Soziologie

>Hier< zur Definition der Psychologie

 



Die Soziologie beschäftigt sind mit dem Mitmenschen im Gegensatz zur Psychologie, die sich mehr und in erster Linie um den Einzelmenschen kümmert. Das sagt schon die Wortzusammensetzung: Der Begriff Soziologie kommt aus lateinisch "socius" (Gefährte, Mitmensch im weiteren Sinne) und griechisch "logos" (Wort, Wahrheit, Wissenschaft im weiteren Sinne).

 

In der Soziologie (Gesellschaftswissenschaft) werden verschiedene Formen der Gesellschaften/Gruppen (>hier<) untersucht: einmal das engere Umfeld,  z.B. Familie ,Verwandtschaft, Sippe, Nachbarschaft, Interessengemeinschaft (Vergemeinschaftung genannt) und das weitere Umfeld,  wie Organisationsablauf bis hin zum Staat (Vergesellschaftung). Die Soziologie beschäftigt sicht mit dem Aufbau des Handelns in der Gesellschaft, den Auswirkungen dieses Handeln und ob bzw. welch ein sozialer Wandel stattfindet. Sie ist strikt "eine an der Erfahrung ausgerichtete Einzelwissenschaft.

Bereits findet man bei Platon (427-347 vor der Zeitrechnung) und Aristoteles (384-322 vor der Zeitrechnung) als wissenschaftlich zu bezeichnende Erkenntnisse über das gesellschaftliche Leben, insbesondere über die Lebensweise in der Stadt (griechisch: Polis).


Die Überlegungen von deutschen Philosophen, insbesondere aus der Zeit des Idealismus ("rein geistiges und allein wirkliches Sein") waren wichtige Wegbereiter für die Entstehung der Soziologie. Es müssen vor allem die Philosophen genannt werden:

        - Immanuel Kant (1724 bis1804) in Königsberg,

        - Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 bis 1831),

- der atheistische Johann Gottlieb Fichte (1762 bis 1814), bekannt durch seinen "Dreischritt", These - Antithese - Synthese (dessen Sohn Immanuel Hermann wieder zu Gott "fand" (wenn auch als "spekulativen Theismus"),

- Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, der als "philosophischer Anthropologe" bezeichnet wird (Wissenschafter zur "Lehre von den Eigenschaften und Verhaltensweisen des Menschen") (1775 bis 1803),

        - viele andere.



Die folgenden Darstellungen sind dem Nachschlagewerk "Grundbegriffe der Soziologie", herausgegeben von Bernhard Schäfer (>hier<): Die Soziologie hat die Aufgabe, das Soziale als eigene Realität herauszuarbeiten und in seinen Strukturen zu verdeutlichen. Die Strukturen des Sozialen reichen von den täglichen Umgangsformen, wie den Sitten und Bräuchen, bis zu komplexen sozialen Tatsachen, wie dem Recht oder bestimmten Institutionen und Organisationen. In der Gegenwart wird immer deutlicher, daß die Ausdifferenzierung des Sozialen zu Strukturen und Strukturzusammenhängen (sozialen Systemen), die über den Erfahrungs- und Erlebnisbereich des einzelnen Individuums hinausgehen (ihn aber gleichwohl betreffen), an Bedeutung gewinnt (Weltgesellschaft).


... Die Soziologie rechnet sich zu den empirischen Sozialwissenschaften; sie untersucht die Strukturen des Zusammenlebens sowohl aus der Perspektive des einzelnen Handelnden, seiner Motivation, seiner sozialen Position (z.B. als Lehrer im Schulsystem) wie aus der Perspektive der Makro-Strukturen, der bereits genannten sozialen Gebilde und der allgemeinen gesellschaftlichen Grundtatbestände (z.B. Formen der Arbeitsteilung und des Tausches, der sozialen Differenzierung und Schichtung).


Entsprechend werden ein mikro- und ein makro-soziologischer Ansatz unterschieden. Das Ideal der sozialen Analyse besteht darin, beide Ansätze in allen Untersuchungsfragen zu verbinden. Nur so ist es möglich, das Soziale und gesellschaftlich Bedingte im einzelnen Handeln aufzuzeigen und an den sozialen Gebilden und Prozessen nachzuweisen, wie diese ihrerseits durch die besondere Form individuellen Handelns mitbestimmt sind.


... Immer wieder auftauchende Grundfragen sind:

 

- Was ermöglicht die wechselseitige Orientierung des sozialen Handelns verschiedener Individuen; welche soziale Differenzierung zeigen einzelne soziale Gruppen, Institutionen und Organisationen bzw. jnm    

- wie wird diese soziale Differenzierung bewertet und wie entstehen daraus die unterschiedlichen Formen sozialer Ungleichheit (der Stände und Klassen, der Kasten und Schichten);

- welche Macht- und Autoritätsgefälle gibt es in den sozialen Gebilden, welche Formen der Herrschaftsausübung und ihrer Legitimation;

- welche sozialen Milieus und Lebensstile haben sich bei welchen sozialen Gruppen und Schichten herausgebildet;

- wie wird ein bestimmtes kulturelles Erbe an die nächste Generation weitergegeben (tradiert);

- wie wird in komplexen Gesellschaften der Gegenwart die soziale Integration gewährleistet;

- wie entstehen soziale Konflikte und wie werden sie gelöst;

- welchen Einfluß haben die jeweiligen Produktions- und Eigentumsstrukturen auf die Formen des menschlichen Zusammenlebens;

- welche Bedeutung haben Symbole und Kommunikationssysteme für die Handlungsorientierung der Menschen?


Setzt man diese Fragen sehr breit und sehr differenziert fort, so würde dies zu einer Typologie der wichtigsten soziologischen Grundbegriffe führen:

- soziales Handeln,

- soziale Differenzierung,

- Macht und Herrschaft,

- soziale Integration,

- sozialer Konflikt

- usw.

 

 Und fragt man schließlich, wie wissenschaftlich begründete Aussagen auf diese Fragen möglich sind, so erhält man eine Aufzählung der wichtigsten soziologischen bzw. sozialwissenschaftlichen Methoden und der grundlegenden theoretischen Ansätze (Paradigmen) der Soziologie.


Damit ist folgende Systematik der Soziologie angedeutet:

1. Allgemeine Soziologie: diese klärt und entwickelt die wichtigsten Grundbegriffe (z.B. soziales Handeln, Gruppe, soziale Rolle); darüber hinaus versucht sie, zu begründeten Aussagezusammenhängen über einzelne Objektbereiche des Sozialen zu gelangen (diese Aussagezusammenhänge nennen wir Theorien); auch die Geschichte des Faches als Gegenstand der Wissenschafts- und Gesellschaftsgeschichte ist Gegenstand der allgemeinen Soziologie

2. Spezielle Soziologien, auch materielle oder Bindestrich-Soziologien genannt: diese werden nach dem jeweiligen Untersuchungsgegenstand benannt, z.B. Familien-Soziologie, Literatur-Soziologie, Stadt-Soziologie, Rechts-Soziologie.

3. Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden, die es erlauben, kontrolliert und überprüfbar die für den Untersuchungsbereich wichtigsten Daten zu erheben, sozialstatistisch aufzubereiten und zu interpretieren; die bekanntesten Methoden sind: Interview, teilnehmende Beobachtung, Inhaltsanalyse, Experiment."

 

Mehr bietet das Buch, aus dem gerade zitiert wurde.
 


 

Es gibt - wie immer - inzwischen Spezialisierungen, wie:

empirische Sozialforschung

Gruppensoziologie*

pädagogische Sozialforschung

politische Sozialforschung

verstehende Sozialforschung

usw.

 

*Zu empfehlen: Einführung in die Gruppensoziologie.: Geschichte, Theorien, Analysen, herausgegeben von B.Schäfers. Heidelberg u.a. 1994