmertätigkeit zu erhalten und zu entwickeln.

8. Rechtmäßig erworbenes Eigentum, mit dem politischer Missbrauch nicht getrieben wurde, ist im übrigen bei der Durchführung dieser wirtschaftlichen Neuordnung im Rahmen der allgemeinen Gesetze zu achten.
 

III. Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Betriebe

In den Betrieben, in denen wegen ihrer Größe das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer nicht mehr auf einer persönlichen Grundlage beruht, ist ein Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer an den grundlegenden Fragen der wirtschaftlichen Planung und sozialen Gestaltung sicherzustellen. Dies muss zunächst dadurch geschehen, dass die Arbeitnehmer des Betriebes in den Aufsichtsorganen, z.B. im Aufsichtsrat des Unternehmens, die ihnen zustehende Vertretung haben. Zu diesem Zweck bedarf es einer Reform des Gesellschaftsrechts. Insbesondere ist dem Aufsichtsrat eine stärkere Stellung gegenüber der Verwaltung zu verleihen.

Bei Großbetrieben mit mehrköpfigem Vorstand sollte Betriebsangehörigen, die in langjähriger Betriebszugehörigkeit sich um den Betrieb verdient gemacht haben, Mitwirkung in der Leitung des Unternehmens durch Berufung in den Vorstand gewährt werden. Die Berufung erfolgt auf Vorschlag der Betriebsangehörigen, die dem Aufsichtsrat mindestens drei Vorschläge zu unterbreiten haben.

Dem von der Belegschaft gewählten Vorsitzenden des Betriebsrates ist Gelegenheit zur Mitwirkung in allen Fragen zu geben, welche die sozialen Interessen der Betriebsangehörigen berühren. Darüber hinaus hat die Betriebsleitung in jedem Fall dem Betriebsrat einmal monatlich Bericht über die Lage des Unternehmens zu erstatten, und den Betriebsratsangehörigen ist ein Anspruch auf Auskunftserteilung in diesen Besprechungen zuzubilligen. Durch geeignete Maßnahmen soll den Arbeitnehmern eine Beteiligung am Ertrage gesichert werden. Die Formen dieser Beteiligung können verschiedenartig sein und unterliegen besonderer Vereinbarung. (Siehe Antrag 3 der CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen).
 

IV. Planung und Lenkung der Wirtschaft

wird auf lange Zeit in erheblichem Umfange notwendig sein; es ist aber ein Unterschied, ob die Planung und Lenkung im Hinblick auf die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Lage erfolgt oder von Fall zu Fall als notwendig betrachtet wird, oder ob die Planung und Lenkung der Wirtschaft als Selbstzweck angesehen wird. Planung und Lenkung wird auch in normalen Zeiten der Wirtschaft in gewissem Umfang notwendig sein, was sich aus unserer Auffassung ergibt, dass die Wirtschaft der Bedarfsdeckung des Volkes zu dienen hat.

Diese Planungs- und Lenkungsaufgaben sollen von Selbstverwaltungskörperschaften der Wirtschaft in Wirtschaftskammern wahrgenommen werden. Ob diese Wirtschaftskammern identisch sein werden mit den Industrie- und Handelskammern, ist eine Frage von sekundärer Bedeutung. Notwendig ist auf jeden Fall, dass die breiten Massen der Arbeitnehmer und Konsumenten an dieser Planung und Lenkung innerhalb der wirtschaftlichen Selbstverwaltung neben den Unternehmern gleichberechtigt teilnehmen. In ihren letzten Entscheidungen unterliegen auch die Selbstverwaltungskörperschaften der parlamentarischen Kontrolle. (Siehe Antrag 4 der CDU-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen).
 

V. Bei allen Reformen der deutschen Wirtschaft,

mag es sich um Bodenreform, Neuaufbau der industriellen Wirtschaft oder Neugestaltung des Verhältnisses zwischen Arbeitnehmern und Betrieb handeln, ist das erste und vornehmste Ziel das Wohl des gesamten Volkes. Die deutsche Wirtschaft hat weder in erster Linie dem Wohle einer bestimmten Schicht zu dienen noch dem Auslande. Die Alliierten insbesondere haben ein Recht und eine Interesse an der Beseitigung der ausgesprochenen Kriegsindustrie und an Wiedergutmachungsleistungen nach Befriedigung der Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes. Sie haben aber kein Recht, unter Hintansetzung der notwendigen Lebensbedürfnisse des deutschen Volkes, die deutsche Industrie so zu beschneiden oder so zu gestalten, wie es das Exportbedürfnis ihrer eigenen Industrien verlangt. Demontage nicht kriegsindustrieller Werke dient ebenso diesem Zwecke wie die Übertragung des Eigentums an den Großindustrien auf den deutschen Staat, da sich dann jede gewollte wirtschaftliche Maßnahme durch politischen Druck auf den politisch schwachen Staat erreichen lässt. Es ist ferner zu berücksichtigen, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur industriell ist; sie umfasst als wesentliche Teile: die industrielle Wirtschaft, die bäuerliche Wirtschaft, das Handwerk, Handel, Gewerbe und Verkehr, Geld- und Bankwesen.

Alle Teile der Wirtschaft greifen ineinander und stehen in Wechselwirkung. Kein Teil darf losgelöst vom anderen betrachtet werden. Bei der Gestaltung der industriellen Wirtschaft muss deshalb der Zusammenhang mit den übrigen Wirtschaftsstellen berücksichtigt werden.


Wirtschaftspolitische Leitsätze der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU (Kurzfassung)

Das wirtschaftliche und soziale Leben des deutschen Volkes ging nach dem Kriege immer mehr einem Zustand völliger Auflösung entgegen. Der 20. Juni 1948 brachte den Umschwung. Die Währungsreform allein hat ihn nicht herbeigeführt. Sie schaffte die technischen Voraussetzungen. Der wesentliche Impuls aber kam aus der Inkraftsetzung marktwirtschaftlicher Grundsätze. Diese marktwirtschaftlichen Grundsätze wurden durch die von der CDU/CSU vertretene „soziale Marktwirtschaft“ am 20. Juni 1948 (in Düsseldorf beschlossen) zur Grundlage der deutschen Wirtschaftspolitik gemacht.
 

Was versteht die CDU/CSU unter sozialer Marktwirtschaft?

Die „soziale Marktwirtschaft“ ist die sozial gebundene Verfassung der gewerblichen Wirtschaft, in der die Leistung freier und tüchtiger Menschen in eine Ordnung gebracht wird, die ein Höchstmaß von wirtschaftlichem Nutzen und sozialer Gerechtigkeit für alle erbringt. Diese Ordnung wird geschaffen durch Freiheit und Bindung, die in der „sozialen Marktwirtschaft“ durch echten Leistungswettbewerb und unabhängige Monopolkontrolle zum Ausdruck kommen. Echter Leistungswettbewerb liegt vor, wenn durch eine Wettbewerbsordnung sichergestellt ist, daß bei gleichen Chancen und fairen Wettkampfbedingungen in freier Konkurrenz die bessere Leistung belohnt wird. Das Zusammenwirken aller Beteiligten wird durch marktgerechte Preise gesteuert.

Die „soziale Marktwirtschaft“ steht im scharfen Gegensatz zum System der Planwirtschaft, die wir ablehnen, ganz gleich, ob in ihr die Lenkungsstellen zentral oder dezentral, staatlich oder selbstverwaltungsmäßig organisiert sind.

Die „soziale Marktwirtschaft“ steht aber auch im Gegensatz zur sogenannten „freien Wirtschaft“ liberalistischer Prägung. Um einen Rückfall in die „freie Wirtschaft“ zu vermeiden, ist zur Sicherung des Leistungswettbewerbs die unabhängige Monopolkontrolle nötig. Denn so wenig der Staat oder halböffentliche Stellen die gewerbliche Wirtschaft und einzelne Märkte lenken sollen, so wenig dürfen Privatpersonen und private Verbände derartige Lenkungsaufgaben übernehmen. Die „soziale Marktwirtschaft“ verzichtet auf Planung und Lenkung von Produktion, Arbeitskraft und Absatz. Sie bejaht jedoch die planvolle Beeinflussung der Wirtschaft mit den organischen Mitteln einer umfassenden Wirtschaftspolitik auf Grund einer elastischen Anpassung an die Marktbeobachtung. Diese Wirtschaftspolitik führt in sinnvoller Kombination von Geld- und Kredit-, Handels- und Zoll-, Steuer-, Investitions- und Sozialpolitik sowie anderen Maßnahmen dazu, daß die Wirtschaft in Erfüllung ihrer letzten Zielsetzung der Wohlfahrt und der Bedarfsdeckung des ganzen Volkes dient. Diese Bedarfsdeckung hat selbstverständlich auch eine angemessene Versorgung des notleidenden Teils der Bevölkerung zu umfassen.

Die vorwiegend eigentumsrechtlichen und gesellschaftspolitischen Grundsätze des Ahlener Programms werden anerkannt, jedoch nach der marktwirtschaftlichen Seite hin ergänzt und fortentwickelt.

Zur Verwirklichung der sozialen Marktwirtschaft stellen wir folgende Leitsätze auf:

1. Der Leistungswettbewerb ist gesetzlich sicherzustellen. Monopole und Träger marktwirtschaftlicher Macht sind einer institutionell verankerten, unabhängigen und nur dem Gesetz unterworfenen Monopolkontrolle zu unterstellen.

2. Wir erstreben gesetzliche Maßnahmen zur Vertiefung einer echten Verantwortung in der Wirtschaft.

3. Gesetzliche Maßnahmen zur Verschärfung der Publizität müssen vor allem bei den Kapitalgesellschaften getroffen werden.

4. Eine zentrale Aufsicht des Geldwesens ist zum Schutze der Währung erforderlich.

5. Marktgerechte Preise müssen entstehen und dürfen weder von staatlicher noch von privater Seite durch Willkür oder Diktat verfälscht werden. Solche Eingriffe verdrängen die Ware vom Markt. Wir bejahen jedoch die organische Preisbeeinflussung mit den Mitteln der Wirtschaftspolitik, insbesondere der Geld-, Kredit- und Steuerpolitik, damit die Ware bei sinkenden Preisen in steigendem Maße zum Markt drängt.

6. Im Interesse der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten streben wir eine Senkung des deutschen Preisniveaus an. Hierdurch wird zugleich eine Erhöhung des Realeinkommens erzielt.

7. Die Bildung von Löhnen und die Festsetzung von Arbeitsbedingungen muß dem Tarifvertragssystem überlassen sein. Leistungslohn und Lohnerhöhungen im Rahmen marktwirtschaftlicher richtiger Preise sind zu bejahen. Sie erhöhen Kaufkraft und Nachfrage ebenso wie dies durch Senkung der Preise geschieht.

8. Technik und Wissenschaft sind mit Nachdruck zu fördern. Sie schaffen neue Bedürfnisse und Arbeitsmöglichkeiten. Sie senken die Gestehungskosten.

9. Die „soziale Marktwirtschaft“ schließt freie Berufswahl, Niederlassungsfreiheit, Gewerbefreiheit und Freizügigkeit ein. Beim Handwerk muß jedoch wie bisher der Befähigungsnachweis (Meisterprüfung) erbracht werden. Das gleiche gilt für alle Berufe, für deren Ausübung der Befähigungsnachweis sachlich notwendig ist.

10. Die „soziale Marktwirtschaft“ bejaht und fördert das private Eigentum. Eine gerechte Verteilung der wirtschaftlichen Erträge und eine soziale Gesetzgebung müssen aus den vermögenslosen Schichten unseres Volkes in großem Umfange besitzende Eigentümer machen. Neben größtmöglicher Streuung des Eigentums bejahen wir im industriellen Raum Unternehmungsformen in Gemeineigentum dann, wenn sie wirtschaftlich zweckmäßig, betriebstechnisch möglich und politisch notwendig sind.

11. Die Bildung von Sparkapital wollen wir nachdrücklich fördern.

12. Wir fordern eine umfassende Steuerreform insbesondere durch Abbau der geltenden Steuertarife in allen Stufen und durch Vereinfachung des gesamten Steuerwesens.

13. Es müssen wirksame Sicherungen gegen Wirtschaftskrisen und Massenarbeitslosigkeit geschaffen werden. Solche Mittel sind z.B. eine konstruktive Kredit- und Währungspolitik sowie die Investierungspolitik der öffentlichen Hand.

14. Den Außenhandel wollen wir mit allen Mitteln fördern. Der Marshallplan (ERP) wird von uns bejaht.

15. Eine deutsche Handelsflotte muß wieder geschaffen werden.

16. Die „soziale Marktwirtschaft“ kann nur verwirklicht werden, wenn sie das Vertrauen aller Schichten des Volkes besitzt, d.h. wenn Unternehmer, Arbeiter, Angestellte und Verbraucher aktiv an ihrer Durchführung beteiligt werden.

Leistungswettbewerb und Monopolkontrolle als Grundlage der von uns erstrebten Wirtschafts- und Sozialordnung, die organische Beeinflussung der Wirtschaftsentwicklung mit den Mitteln der Geld-, Kapital- und einer Steuerpolitik, welche Steuermoral und Kapitalbildung hebt, der Weiterbildung des Arbeits- und Wirtschaftsrechts sowie einer Reform des Gesellschaftsrechts sichern den weiteren Aufstieg der gewerblichen Wirtschaft, die Herstellung des sozialen Friedens und geben jedem Einzelnen die Freiheit und Möglichkeit, sich nach Leistung und Können am Wirtschaftsertrag zu beteiligen. Nur so kann die politische durch die soziale und wirtschaftliche Demokratie erfüllt und gesichert werden.
 

Leitsätze der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU für die zukünftige Landwirtschaftspolitik

A. Die Landwirtschaft ist ein lebenswichtiger Teil der deutschen Gesamtwirtschaft. Ihre Kräfte zur vollen Entfaltung zu bringen, ist eine der bedeutsamsten Aufgaben der Gegenwart, die befriedigend nur gelöst werden kann in verständnisvoller Zusammenarbeit aller Bevölkerungsschichten.
Das alte Deutschland führte rund 20% seines Bedarfs an Lebensmitteln ein. Die Westzonen erzeugen rund 50% des Nahrungsbedarfs und müssen die restliche Hälfte einführen, wenn die Verbraucher satt werden sollen. Diese Nahrungsmitteleinfuhr belastet unsere Handelsbilanz derart, daß bis zum Jahre 1953 und vielleicht noch länger ein menschenwürdiger Standard in der Ernährung nur mit Hilfe der Siegermächte gehalten werden kann, da die Ausfuhr deutscher Waren nicht ausreichen dürfte, die Gesamteinfuhr zu bezahlen.

B. Deshalb erhebt sich die Kardinalforderung: Äußerste Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion.
    Daraus ergibt sich:

1. Weitgehender Abbau der bisherige Form der staatlichen Zwangswirtschaft.
Sie diente in der Zeit größter Not der gerechten Verteilung der Mangelware. Mit gebesserter Versorgung löst sie sich selbst auf. In der heutigen Form bringt sie den Bedenkenlosen Vorteile und benachteiligt die Anständigen. Besonders aber fällt in die Waagschale, daß sie in ihrer jetzigen Form ein starker Hemmschuh ist für eine rasche Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Diese setzt gesicherte und ausgeglichene Produktions- und Absatzverhältnisse voraus, die Schwankungen ausschalten, die nur den spekulativen Elementen Nutzen bringen. Deshalb muß ein System der Lebensmittelerzeugung und -versorgung erarbeitet werden, in dem
a) möglichst keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Ausland gekauft werden, die in Deutschland produziert werden können;
b) das inländische Angebot - von berufsständischer Hand zusammengefaßt - an den Markt gebracht wird;
c) stabile Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse festgelegt werden, die dem Auslandspreisniveau angenähert sind, aber dessen Schwankungen vermeiden und die Produktionskosten von Betrieben, die Mittelgut herstellen, decken.

2. Zu diesem Zweck ist das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen stärker auszubauen, insbesondere die Verbindung der Absatzgenossenschaften mit den Genossenschaften des Einzelhandels und der Verbraucher.

3. Das landwirtschaftliche Kreditwesen muß in seinem Neuaufbau für kurzfristige und langfristige Darlehen den besonderen Bedürfnissen des bäuerlichen Betriebes angepaßt werden.

4. Eine notwendige Vorbedingung für Höchstleistungen in der Landwirtschaft ist ein gut ausgebautes, umfassendes Beratungswesen, das durch vertrauensvolle Einzelberatung, Fortbildungskurse und Erfahrungsaustausch die Fortschritte von Wissenschaft und Technik allen Strebenden vermitteln kann.

5. In der Sozialversicherung hat die Landwirtschaft Anspruch auf eigene, von ihr verwaltete Versicherungsträger, insbesondere Berufsgenossenschaften und Krankenkassen, die sich in der Vergangenheit bewährt haben. Die Einbeziehung der Landwirtschaft in die Arbeitslosenversicherung ist abzulehnen, soweit die Landwirtschaft einjährige Arbeitsverträge abschließt.

6. Von grundlegender Bedeutung ist die Erhaltung und Stärkung des bäuerlichen Eigentums, Schutz der Pächter vor Willkür und Ausbeutung, Schaffung von Siedlungsmöglichkeiten für Vertriebene und Einheimische, Bau von Wohnungen und Eigenheimen für Landhandwerker und Land- und Forstarbeiter, um die ländliche Bevölkerung zu verdichten und damit den vermehrten Einsatz von Landarbeitern zu ermöglichen.

7. Die Landarbeiter müssen durch entsprechende Berufsausbildung des Nachwuchses die Anerkennung als Facharbeiter erhalten, die in der Entlohnung hinter entsprechenden Berufen nicht zurückstehen.

8. Als Vorbedingung für stärkere Mechanisierung und Verbilligung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse ist eine beschleunigte Flurbereinigung und eine vereinfachte Zusammenlegung von Grundstücken durch verstärkten Einsatz von Staatsmitteln besonders zu fördern.

9. Der Hauptfaktor für eine Leistungssteigerung in der Landwirtschaft ist der Mensch. Feste Verwurzelung in heimatlicher und bäuerlicher Tradition, Anerkennung der Bindungen, die der hohe Beruf allen Mitgliedern auferlegt, Erhöhung des Fachwissens durch Ausbau der ländlichen Volksschulen zu Ausbildungsstätten, die zur besten Leistung befähigen, Einrichtung der erforderlichen Berufsschulen in allen Kreisen und Besetzung mit hauptamtlichen, besonders ausgebildeten Lehrkräften.

10. Die Besteuerung der Landwirtschaft darf das wirtschaftlich gerechtfertigte Maß nicht übersteigen und muß darauf Rücksicht nehmen, daß die Erhöhung der Produktion nur erreicht werden kann, wenn dem landwirtschaftlichen Betriebsinhaber das notwendige Kapital zu Neuinvestierungen aus Ersparnissen zur Verfügung steht. 11. Die Forstwirtschaft ist einer der wichtigsten Rohstofflieferanten für die deutsche Wirtschaft. Von ihrer Erhaltung sind abhängig Wasserwirtschaft und Klima als wichtigste Vorbedingung für eine erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion. Der Wald ist die Lunge der gesamten Bodenkultur.

Deshalb: Erhaltung größerer Forstbetriebe, Zusammenfassung des forstlichen Kleinbesitzes zu Waldbauvereinen zwecks rationeller Bewirtschaftung und schnellste Aufforstung der Kahlflächen.
 

Sozialpolitische Leitsätze der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU

Im Bewußtsein christlicher Verantwortung bekennt sich die CDU/CSU zu einer gesellschaftlichen Neuordnung auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit, gemeinschaftsverpflichtender Freiheit und echter Menschenwürde.

Sie erstrebt eine umfassende Sozialpolitik für alle wirtschaftlich- und sozialabhängigen Volksschichten. Diese Grundsätze verlangen vom Staat, die herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Notstände zu beseitigen und ein gesundes Verhältnis zwischen Volksschichten herbeizuführen. Dabei müssen die natürlichen Rechte und Freiheiten des Einzelnen wie aller Gesellschaftsgruppen geschützt werden.
Die wichtigste staats- und gesellschaftserhaltende Gemeinschaft ist die Familie. Ihre Rechte und Pflichten sind zu vertiefen und gesetzlich zu schützen. Die geistigen und materiellen Voraussetzungen für ihren natürlichen Bestand und die Erfüllung ihrer Aufgaben sind herzustellen und zu sichern.

Der Zusammenschluß zu Gewerkschaften und Berufsverbänden im Rahmen der demokratischen Ordnung ist zu gewährleisten. Gewerkschaften und Berufsverbände sind in den Grenzen der ihnen obliegenden Aufgaben als Organe des öffentlichen Lebens anzuerkennen.

Die christliche Arbeitsordnung geht von der Würde des arbeitenden Menschen aus. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von einer Auffassung, die den Menschen nur nach seiner Arbeitskraft wertet. Die menschliche Arbeit ist keine Ware, sondern sittliche Leistung und Grundlage der körperlichen und seelischen Entfaltung des Menschen. Die technisch-organisatorischen Voraussetzungen großwirtschaftlicher Zusammenarbeit fordern eine grundlegende Neuordnung des Verhältnisses von Unternehmern und Arbeitnehmern. Es gilt, die bestehenden Gegensätze zu überwinden und neue Formen der Zusammenarbeit im Sinne echter Partnerschaft, leistungsgemeinschaftlicher Verbundenheit und beiderseitiger Verantwortung für das gemeinsame Werk zu entwickeln. Die Verwirklichung des Rechts der Arbeitnehmer auf Mitberatung, Mitwirkung und Mitbestimmung soll dabei in betriebsgerechter Form unter Wahrung der echten Unternehmerverantwortung gesichert werden. (Siehe auch Nr. 16 der wirtschaftspolitischen Leitsätze).

Eine gesunde Arbeits- und Sozialordnung bedarf eines fortschrittlichen Arbeitsrechts sowie einer entsprechenden Neuordnung der Sozialversicherung und der Fürsorgeeinrichtungen.
Im einzelnen werden folgende Forderungen erhoben.

1. Das Recht auf Arbeit

Jeder Mensch hat ein natürliches Recht auf Arbeit. Es muß möglichst durch eine auf Vollbeschäftigung abzielende Wirtschaftspolitik verwirklicht werden. Die Politik der Vollbeschäftigung darf jedoch nicht dazu führen, daß sie unter dem Deckmantel eines proklamierten „Rechts auf Arbeit“ sich in eine „Pflicht zur Arbeit“ verwandelt, welche nur mit Aufhebung des freien Arbeitsplatzwechsels und schließlich nur mit Dienstverpflichtungen durchzuführen ist.

Der Frauenarbeit kommt erhöhte Bedeutung zu. Den Frauen ist in der Wirtschaft und Verwaltung grundsätzlich gleiches Recht wie den Männern einzuräumen. Den Frauen darf jedoch keine Arbeit zugemutet werden, die ihrer Wesensart widerspricht.

2. Freie Berufswahl, freier Arbeitsplatzwechsel und Sicherung des Arbeitsplatzes

Die Berufswahl soll grundsätzlich frei sein. Eine staatliche Begabtenförderung soll auch allen Schichten Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Die Berufsberatung hat die Aufgabe, den Jugendlichen dabei helfend zur Seite zu stehen. Die Arbeitsvermittlung darf die persönliche Freizügigkeit nicht beschränken. Dienstverpflichtungen sind abzulehnen. Das Arbeitsvertragsrecht muß dem Charakter des Treueverhältnisses zwischen Arbeitnehmern und Unternehmern gerecht werden und politische und religiöse Entscheidungsfreiheit des Arbeitnehmers respektieren. Der Kündigungsschutz ist zu erweitern. Entlassungen dürfen nur erfolgen, wenn die Notwendigkeit hierzu nachgewiesen ist. Bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit müssen die Arbeitslosen und ihre Familien vor wirtschaftlicher Not ausreichend geschützt werden.

3. Angemessene Entlohnung

Der Lohn muß der Arbeitsleistung entsprechen und soll nicht nur für eine angemessene Lebensführung des Arbeitnehmers, zu der auch die Teilnahme am Kulturleben gehört, ausreichen, sondern auch die Gründung und Erhaltung einer Familie sichern. Der Ertrag einer wirtschaftlichen Unternehmung ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Arbeit, Kapital und Unternehmensleistung. Die Arbeitnehmer haben daher Anspruch auf einen gerechten Anteil am Ertrag des Unternehmens. Bereits bestehende Formen solcher Beteiligung am Ertrag sind auf weitere Betriebe auzudehnen und neue Formen zu entwickeln.
Die Tariflöhne sind durch freie Vereinbarungen zwischen den Vertretern der Arbeitnehmer und Unternehmer festzusetzen. Eine unterschiedliche Entlohnung von Männern und Frauen darf bei gleicher Arbeit und Leistung nicht mehr vereinbart werden.

Das Tarifvertragsrecht ist gesetzlich zu verankern und das Schlichtungswesen ist auszubauen.

4. Arbeitszeit

Die Dauer der Arbeitszeit ist so zu bemessen, daß dem Arbeitnehmer ausreichend Zeit zur Erholung und zur Teilnahme am kulturellen Leben zur Verfügung steht. Normalarbeitszeit, Pausen, Freizeit und Urlaub bedürfen gesetzlicher und tariflicher Regelung nach Maßgabe neuzeitlicher wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sonntage und gesetzliche Feiertage gelten als Ruhetage.

5. Arbeits-, Jugend- und Frauenschutz

Die Arbeitsschutzbestimmungen und sozialen Einrichtungen sind den gegenwärtigen gesundheitlichen und technischen Verhältnissen entsprechend zu erweitern. Die Erhaltung der Gesundheit und Arbeitskraft der Arbeitnehmer soll durch Verbesserung des Arbeitsvorganges und der betrieblichen sozialen Einrichtungen gefördert werden. Der gesetzliche Jugend-, Frauen- und Mutterschutz ist auszubauen. Das Lehrverhältnis dient der gründlichen praktischen und theoretischen Ausbildung des jungen Menschen. Durch Gesetz ist der Mißbrauch jugendlicher Arbeitskraft zu verhindern und die Berufsausbildung im Betrieb und in der Berufsschule sicherzustellen. Dem Schutz und der Erziehung der gefährdeten Jugend ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

6. Sozialversicherung

Die Sozialversicherung ist so zu gestalten, daß sie ihre Aufgabe zur Förderung der Volksgesundheit und zum Wohl der Versicherten erfüllen kann. Sie muß zur Sicherung ihrer Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der Eigenwüchsigkeit der einzelnen Versicherungszweige im Sinne echter Solidarität weiter entwickelt werden. Hierbei sind auf dem Gebiete der vorbeugenden Gesundheitsfürsorge und der Bekämpfung von Volkskrankheiten alle Volkskreise heranzuziehen. Das Versicherungsrecht der Arbeiter soll im Sinne des Sozialversicherungsanpassungsgesetzes - ohne Schmälerung der Rechte der Angestellten - weiter entwickelt werden.

7. Versorgung der Kriegsopfer und Kriegsheimkehrer

Es ist Pflicht der Gemeinschaft, für die Ansprüche der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen aufzukommen. Den Kriegsbeschädigten, den Kriegerwitwen, Kriegereltern und Kriegswaisen ist eine ausreichende gesetzliche Versorgung zu gewährleisten. Den Kriegsbeschädigten und Kriegsheimkehrern ist die Wiedereingliederung ins Wirtschaftsleben durch Berufsausbildung zu erleichtern.

8. Einordnung der Heimatvertriebenen

Die Einordnung der Heimatvertriebenen in unser Wirtschaftsleben muß als Pflicht des ganzen Volkes angesehen werden. Jede Art von Selbsthilfe soll größtmögliche Förderung erfahren, damit die Heimatvertriebenen in freizügiger Weise am Wirtschafts- und Gesellschaftsleben teilnehmen können.

9. Wohlfahrtspflege

Bei vorliegender Bedürftigkeit muß, soweit ein Rechtsanspruch gegenüber Dritten nicht gegeben ist, ausreichende Hilfe aus öffentlichen Mitteln gewährt werden.

10. Lastenausgleich und Bodenreform

Der Lastenausgleich ist keine Fürsorgeangelegenheit, sondern eine soziale Rechtsforderung, insbesondere für die Vertriebenen und Kriegsgeschädigten. Darüber hinaus bildet die Bodenreform die Grundlage für Neubildung von Eigentum. Zur Förderung selbständiger Existenzen soll eine weitgehende Abgabe von Boden auch aus öffentlichem Besitz an Siedlungswillige erfolgen. Die Pacht- und Mietgesetzgebung ist auf diese Ziele hin umzuformen.

11. Wohnungsbau

Die besondere Bedeutung des sozialen Wohnungsbaues verlangt außerordentliche Maßnahmen, die in einem eigenen Wohnungsbauprogramm der CDU/CSU festgelegt sind.

12. Internationale Sozialpolitik

Die Wiederaufnahme der Beziehungen zur Internationalen Arbeitsorganisation ist zu erstreben. Eine großzügige internationale Sozialpolitik wird wesentlich dazu beitragen, die Beziehungen der Völker zueinander zu bessern und den Zusammenschluß zu einem neuen Europa zu erleichtern.

Die Durchführung einer fortschrittlichen Sozialpolitik soll der inneren Befriedigung unseres Volkes dienen, das Vertrauen der breiten Schichten in die neue demokratische Ordnung stärken und den Willen zur Mitarbeit am Wiederaufbau unseres Staats- und Volkslebens fördern. Mit besonderem Nachdruck ist jedoch darauf hinzuweisen, daß die Grundlage einer gesunden Sozialordnung eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik ist. Die besten Versicherungsgesetze nützen nichts, wenn eine unsachverständige Kredit- und Finanzpolitik die Kaufkraft, die Produktionshöhe, den Beschäftigungsstand, die Sparkapitalien mindert oder gar vernichtet. Die beste Sozialpolitik nützt nichts, wenn sich nicht Wirtschafts- und Sozialordnung wechselseitig ergänzen und fördern.
 

Wohnungsbauprogramm der Arbeitsgemeinschaft der CDU/CSU

1. Die CDU/CSU beobachtet mit tiefer Sorge, wie die Wohnungsnot die geistigen, sittlichen und physischen Grundlagen unseres Volks- und Staatslebens bedroht und den Wiederaufbau unserer Wirtschaft zerstört. Sie fordert deshalb als dringlichste öffentliche Aufgabe die Schaffung neuer Wohnungen nach folgenden Grundsätzen:

    Die Lösung der Wohnungsnot muß in ganz anderer Weise als bisher von Bund, Ländern, Gemeinden und Privatwirtschaft in die Hand genommen werden. In 10 Jahren muß die dringlichste Wohnungsnot behoben sein.

2. Alle privatwirtschaftlichen und gemeinwirtschaftlichen Kräfte werden aufgerufen mitzuwirken. Sie müssen dabei für gleiche Leistungen die gleiche Förderung durch Staat und Gemeinden erfahren.

3. Bei der Notwendigkeit, eine möglichst große Zahl von Wohnungen mit dem geringsten Aufwand von Kapital und Baustoffen zu erstellen, fordert die CDU/CSU, daß beim Neubau wie auch beim Wiederaufbau von Dauerwohnungen in erster Linie Kleinwohnungen mit sozial tragbaren Mieten für breite Bevölkerungsschichten gebaut werden.
Zur stärkeren Verwurzelung der Bevölkerung, insbesondere der Vertriebenen, mit dem Grund und Boden, ist einer wirtschaftlichen Form des Kleinhauses - Einfamilienhaus und Kleinsiedlung - überall dort der Vorzug zu geben, wo nicht aus städtebaulichen Gründen mehrgeschossige Mietwohnungen gefördert werden müssen. Eine Eingliederung der Vertriebenen in den Wirtschaftsprozeß ist vor allem in mittleren und kleineren Gemeinden durch planmäßigen Ausbau von Arbeits- und Wohnstätten zu fördern.

4. Die Überteuerung der Baukosten und der Mangel an Facharbeitern verlangen eine durchgreifende Rationalisierung überlieferter Bauweisen und bauwirtschaftlicher Betriebsformen mit dem Ziel, moderne Baumethoden zur Anwendung zu bringen, die durch ihre Technisierung eine entscheidende Einsparung von Arbeitskräften sowie Holz und Eisen verbürgen. Eine völlige Ausnutzung der Kapazität der Bauwirtschaft und eine Senkung der Baukosten ist durch weitgehende Anwendung von Normen und Haustypen anzustreben. Die erforderlichen Entwicklungsarbeiten sind daher mit öffentlichen Mitteln so zu beschleunigen, daß sie in kürzester Zeit nutzbar werden. Die Umschulung der Bauarbeiter und die Heranbildung eines genügenden Nachwuchses sind durch alle geeigneten Maßnahmen, insbesondere durch Steuervergünstigungen und Wohnungserleichterungen zu fördern. Der vermehrte Bedarf an Baustoffen erfordert die sofortige Steigerung der Baustofferzeugung, erhöhte Kohlezuteilung und die Förderung kohle- und holzsparender Bauweisen.

5. Wir fordern günstige Erwerbs- und Nutzungsbedingungen für Baugelände und öffentlichen Besitz. Die gemeindlichen Anforderungen an Geländeaufschließung und Anliegerleistungen sind auf ein Mindestmaß zu beschränken. Der Neubau und Wiederaufbau von Wohnungen ist auf die Dauer von 5 Jahren von allen Gebühren und Steuern der Länder und öffentlichen Körperschaften möglichst freizustellen.

6. Die CDU/CSU fordert ein übersichtliches und einfaches Städtebaurecht, das die notwendigen Voraussetzungen für den Aufbau in Stadt und Land nach neuzeitlichen Gesichtspunkten schafft. Bei der Neuregelung des Bau- und Bodenrechts müssen die berechtigten Interessen der Eigentümer unter Zubilligung einer angemessenen Entschädigung gesichert werden.

7. Um die vorhandenen Wohnungen zu erhalten und den Wohnungsbau zu fördern, müssen grundsätzlich die Mieten die Bewirtschaftungskosten und den Kapitaldienst aufbringen. Soweit die Wirtschaftlichkeit des vorhandenen Wohnungsbestandes zwangsläufig verlorengegangen ist, ist eine angemessene Angleichung der Mieten an die gestiegenen Kosten unvermeidlich. Für Kleinwohnungen in Neu- und Wiederaufbauten, die infolge der Baukostenteuerung teilweise unrentierlich sein würden, bleiben zweckgebundene Beihilfen aus öffentlichen Mitteln erforderlich.

8. Für den Wohnungsbau steht durch den Währungsschnitt und dessen Folgen wenig privates Kapital zur Verfügung. Es ist erforderlich, die nach der Währungsreform bisher gebildeten Kapitalien bei der öffentlichen Hand, bei Versicherungseinrichtungen und auch bei den Sparinstituten vordringlichst für den Wohnungsbau einzusetzen. Die Bildung von weiteren Sparkapitalien muß gefördert werden durch die fühlbare steuerliche Vergünstigung für freiwilliges Zwecksparen; Zwangssparen wird abgelehnt. Das Bewußtsein unseres Volkes muß von der Einsicht durchdrungen sein, daß Wohnungen nur durch Verzicht auf entbehrliche Konsumgüter gebaut werden können. Selbsthilfe und Nachbarhilfe sind unentbehrlich. Jeglicher weiterer Kapitaleinsatz durch Selbsthilfe, Nachbarhilfe und Unternehmerbeteiligung ist weitgehendst durch steuerliche Vergünstigungen zu fördern. Die Privatinitiative ist durch jede nur mögliche Weise anzuregen. Schaffung von Wohnungen durch private Mittel sollen durch bedingte Auflockerung der Zwangswirtschaft begünstigt werden.
Schließlich muß der Wohnungsbau eine vordringliche Aufgabe auch des Lastenausgleichs sein, dessen Mittel nicht mit rein konsumtiven Maßnahmen verbraucht werden dürfen. Eine Wohnungsabgabe, gleichgültig in welcher Erhebungsform, auch wenn sie zeitlich begrenzt und zweckgebunden ist, darf nur im äußersten Fall erhoben werden.

9. Die Wiederaufbaubank muß der Anlage von Mitteln für den Wohnungsbau die erste Dringlichkeitsstufe zuerkennen. Bis zur Bildung eines leistungsfähigen Kapitalmarktes bei tragbaren Zinsen sind die vorhandenen Mittel nach folgenden Grundsätzen einzusetzen: Die Mittel aus den öffentlichen Haushalten müssen nicht nur der Finanzierung des unrentierlichen Teiles, sondern auch zur Vorfinanzierung des Kleinwohnungsbaues verwandt werden. In jedem Fall muß der Einsatz der Finanzierungsmittel so erfolgen, daß ein ständiger Druck auf die Baukosten und den Zinssatz des Kapitalmarktes ausgeübt wird.

10. Der künftigen Bundesregierung (einstweilen der Zweizonenverwaltung) muß die Beeinflussung der gesamten Wohnungspolitik vorbehalten bleiben. Denn die Lösung der Wohnungsfrage ist eine grundlegende Voraussetzung für den Aufbau des Staatswesens und die Wiederherstellung menschenwürdiger Lebensbedingungen.

Abdruck von Internetseite www.kas.de 


Das Ahlener Programm und die Düsseldorfer Leitsätze

Klaus Gotto, Berlin, 1. Jan. 1997
Hrsg.: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Aus Anlaß des 50. Jahrestages der Ahlener Tagung bieten wir den Wortlaut dieses Programms und der Düsseldorfer Leitsätze sowie einen vergleichenden Abriss von Klaus Gotto.

Die Neugründung christlich-interkonfessioneller Volksparteien nach 1945 beruht auf dem entschlossenen Willen heterogener Persönlichkeiten und Gruppen, eine Neuauflage der Katastrophe des Nationalsozialismus durch tiefgreifende Änderungen der politischen Ursachen seines Entstehens auszuschließen. Voraussetzung der Parteigründungen von CDU und CSU war also keinesfalls die Übereinstimmung in allen Fragen der politischen Zukunftsgestaltung, sondern die Übereinstimmung im Grundsätzlichen einer politischen Neuordnung auf den Prinzipen des Christentums, das als die unbestrittene geistig-ethische Alternative zum Nationalsozialismus begriffen wurde. Die Neugründung beruht also nicht auf einer konzeptionell-programmatischen Parteivorstellung einer einheitlichen politischen Elite.

Die Entwicklung der Unionsparteien vollzog sich dementsprechend in einem Spannungsverhältnis zwischen den - auch durch unterschiedliche Besatzungspolitik mitbedingten - regionalen Parteischwerpunkten und ihren jeweiligen Führungspersönlichkeiten; sie vollzog sich aber auch in einem Spannungsverhältnis zwischen den programmatischen Postulaten eines Neuaufbruchs und den Zwängen und Erfahrungen bei der allmählichen Beteiligung an der praktischen Politik der Trümmer- und Hungerbeseitigung auf allen Gebieten.

Den vorherrschenden geistigen Trend der unmittelbaren Nachkriegszeit kennzeichnet ein Rundschreiben des Generalsekretärs der CDP, der Christlich Demokratischen Partei im Rheinland und Westfalen, vom 15. November 1945. Dr. Zimmermann schrieb: „Die politische Tendenz geht in aller Welt nach links. Die soziale Not, die im Verfolg des Krieges überall entstanden ist, macht dies verständlich. Ebenso zeigt sich aber auch überall das Erwachen christlicher Kräfte. Und auch die christlichen Kräfte zeigen überall die Richtung nach links. Links nicht im Sinne einer radikalen politischen Umwälzung, sondern im Sinne einer sozialen Reform und einer sozialen Politik“.

Unter dem Eindruck der Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Regimes erfolgte eine starke Besinnung auf die Würde des Menschen; sie wurde nicht nur als politische Freiheit, als persönliche Selbstbestimmung und Anspruch auf Rechtsstaatlichkeit begriffen, sondern als wesentlich mitbestimmt durch die soziale Ordnung. Diese allgemeine Überzeugung wurde in der Frühzeit von einem Teil der Gründer der CDU im Sinne einer bestimmten Interpretation der katholischen Sozaillehre als primär antiliberalistisch und antikapitalistisch interpretiert. Ihren Ausdruck fand diese Interpretation in den Überlegungen, Aufrufen und Programmen des Walberberger Kreises um die Dominikaner Welty und Siemer, dem Frankfurter Kreis um Dirks und Kogon und die Berliner CDUD um Jakob Kaiser. So unterschiedlich im einzelnen die Motive für einen christlichen Sozialismus auch waren, allen gemeinsam war die Überzeugung, dass aus allgemeinen ethischen und christlichen Normen eine ihnen voll entsprechende und auf die Wirklichkeit anwendbare politische Form der stattlichen, gesellschaftlichen und sozialen Ordnung gefolgert werden könnte. Dies galt insbesondere für den wirtschaftlichen Bereich, der der „Bedarfsdeckung des Volkes“ dienen und in dem die menschliche Arbeit als „sittliche Leistung, nicht aber als bloße Ware“ gewertet werden sollte, wie es im Kölner Programmentwurf vom Juni 1945 hieß. Die meisten programmatischen Aussagen der Partei zur Neuordnung Deutschlands bis 1947 waren entsprechend dieser Tendenz denn auch gekennzeichnet durch sozialpolitische Postulate zur Verwirklichung der Menschenwürde - weniger durch eine komplementäre, konzeptionell durchdachte neue Wirtschaftsordnung. Die wirtschaftspolitischen Vorstellungen, verstanden als ordnungspolitischer Entwurf, blieben vage zwischen der Ablehnung des herkömmlichen nicht sozial gebundenen Kapitalismus und des kollektivistischen Sozialismus. Sie versuchten Eigentumsgarantie, Eigenverantwortlichkeit und Eigeninitiative mit kaum näher definierter staatlicher und gesellschaftlicher Kontrolle der Großindustrie zu verbinden.

Mit dem überörtlichen Zusammenschluss der Partei, insbesondere in der britischen Zone, entstand die Notwendigkeit, die bisherigen Aussagen untereinander abzustimmen und bisher nicht zu Wort gekommene Gruppen zu integrieren. Darüber hinaus galt es, die praktischen Erfahrungen der Wirtschaftspolitik in den Ländern und insbesondere im Frankfurter Wirtschaftsrat auch programmatisch zu berücksichtigen; es galt aber auch, die Politik der Besatzungsmächte zu Beginn des kalten Krieges den deutschen Interessen möglichst nutzbar zu machen. Obwohl die Programme der CDU der britischen Zone formell nur Aussagen einer Regionalpartei waren, erhielten sie durch die historische Entwicklung und durch den Aufstieg des Vorsitzenden Konrad Adenauer zur dominierenden Persönlichkeit der Gesamtpartei eine herausragende Bedeutung. Man könnte sie auch als de-facto-Programm der noch nicht überregional existierenden Gesamtpartei bezeichnen.

Die Entwicklung bis hin zum Ahlener Programm vom Februar 1947 zeigt zwei bedeutsame Tendenzen: einmal die Eliminierung des Begriffs des christlichen Sozialismus und damit eng zusammenhängend die Verlagerung der ethisch-normativen Begründung des Programms von einer religiös-theologischen auf eine christlich-kulturelle Ebene. In den Leitsätzen vom September 1945 hatte der erste Satz noch gelautet: „Gott ist der Herr der Geschichte und der Völker, Christus die Kraft und das Gesetz unseres Lebens“. Im Programm von Neheim-Hüsten vom 1. März 1946 lauten dagegen die zentralen Begriffe „christliche Weltauffassung“ und „Grundsätze christlicher Ethik und Kultur“.

In diesem deutlich die Handschrift Adenauers aufweisenden Programm wird auch erstmals ein direkter Zusammenhang zwischen „Freiheit der Person auf wirtschaftlichem und Freiheit auf politischem Gebiet“ konstatiert. Die Freiheit wird als zentraler Wert begriffen, auf den die anderen Werte und die grundlegenden staatlichen und sozialen Neuordnungsstrukturen bezogen sind. Unter dem Aspekt der Freiheitssicherung durch das „machtverteilende Prinzip“ stand dann auch die Diskussion um die weitere Programmentwicklung. Damit war für die Lösung des Kernproblems der Sozialfrage, die bislang fast ausschließlich ethisch fundiert erörtert worden war, eine neue Bezugsgröße gegeben.

Höhepunkt der programmatischen Diskussion der unmittelbaren Nachkriegszeit ist das Ahlener Programm, das seit April 1946 von einem Ausschuß erarbeitet und auf der Zonenausschußtagung vom 1. bis 3. Februar 1947 verabschiedet wurde. In ihm vereinten sich der gemeinsame Wille zu einer politischen Neuordnung mit widersprüchlichen Strukturvorschlägen im einzelnen und unterschiedlichen praktisch-politischen Absichten. Das Ahlener Programm ist also geprägt von der Verbindung von Pragmatismus mit grundsätzlichen, aber ordnungspolitisch nicht einheitlichen Vorstellungen. Gesucht wurde ein Weg jenseits von Kapitalismus und Kollektivismus für eine „Neuordnung von Grund aus“, notwendig war ein Programm zur Integration des Arbeitnehmerflügels und der Berliner CDUD, zur Absetzung vom parteipolitischen Gegner SPD und zur Abwehr von den Sozialisierungsabsichten der britischen Besatzungsmacht. Bei den wirtschaftspolitischen Aussagen - und dies gilt insbesondere für den maßgeblichen Mitgestalter des Programms, Konrad Adenauer - muß unterschieden werden zwischen Zielen, die angestrebt werden, und den Mitteln, diese zu erreichen. Die Ziele sind: Gewährleistung von Würde und Freiheit des Menschen auch durch die Wirtschaftsordnung, Sozialpartnerschaft im Wirtschaftsleben und Verhinderung jeglicher freiheitsmindernden Machtzusammenballung.

Als Instrumentarium dazu ist im Ahlener Programm eine gemeinwirtschaftliche Ordnung vorgesehen, die Sozialisierung und Planung nur insoweit bejaht und fordert, wie sie diesen Zielen dienen.
Unter dem Aspekt, daß zwischen Zielen und Methoden unterschieden wurde, ist auch die weitere Diskussion innerhalb der CDU zu sehen. Als im Frankfurter Wirtschaftsrat die praktischen Grundlinien der künftigen Wirtschaftspolitik diskutiert und festgelegt wurden und die Währungsreform unmittelbar bevorstand, erklärte Adenauer bereits im Mai 1948, daß ein kleiner Kreis „das wirtschaftspolitische Programm der CDU“ ausarbeite, und zwar auf der Grundlage des Ahlener Programms. Diesem Kreis gehören unter Führung von Franz Etzel und Hugo Scharnberg u.a. die Professoren Pfister und Böhm, sowie Johannes Albers an. Ihre Arbeit wurde dann maßgeblich unterstützt vom „Volkswirtschaftlichen Büro Dr. habil. Fritz Hellwig“. Hugo Scharnberg verkündete auf der Sitzung des Zonenausschusses am 19. und 20. Mai 1948 in Bad Meinberg/Lippe als Leitlinie für das wirtschaftspolitische Programm: „Wir wollen eine Abkehr von der zentralen gelenkten Verwaltungswirtschaft und eine Rückkehr zur Marktwirtschaft unter starker Betonung des Leistungswettbewerbes“. Damit war erstmals der Begriff des Marktes in die Diskussion aufgenommen. Dies war in der Tat eine Ergänzung der bisherigen Überlegungen und ein Neuansatz in der Frage, mit welchem Instrumentarium die gewünschten Ziele zu erreichen seien. Qualitativ bedeutete es einen Sprung, der vergleichbar ist der Erkenntnis von Neheim-Hüsten gegenüber dem christlichen Sozialismus-Konzept, daß es einen direkten Zusammenhang zwischen politischer und wirtschaftlicher Freiheit gibt.

Bereits beim zweiten Parteitag der CDU für die britische Zone am 28. und 29. August 1948 in Recklinghausen schrieb Adenauer in seinem Geleitwort, daß man den Weg der Frankfurter Politik als richtig erkannte habe. Erstmals beherrschte Ludwig Erhard* (>hier< mehr) mit seiner Rede über die „Marktwirtschaft moderner Prägung“ die wirtschaftspolitische Diskussion. Der entscheidende Durchbruch erfolgte dann auf der Sitzung des Zonenausschusses in Königswinter am 24. und 25. Februar 1949. Auf die grundsätzliche Frage von Johannes Albers, ob das von Erhard vorgetragene Prinzip einer liberalen Wirtschaft nicht das Ahlener Programm in seinem Grundgefüge aufhebe, standen Konrad Adenauer und Ludwig Erhard Antwort. Adenauer entgegnete: „Nun wollen wir die Dinge mal gut auseinanderhalten. Ich habe eben schon gesagt, Herr Albers, alle solchen Programme und programmatischen Sätze haben keinen Ewigkeitswert, sondern sollen sich mit den Dingen beschäftigen, die jetzt akut sind. Akut ist beim kommenden Wahlkampf die Frage: Planwirtschaft oder Marktwirtschaft. Darum handelt es sich jetzt hier. Das hat, Herr Albers, mit dem Ahlener Programm, zu dem ich restlos stehe, nichts zu tun (Zuruf Albers: dann sind wir einverstanden). Ob derselbe Kreis hier das Sozialprogramm, das unabhängig davon kommen wird, machen kann, das ist mir zweifelhaft. Ich würde vorschlagen, zunächst dieses Thema ein bißchen sehr kurz zusammengedrängt in die Frage: Planwirtschaft oder Marktwirtschaft (Zuruf Albers: soziale!), oder sagen wir bürokratische Planwirtschaft oder soziale Marktwirtschaft (Heiterkeit). Das ist das Thema dieses Ausschusses, und das muß er behandeln. Daneben haben wir das Ahlener Programm und kommt das soziale Programm“.

Auch Ludwig Erhard ließ in seiner Antwort keinen Zweifel an seinem Standort aufkommen: „Herr Albers, ich glaube, wir können uns einigen, und wir werden uns einigen. Sie sagen, ich habe ein liberales Programm entwickelt, so daß ich gewissermaßen zur Demokratischen Partei gehöre. Dann möchte ich fragen, warum sitze ich denn hier bei Ihnen? Weil ich Ihre obergeordneten Grundsätze, Ihre sittlichen Thesen vertrete, weil ich zu Ihnen stehe.“

Die schließlich verabschiedeten Düsseldorfer Leitsätze vom 15. Juli 1949, das Programm der „Sozialen Marktwirtschaft“ hatten ohne Zweifel auch den Charakter einer Wahlplattform; sie sind andererseits der erste einheitliche und in sich geschlossenen wirtschaftspolitische Ordnungsentwurf in der Programmgeschichte der CDU. Daß sie als Fortentwicklung und Ergänzung des Ahlener Programms definiert wurden, war keine propagandistische Verschleierung, sondern lag durchaus auf der Linie der bisherigen Programmentwicklung: eine auf feststehenden ethischen Grundsätzen beruhende Neuordnung zu verwirklichen und dafür das adäquate Instrumentarium zu finden. Die Leitsätze hoben daher die in Ahlen aufgezeichneten Wege zur Neuordnung auf, insoweit sie mit dem als besser erkannten Instrumentarium Marktwirtschaft nicht vereinbar waren, sie übernahmen jedoch die Zielsetzung und anerkannten die „eigentumsrechtlichen und gesellschaftspolitischen Grundsätze des Ahlener Programms“.
Die Entwicklung der programmatischen Aussagen der CDU muß unter folgenden Aspekten betrachtet werden:

- der ethischen Grundaussagen im Hinblick auf die politische Zukunft
- der Integration der verschiedenen geistigen Strömungen und ihrer Repräsentation in die neue Partei
- der Auseinandersetzung um die Führung der neuen Partei und um die Schaffung von Mehrheiten bei den Wahlen
- der Rezeption der ersten Erfahrungen in der praktischen Wirtschaftspolitik und damit auch der Abwehr, der Kanalisierung oder Nutzbarmachung der Besatzungspolitik der Siegermächte.

Der programmatische und politische Weg der CDU bis zur Gründung der Bundesrepublik ist der Weg vom Zusammenschluß christlich geprägter Persönlichkeiten, die sich durch die Katastrophe des Nationalsozialismus moralisch verpflichtet und zur politischen Tat aufgerufen fühlten, zu einer programmatisch integrierten und politisch handlungsfähigen Volkspartei.

Ihr prägender Schöpfer war Konrad Adenauer, der durch eigene, aber auch von der Partei mitgetragene Autorität und durch seine Integrationsfähigkeit zur dominierenden Führungspersönlichkeit wurde. Es gelang im wesentlichen ihm, in der Programmdiskussion deutlich zu scheiden zwischen den feststehenden Prinzipien und Zielen und den pragmatisch auf die jeweilige Situation bezogenen Mitteln und Wegen. Dabei tragen die Programme von Neheim-Hüsten und auch von Ahlen deutliche Züge seiner Überlegungen, seines Kompromiß- und Integrationswillens, also seiner pragmatisch eingebundenen Grundsätze. Die Düsseldorfer Leitsätze dagegen sind im Duktus und als ordnungspolitischer Entwurf kaum von ihm mitgestaltet - dies war die Leistung von Erhard und Etzel -, sie sind jedoch von ihm in der Partei durchgesetzt worden.

Die eigentliche politische Leistung Adenauers liegt jedoch darin, daß er der CDU klar machen konnte, daß Programmdiskussionen nicht als Selbstwert geführt werden dürfen, sondern immer ausgerichtet sein müssen auf den Erwerb von Mehrheiten, die erst die politische Macht garantieren, politische Ziele zu verwirklichen.


Aus:
Christliche Demokratie in Deutschland. Analysen und Dokumente zur Geschichte und Programmatik der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands und der Jungen Union Deutschlands. Herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung (Handbücher der Politischen Akademie Eichholz, Bd. 7), Melle 1978, S. 21-28.

Christliche Demokratie in Deutschland. Analysen und Dokumente zur Geschichte und Programmatik der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands und der Jungen Union Deutschlands. Herausgegeben von der Konrad-Adenauer-Stiftung (Handbücher der Politischen Akademie Eichholz, Bd. 7), Melle 1978, S. 21-28.


 (Grafiker und und Fotograf, Josef Albert Slomski)

http://www.slomifoto.de/

Kommentar:  Prof. Dr. Ludwig Erhard, war so wie der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer (Dr. aller Fakultäten - wie er selbst von sich sagte), "niemals" NSDAP-Parteimitglied (also nie in der Hitler-Partei). Beide, sowohl Erhard als auch Adenauer, blieben während der Zeit des "Tausendjährigen Reiches" in Deutschland im Gegensatz zum späteren Bundeskanzler (1969-74), Willi Brandt (dem Landesverräter und alias: Herbert Ernst Karl Frahm, wie Konrad Adenauer ihn gerne bezeichnete). Erhard war auch nie Mitglied einer anderen Partei, z.B. auch nicht der CDU, wie aus den Geschichtsbüchern hervorgeht, die ihm auch bescheinigen, dass er "den Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg symbolisierte".

Ferner heißt es: "Bereits als Wirtschaftsminister sah er sich als Anwalt des "einfachen Mannes".

Als Regierungschef wollte Erhard "Volkskanzler" sein. In seiner Regierungserklärung vom 18. Oktober 1963 wandte sich Erhard gegen Gefälligkeitsdemokratie und Gruppeninteressen.

  • Den Verbänden traute Erhard kein unabhängiges Urteil zu, da sie nach seiner Meinung nur das eigene Interesse und nicht das Volksinteresse vertraten. In seinem Bestreben, ständig in Kontakt mit der Bevölkerung zu sein, standen ihm auch die Parteien im Wege. Um nicht von seiner Partei, der CDU, abhängig zu sein, lehnte er es zunächst ab, deren Vorsitzender zu sein. Von der Bevölkerung war er überzeugt, dass sie vernünftigen Argumenten gegenüber zugänglich sei.

  • Dem Kabinett versprach Erhard - im Vergleich zu dem, was man von Adenauer gewohnt war - bessere Unterrichtung, größere Meinungsfreiheit sowie mehr Kollegialität und Harmonie.

Da Erhard untrennbar mit der deutschen Wirtschaft verbunden wird, soll jedoch auch ein sehr eigentümlicher Lichtblick in das Leben des Herrn Erhard aufgezeigt werden, mit Bezug auf seine ausgezeichneten Verbindungen zu der Hitlerfreundlichen "I.G. Farbenindustrie AG" des "Dritten Reiches" (Feder-Bosch-Abkommen schon 1933). Diese Firma wird sogar beim Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (2003) dahingehend beschrieben: "Arisierung und Eingliederung von Chemieunternehmen "(von nichtarischen, also insbesondere jüdischen Eigentümern)", die Rekrutierung von Zwangs- und Fremdarbeitern, die Ausbeutung von KZ-Häftlingen vor allem im Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Monowitz ... Das vor allem in Auschwitz zur Ermordung von Juden eingesetzte Giftgas Zyklon B wurde von der Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung hergestellt, an der die I.G. Farbenindustrie AG maßgeblich beteiligt war." (>Hier< ein Artikel, der eine Verbindung zu Erhard nachweisen zu können glaubt.)
 

Es wäre zu schön gewesen, wenn das Ahlener Programm mit Grundgedanken realisiert worden wäre, wie:

"Ziel aller Wirtschaft ist die Bedarfsdeckung des Volkes." Das ist zur Angebotswirtschaft pervertiert worden. "Die „soziale Marktwirtschaft“ verzichtet auf Planung und Lenkung von Produktion, Arbeitskraft und Absatz," fordern die "Düsseldorfer Leitsätze".

"Die Wirtschaft hat der Entfaltung der schaffenden Kräfte des Menschen und der Gemeinschaft zu dienen." Inzwischen ist das genau umgekehrt.

 

Für das heutige Wirtschaftssystem ist der nicht sozial gebundene Kapitalismus die uneingeschränkte Grundlage. Das Spitzenmanagement der Wirtschaft agiert wie Spitzen-, d.h. Hochleistungssportler mit Schlagworten:

- hart kämpfen, schlagen, vernichtende Niederlage zufügen,

oder sanfter:

- überholen, links liegen lassen, abhängen, zur Seite drängen.

Wirtschaftsaktivitäten basieren auf Rücksichtslosigkeit, unnachgiebige Härte, knallhartes Vorgehen.

 

Es sagte mal jemand: Im Sport wird es bald nicht mehr ohne Doping weitergehen, nachdem die menschlich-körperlichen Leistungsgrenzen bereits überschritten worden sind. Da ist nicht mehr rauszuholen!

 

In der Wirtschaft sind die Doping-Aktivitäten inzwischen auch eingeführt: Man betrachte das Steuervermeidungssystem. Wer das nicht beherrscht, bleibt auf der Strecke. Dann gibt es Finanzspritzen, die nie genützt haben, wie Beispiele von:

Der angeschlagene Baukonzern Holzmann erhält eine Finanzspritze in Höhe von 125 Millionen... Das von Bundeskanzler Gerhard Schröder im November 1999 zur Rettung des ...

 

20. Mai 2009 ... Nach der Insolvenz der Briten im vergangenen Juli und dem Ende der Finanzspritzen musste auch Hertie Insolvenz anmelden. ... (Trotz Insolvenz geht es lustig weiter. Täglich erhalte ich teure Werbung von dieser Firma über Dinge, die es überall gibt...)
und überhaupt. Es gibt kein Ende:

a) Erneut pumpt die Europäische Zentralbank (EZB) Geld in den Markt. Dieses Mal bekommen die Banken 61 Milliarden zum Zins von 4,08 Prozent.

b) Der US-Senat hat einer Finanzspritze für Pakistan in Milliardenhöhe zugestimmt.

c) Der Bankenrettungsfonds der Bundesregierung hat dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) die beantragte Finanzspritze ...

Medienbericht in Höhe von vier Milliarden Euro. Die Finanzspritze könnte eine ...

Saarländischen Rundfunk (SR) mit jährlich 1,4 Milliarden Euro ...

auf Staatshilfe. Ab September könnten die Bürgschaften abgerufen werden. Doch Ruhe wird mit dieser ...

h) Finanzspritze für Twitter. Kategorie: BESTÄTIGT. 25.09.2009 |Erstellt um 13:21 Uhr. 100 Millionen Dollar frisches Kapital. Der Microblogging-Dienst Twitter ...

i)  Arcandor: Erst Finanzspritze, dann Stellenabbau. Nach dem Veto der EU rückt die Insolvenz von Arcandor näher. Doch noch besteht Hoffnung.

j)  News: Finanzspritze für norwegisches Elektroauto Think.

k) Spreadshirt erhält Finanzspritze. Erst Anfang des Monats mussten wir darüber berichten, dass Spreadshirt rund 20% seiner Mitarbeiter entlassen muss, da 2008 nicht die ...

l)  Elektroauto, Hybridauto, Batterien, Brennstoffzellen: Wie das Wirtschaftsblatt „Norge Business Report“ berichtet, wollen Investoren mit einer Finanzspritze von umgerechnet etwa 4,2 Millionen Euro die ...

m) Airbus braucht Finanzspritze: Der angeschlagene Luftfahrtkonzern benötigt mehr Geld für die Entwicklung neuer Maschinen. Vorstandsmitglied Bregier appelliert an die...

 

207 Tausend dieser Einträge listet Google auf, die aus dem Internet abrufbar sind.

 

Ich habe nirgends eine Statistik über den Schaden gefunden. Daher mal ein Überschlagsrechnung. Insolvenz bedeutet Zahlungsunfähigkeit. Lieferanten, Banken, Mitarbeiter, Finanzämter gehen leer aus. Bei rund 200 Tausend berichtenswerten Unterstützungen, davon die Hälfte trotzdem insolvent, bedeutet einen direkten Verlust von 1 Billionen Euro unter der Annahme von einer Schuldenhöhe um die 10 Millionen je Fall mindestens.

 

>Hier< ein wenig aus dem deutschen Strafgesetzbuch zu "Konkursstraftaten", die bei Insolvenzen (Zahlungsunfähigkeiten) zwischen 100 Millionen und 1 Milliarde - nach Zeitungsberichten - keine Anwendung mehr finden. In der Regel kommt zu einem  - Urteil nach vorheriger Absprache - einem "Einvernehmen" zwischen Staatsanwaltschaft (Anklagevertretung), Angeklagtenverteidigung und Gericht mit höchstens einer Strafe auf Bewährung, die erst fällig wird, wenn in einem festgesetzten Zeitraum keine weitere ähnliche Strafverhängung ausgesprochen wird.

 

Schon Ludwig Erhard war sich sicher, "dass einmal der Tag kommen wird, an dem der Bürger erfahren muss. dass er die Schulden zu bezahlen habe, die der Staat macht und dann zum 'Wohle des Volkes' deklariert."

 

Walter Rath, September 2009