Kirchliche Wahlbeeinflussung

Aus einem Artikel von  Joseph Kay (April 2005)

1. Eines der krassesten Beispiele für eine Einmischung in die politischen Angelegenheiten eines Landes war die Rolle des noch nicht zum Papst gewählten deutschen Kardinals Josef Ratzingers bei der US-Präsidentschaftswahl 2004. "Eine Reihe von amerikanischen Bischöfen erklärte im Vorfeld der Wahlen, dass sie dem Kandidaten der Demokratischen Partei John Kerry, einem Katholiken, wegen seiner Befürwortung des Rechts auf Abtreibung die Heiligen Kommunion verweigern würden. Ihre Einmischung in die Wahl stellte eine offene Verletzung der in der US-Verfassung verankerten säkularen Grundlagen des Staates dar und war gleichbedeutend mit einem religiösen Aufruf an alle Katholiken, George W. Bush zu wählen.

Im Juni 2004 hatte Ratzinger eine Richtlinie für die amerikanischen Bischöfe formuliert, die darauf hinauslief, dass der Vatikan den Kirchenvertretern seine Segen gab, die die Abtreibungsfrage benutzten, um von einer Stimmabgabe für die Demokraten abzuraten. In seinem Sendbrief an den Bischof von Washington DC schrieb Ratzinger: "Ein Katholik würde sich der formellen Zusammenarbeit mit dem Bösen schuldig machen und wäre daher unwürdig, die Heilige Kommunion zu empfangen, wenn er deshalb für einen Kandidaten stimmt, weil dieser eine tolerierende Haltung zu Abtreibung und/oder Sterbehilfe einnimmt."

Offensichtlich auf Kerry bezogen schrieb Ratzinger, einem "katholischen Politiker, der sich beständig für die Tolerierung von Abtreibungs- und Sterbehilfegesetzen einsetzt und dafür stimmt", sollte die Kommunion verweigert werden.

Da der Vatikan offiziell gegen die Todesstrafe ist und die amerikanische Invasion im Irak verurteilt hatte, musste Ratzinger spitzfindig werden, um zu rechtfertigen, weshalb die Kirche sich gegen Kerry stellte und nicht gegen Bush. Dieser hatte nicht nur den unprovozierten Angriff gegen den Irak geführt sondern als Gouverneur von Texas auch mehr als 140 Hinrichtungen zugestimmt. "Nicht alle [...] Fragen haben dasselbe moralische Gewicht wie Abtreibung und Sterbehilfe", schrieb Ratzinger. "Es mag selbst unter Katholiken eine legitime Meinungsvielfalt über das Führen eines Krieges und die Anwendung der Todesstrafe geben, aber nicht [...] in Hinblick auf Abtreibung und Sterbehilfe."

Es war kein Zufall, dass Ratzinger seine Stellungnahme wenige Monate vor den Wahlen abgab. Eine Woche zuvor hatte Bush den Vatikan besucht. Nach Informationen der Zeitung Northern Catholic Reporter hatte sich Bush gegenüber Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano, der die vatikanische Diplomatie leitet, beklagt, dass "nicht alle amerikanischen Bischöfe auf meiner Seite stehen". Er bat die Kirche darum, Druck auf die Bischöfe in den Vereinigten Staaten auszuüben, damit diese eine offenere Haltung zu kulturellen Fragen wie Abtreibung und Schwulenehe einnähmen.

Ratzingers Bemerkungen machten die Haltung der Kirche deutlich: Jedem, der Kerry wählte, konnte "formelle Zusammenarbeit mit dem Bösen" vorgeworfen werden. Sein Eingreifen trug dazu bei, dass Bushs Unterstützung unter Katholiken von 46 Prozent im Jahre 2000 auf 52 Prozent im Jahre 2004 stieg.

2. Eine andere Stellungnahme von Ratzinger im August 2004 stellte einen Versuch der katholischen Kirche dar, sich in die politischen Angelegenheiten Europas einzumischen, indem sie gegen die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union Stellung bezog. Ratzinger sagte in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro, die Türkei habe "im Lauf der Geschichte in ständigem Gegensatz zu Europa gestanden" und der türkische Staat repräsentiere "einen anderen Kontinent". Wolle man die beiden Kontinente gleichzumachen, bedeute dies "kulturellen Reichtum wirtschaftlichen Vorteilen zu opfern."

Seine Opposition gegen die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union gründete er offen auf die Tatsache, dass die Türkei ein muslimisch geprägtes Land ist. "Europa hat eine Kultur, die ihm eine gemeinsame Identität gibt. Die Wurzeln, aus denen dieser Kontinent hervorgegangen ist, sind die des Christentums", erklärte er.

Diese Anschauung - die an religiösen Chauvinismus und antimuslimischen Rassismus appelliert - ist zum Markenzeichen rechter und faschistischer Tendenzen in vielen europäischen Ländern geworden."


3. Russland ist berechenbarer geworden

So lautet eine Überschrift der Zeitung "Die Zeit.  Seit dem letzten totalen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft in den 1990er Jahren ist mehr als ein Jahrzehnt verstrichen.  Mit amerikanischer und nicht zuletzt deutscher Finanzhilfe steht Russland heute wieder auf eigenen Beinen.  Ein abermaliger wirtschaftlicher Kollaps ist kaum zu erwarten, denn Öl und Gas bringen jetzt Milliarden ein.  Putin ist beliebt in Russland, hat die Kirchen restauriert und den Religionsunterricht wieder eingeführt.  Stabilität ist wieder da, die das gebeutelte russische Volk so lange vermisste.  Ja, Putin droht dem Westen sogar bereits wieder.  Wenn das kein Zeichen von Stabilität ist!

 

Die Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de berichtet (18.12.2007) über starke Wählerbeeinflussung durch die orthodoxe Kirche und von Wahlfälschungen. Diese Aussage gibt auch nach derselben Quelle für Armenien und andere Länder aus dem ehemaligen Ostblock.

 


 

4. Das katholische "Domradio - der gute Draht nach oben"

sendet einen Beitrag (8.10.2007) vom Missionspräsidenten, Pater Hermann Schalück: Mission ist Befreiung"

Dimitry Khaykin läßt sich darüber über das "gottlose Europa" aus (22.5.2007) und fordert vehement den "Gottesbezug in der EU-Verfassung".

Erzbischof Alfons Nossol, Bischof von Oppeln: "Ohne christliche Werte kommt Europa nicht aus."

 

Versteckte Aufrufe sind zu hören, die Partei zu wählen, die "von christlichen Gedanken getragen ist" und "die christlichen Werte als unsere westliche Leitkultur" anerkennt.

 

Hierzu ein Witz: Fritzchen hat es in einer Eliteauswahl geschafft, auf eine katholische Schule gehen zu dürfen. Die Lehrerin fragt: "Mal zur Abwechslung eine Quiz-Frage." (Eigentlich wörtlich im Englischen: Jux) "Da huscht etwas durch den dichten Wald über Zweige und Äste, ist braun und...Nun das reicht doch schon. Was meinst du, Fritzchen, wer das ist?" "Ich würde eigentlich gerne sagen, das ist ein Eichhörnchen," meint Fritzchen und fährt sofort fort: "Aber so, wie den Laden hier kennen gelernt habe, ist das bestimmt wieder das liebe Herzjesuleinchen!"