
beschäftigt sich (nach
"Lexikon der Psychologie, herausgegeben von den Professoren Wilhelm Arnold,
Hans-Jürgen Eysenck und Richard Meili) mit der persönlichen Bedeutung von
politischen Prozessen für das Individuum. Politisch-psychologische Forschungen
basieren auf „Kultur und Persönlichkeitsforschung".
>Hier<
Ein Überblick über eine Vielzahl von Leuten, die sich mit der "politischen
Psychologie" auseinandergesetzt haben.
>Hier< auf einer separaten
Webseite über die "Politische Religion".
Zu erwähnen sei auch die
politische Soziologie, die sich speziell mit den "wechselseitigen
Einflüssen und Abhängigkeiten von Politik und Gesellschaft, von politischen und
gesellschaftlichen Erscheinungen und Zusammenhängen beschäftigt.
Bei der politischen Psychologie handelt es sich:
1. Um Erforschung
von emotionalen Beeinflussungswegen zu einer politischen oder weltanschaulichen
Doktrin (Glaubenssatz mit verhärteter Meinung),
aber ebenso auf die Regeln für staatsbürgerliche kognitive (>hier<) Lernprozesse und
Sozialisierungsmethoden sowie auf die politischen Entscheidungsprozesse
beziehen.
2. Um das Erfassen von gegebenen
Gleichförmigkeiten des politischen Verhaltens (z.B.
Untersuchungen über Wahl- und Wählerverhalten).
3. Um Deutungen
von Verhaltensweisen bei den Teilnehmern an politischen Prozessen, d.h.
Verhaltensweisen von politischen Eliten, hochrangigen Vertreter politischer
Kulturen oder Persönlichkeiten an der Basis, beispielsweise aus ihrer Herkunft
(dem Lebenslauf) und aus Schlußfolgerungen ihrer Charaktereigenschaften.
Bei ersten Untersuchungsansätzen kam es zu überwiegenden Deutungen der
Einfrierung der Kultur für "ewig und alle Zeiten", stabilisierenden Aspekte einer
Kultur. Es wurde (in der "Neo-Psychoanalyse") herausgefunden:
Die Wirkung der "Primärinstitutionen", gemeint ist die Kindererziehung, muß geradezu als irreversibles Prägungsgeschehen
gesehen werden.
Der
entsprechende Gesellschaftsaufbau befriedigt dann die in der Erziehung
angelegten sozialen Erwartungen und Befürchtungen (Sozialisierung, siehe
>hier< Anpassung). Er
entspricht letztendlich den sozio-kulturellen Bedürfnissen und sozialen Perspektiven der
Persönlichkeit (in ihrer Art und Weise zu leben), die zu diesen Institutionen gehört.
Der Mensch in dieser Situation fühlt sich in einer stabilen Harmonie. (Diese
Stabilisierungshypothese wird jedoch keineswegs von aller Autoren der Kultur- und
Persönlichkeitsforschung geteilt.)
"Gefragt wurde nach dem Persönlichkeitstypus, der faschistische Systeme trägt
oder sogar hervorbringt (Autoritäre Persönlichkeit,
>hier< etwas weiter unten). Damit ist ein Ansatzpunkt
für die Terrorforschung gegeben, die aber erst durch Ausweitung auf
gruppendynamische Aspekte, vor allem nach Übernahme des sogenannten massenpsychologischen
Beobachtungsmaterials und der Kenntnis spezieller terroristischer Sprach- und
Kommunikationsformen, zu den notwendigen Voraussetzungen für eine breitere
Ausarbeitung fortschreiten kann" (Baeyer-Katte, 1971).
Am Anfang der politischen Persönlichkeitsforschung steht die Frage nach dem
Machtmenschen als einem im Sinne von Alfred Adler "triebdynamisch extremisierten
Typus".
Nach dem Lexikon der Psychologie, herausgegeben von den Professoren Wilhelm
Arnold, Hans-Jürgen Eysenck und Richard Meili erweckte "die Selbstdeutung totalitärer Systeme, wonach ein einheitlicher politischer
Wille und eine übereinstimmende Meinungsbildung das Verhalten der
Gesamtbevölkerung »ausrichten«, zunächst und von außen gesehen den
Eindruck freiwilliger Eingliederung. Weniger die jeweilige - wissenschaftlich
verbrämte oder emotional appellierende - Ideologie als vielmehr ein Bedürfnis
nach Gehorsam und Konformismus (>hier<) schienen als Motive in Frage zu kommen. Die
Vermutung, daß das familiäre System (Horkheimer, 1936) hier die
kulturspezifischen Bedingungen setzte, wurde in den Autoritarismus-,
Rigiditäts- und Faschismusuntersuchungen der Kalifornischen Schule und der politischen Psychologie
von Eysenck (1954) einer empirischen Prüfung unterzogen..."
Die politische Psychologie (lieferte
als ein Beispiel unter anderen natürlich), daß
Systemkonformer Wandel - innere Reformierbarkeit und geschichtliche
Weiterentwicklung - zum Funktionieren komplizierter gesellschaftlicher
Systeme hinzugehört. Der US-amerikanischer Soziologe Talcott Parsons (1979 im
Alter von 77 Jahren in München gestorben) und seine Mitarbeiter entwickelten in den
sechziger Jahren diejenigen Begriffe, die es der politischen Psychologie ermöglichen, ihre
Teilbefunde zu einem Forschungskonzept über politisches Verhalten
zusammenzufassen. Parsons Schlüsselbegriff in dieser Hinsicht ist die Definition
der "evolutionären Universalien in einer Gesellschaft". Er besagt, daß die
gesellschaftlichen Systeme wie lebende Systeme anzusehen sind:
Sie entwickeln
immer neue Strukturen und Strukturkomplexe, durch die sie sich den
Herausforderungen ihrer politischen Umwelt besser „anpassen", d. h. besser aktiv
auf sie eingehen und sich durch entsprechende Systemprozesse behaupten können.
Eine solche „Erfindung" der politischen Kultur ist die Demokratie (>hier<).
Die politische Psychologie erforscht
ferner aktuelle Fragestellungen der Konfliktforschung und
der Friedensforschung. "Die Auswirkung von systemkonform oder systemgegnerisch
ausgebildeten Verhaltensweisen vom Typus der Drohsysteme (Boulding 1967) oder
des Systemvertrauens (Luhmann, 1968) und die Auswirkung von systemfremden
politischen Rolleninnovationen geben hier weiterführende Gesichtspunkte."
Im Folgenden ein Überblick über Leute, die sich mit der "politischen
Psychologie" auseinandergesetzt haben (und mindestens eine Veröffentlichung
gemacht haben):
Adelson, J. & R. O'Neil: The growth of political ideas in
adolescence: The sense of community. J. of Pers. and Soc. Psychol., 1966, 4,
295-306;
Adorno, Theodor, (früher) Wiesengrund Adorno (Philosoph,
Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist, 1903 geboren, 1969 im schweizerischen
Kanton Wallis gestorben; 1934-49 in der Emigration) hier relant: et al.: The
authoritarian personality. New York, 1950;
Allardt, E. & S. Rokkan: Mass politics. Studies in political sociology.
New York, 1970;
Allport, G. W.: The psychology of participation. Psychol. Rev., 1945, 53,
117-132;
Almond, G. A.: Comparative political systems. J. of Politics, 1956, 18,
391-409;
Ahnond, G. A. & S. Verba: The civic culture. Political attitudes
and democracy in live nations. Princeton, 1963;
Auwin, K., Baeyer-Katte, W. v., Jacobsen, W., Jaide, W. & H. Wiesbrock
(Hrsg.): Politische Psychol. Eine Schriftenreihe, Bd. 1-8. Frankfurt, 1963-69;
Baeyer-Katte, W. v.: Terror. In: Sowjetsystem und Demokratische
Gesellschaft. Freiburg i. Br., 1971;
Berelson, B.R., Lazarsfeld, P.F. & W.N. McPhee: Voting. Chicago,
1954;
Boulding,K.: Die Parameter der Politik. Atomzeitalter, 1967, 7/8,
362-374;
Braun, K: H.: Einführung in die Politische Psychol. Köln, 1978;
Chapmen, L. J. & D. T. Campbell: Response set in the F-scale. J.
abn. soc. Psychol., 1957, 55;
Christie,R. & M.Jahoda (Eds.): Studies in the scope and method of
„the authoritarian personality". Glencoe (111.), 1954;
Coleman, J. S. (Ed.): Education and political development. Princeton,
1965;
Converse, E.T.: The nature of belief systems in mass publics. In: D.
Apter (Ed.): Ideology and discontent. New York. 1964;
Dennis,J.: Major problems ofpolitical Socialisation. MidwestJ. of
Political Science 1968, 12, 85-114;
Deutsch, K. W.: Politische Kybernetik. Modelle und Perspektiven. Freiburg
i. Br., 1969;
Easton, D.: A systems analysis of political life. New York, 1965;
Ebert,T.: Gewaltfreier Aufstand - Alternative zum Bürgerkrieg. Frankfurt,
1970;
Eyferth, K.: Typologische Aspekte des Problems der autoritären
Persönlichkeit. In: Autoritarismus-Nationalismus -ein deutsches Problem? Pol.
Psychol. Frankfurt, 1963, 67-74;
Eysenck, Hans Jürgen, britischer Psychologe deutscher Herkunft: The
psychology of politics. London, 1954, 1968;
Fromm,Erich: Escape from freedom. New York, 1941;
Habermas,Jürgen, et al.: Student und Politik. Eine soziologische
Untersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten. Neuwied, r1967;
Homans,G.: The human group. New York, 1950;
Horkheimer, Max, Initiator der Frankfurter Schule, hier:(Hrsg.): Studien
über Autorität und Familie. Paris, 1936;
Hyman,H.H.: Political socialization. A study in the psychol. of political
behavior. New York, 1969;
Jaide, W.: Jugend und Demokratie. Politische Einstellung der
westdeutschen Jugend. München, 1970;
Kaase, M.: Demokratische Einstellung in der BRD. Sozialwiss. Jahrbuch für
Politik, 1971, II, 119-316;
Kirscht, J. P. & R. C. Ditlehay: Dimensions of authoritarianism. A
view of research and theory. Lexington, 1967;
Langton, K. P. & M.K.Jennings: Formal environment: The school. In:
K. P. Langton (Ed.): Political socialization. New York, 1969;
Lasswell, H. D. & A. Kaplan: Power and society. A
frameworkofpolitical inquiry. New Haven, 1950;
Lasswell, H. D.: Power and personality, New York, 1976; den.:
Psychopathology and politics, Chicago, 1977;
Lazarsfeld, P. F., Berelson, B. R. & H. Gandet: The people's
choice. New York, 1948;
Lewin,K. & R.Lippitt: An experimental approach to the study of
democracy and aristocracy: A preliminary note. Sociometrie, 1938, 1, 292-300;
Lipset,S.M.: Political men. New York, 1960;
Luhmann, N.: Vertrauen: ein Mechanismus der Reduktion sozialer
Komplexität. Stuttgart, 1968;
Milbrath,L.W.: Political participation. Chicago, 1965;
Murphy,G. & R.Likert: Public opinions and the individual. New
York, 1938;
Parsons,T.: Evolutionary universals in society. American sociological
Rev., 1964, 29, 339-357; dem.: The political aspect of social structure and
process. In: D. Easton (Ed.): Varieties of political Iheory. Englewood Cliffs,
1966;
Pye,L.W. (Ed.): Communications and political development. Princeton,
1963;
Roghmann, K.: Dogmatismus und Autoritarismus. Kritik der theoretischen
Ansätze und Ergebnisse dreier westdeutscher Untersuchungen. Kölner Beiträge, Bd.
1, 1966;
Rokeach,M.: Generalized mental rigidity as a factor in ethnocentrism. J.
of Abn. and Soc. Psychol., 1948, 43, 299-278; den.: The open and closed mied.
New York, 1960;
Roloff, E: A.: Psychologie der Politik. 1976;
Scheuch, Erwin Kurt, (Soziologe und Volkswirtschaftler, 1928 in Köln
geboren, bekannt durch Publikationen zum Thema: Bürokratie und
Politikverdrossenheit) hier: & R. Wildenmann: Zur Soziologie der Wahl.
Köln - Opladen, 1963;
Streiffeler,F.: Politische Psychol. Hamburg, 1975;
Verba,S.: Small groups and political behavior: A study of leadership.
Princeton, 1961.
Ritter Walter von Baeyer-Katte hat obige Auflistung zusammengestellt. (Er war
u.a. Professor und Direktor der Psychiatrisch-Neurologischen Klinik Heidelberg,
von 1966 bis 1971 Vizepräsident des Weltverbands für Psychiatrie. Folgende
seiner Publikationen seien besonders erwähnt:
- Psychiatrie der Verfolgten. Psychopathologische
und gutachtliche Erfahrungen an Opfern der
nationalsozialistischen Verfolgung und vergleichbarer
Extrembelastungen. Berlin 1964, zusammen mit Häfner, Heinz,
Kisker u.a.
- Angst. Frankfurt/M. 1971. 2. Aufl. 1973,
zusammen mit Wanda Baeyer-Katte (Dr. phil., Ehefrau von
Walter)
- Endomorphe Psychosen bei Verfolgten.
Statistisch-klinische Studien an Entschädigungsgutachten ...
, Berlin 1982, zusammen mit Binder, Werner
et al.