Beschneidung

>Hier< zur Kastrationsangst,

>hier< zur bösen Bemerkung vom "Vorhautsammler",

>hier< zu einem Auszug, betitelt "Afrikanische Sitten", aus "Tagebuch eines Selbstmörders".

 

>Hier< (auf dieser Webseite) zum Buch "Mythos Mann" von Prof. David D. Gilmore:

Wenn man dieses Buch gelesen hat, wie Männer in althergebrachten Kulturen auch heute noch durch qualvolle Beschneidung, wobei keine Wimper zucken darf, durch blutig schlagen abgehärtet werden und sonstige Perversionen durchmachen müssen, z.B. vorpubertär alten Männern den Samen absaugen, Tiere quälten, sich von der Mutter fernhalten usw., was alles unter Initiationsriten läuft, dann sollte man sich nicht wundern, welche Grausamkeiten und Perversionen Männer in Kriegen und bei sonstigen Streitigkeiten alles fertig bringen. Auch heute noch ist die militärische Ausbildung gefüllt mit perversen Übungen. Man beschäftige sich einmal mit dieser militärischen "Ausbildung", früher mit dem Ausdruck "Rekruten schleifen" belegt, insbesondere bei den US-amerikanischen Marines (Spezialeinheit der Marineinfanterie). Das Wochenmagazin "Der Spiegel" berichtete darüber am 1.9.2009 unter dem Titel "Von Kindern zu Kampfmaschinen"... Zu erwähnen ist das selbst in der heutigen demokratischen und "fortschrittlichen" Bundesrepublik Deutschland von Wehrpflichtigen in aller Öffentlichkeit abzulegende  »feierliches Gelöbnis, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen«. Früher hieß das Fahneneid, als militärischer Diensteid, als ein Treue- und Gehorsamseid (heute als »Diensteid« für Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit).

>Hier< Zusammenhang zwischen Männlichkeitswahn, Aggression und Beschneidung

(2 Absätze höher gehen zum Beginn der Anmerkungen). 


Unter Zirkumzision (lat. circumcisio) oder Beschneidung versteht man die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut. Die Beschneidung ist aber auch am weiblichen Geschlechtsorgan üblich, wobei die Klitoris oder der Kitzler entfernt wird (Klitoris, Clitoris, Kitzler: das entwicklungsgeschichtlich dem Penis entsprechende Geschlechtsorgan der weiblichen Säugetiere. Bei der Frau liegt der Kitzler - als wichtigste erogene Zone - am Ende der kleinen Schamlippen und besteht aus zwei Schwellkörpern und der Eichel).

Als Gründe für die Beschneidungen werden neben medizinischen Indikationen häufig religiöse, rituelle*, kosmetische, hygienische oder ästhetische Argumente angeführt. Die weibliche Beschneidung dient allein dem Zweck, die sexuelle Lust einzuschränken.

*   insbesondere bei sogenannten Naturvölkern übliche Riten (kultische Handlungsabläufe) im Zusammenhang mit Initiationsfeiern (lateinisch: Einweihung) zur Aufnahme meist der Knaben in die Gesellschaft der Männer (zum Teil verbunden mit der Beschneidung) in den Kreis der vollberechtigten Stammesmitglieder. Solche Initiationen sind weniger stark ausgeprägt und nicht so weit verbreitet bei Frauen.
   

Umstrittene medizinische Begründungen und kulturelle Einflüsse

 

Kritiker sehen in der Befürwortung der Zirkumzision (vor allem in den USA) eine kulturell motivierte Ansicht, die die "Beschneidung" als gesünder und empfehlenswerter empfindet. Sie vergleichen die nicht medizinisch indizierte Zirkumzision mit der Genitalverstümmelung bei Frauen und betrachten sie somit als Körperverletzung. Befürworter halten dagegen, dass - im Gegensatz zur stark beeinträchtigenden Verstümmelung weiblicher Genitalien - die aus rituellen Gründen durchgeführte Beschneidung des Knaben millionenfach problemlos und ohne negative Folgen verlaufe, daher erscheine dieser Vergleich nicht angemessen.

 

Es gibt statistische Hinweise, dass sich das Vorkommen von Portiokarzinomen (Zervixkarzinomen) (Krebs des Gebärmuttermundes bzw. Gebärmutterhalses) bei der Frau nach Geschlechtsverkehr mit "unbeschnittenen" Männern durch Übertragung von Smegma praeputii (talgartige Absonderung im Vorhautsack und zwischen den Schamlippen) häufte. Dieser Zusammenhang wird heute noch kontrovers beurteilt, der Zusammenhang zwischen Beschneidung und Cervixkarzinomen ist noch nicht abschließend geklärt. (Cervix uteri ist der Gebärmutterhals.)

 

Ein Zusammenhang mit der erleichterten Genitalhygiene wird nicht gerne berücksichtigt, die beim "unbeschnittenen" Penis ein Zurückziehen der Vorhaut erforderlich ist. Schon ein kleiner Junger kann dadurch eine Erektion bekommen zum Entsetzen der Mütter. Daher wird eine Zirkumzision gefordert. Bei einer Phimose (Capistratio), einer Verengung der Vorhaut kann sich leicht eine Entzündung unter der Vorhaut bilden. Dann ist eine Operation erforderlich, wobei keineswegs die ganze Vorhaut rundherum radikal entfernt werden muß. Die Verengung tritt auch deshalb auf, weil beim Kleinkind schon ein Zurückstreifen zum Zwecke der Reinigung zweckmäßig wäre und sich dann die Verengung gar nicht erst ausbildet. Da ein Kleinstkind - es sei nochmals wiederholt - schon eine Erektion bekommen kann, machen das die Eltern (oder sonst jemand) nicht. Bei religiösen Menschen, die sowieso eine Sexualaufklärung auf keinen Fall akzeptieren, z.B. in den USA, wird also einfach prophylaktisch (vorbeugend) beschnitten.

 

Nach der Zirkumzision = Beschneidung erfolgt die Reinigung schon von selbst mit der Unterhose.

 

 

Folgen der Beschneidung

 

Beim Mann gehört die Vorhaut (auch als Schafthaut bezeichnet, da sie leicht verschiebbar den Penisschaft umhüllt) zu den empfindlichsten Stellen des Körpers. Zudem ist das "Frenulum" (Zungenbändchen, das die Eichel mit dem Penisschaft verbindet) besonders dicht mit Nerven-Enden besetzt und wird bei den üblichen Formen der Beschneidung meist beschädigt oder komplett entfernt.

 

Durch den ständigen Kontakt mit der Luft und dem Reiben an der Kleidung kann die ungeschützte Eichel an Empfindlichkeit verlieren. Auf der empfindlichen Haut bildet sich eine Keratinschicht (eine sogenannte Hornhaut), die mit der Zeit zu einer weiteren Desensibilisierung beitragen kann. UV-Einstrahlung kann für das ungeschützte Organ gefährlich sein, wenn sie nicht durch Kleidung oder Sonnenschutzmittel abgeschwächt wird. Eine vermutlich verlängerte Erektionsdauer durch die Herabsetzung der Empfindlichkeit der Eichel wird von vielen Männern als Grund für eine Zirkumzision genannt (Zirkumzision: Rundherum Abtrennung der Schafthaut). Vermeintlich dauert der Geschlechtsakt länger. Zumindest ist der Reiz reduziert. Aber es kommt in vielen Fällen zu dauerhaften Reizungszuständen durch die freiliegende Eichel . Der gewünschte Effekt ist wahrscheinlich eine Illusion. Genaue Untersuchungen sind nicht bekannt. Die zu befragenden Personen müßten beide sexuelle Erfahrungen kennen - nämlich ohne und mit Beschneidung.

 

Die rückseitige Vene (Vena dorsalis penis superficialis), die beim Mann an der Spitze der Vorhaut beginnt, wird bei der Beschneidung in der Regel, jedoch nicht notwendigerweise, durchtrennt und verästelt sich mit der Zeit neu. Dies ist nicht immer problemlos und kann Knoten entstehen lassen.

 

Manche beschnittene Männer fühlen sich bei der Masturbation (Onanie, Selbstbefriedigung) eingeschränkt. Eine schnelle und intensive Masturbation ist ohne Gleitmittel (Creme) kaum möglich. Eine Beeinträchtigung wird jedoch abhängig von Art und Umfang der Beschneidung unterschiedlich erlebt. Besonders bei den radikaleren Beschneidungsvarianten kann die direkte Stimulation der trockenen Eichel mit der Hand als unangenehm bis schmerzhaft empfunden werden. In diesem Fall helfen Gleitmittel. Diese Notwendigkeit kann spontaner sexueller Entfaltung entgegen stehen. Zudem ist eine Onaniemöglichkeit sowieso in Großfamilien (insbesondere in muslimischen und überhaupt religiösen Ländern), wo mehrere Personen in einem Bett schlafen und man niemals allein ist, stark eingeschränkt.

 

Untersuchungen sind nicht bekannt, ob und in wie weit sexuelle Gewaltverbrechen etwas mit Beschneidung zu tun haben. Die Vermutung liegt nahe; denn sexuelles Unbefriedigtsein führt zu Aggressionen. (Unbedeutender Hinweis >hier<.)

 

Beim Geschlechtsverkehr fehlt das natürliche Gleiten des Penis in seiner Schafthaut, was das Eindringen erschweren kann. Andererseits kann der Verkehr für beide Partner lustvoller sein, weil aufgrund der Desensibilisierung nach einer Beschneidung manchmal eine längere Stimulationsphase bis zum Erreichen des Höhepunktes benötigt wird. Jedoch sollte zwischen Intensität und Dauer unterschieden werden. Außerdem gleitet der beschnittene Penis nicht mehr in seiner Schafthaut hin- und her, so dass ein direkterer Kontakt mit dem Partner mit entsprechend stärkerer Stimulation möglich ist. Durch das direkte Reiben an der Scheidenwand kann es Probleme bei einer Trockenheit der Scheide geben.

 

In diesem Zusammenhang wäre in die oben bereits erwähnte Untersuchung, in wie weit Unbefriedigtsein zu Aggressionen führen kann, ob die traumatischen Erfahrungen von Opfern einer Vergewaltigung in irgend einem Zusammenhang mit den soeben erwähnten Bedenken gegen eine Beschneidung stehen. (Bei einer Vergewaltigung kann man wohl von einer trockenen Scheide ausgehen. Es wird natürlich schamvoll verschwiegen, ob der Vergewaltiger beschnitten war oder nicht. Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch das Tabuthema Sexualität!)

 

Im Alltag können sich störendes Reiben an der Kleidung (vor allem beim Tragen von Boxershorts) und die Ungeschütztheit des Harnröhren-Endes bemerkbar machen. Dafür geht die tägliche Intimpflege häufig einfacher vonstatten, wenn überhaupt von Nöten. (Dafür trägt der Mann die Unterhosen, wo dann das Smegma, die talgartige Absonderung unter der Eichel im Stoff verbleibt - wie bei den meisten Männern nicht abgewischte Urintröpfchen und Kotreste. Von solchen unsauberen Unterhosen können insbesondere Unfallärzte ein Liedchen singen. Das nur am Rande!)

 


 

David D. Gilmore
MYTHOS MANN

Rollen, Rituale, Leitbilder

Mit einem Vorwort von Maya Nadig

München ; Zürich : Artemis und Winkler, 1991
Einheitssacht.: Manhood in the making <dt.>
ISBN 3-7608-1926-5
© 1991 der deutschsprachigen Ausgabe Artemis & Winkler Verlag,
Satz: Filmsatz Schröter GmbH,

Druck und Bindung: Wiener Verlag, Himberg

Auf der Buchrückseite ist zu lesen:
Männlichkeit ist nichts Naturgegebenes: zum Mann wird man gemacht. Erstmals bietet der amerikanische Anthropologe David D. Gilmore einen Überblick über Männlichkeitsbilder in verschiedenen Kulturen und legt die gesellschaftlichen Wurzeln des Idealbilds »wahrer« Männlichkeit frei.


»Gilmores Studie füllt eine Lücke in der Erforschung der Geschlechterbeziehung. Sie nimmt nicht nur die Errungenschaften der Frauenforschung auf, sondern wendet sie auch fruchtbar an.«

Maya Nadig
 

und auf den Buchumschlaginnenseiten:

Männlichkeit - kaum ein Begriff ist in den letzten Jahren so sehr in Frage gestellt worden. Gleichwohl existieren in den meisten Kulturen Rollenerwartungen und Leitbilder, legen starre gesellschaftliche Normen fest, wer als »echter Mann« zu gelten hat. Was hat es mit diesem Idealbild wahrer Männlichkeit auf sich und worauf gründet es sich? Gibt es überhaupt ein universelles Leitbild männlichen Verhaltens? Zum ersten Mal gibt der amerikanische Anthropologe David D. Gilmore in diesem Buch einen umfassenden Überblick über die Männlichkeitsbilder unterschiedlichster Kulturen. Auf der Grundlage eigener Feldforschung und neuerer ethnologischer Erkenntnisse untersucht er die »Macho«-Kulturen des Mittelmeerraums, Polynesiens (Truk), Afrikas (Sambia, Massai) ebenso wie die - wenigen - Völker, die keine Trennung der Geschlechterrolle kennen (Semai auf Neuguinea, Tahiti). Die Mehinaku-Indianer des brasilianischen Regenwaldes, die Samburu Ostafrikas sowie Fallbeispiele aus China, Japan und aus westlichen Kulturen liefern das reichhaltige Anschauungsmaterial, das Gilmore mit wohltuender Sachlichkeit interpretiert.


Männlichkeit, so zeigt Gilmore, ist nichts Naturgegebenes: zum Mann wird man gemacht. Rituale und Bräuche, rigide Normen und gesellschaftliche Sanktionen zielen darauf, den Mann zu »männlichem« Verhalten zu motivieren, ihn an der Flucht vor der Verantwortung zu hindern. Der Streß der männlichen Rolle, der Kult harter Arbeit und sexueller Potenz ist ein Kulturkonzept: Der Mythos des »echten Mannes« dient letztlich dazu, so Gilmore, das Überleben einer Gesellschaft zu sichern.


Die grausamen Initiationsriten primitiver Stämme, aber auch die Zählebigkeit männlicher Rollenzwänge erscheinen aus dieser Perspektive in neuem Licht. Informativ und anregend, bietet Gilmores »Mythos Mann« der Diskussion über die Geschlechterrollen ein sachliches Fundament und neue Denkanstöße.



David D. Gilmore (Bild rechts) lehrt als Professor für Anthropologie an der State University of New York. Die Geschlechterrollen in verschiedenen Gesellschaften bilden das Grundthema seiner kulturanthropologischen Studien (u. a. »Aggression and Community«, 1987, »Sex and Gender in Southern Europe«, 1985).

ARTEMIS & WINKLER VERLAG
MÜNCHEN
 


 

Inhalt
 

Vorwort von Maya Nadig

 

Einführung Zur Methode


1.  Das Männlichkeitsdilemma

Männlichkeitsprüfungen: Ein Überblick Parallelen
Männlichkeit und Geschlechterrollen
Frühere Interpretationen
Psychosexuelle Theorien der Postfreudianer

 
2.  Männliche Selbstdarstellung: Der Mittelmeerraum

Der Fall Lorenzo
Aufgaben des Mannes
Tannhäuser: Eine nördliche Parallele

Sex und Ehe
Jenseits von Sex: Der Familienversorger
Der Mann als Beschützer
Freiheit, Unabhängigkeit
Die Trennung der Geschlechter
Ein weiterer Exzentriker


3.  Auf der Suche nach Männlichkeit: Die Insel Truk

Streitsüchtige Wochenendkrieger
Etwas Geschichte: Truk und die Welt
Männliche und weibliche Lebenszyklen Ein Mann sein
Faustkämpfe: Ein Beispiel
Interpretationen
Pwara: Ökonomische Elemente

Sex und Ehe
Analogien

 
4.  Die Angst zu versagen: Mehinaku

Die Szenerie
Make love, not war
Arbeit und Fleiß
Physische Erscheinung
Freigebigkeit
Ringkämpfe
Innenräume, Außenräume
Psychische Dimensionen
Die Tapirfrau: Ein Mythos


5.  Zwischenspiel: Andere Männer, andere Idealbilder

Neuguinea: »Big Men« und »Abfall-Männer«
Sexuelle Pflichten . . . .
Männer werden gemacht, nicht geboren
Westliche Parallelen
Der Männlichkeitsquotient
Big Men in Ostafrika
Männlichkeit und Kreativität
Männlichkeit und die Jagd
Die Frau als Versorgerin


6. Symbole der Männlichkeit: Samburu


Ein durchstrukturierter Aufstieg zur Männlichkeit
Das System der Altersklassen
Die Moran-Zeit
SexuelleAnziehungskraft
Eine Parallele: Die Massai


7.  Männlichkeitsriten: Sambia

Die Kultur der Sambia
Geschlechterideale
Rituelle Initiation
Interpretationen
Andere Riten, andere Formen von Männlichkeit: Die Gisu

Ohne Beschneidung: Die Poro-Initiation der Mende

Ziele
 

8.  Zwei Facetten: Ost- und Südasien

Wahre Männer in China
»Männliches Temperament«
Psychosomatische Manifestationen: Koro
Indien: Kontrapunkte
Androgynes in der hinduistischen Mythologie
Angst vor dem Verlust der Virilität
Männlichkeit und politische Ideologie

Männlichkeit in der japanischen Kultur

Samurai und bushido
japanische machos: Hintergründe

Kamikazehelden
Der sanfte Weg zur Männlichkeit

Die Macht der Konvention


9.  Ausnahmen: Tahiti und Semai

Tahiti: Fließende Grenzen
Die männliche Rolle
Riten: Der mahu
Die Semai
Punan: Aggression ist tabu
Wirtschaftliche Hintergründe
Die Gleichheit der Geschlechter
Zusammenfassung


10. Schlußfolgerungen

Anhang

Literaturverzeichnis
Namen- und Sachregister
 


Leseprobe:

 

...An Land toben sich die Jugendlichen in Wochenendraufereien aus, betrinken sich sinnlos und jagen sexuellen Eroberungen nach, um ein männliches Image zu bekommen. Versagt ein Mann bei einem dieser Abenteuer, wird ihn ein anderer höhnisch fragen: »Bist du ein Mann? Komm her, ich werde dich jetzt töten« (ibid., 92).
Weit entfernt von Truk, auf der griechischen Insel Kalymnos in der Ägäis, sind die Menschen ebenfalls wagemutige Seefahrer und leben vom kommerziellen Schwammtauchen (Bernard, 1967). Die Männer von Kalymnos tauchen in der Tiefsee ohne Taucherausrüstung, die sie verachten. Tauchen ist daher ein Glücksspiel, denn viele Männer werden durch die Druckluft-Krankheit (Caisson-Krankheit) dabei fürs Leben versehrt oder verkrüppelt. Aber das spielt keine Rolle: Sie haben ihre kostbare Männlichkeit durch Todesverachtung bewiesen (ibid. 119). Junge Taucher, die mit Vorsichtsmaßnahmen arbeiten, werden von ihren Gefährten verhöhnt und verspottet.
Wenden wir uns von diesen beiden seefahrenden Völkern ins Innere von Schwarzafrika, wo Viehzucht die Stelle des Fischfangs einnimmt. Bei vielen ostafrikanischen Viehzüchterstämmen - bei den Massai, Rendille, Jie und Samburu - werden die jungen Knaben an der Schwelle zur Adoleszenz ihren Müttern fortgenommen und blutigen Beschneidungsriten unterzogen, durch die sie zu echten Männern werden sollen. Sie müssen sich der Qual des Messers fügen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Schreit ein Junge auf, während sein Fleisch beschnitten wird, zuckt er auch nur mit der Wimper oder dreht den Kopf zur Seite, wird ihm fürs ganze Leben die Männlichkeit abgesprochen und seine gesamte Verwandtschaft als eine Brutstätte von Schwächlingen geschmäht. Nach dieser harten Prüfung in aller Öffentlichkeit werden die jungen Initianden in der Wildnis in besonderen Schlafhäusern isoliert. Dort sind sie sich selbst überlassen und lernen die Aufgaben eines verantwortungsvollen Mannseins - Viehraub, Überfälle, Töten, Überleben im Busch...