Entstehung der Religionen

 

kann nicht ausreichend aber ansatzweise durch Überlegungen von Sozial- und Kulturwissenschaftlern, wie M.Horkheimer und T.W. Adorno beleuchtet werden. (Der Philosoph und Soziologe Max Horkheimer leitete von 1930 bis 1959 das Frankfurter "Institut für Sozialforschung", 1923 von Felix Weil gegründet. Man sprach dann später von der "Frankfurter Schule".) Diese Ansätze sollen aber als Alternative zu einem Erklärungsversuch dienen. Eine modifizierte Wiedergabe der Ideen von Dr. Helmut Böttiger (siehe wikipedia) in einem Aufsatz von 2005 "Die Revolte der Moderne gegen die abendländische Kultur" (>hier< der Artikel), soll den historisch bedingten Bezug zur Entstehung von Religion aus der Sicht der "Frankfurter Schule" zeigen:

 

Der Existenzkampf der Frühmenschen war sicher oft von Mangel und Not geprägt als »Auslöser von Furcht und Angst (wobei Angst dann eintritt, wenn den Menschen die realen Ursachen und Auslöser von Not und Furcht verborgen bleiben)". Kommt dann ein Herrscher, ein Führer mit dem Versprechen, von diesen Ängsten "entlasten zu können, rechtfertigt die Herrschaft von Menschen über andere als willkommene Führung. Drückend wird die Führung und zur Herrschaft im widrigen Verständnis des Begriffs, wenn die Einlösung des Versprechens ausbleibt oder für die Menschen vernünftig nicht mehr nachvollziehbar ist. Um vor realen oder irrealen Quellen der Not und Angst geschützt zu werden, ertragen Menschen die Lasten, die ihnen die Herrschaft anderer Menschen auferlegt. Je größer die Angst ist, vor der die Herrschaft Schutz verspricht, desto willfähriger erdulden Menschen ihre Last. Ohne Ängste gibt es für Menschen wenig Grund, sich Anforderungen der Herrschaft, die sich vor der Vernunft nicht rechtfertigen lassen, zu unterwerfen.

 

Der Furcht entsprechen zunächst reale Bedrohungen. In der Urhorde wird zum Beispiel, wenn sie von wilden Tieren bedroht wird, der Mutigste und Stärkste das Kommando führen, um die Gruppe zur eigenen Verteidigung zu organisieren. Ihm zollen die gut Geführten Ehrfurcht. Führung ist nötig, um die gesellschaftlichen Kräfte zu bündeln und gegen die Ursachen der Bedrohung einzusetzen. Bedrohungen können von außen- oder innenpolitischen Feinden, Naturereignissen, wirtschaftlichem Mangel und Ähnlichem ausgehen.

 

Wird die Bedrohung überwunden, verliert die Führung im Bewußtsein der Beherrschten an Legitimität und kann auf Dauer nicht als Herrschaft aufrechterhalten werden, wenn sie nicht auf neue Formen und Arten der Bedrohung zu ihrer Rechtfertigung verweisen kann. Ohne reale Bedrohungen könnte der Stärkste und Mutigste der Horde keine herrschaftlichen Sonderrechte für sich beanspruchen. Die Gruppe würde sich seinen Ansprüchen entziehen, sich seitwärts in die Büsche schlagen und auf eigenen Wegen ihren Lebensunterhalt suchen. Zur Rechtfertigung ihrer Vorrechte neigen Herrschende dazu, ein gewisses Maß an Bedrohung aufrecht zu erhalten. In diesem Sinne erpreßt z.B. die Mafia Schutzgeld gegen Überfälle und sorgt für solche Überfälle im Fall der Weigerung oder neigen Staaten dazu, innenpolitische Zerfallserscheinungen durch außenpolitische, kriegerische Abenteuer zu überwinden.«