Einbindung eines Kindes in religiöses Umfeld

Mutter-Kind-Beziehung

Abhängigkeit des Kindes, sowohl von der biologischen (körperlichen Versorgung) als auch aus emotionalen Bedürfnissen (Zuwendung) und Vermittlung von Umweltreizen (Berühren, Sprechen, Gestik).

Die 3 Faktoren sind natürlich nicht isoliert zu sehen. Sie gehen ineinander über.

Beispiel: Wenn ein Kind gut versorgt wird, dann wird es auch berührt, und es empfindet zugleich Zuwendung. In den meisten Kulturen hat die Mutter diese Funktion als Bezugsperson.. Das Kind ist bis zum ersten Lebensjahr vollkommen von dieser Bezugsperson abhängig. Aber ab einem Alter von 3/4 Jahren gewinnen Vater und Geschwister sowie andere sehr nahe stehende Personen mehr und mehr an Bedeutung

Wenn der Vater sich auch um die Babyversorgung kümmert, kann auch er die Aufgaben einer Mutter übernehmen (abgesehen vom natürlichen "Stillen" natürlich). Diese Zusammenhänge werden aber noch eingehend untersucht. Es gibt zur Zeit nicht allzu viel Material darüber.

Ab 2 bis 3 Jahren bekommen andere Personen aus dem näheren Umfeld eine stärkere Bedeutung für das Kind. Nachbarschaftskinder, Cousins und Cousinen, gleichaltrige Kinder im Kindergarten und die Erzieher(innen). 

In den ersten 1 bis 2 Lebensjahren hat die Familie mit ihren Weltanschauungen bereits einen starken Einfluß.

In einem monokulturellen Umfeld (z.B. rein katholischen) Umfeld haben hat die Peer-Group die gleich Einstellungen wie die Eltern

Der Beeinflussungs-Radius des Kindes wird also immer größer:

also zuerst Mutter, dann Vater und Geschwister, Verwandte, bis (wahrscheinlich) in eine Peer-Group (amerikanisch: peer =  gleichrangig, ebenbürtig, seinesgleichen; group = Gruppe). Es werden 2 Gruppen unterschieden: die ganz jungen gleichaltrigen und später für Jugendliche. Über die "Peer-Group" lernt das Kind auch die Einstellungen, Überzeugungen und Weltanschauungen aus dem engeren sozialen Umfeld kennen.

Peer-Gruppen, von sehr großer Bedeutung für die Sozialisation, bilden sich spontan als Spiel- und Freizeitgruppen für die jüngeren Kinder; bei den Jugendlichen auch als Orientierungsgruppe zum "Erwachsen-Werden".

Wenn die Peer-Gruppen-Mitglieder wirklich gleiches oder ähnliches Alter und damit auch ähnliche Generationslage haben, was in der Regel der Fall sein wird, und wenn dies meist auch noch mit ähnlicher sozialer Herkunft (Soziallage) und gleichem Geschlecht verbunden ist, dann übernehmen solche Peer-Gruppen besonders bei Jugendlichen und Heranwachsenden häufig vielleicht die wichtige Sozialisierungsfunktionen und vor allem die soziale Abstützung bei Um- und Neuorientierungen im Lebenszyklus.

Die Peer-Gruppe fördert mit positiven und negativen Sanktionen (Bestätigung oder Korrektur des Verhaltens von Einzelnen oder Gruppen, "operante >Konditionierung<") die Anpassung an die Gruppe.

Die Kinder aus der Nachbarschaft sind entweder ganz gleich erzogen worden oder sie werden mit anderen Überzeugungen in Kontakt gekommen. Entweder ist das Umfeld homogen (einheitlich, gleichartig) oder heterogen (ungleichartig) wie meistens in einer Demokratie.

Kinder aus westlichen (demokratischen) und fundamentalistischen Kulturen:

Schon bei der ersten Peer-Group kann das sehr junge Kind mit unterschiedlichem >Verhalten< konfrontiert werden, was eine größere Flexibilität im Denken mit sich bringt. In der heterogenen Jugendlichen-Peer-Group kann ein Mitglied im Rahmen neuer Ideen rumexperimentieren. Die gesellschaftlichen Trends werden in der Peer-Group nachgelebt und durchprobiert, Moden, Riten, verrückte Frisuren z.B., Bekleidung. Aber natürlich kann man sehr häufig Banden-Gruppierungen antreffen, im westen wahrscheinlich die am häufigsten anzutreffende "Peer-Gruppe". Schon früher gab es solche Gruppenbildungen, die dann in der Regel "Krieg" führten gegen eine andere Dorfgemeinschaft, gegen eine Gruppe aus einem anderen Stadtviertel zum Einüben von Machtkämpfen und dergleichen.

In manchen Kulturen gibt es nun keine "gemischte" Peer-Group (die Mädchen werden eingeschlossen) und in fundamentalistischen Kulturen gibt es keine unterschiedlichen Meinungen. Die Peer-Group trägt dann zur Indoktrination (Beeinflussung im Sinn einer bestimmten politischen oder weltanschaulichen Doktrin der herrschenden Meinung) bei.

Natürlich versuchen auch fundamentalistische Organisationen in Demokratien, (islamische Graue Wölfe, Neo-Nazis, Sekten, Konvikt, Opus Dei, überhaupt Ideologen) über die Jugend-Gruppen Einfluß auf noch leicht formbare junge Menschen zu bekommen (Verführungsstrategie).

Das ist dann die gewünschte >Anpassung< durch Kommunikation in und mit der Gruppe, die sich - wie schon erwähnt - gemeinsam Wertorientierungen geschaffen oder einfach übernommen haben, die gemeinsam Interessen und Zielen nachgehen.

Schon in der Peer-Group kann es Rangunterschiede geben und jemand die Macht an sich gerissen haben, was meistens mit negativen, destruktiven Auswirkungen verbunden ist.

Betrachten wir einmal jetzt die Gruppe (zum Beispiel einen Sportverein), in der die Mitglieder zeitlich relativ beständig miteinander verbunden sind, sodass sie eine soziale Einheit bilden. In einem Verein besitzt jedes Mitglied der Gruppe eine mehr oder minder eindeutig abgegrenzte Stellung und Aufgabe. Regeln (Satzungen) sind definiert worden, wobei ein Mitglied einer sozialen Kontrolle mit positiven und negativen Sanktionen unterliegt. (Ein Verein hat sogar einen Präsidenten.)

Nun wieder etwas allgemeiner über die Gruppe, in der (natürlich wie im an bestimmte gemeinsame Interessen orientierten Verein) entscheidend ein das Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer Mitglieder (Gruppenbewusstsein) ist, das sich in Solidarität der Eigengruppe gegenüber Fremdgruppen und Kooperation (Gruppenkohäsion) innerhalb der Gruppe sowie einer besonderen Sprache (Gruppensprache oder sogar Gruppenjargon) äußert.

Zurück auf die Anpassung im Rahmen einer Gruppe mit spezieller Sicht auf die Großgruppe "Religionsgemeinschaft" in einem fundamentalistischen Umfeld, in dem - wie vorher ausgeführt worden ist - keine Um- und Neuorientierung des herangewachsenen "Neuzugangs" möglich war, wird der "Neuzugang" wie ein Bau-Steinchen im riesigen ideologischen Gebäude einzementiert ohne Einflußmöglichkeit auf die "Satzung" der Gruppe.

Fazit (Schlußfolgerung): Fast alle Erwachsenen sind sie angepasst und geprägt. Die Jugend legt fest, ob Selbstbestimmung und freiheitliches Denken und Handeln noch möglich sind.