
unter anderem >hier< direkt:
Kollektivgüter
oder
>hier< Gemeinnutz, Solidarität.
Siehe auch: Eigen-, Fremdgruppe
>hier<
und eventuell
Macht, Gewalt >hier<.
Der Begriff
Kollektiv (lateinisch: colligere „zusammensuchen“,
„zusammenlesen“) beschreibt unspezifisch ein
soziales Gefüge, das ein Volk, eine Gesellschaftsklasse, eine
Belegschaft, eine Ideologiegemeinschaft und vieles mehr sein
kann. Kollektiv bedeutet: gemeinsam, gemeinschaftlich,
umfassend, aber auch als Substantiv (das Kollektiv) eine
Arbeitsgemeinschaft, Produktionsgesellschaft (in früheren
"sozialistischen Ländern" z.B. die landwirtschaftliche Kolchose
[Kunstwort, russisch: »Kollektivwirtschaft«]).
Während die Soziologie d.h. als Sozialpsychologie sich längere
Zeit sehr mit
der "Masse" (und nicht der Analyse des
Individuums) beschäftigte, ist dieses Interesse
an diesem Begriff stark in den Hintergrund getreten, um das
Zusammensein in einer Masse eher "überbegrifflich" als kollektives
Verhalten bewerten zu können; denn
"Masse“
wird umgangssprachlich auch oft als Synonym zu
„einfachen
Leuten“,
„Ungebildeten“,
zur „Arbeiterklasse“,
allgemeiner auch zum „Volk“
bzw. zur „Bevölkerung“
gebraucht. Gegenbegriffe sind dann
„Individuen“,
„bedeutende Einzelne“,
auch
„die Gebildeten“.
Der Soziologe Vilfredo Federico Pareto* (gebürtig:
Wilfried Fritz Pareto)
stellt die
„Masse“
den
„Eliten“
und „Reserveeliten“
gegenüber, ähnlich unterscheidet Charles Wright Mills (Beschäftigung
insbesondere mit den Machtstrukturen moderner Gesellschaften)
zwischen „Masse“
und
„Machtelite“
(also als Klasseneinteilung).
*
Paretoprinzip (auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel)
besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines
Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse
verursachen die meiste Arbeit.
Andererseits ist ein zweiter, soziologischer
Gegenbegriff auch die
„Menge“.
Während „Massen“
oft (meist spontane, manchmal aber auch geplante)
Hierarchien aufweisen
(insbesondere in Form von Anführern und Rädelsführern), sind
„Mengen"
unstrukturiert, nur situativ (in einer bestimmten
Lebensform) verbunden (z.B. alle Passanten
in einer Einkaufstraße).
"Als
Menge wird die Gesamtheit von Personen bezeichnet, die sich
zu einer bestimmten Zeit an einem Ort befinden, aber nicht
zueinander in Beziehung stehen. Diese Menge kann sich zu
einer aktivierten Menge entwickeln. Dann spricht man von
einer Masse. D.h., eine Masse ist eine aktivierte,
gefühlsmäßig engagierte Menschenansammlung." (Sehr gut definiert von Dr. Reinhard Haselow in einem Skript von www.kriminalistik.de)
(>Hier<
zu einem Artikel über Massenbewegung)
Begrifferläuterungen:
Kollektivbewusstsein
ein
soziologischer Begriff (des französischen Soziologen Émile
Durkheim - 1858 bis 1917 ) für die allen Mitgliedern derselben
Gesellschaft gemeinsamen Glaubensvorstellungen und Gefühle;
Gesellschaft ist ein eigenständiges Wesen, ein Wesen "sui
generis" (meint Durkheim).
Claus-Henning Ammann von
www.multimedia-pflege.de schrieb 2002:
»Unter Kollektivbewusstsein
versteht man das Handeln und Fühlen von Gruppen/von
Gesellschaften, nicht das von Einzelnen.
Begründung: Gesellschaft bleibt bestehen, auch wenn ihre
Mitglieder ausgetauscht werden. Repräsentiert wird das
Kollektivbewusstsein durch die Hinterlassenschaften früherer
Generationen, durch Technik, durch Häuser ebenso wie durch die
Religion.
Das wesentliche Merkmal der Lebenswelt besteht demgegenüber
darin, dass diese nicht bestimmte Inhalte darstellt, sondern die
sprachlichen Mittel für eine durch Verständigung erzielte
Übereinkunft bereitstellt. Sind als strukturelle Komponenten der
Lebenswelt Kultur, Gesellschaft und Persönlichkeit
differenziert, und verständigen sich die Akteure über eigene
Interpretationen, verliert die Lebenswelt ihre festlegende
Gewalt. Erst durch Verständigung kann die Lebenswelt ihren
Charakter als Kollektivbewusstsein verlieren (s. Philosoph
und Soziologe Jürgen Habermas 1995 II, S. 203). Das kollektive
Sein schafft eigene Gesetze. Diese sind nicht aus den
Einzelelementen ableitbar (z.B. aus den Elementen H und O lässt
sich nicht die Eigenschaft des Wassers ableiten). Wesentlich ist
der holistische, also unter dem Aspekt der Ganzheit zu
deutenden Charakter als eigenständige Realität, nicht die
individuellen Beziehungen der Akteure in ihrem
Verflechtungszusammenhang. Die Gruppe denkt, fühlt, handelt ...
und hat dabei ein Kollektivbewusstsein.
Beispiel. Nachbarschaft/christliches Umfeld: "Man hängt am
Sonntag draußen keine Wäsche zum Trocknen auf". Abweichendes
Verhalten wird sanktioniert. Spricht man mit den Nachbarn diese
Norm als kulturell geprägt an, kann man gegenseitige Akzeptanz
erlangen.
Begründung:
- empirisch: Die Gesellschaft existiert unabhängig von
ihren Mitgliedern
- Innere Integration, eine besondere Form der moralischen
Einheit. Regeln (Nomie ?) sind nicht an Kosten/Nutzen
orientiert. Diese gesellschaftlichen Regeln haben die
Individuen internalisiert (Latein: internus
„innen befindlich“, „Verinnerlichung"), die Werte des kulturellen und des
sozialen Systems sind in den individuellen Persönlichkeiten
und ihrem Organismus verankert.
- Die Kontrolle kann über eine mechanische oder eine
organische Solidarität erfolgen, die entstandene moralische
Einheit bildet das telische System, den Bereich der
"letzten Realität" und der grundlegenden Sinndeutungen der
menschlichen Existenz (Talcott Parsons, 1902 -1979,
US-amerikanischer Soziologe.).
- Das mechanische Recht ist repressiv, beruht auf externen
Sanktionen in segmentär differenzierten Gesellschaften. Das
organische ist ein restitutives (wiederherstellendes,
ausgleichendes) Recht, es wirkt über Re-Sozialisierung in
funktional differenzierten Gesellschaften.
- Die Verbundenheit erlaubt Arbeitsteilung, sie schafft
den verbindenden Rahmen, den nicht kontraktuellen Teil des
Vertrages.
- Diese Auffassung wendet sich gegen die "schottischen
Moralphilosophen" (Adam Smith, Herbert Spencer), die
eine unsichtbare Hand die Arbeitsteilung regulieren sehen.
Für Durkheim hingegen ist die arbeitsteilige Spezialisierung
ein Kollektivgut.
- Beispiele für Kollektivbewusstsein sind m. E. auch die
strukturellen Effekte (nach dem US-amerikanischen Soziologen
Peter Michael Blau 1918 – 2002), die Sozialarbeiter je nach
dem vorherrschenden Klima entweder eher auf Beratung oder
auf restriktive Maßnahmen setzen lassen.«
Charakteristika
von Kollektivbewusstsein sind:
die geistigen
Eigenschaften einer Gesellschaft wie Moral, Recht, Gewohnheiten,
Sprache, Gewissen, Wissen und Ähnliches. Allgemein ist auch die
Rede von Volksseele, Kollektivseele, kollektive Mentalität,
Gruppenseele und anderer Gesamtheiten geistiger Eigenschaften
eines sozialen Gebildes (Durkheim-Schule).
Nach
Alfred Vierkandt ((1867 - 1953, deutscher Soziologe, Ethnologe,
Sozialpsychologe, Sozial- und Geschichtsphilosoph) bilden die Angelegenheiten einer sozialen
Gruppen die kollektiven Bewusstseinsinhalte, die das kollektive
Subjekt in Form des "Wir" gegenüber dem individuellen "Ich"
formuliert.
Weitere
Wesenheiten:
1. Gemeinnutz. Gemeinnützig ist eine Tätigkeit, die
Mitmenschen nützt und das allgemeine Wohl fördert. (Die Nazis
sagten „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“.) Wenn eine Einrichtung
als gemeinnützig anerkannt worden ist, wird sie von den (Gewinn-)Steuern
ganz oder teilweise befreit. Viele nicht-staatliche Hilfswerke
und kulturelle Institutionen, aber auch Sportvereine oder
Krankenhäuser, sind als gemeinnützig anerkannt. Die tatsächliche
Gemeinnützigkeit wird von zuständigen Steuerbehörden per
Bescheid ausschließlich rückwirkend anerkannt.
2.
Gegenseitige Hilfe ist ein ethisches
Verhaltensprinzip, an dem sich ein bestimmtes solidarisches,
also zusammenhaltend und gleichgesinntes Verhalten unter
Menschen, ja sogar unter Tieren orientiert, ein Verhalten, das
sich in der Evolution bewährt aber selten durchgesetzt hat.
Aktuell wird ein Prinzip der Gegenseitigen Hilfe im Rahmen einer
Solidarische Ökonomie diskutiert (Ansätze
>hier< und
>hier<).
3. Solidarität (abgeleitet vom lateinischen
solidus für
gediegen,
echt oder
fest) bezeichnet eine, zumeist in einem
ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der
Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen,
Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den
Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder
gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz
für gemeinsame Werte aus (vgl. auch
Solidargemeinschaft).
Nach Schubert, Klaus/Martina Klein: Das
Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006:
bezeichnet Solidarität ein Prinzip, das gegen die
Vereinzelung und Vermassung gerichtet ist und die
Zusammengehörigkeit, d.h. die gegenseitige (Mit-)Verantwortung
und (Mit-)Verpflichtung betont. Solidarität kann auf der
Grundlage gemeinsamer politischer Überzeugungen,
wirtschaftlicher oder sozialer Lage etc. geleistet
werden. Die politische Soziologie unterscheidet zwei
Formen:
1) die mechanische Solidarität, die auf vorgegebenen
gemeinsamen Merkmalen einer Gruppe beruht (z.B.
Geschlechtszugehörigkeit), und
2) die organische Solidarität, deren Basis das
Angewiesensein aufeinander (z.B. auf Spezialisten in
hoch-arbeitsteiligen Gesellschaften) ist.
Kollektivgesellschaft
Eine
soziologische
Grundüberlegung ist, dass
Gesellschaften für die
Etablierung und Aufrechterhaltung
einer sozialen Ordnung sowie für die
Sicherung ihres Zusammenhalts,
jeweils spezifische (nicht nur
kaufmännisch-wirtschaftliche)
"Lösungen” entwickeln müssen, die
ihrerseits in der Regel in
kollektiv erarbeitete
(produzierte) und von allen
angenommene (akzeptierte)
symbolische Formen ‘gegossen'
werden. (Forschungsprojekt der
http://www.uni-konstanz.de/fg-wiss/?q=node/7)
In ersten Linie ist eine
Kollektivgesellschaft die
wirtschaftliche Vereinigung von
Personen (Personengesellschaft des
schweizerischen Rechts), welche in
der Regel einen unpolitischen, nur
profitablen Zweck hat und
ein
kaufmännisches Unternehmen
betreibt. "Juristische Personen"
(z.B. Aktien-Gesellschaft - AG oder
Gemeinschaft mit beschränkter
Haftung - GmbH) können sich nicht an
einer Kollektivgesellschaft
beteiligten. Eine
Kollektivgesellschaft ist in vieler
Hinsicht vergleichbar mit einer
Einzelfirma, wobei nun mehrere
Personen eingebunden sind und sich
natürlich einige neue
Regelungsbereiche ergeben.
Die
Kollektivgesellschaft ist
personenorientiert (sogenannte
Personengesellschaft).
Das zeigt sich z.B. dadurch, dass
die Gesellschaft grundsätzlich
aufgelöst wird, wenn ein
Gesellschafter stirbt (außer es
wurde etwas anderes vereinbart). Ein
Mitgliederwechsel kommt nur in
Frage, wenn dies im
Gesellschaftervertrag vorgesehen ist
oder alle Gesellschafter zustimmen.
Ebenso besteht eine starkes
Konkurrenzverbot für
Gesellschafter...
Da Kollektiv und Gesellschaft
fast gleiche Bedeutung haben, soll
eine nähere Begriffsbestimmung auf
dieser Stelle nicht weiter
fortgeführt werden.
Kollektivgüter
oder "öffentliche Güter" sind diejenigen, wie Wehrmacht,
Polizei, Katastrophenschutz, Verwaltungsämter, Schulen,
Kindergärten, die also im marktwirtschaftlichen Prozess
(in der Regel) nicht in privater Konkurrenz angeboten und
deshalb vom Staat bereitgestellt werden. Bei der Nutzung
dieser Kollektivgüter gibt es in der Regel keine Rivalität im
Konsum. (Das ist jedoch aufgeweicht beispielsweise durch private
Sicherheitsfirmen oder lukrative, meist religiöse, jedoch
staatlich zum größten Teil finanzierte Privatschulen.)
Sehr umfangreich sind die staatlichen Aktivitäten im Rahmen der
Sozialgesetze von Sozialhilfe bis "arbeitsmarktliche Maßnahmen"
(im Volksmund "Stütze" genannt: Arbeitslosengeld, Schulungen,
Umschulungen, Arbeitsagenturen, sonstige Geldleistungen zur
Sicherung des Lebensunterhalts - wie Kindergeld).
Leider werden ehrenamtliche Tätigkeiten gefördert, wofür es
keine Bezahlung, höchstens eine Aufwandsentschädigung gibt.
Damit werden übliche Arbeitsplätze überflüssig und die
Arbeitslosigkeit wird zu einem großen Teil aus Steuermitteln,
also von uns allen finanziert. Angeblich soll sich etwa jeder
Dritte in Deutschland ehrenamtlich engagieren angefangen als
Schöffen am Gericht (wozu man verpflichtet werden kann) bis zur
Mitarbeit in der freiwilligen Feuerwehr oder in einer
"Lebensrettungsgesellschaft".
Freiwillige Helfer beim "Reinigen" nach einer
Ölpest

Schwerwiegend sind staatliches - also kollektiv getragenes
Engagement beispielsweise bei Umweltschäden
- durch Naturkatastrophen,
- aber auch von profitablen und parteispendenfreundlichen
Wirtschaftunternehmen kaum ohne Konsequenzen verursacht, ferner
- bei den derzeitigen, durch Misswirtschaft leichtfertig
hervorgerufenen Bankenpleiten, ja sogar Staatspleiten. Die
sogenannten Rettungsschirme, von korrupten Politikern ohne Sinn
und Verstand aufgespannt, ohne aus Fehlern zu lernen (lernen zu
wollen), trägt kein einziger Verursacher.
Solche "öffentlichen" Wirtschaftsaktivitäten, für die die
Privatwirtschaft nicht bereits ist, ja nicht einmal im
geringsten bereit zu sein braucht, "Wiedergutmachungen" zu
zahlen, da der über die Wahlen unserer Politiker eine rechtliche
Kollektiventscheidung zugrunde liegt, wird sogar
"wirtschaftswissenschaftlich" von allokatives* »Marktversagen«
gesprochen.
* Allokation: Verteilung, Zuteilung, Zuweisung,
Anweisung, das Kontingent, die Auftragslenkung.
Man spricht aber nicht von einem "Staatsversagen"!
Kollektivmodell
Durkheim, Emile (1895/1984): Die Regeln der soziologischen
Methode. 105-114, Frankfurt Exzerpt:
I. Einordnung Im vorliegenden Auszug legitimiert Durkheim
die Soziologie durch die Definition eines ihr eigenen
Gegenstandes: Die soziologischen Tatbestände,
»les faits
socials«. Zu diesem Zweck grenzt er den Begriff von der
allgemeinen Verwendung ab, und verteidigt den so
herausgearbeiteten Gegenstand vor dem Zugriff der übringen
Naturwissenschaften (105).
II. Definition soziologischer Tatbestand So seien die
soziologischen Tatbestände als genuiner Gegenstand der
Soziologie besondere Arten des Handelns, Denkens, Fühlens, deren
wesentliche Eigentümlichkeit darin besteht, da sie außerhalb des
individuellen Bewusstseins existieren. (106). Als Typen des
Verhaltens (ebd.) seien sie überdies mit einem immanenten
Zwangscharakter ausgestattet, der vor allem bei
Zuwiderhandlungen durch Sanktion zum Ausdruck käme.
Soziologische Tatbestände seien folglich weder organisch, da sie
aus Vorstellungen und Handlungen erschaffen, noch psychisch, da
sie überindividuell zu verorten (107) seien.
III. Beispiele Durkheim zählt zahlreiche Beispiele für seine
soziologischen Tatbestände auf. So nennt er neben so
unterschiedlichen gesellschaftlichen Institutionen wie soziale
Rolle, Erziehung, Religion, Konvention, Kommunikationsregeln,
Wirtschafts- und Produktionsweisen und politische Struktur auch
Infrastruktur und Wohnform sowie soziale Strömungen und nicht
zuletzt die öffentliche Meinung. Dabei variieren die
soziologischen Tatsachen in einem von Durkheim beschriebenen
Kontinuum des Verfestigungsgrades: von stark strukturiert bis zu
(noch) nicht gefestigt: ...mehr oder weniger kristallisiertes
Leben (114). In diesem Sinne sind gesellschaftlich
institutionalisiertes Handeln ebenso wie soziale Strömungen, die
keinerlei bestimmte Organisation aufweisen, soziologische
Tatbestände. Etwa Ausbrüche des Enthusiasmus, der Entrüstung und
des Mitleids (108). Denn auch diese treten an jeden einzelnen
Teilnehmer von außen heran und sind imstande, sie auch wider
ihren Willen fortzureißen. (ebd.).
IV. Inhalte und Formen soziologischer Tatbestände der
Kollektiven Zustände gelten Durkheim in seinen Betrachtungen als
die Glaubensvorstellungen, die Neigungen, die Gebräuche einer
Gruppe als Ganzes genommen. (ebd.) und somit als der Inhalt der
Tatbestände (Vgl. Plessner: natürliche Künstlichkeit). Die
Formen, die die kollektiven Zustände annehmen könnten, seien
aber Dinge ganz anderer Art, nämlich der Ausdruck der
individuellen Praxis (109). Hierin sieht Durkheim die Zweiheit
der Tatbestände: Zum einen die emergente Realität sui generis,
in der Arten des Handelns zu Institutionen des Handelns geworden
sind (Normen), zum anderen die Anwendung des Einzelnen als
individuelle Praxis, die zwar zum Teil sozial ist, da sie ein
Kollektivmodell reproduziert (111), aber dennoch größtenteils
die psycho-physiologische Verfassung des Einzelnen abbildet
(ebd.) und somit in Abhängigkeit zu dessen besonderen Umständen
rückt. Die Praxis (Form) ist somit für Durkheim, im Gegensatz zu
den basalen Inhalten (kollektive Zustände) der sozialen
Tatbestände, keine rein soziologische Erscheinung, weshalb er
hier von sozialpsychischen Phänomen in Abgrenzung zu sozialen
Phänomenen spricht. (Korrigiert aus
http://www.mendeley.com/research/durkheimsoziologischertatbestandpdf/)
Kollektive Sicherheit
In seiner Rede vor der Generalversammlung im September 2003 wies
der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, die
Mitgliedstaaten eindringlich darauf hin, dass die Vereinten
Nationen an einem Scheidepunkt angelangt seien.
Sie hätten die Alternative, sich der Herausforderung durch neue
Bedrohungen zu stellen oder aber Gefahr zu laufen, angesichts
der wachsenden Gegensätze zwischen den Staaten und ihres
einseitigen Vorgehens immer mehr an Relevanz einzubüßen. Aus
diesen Überlegungen heraus schuf der Generalsekretär die
Hochrangige Gruppe für Bedrohungen, Herausforderungen und
Wandel, die neue Ideen über die Art der Politik und der
Institutionen entwickeln sollte, die erforderlich sind, damit
die Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert wirksam tätig sein
können.
Die Hochrangige Gruppe entwirft in ihrem Bericht eine kühne neue
Vision der kollektiven Sicherheit für das 21. Jahrhundert. Wir
leben in einer Welt neuartiger und sich verändernder
Bedrohungen, die 1945 bei der Gründung der Vereinten Nationen
nicht vorhergesehen werden konnten, wie der Nuklearterrorismus
oder der Zusammenbruch von Staaten durch das verhängnisvolle
Zusammentreffen von Armut, Krankheit und Bürgerkrieg. Heutzutage
kommt die Bedrohung eines einzelnen Staates einer Bedrohung
aller gleich. Die weltweite Wirtschaftsintegration bedeutet,
dass ein schwerer Terroranschlag in irgendeinem Industrieland
verheerende Folgen für das Wohlergehen von Millionen Menschen in
den Entwicklungsländern hätte. Jeder der jährlich etwa 700
Millionen internationalen Flugpassagiere kann, ohne es zu
wissen, Träger einer tödlichen Infektionskrankheit sein. Die
Erosion der Staatskapazität in einem Land macht jeden Staat
verwundbarer für grenzüberschreitende Bedrohungen wie
Terrorismus und organisierte Kriminalität. Jeder Staat ist zur
Gewährleistung seiner Sicherheit auf internationale
Zusammenarbeit angewiesen.
Es gibt sechs Bündel von Bedrohungen, mit denen sich die Welt
heute und in den kommenden Jahrzehnten wird befassen müssen:
• Kriege zwischen Staaten
• Gewalt innerhalb von Staaten, einschließlich Bürgerkriege,
massive Menschenrechtsverletzungen
und Völkermord
• Armut, Infektionskrankheiten und Umweltzerstörung
• Nukleare, radiologische, chemische und biologische Waffen
• Terrorismus
• Grenzüberschreitende organisierte Kriminalität
Die gute Nachricht ist, dass die Vereinten Nationen und unsere
Einrichtungen der kollektiven Sicherheit gezeigt haben, dass sie
funktionieren können. In den vergangenen 15 Jahren wurden
mehr Bürgerkriege durch Verhandlungen beendet als in den 200
Jahren zuvor. In den 1960er Jahren glaubten viele, dass bis zum
heutigen Zeitpunkt 15-25 Staaten Kernwaffen besitzen würden; der
Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen hat dazu
beigetragen, dies zu verhindern. Mit Hilfe der
Weltgesundheitsorganisation konnte die Ausbreitung von SARS
gestoppt werden, bevor Zehntausende und vielleicht mehr Menschen
der Krankheit zum Opfer gefallen wären.
Diese Leistungen können aber auch wieder zunichte gemacht
werden, und diese Gefahr besteht, wenn wir nicht rasch handeln,
um die Vereinten Nationen zu stärken, damit sie in Zukunft
wirksam auf die ganze Bandbreite der bestehenden Bedrohungen
reagieren können.
>Hier< die
ganze pdf.Datei (Acrobat-Reader erforderlich!)
kollektives Unbewusstes
Das
Kollektive Unbewusste ist ein von Carl Gustav
Jung (
>hier<
der Lebenslauf) geprägter Begriff aus dem Konzept seiner
Analytischen Psychologie. Jung übernahm zwar aus der
Psychoanalyse die Begriffe Bewusstsein und Unbewusstes,
differenzierte aber letzteres in ein
persönliches
Unbewusstes und das
kollektive Unbewusste.
Das kollektive Unbewusste postuliert Jung als
Lagerstätte des psychischen Erbes der
Menschheitsgeschichte, welches sich, ähnlich wie der
biologische Körper, durch die Evolution hindurch
entwickelt habe und von verschiedenen Erfahrungen
geprägt worden sei. Alles, was irgendwann einmal von der
individuellen Psyche eines Menschen ausgedrückt wurde,
werde zu einem Bestandteil der psychischen
Grundkonstitution eines Menschen – und ebenso auf einer
kollektiven Ebene zu einem Bestandteil der ganzen
Gattung und damit zu einem Bestandteil des kollektiven
Unbewussten.
Damit hat Jung eigentlich die "MEM-Theorie"
(>hier<) von
Richard Dawkins vorweggenommen.
Kollektivismus
ein Begriff der Gesellschaftslehre, wonach
1) das gesellschaftliche Ganze seins-, sinn- und wertmäßig den
Vorrang vor dem Individuum hat,
2) das Denken und Handeln des Individuums ausschließlich vom
Kollektiv (Gesellschaft, Gruppe, Staat, Partei) her zu
bestimmen ist.
Vertreten wird der Kollektivismus vor allem in ideologisch
diktatorischen Strömungen (Religionen, insbesondere Sekten,
Kommunismus, aber insbesondere in nationalistischen und
faschistischen Bewegungen).
Gegensatz: Individualismus
Kollektivsymbole
Kollektivsymbole sind nach
dem Literaturwissenschaftler
Jürgen Link in gesellschaftlich gefestigte diskursive
Sinnbilder und
Codes,
die sowohl als Erklärung und Erschließung von
Wirklichkeit und der
politischen Landschaft dienen, als auch zu Handlungsweisen
anleiten. Sie bieten die Möglichkeit zwischen
Normalität und Abweichung zu unterscheiden. Im Gegensatz zu
Vorstellungen von angeborenen Bildern oder der Vorstellung eines
kollektiven
Unbewusstseins ist nach Link das System der
Kollektivsymbolik historisch veränderbar und
interkulturell verschieden. Symbole sind Kleidung, Fahnen,
Abzeichen, aber auch Art zu Grüßen, Gehabe.
Kollektivverhalten
Kollektivverhalten bezeichnet die unstrukturierten Reaktionen
und Verhaltensweisen einer größeren Anzahl von Personen in einem
Problemlösungsprozess, die im Gegensatz zur sozialen Gruppe in
diesem Prozess nicht durch Interaktion bestimmt ist und im
Gegensatz zur Masse oder Mob (aufgewiegelte
Volksmenge, Pöbel, Gesindel; unorganisierte Massenansammlung
aggressiver und triebenthemmter Menschen) sich nicht rein zufällig, sondern
sich entwickelnd vollziehen. Entstehung und Verlauf des
Prozesses sind beispielsweise bei der Bildung von öffentlichen
Meinungen, bei
Revolutionen oder
Sozialen Bewegungen unterschiedlich.
Begriffskritik
Kritiker der
Bildung von „Kollektiven“ unterstellen, dass dabei das
Bewusstsein des Einzelnen durch das Bewusstsein der Gruppe
als Gesamtheit verdrängt werde (oder schärfer, dass das
„Bewusstsein der Gruppe“ eine
ideologische Fiktion zur Knutung des Einzelnen sei). An die
Stelle der persönlichen
Verantwortung trete die (womöglich hohle) Verantwortlichkeit
der
Gruppe (siehe auch
Kollektivismus und
Soziologie).