Entwicklungspsychologie (und -biologie)

Glaube eine Naturgabe?

Justin L. Barrett (1971 geboren) ist Chef des Zentrums für Anthropologie und Psyche am Institut für Kognitive und Entwicklungs-Anthropologie an der Universität von Oxford.

In seinem Buch "Why would anyone believe in God" (Warum man an Gott glaubt) vermutet er (selbst gläubiger Christ), dass der Glaube an Gott fast eine unvermeidbare Konsequenz des Verstandes ist, den wir haben. Das meiste, das wir glauben, komme aus dem geistigen Rüstzeug des Unbewussten, und was wir bewusst glauben wird vom unbewussten Glauben bestimmt. Dieses Glauben an Gott stimme gut überein mit automatischen Annahmen: Glaube an  einen allwissenden, allmächtigen Gott. Damit wäre der Glaube an Gott eher ein natürlicher Vorgang als der Unglaube. Der Denkansatz ist also der: Menschen sind die einzigen Lebewesen auf der Erde, die kausal denken, also über Ursache und Wirkung nachdenken können. Diese Denkart soll nach Auffassung von Entwicklungspsychologen so stark sein, dass vorrangig für alles, was um einen herum passiert, nach einer Erklärung zum Weshalb gesucht wird. Es ist unerträglich, einfach nur damit zufrieden zu sein, dass alles rein zufällig, ohne Sinn und Verstand, ohne Zielsetzung geschieht, einzig und allein den Gesetzen der - im vorigen Jahrhundert entwickelten Chaostheorie folgend. Diese Chaostheorie wird auch als Katastrophentheorie bezeichnet und ergänzt die Theorie dissipativer (übersetzt: zerstreuender, zersetzender, sich auflösender) Strukturen, die (einigermaßen) berechenbar sind, wonach beispielsweise alle Energiearten dazu neigen, in Wärmeenergie umgewandelt zu werden. Beim Absturz eines Flugzeuges führt beispielsweise die Umwandlung der Bewegungsenergie dann extrem zu einem Hitzeinferno oder Leitungen, durch welche elektrische Energie übertragen wird, werden warm. Schließlich explodieren Sterne, ab einer bestimmten Größe, als Supernovae*, nachdem sie allen Brennstoff verbraucht haben und in sich zusammenfallen bei enormer Hitzeentwicklung.

* nach dem Ende der thermonuklearen Entwicklung, der Kernfusion (bis zu den Eisenatomen) auftretenden Gravitationskollaps. Supernovae sind für die Anreicherung der interstellaren Materie mit schweren Elementen verantwortlich. Die chemischen Elemente schwerer als Eisen würde es sonst nicht geben.

In der Chaostheorie (griechisch: Kluft; versteht man darunter allgemein die Auflösung aller Ordnung, ein völliges Durcheinander) hat man herausgefunden, dass viele Systeme, wie zum Beispiel das Wettergeschehen schwer vorauszuberechnen ist; denn bei von den zwar weitgehend bekannten Vorgängen kann jedoch eine geringe unvorhersehbare Änderungen sehr große Auswirkungen haben, wie beispielsweise ein von einem Vogel fallen gelassenes Kotkügelchen ein Schneefeld zum Abrutschen als Lawine bringen kann. Würde man allerdings die Parameter (physikalischen Gegebenheiten) des Schneefeldes kennen - Dichte, Feuchtigkeitsgrad, Schichtdicke, Schräglage, Beschaffenheit des Untergrundes und vieles mehr - wäre mathematisch (annähernd) berechenbar, was der Vogel -  wann, wo, mit welchem Kotkugeldurchmesser und -gewicht, aus dessen Höhe über der Schneefläche und einiges mehr (wahrscheinlich) anrichten könnte. Man spricht sogar davon, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings, also eine ganz kleine Ursache eine große Wirkung haben kann. Bei Untersuchungen zur Wettervorhersage und der Simulation verschiedener Wetterszenarien in den 1960er-Jahren erkannte der US-amerikanische Meteorologe Edward N. Lorenz, dass sich winzige Differenzen in den Anfangsbedingungen gravierend verstärken können, sodass die Wetterlage schließlich chaotisch reagiert. Die Chaosformeln zeigen, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einem Orkan bewirken kann. (Es gibt in der türkischen Schrift ein i ohne Punkt...) Man denke auch an das Gesetz von Edward A. Murphy, >hier<, wie und wann etwas schiefgehen kann, man muss jedoch auch sagen: gut gehen kann, bis zu einer völlig unerwarteten Spontanheilung. Man spricht von Glück und Pech.

Inzwischen sind sich Wissenschaftler aller Fakultäten einig, dass alles chaotisch abläuft, keiner kann eine Vorhersage machen über den wahren Verlauf eines Wirtschaftssystem, über den Ausgang eines Gerichtsprozesses, den Werdegang eines Menschen und so weiter. Niemand kann die Komplexität des Naturgeschehens vollständig erfassen vom vermeintlichen Urknall, mit dem alles (aus einem winzigen Punkt heraus) angefangen haben soll, bis zur heutigen Situation auf unserem Planeten Erde, in der der Mensch der größte Feind der irdischen Natur und damit des Mitmenschen ist. "Einziger ernsthafter Feind des Menschen: Der Mensch", ist eine Abschnittsüberschrift im ganz hervorragenden Buch: "Die Chronik der Erde" (vom Urknall bis heute), >hier<.

>Hier< ein wenig zur Astrophysik und den Elementarteilchen als Eindruck von der ungeheuren Komplexität vom Größten, nämlich dem Weltraum, bis zum Allerkleinsten, den elementaren Teilchen.

Dennoch klammern sich die Menschen mit allen Mitteln an Sinngebungen, die (nur) durch eine unbeschreiblich ausgeklügelte und höchst geniale Schöpfung, durchgeführt von einem Schöpfer (die Rede ist wirklich nur von "einem einzigen"), einem höchst begabtem Talent, - dem "intelligent designer", als Gott bezeichnet mit klugem Verstand, vernünftig, einsichtig, zusammenpassend, in einem richtigen Verhältnis stehend, objektiver Schönheit, unermesslichem übergeordneter Bedeutung, zusammengereimt, unbegreiflich, außerhalb unseres Verständnisses, Vorstellungskraft und Erkenntnisvermögens, Auffassungsfähigkeit