
Zum Buch von
Christopher Hitchens: Der Herr ist kein Hirte -
Wie Religion die Welt
vergiftet >hier<.
>Hier<
zum Buch von Rolf Degen:
Das Ende des Bösen
- Die Naturwissenschaft entdeckt das Gute im
Menschen.
>Hier<
Wirtschaftsjournalist Christian Rickens; 3 Bücher:
"Die neuen Spießer",
"Links!", "Ganz oben".
>Hier< Wilfried Bommert: Kein Brot für die Welt.
>Hier< Nouriel Roubini: "Das Ende der
Weltwirtschaft und ihre Zukunft“.
Der
Brahmanensohn Jiddu Krishnamurti, 1895 in Madanapalle in Indien geboren, verstarb 1986 in Ojai, Kalifornien. Ihm, dem
Philosophen, Autor, Theosophen und spirituellen Lehrer wurde eine große
Karriere vorausgesagt.
Anfang des zwanzigsten
Jahrhunderts erkannte die
Theosophische Gesellschaft
in ihm eine Art
kommenden Messias.
Extra für ihn wurde eine
eigene Organisation
gegründet, der Order of the
Star in the East. Doch
Krishnamurti spielte nicht
mit.
1929 löste er diesen
Orden auf, mit der
Begründung, dass er nicht
glaube, dass die Wahrheit
mit irgendeiner religiösen
Organisation erreichbar sei:
"Die Wahrheit ist ein
pfadloses Land."
Krishnamurti wollte
keine Anhänger,
keine Jünger, er wollte
nicht der Guru sein oder der
große Lehrer, dessen Worte
unwiderlegbar seien.
Die Religion ist nichts
als ein Schutzwall, den sich
die Menschen zugelegt haben.
Ideen und
Glaubensinhalte beherrschen
unser Denken.
Schlimmer noch, sie führen
zur Trennung zwischen
Menschen, da der Glaube des
einen Menschen zur
Konfrontation mit dem
Glauben des anderen führt.
Nach dem zweiten Weltkrieg
reiste Krishnamurti oft nach
Indien, die USA und Europa.
Er hielt Vorträge ohne
Manuskript und wurde doch so
etwas wie ein Lehrer,
allerdings einer, der keine
Lehre verkündete. Er war
sanftmütig und zugleich
radikal. Immer wieder
bestand er darauf, dass die
Wahrheit in jedem
Menschen zu finden
sei. Der Glaube an Gott oder
der Unglaube an Gott, beides
sind nichts anderes als
Produkte des Denkens.
"Wenn Sie eine Reise in
sich selbst hinein
unternehmen, sich all des
Inhalts entledigen, den sie
angesammelt haben, und ganz,
ganz tief eindringen, dann
ist da dieser weite Raum,
die sogenannte
Leere, die voller Energie
ist. Und in diesem
Zustand allein ist das, was
das Heiligste ist."
Umfangreich viel mehr
über ihn bei
Wikipedia.
Das Buch wird (Nov. 2011) von
www.zehn.de/vollkommene-freiheit-von-jiddu-krishnamurti
für 19,99 Euro angeboten.
(Als Bewerbung wurde auch
obiger Text entnommen.)
Zitat aus obigem Buch:
Wenn wir Angst haben,
werden wir gewalttätig. Wir wollen vernichten im Namen Gottes, im Namen der
Religion, im Namen einer sozialen Revolution, und so weiter und so weiter.
Die meisten Gedanken Krishnamurtis sind durch seine zahlreichen Reden und
Gespräche überliefert. Obwohl er mit zunehmendem Alter mehr und mehr die
Öffentlichkeit scheute, beeindruckte er durch eine charismatische
Überzeugungskraft seinen erlesenen Zuhörerkreis, zu dem so bedeutende
Persönlichkeiten gehörten wie Bernard Shaw, Aldous Huxley, Joseph Campbell,
Fritjof Capra und David Bohm (ist bei
www.zitate-aphorismen.de zu lesen und weiter:)
1. Alle Gedanken Krishnamurtis basieren kristallklar auf der dem
unvoreingenommenen Beobachten abgerungenen Fundamentalprämisse der
philosophia perennis. Diese besagt, dass der Kosmos ein raumzeitloses
einheitliches Kontinuum ist, das sich dem unbegrenzten Bewusstsein als solches
offenbart, während es dem begrenzten Bewusstsein als in Raum und Zeit, Geist und
Materie, Subjekt und Objekt aufgespaltene Dualität erscheint.
2. Krishnamurti hat diese Einheit sowohl intuitiv erfasst als auch beobachtend
wahrgenommen sowie geistig durchdrungen.
3. Es ist dem Autor gelungen, seine Weisheiten auf einfache und verständliche
Weise auszudrücken und Wege aufzuzeigen, wie sie im alltäglichen Leben
praktiziert werden können.
4. Durch sein radikales Bekenntnis zur geistigen Freiheit des Einzelnen zeigt er
auch praxistaugliche Wege auf, wie man sich aus den Fesseln
instrumentalisierender Institutionen befreien kann, ohne Weltflucht zu
betreiben.
5. Krishnamurti ist es gelungen, eine Brücke zu schlagen zwischen den mystischen
Einheitslehren und den modernen Wissenschaften wie etwa Psychologie, Soziologie
und Quantentheorie. Hier ist der Autor seiner Zeit ebenso weit voraus wie
diejenigen, die die Quantentheorie verstanden haben, gegenüber denjenigen, die
noch dem newtonschen Weltbild verhaftet sind.
In seinem Buch Das neue Denken schreibt der 1939 geborene
US-amerikanische Physiker, Systemtheoretiker, Philosoph Fritjof Capra:
«Das Problem, das Krishnamurti für mich in Zen-Manier mit einem Streich gelöst
hatte, ist genau das der meisten Physiker, wenn sie mit Ideen mystischer
Überlieferungen konfrontiert werden: Wie kann man das Denken transformieren,
ohne der Wissenschaft untreu zu werden?»
Christopher Eric Hitchens ist ein US-amerikanischer Autor,
Publizist und Literaturkritiker britischer Herkunft (1949 in Portsmouth, England
geboren). Seine Haupteinwände gegen den Glauben sind: Falsche Darstellung des
Entstehens der Welt, Unterwerfungsanspruch unter einen Gott,
sexuelle Repressionen, das Fußen auf Wunschdenken.
Zum gezeigten Buch: "Welche Rolle darf Religion heutzutage spielen? Keine -
wenn es nach Christopher Hitchens geht. Schon gar keine Sonderrolle, dazu ist
unsere Welt zu klein geworden. In seiner Streitschrift legt er eloquent und
provokant dar, dass die Rückkehr zum Glauben - ob als archaische Staatsdoktrin
oder vermeintlich modernes Sinnstiftungsangebot für den Privatgebrauch - in eine
gefährliche Sackgasse führt.
Eine gute Welt, so empfand es Bertrand Russell 1927 in seinem grundlegenden
Vortrag "Warum ich kein Christ bin" (>hier<),
brauche keine Fesselung der freien Intelligenz durch Worte, die vor langer Zeit
von unwissenden Männern gesprochen wurden. Sie brauche einen furchtlosen
Ausblick auf die Zukunft. Achtzig Jahre später hat sich Christopher Hitchens in
der Welt umgesehen. Sein Bericht: Nach wie vor lehren die Religionen auf allen
Erdteilen das Fürchten, stehen als Quell von Intoleranz, Sexismus, Siechtum,
Gewalt und körperlichem wie seelischem Missbrauch einem menschenwürdigen
Zusammenleben im Wege. Und selten stand die Zukunft so in ihrem Bann wie jetzt.
Mit seinem polemischen Rundumschlag beleuchtet Hitchens Entstehung, Verbreitung
und Wirkung diverser Glaubensgemeinschaften - von Cargo-Kult (>hier<)
bis Christenheit - und macht deutlich, wie stark und unheilvoll ihr Einfluss auf
Politik und Gesellschaft gerade heute ist." (So schreiben viele der
Buchanbieter.)
Kapitel sechzehn
Im Folgenden eine Leseprobe: Kapitel 16 - Ist Religion Kindesmisshandlung?
"Sag es mir selbst geradeheraus, ich rufe dich auf, antworte: Stell dir
vor, du selbst hättest das Gebäude des Menschenschicksals auszuführen mit dem
Endziel, die Menschen zu beglücken, ihnen Friede und Ruhe zu bringen; dabei wäre
es jedoch zu eben diesem Zweck notwendig und unvermeidlich, sagen wir, nur ein
einziges winziges Wesen zu quälen - beispielsweise jenes Kind, das sich mit den
Fäustchen an die Brust schlug - und auf seine ungerächten Tränen dieses Gebäude
zu gründen: Würdest du unter diesen Bedingungen der Baumeister dieses Gebäudes
sein wollen? Das sage mir, und lüge nicht!"
Iwan zu Aljoscha in Die Brüder Karamasow
Wenn wir abwägen, ob die Religion mehr geschadet als genützt hat - und das sagt
noch gar nichts über Wahrheit oder Authentizität aus -, führt uns das zu der
schwierigen Frage, wie viele Kinder infolge der Zwangsindoktrination durch den
Glauben psychisch und physisch irreparable Schäden davongetragen haben. Diese
Zahl ist fast so schwer zu ermitteln wie die Zahl der "wahr" gewordenen
spirituellen und religiösen Träume und Visionen, die man, um sie auch nur
ansatzweise zu bewerten, denen gegenüberstellen müsste, die sich nicht
bewahrheitet haben, wobei Letztere nicht belegt oder in Vergessenheit geraten
sind. Fest steht dagegen, dass die Religion immer auf den noch ungeformten und
schutzlosen Verstand junger Menschen Einfluss zu nehmen versucht und alles
Erdenkliche getan hat, um sich dieses Privileg zu sichern, indem sie mit den
säkularen Mächten der materiellen Welt Allianzen eingegangen ist.
Ein berühmter literarischer Fall von moralischem Terrorismus findet sich in der
Predigt Vater Arnalls in James Joyce’ Ein Porträt des Künstlers als junger
Mann. Der widerwärtige alte Priester bereitet Stephen Dedalus und seine
anderen jungen Schützlinge auf den Festtag zu Ehren des heiligen Franz Xaver vor
(der die Inquisition nach Asien brachte und dessen Knochen bis heute von Leuten
verehrt werden, die gern Knochen verehren). Vater Arnall verängstigt seine
Schüler mit einem langen, genüsslichen Vortrag über die Höllenqualen, wie er in
der Kirche üblich war, als sie noch das Selbstbewusstsein dazu hatte. Ich kann
hier unmöglich die ganze Tirade zitieren, doch zwei Elemente, in denen es um die
Folter und um die Zeit geht, sind von besonderem Interesse. Es ist nicht zu
übersehen, dass der Priester mit seinen Worten darauf abzielt, den
Kindern Angst einzujagen. Erstens wählt er kindliche Bilder. Im Abschnitt über
Folter lässt der Teufel einen Berg zusammenschmelzen wie Wachs. Er beschwört
furchtbare Krankheiten herauf und spielt geschickt mit der Angst der Kinder,
dieser Schmerz könnte ewig andauern. Als er das Bild einer Zeiteinheit entwirft,
sehen wir ein Kind, das am Strand mit Sandkörnern spielt und dann die Einheiten
spielerisch vergrößert:
"Nun stellt euch einen Berg aus diesem Sande vor, eine Million Meilen hoch,
die von der Erde bis an die fernsten Himmel reichen, und eine Million Meilen
breit, die sich bis in den entlegensten Raum erstrecken, und eine Million Meilen
in der Tiefe: und stellt euch vor, man multipliziere eine solche Masse von
Partikeln Sands so oft, als da Blätter im Walde sind, Tropfen Wassers im
mächtigen Ozean, Federn an Vögeln, Schuppen an Fischen, Haare an Tieren, Atome
in der unermesslichen Weite der Luft …"(1)
Seit Jahrhunderten werden erwachsene Männer dafür bezahlt, Kinder auf diese Art
zu verschrecken, aber auch dafür, sie zu foltern, zu schlagen und zu
vergewaltigen, so wie sie es in Joyce’ Erinnerung und der Erinnerung zahlloser
anderer Menschen getan haben.
Auch die anderen menschgemachten Dummheiten und Grausamkeiten der
Gottesgläubigen sind schnell festgemacht. Die Folter ist so alt wie die
Garstigkeit der Menschheit, ist der Mensch doch die einzige Spezies mit der
nötigen Fantasie, sich vorzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man jemand
anderem etwas antut. Wir können der Religion diesen Impuls nicht vorwerfen, aber
wir können sie dafür verurteilen, dass sie die Folter institutionalisiert und
perfektioniert hat. Die Mittelaltermuseen Europas von Holland bis in die
Toskana sind vollgestopft mit Instrumenten und Geräten, mit denen fromme Männer
austesteten, wie lang sie einen Menschen am Leben halten konnten, während er
über dem Feuer briet. Wir müssen hier nicht weiter ins Detail gehen, doch es
gibt sogar religiöse Bücher, die in diese Kunst einführen und zeigen, wie man
mittels Schmerz Ketzerei aufspürt. Wer nicht das Glück hatte, sich an einem
Autodafe zu beteiligen, also einem "Glaubensgericht", wie die Folter auch
genannt wurde, durfte sich nach Gutdünken Schauermärchen und Albträume ausdenken
und sie dem unwissenden Volk verbal verabreichen, um es in einem Zustand
permanenter Angst zu halten. In einer Ära, in der es so gut wie keine
öffentlichen Vergnügungen gab, entsprach eine nette öffentliche Verbrennung oder
das Verstümmeln und Rädern von Menschen in etwa der Dosis an Zerstreuung, die
man dem Volk vonseiten der Kirche zu gestatten wagte. Nichts macht deutlicher,
dass die Religion vom Menschen erschaffen wurde, als das kranke Hirn, das sich
die Hölle ausdachte, dicht gefolgt von dem arg beschränkten Hirn, dem nichts
Besseres einfiel, als den Himmel als Ort weltlicher Behaglichkeit oder
ewiglicher Langeweile zu beschreiben.
Schon die vorchristlichen Höllen waren sehr unangenehm und vom gleichen
sadistischen Einfallsreichtum gezeichnet. Einige der frühen Höllen, die uns
bekannt sind - hier vor allem die der Hindus -, hatten eine zeitliche
Begrenzung. Ein Sünder wurde beispielsweise zu einer bestimmten Anzahl von
Jahren in der Hölle verurteilt, wo jeder Tag sechstausendvierhundert
Menschenjahren entsprach. Hatte er einen Priester erschlagen, entsprach die
Strafe 149 504 000 000 Jahren. Danach durfte er ins Nirwana einziehen, was wohl
mit der Vernichtung gleichzusetzen war. Es blieb den Christen vorbehalten, eine
Hölle zu erfinden, aus der es kein Entrinnen gibt - eine Vorstellung, die
übrigens auch gern abgekupfert wird: Ich habe einmal gehört, wie Louis
Farrakhan, Anführer der häretischen "Nation of Islam" mit ausschließlich
schwarzen Mitgliedern, der Menge im Madison Square Garden ein entsetzliches
Gebrüll entlockte, indem er den Juden voller Verachtung zurief: "Und denkt dran
- wenn Gott euch in die Öfen steckt, dann AUF EWIG!"
Die Fixierung auf Kinder und die strikte Überwachung ihrer Erziehung gehört zu
jedem System absoluter Autorität. Es könnte ein Jesuit gewesen sein, der als
Erster sagte: "Gib mir das Kind, bis es zehn ist, und ich werde dir den Mann
geben", doch die Idee ist sehr viel älter als die Schule des Ignatius von Loyola.
Wie wir vom Schicksal vieler säkularer Ideologien wissen, geht die Manipulation
von Kindern oft nach hinten los, doch dieses Risiko gehen die Vertreter der
Religionen offenbar ein, um den durchschnittlichen Jungen oder das
durchschnittliche Mädchen mit ausreichend Propaganda zu impfen. Was haben sie
auch sonst für eine Chance? Wenn die religiöse Unterweisung erst in einem Alter
zugelassen wäre, in dem Kinder selbstständig denken können, lebten wir in einer
völlig anderen Welt. Gläubige Eltern sind da geteilter Ansicht, weil sie das
Mysterium und die Freude des Weihnachtsfestes und anderer kirchlicher Feiertage
natürlich gern gemeinsam mit ihrem Nachwuchs erleben möchten - und nebenbei
Gott, den Nikolaus und andere Figuren gut gebrauchen können, um ihre unartigen
Kinder im Zaum zu halten. Wenn sich ein Kind oder auch ein junger Erwachsener zu
einem anderen Glauben, geschweige denn einem anderen Kult verirrt, behaupten
Eltern jedoch gern, die Unschuld ihres Kindes sei ausgenutzt worden. In allen
monotheistischen Religionen wurde oder wird aus ebendiesem Grunde die Apostasie
streng verboten. In ihrem autobiografischen Buch Eine katholische Kindheit
erzählt Mary McCarthy, was für ein Schock es für sie war, als sie von einem
Jesuitenprediger erfuhr, dass ihr protestantischer Großvater - der gleichzeitig
ihr Vormund und Freund war - zum ewigen Höllenfeuer verdammt sei, weil er die
falsche Taufe erhalten hatte. Das intelligente, aber altkluge Kind gab keine
Ruhe, bis die Mutter Oberin bei höheren Stellen in der Sache nachforschte. So
entdeckte sie schließlich in den Schriften des Bischofs Athanasius ein
Hintertürchen. Athanasius vertrat die Ansicht, dass Ketzer nur verdammt seien,
wenn sie die wahre Kirche wider besseres Wissen ablehnten - und ihr Großvater
konnte ja über die wahre Kirche so wenig wissen, dass er der Hölle vielleicht
doch noch entkam. Aber welche Qualen wurden da einem elfjährigen Mädchen
auferlegt! Und wie viele weniger hartnäckige Kinder schluckten solche
niederträchtigen Lehren, ohne sie zu hinterfragen. Wer Kinder solcherart anlügt,
ist in höchstem Maße bösartig.
Rolf
Degen, geboren 1953, studierte Psychologie, Soziologie und Publizistik. Er
lebt als freier Wissenschaftsjournalist in Bonn und schreibt für verschiedene
Medien. Eines seiner Bücher ist:
Das Ende des Bösen - Die Naturwissenschaft entdeckt das Gute im
Menschen.
Piper,
München. 304 Seiten, 19,90 Euro.
Im Klappentext steht:
Bisher hat
die Wissenschaft kein gutes Haar am Menschen gelassen. Nach
der Lehre der Evolutionsbiologie gilt das Recht des
Stärkeren, aus der Sicht der Ökonomie geht es dem Homo
Oeconomicus um Maximierung des Nutzens, die Psychologie
sieht den Menschen als selbstsüchtige Kreatur auf der Suche
nach Lust. Warum ist der Mensch trotzdem nett, hilfsbereit,
solidarisch, gar moralisch? Die Naturwissenschaft entdeckt
derzeit das Gute im Menschen und kommt zu einem
folgenschweren Ergebnis: Die Moral steckt in den Genen. Rolf
Degen fasst in seinem grundlegenden Buch erstmals den
neuesten Stand der Forschung zusammen und zeigt das
aufregende Panorama unserer moralischen Gefühle sowie die
faszinierende kooperative Natur des Menschen.
Der Autor
Michael Miersch schrieb am 05.01.2008 in WELT ONLINE unter
dem Titel "Warum Religion überflüssig ist" :
Die Menschen
haben das Gute geerbt und nicht erlernt – das ist die These
des Buches "Das Ende des Bösen". Rolf Degens Werk enthält
mindestens soviel atheistischen Sprengstoff wie die Bücher
von Richard Dawkins oder Christopher Hitchens. Denn wenn der
Mensch gut ist, wovon soll er erlöst werden?
Die Natur
ist blutig rot an Zähnen und Klauen, lautet ein
angelsächsische Redensart, die viele als Kurzzusammenfassung
des Darwinismus verstehen. Die seit fast einem halben
Jahrhundert in der Tierforschung dominierende Soziobiologie
schien dieses Bild immer aufs Neue zu bestätigen: Alle
Lebewesen sind Egoisten, gesteuert von Genen, die sich
reproduzieren wollen.
Diese Sichtweise auf Natur
und Menschen fügte sich bestens ins Weltbild der Religionen. Ohne Gott würde
Mord und Totschlag herrschen, tönt es von den Kanzeln. Erst Moses mit seinen
Gesetzestafeln und Jesus mit seiner Bergpredigt hätten dafür gesorgt, dass aus
Wilden humane Wesen wurden, die fürs Rote Kreuz spenden und den Sitzplatz
freigeben, wenn Greise den Bus betreten.
Das Gute gab es schon vor Moses
Doch es bleiben Zweifel am segensreichen Wirken
der Gottesverehrung. Denn schließlich herrschen in
Teilen der Erde nach wie vor Mord und Totschlag –
oft angefacht von Religionen. Allen, die diese
Debatte um Religion und Moral interessiert
verfolgen, liefert der Wissenschaftsjournalist Rolf
Degen gute Gründe für weiteres Nachdenken
In seinem Buch steckt mindestens soviel atheistischer Sprengstoff wie in
denen von Richard Dawkins und Christopher Hitchens. Und dass, obwohl es
vordergründig nicht um Religion geht. Degen liefert Befunde, um eine allzu krude
Soziobiologie zu relativieren – darum geht es ihm. Mensch und Tier sind nicht so
eindimensional egoistisch, wie uns seit Jahrzehnten berichtet wird.
Doch während Degen die Theorie vom Egoismus der Gene
demontiert, zerfällt ganz nebenbei auch der Glaube
an die Notwendigkeit von Religion. Denn seine
zahlreichen Beispiele aus Zoologie, Anthropologie
und Psychologie legen nahe, dass der Zug in Richtung
Humanität längst rollte als Moses vom Berg
herabstieg.
Auch Raben helfen sich gegenseitig
Schon Max Horkheimer schrieb: „Die Menschen sind
gewöhnlich viel besser als das, was sie denken,
sagen oder tun.“ Dass dies tatsächlich so ist, wurde
in letzter Zeit in zahlreichen ausgetüftelten
Versuchen nachgewiesen. Psychologen arrangierten
dafür Spiele, bei denen es um echtes Geld ging –
wissend, dass es leichter fällt, gut zu sein, wenn
man nur symbolisch gewinnt oder verliert.
Diese Spiele waren so aufgebaut, dass man sowohl mit
egoistischen als auch mit kooperativen Strategien
gewinnen konnte. Zur Verwunderung aller Misanthropen
benahmen sich die Versuchspersonen in der Regel viel
sozialer und großzügiger als plausibel wäre, wenn
uns die reine Ichsucht in den Genen steckte. Dabei
fiel auf, dass das Bestrafen von unfairem Verhalten
den meisten Menschen sehr wichtig ist. Viele
Probanden nahmen eigene Verluste in Kauf, um sicher
zu stellen, dass der Anti-Soziale bestraft wird.
Dieser Drang zur sozialen Kontrolle zahlte sich
wahrscheinlich schon für die sammelnden und jagenden
Urhorden aus. Es war überlebenswichtig, Betrüger zu
ächten. Aber nicht nur Menschen, sogar Raben
bestrafen asoziales Verhalten. Im Rabenschwarm gilt
die Regel, wer ein Stückchen Futter hat, wird nicht
behelligt.
Jeder Affe weiß, welcher Artgenosse ihm half
Verletzt ein Vogel diese Norm und versucht seinem
Artgenossen Futter zu stibitzen, geht fast jedes Mal
ein Dritter dazwischen und hackt mit dem Schnabel
nach dem Dieb. Das erstaunliche daran: Der
bestrafende Rabe hat keinen Vorteil von seiner
Aktion, außer dass die soziale Norm insgesamt
gestärkt wird.
Gegenseitige Hilfe zwischen nicht verwandten Tieren
läuft meist nach dem Motto, wie du mir so ich dir.
In der Fachsprache heißt dies reziproker Altruismus.
Bei Schimpansen ergab sich nach Tausenden von
protokollierten Einzelbeobachtungen ein deutliches
Bild: Jeder Affe weiß genau, wer ihm schon mal
Futter abgegeben oder einen anderen Gefallen getan
hat und richtet sein eigenes Handeln danach.
Geizhälse werden sozial isoliert und beziehen
Prügel, wenn sie andere um Leckerbissen anbetteln.
Überaus sozial verhalten sich auch Vampire – nicht
die Untoten aus den Gruselfilmen, sondern die
gleichnamigen südamerikanischen Fledermäuse. Sie
saugen kleine Mengen Blut von Weidetieren (was diese
meist nicht einmal bemerken).
Vampir-Fledermäuse teilen das Blut
Nach den nächtlichen Beutezügen kehren sieben
Prozent der Blutsauger mit leerem Magen zum
Schlafplatz zurück. Der kleine Körper dieser
Feldermäuse braucht jedoch täglich Nahrung, um am
Leben zu bleiben. Andere Vampire – auch
Nicht-Verwandten – füttern die Erfolglosen durch.
Beim Graudrossling etwa, einem orientalischen
Singvogel, beobachteten Verhaltensforscher ein
regelrechtes Wetteifern um die Rolle des
Freigiebigsten.
Der gute Ruf, den sich der Vogel so erwirbt, ist
offenbar ein Überlebensvorteil, der die Kosten der
Freundlichkeit überwiegt. Solcher Altruismus kann
auch Paarungsvorteile bringen, denn Großzügigkeit
beeindruckt das andere Geschlecht. In allen
menschlichen Kulturen überprüfen die angehenden
Liebespaare sich gegenseitig auf eine Reihe von
sozialen Tugenden. Wer sich geizig und egoistisch
zeigt, verringert in der Regel seine erotischen
Chancen. Schon allein die Anwesenheit einer
attraktiven Frau kann die Hilfsbereitschaft von
Männern – auch gegenüber Dritten – erheblich
steigern.
Zu den überraschendsten Indizien, die Degen fand,
um seine These einer evolutionär entstandenen Moral
zu stützen, gehört die Schamesröte. Sie ist
ununterdrückbar, nicht vortäuschbar und allen
Menschen gemein. Schamesröte stellt sich ein, wenn
wir Normen verletzen und dies bereuen. Sie ist für
die anderen ein sicherer Indikator, dass die rot
werdende Person die Normen anerkennt und sich
schlecht fühlt, weil sie sie übertreten hat.
Den Menschen aller Kulturen ist Schamesröte
peinlich und sie versuchen sich so zu benehmen, dass
keine Beschämungssituation besteht. Die Fähigkeit
unserer Augen, Rot und Grün zu unterscheiden,
entstand möglicherweise um Schamesröte wahrzunehmen.
Denn alle Affenarten mit behaarten Gesichtern sind
rot-grün-blind, die mit nackten Gesichtern nicht.
Ein unbehaartes Gesicht zeigt den Gemütszustand –
eine wichtige Information im sozialen Zusammenleben.
„Moral“, schreibt Degen, „gründet sich auf ein
Repertoire von urzeitlich geformten Gefühlen.“ Moses
und Jesus haben also nicht das Gute in die Welt
gebracht, sondern uns Menschen nur dort abgeholt, wo
uns die Evolution schon hingeführt hatte.
Christian Rickens,1971
geboren,
Studium der Journalistik und Wirtschaftswissenschaften, 2000: Redakteur des Manager-Magazins,
2005: Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik
(Förderpreis), Bücher:
-
2006 Buch
"Die neuen Spießer
- Von der
fatalen Sehnsucht nach einer überholten Gesellschaft", Ullstein, Berlin
-
2008 Buch
"Links!
-
Coneback eines Lebensgefühls", Ullstein, Berlin.
Christian Rickens erkennt Chancen
für
ein neues linkes Lebensgefühl. Doch nur, wenn es soziales
Gerechtigkeitsempfinden mit dem Erbe des Liberalismus
verbindet, in: Welt am Sonntag v. 17.08.2011
- 2011
Buch "Ganz oben":
Klappentexte:
"Die neuen Spießer"
Wie spießig sollen wir noch
werden?
Familie,
Glaube, Vaterland: Gebetsmühlenhaft posaunen die Vertreter der »Neuen
Bürgerlichkeit« ihre konservativen Ansichten und Bedürfnisse ins Land -
und niemand hält dagegen. Bis jetzt. Eine fällige Abrechnung.
Die neuen Spießer sind auf dem Vormarsch. Sie wollen uns erzählen, dass
der Zeitgeist konservativ sei und eine Rückkehr zu bürgerlichen Werten
und Tugenden zwingend - nur so könne man Deutschlands Niedergang
aufhalten. Doch was ist dran an den Thesen der »Neuen Bürgerlichkeit«?
Was ist Provokation, was irrationale Schwarzmalerei? Wo irren
Schirrmacher, Hahne & Co.?
Mit analytischer Schärfe und Klarsicht hinterfragt Christian Rickens
erstmals die Ideen und Positionen der neubürgerlichen Propheten und
räumt mit deren Vorurteilen, Mythen und Denkfehlern auf. Denn in
Wahrheit handelt es sich bei dem Phänomen der neuen Spießer um den
untauglichen Versuch, die Probleme von heute mit Rezepten von vorgestern
zu lösen."
Inhaltsverzeichnis
Prolog: Und ich dachte
immer, wir wären die Spießer
1. Die neue
Bürgerlichkeit: Karriere eines Begriffs
Damals in den
niedlichen Neunzigern
Vom Privaten ins Politische
Im Kopf des gebildeten Spießers
Freiheit war schon immer verdächtig
Das System ändern, nicht die Menschen
2. Der demographische
Wandel oder: Hilfe, die Deutschen sterben aus?
Die Verlockungen
der Demographie
Die Kurzschlüsse des Herwig Birg
Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?
Ohne Wachstum ist alles nichts
Wer ist hier eigentlich egoistisch?
3. Werteverfall oder:
Die Achtundsechziger haben uns zu Egoisten gemacht!
Rudi ist an allem
schuld
Wertewandel statt Werteverfall
Was ihr wollt
Wir hier oben, ihr da unten
Schluss mit dem Toleranzterror!
4. Die Unterschicht
oder: Wer wirklich Arbeit will, der findet auch welche
Können wir uns
Mitleid nicht mehr leisten?
Die Verlierer der Globalisierung
Die mobilen Gewinnen
Dosenwurst statt Wissensdurst
Die Angst der Mittelschicht
Die neuen Leibeigenen
Wo Werte nicht weiterhelfen
5. Der Niedergang der
Familie oder: alles Schlampen außer Mutti!
Was Frauen wollen
Doppelt verdient hält besser
Zwei Kinder sind genug
Der Einstein von Neukölln
Scheiden tut weh - Dableiben auch
Nationalökonomie oder Nationalcharakter
6. Der neue Kulturkampf
oder: Im Theater ziehen sich immer die Falschen aus!
Was soll daran
Kunst sein?
Beifall von der falschen Seite
Kultur im Dienste der Gesellschaft
7. Die Rückkehr des
Patriotismus oder: Hitler war ja gar kein Deutscher
Das Ende der
Spaßbadgesellschaft
Vorwärts und endlich vergessen
Hitler als Freak-Unfall
Hamburg, Hamburg über alles
8. Die Ausländer oder:
Nichts gegen Fremde - aber diese Fremden sind nicht von hier!
Die
brandenburgische Parallelgesellschaft
Fünf verlorene Jahrzehnte
Ich wer' Hartz IV!
Kuschelpädagogen an die Front
Mein Multikulti-Traum
9. Der Ökowahn oder:
Ein Land durch Mülltrennung gelähmt
Löst Wachstum das
Klimaproblem?
Ivar ist nicht alles
Ein Denkmal für den Ökospießer
Mutti tritt aufs Gas
10. Wieso, weshalb,
warum: Zehn Thesen zur neuen Bürgerlichkeit
Epilog: Lob der
Ikea-Family-Card
"Links!"
Was ist heute links? Und warum erleben
linke Positionen gerade jetzt ein überraschendes Comeback? In seinem
neuen Buch liefert Christian Rickens eine erhellende Bestandsaufnahme
linker Werte und Ideale. Er entlarvt überholte Denkmuster und plädiert
für die Renaissance eines linken Liberalismus.
Links ist längst wieder in das zeigen
nicht nur die Wahlerfolge von Lafontaine&Co. Selbst CDU und FDP haben
ihre soziale Seite entdeckt und fordern mehr Gleichheit, mehr Staat,
mehr Absicherung. Umfragen zeigen: Immer mehr Bundesbürger bezeichnen
sich selbst als links. Und in der Jugendkultur feiern typische
Stilelemente der 68er eine glorreiche Rückkehr: Che-Guevara-T-Shirts,
Vollbärte und Bundeswehr-Parkas. Rickens analysiert die Ursachen des
neuen Linksrucks, hinterfragt ihn aber auch kritisch: Denn viele
Positionen, die heute als links daherkommen, stehen im Widerspruch zu
zentralen Wertvorstellungen linker Ideologie. Oft geht es weniger um
Aufbruchsgeist und Freiheitsdrang als um Angst, Unsicherheit und
Besitzstandswahrung. Ein zeitgemäßes linkes Denken hingegen braucht neue
Ideen. Christian Rickens sagt, wie sie aussehen könnten.
"Ganz oben"
Wie tickt die deutsche Oberschicht?
In Deutschland leben rund 800.000
Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Euro. Über die
Lebenswelt dieser Millionäre ist, jenseits der Klischees, die in Gala
oder Bunte kolportiert werden, kaum etwas bekannt. Wie lebt und denkt
diese Vermögenselite wirklich? Wie erzieht sie ihre Kinder, wofür gibt
sie ihr Geld aus, wie sichert sie ihre gesellschaftliche Stellung und
übt ihre politische Macht aus?
Unzählige Studien beschäftigen sich mit
der sogenannten Unterschicht. Doch es gibt kaum Veröffentlichungen über
die Oberschicht. Christian Rickens bewegt sich von Berufs wegen in der
Welt der Unternehmer, Firmenerben oder Topmanager; bei unzähligen
Gelegenheiten hat er der deutschen Oberschicht aufs Maul geschaut. Er
nimmt uns mit auf eine Reise durch Fabrikantenvillen und
Vorstandsetagen, zu Segelregatten auf die Ostsee oder zu Poloturnieren
am Tegernsee.
Wird die deutsche Oberschicht ihrer
gesellschaftlichen Verantwortung gerecht? Rickens gelangt zu einem
differenzierten Urteil: Ja, die reichen Deutschen arbeiten mehr als der
Bevölkerungsdurchschnitt, sie engagieren sich häufiger ehrenamtlich.
Doch zugleich reflektieren sie erschreckend wenig über ihre Privilegien.
Viele Angehörige der Elite begegnen den demokratischen Spielregeln mit
großem Misstrauen und beanspruchen ganz selbstverständlich eine bessere
Erziehung für ihre Kinder oder den direkten Zugang zu politischen
Entscheidungsträgern.
Dr.
Wilfried Bommert, Jahrgang
1950, studierte Agrarwissenschaften in Bonn, seit 1979 Journalist im WDR und als
Leiter der ersten Umweltredaktion im WDR-Hörfunk mit den Themen Gentechnik,
Klimawandel, Welternährung und Bevölkerungswachstum
beschäftigt. Buch:
"Kein
Brot für die Welt - Die Zukunft
der Welternährung", Riemann
Verlag, Sachbuch, 2009, 352 Seiten
Gründe für die Ernährungskrise:
unter anderem das Verschwinden von Ackerland, der Klimawandel und das
Schrumpfen von Wasserreserven.
Susanne Billig im Deutschlandradio am 10.11.2009:
"Sarah" rettet Menschenleben. Die Erträge der Gerstensorte sind zwar
mager, aber sie braucht zum Gedeihen nur 120 Milliliter Niederschlag jährlich.
Dass es "Sarah" überhaupt gibt, ist einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlern
des Internationalen Agrarforschungszentrums Aleppo und Kleinbauern im Norden
Syriens zu verdanken. Die gemeinsam gezüchtete Pflanze macht die Bauern
unabhängig von den durstigen und teuren Sorten internationaler Saatgutkonzerne.
Diese Episode erzählt WDR-Redakteur Wilfried Bommert in seinem neu erschienenen
Buch "Kein Brot für die Welt - Die Zukunft der Welternährung", erschienen im
Riemann Verlag. Sie wirft ein Schlaglicht auf einige der wichtigsten Anliegen
des Autors. Wir steuern auf eine Ernährungskrise neuer Ausmaße zu, erklärt
Bommert, die sich an den Peripherien der Weltgemeinschaft schon jetzt ankündigt.
Schuld daran ist eine komplexe Gemengelage aus politischen und ökologischen
Umständen.
Kapitel für Kapitel erläutert der studierte Agrarwissenschaftler die
Hintergründe der Krise: Die Äcker der Welt verschwinden unter Asphalt oder durch
die Erosion immer trockener werdender Böden. Der Klimawandel sorgt für weitere
Probleme, denn schon heute gerät der Monsun aus dem Takt, von dem weltweit viele
Millionen Menschen abhängig sind. Auch in den Industrieländern kommt es, von der
Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, bereits zu Ernteausfällen; Notreserven an
Nahrungsmitteln schrumpfen. Die Wasserbestände der Erde sind überstrapaziert.
Der dramatische Schwund von Nutzpflanzenarten erhöht das Risiko von
Ernteausfällen. Steigt der Hunger auf Fleisch so wie bisher, müsste bis zum Jahr
2030 eine Milliarde Tonnen Getreide zusätzlich geerntet werden, um die
Mittellosen der Welt satt zu machen. Wie und wo? Niemand weiß es.
Zudem klettern die Bevölkerungszahlen weltweit weiter, ohne dass der Ausweg in
Sicht wäre, den Europa einst nahm: Auf die Jugend der Dritten Welt wartet kein
Auskommen durch Industrialisierung.
Und die internationale Politik? Die Welternährungsorganisation FAO leidet an
Überbürokratisierung, Lobbyistentum und mangelndem Durchsetzungsvermögen, zeigt
Bommert. Dreißig Milliarden US-Dollar würden reichen, um weltweit Kleinbauern
so zu stärken, dass der Hunger von der Erde verschwindet - Programme und Gelder
werden nicht bewilligt.
Wilfried Bommerts Buch entfaltet Sogwirkung: Anschaulich, reich an Menschen und
Geschichten und mit großer sprachlicher und atmosphärischer Dichte ist es
geschrieben. Immer wieder bringt der Autor auch weniger bekannte Aspekte ins
Spiel, beispielsweise die Unterfinanzierung der öffentlichen Agrarforschung, die
als einzige willens und in der Lage wäre, den Schwund an Nutzpflanzenarten
aufzuhalten und lokal angepasstes Saatgut zur Verfügung zu stellen. Denn
Pflanzen wie "Sarah", in den Dörfern und auf den Dächern der neuen
Millionen-Städte in kleinbäuerlicher Hand gepflegt, sind die Hoffnungsträger der
Zukunft.
Der
US-amerikanische "Nationalökonom Nouriel Roubini,
1958 in Istanbul, Türkei, geboren, ist Professor an der zur New York
University gehörenden Stern School of Business und Gründer und
Vorsitzender von Roubini Global Economics LLC, einem Anbieter
für Kapitalmarkt- und Wirtschaftsinformationen. Er war auch Berater
des US-Finanzministeriums.
Nouriel Roubini, Stephen Mihm
Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft
-
Crisis Economics -
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Campus Verlag
2010,
geb., 470 Seiten; D 24,90 € / A 25,60 € / CH 42,90 Fr.
ISBN 978-3-593-39102-1
Erscheinungstermin/Sperrfrist: 11. Mai 2010
Stephan Mihm ist "Assistant Professor of History at
University of Georgia" (mehr war nicht ausfindig zu
machen, jedoch sein eigenes Buch: "A Nation of
Counterfeiters: Capitalists, Con Men, and the Making of
the United States" von 2007 scheint sehr erfolgreich zu
sein. Gibt es [Nov. 2011 noch nicht] auf deutsch)
Aus der Buchinnenseite: Der Star-Ökonom
Nouriel Roubini hat als weltweit Einziger die
Finanzkrise genau kommen sehen. Keiner kennt die
Bruchstellen der globalen Märkte so wie er. Roubini
zeigt, wie die Weltwirtschaft erschüttert wurde und
warum das große Beben droht. Mit seinen brillanten
Analysen weist er den Weg in eine krisenfeste Zukunft.
Und er spricht Klartext. Für alle, die wissen wollen,
was unsere globale Wirtschaft erwartet, gibt Roubini die
Antworten: Erklärend. Erhellend. Verständlich.
Die nächste Krise wird kommen, und sie wird uns alle
treffen. Doch wir werden sie überstehen. Dieses Buch
verrät, wie.
Pressestimmen:
17.01.2011, Frankfurter
Allgemeine Zeitung
Nur keine Katastrophe
"Was dem Leser geboten wird, ist
eine fundierte Analyse der Krise
und Antworten auf jene Fragen,
die Wirtschaft, Politik und
Gesellschaft aktuell bewegen ...
Das Buch hilft in jedem Fall,
Krisen zu verstehen, und macht
zugleich Hoffnung, dass es bei
der Umsetzung der
vorgeschlagenen Reformen nicht
wieder zu solchen Katastrophen
kommt."
29.08.2010, NZZ am Sonntag
Dr. Doom wäre lieber Dr.
Realist
"Das Buch liest sich wie ein
Krimi und erklärt so fast alles,
was Laien im Zusammenhang mit
der Finanzkrise interessieren
könnte."
01.08.2010, Acquisa
Das Ende der
Weltwirtschaft und ihre Zukunft
"Pflichtlektüre für den
Sommerurlaub."
23.06.2010, Focus-Money
Mehr Staat, nicht
weniger
"US-Starökonom Nouriel Roubini
zeigt in seinem neuen Buch Wege
aus der Wirtschafts- und
Finanzkrise."
21.06.2010, Tages-Anzeiger
Krisen-Ökonomie, flüssig
geschrieben
"Das bis dato beste
makroökonomische Buch über die
Finanzkrise. Deshalb der Tipp:
Nicht nur unbedingt kaufen und
ins Bücherregal stellen, sondern
auch lesen."
07.06.2010, taz.de
Kreative Zerstörung
schlechter Banken
"Mit dem Journalisten Stephen
Mihm hat Roubini nun nichts
Geringeres als eine
Wirtschaftskrisentheorie
entwickelt."
01.06.2010, Manager Magazin
Prophet des Niedergangs
"Auch für ökonomische Laien gut
verständlich."
30.05.2010, Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung
Roubini on Tour
"Roubini ist ein Phänomen ... Er
spricht das Unbehagen aus, das
viele Menschen beim Gedanken an
die wirtschaftliche Zukunft
empfinden - und das auch noch
auf wissenschaftlichem Niveau."
21.05.2010, Bilanz
Der Krisenschwan ist
weiß
"Nouriel Roubini ist ein
brillanter Wissenschaftler."
16.05.2010, Welt am Sonntag
"Dr. Untergang" fordert
radikale Reformen zur Rettung
des Kapitalismus
"Roubini glänzt mit einer
tiefgehenden Analyse."
15.05.2010, Süddeutsche Zeitung
Die Rezepte des Dr. Doom
"Dr. Dooms Rezepte würden das
Spiel der Finanzmärkte von Grund
auf ändern. Und so wie die
Stimmung in der Öffentlichkeit
ist, haben sie eine gute Chance,
auch angewendet zu werden."
12.05.2010, Die Zeit
Gier frisst
Verantwortung
"Besser wurde die Geschichte der
Krise bisher nicht erzählt."
10.05.2010, Der Spiegel
Das Ende der
Weltwirtschaft und ihre Zukunft
"Nouriel Roubini gilt als der
Prophet der Finanzkrise."
Kein anderer
Wirtschaftswissenschaftler hat
die Weltwirtschaftskrise so
frühzeitig und detailliert
vorhergesehen wie der
US-amerikanische Ökonom Nouriel
Roubini. Gemeinsam mit dem
Wirtschaftshistoriker Stephen
Mihm liefert er eine historisch
fundierte und ganzheitliche
Analyse der jüngsten Krise,
sowie wissenschaftlich
begründete Prognosen für die
Zukunft.
Märkte sind selbstregulierte
Gebilde und als solche stabil,
solide und verlässlich. Dieser
Glaubenssatz diente
jahrzehntelang als Grundlage für
wichtige politische
Entscheidungen und groß
angelegte
Investitionsstrategien.
Wirtschaftskrisen passten nicht
in diese Logik. Dementsprechend
wurden sie als bloße Ausreißer
betrachtet, die weitgehend
unvorhersehbar seien. Wie falsch
diese Annahmen sind, das belegen
Nouriel Roubini und Stephen Mihm
in ihrem großen Buch zur
Krisenökonomie.
Die
Autoren betrachten Krisen nicht
als Ausnahme, sondern als Regel.
Dementsprechend rücken sie die
Krise wieder in den Mittelpunkt
der Wirtschaftswissenschaft.
Krisen, so ihre These, sind
fester Bestandteil des
kapitalistischen Genoms. Dies
belegen die Autoren anhand
vieler historischer Beispiele
aus verschiedenen Ländern und
Jahrhunderten. Roubini und Mihm
erklären, welchen Gesetzen
wirtschaftliche Krisen
unterliegen, und können dadurch
viele drängende Fragen der
Gegenwart beantworten.
Wie
konnte der jüngste
finanzwirtschaftliche
Zusammenbruch überhaupt
entstehen? War er eine Folge
mangelnder staatlicher Aufsicht
oder übertriebener staatlicher
Eingriffe? Haben die
Interventionen der Notenbanker
das Schlimmste verhindert, oder
sind sie der Keim für weitere
Krisen? Wie sieht die Zukunft
des angelsächsischen Modells des
ungebremsten
Laisser-faire-Kapitalismus aus?
Ist die Krise der Anfang vom
Ende der amerikanischen
Vormacht? Wie können wir das
globale Wirtschaftssystem
reformieren, um zukünftige
Krisen zu verhindern bzw. ihre
Schäden in Grenzen zu halten?
Die
Autoren Nouriel Roubini,
Jahrgang 1959, ist
Wirtschaftsprofessor an der
Stern School of Business der New
York University. Unter Bill
Clinton war er
Wirtschaftsberater des Weißen
Hauses und des amerikanischen
Finanzministeriums. Seine
einzigartig frühe und exakte
Prognose der
Weltwirtschaftskrise brachte ihm
den Spitznamen "Dr. Doom" ("Dr.
Untergang") ein. Er ist einer
der bekanntesten und
gefragtesten Wirtschaftsexperten
der Welt und berät zahlreiche
Notenbankchefs.
Stephen Mihm schreibt als
Journalist für renommierte
Zeitungen über wirtschaftliche
und geschichtliche Themen. Er
ist Associate Professor für
Geschichte an der University of
Georgia.
Kontakt: Margit Knauer,
069-976516-21, knauer@campus.de