
Auf dieser Webseite:
>Hier<
zur Bankenkrise: Untersuchungsausschuss benennt die Schuldigen in Regierung und
Geldhäusern.
>Hier< bei Betrugsermittlung und Verdienst von 3,7
Milliarden US-$, genügt 500 Millionen
Einmalzahlung
ans Gericht zur Verfahrenseinstellung, um dann das 10-fache abzuzocken.
>Hier< zu den Finanzmärkten.
und auf einer getrennten Seite:
>Hier< zu
"Neue Religion: Die Wirtschaft";
>hier< Zahlung von Boni geht weiter.
Der 1865 ermordete
USA-Präsident Abraham Lincoln soll gesagt haben: Ich habe 2 große Feinde, die
Süd-Armee (im Sezessionskrieg) vor mir und die Bankiers hinter mir. Von diesen
beiden ist derjenige (Feind) hinter mir der größere Feind. (I
have two great enemies, the Southern Army in front of me and the Bankers in the
rear. Of the two, the one at my rear is my greatest foe.)
Der US-amerikanische Ökonom Edmund Phelps (1933 geboren) wurde 2006 mit
dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet für seine Forschungen zum Zusammenhang
zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation. Er lehrt seit 1971 an der New Yorker
Columbia-Universität und leitet das im Jahr 2001 gegründete „Center on
Capitalism and Society".
Zu der von Banken ausgelösten Krise sagte er im September 2001: "Wir brauchen
Bestimmungen, die Banken daran hindern," (nach wie vor, hätte hier
stehen müssen! W.R.) "vollkommen bizarre Wetten auf Schuldenbasis zu machen, um damit
irreale Renditeziele zu erreichen. Zudem müssten die Vorschriften für das
Eigenkapital der Banken verschärft werden. Bonussysteme, die das kurzfristige
Denken fördern und damit falsche Anreize gesetzt haben, sollten auf eine
langfristige Entwicklung ausgerichtet werden. Eine Deckelung der Boni-Höhe ist
dabei aber nicht nötig. Alle Akteure des Finanzsystems sollten darüber hinaus
einer gemeinsamen Kontrollinstanz unterstehen, die nicht bei der Notenbank
angesiedelt ist, denn die soll sich ausschließlich um die Geldpolitik kümmern."
Der britische Finanzminister Alistair Darling (Politiker der Labour
Party, von 2007 bis 2010 Schatzkanzler) wies Vorschläge
Frankreichs zurück, weltweit per Gesetz eine Obergrenze für
Boni-Sonderausschüttungen festzulegen und meinte: „Ich denke, das würde nicht
funktionieren - denn wenn man den Leuten den Bonus begrenzt, dann werden sie
sich höhere Gehälter auszahlen".
Kommentar: Sind die
Manager denn Eigentümer der Banken, so dass sie ihre Arbeitsverträge und damit
die eigenen Gehälter nach Belieben festsetzen können? Haben Politiker wie Alastair Darling (Darling =
Liebling [der Banken?]) Angst, dass ihnen Zuwendungen dieser Manager
vorenthalten werden könnten? Eine Aussage des britischen Finanzminister zeugt
von völliger Unfähigkeit oder völliger Abhängigkeit. Wo bleibt der Begriff einer
Haftung, d.h. Schadensersatz bei nachweislicher Misswirtschaft, z.B. "bei
vollkommen bizarren Wetten". Banken sind doch keine Wettbüros; denn
In
Deutschland werden die Aktivitäten von Banken (= Kreditinstitute) u.a. durch das
Kreditwesengesetzes (KWG) geregelt. Der §32
definiert die Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften.
Bankgeschäfte sind wie folgt definiert:
Arten:
1. Nach ihrer Bilanzwirksamkeit:
- Aktivgeschäfte,
- Passivgeschäfte und Dienstleistungsgeschäfte (Zahlungs-, Effektengeschäfte und
sonstige).
Generell ist festzustellen, dass der Anteil bilanzwirksamer Geschäfte durch
Derivate und Verbriefungen zunehmen.
|
Finanzierungsleistungen
Geldleihgeschäfte
Kontokorrentkredite
Konsumentenkredite
Realkredite
Diskontkredite
Lombardkredite
Kommunalkredite
Schuldscheindarlehen
Außenhandelskredite
Konsortialkredite
Kreditsubstitute
Leasing
Factoring
Kapitalbeteiligungen
Verbriefte Kreditfazilitäten
Commercial Papers
Medium Term Notes
Euronote-Fazilitäten
Asset Backed Securities
Kreditleihgeschäfte
Akzeptkredite
Avalkredite
Geld- und Kapitalanlageleistungen
Einlagengeschäfte
Sichteinlagen
Termineinlagen
Spareinlagen
|
Wertpapiergeschäfte
Emissionsgeschäft
Handelsgeschäft
Anlageberatung und Asset-Management
Research-Leistungen
Vermögensverwaltung
Depotgeschäft
Zahlungsverkehrsleistungen
Barzahlungsverkehr
Scheckverkehr
Überweisungsverkehr
Dauerauftrags- und Lastschriftverkehr
Cash Management
Kreditkarten
Inkassoverkehr
Sortenverkehr
Sonstige Leistungen
Devisen- und
Edelmetallhandel
Derivative Finanzprodukte
Vermittlungsgeschäfte
Immobilien
Bausparen
Versicherungen
Beteiligungen
Unternehmungsberatung
Electronic Banking
|
2. Nach Art der Geschäftspartner: Kundengeschäfte und Eigengeschäfte.
3. Nach §1 KWG (Kreditwesengesetz):
a)
Einlagengeschäft:
Annahme fremder Gelder als Einlagen, ohne Rücksicht darauf, ob Zinsen vergütet
werden.
b)
Kreditgeschäft:
Gewährung von Gelddarlehen und Akzeptkrediten.
c)
Diskontgeschäft:
Ankauf von Wechseln und Schecks.
d)
Finanzkommissionsgeschäft:
Anschaffung und Veräußerung von Finanzinstrumenten im eigenen Namen für fremde
Rechnung.
e)
Depotgeschäft:
Verwahrung und Verwaltung von Wertpapieren für andere.
f)
Investmentgeschäft:
Geschäfte der Kapitalanlagegesellschaften.
g)
Revolvinggeschäft:
Eingebung der Verpflichtung, Darlehensforderungen vor Fälligkeit zu erwerben.
h)
Garantiegeschäft:
Übernahme von Bürgschaften, Garantien und sonstigen Gewährleistungen für andere.
i)
Girogeschäft:
Durchführung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und des Abrechnungsverkehrs.
j)
Emissionsgeschäft:
Übernahme von Finanzinstrumenten für eigenes Risiko zur Platzierung oder die
Übernahme gleichwertiger Garantien.
k)
Geldkartengeschäft:
Ausgabe vorausbezahlter Karten zu Zahlungszwecken, es sei denn, der
Kartenemittent ist auch der Leistungserbringer, der die Zahlung aus der Karte
erteilt.
1)
Netzgeldgeschäft:
Schaffung und Verwaltung von Zahlungseinheiten in Rechnernetzen.
Weitere Informationen unter www.bafin.de
.
Walter Rath
Finanzmarkt
ist (nach Wikipedia) ein Oberbegriff für alle Märkte, auf denen ein
Handel mit Kapital stattfindet. Der Unterschied zum Gütermarkt liegt vor
allem in der Zukunftsbezogenheit der erworbenen Rechtsansprüche und
darin, dass ausschließlich Geldzahlungen – allenfalls ergänzt durch
weitere Rechtsansprüche – getauscht werden.
Nach © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG entstehen
über die Finanzmärkte Kreditbeziehungen zwischen Anbietern von
Finanzierungsmitteln (Gläubigern) und Nachfragern nach
Finanzierungsmitteln (Schuldnern)
Nach Wikipedia gliedert sich der Finanzmarkt einerseits in
nationale und internationale Finanzmärkte und andererseits, abhängig vom
Gegenstand der gehandelten Finanzmittel, in
- Geldmarkt,
- Kredit- und Kapitalmärkte und den
- Devisenmarkt.
Diese Aufgliederung wird vorgenommen, da auf den verschiedenen
Teilmärkten diverse Teilnehmer sowie Marktgegebenheiten vorhanden sind.
Finanzmärkte sind somit Märkte, auf denen Kapital in Form von
Wertpapieren, unverbrieften Rechten, Zentralbankgeld sowie Darlehens-
und Kreditverträgen gehandelt wird. Ein Anbieter hat auf dem Finanzmarkt
die Möglichkeit, sein Geld bzw. Vermögen gewinnbringend anzulegen. Der
Nachfrager ermöglicht sich durch den Handel am Finanzmarkt die
Finanzierung von Investitionen. Finanzmärkte bringen Kapitalanleger und
Kapitalgeber direkt oder aber indirekt über Finanzintermediäre zusammen.
In Gabler's Wirtschaftslexikon,
>hier< suchen, ist vieles mehr zu finden (aber nicht mehr als in den
Hadithen oder der Sunna[h] über religiöse Rechtsvorschriften für die
Moslems
>hier<).
Auch zu der Finanzmärkte gibt es viele Stichworte - damit
auch dort der Schein einer Wissenschaft strahlen kann:
Finanzmärkte aktuell,
Funktion,
Regulierung, was folgt auf BASEL III (mal selber schauen unter diesem
Stichwort-Ensemble. Es gibt natürlich eine Regulierungsbehörde)?
Europa,
Global,
Förderungsgesetz...
Wirtschaftswissenschaftler werden vieles mehr auswendig lernen müssen,
nicht zu vergessen:
finanzwirtschaftliche Bewegungsbilanz, Ordnungsfunktion,
natürlich haben wir auch die Finanzpsychologie und eine
Finanzverfassung,
Alles
Begriffe für Abzocker, Nichtstuer und Drohnen, aber "Money-Maker".
Ende Januar 2011:
Zur Bankenkrise: Ein 2009
eingesetzter Untersuchungsausschuss benennt die Schuldigen in Regierung und
Geldhäusern
Nach dem bekannten Kommentaristen THORSTEN SCHRÖDER
New York - »Die Finanzkrise ist das Ergebnis menschlichen Handelns, sie ist weder
naturgegeben noch auf fehlerhafte Computerprogramme zurückzuführen. Verursacht
wurde sie durch schwerwiegende Fehler bei der Regulierung der Märkte,
Missmanagement und rücksichtsloses Gewinnstreben an der Börse«. Das ist die
Quintessenz des Berichtes, den die Untersuchungskommission der US-Regierung
gestern vorgelegt hat.Der 576 Seiten starke Befund war mit Spannung erwartet worden. Denn die
zehnköpfige Regierungsgruppe, die Ursachen und Folgen der Finanzkrise untersucht
hat, benennt konkrete Personen und Institutionen, die in ihren Augen wesentlich
für das Ausmaß der Krise verantwortlich sind. So hätten etwa die US-Notenbank
und weitere Regulierungsbehörden die Entwicklung eines „katastrophalen
Finanzcocktails" zugelassen, der mit wackeligen Hypotheken, faulen Krediten und
riskanten Finanzpaketen zum Zusammenbruch des Systems geführt habe. „Wir haben
geerntet, was wir gesät haben", heißt es in dem Bericht.
»Der größte Fehler wäre es, in den
allgemeinen Chor einzustimmen, dass niemand die Krise vorhersehen konnte und
niemand etwas dagegen hätte unternehmen können. Wenn wir das akzeptieren, wird
so etwas wieder passieren.«
Anhörungen aus 19 Tagen und Interviews mit mehr als 700 Zeugen hat die von
Präsident Barack Obama eingesetzte Kommission, also der
US-Regierung, zur Finanzkrise befragt. Der
Abschlussbericht stellt Bankmanager,
Notenbankchefs und Politiker gleichermaßen
bloß.
Die schwere Finanzkrise von 2008 hätte dem Untersuchungsbericht zufolge
vermieden werden können. Wie die „New York Times“ am Mittwoch berichtete, wird der Politik und der US-Notenbank
massives Versagen im Zusammenhang mit dem
Beinahe-Kollaps des weltweiten Finanzsystems
vorgeworfen. Zudem hätten zahlreiche Banken mit
ihrer Gier, Sorglosigkeit oder beidem zu der
Krise beigetragen, zitiert die Zeitung vorab
aus dem Abschlussbericht des Gremiums.
Den Regulierungsbehörden hätte es an politischem Willen gefehlt, die
Institutionen zu überwachen und in die Verantwortung zu ziehen, kritisieren die
Autoren. Der US-Börsenaufsicht SEC (Die United States
Securities and Exchange
Commission) wirft die Gruppe vor, bei der Regulierung der
Großbanken versagt zu haben. Die Kommission weist darauf hin, dass zwischen 1998
und 2008 Gelder in Höhe von rund 2,7 Milliarden Dollar von Lobbygruppen des
Finanzsektors nach Washington geflossen seien.
Vor allem die beiden US-Notenbanker Alan Greenspan und Ben Bernanke werden von
der Untersuchungskommission kritisiert. Greenspan habe sich für eine
Deregulierung des Finanzsystemseingesetzt. Die Tatsache, dass er „den Fluss der
giftigen Hypotheken" nicht gestoppt habe, sei ein „Paradebeispiel für die
Fahrlässigkeit der Regierung", urteilt die Kommission. Sowohl der heutige
Notenbankchef Ben Bernanke als auch der damalige Finanzminister Henry Paulson
hätten 2007 fälschlicherweise behauptet, dass der Zusammenbruch des
Subprime Marktes, des Hypothekenmarktes für Kreditnehmer mit geringer Bonität,
ein isoliertes Problem darstelle, heißt es weiter.
Die Reaktion der Notenbank, die Zinsen zu senken, sehen die Autoren dagegen
ebenso wenig als Fehler an wie die Politik der Regierung, Wohneigentum in großem
Stil zu fördern; denn ein eigenes Haus in den USA zu haben,ist fast ein Muss.
Die Kommission richtet ihre Vorwürfe gegen beide Parteien. So
prangern die Autoren die „uneinheitliche Antwort" der Bush-Regierung auf die
Krise an. Die Clinton-Regierung habe den schwerwiegenden Fehler gemacht, die
Regulierung bestimmter Finanzprodukte wie Derivate zu lockern. Auch führenden
Managern von Konzernen wie Citigroup, AIG und Merril Lynch wirft die Kommission
Fehler im Umgang mit Risiko-Papieren vor. Also unter Präsident Bill Clinton habe
im Jahr 2000 schon der „Marsch in
Richtung Finanzkrise" begonnen. Der Bericht
begründet dies mit der von Clinton eingeleiteten
Deregulierung der Finanzmärkte. Damals sei die
strenge Kontrolle für exotische Finanzprodukte
abgeschafft worden - was den Boom in diesem
Segment erst angeheizt habe.
Von den zehn Ausschussmitgliedern stimmten nur die sechs
demokratischen für den Abschlussbericht. Drei Republikaner
wollen eine abweichende Darstellung präsentieren, die weniger
Gründe für die Finanzkrise aufführt. Der vierte Republikaner -
Peter J. Wallison - will eine eigene Sichtweise auf die
Finanzkrise veröffentlichen.
Clinton, Greenspan, Bernanke
Schon Ex-Präsident Bill Clinton habe mit
seinen Lockerungen im Finanzwesen den
Grundstein für die Krise gelegt. Auch
Bernankes Vorgänger Alan Greenspan habe mit
seinem Drängen nach Deregulierung
erheblichen Anteil daran gehabt, die Blase
auf dem US-Immobilienmarkt immer größer
werden zu lassen. Bernanke wirft der Bericht
vor, 2007 das wahre Ausmaß der sich
anbahnenden Krise unterschätzt zu haben. Den
gleichen Vorwurf macht die Kommission dem
damaligen Finanzminister Henry Paulson.
Weiter heißt es in dem Bericht: „Die Krise
war die Folge menschlicher Taten und
fehlendem Eingreifens. Sie war nicht die
Schuld von Mutter Natur oder durchgedrehter
Computerprogramme. Die Steuermänner und
Steward unseres Finanzsystems ignorierten
Warnungen und versäumten es, nachzufragen.“
Sie hätten dabei versagt, entstehende
Risiken zu verstehen und zu kontrollieren.
„Die größte Tragödie wäre es, einfach zu
akzeptieren, dass niemand die Krise
voraussehen konnte und deshalb nichts
dagegen getan werden konnte. Wenn wir diese
Sichtweise akzeptierten, wird es wieder
passieren“, lautet das Resümee der
Kommission laut „New York Times“.
Von den zehn Mitgliedern der Kommission
hätten nur die sechs eingesetzten Demokraten
den Abschlussbericht akzeptiert. Die vier
Republikaner stimmten dem Bericht zufolge
nicht zu und wollen zwei alternative
Berichte vorstellen.
Politischer Wille habe gefehlt
Den Regulierungsbehörden hätte
es an politischem Willen
gefehlt, die Institutionen zu
überwachen und in die Pflicht zu
nehmen, kritisieren die Autoren.
Der US-Börsenaufsicht SEC wirft
die Gruppe vor, bei der
Regulierung der Großbanken
versagt zu haben. So hätten die
fünf größten Banken des Landes
Rücklagen in Höhe von einer
Milliarde Dollar gehabt, denen
Verlusten von 40 Milliarden
Dollar gegenüberstanden. Die
Kommission weist darauf hin,
dass zwischen 1998 und 2008
Spenden in Höhe von rund 2,7
Milliarden Dollar von
Lobbygruppen des Finanzsektors
nach Washington geflossen seien.
Vor allem die beiden US-Notenbanker Alan Greenspan und
Ben Bernanke werden von der Untersuchungskommission
kritisiert. Greenspan, der die Federal Reserve leitete
als die Immobilienblase platzte, habe sich für eine
Deregulierung des Finanzsystems eingesetzt. Die
Tatsache, dass er „den Fluss der giftigen Hypotheken“
nicht gestoppt habe, sei ein „Paradebeispiel für die
Fahrlässigkeit der Regierung“, urteilt die Kommission.
Die Notenbank habe ihre Aufgabe, die Öffentlichkeit zu
schützen, nicht erfüllt.Sowohl der heutige Notenbankchef Ben Bernanke als auch
der damalige Finanzminister Henry Paulson hätten 2007
fälschlicherweise behauptet, dass der Zusammenbruch des
Subprime-Marktes, des Hypothekenmarktes für Kreditnehmer
mit geringer Bonität, ein isoliertes Problem darstelle,
heißt es weiter. Die Reaktion der Notenbank, die Zinsen
zu senken, sehen die Autoren dagegen ebenso wenig als
Fehler an wie die Politik der Regierung, Wohneigentum im
großen Stil zu fördern.
Die Kommission richtet ihre Vorwürfe gegen beide Parteien. So prangern die
Autoren die „uneinheitliche Antwort“ der Bush-Regierung auf die Krise an. Dass
sie einerseits die US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 habe
pleitegehen lassen, andererseits aber etwa das Kreditinstitut Bear Stearns
gerettet habe, habe zu „weiterer Unsicherheit und Panik an den Finanzmärkten
geführt“. Die Clinton-Regierung habe im Jahr 2000 den schwerwiegenden Fehler
gemacht, die Regulierung bestimmter Finanzprodukte wie Derivate zu lockern. Dies
sei ein „Schlüsselmoment“ gewesen. Auch führenden
Manager von Unternehmen wie Citigroup, AIG und Merrill
Lynch, die in der Krise Staatshilfen in Milliardenhöhen
erhalten hatten, wirft die Kommission Fehler im Umgang
mit riskanten Finanzpapieren vor.
Einen Teil seiner Schlagkraft verliert der Bericht
allerdings. Nur die Vertreter der Demokraten haben die
nun vorgelegte Version unterstützt. Die republikanischen
Kommissionsmitglieder machen die Ursachen für die Krise
vor allem in der wirtschaftlichen Entwicklung außerhalb
der USA aus. So hätten die großen Geldreserven in Asien
die Basis gelegt für den Handel mit Hypothekenpapieren
in den USA. Zudem kritisieren sie die damalige Förderung
von Wohneigentum.
Es ist ein vernichtendes Zeugnis
für Washington und die Wall Street: Die
US-Untersuchungskommission zur Finanzkrise wirft den
Geldkonzernen, Ex-Präsident Bush und Notenbankchef Bernanke
glattes Versagen vor - sie hätten das Desaster verhindern
können, doch sie taten genau das Falsche.
Folgen nun strafrechtliche Verfahren?
Das Dokument stellt Washington und der Wall
Street ein vernichtendes Zeugnis aus: "Die
größte Tragödie wäre es, wenn wir dem ewig
wiederkehrenden Refrain glaubten, wonach niemand
die Krise voraussehen und etwas dagegen tun
konnte. Falls wir diese Sichtweise akzeptieren,
wird all dies wieder passieren."
Der Kongress gab den Kommissaren eine Liste von 22 Punkten
mit auf den Weg, die sie auf einen möglichen Beitrag zum
Ausbruch der Krise untersuchen sollen. Die Liste beginnt mit
"Betrug und Missbrauch im Finanzsektor, einschließlich des
Betrugs und Missbrauchs im Hypothekensektor" und endet mit der
"Qualität der Buchprüfung, die Finanzinstitute
unternommen haben".
Laut "Wall Street Journal" wird die
Untersuchungskommission nun zahlreiche Dokumente
an die zuständigen Behörden weiterleiten. Diese
sollen prüfen, ob zivil- und strafrechtliche
Verfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet
werden können.
Gleich mehreren Finanzkonzernen wirft der
Bericht „Gier, Unachtsamkeit oder beides" vor,
schreibt die „New York Times". Die Unternehmen
hätten minderwertige Darlehen vergeben, Kredite
"exzessiv" zu Paketen verschnürt und diese dann
weiterverkauft. Das Ganze sei eine "extrem
riskante Wette" gewesen. Namen einzelner
Geldfirmen sind jedoch nicht zu finden.
Laut "New York Times" wollte keine der beschuldigten Personen
zu dem Bericht Stellung nehmen.
"Vergiftetes
Klima"
Aufgabe der Kommission des Jahres 2010 ist es, nicht nur die
Ursachen der Krise und des Zusammenbruchs von Lehman Brothers
und der Versicherung AIG zu erforschen. Die Mitglieder sollen
auch Gesetzesbrecher ermitteln und dem Justizministerium nennen.
Vorschläge für Gesetzesänderungen gehören nicht ausdrücklich zum
Auftrag, es gilt aber als unwahrscheinlich, dass die Mitglieder
darauf verzichten werden.
Dazwischen findet sich fast alles, was in
Experten-Diskussionen über die Ursachen der Finanzkrise eine
Rolle spielt: Bankenregulierung in den USA, die globalen
Ungleichgewichte, die Geldpolitik der Notenbank Fed, Steuern,
Eigenkapitalquoten, die Rolle der Ratingagenturen (Marktforschunginstitutionen), die Bezahlung
der Bankmanager, Leerverkäufe und die Auslagerung von Risiken
aus den Bankbilanzen.
Eine spannende Frage wird sein, ob die Kommission im
vergifteten Klima von Washington produktiv arbeiten kann. Die
Bestellung der zehn Mitglieder war eine politische
Angelegenheit: Fünf Kommissare wurden vom Senat berufen, fünf
vom Repräsentantenhaus, wobei jeweils drei der Mehrheitsfraktion
der Demokraten zustanden, zwei den Republikanern. Vorsitzender
ist Phil Angelides, ein früherer Finanzminister von Kalifornien,
der sich 2006 um das Amt des Gouverneurs beworben und gegen
Arnold Schwarzenegger verloren hatte. Sein Stellvertreter ist
Bill Thomas, ein ehemaliger republikanischer
Kongressabgeordneter, ebenfalls aus Kalifornien. Thomas
arbeitete eng mit Präsident George Bush bei dessen
Steuersenkungen zusammen.
Hoffen auf Brooksley Born
Für den Erfolg der Kommission wichtiger sind eher die weniger
politisch exponierten Experten. Am interessantesten ist dabei
Brooksley Born. Die Anwältin kann für sich in Anspruch nehmen,
als eine der ersten vor den Dingen gewarnt zu haben, die
letztlich in die Krise geführt haben, und zwar schon vor fast
zwölf Jahren. Als Chefin der Rohstoffhandels-Kommission CFTC
veröffentlichte sie im März 1998 ein Papier namens "Concept
Release". Darin forderte sie eine schärfere Aufsicht über
riskante Finanzderivate. Aber Ende die späten 90er Jahre war
nicht die Zeit für so etwas. Born holte sich gleich mehrere
Abfuhren - vom damaligen Finanzminister Robert Rubin, von
SEC-Chef Arthur Levitt und vom damaligen Notenbankchef Alan
Greenspan. Concept Release verschwand in den Schubladen; Born
trat zurück und zog sich resigniert in ihre Kanzlei zurück.
Jetzt wurde sie von den Demokraten für die Kommission benannt.
Um einer Betrugsermittlung bei einem Verdienst
von 3,7 Milliarden US-$ zu entgehen, genügen 500
Millionen Einmalzahlung ans Gericht zur
Verfahrenseinstellung und kann dann auf gleiche
zweifelhafte Weise noch einmal 5 Milliarden, also
das 10-fache dazugewinnen...
Er ist einer der geschicktesten im Umgang mit dem
Geld anderer Leute: Der New Yorker
Hedgefondsmanager John Paulson, der
König der Zocker, verdient
in nur einem Jahr fünf Milliarden Dollar. Aus der
Finanzkrise hat er ordentlich Kapital geschlagen.
New York
– Schon einmal hat man John Paulson den Gewinn seines
Lebens nachgesagt. Das war
2007, als der
Hedgefondsmanager frühzeitig
auf den Krach am
amerikanischen Häusermarkt
wettete und damit 3,7
Milliarden Dollar verdiente.
Unter anderem soll er dabei
gemeinsam mit der
Investmentbank Goldman Sachs
ein ziemlich unfeines Spiel
auf Kosten der Bankkunden
gemacht haben. Die
Ermittlungen der
amerikanischen
Wertpapierbehörde gegen die
Bank wurden inzwischen aber
gegen eine Zahlung von 550
Millionen Dollar
eingestellt. Und gegen
Paulson war nicht ermittelt
worden.
Wie sich jetzt zeigt, war
Paulsons damaliger
Krisengewinn auch erst der
Anfang. Nach einem Bericht
des Wall Street Journals hat
sich der 55-jährige selbst
übertroffen: Mit einem
Gewinn von fünf Milliarden
Dollar dürfte sich Paulson
für alle Zeiten einen Platz
im Zocker-Olymp gesichert
haben.
Zwar steht ein Teil dieses
Gewinns bislang nur auf dem
Papier. Dennoch reicht die
Summe locker aus, um selbst
die überzogensten Gehälter
der Wall-Street-Banken in
den Schatten zu stellen.
James Gorman etwa, der als
Chef der Investmentbank
Morgan Stanley zu den
Großverdienern der Branche
gehören dürfte, streicht für
das abgelaufene Jahr
angeblich weniger als 15
Millionen Euro ein. Auch
wenn sich das Wörtchen „nur“
auch in Verbindung mit
dieser Summe verbietet,
bleibt festzustellen, dass
Paulson gut 333 mal mehr
kassiert.
Um in der Realwirtschaft
derartige Beträge zu
verdienen, braucht man nicht
nur ein geniales
Geschäftsmodell,
ordentliches Startkapital
und unternehmerisches
Geschick, sondern auch
Jahre. Wie schafft es der
Finanzprofi John Paulson in
nur einem Jahr so viel
einzustreichen? Die Antwort
liegt im Wesen des
Finanzkapitalismus, der es
gewitzten Leuten erlaubt,
aus Geld viel Geld zu machen
und aus viel Geld noch viel
mehr Geld – ohne, dass dabei
auch nur ein im Ansatz
nützliches Produkt abfallen
müsste.
Aus der Tageszeitung
»Frankfurter
Rundschau«
Zahlung von Boni geht weiter:
Frankfurt. An der Wall Street hat
die schönste Zeit des Jahres begonnen. Jedenfalls für die Finanzprofis der
Investmentbanken, die in diesen Tagen ihre Bonuszahlungen erhalten. Die
offizielle Statistik vom New Yorker Rechnungshof liegt noch nicht vor. Doch laut
Brancheninsidern kassieren die Banker schon wieder, als ob nichts geschehen
wäre.
"Die Boni steigen wieder. 2010 war für
Investmentbanker besser als das Vorjahr", sagt etwa Jeanne E. Branthover, die
als Headhunterin der Personalberatung Boyden auf die Vermittlung von
Kapitalmarktexperten spezialisiert ist. „Die Branche ist wieder da." Doch obwohl
es in den USA zum guten Ton gehört, öffentlich über die Höhe seines Gehalts zu
plaudern, dringt bislang wenig Konkretes über die diesjährigen Bonuszahlungen
nach außen. Die öffentliche Schelte, die sich die Banker nach der mit Steuergeld
finanzierten Bankerrettung gefallen lassen mussten, hat offenbar Spuren
hinterlassen. James Gorman, Chef der Großbank Morgan Stanley, soll in einer
internen Sitzung mit Führungskräften gedroht haben, jeden, der vor Journalisten
auch nur das kleinste Detail über die Höhe der Vergütungen preisgibt, persönlich
nach draußen zu geleiten. Im Stillen zahlen die Banken jedoch offensichtlich
viel. Nach Recherchen der New York Times etwa überweist Goldman Sachs in diesem
Jahr 17,5 Milliarden Dollar an variablen Gehaltsbestandteilen. Das ist fast so
viel wie vor der Krise: 2007 summierten sich die Boni auf 20,19 Milliarden.
Immerhin konnte sich das Haus dazu durchringen, die Auszahlung zeitlich zu
strecken.
Auch in London steigen die Boni wieder. Ein
Jahr, nachdem die inzwischen abgewählte Mittelinks-Regierung den Finanzprofis
der nur mit Steuergeld am Leben gehaltenen Investmentbanken mit einer
Strafsteuer auf Boni den Spaß verdarb, sprudeln die variablen Anteile kräftig.
Barclays Chef Bob Diamond, der seine Banker-Kollegen zum Ende der Reue aufrief,
kassiert für 2010 angeblich einen Bonus von bis zu acht Millionen Pfund (9,26
Millionen Euro). Stephen Hesters, Chef der in der Krise verstaatlichten Royal
Bank of Scotland, soll 2,5 Millionen Pfund erhalten. In Deutschland sind
zumindest die Institute, die den Bankenrettungsfonds anzapfen mussten,
gesetzlich zu einer Deckelung der Gehälter auf 500 000 Euro im Jahr
verpflichtet. Nur die Deutsche Bank kann in diesem Punkt mit den
angelsächsischen Wettbewerbern mithalten...