Sozialpsychologische Fachausdrücke
zusammengestellt von
einer Arbeitsgruppe im Proseminar SS 1971
der Universität zu Köln
(Vp=Versuchsperson)
Abhängige Variable (dependent variable) - Reaktionen vor. Vpn oder Dimensionen solcher Reaktionen, von denen man erwartet, daß sie sich systematisch aufgrund der Veränderung der unabhängigen Variablen verändern.
Affekt (affect) - Allgemeiner Begriff für eine Emotion oder ein Gefühl.
Aggression (aggression) - Verhaltensweise eines Organismus mit der Hauptabsicht einer Schädigung (in sehr weitem Sinne) eines anderen Organismus.
Anspruchsniveau (level of aspiration, LOA) - Standard nach dem eine Person ihre eigene Leistung bewertet. Dies wird teils dadurch bestimmt, was die Person erreichen möchte, und teils durch realistische Schlußfolgerung von eigenen früheren Leistungen oder anderen Informationen.
Antikonformität (anti conformity bei Willis und Hollander u. a.; counterformity bei Krech, Crutchfield, Ballachey u. a.) - Eine Form des nicht-konformen Verhaltens, bei dem der Gruppendruck ein Individuum veranlaßt, sich in Urteilen und Handlungen von der Gruppennorm abzuweichen, d. h. sich von der Gruppe abzusetzen. Der Antikonformist oder Kontrakonformist wendet sich im allgemeinen aktiv gegen die Gruppe und stimm zwangsläufig nicht mit ihr überein. Bei Willis und Hollander ist Antikonformität ein Extremfall der Bewegungskonformität (Konformität).
Autoritäre Persönlichkeit, antidemokratische Persönlichkeit (authoritarian personality) - Ein Syndrom von Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmale, das man bei vorurteilsvollen Individuen feststellen konnte (insbes. Adorno et al. l950). D. h. eine Person, die eins dieser Merkmale aufweist (z. B. ein ethnisches Vorurteil) weist wahrscheinlich auch die anderen Merkmale auf (latente Feindschaft, Nachgiebigkeit gegenüber Autoritäten usw. ). Bekanntestes Meßinstrument zur Erfassung der autoritären oder antidemokratischen Persönlichkeit ist die F-Skala.
Bereitschaften, Dispositionen (dispositions) - Mehr oder weniger überdauernde Züge einer Person., die unter günstigen Umständen das Verhalten determinieren.
Bezugsgruppe (reference group) - Gruppe, mit der man sich bezüglich
"Einstellungen, Fähigkeiten o. ä.zum Zweck der Selbsteinschätzung vergleicht (Vergleichsfunktion) und meist auch mehr oder weniger
identifiziert (Normative Funktion). Begriff wurde zuerst von H. Hyman (1942)
geprägt. Unterschieden werden u, a. positive und negative Bezugsgruppen sowie
Wunschgruppen, d.h. positive Bezugsgruppen, in denen eine Person Mitglied sein
möchte, aber z. Zt. nicht ist, oder sogar nie werden kann.
Clique (clique) - Subgruppe von Mitgliedern einer größeren Gruppe bei denen ein größerer Zusammenhalt zwischen den Einzelnen besteht als mit den anderen Mitgliedern der größeren Gruppe. Cliquen können durch soziometrische Fragen und Soziogramme ermittelt werden.
Consideration - Dimension der Führung (consideration leadership dimension). - Eine der beiden Hauptdimensionen der Führung (die andere Dimension des Führungsstiles ist "Initiation Structure"). "Consideration", meist durch eigens entwickelte Skalen gemessen, bezieht sich auf das Verständnis des Führers oder Leiters für die persönlichen Belange der Geführten. Consideration-Führer motivieren die Gruppe zur Akzeptierung der Gruppenziele, durch Aufrechterhaltung der Gruppenharmonie und durch persönliches Verständnis.
Decodieren (decode) s. unter Encodieren
Demand Charakteristik, Aufforderungscharakteristik (demand characteristic). Von Martin T. Orne eingeführter Begriff zur Beschreibung des Gesamteindrucks, den ein Experiment oder eine Versuchsanordnung auf eine Vp macht und der Verhaltensweisen der Vp hervorruft, die vom V1 nicht intendiert waren. Beispiel : Jemand fuhrt stundenlang sinnlose Aufgaben durch, weil er glaubt, es handele sich um ein wichtiges Experiment.
Demokratische Führung (democratic leadership) - Ein Führungsstil, bei dem der Führer eine "erlaubende" Rolle spielt. Er teilt die Führerschaft mit den Mitgliedern der Gruppe, indem er sie dazu anhält, sich an der Zielsetzung, der Planung und der Bestimmung der Aktivitäten der Gruppe zu beteiligen. Dem demokratischen Führungsstil steht der autoritäre gegenüber. Die Wirkung autoritärer und demokratischer Führungsstile wurde 1937 erstmals von Kurt Lewin und seinen Mitarbeitern untersucht.
Denotative Bedeutung (denotative meaning) - Alle Objekte, Ereignisse und Anfliegen, auf die ein Wort "hinweist" oder für die es steht. Zu trennen von der denotativen Bedeutung ist die kennetative Bedeutung.
Deprivation (deprivation) - "Beraubung", Entbehrung von Einflüssen a) sozialer oder b) sensorischer Art. Genauer spricht man von "sensory" oder "social restriction", da eine totale Reizeinschränkung nicht möglich ist.
Effekt des ersten Eindrucks (primacy effect) - Wenn frühere Informationen einen
stärkeren Einfluß auf die Eindrucks- oder Einstellungsbildung haben als spätere
Informationen, spricht man vom "Primacy effect". Gegensatz : "Recency effect".
Effekt des letzten Eindruckes (recency effect) - Wenn spätere Informationen einen stärkeren Einfluß auf die Eindrucks- oder Einstellungsbildung haben als frühere Information, spricht man vom "Recency effect". Gegensatz : "Primacy effect".
Eindimensionale Skala (unidimensional scale) - Eine Skala, die nur eine
Einstellungsdimension mißt. Bei einer eindimensionalen Skala wird eine Person
mit einem hohen Gesamtmeßwert bei jedem Item einen entweder gleichen oder
höheren Wert aufweisen als eine Person mit einem niedrigen Gesamtwert. Von
allen Skalierungsmethoden ergibt sich bei der kumulativen Skalierungsmethode die
beste Annäherung an eine unidimensionale Skala.
Einfühlung (empathy) - Ein Zustand des Mit-dem-anderen-Fühlens. Teilhaben an
Emotionen oder (augenblicklichen) Verfassungen einer anderen Person.
Einschmeicheln (ingratiation) - Allgemeiner Begriff für Taktiken, sich einem
anderen beliebt zu machen. Im engeren Sinne kann man Einschmeicheln als
Strategie rangmäßig niedriger stehender Personen ansehen, die hierdurch
Machtunterschiede verringern wollen.
Einstellungs-"Cluster" (attitude cluster) - Die Gruppierung von zwei oder mehr Einstellungen, die relativ eng miteinander in Beziehung stehen und relativ isoliert von anderen Einstellungs-Gruppierungen sind.
Einstellungskonstellation (attitude constellatinn) - Die Gesamtheit der
Einstellungen eines Individuums.
Encodieren (encode) - Eine Information in eine Form bringen, in der sie
übertragen werden kann. Die Entschlüsselung einer übertragenen Information
durch den Empfänger wird als Decodierung bezeichnet.
Ethnozentrismus (ethnocentrism) - Eine allgemeine Form einer Einstellung, die
ein Individuum veranlaßt, andere Gruppen und Mitglieder anderer Gruppen
zurückzuweisen und die Überlegenheit der eigenen Gruppe hervorzuheben, besonders
die seiner ethnischen und nationalen Gruppen.
Experiment (experiment) - Eine Art der empirischen Forschung, bei der die
verursachenden Reizbedingungen unter die Kontrolle des Versuchsleiters gebracht
werden. Kriterien des Experiments nach W. Wundt : Willkürlichkeit,
Variierbarkeit, Wiederholbarkeit. Metzger (1952) : "Experiment oder
(wissenschaftlicher) Versuch heißt die Bemühung, Bedingungen herzustellen nur zu
dem Zweck, ihren Einfluß auf einen fraglichen Gegenstand oder Sachverhalt zu
beobachten und diesen dadurch besser kennen zu lernen, gegebenenfalls schon
bestehende Vermutungen über seine Natur (Deutungen seines Verhaltens) auf ihre
faktische Stichhaltigkeit zu prüfen." (143-144).
Feldexperiment (field experiment) - Empirische Untersuchung mit Manipulation
der unabhängigen Variablen in natürlicher Umgebung.
Feldmethode (field method) - Eine wichtige Methode zum Studium von Kulturen.
Der Anthropologe lebt mit den Menschen, deren Verhalten er studiert, zusammen.
Seine Ergebnisse werden dabei unterstützt durch Verhaltensbeobachtungen an den
Mitgliedern der Kultur und durch Interviews mit ausgewählten Informanten.
Folkways a(folkways) - Eine Klasse kultureller Normen, die das allgemeine
Verhalten in denjenigen Situationen bestimmen, die von der Gesellschaft als
relativ unwichtig angesehen werden. Die Bestrafung für Nonkonformität in bezug
auf "folkways" ist nicht formal geregelt und variabel.
Formale Organisation (formal organization) - Ein differenziertes System
miteinander in Verbindung stehender Gruppen, Stellungen und Rollen, das vom
Organisationsplaner für bestimmte Aufgaben als das wirkungsvollste entworfen
worden ist. Die form aale Organisation legt die Autoritäts- und
Kontrollbeziehungen fest, ebenfalls die offiziellen Kommunikationskanäle
zwischen den Gruppen und Individuen innerhalb der Organisation.
Frustration (frustration) - Zustand eines Organismus, der daran gehindert
wird, ein angesteuertes Ziel oder einen erstrebten Zustand zu erreichen.
Frustration bildet gewöhnlich einen Anlaß zur Aggression gegenüber der
Frustrationsquelle, obwohl Aggression nicht notwendigerweise aufzutreten
braucht.
Frustrations-Aggressions-Hypothese (frustration-aggression hypothesis) -
Frustration führt immer zu einer Tendenz zur Aggression, jedoch kann
offene Aggression aus einer Vielzahl von Gründen verhindert sein.
F-Skala (California F-scale) - Von Adorno et al. (1950) entwickelte Skala zur
Erfassung des Syndroms der autoritären Persönlichkeit. Der Aussagewert der F(aschismus)-Skala ist umstritten, obwohl die Skala zu den am häufigsten
verwendeten Skalen gehört.
Führer (leader) - Ein Mitglied einer Gruppe oder einer Organisation, das
in hervorstechendem Maße die Handlungen der Gruppenmitglieder beeinflußt und
eine zentrale Rolle bei der Festlegung der Gruppenziele und der Bestimmung der
Gruppenideologie spielt (siehe auch Leiter).
Gefühlskomponente der Attitüde (feeling component of attitude) Die positiven
oder negativen Gefühle gegenüber einem Objekt, die mit der Einstellung des
Individuums gegenüber diesem Objekt verbunden sind.
Gesellschaft (society) - Eine organisierte Gesellschaft von Personen, die aus
einem Netz miteinander in Verbindung stehender Gruppen und Organisationen besteht.
Gruppe (group) - Eine Ansammlung von Personen wird zu einer Gruppe, wenn alle
Mitglieder ihre Verhaltensweisen als von einander abhängig erleben und die
Schicksale in gewissem Grade voneinander abhängig sind. Die Mitglieder einer Gruppe
erwarten normaler Weise, daß ihre Vereinigung zur Erreichung erstrebter
Ziele führt. Äußre Merkmale einer Gruppe : Interaktionen,
Rollendifferenzierungen, Überschaubarkeit.
Gruppendruck (group pressure) - Gruppendruck liegt vor, wenn eine Gruppe
Verhalten oder Einstellungen ihrer Mitglieder beeinflußt (Konformität, Normative Funktion).
Gruppenideologie (group ideology) - Die Gesamtheit der Überzeugungen, Werte und
Normen, die von der Mehrheit der Mitglieder einer Gruppe geteilt werden. Die
Ideologie einer Gruppe wird geformt durch den Prozeß der Interaktion und sie
hilft, wenn sie einmal geformt ist, das Verhalten der Mitglieder zu regulieren.
Gruppenlokomotion (group locomotion) - Bewegung einer Gruppe in Richtung auf ein
Ziel, das als Gruppenziel angesehen wird.
Gruppenstruktur (group structure) - Das differenzierte System von Positionen und
Rollen innerhalb einer Gruppe. Die Struktur der meisten Gruppen ist hierarchisch
: Die Stellungen innerhalb der Gruppe sind in bezug auf Status und Macht von
"hoch" bis "niedrig" angeordnet.
Gruppenziel (group goal) - Eine Zielsetzung, die von den meisten Mitgliedern
einer Gruppe akzeptiert wird.
Gültigkeit, diagnostische Valenz (validity) - Die Eigenschaft eines Ergebnisses,
auch das wiederzugeben, was man bei der Interpretation von ihm glaubt, daß es
dies wiedergibt. Statistisch meist als sog. Kriteriumsvalidität, d. h. als
Korrelation zwischen Testwert und Kriterium bestimmt.
Halo-Effekt , Ausstrahlungseffekt (halo effect) - Ausstrahlung eines
wahrgenommenen Merkmals eines Objektes (meist einer Person) auf
andere wahrgenommene Merkmale. Beispiel: Ein attraktive Person wird für übermäßig intelligent gehalten. Statistisch besteht der Halo-Effekt
in einer Korrelation zwischen Einzelmerkmalen, die höher ist als sie bei
objektiveren Beurteilungsverfahren sein würde.
Hawthorne-Effekt (Hawthorne-effect) - Unbeabsichtigter störender Effekt
in einem Experiment, der durch die Tatsache der Untersuchung selbst verursacht
wurde (Versuchsleitereffekt) ; benannt nach unerwarteten und unbeabsichtigten Verhaltensänderungen von untersuchten Vpn in Feldexperimenten der Forschergruppe
um. Elton Mayo in den Hawthorne-Werken (1927-1939).
Informale Organisation, informelle Organisation (informal organization) Die
Struktur zwischenmenschlicher Beziehungen innerhalb einer
Gruppe, die sich innerhalb jeder formalen Organisation entwickelt. Die informalen
Organisationsstrukturen schließen Cliquen und Freundschaftsgruppen ein. Die
Neigung zur Entwicklung solcher Strukturen entsteht besonders, wenn die formale
Organisation ineffizient erscheint, oder wenn es ihr nicht gelingt, wichtige
Bedürfnisse der Gruppenmitglieder zu befriedigen (siehe auch Formale
Organisation).
Inhaltsanalyse, Content-Analyse (content-analysis) - Eine Methode zur
systematischen und quantitativen Beschreibung des festen Gehalts einer
Kommunikation. Die Häufigkeit, mit der exakt definierte Elemente auftreten,
wird dabei statistisch berechnet und ausgewertet . Die Methode ist zur
Beschreibung von Kulturen angewandt worden, indem Bücher, Filme und andere
Kommunikationsformen innerhalb der Kulturen auf manifeste Inhalte untersucht
und verglichen wurden.
Initiating-Structure-Dimension der Führung (initiating structure leadership
dimension) - Neben Consideration eine der zwei Hauptdimensionen der Führung,
die sich auf die Aufgabenstrukturierung und Planungsinitiative bezieht und
damit der Zielorientierung (Lokomotion) entspricht.
Inkongruenter Einstellungswandel (incongruent attitude change) - Eine
Veränderung des Betrages (Stärke) einer bestehenden Einstellung in die zu ihrem
ursprünglichen Vorzeichen entgegengesetzte Richtung, z. B. ein Wechsel von
negativ zu positiv oder die Abnahme einer negativen Haltung. Gegensatz :
Kongruenter Einstellungswandel.
Interaktion (interaction) - Wechselwirkung
a) statistische Interaktion : Wechselwirkung zwischen zwei oder mehreren
Variablen (z.B. Wechselwirkung zwischen Alter und Geschlecht in einer
Varianzanalyse),
b) soziale Interaktion : Wechselwirkung zwischen zwei oder mehr Individuen ;
einseitig oder mehrseitig, verbal oder nicht-verbal usw. Die (soziale)
Interaktion wird von vielen Wissenschaftlern (z. B. von Th. Newcomb) als
Hauptgegenstand Sozialpsychologie angesehen.
Interaktions-Prozeß-Analyse (IPA) (interaction process analysis) - Ein von
Robert F. Bales entwickeltes Verfahren zur Beobachtung, Registrierung und
Analyse der sozialen Interaktion in Diskussionsgruppen: Der Beobachter ordnet
jede eben noch, registrierbare Einheit in eine von 12 formalen
Inhaltskategorien, wobei auch festgehalten wird, wer mit wem interagiert.
Diese Daten können anschließend zur Analyse der Rollenstruktur und zur Ermittlung
verschiedener Trends in der sozialen Interaktion ausgewertet werden.
Interkultureller Vergleich (cross-cultural coraparison) - wissenschaftlicher
Vergleich verschiedener Kulturen oder Subkulturen
Internalisierung (internalization) - Prozeß und Produkt der
Sozialisierung, in dem Einstellungen, Überzeugungen und Werte in Abwesenheit belohnender oder
strafender externer Kontrollen beibehalten werden.
Item (item) - Posten, Einzelaufgabe, - aussage oder -frage in einer Skala in
einem Test.
Itemanalyse (item analysis) - Eine Methode zur Entwicklung von Persönlichkeits-
und Einstellungsskalen oder Tests. Für jede einzelne Aufgabe oder Frage (Item) werden bestimmte
Maßzahlen errechnet, die das betreffende Item als geeignet oder ungeeignet
erscheinen lassen. Wichtigste Größe ist die
Korrelation zwischen Item-Meßwert und Gesamtmeßwert. Dieser Wert wird als
Trennschärfe bezeichnet. Items mit der höchsten Trennschärfe haben das höchste
Diskriminationsvermögen. Eine weitere wichtige Größe in der Itemanalyse ist
der Schwierigkeitsgrad.
Kategorie, Klasse (cntegory, class) - Anzahl von Personen mit gemeinsamen
Merkmalen, z. B. Brillenträger, Rothaarige usw.
Katharsis (catharsis) - In Bezug auf die Frustrations-Aggressions-Hypothese
meint man mit Katharsis eine hypothetisch angenommene Reduktion der Veranlassung
zur Aggression, nachdem irgendeine offene aggressive Verhaltensweise erfolgt
ist. Manchmal wird der Begriff auch in allgemeinerem Sinne für die Äußerung
einer Emotion verwendet.
Koeffizient der Reproduzierbarkeit (coefficient of reproductibility) - Eine
statistische Größe, die Guttman entwickelt hat. Sie gibt den Grad der
Genauigkeit an, in dem bei einer Reihe von Reaktionen auf Items die Reaktionen
auf einzelne Stellungsnahmen einer Umfrage vom Gesamtpunktwert aus reproduziert
werden können.
Kognitionen (cognitions) - Unterscheidbare Wissenselemente,
Interpretationen, Verständniselemente, Gedanken, die ein Individuum über sich
selbst und seine Umwelt besitzt.
Kognitive Dissonanz (cognitive dissonance) - E'in von L. Festinger
eingeführter Begriff zur Beschreibung des Spannungszustandes, der entsteht, wenn
eine Person zwei Kognitionen besitzt, die nicht konsistent sind.. Inkonsistenz
bezieht sich
nach der Dissonanztheorie auf Kognitionen, die widersprüchliche Verhaltensweisen implizieren. Beispiel : Jemand weiß, daß er raucht und weiß, daß
Rauchen zu Lungenkrebs führen kann.
Kognitive Einstellungskomponente (cognitive component of attitude) - Die Überzeugungen in bezug auf ein Objekt (Sache, Person, Gruppe, Wert o. ä. ), die in die Einstellungen des Individuums zu diesenm Objekt eingebettet sind. Besonders wichtig sind die evaluativen Überzeugungen.
Kognitive Konsistenz (cognitive consistency) - Annahme, daß die Kognitionen einer Person (Überzeugungen, Werte, Attitüden usw.) im allgemeinen logisch oder psychologisch konsistent miteinander sind. Ist dies nicht der Fall, empfindet die Person dies als unangenehm oder belastend. Diese Konsistenzannahme liegt vielen Modellen der Einstellungsstrukturen und -veränderungen zugrunde. (Kognitive Dissonanz) .
Kognitiver Prozeß (cognitive process) - Vorgang der Bildung von Begriffen,
Erklärungen und Verstehensweisen.
Kohäsion (cohesiveness) - Eigenschaft einer Gruppe, der Auflösung zu widerstehen oder die Gesamtanziehungskraft, die eine Gruppe auf ihre Mitglieder ausübt, oder nach R. French die Summe aller Kräfte, die ein Mitglied zum Verbleib in einer Gruppe veranlassen. Kohäsion kann demgemäß auf verschiedene Arten gemessen werden. Eine "einfache, naheliegende Möglichkeit besteht darin, jedes Gruppenmitglied auf einer Skala beurteilen zu lassen, wie gerne es in der Gruppe verbleiben möchte. Der Mittelwert dieser Gradzahlen ist dann ein i a für die Kohäsion. Die Kohäsionsfunktion wird neben der Lokomotionsfunktion als eine der zwei Hauptfunktionen im Führungsprozeß angesehen ( Consideration , Initiating-Structure, Lokomotion).
Kommunikation (com.mzunication) - Informationsaustausch, der von den beteiligten
Personen hauptsächlich durch den Gebrauch konventioneller Symbole ausgeführt
wird.
Kommunikationsnetz (communication net) - Die Gesamtheit der Kommunikationskanäle zwischen den Mitgliedern einer Gruppe. In einer freien "face to face" -Gruppe wird die Art des Netzes durch die Statushierarchie, die Natur der Gruppenaufgabe und durch andere Variablen bestimmt. In eingeschränkten Kommunikationsnetzen sind einige der Kanäle zwischen den Mitgliedern gesperrt.
Kongruenter Einstellungswandel (congruent attitude change) - Ein Wandel im Betrag einer bestehenden Einstellung in Richtung ihres ursprünglichen Vorzeichens, z.B. das Anwachsen einer negativen Haltung bei einer bestehenden negativen Einstellung oder das Anwachsen einer positiven Haltung bei einer bestehenden positiven Einstellung.
Konflikt (conflict) - Situation, in der jemand zu zwei oder mehreren
unvereinbaren Handlungen motiviert ist.
Konformität (conformity) - Ein allgemeiner Begriff für die Anlehnung an eine
Gruppennorm bezüglich Meinungen, Werten, Einstellungen oder Verhaltensweisen. Diese
Anlehnung kann eine Vielzahl zugrundeliegender psychologischer Prozesse
reflektieren. Der Konformitätsbegriff wird uneinheitlich gebraucht. Willis
und Hollander haben Bewegungs-Konformität (movement), d, h. Verhaltensänderung
in Richtung Gruppennorm und Übereinstimmungs-Konformität (congruence), d. h.
statische Übereinstimmung des Individuums mit der Gruppennorm unterschieden (Antikonformität).
Konnotative Bedeutung (connotative meaning) - Die Gefühle und Einstellungen, die
mit einem Begriff, Wert oder Symbol verbunden sind. Ein Verfahren zur Erfassung
konnotativer Bedeutungen ist das Semantische Differential.
Konsistenz eines Attitüdensystems (consistency of attitude System) - Die Tendenz
in jedem möglichen Einstellungssystem, daß sich die drei Komponenten - Denken,
Fühlen und Handeln - in Wertigkeit und Vielfältigkeit als kongruent erweisen.
Konsonanz eines Einstellungs-Clusters (consonance of attitude cluster) - Der
Grad der inneren Harmonie zwischen den einzelnen Einstellungen einer Einstellungs-Gruppierung (Cluster). Ein Einstellungs-Cluster ist in hohem Maße
konsonant, wenn die einzelnen Einstellungen eine hohe Kongruenz aufweisen, die
Konsonanz ist niedrig, wenn die Kongruenz niedrig ist.
Kontrollgruppe (control group) - Eine Anzahl von Versuchsobjekten, bei denen
alle Versuchsbedingungen denen der Experimentalgruppe entsprechen bis auf die
zur untersuchende(n) unabhängige(n) Variable(n), die nur in der Experimentalgruppe
wirksam werden soll(en).
Kultur (culture) - System von Überzeugungen, Werten, Symbolen und
Verhaltensweisen einer Gruppe, Gemeinschaft oder Gesellschaft, die als
verbindlich angesehen und tradiert werden
Kulturelle Normen (cultural norms) - Die Regeln oder Normen, die - angemessen
oder unangemessen - allgemeingültige Verhaltensweisen bestimmen. Eine Norm
bestimmt ebenso die Belohnung für angemessenes wie Bestrafung für unangemessenes
Verhalten. Normen schließen Folkways und Mores ein.
Kulturelle Prämissen (cultural premises) - Die stillschweigenden Übereinkünfte
der Mitglieder einer Gesellschaft über die Art der Personen, Ziele und
Ereignisse in ihrer Welt. Solche nicht verbalisierten Überzeugungen können
scheinbar zusammenhanglosen Handlungen der Mitglieder einer Gesellschaft
zugrunde liegen und sie bestimmen.
Kulturelle Überzeugungen (cultural beliefs) - Jede Erkenntnis - ob Ideen,
Wissen, Lehren, Aberglaube, Mythen und Legenden - die von den Mitgliedern einer
Gesellschaft oder von den typischen Vertretern der verschiedenen
Stellungen innerhalb der Gesellschaft geteilt wird.
Kulturelle Werte (cultural values) - Eine sehr wichtige Klasse von
Überzeugungen, die von allen Mitgliedern einer Gesellschaft oder von typischen
Inhabern der verschiedenen Positionen innerhalb der Gesellschaft in bezug auf
das, was wünschenswert ist - was sein sollte - und auf das, was nicht
wünschenswert ist, geteilt werden.
Leiter (head) - Das Mitglied einer Gruppe oder einer Organisation, dem offiziell
die Verantwortung für die Führung der Gruppe zugeschrieben ist. Der Einfluß des
Leiters kann dabei von den Mitgliedern akzeptiert oder abgelehnt werden.
Lokomotion (locomotion) - Ziel- oder Aufgabenorientierung einer Gruppe. Die
Lokomotionsfunktion wird neben der Kohäsionsfunktion (Kohäsion) als eine der
zwei Hauptfunktionen der Führung angesehen (Consideration, Initiating
Structure)
Marginalpersönlichkeit, randständige Person (marginal man) - Eine Person, die an
der Grenze zwischen zwei Gruppen steht und sich über seinen Status in beiden
richt im klaren ist (siehe auch Rolle, Rollenkonflikt, Bezugsgruppe)
Mitgliedschaftsgruppe (membership group) - Eine Gruppe, in der die
Gruppenmitglieder den anderen Gruppenmitgliedern von Angesicht zu Angesicht
gegenüberstehen.
Mores (mores) - Eine Klasse von Normen, die das richtige Verhalten in
Situationen von lebenswichtigem Interesse für die Mitglieder einer Gesellschaft
bestimmt. Die Verletzung der "mores" wird sehr hart bestraft, die
Bestrafung ist häufig gesetzmäßig geregelt (siehe Folkways)
Negativer Einstellungswandel (negative attitude change) - Ein
Einstellungswandel in die entgegengesetzte Richtung als sie von einer
überredenden Kommunikation angestrebt wird. Dieser negative Wechsel wird oft als
"Bumerang-Effekt" dargestellt. Beispiel: Stärkere Befürwortung des
Vietnam-Krieges nach Anti-Vietnam-Kriegs-Demonstrationen.
Netto- Einstellungswandel (net-attitude change) - Der Mittelwert der
positiven, durch überredende Kommunikation hervorgerufenen Veränderungen
vermindert um den Wert der hervorgerufenen negativen Veränderungen. Netto-Einstellungswandel läßt sich ebenfalls durch Subtraktion des Prozentsatzes der Personen, die
negative Wechsel zeigen, von dem Prozentsatz derer mit positiven Wechseln
errechnen.
Normative Funktion (normative function) - Eine Funktion der Bezugsgruppe. Das Individuum wird durch die Gruppe bewertet und je nach
konformem Verhalten belohnt oder bestraft. Es wird unterstellt, daß die
Person die Gruppe schätzt, Mitgliedschaft erstrebt oder sogar besitzt
(Mitgliedschaftsgruppe . (Siehe auch Vergleichsfunktion).
Nullsummenspiel (zero-sum-game) - Reines Wettstreitspiel, bei dem der Gewinn
des einen Verlust für den anderen bedeutet.
Offene Frage (open-end question) - Eine Umfrageform die dem Befragten gestattet,
frei in seinen eigenen Worten zu antworten. Gegensatz Geschlossene Frage.
Orientierungsreflexe (orienting responses) - Eine Reihe von Reaktionen, die den
Organismus in den Bereitschaftszustand zur Informationsaufnahme und
-verarbeitung versetzen. Hierzu gehören Veränderungen der Körperhaltung,
Pupillenweitung, Weitung der Nasenflügel usw.
Paradigma (paradigm) - Allgemeines Modell oder Schema zur Klassifizierung,
Analyse und Interpretation von Variablen. Beispiel ; Das Reiz-Reaktions- oder
S-R-Schema.
Partizipatorische Führung (participatory leadership) - Ein Führungsstil, in dem
der Führer zwar aktiv eine beratende und bestimmende Rolle spielt, bei dem er
aber seinen Untergebenen ein beträchtliches Maß an Unabhängigkeit einräumt, zu
entgültigen Entscheidungen zu kommen.
Peer-Gruppe (peer group) - Gruppe von gleichartigen Personen (z.B. Alter,
Geschlecht, sozio-ökonomischer Status). Begriff wird besonders für Gruppen
gleichaltriger Jugendlicher verwendet.
Placebo (placebo) - Kontrollbehandlung, insbesondere bei der Erforschung von
Pharmakawirkungen, mit Mitteln ohne Wirkung , das unter gleichen Bedingungen wie
das Experimentalpräparat verabreicht wird. Placebo (lat.) : "Ich werde
gefallen."
Polaritätsprofil ( - Eine von P. R. Hofstätter eingeführte Bezeichnung für das Semantische Differential
Position, Status (position, status) - Eine Kategorie oder eine Stellung. in einem System sozialer Klassifikationen, z. B. im Alter-Geschlecht-System, dass in einer Gemeinschaft anerkannt wird. Z. B. ist "männlich-erwachsen" ein Status im Alter-Geschlecht -System. Jedes Individuum nimmt eine Vielzahl solcher Positionen und damit unmittelbar zusammenhängende Rollen ein.
Sanktionen sind Maßnahmen zur Erhaltung von Erwartungen. Es gibt positive und negative Sanktionen. Je nach Ausdrücklichkeit der Erwartung(en) variieren die Sanktionen in ihrer Strenge nach Kann-, Soll- und Mußerwartung(en).
Soziale Rolle ist die Summe aller Erwartungen, die an eine Position dadurch auch an den jeweiligen Positionsträger gestellt wird.
Status ist die Bewertung einer Position im Verhältnis zu anderen Positionen. Es ist eine relative Größe. Der Gesamtstatus einer Position besteht einem Bündel von bewerteten Kriterien, z.B. Einkommen, Beruf, Bildung, Herkunft.