Psychologische Betrachtung zur religiösen Integration


 

Wer oder was ist Gott?

Antwort: eine Projektion des Menschen

 

Ursachen zur Übernahme des "Gotteswahns"

 

1. Projektion

 

Die Entstehung der sogenannten "heiligen" Schriften (Bibel, Koran) sind ohne den Begriff Projektion aus der Psychologie der Schreiber, ursprünglich Erzähler und Übermittler/Übersetzer nicht denkbar.

 

Hierzu gibt es gesonderte Seite, die >hier< erreicht werden kann

 

2. Konditionierung

ist das Stichwort zum "Erwerben" von Religiosität

 

>hier< zu 3. der Doppelbindungstheorie

 

Daß die Menschen ohne (natur)wissenschaftliche Kenntnisse an Götter und Geister glaubten, mag ja noch angehen. Aber wenn jemand auch heute noch fast nur eine Bibel und nicht die vielen Konventionen (vor allem die der >Menschenrechte<) als Grundlage des Denkens und Handelns gesehen werden, kann das nur mit komplizierten psychologischen, soziologischen Betrachtungen erklärt werden. Die Gläubigkeit wird weitergegeben durch:

 

Konditionierung, insbesondere der zweiten Ordnung (d.h. mit der Ausbildung eines bedingten Reflexes. Durch wiederholte Koppelung eines ursprünglich neutralen Reizes mit einem reflexauslösenden bewirkt der vorher neutrale Reiz schließlich eine Spontan-Reaktion.) Beispiel: Ein katholisch erzogener, inzwischen völlig nicht-gläubiger Mensch betritt eine Klosterkirche und fällt auf die Knie – bekreuzigt sich evtl. sogar. Darauf angesprochen, antwortet er richtig: Noch nie was von Pawlow gehört?).

Die Konditionierung erfolgt in der Regel in frühem Kindesalter: Taufe, Teilnahme an Gottesdiensten, an Feiern der reichlich eingerichteten christlichen Festen. Da wird gedroht (Lied von der Glocke), belohnt, gemobbt (to mob = über jemanden herfallen). Wer nicht mitmacht, wird bemitleidet, ausgegrenzt, beschimpft, lächerlich gemacht, schikaniert, tätlich angegriffen. Kinder wurden (und werden heute noch in vielen Ländern) vor allem von Kirchenleuten geschlagen, weil ein Lied, ein Psalm nicht gelernt worden war.

 

Zu Erklärung der Konditionierung dienen die >Lerntheorien<. Es gehört der >Behaviorismus< dazu, der in der Verhaltenstherapie Anwendung findet. Die Konditionierung zu religiösem Verhalten und Empfinden kann als eine subtile Art von Verhaltenstherapie („Heilung vom Unglauben“) gesehen werden.

 

Weiter muß zur Erklärung der Anbindung an religiöse Kulturen (aus der dann der „erfolgreich“ religiös Konditionierte in der Regel nicht ausbrechen kann) die >Doppelbindungstheorie< (fällt unter den Begriff der ">Kommunikation<") herangezogen werden (doppelte Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale (auch nicht-verbale z.B. Gesten) und deren Auswirkungen). Erschwerend kommt für eine Auflösung einer solchen Doppelbindungssituation hinzu, wenn sich die Botschaften auch auf einer unbewussten Ebene an den Adressaten wenden oder Reaktionen hervorrufen (sollen), die nicht oder nur eingeschränkt der bewussten Kontrolle unterliegen. Der Adressat erlebt eine solche Doppelbindung als unhaltbar, unauflösbar, wenig durchschaubar und existentiell bedrohlich, weil  ihm

  1. eine Wahl im Sinne der paradoxen Scheinalternativen tatsächlich nicht möglich ist, er die der sprachlich korrekten Botschaft innewohnende Paradoxie nicht erkennen kann bzw. darf,

  2. er sich aber aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses gezwungen sieht, der Aufforderung dennoch zu entsprechen und

er die Situation nicht verlassen kann.

 

Beispiel: Der Nikolaus hatte die Familie mit zwei Jungen im Alter von 8 und 5 Jahren auf einem einsamen Bauernhof aufgesucht, mit tiefer Stimme die Verfehlungen vorgetragen und das Versprechen abgerungen, solche „Unartigkeiten“ in Zukunft nicht mehr notieren zu müssen. Mit einem kaum schmerzhaften Schlag auf den Hosenboden bekamen dann doch die die Beiden Leckereien aus dem einem alten Leinensack. Nachdem gemeinsam Gott gedankt worden war, machte sich der „alte Herr“ davon; denn „er müsse ja noch viele, viele Kinder aufsuchen“. Der jüngere der beiden Söhne fragte, on der Nikolaus denn auch die Kinder in der weit entfernten Stadt und auf allen Dörfern besuchen werde. „Ja, natürlich!“ behauptete die Mutter. „Da geht doch gar nicht“,  meinte der Kleine. „Das kann der heute abend überhaupt nicht schaffen!“ Sie fing sofort an zu weinen und stammelte: „Was haben wir nur für ein undankbares Kind, das einem nicht glaubt...“ „Und das war doch überhaupt kein Nikolaus“, behauptete der Junge nun und erklärte: „Das war doch Hombrechers Hugo!“ (Ein Mann von einem Nachbargehöft.) „Ich habe seinen komischen Blechring, seine beiden goldenen Eckzähne und seine Stiefel erkannt.“ Die Mutter weinte heftiger und jammerte: „ Warum hat uns der Herr solch unerzogene Kinder beschert?! Ich will dich nicht mehr sehen“! Sie sprach immer im Plural, obwohl der ältere Sohn schon ziemlich angepaßt war, und verließ das Zimmer. Das Kind lief hinterher und bat um „Vergebung“. Die Mutter jammerte und jammerte zum Steinerweichen, schubste den Jungen und schrie: „Geh mir aus den Augen! Gott wird dich strafen!“ Der Bub begann nun auch zu weinen und meinte: „Ich hab mich bestimmt geirrt.“ Dann bettelte er: „Sei mir nicht böse!“ Er wollte lieb gehabt werden.  Seine korrekten Beobachtungen und Überlegungen spielten nur eine untergeordnete Rolle. Der erfahrene Widerspruch war ihm gleichgültig geworden.

 

 

Ja, der Gott, den sich die großen Religionen ausgedacht haben, ist, wie alle Herrscher, unberechenbar, bösartig. Er verlangt unbedingten Gehorsam und kassiert Abgaben:

 

Er, der Alleskönner, schafft Menschen „nach seinem Bilde“. Sie sind ihm also ziemlich ähnlich. Er jagt sie aus dem „Paradies“ und belegt die gesamte Menschheit, also die gesamte Nachkommenschaft mit der Sündenschuld der Ureltern. Er läßt alle Lebewesen ertrinken bis auf eine kleine Auswahl. Er läßt den Teufel den gottesfürchtigen Hiob Quälen: Auf dem Bild schüttet der Satan die Krankheiten über ihn aus.

 

Nach Wikipedia:

"Gemäß des biblischen Berichts lebte Ijob mit seiner Frau und zehn Kindern als wohlhabender Mann im Land Uz. Er besaß 11.500 Tiere (Kamele, Schafe, Rinder und Esel) und hatte zahlreich Knechte und Mägde (Ijob 1,1-3). Ijob wird als frommer Mann geschildert, dessen Gottestreue - mit Erlaubnis Gottes - vom Satan, dem Teufel, schwer geprüft wird. Der nichts ahnende Ijob verliert daraufhin auf Veranlassung des Satans zuerst seinen ganzen Besitz, dann alle seine Kinder - seine sieben Söhne und drei Töchter kommen durch einen Hauseinsturz ums Leben (Ijob 1,18f) und zuletzt leidet sogar seine Gesundheit, indem eine schlimme, äußerst schmerzhafte Krankheit mit Geschwüren am ganzen Körper von Ijob Besitz ergreift.

Die Nachrichten von den Katastrophen, die Ijob in kurzer Folge ereilen, werden ihm jeweils von einem seiner Knechte, dem einzigen Überlebenden der jeweiligen Katastrophe, überbracht. In Anlehnung an diese Ereignisse bezeichnen im heutigen Sprachgebrauch die Begriffe Hiobsnachricht oder Hiobsbotschaft eine schlimme Unglücksnachricht, wie den plötzlichen Tod eines Angehörigen oder engen Freundes.

Während Ijobs Freunde Sünde als Grund für seine vermeintliche Bestrafung vermuten, beteuert Ijob seine Unschuld und seine Treue zu Gott. Weil Ijob, der nicht wusste, dass eigentlich der Satan hinter all den Anschlägen steckte, in all seinem Leid, seiner Armut und seiner Trauer seinem Gott dennoch die Treue hielt und ihn nicht verfluchte, wie seine Ehefrau es ihm nahegelegt hatte, und da er später auf die Belehrungen Gottes mit großer Demut reagierte, erlöste Gott Ijob schließlich von der Krankheit, mit der Satan ihn geschlagen hatte, und segnete sein weiteres langes Leben damit, dass er das Doppelte seines früheren Besitzes erwerben konnte. Auch bekam er wieder sieben neue Söhne und drei Töchter wie vor seinen Unglücksschlägen. Diese Töchter hießen Jemima, Kezia und Keren-Happuch (Ijob 42,10-14).

Im Brief des Jakobus im Neuen Testament wird das Ausharren und die Treue Ijobs zu seinem Gott als Vorbild für Christen hervorgehoben. Dort heißt es: "Ihr wisst ja, dass wir die glücklich preisen, die durchhalten. Von der Standhaftigkeit Hiobs habt ihr gehört und gesehen, wie der Herr ihn am Ende belohnt hat. Der Herr ist voller Mitgefühl und Erbarmen." (Jak 5,11 zitiert nach der Neuen evangelistischen Übertragung.)

 

Menschenverachtender geht es kaum! Hiob bekam die gleichen - nicht dieselben -  Menschen wieder, die ihm genommen worden waren. Es spielt aber, religiös gesehen, keine Rolle, um welche es sich jedoch handelt. Menschen, Tiere, Hab und Gut – alles eine Wichse. So etwas nennt man "Wiedergutmachung". Das Individuum zählt nicht, alles ist austauschbar. Um bei der Doktorandin, Frau Romana Gerhard aus Essen von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr–Universität Bochum anzuknüpfen, würde sie sicher argumentieren, „die dem Hiob Genommenen, sind glücklich beim Erlöser untergekommen“. So kann man alles verdrehen.

 

Nun, Gott belohnt mit Reichtum. Es reicht doch wohl, aufzuzählen, welches Ungetüm sich die Juden, Christen und Mohamedaner auserkoren haben.

 

Vielleicht ist bei den Glaubensanhängern aber auch einfach nur Dummheit im Spiel, die verhindert, Vorgedachtes, Voreingenommenheiten und Wunschdenken (unsterblich zu sein, also in den Himmel zu kommen) kritisch zu sehen.

Der Begriff der Dummheit kann als der Gegensatz zur Weisheit verstanden werden. Meyers Konversations-Lexikon definiert Dummheit als das Unvermögen, aus Wahrgenommenem die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Begriff ist, ebenso wie der verwandte und mittlerweile ungebräuchlichere Begriff der Torheit, negativ konnotiert. Kennzeichen der Dummheit ist in der Regel mangelnde bzw. verminderte Intelligenz, daher wird im medizinischen Sinne von Intelligenzminderung gesprochen, die sich an der Höhe des Intelligenzquotienten bemisst. Als menschliches Charaktermerkmal ist die Dummheit allerdings nicht immer einfach zu erfassen; im Alltagssprachgebrauch versteht man darunter vor allem den Mangel an "gesundem Menschenverstand" (ein genau so blödsinniger Begriff  wie das „gesunde Volksempfinden“). Die Grenzen zwischen Dummheit, unüberlegtem Verhalten und durchschnittlicher Intelligenz sind aber eher fließend. Auch überdurchschnittlich intelligente Menschen mit hohem IQ können in bestimmten Bereichen ausgesprochen dumm agieren, da eben Intelligenz nicht immer mit Weisheit einhergehen muss; umgekehrt gibt es auch weise Menschen, die im medizinischen Sinne als intelligenzgemindert gelten können, aber dennoch das genaue Gegenteil von dumm sind. Man vergleiche hierzu z.B. den Satz des Sokrates: "Ich weiß, dass ich nichts weiß," der das Nichtwissen(-Können) des Menschen auf den Punkt bringt und die "Dummheit" als eine Eigenschaft namhaft macht, die letztlich allen Menschen gemeinsam ist.

Die Denker des Zeitalters der Aufklärung bemühten sich, der Dummheit, die sie in sinnfreien überkommenen Ritualen und Denkweisen am Werk sahen, die Vernunft als Tugend entgegenzustellen. Damit einher ging die Förderung der Massenbildung, die dafür sorgte, dass das allgemeine Intelligenzniveau angehoben und der Analphabetismus zurückgedrängt werden konnte. Kritik kam allerdings bald am reinen „Bücherwissen" auf, dessen Auswüchse selbst von Denkern wieder als Dummheit satirisch und kritisch aufs Korn genommen werden konnte. So findet bei Goethe der Faust in sokratischer Manier trotz seines angesammelten Wissens nach jahrelangem Studium nur zu der Erkenntnis: "Da steh' ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor."

Einige charakteristische Zitate und Aphorismen können die Beschäftigung mit dem Thema der Dummheit recht treffend illustrieren:

 

Erklärungen der Psychologen:

 

3. Die Doppelbindungstheorie

(In starker Anlehnung an einen Artikel aus Wikipedia - der freien Internet-Enzyklopädie - und anderen)

 

(engl. double-bind theory, franz. double-contrainte) wurde im Zusammenhang mit der Erforschung schizophrener Erkrankungen von einer Gruppe um den Anthropologen und Kommunikationsforscher Gregory Bateson entwickelt. Sie beschreibt die lähmende, weil doppelte Bindung eines Menschen an paradoxe Botschaften oder Signale (auch nicht-verbale z.B. Gesten) und deren Auswirkungen. Der Begriff Bindung ist in diesem Modell im Sinne der Etablierung einer Kopplung innerhalb eines behavioristischen Reiz-Reaktions-Musters (Reiz = Botschaft, Reaktion = Verhalten, Erleben oder auch somatische Reaktionen) zu verstehen gleichwohl auch bestehende soziale Bindungen zwischen Personen bei der Gesamtbetrachtung berücksichtigt werden (sollten). Diese Botschaften oder Signale richten sich mit widersprechenden Reaktions- oder Handlungsaufforderungen auf unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation (Inhalts- oder Sachebene bzw. Sachaussage, Beziehungsebene bzw. Beziehungsaussage, Appellebene bzw. Appell oder Ich-Aussage) an einen Betroffenen. Erschwerend kommt für eine Auflösung einer solchen Doppelbindungssituation hinzu, wenn sich die Botschaften auch auf einer unbewussten Ebene an den Adressaten wenden oder Reaktionen hervorrufen (sollen), die nicht oder nur eingeschränkt der bewussten Kontrolle unterliegen. Der Adressat erlebt eine solche Doppelbindung als unhaltbar, unauflösbar, wenig durchschaubar und existentiell bedrohlich, weil (bei analytischer Betrachtungsweise seiner Situation durch Sachverständige) ihm

  1. eine Wahl im Sinne der paradoxen Scheinalternativen tatsächlich nicht möglich ist, er die der sprachlich korrekten Botschaft innewohnende Paradoxie nicht erkennen kann bzw. darf [z.B. unterstützt durch Verbot einer Metakommunikation, d.h. a) über verbale Verständigung hinausgehende Kommunikation, wie Gestik, Mimik oder Ähnliches; b) Kommunikation über einzelne Ausdrücke, Aussagen oder die Kommunikation selbst],

  2. er sich aber aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses gezwungen sieht, der Aufforderung dennoch zu entsprechen und

  3. er die Situation nicht verlassen kann.

 

Der Zwangscharakter und die "Illusion der Alternativen" in einer Doppelbindung schaffen für ihn eine "Lose/Lose-Situation" (engl.: to lose = verlieren). Bateson sah in dem wiederkehrenden Einfluss solcher Kommunikationsmuster auf Kinder innerhalb ihrer Familie einen wesentlichen auslösenden Faktor für die spätere Entwicklung von Schizophrenie.

Anmerkung:  Diese Ausführungen befassen sich im Wesentlichen mit der historischen Entwicklung der Ausformulierung der Doppelbindungstheorie und deren Beschreibung aus heutiger Sicht. Damit ist nicht gleichzeitig ausgesagt, dass ein Krankheitsbild der Schizophrenie mono-kausal auf Kommunikationsmuster nach dem Muster der Doppelbindung zurückgeführt werden können. Vgl: "Doppelbindung verursacht nicht Schizophrenie. Man kann lediglich sagen, dass dort wo Doppelbindung zur vorherrschenden Beziehungsstruktur wird, ... das Verhalten dieser Personen den diagnostischen Kriterien des klinischen Bildes der Schizophrenie entspricht. Nur in diesem Sinne kann die Doppelbindung ursächlich und pathogen genannt werden." (R. Bastine 1998, zitiert nach: Watzlawik, at. all 1969).

Aufbauend auf Batesons Arbeit formulierte dessen Schüler, der Psychotherapeut Paul Watzlawick, eine "Theorie menschlicher Kommunikation". Er zeigte, dass die in Doppelbindungen enthaltenen kommunikativen Anomalien tatsächlich ein weitverbreitetes Risiko der Alltagskommunikation von Menschen sind.

  

Inhaltsverzeichnis

 

Ingredienzien (= Zutaten, Bestandteile) einer Doppelbindungskonstellation

Das Paradoxon als notwendige Ingredienz

Die notwendigen Ingredienzien einer Doppelbindungssituation sind:

  1. Kommunikation

    1. Zwei oder mehr Personen, die miteinander kommunizieren. Wiederholte Kommunikationserfahrungen (zum Etablieren bzw. Erlernen eines Reiz-Reaktions-Musters, auch Konditionierung genannt, d.h. Ausbildung eines bedingten Reflexes; durch wiederholte Koppelung eines ursprünglich neutralen Reizes mit einem reflexauslösenden führt der vorher neutrale Reiz schließlich die gelernte Reaktion herbei).

  2. Ein primäres negatives Gebot, das

    1. durch Strafen oder Signale (Sanktionen) verstärkt wird, währenddessen die Einhaltung des Gebotes für das Überleben essentiell ist und

    2. mit dem sekundären Gebot auf einer abstrakten Ebene in Konflikt steht

  3. Ein sekundäres Gebot, das

    1. durch Strafen oder Signale (Sanktionen) verstärkt wird, währenddessen die Einhaltung des Gebotes für das Überleben essentiell ist und

    2. mit dem primären negativen Gebot auf einer abstrakten Ebene in Konflikt steht

  4. Ein tertiäres Gebot, das

    1. dem Opfer den Versuch der Metakommunikation über die Beziehung sanktioniert oder Kritik und Metakommunikation verbietet und

    2. es dem Opfer unmöglich erscheinen läßt, den Schauplatz zu verlassen bzw. ihm zu entfliehen

 

Exemplarische Darstellung:

  1. Kommunikation (ggf. auch implizit oder nonverbal zum Ausdruck gebracht):

    1. "Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass"

  2. Primäres negatives Gebot:

    1. mach mich nicht nass

    2. Falls du mich nass machst, erfüllst du meine Erwartungen nicht bzw. wirst sanktioniert

  3. Sekundäres Gebot:

    1. Wasch mir den Pelz

    2. Falls Du meine Handlungsaufforderung missachtest, erfüllst du meine Erwartungen nicht bzw. wirst sanktioniert

  4. Tertiäres Gebot:

    1. Der Sender der Kommunikationsbotschaft verbietet Kritik an ihm/ihr, unterbindet einen Verständigungs- oder Einigungsversuch oder vereitelt eine Metakommunikation

    2. In einem bestehenden Abhängigkeitsverhältnis (z.B. Sorgerechts- bzw. Fürsorgepflichtsverhältnisse oder weisungsgebundene, abhängig beschäftigte Arbeitnehmer in Mobbingsituationen bei unzureichendem Ersatz-Arbeitsplatzangebot) erscheint ein Verlassen der Situation aus Sicht der Betroffenen nahezu unmöglich.

 

Formale Darstellung:

·        Die Person muss (oder darf nicht) X machen

·        Die Person muss (oder darf nicht) Y machen

·        Y widerspricht X

·        Die Person darf nicht weder X noch Y machen

·        Die Person darf weder X noch Y ignorieren

·        Jeder Kommentar bezüglich der Absurdität der Situation ist streng verboten

·        Ein Verlassen der Situation ist oder erscheint unmöglich

 

Abhängigkeitsverhältnisse als Rahmenbedingung


Die klassischen Beispiele einer Doppelbindungskonstellation beziehen sich auf eine Situation, in der sich die betroffene Person (Opfer) in einer abhängigen Position befindet (in dieser Abhandlung speziell: Kind abhängig von den religiösen Eltern), in der Anpassung geboten ist und in der sich berechtigte Interessen und Grundbedürfnisse an dominante Bezugspersonen richten, im Negativfall jedoch nicht angemessen befriedigt werden, ggf. mit Scheinalternativen (umgangssprachlich mitunter auch Zwickmühle genannt) beantwortet werden und ein Verlassen der Situation nicht möglich ist.

Insbesondere Kinder und Kleinkinder haben als Bezugsperson die Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, die im Allgemeinen in dieser Lebensphase für die Befriedigung der Grundbedürfnisse (Körperliche Grundbedürfnisse, Sicherheit, Soziale Beziehung und soziale Anerkennung), das entspricht den Stufen 1 bis 3 bzw. 4 der Maslow*schen Bedürfnispyramide, angemessen Sorge tragen, während es im beruflichen Kontext abhängig Beschäftigter mehr die Grundbedürfnisse der Stufe 2 bis 5 (Sicherheit, ..., Selbstverwirklichung) sind, deren Anerkennung im Negativfall jedoch (z.B. Mobbing) verweigert werden.

* Abraham Harold Maslow, amerikanischer Psychologe, (1908 bis 1970); Mitbegründer der „humanistischen Psychologie**“; schrieb u.ÿa. »Motivation und Persönlichkeit« (1954), »Psychologie des Seins« (1962).

** Richtung der Psychologie, die in Abgrenzung zu Theorie und Behandlungsweise von Psychoanalyse und Behaviorismus entstand; ihr Ziel ist die Entwicklung der Persönlichkeit, vor allem hinsichtlich der Selbstverwirklichung.

 

Auf Grund einer dominanten Stellung der übergeordneten Ebene bestimmt diese weitestgehend die Rahmenbedingungen an die sich die abhängige Person anpassen muß. Die Doppelbindungstheorie betrachtet dabei (zunächst) zwei Ebenen. Ein dominantes Elternteil und das abhängige Kind. Eine dritte dem gegenüber übergeordnete Ebene (vgl.: Transaktionsanalyse 1), etwa gesellschaftliche Normen, Ideale, Idealbilder oder Ziele, der sich der dominante Sender der Doppelbindungs-Botschaft ggf. verpflichtet fühlt bleibt bei dieser Betrachtung zunächst unberücksichtigt. Eine solche übergeordnete dritte (z.T. idealisierte) Ebene ist hingegen im Stanford-Prison-Experiment 2 und auch im Milgram-Experiment 3 erkennbar (vgl. Kapitel: Manipulation und Autoritätsdominanz). Im Milgram-Experiment wird die übergeordnete Ebene - aus Sicht des Lehrers - durch den Versuchsleiter bzw. auch durch die vorgegebene Wissenschaft (idealbildgebend = der gute Zweck) repräsentiert. Im Stanford-Prison-Experiment wird die übergeordnete dominante Ebene durch die Versuchsdefinition bzw. auch durch die Wissenschaft repräsentiert.

 

Der Anpassungsdruck, der von der jeweils dominanten Ebene ausgeht bestimmt weitestgehend das Verhalten, Erleben und Lernen in dem Maße, wie es die Rahmenbedingungen zulassen (vergleiche: Skinner-Box 4)

 

vom kanadischen Psychiater Eric Berne (*ÿ1910, ÿ1970) begründete Form der Einzel- und Gruppenpsychotherapie; deutet das Verhalten und Erleben aus wechselnden »Ich-Zuständen« des Menschen (Kind-Ich, Erwachsenen-Ich, Eltern-Ich); sucht die zwischenmenschlichen Beziehungen als »Transaktionen« nach bestimmten Mustern zu verstehen, diese in der Therapie positiv zu verändern und das Akzeptieren der eigenen Person zu fördern.

2  von Philip G. Zimbardo (* 1933) und seinen Mitarbeitern an der Stanford University durchgeführtes sozialpsychologisches Experiment, dessen Ziel es war, die Bedeutung von Rollenzuschreibungen (Gefangener, Gefängniswärter) für das Verhalten von Menschen im Gefängnis zu erforschen. Das Experiment wurde nach sechs Tagen wegen extremer emotionaler Belastung der »Gefangenen« (Depressionen, Angst, Wutanfälle) und zunehmender Übergriffe der »Aufseher« abgebrochen.

Versuchsanordnung, durch die der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram (*1933) Anfang der 1960er-Jahre die Beziehung zwischen Autorität, Gehorsam und Aggression experimentell zu klären versuchte: Bei einem (vorgeblichen) Lernprozess ließ sich ein erheblicher Teil der Versuchspersonen vom Versuchsleiter bewegen, als »Lehrer« auf falsche Antworten der »Lernenden« mit (simulierten) elektrischen Stromstößen bis hin zur angeblich lebensgefährlichen »Höchststrafe« zu reagieren.

Burrhus Frederic, amerikanischer Psychologe, (1904 bis 1990); seit 1948 Professor an der Harvard University; einer der Hauptvertreter der (neo-)behavioristischen Verhaltens- und Lernforschung (Behaviorismus 5); durch seine tierexperimentelle Forschung vor allem mit Ratten und Tauben mit der Skinnerbox (Problemkäfig) schuf er eine systematische Begründung der behavioristischen Lerntheorie. Schrieb »Futurum zwei« (1948); »Erziehung als Verhaltensforschung« (1968); »Was ist Behaviorismus?« (1974).

Richtung der Psychologie, begründet von dem Amerikaner J. B. Watson Anfang des 20.Jahrhunderts. Er verwarf wie I. P. Pawlow in der Lehre von den bedingten Reflexen die Methode der Selbstbeobachtung und der Übertragung eigener Erlebnisse auf andere Menschen und wollte die Psychologie auf das objektiv beobachtbare Verhalten unter wechselnden Umweltbedingungen gründen. Zunächst war der Behaviorismus reine Reiz-Reaktion-Psychologie, später wurden nicht direkt beobachtbare Vorgänge als »dazwischentretende Variable« einbezogen. Zentrales Forschungsfeld des Behaviorismus wurde die Lernpsychologie. Besonders am Tierexperiment suchte man Gesetze des Verhaltens abzulesen (Verhaltensforschung).

 


Unerfüllbarkeit als erweitertes Kriterium

 

Mit Unerfüllbarkeit ist die Notwendige Unmöglichkeit gemeint, dem Anspruch bzw. den Erwartungen des Senders der Botschaft gerecht werden zu können (damit eine doppelbindungsartige Situation aufrecht erhalten wird).

 

Sprachanalogie

Die Entwicklung der Persönlichkeit eines Kindes ist Ausdruck der Anpassung an die Umgebungssituation, in der sich das Kind befindet. Das Erlernen der Muttersprache ist eine Form der Anpassung an die soziale Umgebung und kann anschaulich als Analogie für die Anpassungsproblematik bei double-binds herangezogen werden. Wenn ein Kind, das eine Muttersprache erlernen soll, mit hundert verschiedenen Bezugspersonen konfrontiert wird, die alle eine andere Sprache sprechen, dann ist eine sprachliche Anpassung dessen neuronalen Systems an die Umgebung nicht mehr möglich. Gleichzeitig hat das Kind aber den Eindruck, es sei lebenswichtig, diese Bezugspersonen sprachlich zu verstehen. Diese Unvereinbarkeit von unmöglicher Anpassung und absolut notwendiger Anpassung verhindert die Entstehung einer intakten und stabilen Persönlichkeit.

 

Gedankenexperiment

Das Problem der unmöglichen Anpassung kann sehr leicht anhand eines Gedankenexperiments visualisiert werden. Man stellt sich vor, man müsse eine Zeitbombe entschärfen. Der Timer der Bombe zeigt an, dass bis zur Detonation noch 30 Sekunden verbleiben. Die Bombe kann nur entschärft werden, wenn man entweder den blauen oder den roten Draht durchtrennt. Man befindet sich nun in einer klassischen Doppelbindungsituation: Verzweifelt sucht man nach Kriterien, die einen Hinweis darauf geben könnten, welcher Draht der Richtige ist. Die hochkomplexe elektronische Schaltung überfordert die eigenen kognitiven Fähigkeiten. Man muss aber die Logik der elektronischen Schaltung verstehen, um den harmlosen Draht identifizieren zu können.

Diese bekannte Klischeehandlung mag banal sein, aber sie zeigt dennoch klar und verständlich die psychologische Situation auf. Aus Spielfilmen dürfte auch die psychische Verfassung des Helden bekannt sein, der eine solche Situation meistern konnte, und dies obwohl sie nur einige Sekunden gedauert hat. Man kann sich also ungefähr vorstellen, in welchem Zustand sich das neuronale System (neuronales Erregungskreis) eines Kindes befinden muss, das mehrere Jahre lang täglich solche Situationen durchzustehen hatte. Äußerlich mögen diese Kindheitssituationen unscheinbar sein, aber aus der Perspektive des Kindes werden sie erlebt, so wie der Held die Bombenentschärfung erlebt, und das ohne Ende.

 

Situationsparadoxon

Die paradoxe Situation ergibt sich nicht allein aus dem logischen Widerspruch auf der Inhaltsebene, sondern aus der Unvereinbarkeit von "Ich muss etwas tun" mit "Ich habe keine Information". Eine Anpassung setzt Spielregeln voraus, die sowohl bekannt als auch anwendbar sein müssen. Werden die Spielregeln zunehmend komplexer, so wird das Subjekt auch zunehmend mental gefordert. Eine gewisse Konsistenz der Spielregeln ist dazu erforderlich. Eine Anpassung ist nicht möglich, wenn die Spielregeln immer wieder verändert werden und sich sogar widersprechen. Wenn Spielregeln vorhanden sind, aber vom Subjekt nicht als solche identifiziert werden können, so ist dies gleichbedeutend mit einer chaotischen Situation. Eine unvorhersehbare, mental nicht simulierbare Situation verursacht meistens Angst, wenn sich vergleichbare Situationen als gefährlich erwiesen haben. Siehe: Kontiguität (zeitliches und räumliches Zusammentreffen zweier Reize, zweier Reaktionen oder von Reiz und Reaktion als Voraussetzung für Lernen; >hier<)

 

Es spielt keine Rolle, ob die Spielregeln wirklich paradox oder nur pseudoparadox sind. Das Kind geht davon aus, dass die Anforderungen, die von der Autoritätsperson gestellt werden, prinzipiell erfüllbar sind. Das ist so, weil das Kind an die Autorität glaubt und sie als moralischen Maßstab akzeptiert hat.

Möglicherweise ist ein Anspruch mathematisch logisch, aber physikalisch unmöglich. Vielleicht ist er physikalisch möglich, aber biologisch unmöglich. Vielleicht ist er biologisch möglich, aber für den Menschen unmöglich, oder für den Menschen möglich, aber nicht für ein Kind.

Es gibt also ein breites Feld an potentiellen Widersprüchen, die sich auf der Ebene der mathematischen Logik nicht wirklich widersprechen. Entscheidend ist nur die Unerfüllbarkeit durch das Kind, also die subjektive Wahrnehmung einer Überforderung im Bewusstsein des Kindes. Eine Aufgabe mag das Kind überfordern, solange aber für das Kind nicht die Notwendigkeit besteht, diese Aufgabe lösen zu müssen, kann das Kind die komplexe Situation mit einer gelassenen Neugier, also konfliktfrei, betrachten und daraus lernen.

 

Varianten der Doppelbindung

 

Paradoxe Handlungsaufforderung

Die Variante der paradoxen Handlungsaufforderung wurde bereits weiter oben ausgeführt und entspricht dem klassischen Beispiel, dass eine Person widersprüchliche Handlungsaufforderungen (Appell) auf unterschiedlichen Interaktionsebenen erhält, wobei ein Anteil der Botschaft auf einer vor- oder unbewussten Ebene kommuniziert worden sein kann.

 

Verdeckt widerstreitende Interessen

Ein Beispiel, dass auch von widerstreitenden Interessen, die innerhalb einer Gruppe vorliegen, pathogene (krankmachende) Wirkungen ausgehen kann führt John H. Weakland in seinem Artikel Double-Bind Hypothese und Dreier-Beziehung aus [3]. Eine solche Negativwirkung haben widerstreitende Interessen insbesondere dann, wenn der Konflikt auf einer bewussten Ebene als nicht vorhanden dargestellt, geleugnet wird oder versucht wird, diesen nicht offenkundig werden zu lassen. Als Beispiel wird ein Ärzteteam benannt, das sich über die Behandlungsstrategie für eine Patientin in einem verdeckten Widerstreit befand. Aus dem Familienkontext wird ein Beispiel angeführt, in dem sich die Eltern eines Kindes in einem Konflikt miteinander befinden, diesen Konflikt aber gegenüber dem Kind (ggf. vorgeblich zum Wohle dessen) nicht offenkundig werden lassen wollen. Das Kind erlebt in einem solchen Fall, dass auf einer bewussten Ebene bestehende Harmonie dargestellt wird, auf einer unbewusste Ebene mag es aber eine Disharmonie wahrnehmen und diese gegensinnigen Wahrnehmungen nicht in Einklang miteinander bringen.

 

Paradoxe Informationsübermittlung

Eine paradoxe Informationsübermittlung wird umgangssprachlich als Heuchelei bezeichnet. Dabei werden auf unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation sich widersprechende Informationsinhalte übermittelt. Der auf der bewussten Ebene mitgeteilte Informationsanteil deckt sich nicht mit dem objektiv vorhandenen Sachverhalt. Falls dem Empfänger der Botschaft und der Kommunikationssignale der wahre Sachverhalt nicht bekannt ist, er den auf der vor- oder unbewussten Ebene (ggf. durch Körpersprache) kommunizierten Anteil aber bewusst oder unbewusst wahrnimmt, entsteht eine kognitive Dissonanz beim Empfänger, die ggf. mangels weiterer korrekter Sachinformationen nicht aufgelöst werden kann. Für den Fall, dass der Empfänger der Botschaft die auf der unbewussten Ebene kommunizierte Botschaft nicht wahrgenommen hat, entsteht hingegen mehr Irrtum und Täuschung über den wahren Sachverhalt.

 

Transaktionsebenen

 

Manipulation und Autoritätsdominanz

Menschen, die in ihrer Kindheit häufig double-binds ausgesetzt waren, haben in der Regel eine labile Persönlichkeit und können durch Suggestionen und Hypnose ungewöhnlich stark beeinflusst werden. Besonders gegenüber Autoritätspersonen verhalten sich solche Menschen sehr unterwürfig, sofern sie deren Überlegenheit anerkannt haben.

Durch double-binds Geschädigte können auf Befehl außerordentlich grausame Handlungen ausführen, auch wenn die Befehle deren ethischen und moralischen Überzeugungen grundlegend widersprechen. Die Angst um das eigene Ego ist aufgrund der labilen Persönlichkeit und des schwachen Selbstwertgefühls sehr groß. Außerdem können deren moralische Prinzipien durch Autoritätspersonen relativ leicht in Frage gestellt werden. Dies konnte durch das wegweisende Milgram-Experiment gezeigt werden.

In der heutigen Stress- und Leistungsgesellschaft sind die meisten Menschen mehr oder weniger durch double-binds geschädigt. Eine strenge Abgrenzung zwischen psychisch gesund und psychisch krank ist aus der double-bind-Perspektive nicht erwünscht und auch nicht möglich.

Ethische Verhaltensweisen entsprechen oft einer Anpassung an eine Erwartungshaltung im sozialen Umfeld und nicht der tieferen inneren Überzeugung. Dies konnte im Stanford-Prison-Experiment eindrucksvoll demonstriert werden.

 

Anpassungsdruck und Selbstbild

 

Identitätsaufgabe

Was double-binds so gefährlich macht, ist der hohe Anpassungsdruck, der von der Autoritätsperson auf das "Opfer" ausgeübt wird. Unter Anpassung versteht man die Integration eines Gegenstandes in ein kognitives Schema (kognitiv = Denken nicht nur als richtungslos assoziativen Prozess versteht, sondern vielmehr seine Gerichtetheit). 

.In sog. normalen (Norm = verbindlich anerkannte Regel, Richtschnur, Maßstab; Durchschnitt) Abhängigkeitsverhältnissen kann eine Autoritätsperson Befehle erteilen, die Einfluss auf das Verhalten des Opfers ausüben, bei double-bind-Beziehungsmustern beinhaltet die Beeinflussung auch die Art der Selbstwahrnehmung, die das Opfer von sich hat.

Diese Methode der Gehirnwäsche 1 wurde oft im maoistischen China während der Kulturrevolution zur politischen Umerziehung angewendet: Es wurde vom Opfer nicht nur eine Anpassung an die vorherrschende Ideologie durch sein Denken und Handeln erwartet, sondern auch die Überzeugung, diese Umwandlung sei freiwillig und in Würde vollzogen worden, was natürlich überhaupt nicht den erlebten Erfahrungen des Opfers entsprach. Zwangsinternierung und Demütigungsrituale waren die Regel.

Das Opfer wird nicht nur gebrochen, sondern es hat auch nicht die Erlaubnis, sich selbst als Opfer wahrzunehmen, und erst recht nicht die Erlaubnis, den Täter als Täter wahrzunehmen. Die Autoritätsperson bestimmt also auch, wie sie vom Opfer erlebt werden muss. Sie bestimmt das Bild 2, das sich das Opfer von ihr machen muss.

Beispiel:"Mutti hat dich nicht bestraft, weil Mutti böse ist, sondern weil du böse warst. Mutti schlägt dich, weil sie es gut mit dir meint."

Ein Mensch, der einer solchen Situation ausgesetzt ist, muss durch den schmalen Spalt einer enormen Abweichungsintoleranz hindurchgehen und kann es sich nicht leisten, seine ursprüngliche Identität aufrechtzuerhalten. Die Angst vor Bestrafung, Folter oder Liebesentzug schafft die Bereitschaft, die bestehende Identität aufzugeben. Dieser ständige Prozess der Identitätsaufgabe, der immer wieder von neuem stattfindet, verhindert die Entstehung einer intakten Persönlichkeit oder er bewirkt die Dekonstruktion einer bereits bestehenden Persönlichkeit.

1  Art der Folterung von meist politischen Häftlingen oder Kriegsgefangenen, die durch psychophysische Druckmittel ein häufig fiktives Geständnis oder eine völlige Umwandlung des politischen Denkens und Wollens bewirken soll. Methoden sind u.ÿa. pausenloses Verhör, Schlafentzug, lang andauernde psychische Reizung, Drohungen, Versprechungen, auch Verabreichung von Drogen, um den Gefangenen in den Zustand verminderten Bewusstseins, erhöhter Suggestibilität oder Willenlosigkeit zu versetzen. Der religiöse Erziehungsdruck auf Kinder ist eine milde aber auch wirkungsvolle Gehirnwäsche.

2  hier das „Image“ in der Phsychologie, das gefühlsbetonte Vorstellungsbild, z.ÿB. von Menschen, Unternehmen oder Markenartikel; Imagebildung erleichtert die soziale Orientierung, erschwert andererseits die kritische Wahrnehmung und Bewertung.

 

Anpassung als Wahrheitsform

Wenn die Aussage einer Bezugsperson (des Senders) mit den Verhaltensmustern und Wertvorstellungen des Empfängers kollidiert, also eine kognitive Dissonanz hervorruft, stehen dem Empfänger zwei Möglichkeiten offen:

  1. Entweder er akzeptiert die Aussage und revidiert seine Verhaltensmuster, oder

  2. er lehnt die Aussage ab und revidiert seine Verhaltensmuster nicht.

Beispielsweise kritisiert der Vater seinen Sohn. Der Sohn hat nun zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder er glaubt, sein Vater sei "böse" und die Kritik falsch, oder

  2. er glaubt, sein Vater sei "gut" und er hätte die Kritik verdient.

In dem Moment, in dem der Sohn die Feindbildprojektion auf seinen Vater aufgibt, verleugnet er auch einen Bestandteil seiner eigenen Persönlichkeit. Um jedoch die Integrität (Unverletzlichkeit) der eigenen Persönlichkeit zu wahren, ist ein Feindbild zwingend erforderlich.

Die Kritik als verdient zu akzeptieren hieße, die Gültigkeit der eigenen Verhaltensmuster in Frage zu stellen:

  1. Wenn sein Selbstvertrauen labil ist, so sagt er: "Mein Verhalten war falsch, folglich wurde ich von meinem Vater zu recht kritisiert."

  2. Wenn sein Selbstvertrauen stabil ist, so sagt er: "Mein Verhalten war richtig, mein Vater kritisiert mich aber, folglich ist sein Verhalten falsch."

Wessen Verhalten als falsch interpretiert wird, ist letztlich eine Frage des Selbstvertrauens und eine Frage des Machtgefälles in der Beziehungsstruktur und nicht eine Frage der Berechtigung der Kritik, also des Wahrheitsgehalts des Inhaltsaspekts (Informationen, Daten, Fakten).

Hat der Sohn jedoch eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Vater, dann bewirkt die Akzeptanz der Kritik des Vaters keine Beschädigung seiner Persönlichkeitsintegrität. Dessen Kritik wird dann nicht negativ interpretiert, induziert also keine Feindbildprojektion.

Eine Feindbildprojektion ist somit aus zwei Gründen nicht vorhanden:

  1. Entweder der Sohn hat eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Vater, oder

  2. der Sohn hat die Erfahrung gemacht, dass eine Feindbildprojektion bestraft wird, also gefährlich ist.

 

Situationskomplexität und Selbstbild

Eine typische Aussage der Opfer von double-bind-Beziehungsmustern lautet: "Ich kann es meiner Mutter nie recht machen."

Wenn unterschiedliche Versuche der Adaption (Anpassung) an die Umgebung, beispielsweise in der Kindheit, regelmäßig durch ein negatives Feedback ("Rückkopplung", siehe >hier< Verstärkung) frustriert werden, dann entsteht beim Kind als Folge davon ein Gefühl der Überforderung. Eine psychische Überforderung entspricht neurobiologisch gesprochen einer Überlastung des neuronalen Systems.

Diese Überlastung des neuronalen Systems auf hirnorganischer Ebene manifestiert sich auf der Ebene des Bewusstseins, also der Ebene des subjektiven Erlebens, in Form von >Angst<.


Angst ist eine negative Form des Selbstbildes, das der Erlebende von sich selbst hat. Dieses negative Selbstbild bezieht sich auf die subjektive Interpretation eines Subjektes (gemeint: das »Ich«) oder Objektes (meint das »Nicht-Ich«), das der Erlebende in seiner subjektiv interpretierten Umwelt bewusst wahrnimmt.


Die Fähigkeit des neuronalen Systems, mit komplexen Situationen umgehen zu können, manifestiert sich auf der Ebene des Bewusstseins, also der Ebene des subjektiven Erlebens, in Form eines Gefühls von Mut und Stärke.

Selbstvertrauen entsteht als Folge von positiven Erfahrungen, die als Konsequenz des eigenen richtigen Handelns verstanden werden. Der Verlust des Selbstvertrauens ergibt sich als Folge von negativen Erfahrungen, die als Konsequenz des eigenen falschen Handelns verstanden werden.

Der Zusammenbruch des Selbstwertgefühls manifestiert sich in Zwangsstörungen, Panikattacken oder sonstigen Überlastungs- und Stressymptomen. Der Zusammenbruch des Selbstwertgefühls und außerdem ein ausgeprägter kommunikativer Orientierungsverlust: Diese Symptomatik entspricht weitgehend dem Krankheitsbild der sog. Schizophrenie.

 

Subjektivität als Maßstab

 

Neuronale Subprogramme

In dem Maße, in dem Handlungen des Kindes durch ein negatives Feedback frustriert werden, erweisen sich bestehende neuronale Muster als nicht geeignete Adaptionsstrategie und lösen sich auf oder werden in ihrer Priorität zurückgestuft.

Der Handlungsablauf und das Denken im Alltag eines Menschen manifestieren sich auf der Ebene seines Bewusstseins, also auf der Ebene des subjektiven Erlebens, in Form von generellen Trends. Die Ausführung dieser Trends macht die Anwendung von neuronalen Subprogrammen erforderlich, die vom menschlichen Biocomputer unbewusst abgerufen und angewendet werden. Neuronale Subprogramme sind gemachte Lernerfahrungseinheiten aus der Vergangenheit, die in der Gegenwart als Problemlösungseinheiten jederzeit abgerufen werden können.

Neuronale Subprogramme können durch den Biocomputer auch als Folge einer bewusst oder unbewusst gemachten mentalen Simulation möglicher zukünftiger Ereignisse hervorgebracht werden. Eine beständige Interaktion bereits vorhandener neuronaler Subprogramme auf der unbewussten gedanklichen Ebene findet statt. Die auf der Ebene des Bewusstseins vorhandene Manifestation dieser Interaktion wird auch als Traum bezeichnet.

In dem Maße, in dem diese Subprogramme zur Verfügung stehen, fällt es dem neuronalen System leicht, Probleme zu lösen. Stehen die Subprogramme jedoch nicht zur Verfügung, so müssen sie durch den Biocomputer in Echtzeit generiert werden, was enorme Ansprüche an das neuronale System stellt. Das Selbstvertrauen ist, neurologisch betrachtet, die Gewissheit, sich auf seine neuronalen Subprogramme verlassen zu können. Mit Hilfe der neuronalen Subprogramme agiert man unbewusst im „Autopilotmodus". In dem Maße, in dem durch negative Erfahrungen Subprogramme frustriert und somit "auf Eis" gelegt worden sind, steigt auch die Anforderung an das neuronale Gesamtsystem.

 

Kognitive Überlastung

Es ist zu beobachten, dass Kommunikation in sozialen Systemen ähnlich abläuft wie die Selbstreproduktion lebender Organismen: Ähnlich wie diese nur Stoffe aus der Umwelt aufnehmen, die für ihre Selbstreproduktion relevant sind, nehmen auch Kommunikationssysteme in ihrer Umwelt nur das wahr, was zu ihrem "Thema passt", was an den Sinn der bisherigen Kommunikation „anschlussfähig" ist. "Sinn" ist, für den mit seiner Umwelt interagierenden Beobachter, ein Mechanismus zur Reduktion von Komplexität: In der unendlich komplexen Umwelt wird nach bestimmten Kriterien nur ein kleiner Teil herausgefiltert; die Grenze eines sozialen Systems markiert somit eine Komplexitätsdifferenz von außen nach innen.

Auf der Ebene des subjektiven Erlebens manifestiert sich die improvisierte Generierung von Subprogrammen in Echtzeit dergestalt, dass das bewusste Denken des betreffenden Subjekts mit Information geradezu überflutet wird. Um diese kognitive Überflutung oder Überlastung einzudämmen, ist der Betreffende dazu gezwungen, die Geschwindigkeit seiner Handlungsabläufe zu reduzieren. Dies ist ein Symptom, das bei sog. "Schizophrenen" häufig beobachtet werden kann.

Auch erzählen sie von einer Wahrnehmung unzähliger, teils nebensächlicher Informationen. Phänomene und Vorgänge, die psychisch Gesunden unwichtig erscheinen, werden nun als sehr wichtig wahrgenommen. Das sind sie ja auch, denn die Subprogramme, die jenen Vorgängen zugeordnet waren, haben sie als unwichtig erscheinen lassen. Unwichtig erscheint etwas eben gerade dann, wenn es von den neuronalen Subprogrammen unbewusst oder kaum bewusst verarbeitet werden kann. Der Zusammenbruch der Subprogramme lässt Unwichtiges wichtig erscheinen, und das Wichtige muss unter Zuhilfenahme des bewussten Denkens bewältigt werden.

 

Neuronale Arbeitsleistung

Die Lösung bestimmter kognitiver Aufgaben ist für sog. "Schizophrene" nur mit wesentlich größerer neuronaler Arbeit als bei psychisch Gesunden möglich. Diese neuronale Arbeit wird subjektiv als Anstrengung oder Mühe empfunden.

Muss ein Mensch beispielsweise Holzscheite aufstapeln, so scheinen sie mit zunehmender körperlicher Erschöpfung immer schwerer zu werden, obwohl deren Gewicht, physikalisch betrachtet, natürlich gleich bleibt.

Wenn das neuronale System durch die Frustrierung der neuronalen Subprogramme geschwächt worden ist, so scheinen kognitive Aufgaben für das Subjekt immer komplexer zu werden, obwohl deren Komplexität, aus der Perspektive eines Beobachters, überhaupt nicht größer geworden ist.

 

Destruktive Feedbackschlaufe

Psychische Konfliktsituationen, wie beim double-bind, werden vom Opfer in zunehmendem Maße als bedrohlich erlebt, obwohl sie, aus der Sicht eines Beobachters, nicht wirklich bedrohlicher geworden sind.

Es ergibt sich hier eine destruktive Feedbackschlaufe: Psychische Gewalt bewirkt eine psychische Schwächung, eine psychische Schwächung lässt die psychische Gewalt potenter erscheinen, die potenter erscheinende psychische Gewalt bewirkt eine potentere Schwächung des neuronalen Systems, die potentere Schwächung des neuronalen Systems vermindert das kognitive Potential des Subjekts, die Schwächung des kognitiven Potentials des neuronalen Systems entspricht schließlich einer psychischen Schwächung des Subjekts.

 

Phänomenologische Grundhaltung

Das Primat des Phänomenalen: Die Erlebniswelt des Menschen, wie sie sich darbietet, als einzige unmittelbar gegebene Wirklichkeit anzuerkennen und ernst zu nehmen. Der absolute Maßstab für die psychische Schädigung ist also das subjektive Erleben des Subjekts.

 

Gedankenexperiment und Beispiele

Gedankenexperiment: Das Pawlowsche Paradoxon

 

Anmerkungen:

1) Ein Gedankenexperiment ist ein Experiment, dass nicht real durchgeführt werden muss, sondern bei dem die Schlussfolgerungen durch anwenden bekannter Gesetzmäßigkeiten hergeleitet werden können.

2) Ein Verständnis des Gedankenexperiments: Pawlowsches Paradoxon setzt Kenntnisse über die Theorie Konditionierung und insbesondere der Wirkungsweise einer Skinner-Box voraus.

 

A: Bodenplatte A, B: Bodenplatte B, H: Hund, zw: Hundezwinger, S1: Stromstoss von k, S2: Stromstoss von e, k: Alpha-Tier k (Kreis), e: Alpha-Tier e (Ellipse)

 

Versuchsanordnung

Ein Hund H, zwei elekrifizierbare Bodenplatten A und B, große Bilder verschiedener Ellipsen e und eines Kreises k, ein Hundezwinger zw, der die Bodenplatten A und B umschließt, der Experimentator Exp, der die Stromstösse S1 und S2 auslöst.

Die notwendigen Bedingungen für eine double-bind-Situation sind:

  1. Zwei oder mehr Subjekte, die miteinander kommunizieren:
    e und k mit H bzw. H nimmt e und k und deren Signale wahr.

  2. Wiederholte Kommunikationserfahrungen (Etablierung eines Reiz-Reaktions Musters):

    1. Wiederholte Stromstösse S1, S2 auf der Beziehungsebene und

    2. wiederholte Wahrnehmung von k und e auf der Inhaltsebene durch H während der Konditionierung

  3. Ein primäres negatives Gebot: k kommuniziert:
    A ist verbotene Zone

  4. Ein sekundäres Gebot, das

    1. mit dem ersten auf einer abstrakten Ebene in Konflikt steht: e kommuniziert: B ist verbotene Zone,

    2. und wie das erste durch Strafen oder Signale verstärkt wird, die das Überleben bedrohen: Strafe durch S1 und S2

  5. Ein tertiäres Gebot, das dem Opfer verbietet

    1. den Schauplatz zu fliehen: Hundezwinger zw,

    2. oder über die Beziehung zu metakommunizieren (meta = zwischen, inmitten, nach, später): Das Feedback von H wird von e und k ignoriert.
      Feedback von H im Kampfmodus: Abwehr- oder Verteidigungsbellen, Zähnefletschen
      Feedback von H im Fluchtmodus: Angstbellen

 

Ablauf

Dem Hund wird abwechselnd das Bild einer deutlich erkennbaren Ellipse oder eines Kreises gezeigt. Einige Sekunden bevor Strom durch Platte A fließt, sieht der Hund einen Kreis, bevor Strom durch Bodenplatte B fließt, zeigt man dem Hund eine Ellipse. Mit der Zeit assoziiert der Hund die beiden Formen mit der jeweils entsprechenden Bodenplatte, und kann so die stromführende Platte rechtzeitig meiden. Siehe: Kontiguität ([lateinisch] die, das zeitliche und räumliche Zusammentreffen zweier Reize, zweier Reaktionen oder von Reiz und Reaktion als Voraussetzung für das Lernen)

Die Bodenplatten können vom Hund nicht beide gleichzeitig vermieden werden, der Hund muss sich also zwischen Bodenplatte A oder B entscheiden. Nun zeigt der Experimentator dem Hund nach und nach Ellipsen, die immer schwieriger von einem Kreis zu unterscheiden sind, bis der Hund beide Bilder nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Der Hund zeigt nun starke Verhaltensstörungen und wird entweder sehr aggressiv, oder zeigt große Furcht.

 

Interpretation

Es entsteht ein klassisches double-bind-Paradoxon: Das neuronale System des Hundes ist gezwungen sich für eine der zwei Platten zu entscheiden. Zunächst ist die kognitive Kapazität des Hundes ausreichend, um der Anforderung gerecht zu werden. Mit zunehmender Annäherung der beiden Formen Ellipse und Kreis, findet eine Überforderung der kognitiven Kapazität, also eine Überlastung des neuronalen Systems des Hundes statt. Der Hund erlebt diese Überlastung als Bedrohung.

 

Diese kognitive Überlastung bezieht sich aus der Sicht des Hundes auf das Bild des Kreises, bzw. des beinahe-Kreises. Der Hund zeigt nun aggressives, resp. ängstliches Verhalten in Bezug auf das Bild. Entweder wird der Hund aggressiv, wenn er im Kampfmodus ist, oder ängstlich, wenn er im Fluchtmodus ist. Welches Verhalten eintritt, wird durch frühere Erfahrungen im Leben des Hundes bestimmt, und vermutlich durch eine genetische Prädisposition, also durch die Hundegattung.

 

 „Hundegedanken“

 

Der Experimentator ist für den Hund unsichtbar. Der Hund erlebt einerseits die Ellipsen- und Kreisbilder, andererseits die unangenehmen Stromstösse. Durch die Assoziation der Bilder mit den Stromstössen scheinen diese Stromstösse von den geometrischen Formen ausgeteilt zu werden. Die Formen werden dadurch personifiziert. Dem Hund erscheinen sie als Bezugsformen. Im Bewusstsein des Hundes gibt es nun also das Alpha-Tier "Kreis" und das Alpha-Tier "Ellipse".

 

Der Hund denkt: "Alpha-Tier k (Kreis) will, dass ich auf Platte B stehe, sonst bestraft er mich. Alpha-Tier e (Ellipse) will, dass ich auf Platte A stehe, sonst bestraft er mich."

 

Als Folge des Lernprozesses sind neuronale Muster entstanden, die es dem Hund erlauben dem Willen beider Alpha-Tiere zu entsprechen. Der Wille der Alpha-Tiere k und e ist unterschiedlich (Platte A resp. B), aber die Alpha-Tiere erscheinen nie gleichzeitig, und so ergibt sich für den Hund kein Widerspruch. Kann der Hund die beiden Alpha-Tiere nicht mehr voneinander unterscheiden, da Ellipse gleich Kreis, weiß der Hund nicht mehr, welches Alpha-Tier etwas von ihm will. Beide Alpha-Tiere scheinen nun gleichzeitig präsent zu sein. Da er keinen Stromstoss erhalten will, muss er etwas tun, ohne zu wissen was. Er will sich anpassen, weiß aber nicht, was von ihm erwartet wird. Er beginnt zu raten: Sein neuronales System projiziert eine imaginierte Interpretationsform in die präsente Bezugsform.

Die Wahrscheinlichkeit eines Stromstosses beträgt 50 Prozent, wenn e gleich k. Solange der Hund noch glaubt in der Lage zu sein, die Bezugsform identifizieren zu können, sind dessen neuronale Prozesse hyperaktiv. Erst wenn er die völlige Sinnlosigkeit seines Bemühens erkannt hat, gibt er den Wunsch auf, sich den Alpha-Tieren anzupassen. Er erhält dann zwar weiterhin Stromstösse, aber sein neuronales System wird so vor einem Zusammenbruch bewahrt.

 

Die neuronalen Muster, die sich ursprünglich als Folge der Konditionierung gebildet hatten, beginnen sich aufzulösen: die Assoziation wird dissoziiert. Und so verlieren die Alpha-Tiere ihre Macht über ihn.

 

Beispiele

    

Verbot authentischer Empfindungen

 

Beispiel 1:

 

"Wie kannst du bloß unglücklich sein. Haben wir dir nicht alles gegeben, was du willst? Wie kannst du nur so undankbar sein, dass du sagst, du bist unglücklich, nach allem, was wir für dich getan haben, nach all den Opfern, die für dich gebracht worden sind?"

 

Decodiert heißt dies: "Du hast nicht die Erlaubnis, dich unglücklich zu fühlen, weil wir es nicht so wollen; wenn du dich unglücklich fühlen willst, dann fühle dich auch schuldig dabei."

 

Das Bemühen des Sohnes, der Erwartungshaltung seiner autoritären Eltern zu entsprechen, hat ihn unglücklich gemacht. Die Eltern sind nun uneinsichtig und nicht bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Sie machen den Sohn dafür verantwortlich, indem sie sein Unglücklichsein als Rebellion aus Undank interpretieren und nicht als psychische Verfallserscheinung: "Er ist nur unglücklich, weil er uns ärgern will!"

 

Der Sohn kann sein Unglücklichsein im Sinne einer Anpassung an seine Eltern nur verdrängen, wenn er seine Lebenserfahrungen und somit einen Bestandteil seiner Persönlichkeit verleugnet. Anpassungsdruck und Autoritätsdominanz sind also sehr hoch.

 

Sei schwach

 

Beispiel 2:

 

Mutter: Ich bin nicht böse, dass du so redest. Ich weiß ja, du meinst es nicht wirklich so.

Tochter: Aber ich meine es so.

Mutter: Nun, Liebes, ich weiß, du meinst es nicht so. Du kannst dir nicht selber helfen.

Tochter: Ich kann mir selber helfen.

Mutter: Nein, Liebes, ich weiß, du kannst es nicht, denn du bist krank. Würde ich einen Augenblick vergessen, dass du krank bist, dann wäre ich sehr wütend auf dich.

Decodiert lautet die Mitteilung des Unterbewusstseins der Mutter: "Wenn du nicht akzeptierst, dass du schwach, hilflos und unbedeutend bist, dann werde ich wütend." oder

"Deine Äußerungen akzeptiere ich nur unter der Bedingung, dass Du anerkennst, dass Du krank bist"

Die Tochter hat die Wahl zwischen den Scheinalternativen entweder nicht ernst genommen zu werden oder sich für krank erklären lassen, wobei die Paradoxie auch darin besteht, dass diese Kommunikationsstrukturen krankmachend sind.

Es ist in dieser Situation für die Tochter sehr schwierig, metakommunikativ zu agieren. Das kommunikative Verhalten der Mutter verletzt die Gefühle der Tochter, aber sie kann nicht sagen, was an den Aussagen der Mutter eigentlich so verletzend ist. Auf der Inhaltsebene erscheinen deren Äußerungen harmlos zu sein, im Kontext auf der Beziehungsebene entfalten sie jedoch erst ihre destruktive Wirkung.

Würde die Tochter metakommunikativ intervenieren: "Mutter, wieso nimmst du mich nie ernst und erniedrigst mich?", so würde die Mutter auf den harmlosen Inhaltsaspekt der Kommunikation verweisen, und somit die Kritik als ungerechtfertigt zurückweisen: "Werd nicht frech, du spinnst ja." oder "Das bildest du dir ein." Die Feindseligkeit der Mutter ist unscheinbar, weil inhaltlich codiert, aber kontextuell in einem destruktiven Sinne sehr effektiv.

 

Suppenfalle

 

Beispiel 3:

 

Nehmen wir an, eine Frau fragt Ihren Mann: "Diese Suppe ist nach einem ganz neuen Rezept – schmeckt sie dir?" Wenn sie ihm schmeckt, kann er ohne weiteres "ja" sagen, und sie wird sich freuen. Schmeckt sie ihm aber nicht, und es ist ihm außerdem gleichgültig, sie zu enttäuschen, kann er ohne weiteres verneinen. Problematisch ist aber die Situation, wenn er die Suppe scheußlich findet, seine Frau aber nicht kränken will. Auf der sogenannten Inhaltsebene, also was die Qualität der Suppe betrifft, müsste seine Antwort "nein" lauten. Auf der Beziehungsebene müsste er "ja" sagen, denn er will sie ja nicht verletzen. Was sagt er also? "schmeckt interessant", in der Hoffnung, dass seine Frau ihn richtig versteht. Oder er sagt: "Schmeckt ganz gut, brauchst du aber nicht wieder zu kochen". (Watzlawick, Paul: Menschliche Kommunikation - Formen. Störungen, Paradoxien)

 

Psychotischer Anfall

 

Ein Beispiel aus der Praxis:

 

Eine Mutter kommt zu ihrem psychisch kranken Sohn in die psychiatrische Klinik, um ihn zu besuchen. Sie betritt den Raum, ihr Sohn geht auf sie zu, und will sie zur Begrüßung umarmen. Die Mutter weicht ein wenig zurück, worauf der Sohn davon ablässt, sie zu umarmen. Darauf sieht sie ihn mit einem vorwurfsvollen Blick an und sagt: "Was ist, hast du mich nicht mehr gern?" Der junge Mann erleidet daraufhin einen psychotischen Anfall und wird mit Psychopharmaka ruhig gestellt.

 

Interpretation des Praxisbeispiels: Das subtile Zurückweichen der Mutter beim Versuch des Sohnes die Mutter zu umarmen, wurde von seinem Unterbewusstsein richtigerweise als Ablehnung interpretiert. Das Zurückweichen bedeutet soviel wie: "Umarme mich nicht!" Der Sohn entspricht diesem nonverbal geäußerten Wunsch, und verzichtet darauf, seine Mutter zu umarmen. Der Sohn entspricht also dem Wunsch seiner Mutter; er passt sich ihrem Willen an.

 

Ein logisches Feedback in einer gesunden interpersonellen Interaktion würde nun darin bestehen, dass er dafür belohnt wird, beispielsweise mit einer kleinen Geste von der Mutter. Er wird aber mit einem Vorwurf verbal dafür bestraft. "Was bist du nur für ein böser Junge, du willst deine Mutter nicht umarmen!" Der Sohn wird von seiner Mutter also dafür bestraft, dass er ihrem Willen entsprochen hat. Die durch den Sohn primär richtig erfolgte Interpretation des Zurückweichens der Mutter wird dadurch nun in Frage gestellt. Das primäre Verhalten des Sohnes hat sich als eine nicht geeignete Verhaltensstrategie herausgestellt.

 

Hätte der Sohn das Zurückweichen der Mutter ignoriert, und sie dennoch umarmt, so hätte sie ihm dies ebenfalls zum Vorwurf gemacht. Sie hätte ihm dann vielleicht einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen im Sinne von: "Was würde dein Vater sagen, wenn er sehen würde, dass du seine Frau umarmst!" siehe auch: Ödipuskomplex

 

Es gibt für den jungen Mann also absolut keinen Ausweg aus der Situation. Was immer er auch tut, er erlebt ein negatives Feedback. Seine ihm übermächtig erscheinende Mutter zufrieden zu stellen, erscheint ihm aber außerordentlich wichtig. In seiner Kindheit musste er die leidvolle Erfahrung machen, wie gefährlich mächtige Bezugspersonen sein können, die mit seinem Verhalten nicht zufrieden sind.

 

Sein Unterbewusstsein scheint zu sagen: "Ich werde in dieser Situation hier noch wahnsinnig!" Dieser Konflikt im Unterbewusstsein entlädt sich gewissermaßen über den psychotischen Anfall, der nichts anderes darstellt als einen verzweifelten Versuch, aus der hoffnungslosen Situation mit aller Macht auszubrechen. Der Wille zum Ausbruch ist da, aber der Weg dazu ist völlig unbekannt. Eine sinnlos erscheinende Freisetzung psychischer Energie ist die Folge davon.

 

Extremfall Schizophrenie

 

Kommunikationsformen

 

In Extremfällen, wenn die Kommunikation sehr häufig durch solche Doppelbotschaften gekennzeichnet ist, kann dies beim Adressaten schwere psychische Störungen nach sich ziehen. Die Theorie der Doppelbindung spielt in der Schizophrenieforschung sowie der Kommunikationstheorie eine bedeutende Rolle, und wird in zunehmendem Maße für die Analyse und Beschreibung pathologischer Kommunikation im individuellen Bereich in der Psychotherapie und im gesellschaftlichen Bereich in der Sozialpsychologie und in der Pädagogik angewendet.

 

Die kommunikationstheoretisch orientierte Schizophrenieforschung arbeitet mit der Hypothese, dass lang andauernde Kommunikationserfahrungen nach dem Muster des double-bind beim Opfer zu Kommunikationsstrukturen führen, die mit den klinischen Kriterien der Schizophrenie fast identisch sind: Das Opfer verliert immer häufiger und schließlich, beim Ausbruch in die Psychose, vollkommen die Möglichkeit, die gesellschaftlich verbindlichen Kommunikationsformen in sinnvollen Zusammenhängen zu erleben und anzuwenden.

 

Familiensituation

 

Nach Batesons Hypothese weist die Familiensituation des Schizophrenen folgende allgemeinen Merkmale auf:

 

1.   Ein Kind, dessen Mutter Angst bekommt und sich zurückzieht, sobald das Kind auf die Mutter reagiert wie auf eine liebende Mutter. Das heißt, die bloße Existenz des Kindes hat für die Mutter eine spezielle Bedeutung, die in ihr Angst und Feindseligkeit erregt, sobald die Gefahr besteht, dass sie mit dem Kind in innigen Kontakt gerät.

 

2.   Eine Mutter, die ihr Gefühl der Angst und Feindseligkeit gegenüber dem Kind nicht akzeptieren kann und es deshalb verleugnet, indem sie ein liebevolles Verhalten an den Tag legt, um das Kind zu veranlassen, in ihr die liebevolle Mutter zu sehen, und um sich zurückzuziehen, wenn das Kind das nicht tut. "Liebevolles Verhalten" impliziert nicht unbedingt Zuneigung; es kann zum Beispiel Teil eines Bemühens sein, das Richtige zu tun, "Güte" einzuflößen usw.

 

3.   Das Fehlen von jemand in der Familie, z. B. eines starken und einsichtigen Vaters, der sich in die Beziehung zwischen Mutter und Kind einmischen und das Kind angesichts der aufgetretenen Widersprüche unterstützen kann.

 

Genetik

 

Zur Genetik schreibt Bateson: "Es muss in der Ätiologie der transkontextuellen Syndrome natürlich auch genetische Komponenten geben. Beispielsweise könnte genetische Komponenten die Lernfähigkeit oder die Potentialität, diese Fähigkeit zu erlangen, dazu determinieren, transkontextuell zu werden. Umgekehrt könnte das Genom Fertigkeiten hervorbringen, transkontextuellen1 Wegen zu widerstehen, oder die Potentialität, diese zu erlangen."

 

1 transkontextuell bedeutet: über den normalen gedanklichen Bezugsrahmen hinausgehend, fast wie eine Lebensphilosophie. Siehe auch: NLP Meta-Programme

 

Umstrittener Oberbegriff

 

Es gibt keine einheitliche Schizophrenie. Es gibt nur eine Vielfalt von seelischen Störungen, die Eugen Bleuler zu Anfang des letzten Jahrhunderts als Gruppe der Schizophrenien zusammengefasst hat. Sie sind in ihrem Erscheinungsbild und ihrem Verlauf so unterschiedlich, dass immer wieder zur Diskussion steht, ob alle unter diesem Oberbegriff zusammengefassten Störungen auch in eine Gruppe gehören. Dies ist keine Entdeckung der Antipsychiatrie. Es besteht Einigkeit, dass bei diesen Störungen nicht die Krankheit behandelt wird, sondern Krankheitszustände. Weil die Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis ein so uneinheitliches Bild bieten, ist eine einheitliche Behandlung nicht möglich.

 


 

Behandlungsansätze

 

Mit Behandlungsansätzen sind in diesem Absatz nicht etwa Behandlungsansätze zur Behandlung schizophrener Erkrankungen gemeint, sondern vielmehr Behandlungsansätze zur Auflösung eine Doppelbindungs-Kommunikationsstruktur und den damit einhergehenden Belastungsstörungen.

 

Gegen die pathogene Wirkung von Doppelbindungen führte Watzlawik nach dem Grundsatz "similia similibus curentur" (lat. von "gleiches heilt gleiches") die therapeutische Doppelbindung, in Form der positiven Symptomverschreibung als paradoxe Intervention in die psychologische Behandlungspraxis ein.

 

Dieser Behandlungsansatz "paradosso e controparadosso" wurde von der italienischen Psychotherapeutin Selvini Palazzoli im Rahmen eines systemischen Modells von Familientherapie weiterentwickelt und insbesondere zur Behandlung magersüchtiger junger Frauen und deren Familien genutzt. Siehe auch: Anorexia nervosa

 

Der vorläufige, bedeutungsoffene und von den tatsächlichen Handlungsabsichten losgelöste (d.h. manipulationsfreie) Charakter (einer Kommunikation) ist nach Watzlawick gerade eine strukturelle und notwendige Voraussetzung menschlicher Kommunikation.

 

Erkenntnistheoretische Grundlagen

 

Die Doppelbindungstheorie, die aus der Sozialpsychologie stammt, wurde maßgeblich von Gregory Bateson (Freund und Mentor von), Paul Watzlawick und ihren Kollegen an der Universität von Palo Alto entwickelt.

In der damaligen Wissenschaftsszene hatte es Bateson schwer, den Unterschied zwischen "Ursache und Wirkung" und "Differenz und Ideen", wie er die Ebene selbst bezeichnet, verständlich zu machen. Der Forschungsbereich der Wissenschaft bis weit in das 20. Jahrhundert war geprägt durch Messungen von physikalischen Naturkräften. Nicht unmittelbar physikalisch messbare geistige Kräfte und Bewusstseinszustände wurden als Folge ihrer Unzugänglichkeit für die wissenschaftliche Messmethodik nur wenig erforscht. Neuro-bioelektrische Aktivität war unspezifisch messbar, jedoch nicht die mit ihnen korrelierenden geistig-mentalen Bewusstseinsphaenomene an sich. Das Verständnis darüber, dass ein kommunikativer Unterschied, der einen Unterschied im Kontext macht, eine kräftelose Informationseinheit ist (eine Idee oder ein Bit), die innerhalb eines Musters wirkt, wurde der breiten Öffentlichkeit erst im Verlaufe des Übergangs vom Industrie- zum Informationszeitalter bekannt.

Kommunikation bezieht sich nur scheinbar direkt auf die Umwelt. Tatsächlich bezieht sie sich nur auf die von ihr nach ihren eigenen Gesetzen wahrgenommene innere Abbildung der Umwelt, also letztlich auf sich selbst. Diese Selbstbezüglichkeit, auch als Selbstreferenzialität oder Autoreferenzialität bezeichnet, ist typisch für jede Kommunikation.

 

Zentrale Operationen von sozialen Systemen sind nicht Handlungen, die auf der körperlich-materiellen Ebene vollzogen werden, sondern Kommunikation, die auf der geistig-informationellen Ebene stattfindet. Diese Kommunikation wird durch Sprache, Schrift, Mimik und Gestik auf multiplen Kommunikationskanälen vollzogen. Kommunikation findet zwischen Beobachter und Beobachtetem auf der subjektiven Erlebnisebene statt. Kommunikation ist nicht primär das Ergebnis physischer Interaktion zwischen biologischen Entitäten, sondern die als Beobachter und Beobachtetes auf der subjektiven Ebene bewusst wahrgenommene Manifestation multipel vernetzter, neuronaler und sozialer Systeme.

 

Das eigene Selbst ist kein System, sondern ein Identifikationspunkt innerhalb der vernetzten Kommunikation. Die menschliche Gesellschaft manifestiert sich also durch vernetzte neuronale und soziale Kommunikation im Bewusstsein des Beobachters. Diese sich selbstreferierende Definition grenzt sich absichtlich von deduktiven Methoden der klassischen, objektivistischen Wissenschaft ab. Das gesellschaftliche System wird als ein sich selbst beschreibendes System betrachtet, das seine eigenen Beschreibungen enthält.

 

Gesellschaft besteht also nicht aus eigenmächtig handelnden, biologischen Entitäten, sondern ist ein komplex vernetztes, sich selbst beobachtendes, sich selbst referierendes Beobachtungssystem. Am Anfang steht also keine einheitliche Perspektive, sondern die Differenz von Beobachtendem und Beobachtetem. Die Grundeinheit dieser Perspektive ist die Operation der Beobachtung, die sich als Kommunikation vollzieht.

 

Beobachtung ist dabei immer eine systeminterne Operation, also ein Konstrukt innerhalb eines Systems. Dabei ist die Beobachtung (Projektion) immer an gewählte Beobachtungsperspektiven gebunden (selektive Wahrnehmung). Dieser Auswahlprozess ist selbst Ausdruck systeminterner neuronaler und sozialer Prozesse. Die Beobachtung kann also nicht sehen, was sich nicht im Feld der Beobachtung manifestiert. Diesen blinden Fleck kann nur ein Beobachter zweiter Ordnung beobachten. Auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung gelangt man zu einer vielschichtig vernetzten Welt (Gruppendynamik, Internet), sich selbst als Beobachter bewusst erkennender Identifikationspunkte, im physikalischen Raumzeitkontinuum.

 

In der Umwelt gibt es in diesem Sinne also weder Dinge noch Ereignisse: alles Beobachtbare ist Eigenleistung (=Konstruktion) des Beobachters, des operierenden Systems. Dies gilt folglich auch für die Erkenntnis einer Differenz Realität/Konstruktion. Erkenntnis führt damit auf Unterscheidungen zurück, welche wiederum auf Unterscheidungen zurückführen usw.

 

Siehe auch: Systemtheorie (Niklas Luhmann, Rechts- und Sozialwissenschaftler, 1968-93 Professor in Bielefeld), Symbolischer Interaktionismus

 

Kritik an der Double-Bind-Theorie

 

Diese Sichtweise konkurriert mit der in der Schulpsychiatrie weitgehend biologistisch orientierten Betrachtungsweise. Die Double-Bind-Theorie wird hauptsächlich von Psychoanalytikern, nicht-medizinischen Psychotherapeuten, der Antipsychiatrie-Bewegung und von sog. Psychiatrieerfahrenen-Patientenorganisationen vertreten, und stellt ein Gegenmodell zur überwiegend biologistisch orientierten Schulpsychiatrie dar, die nicht primär psychische Gewalt in der Kommunikation, sondern in erster Linie genetische Anomalien und neurobiologische Funktionsstörungen als Hauptursache für schwere psychische Erkrankungen wie die Schizophrenie erachtet.

 

Ursache der Schizophrenie ist, nach Ansicht der Psychiatrie, ein Ungleichgewicht des Dopaminsystems. Man vermutete zunächst eine überhöhte Dopaminproduktion, stellte dann aber auch eine höhere Anzahl von Dopamin-2-Rezeptoren im Hirn "Schizophrener" fest. Neuerdings fand man in einigen Studien aber auch eine überschießende Aktivität des Neurotransmitters Serotonin. Durch diese übermäßige Aktivierung werden, nach Ansicht der Psychiatrie, ständig unaufgefordert Erinnerungen abgerufen, die so glaubhaft sind, dass der "Schizophrene" sie von der tatsächlichen Realität nicht unterscheiden kann.

Die Psychiatrie betrachtet das neuronale System nicht primär als logischen Schaltkreis, der umprogrammiert werden kann, sondern als eine biochemische "Suppe" von Neurotransmittern, auf die man mit Psychopharmaka Einfluss nehmen kann. Psychoanalytiker sehen psychische Probleme als Softwareproblem, Psychiater hingegen betrachten sie in erster Linie als Hardwareproblem. Psychoanalytiker negieren neurologische Veränderungen nicht, aber sehen deren Ursache auf der geistig-logischen Ebene. Psychiater hingegen sehen die neurobiologische Ebene als Ursache für geistig-psychische Probleme.

Psychiater: "Die Software spielt verrückt, weil etwas mit der Hardware nicht stimmt."

 

Psychoanalytiker: "Die Hardware macht nicht was sie soll, weil etwas mit der Software nicht stimmt."

 

Das neuronale System kann nicht wirklich in Hardware und Software unterteilt werden. Diese Unterteilung ist aber dennoch sinnvoll im Sinne einer Unterscheidung von Verschaltungsproblem als Folge negativer Lebenserfahrungen versus "biologisch minderwertiger Mensch".

 

•          Die Doppelbindungstheorie ist in dieser Darstellung einer funktionalen Sichtweise verhaftet, bei der der Sender der Botschaft eine Wirkung auf den Empfänger der Botschaft ausübt.

•           Es fehlt weitestgehend eine Darstellung bzw. systemische Betrachtung darüber, welche Rahmenbedingungen den Sender einer Double-Bind Botschaft dazu bewegen, in einer solchen Weise zu kommunizieren.

 

                        siehe auch: Kühlschrankmutter

 

Filme zum Thema

 

•           Psycho Alfred Hitchcock : Der junge Norman Bates, gespielt von Anthony Perkins, ist gefühlsmäßig zerrissen zwischen seiner imaginären Mutter, deren Befehle ihn davon abhalten sollen, sich mit unbekannten jungen Frauen zu verabreden und seiner Zuneigung für einen von Janet Leigh dargestellten Motelgast. Er löst den Konflikt durch die Ermordung der jungen Frau. Am Ende des Films erfährt man unter anderem, dass dies nicht sein erster Mord war.

 

•           2001: Odyssee im Weltraum Arthur C. Clarke, Stanley Kubrick: Der Schriftsteller Arthur C. Clarke hat eine der dramatischen Episoden von 2001 erdacht, in der es darum geht, dass es für eine künstliche Intelligenz keinen Grund gibt, gegenüber Doppelbindungen weniger verletzlich zu sein, als eine biologische Intelligenz.

Der Rechner HAL wurde von der wissenschaftlichen Leitung angewiesen, kompromisslos mit der Mannschaft zu kooperieren. Gleichzeitig war er an die Anweisung der Militärbehörden gebunden, der Mannschaft den wahren Grund der Mission bis zur Ankunft auf Jupiter zu verheimlichen. Durcheinander gebracht versucht HAL, einen der Astronauten andeutungsweise auf seinen Konflikt aufmerksam zu machen, worauf HAL, um von der Konversation abzulenken, eine Störung im Kommunikationssystem simuliert.

 

Nach der Aufdeckung der gefälschten Kommunikationsstörung erwägen zwei der Astronauten, HAL abzuschalten. Als HAL davon erfährt, sieht er die Mission gefährdet, was seiner Programmierung widerspricht, die Mission unbedingt zu schützen. HAL entzieht sich der Doppelbindung, indem er damit beginnt, die Besatzung zu töten – die einzige Methode, um den Befehlen dann noch gerecht werden zu können, und die Kontrolle über die Mission nicht zu verlieren.

 

Literatur

 

•          Theorie der Doppelbindung: Werke von Gregory Bateson und Paul Watzlawick

•          Psychotherapie: Werke von Ronald D. Laing

•          Kindererziehung: Werke von Jesper Juul

•          Metaprogramme, Subprogramme und Biocomputer: Werke von John Cunningham Lilly und Timothy Leary

•          Soziologie: Publikationen nach 1960 von Norbert Elias, bei denen der "Doppelbinder" nicht selten herangezogen wird

•          Systemtheorie: Werke von Niklas Luhmann

•          Neuro-Psychoanalyse: Solms, Mark: Neuro-Psychoanalyse. Eine Einführung mit Fallstudien

 

Siehe auch

 

•          Ambivalenz, Kognitive Dissonanz, Erlernte Hilflosigkeit

•          Behaviorismus, Konditionierung, Klassische Konditionierung, Skinner-Box

•          Metakommunikation, Kommunikation (Psychologie), Nonverbale Kommunikation, Gewaltfreie Kommunikation, SABS-Modell

•          Radikaler Konstruktivismus, Maslowsche Bedürfnispyramide

•          Systemische Therapie, Gestalttherapie, Bioenergetische Analyse

•          Euphemismus („Worte von guter Vorbedeutung“), Doppeldenk (Zwiedenken), Zwickmühle (Synonym für Dilemma)

 

Weblinks

 

Doppelbindung

 

•          Double-Bind-Hypothese und Dreier-Beziehung

•          Double-Bind und Mystifizierung (bezeichnet einen mehr oder minder vorsätzlich herbei geführten Zustand der Befangenheit, und nach Karl Marx: im Sinne einer nicht zu durchschauenden Verdrehung dessen, was vor sich geht oder was getan wird) 

•          Double-Bind und Chaosforschung

 

Schizophrenie

 

•          Gregory Bateson: Auf dem Wege zu einer Schizophrenie-Theorie

•          Diplomarbeit: Schizophrenie - Teil A, P. Riederer, Universität Innsbruck (A), 1999

•          Schizophrenie und Kommunikation (pdf-Datei)

•          Die Schizophrenie: Eine Betrachtung verschiedener Gesichtspunkte der Ätiologie, der Symptomatik und der Therapie speziell im Kindes- und Jugendalter

 

sonstige

 

•          Ronald D. Laing: Mystifizierung, Konfusion und Konflikt

•          Buchrezension: Neuro-Psychoanalyse

 

Quellen

 

1.         Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden, Rowohlt Verlag (rororo), ISBN: 3499174898

2.         R.Bastine (Stuttgart, Kohlhammer Bd.1 3.Auflage, 1998), Vorlesung Klinische Psychologie, zitiert nach: Watzlawik, at. all 1969

3.         John H. Weakland, Double-Bind Hypothese und Dreier-Beziehung

 

Das ist die Interpretation bei der Wahrnehmung"