Projektive Identifizierung
bedeutet die eigene persönliche Gleichstellung mit anderen Personen, welche den eigenen (jedoch nicht erreichbaren) Wünschen und Vorstellungen insbesondere eines Allmächtigseins entsprechen.
Der englische Philosoph Thomas Hobbes, der 1679 im hohen Alter von über 91 Jahren gestorben ist, vertrat die These, daß die Menschen von Natur aus durch den Selbsterhaltungstrieb mit Machtgier ausgestattet sind; welche zum "Kampf aller gegen alle" (seinem berühmten Ausspruch) führt. Nur durch Verzicht auf dieses persönliche Streben nach Macht kann dieses Getriebenwerden nach Ausschaltung von Nebenbuhlern als Konkurrenten (Rivalen) aufhören. Jedoch wird dann nach Gesetzen, die Psychoanalytiker herausgefunden haben, eine Übertragung der immer noch vorhandenen individuellen Wünsche und Vorstellungen nach Macht auf einen Staatsführer vollzogen. Diese Übertragung stärkt dann nach Hobbes den Staat, womit der "innere Friede" der Staatsangehörigen gesichert werden kann. Diese Übertragung bezeichnet Horst-Eberhard Richter in seinem Buch "Der Gotteskomplex" (>hier<) als "projektive Identifizierung" (ein psychoanalytischer Ausdruck).
Um es nochmals
deutlich zu machen: Das Individuum kann sich nun mit seinem allmächtigen (Wunsch-)Idol
identifizieren und damit an dessen Macht teilhaben. Auf diese Weise wurden die
omnipotenten (allmächtigen) Staatsführer als Herrscher des Landes (Souverain)
gestärkt. Der Untertan, der "seine Stimme" (ohne Stimmzettel) abgetreten hatte,
zog dann oft freiwillig und mit Begeisterung in den Krieg, um die rein
persönliche und rücksichtslose Machtausdehnung dieses diktatorischen
Staatsführers befriedigen zu helfen., aber auch am eigenen, immer noch zumindest
unbewußt vorhanden Machtstreben teilzuhaben ("Führer befiel! Wir folgen dir!"
und "für Führer, Volk und Vaterland".) In der Syrisch Arabischen Republik sagte
einmal ein junger Student (1992): "Ich würde gerne mein Blut für unseren
Präsidenten opfern" (gemeint war Hafis al-Assad, der Löwe in arabisch).
Ironische Antwort: "So, wie der es auch für dich tun würde."
Nun unterliegt der Mächtige auch den von den Psychologen herausgefunden Gesetzen. Ein Papst ist der Stellvertreter Gottes auf Erden. Er identifiziert sich mit dieser Rolle (bis auf wenige Ausnahmen). Und ein Ayatollah wird als Nachfolger des islamischen Propheten Mohammed gesehen. Der derzeitige Präsident der USA, George Dabbelju Bush, übernimmt den Auftrag seines Gottes, wie sich aus folgenden Texten herleitet:
1. Auszug aus dem SWR2-Interview der Woche vom 16.02.2003 mit dem Präses Manfred Kock, dem Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche in Deutschland:
SWR: Kommt der Impuls zu einer vielleicht neuen wachsenden Friedensbewegung etwas zu spät?
Manfred Kock: Das mag sein. Was mich besonders enttäuscht, ist ja, dass in der Begründung von Präsident Bush, auch sehr viel religiöse Komponenten einbezogen sind. Er hat sich darauf berufen, dass Gott nun Amerika erwählt hat, den Frieden zu stiften und in der Welt das Heil zu bringen. Er hat davon gesprochen, dass es eben ein Übel zu beseitigen gilt und dass er darin eben auch einem geradezu göttlichen Auftrag folgt. Und das ist eine große Beschwernis, weil der Krieg dann, wenn man ihn führen müsste, ja nur auch rational begründet werden kann. Und hier wird unter Berufung auf eine göttliche Instanz doch eine Art sakraler Begründung gemacht und das schmerzt umso mehr, als wir ja erleben, wie es im Bereich des Terrorismus auch solche heiligen Kriegsbeschwörungen gibt, die die Menschen dann eben in einer bestimmten Form mobilisieren, ohne dass dabei die Vernunft noch gewahrt ist…
2. London - Einem Bericht der BBC vom September 2005 zufolge ist US-Präsident George W. Bush bei seinen Entscheidungen zur Invasion Afghanistans und Iraks göttlicher Weisung gefolgt. Bush soll dies einer Palästinenser-Delegation gegenüber im Juni 2003 bekannt haben. Das Weiße Haus bezeichnete die Darstellung als „falsch" und „absurd". In der Vergangenheit hatte der US-Präsident allerdings mehrfach sein Handeln auf Gottes Geheiß zurückgeführt.
Die BBC, die renommierte öffentliche Rundfunkanstalt
Großbritanniens, beruft sich auf ein
Interview mit dem früheren palästinensischen Außenminister Nabil Schaath.
In einer Dokumentation über den Nahost-Konflikt erklärt Shaath, er habe
Bush bei einem Treffen in Scharm el-Scheich zum palästinensischen
Regierungschef Mahmud Abbas sagen hören, Gott habe ihn, Bush, beauftragt, im
Nahen Osten für Frieden zu sorgen, und Israel Sicherheit und den
Palästinensern einen eigenen Staat zu verschaffen.
In diesem Zusammenhang habe Bush auch über die amerikanische Invasion Afghanistans und Iraks gesprochen und wörtlich gesagt:
„Mich treibt eine Mission von Gott. Gott sagte zu mir: George, zieh los und bekämpf diese Terroristen in Afghanistan. Also habe ich das getan. Und dann sagte Gott zu mir: George, geh und setz der Tyrannei im Irak ein Ende. Und auch das habe ich getan."
Das Weiße Haus dementierte die Darstellung des palästinensischen Politikers umgehend. Bush habe nie solche Äußerungen gemacht, sagte US-Regierungssprecher Scott McClellan. Premier Abbas erklärte der BBC dagegen, Präsident Bush habe ihm gegenüber bei der Begegnung in Scharm el-Scheich seine „moralische und religiöse Verpflichtung" im Nahen Osten betont.
3. Auch in früheren Jahren hat Bush aus seiner Überzeugung, in göttlichem Auftrag zu handeln, kein Geheimnis gemacht. Seine Kandidatur für die US-Präsidentschaft begründete er damals mit den Worten: „Ich habe das Gefühl, dass Gott will, dass ich für die Präsidentschaft kandidiere."
4. Der Herr Bush fühlt sich zum Anwalt des Guten erkoren. Immer wieder betont er die strikte Trennung von Gut und Böse. Es sei noch einmal der oben bereits erwähnte Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter zitiert: "Alle Kampagnen gegen Hexen, Ketzer, Radikale, »Sozialparasiten« verstehen sich als Kreuzzüge gegen das Böse." Die Zahl der Hexen- und Ketzerverbrennungen übertrifft wahrscheinlich bei weitem, mit angeblichen 11 Millionen die Zahl der im Hitler-Reich ermordeten rassischen und ideologischen "Abweichlern" vom zu säubernden deutschen Auswahl-Volk.