Autismus

(weitgehend angelehnt an einen Artikel bei Wikipedia vom 3.11.2008)

(Vom Griechischen:  autos „selbst“), wird Autismus als extreme Selbstbezogenheit, Kontaktstörung mit Rückzug in die eigene Gedankenwelt und Abkehr von der Umwelt (besonders bei Schizophrenie); als kindliche Verhaltensstörung mit tief greifender Beeinträchtigung von Kommunikation und sozialer Interaktion geschildert, verbunden mit der Entwicklung stereotyper Handlungen. bis zu 1 % der Bevölkerung sind davon betroffen etwa in der Größenordnung der Psychopathen/Soziopathen (mit 4 bis 6%), bei denen ansatzweise soeben beschriebene Charakterzüge zu finden sind (mehr >hier<); denn allen autistischen Behinderungen sind Beeinträchtigungen des Sozialverhaltens gemeinsam:

- Verständnislosigkeit für mitmenschliche Belange (Gleichgültigkeit Mitlebewesen gegenüber);

- Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu sprechen (etwa wegen eintöniger Prosodie [griechisch »Zugesang«, »Nebengesang«; Teil der Verslehre und Teilgebiet der Phonetik]), Gesagtes richtig zu interpretieren, Mimik und Körpersprache einzusetzen;

- Schwierigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren.

Ursache für Autismus ist wahrscheinlich genetisch bedingte frühkindliche Hirnschädigung. Umwelteinflüsse, wie etwa ein (ansonsten gerne angenommenes) gestörtes Mutter-Kind-Verhältnis, scheinen keine Rolle zu spielen (konnte bei © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG gefunden werden).

Der Autismus wird von der Weltgesundheitsorganisation als eine tiefgreifende Entwicklungsstörung klassifiziert und (in Ergänzung zu oben bereits Gesagtem) von Ärzten, Forschern, Angehörigen und Autisten selbst als eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben, die sich bereits im frühen Kindesalter bemerkbar macht. Andere Forscher und Autisten selbst beschreiben Autismus als angeborenen von der Normalität abweichenden Informationsverarbeitungsmodus, der sich durch Schwächen

- in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie

- durch stereotype Verhaltensweisen und

- Mängel bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz zeigt.[1][2]

In den aktuellen Diagnosekriterien wird zwischen Frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom (mehr unter >Fachliches<) unterschieden, welches sich oftmals erst nach dem dritten Lebensjahr bemerkbar macht. Viele Ärzte gehen jedoch mittlerweile von einem Autismusspektrum aus (Autismusspektrums-Störung), das verschiedene Schweregrade kennt.

Die Symptome und die individuellen Ausprägungen des Autismus sind vielfältig, sie können von leichten Verhaltensproblemen an der Grenze zur Unauffälligkeit (etwa als „Schüchternheit“ verkannt) bis zur schweren geistigen Behinderung reichen.

Kernsymptomatik bei autistischen Behinderungen ist vorrangig die Schwierigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren (1. und 2. Diagnosekriterium). Alternativ werden stereotype oder ritualisierende Verhaltensweisen (3. Diagnosekriterium) bei allen autistischen Behinderungen als Kernsymptomatik erforscht. Autistische Menschen zeigen grundlegende Unterschiede gegenüber nicht-autistischen Menschen in der Verarbeitung von Sinneseindrücken und in der Art ihrer Wahrnehmungs- und Intelligenzleistungen. Auch die unterschiedliche Wahrnehmung wird als eine Kernsymptomatik des Autismus erforscht.

Das Ausmaß und die Auswirkungen dieser Probleme sowie die spezielle Form, in der sie sich zeigen, sind sehr unterschiedlich

Begriffsbildung

Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler (1857 bis 1939) prägte psychiatrische Begriffe wie Schizophrenie, die er erforschte und hat den Begriff Autismus 1911 eingeführt. Er sah in ihm ein Grundsymptom der Schizophrenie - die Zurückgezogenheit in die innere Gedankenwelt des an ihr Erkrankten. Sigmund Freud übernimmt die Begriffe „Autismus“ und „autistisch“ von Bleuler und setzt sie annähernd mit „Narzissmus“ bzw. „narzisstisch“ gleich – als Gegensatz zu „sozial“.[3]

Leo Kanner (1943) und Hans Asperger (schon 1938 ) nahmen den Begriff Autismus – unabhängig voneinander – auf und beschrieben ein Störungsbild eigener Art. Sie unterschieden von Menschen mit Schizophrenie, die sich aktiv in ihr Inneres zurückziehen, jene von Geburt an in einem Zustand der inneren Zurückgezogenheit Lebenden. Das verschob die Bedeutung des Begriffs „Autismus“.

Kanner fasste den Begriff „Autismus“ eng, was im Wesentlichen dem heute so genannten frühkindlichen Autismus entsprach: Das erlangte internationale Anerkennung und wurde zur Grundlage der weiteren Autismusforschung. Die Veröffentlichungen des (1906 geborenen) österreichischen Kinderarztes Aspergers hingegen beschrieben (1944) „Autismus“ etwas anders und wurden zunächst international kaum übernommen: zum einen wegen des Zweiten Weltkriegs, zum anderen, weil Asperger auf Deutsch publizierte und man seine Publikationen jahrzehntelang nicht ins Englische übersetzte. Hans Asperger selbst nannte das von ihm beschriebene Syndrom „Autistische Psychopathie“. Die englische Psychologin Lorna Wing (>Literatur<: Wing 1981) führte sie in den 1980er Jahren fort und die Bezeichnung Asperger-Syndrom ein. Erst in den 1990er Jahren erlangten die Forschungen Aspergers internationale Bekanntheit in Fachkreisen.

Kulturvergleich

Es gab zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Vorstellungen über die Entstehung von Autismus. Im zaristischen Russland etwa glaubte man, dass autistische Kinder als besonders religiöse Menschen zur Welt gekommen seien und sich freiwillig für ein Leben jenseits aller Konventionen entschieden hätten. Aus überlieferten Berichten weiß man, dass Autisten in Lumpen durch den russischen Winter liefen, ohne sich vor der Kälte zu schützen. Sie sprachen selten, ihr Verhalten erschien merkwürdig und sie missachteten Gesetz, Ordnung und soziale Regeln. Man nannte sie deshalb „heilige Narren“ und glaubte, ihr Verhalten sei eine Verschlüsselung göttlicher Botschaften. [4]

Formen von Autismus

Im deutschsprachigen Raum sind drei Diagnosearten des Autismus gebräuchlich:
  • Der frühkindliche Autismus, auch Kanner-Syndrom; auffälligstes Merkmal neben den Verhaltensabweichungen: aufgrund des frühzeitigen Auftretens eine stark eingeschränkte Sprachentwicklung; motorische Beeinträchtigungen nur bei weiteren Behinderungen; häufig geistig behindert - hier dann im englischsprachigen Raum auch als LFA (Low Functioning Autism) bezeichnet.

  • Atypischer Autismus erfüllt nicht alle Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus oder zeigt sich erst nach dem dritten Lebensjahr.

  • Asperger-Syndrom mit vor allem einer vom Zeitpunkt her altersgerechten Sprachentwicklung (nach der >hier<: ICD-10) und dem DSM-IV ein Kriterium zur Diagnose - wohingegen nach Gillberg & Gillberg eine verzögerte Sprachentwicklung ein mögliches Diagnosekriterium darstellt) und einem unter formalen Gesichtspunkten korrekten Sprachgebrauch. Menschen mit Asperger-Syndrom sind häufig motorisch ungeschickt.

Hochfunktionaler Autismus (High Functioning Autism) als vierte Diagnoseart kategorisiert der englischsprachige Raum bei einer Symptomatik des frühkindlichen Autismus mit normalem Intelligenzniveau. (Gelegentlich auch als Synonym zum Asperger Syndrom.)

Zu dem Formenkreis der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen nach Einteilung des Diagnosemanuals >ICD-10< zählen neben der autistischen Störung im engeren Sinne auch das

  • Rett-Syndrom (1966)* und das Heller-Syndrom (Desintegrative Psychose des Kindesalters), die eine ähnliche Symptomatik aufweisen, sich aber im Verlauf von Autismus unterscheiden. Beim Rett-Syndrom ist heute außerdem eine hierfür typische genetische Veränderung nachweisbar.

             * Andreas Rett (1924 - 1997): Österreichischer Neurologe und Autor

Neben kategorialen Unterteilungen des Autismus in verschiedene, deutlich von einander abzugrenzende Arten gibt es das

  • autistisches Spektrum bzw. die Autismusspektrumstörung (ASS). Dies ist ein Konzept eines fließenden Überganges zwischen den verschiedenen Formen, eine insbesondere im englischsprachigen Raum zunehmende Sicht eines solchen Kontinuums (lückenloser Zusammenhang) verschiedener Ausprägungen. Vertreten etwa von Tony Attwood, der seine Auffassung mit der Möglichkeit von Übergängen in Einzelfällen begründet. Es gibt beispielsweise Autisten, auf die die Diagnosekriterien des Asperger-Syndroms zutreffen, deren Auffälligkeiten in früher Kindheit jedoch der Diagnose des Kanner-Syndroms entsprachen. Zudem ist zweifelhaft, inwieweit eine auf theoretischen Intelligenzmodellen basierende IQ-Messung oder eine willkürlich festgelegte Altersgrenze für die Sprachentwicklung zur Unterscheidung dienen.

Leekam et al. haben eine Studie veröffentlicht, nach der ein signifikanter Teil von nach ICD-10 mit frühkindlichem Autismus oder atypischen Autismus diagnostizierten Personen nach Gillbergs Diagnosekriterien mit Asperger diagnostiziert würden.[5]

  frühkindlicher Autismus (LFA und HFA) Asperger-Syndrom (AS)
erste Auffälligkeiten ab( dem 10.-12. Lebensmonat ab 3. Lebensjahr
Blickkontakt selten, flüchtig selten, flüchtig
Sprache in der Hälfte der Fälle das Fehlen einer Sprachentwicklung; ansonsten verzögerte Sprachentwicklung, anfangs oft Echolalie, Vertauschen der Pronomina frühe Entwicklung einer grammatisch und stilistisch hoch stehenden Sprache, oft pedantischer Sprachstil, Probleme beim Verstehen von Metaphern
Intelligenz hauptsächlich kategorisiert als geistige Behinderung (LFA), teilweise normale bis hohe Intelligenz (HFA -> AS) normale bis hohe Intelligenz, teilweise Hochbegabung
Motorik keine Auffälligkeiten, die auf den Autismus zurückzuführen sind häufig motorische Störungen, Ungeschicklichkeit, Koordinationsstörungen

Einen englischsprachigen Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Autismusarten zum Asperger-Syndrom bietet eine Zusammenstellung von Tony Attwood.[6] Dort insbesondere zu HFA und AS von C. Gillberg.[7]

Einteilung nach ICD-10 und DSM-IV

Autismus wird in der ICD-10, dem Klassifikationssystem für Krankheiten der Weltgesundheitsorganisation, als tiefgreifende Entwicklungsstörung mit dem Schlüssel F84 aufgeführt und wie folgt unterteilt:
  • F84.0: Autismus; auch bezeichnet als: Frühkindlicher Autismus, Infantile Psychose, Infantiler Autismus, Kanner-Syndrom, Psychose im Kindesalter
  • F84.1: atypischer Autismus; auch bezeichnet als: Atypische Psychose im Kindesalter
    • F84.10: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter
    • F84.11: Autismus mit atypischer Symptomatik
    • F84.12: Autismus mit atypischem Erkrankungsalter und atypischer Symptomatik
  • F84.5: Asperger-Syndrom; auch bezeichnet als: Autistische Psychopathie, Schizophrenes Syndrom beim Kind

Manche der oben genannten alternativen Bezeichnungen sind zwar veraltet, jedoch noch heute in der ICD-10 zu finden.

Das DSM-IV, die US-amerikanische Klassifikation psychischer Störungen, führt Autismus als tiefgreifende Entwicklungsstörung unter dem Schlüssel 299 auf. Dabei werden zwei Kategorien unterschieden:

  • 299.00: autistische Störung
  • 299.80: Asperger-Syndrom

Atypischer Autismus kommt im DSM-IV als Diagnose nicht vor.

Frühkindlicher Autismus

Diagnosekriterien

Im DSM-IV wird der frühkindliche Autismus den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen zugeordnet und durch folgende diagnostische Kriterien beschrieben:

A. Es müssen mindestens sechs Kriterien aus 1., 2. und 3. zutreffen, wobei mindestens zwei Punkte aus 1. und je ein Punkt aus 2. und 3. stammen müssen:

  1. qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion in mindestens zwei der folgenden Bereiche:
    • ausgeprägte Beeinträchtigung im Gebrauch vielfältiger nonverbaler Verhaltensweisen wie beispielsweise Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Körperhaltung und Gestik zur Steuerung sozialer Interaktionen,
    • Unfähigkeit, entwicklungsgemäße Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzubauen,
    • Mangel, spontan Freude, Interessen oder Erfolge mit anderen zu teilen (z. B. Mangel, anderen Menschen Dinge, die für die Betroffenen von Bedeutung sind, zu zeigen, zu bringen oder darauf hinzuweisen),
    • Mangel an sozio-emotionaler Gegenseitigkeit;
  2. qualitative Beeinträchtigungen der Kommunikation in mindestens einem der folgenden Bereiche:
    • verzögertes Einsetzen oder völliges Ausbleiben der Entwicklung gesprochener Sprache (ohne den Versuch, die Beeinträchtigung durch alternative Kommunikationsformen wie Gestik oder Mimik zu kompensieren),
    • bei Personen mit ausreichendem Sprachvermögen deutliche Beeinträchtigung der Fähigkeit, ein Gespräch zu beginnen oder fortzuführen,
    • stereotyper oder repetitiver Gebrauch der Sprache oder idiosynkratische (als hochgradige Abneigung oder Überempfindlichkeit gegenüber Personen, Tieren, Gegenständen, Anschauungen u.a.)
      Sprache,
    • Fehlen von verschiedenen entwicklungsgemäßen Rollenspielen oder sozialen Imitationsspielen;
  3. beschränkte, repetitive und stereotype Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten in mindestens einem der folgenden Bereiche:
    • umfassende Beschäftigung mit einem oder mehreren stereotypen und begrenzten Interessen, wobei Inhalt und Intensität abnorm sind,
    • auffällig starres Festhalten an bestimmten nichtfunktionalen Gewohnheiten oder Ritualen,
    • stereotype und repetitive motorische Manierismen (z. B. Biegen oder schnelle Bewegungen von Händen oder Fingern oder komplexe Bewegungen des ganzen Körpers),
    • ständige Beschäftigung mit Teilen von Objekten.

B. Beginn vor dem dritten Lebensjahr und Verzögerungen oder abnorme Funktionsfähigkeit in mindestens einem der folgenden Bereiche:

  • soziale Interaktion,
  • Sprache als soziales Kommunikationsmittel oder
  • symbolisches oder Fantasiespiel.

C. Die Störung kann nicht besser durch die Rett-Störung oder die Desintegrative Störung im Kindesalter erklärt werden.

Darüber hinaus nennt ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlafstörungen, Essstörungen, Wutausbrüche, Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten (Automutilation).

Soziale Interaktion

Eine qualitative Beeinträchtigung der sozialen Interaktion zeigt sich manchmal schon in den ersten Lebensmonaten durch fehlende Kontaktaufnahme zu den Eltern, insbesondere zur Mutter. Viele Kinder mit frühkindlichem Autismus strecken der Mutter nicht die Arme entgegen, um hochgehoben zu werden. Sie lächeln nicht zurück, wenn sie angelächelt werden, und nehmen zu den Eltern keinen angemessenen Blickkontakt auf. Nichtsdestoweniger sind autistische Kinder genauso stark emotional mit ihrer Mutter verbunden wie nicht-autistische Kinder und haben genauso viel Mitgefühl wie nicht-autistische Kinder.[8][9][10] Dem gegenüber steht eine starke Objektbezogenheit, die häufig auf eine bestimmte Art von Gegenständen beschränkt ist. Ihre Aufmerksamkeit ist auf wenige Dinge, wie Wasserhähne, Türklinken, Fugen zwischen Steinplatten oder kariertes Papier gerichtet, die sie magisch anziehen, so dass alles andere an ihnen vorbeigeht. Oft finden sie in Gegenständen einen für andere fremden Zweck, sortieren beispielsweise die Einzelteile einer Spielzeugeisenbahn nach Größe und Farbe, oder ihr einziges Interesse an einem Spielzeugauto ist es, die Räder unablässig zu drehen.

Kommunikation

Etwa jedes zweite Kind mit frühkindlichem Autismus entwickelt keine Lautsprache. Bei den anderen verzögert sich die Sprachentwicklung. Die Entwicklung der Lautsprache erfolgt oft über eine lange Phase der Echolalie, manche der betroffenen Personen kommen über diese Phase nicht heraus. Im Kindesalter werden oft die Pronomina vertauscht (pronominale Umkehr). Sie reden von Anderen als „ich“ und von sich selbst als „du“ oder in der dritten Person. Diese Eigenart bessert sich üblicherweise im Laufe der Entwicklung. Zudem gibt es oft Probleme mit Ja/Nein-Antworten, Gesagtes wird stattdessen durch Wiederholung bestätigt. Probleme gibt es auch mit der Semantik: Wortneuschöpfungen (Neologismen) treten häufig auf. Manche Menschen mit frühkindlichem Autismus haften auch an bestimmten Formulierungen (Perseveration = Festhalten an bestimmte Gedankengänge)). Am ausgeprägtesten ist die Beeinträchtigung der Pragmatik: In der Kommunikation mit anderen Menschen haben autistische Menschen Schwierigkeiten, Gesagtes über die genaue Wortbedeutung hinaus zu verstehen, zwischen den Zeilen zu lesen. Ihre Stimme klingt oft eintönig (fehlende Prosodie).

Die Probleme in der Kommunikation äußern sich in schwieriger Kontaktaufnahme zur Außenwelt und zu anderen Menschen. Manche Autisten scheinen die Außenwelt kaum wahrzunehmen und teilen sich ihrer Umwelt auf ihre ganz individuelle Art mit. Deshalb wurden autistische Kinder früher auch Muschelkinder oder Igelkinder genannt. Die visuellen und auditiven Wahrnehmungen sind oft deutlich intensiver als bei neurologisch typischen Menschen, daher scheint als Selbstschutz eine Abschaltfunktion im Gehirn die Reizüberflutung auszublenden. Autisten haben ein individuell unterschiedlich ausgeprägtes Bedürfnis nach Körperkontakt. Einerseits nehmen manche mit fremden Menschen direkten und teils sozial unangemessenen Kontakt auf, andererseits kann auch jede Berührung für sie aufgrund der Überempfindlichkeit ihres Tastsinns unangenehm sein.

Vor diesem Hintergrund ist verstehende Kommunikation mit einem Autisten schwer. Emotionen werden oft falsch gedeutet oder gar nicht erst verstanden. Diese möglichen Probleme müssen bei der Kontaktaufnahme berücksichtigt werden und verlangen ein großes Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen.

Repetitive (sich wiederholende) und stereotype (einförmige) Verhaltensmuster

Veränderungen ihrer Umwelt, wie zum Beispiel umgestellte Möbel oder ein anderer Schulweg, beunruhigen und verunsichern manche autistische Menschen. Manchmal geraten Betroffene auch in Panik, wenn sich Gegenstände nicht mehr an ihrem gewöhnlichen Platz oder in einer bestimmten Anordnung befinden, oder es bringt sie ein unangekündigter Besuch oder spontaner Ortswechsel völlig aus der Fassung. Die Tatsache, dass Menschen mit Autismus eine intensivere Wahrnehmung für Details haben und daher auch kleine Veränderungen bemerken können, verschlimmert dieses Problem. Handlungen laufen meist ritualisiert ab und Abweichungen von diesen Ritualen führen zu Chaos im Kopf, denn autistische Menschen haben bei unerwarteten Veränderungen von Situationen oder Abläufen keine alternativen Strategien.

Unter stark autistischen Menschen anzutreffende repetitive Stereotypien können sein: Jaktationen (Schaukeln mit Kopf oder Oberkörper), im Kreis umher gehen, Finger verdrehen, Oberflächen betasten und vereinzelt auch selbstverletzendes Verhalten wie etwa Finger blutig knibbeln, Nägel bis über das Nagelbett hinaus abkauen, Kopf anschlagen, mit Hand an Kopf schlagen, sich selbst kratzen, beißen oder anderes. Dieses selbstverletzende Verhalten hinterlässt mehr oder weniger sichtbare Spuren wie Bissspuren, Narben und verschorfte Wunden auf der Haut und an den Armen [11], welche jedoch nicht zu verwechseln sind mit dem bewusst selbstverletzendem Verhalten bei >der Borderline<-Persönlichkeitsstörung, welches typischerweise zum Spannungsabbau eingesetzt wird (etwa durch Verbrennungen oder Ritzen am Unterarm) oder seltener aus suizidaler Tendenzen heraus entsteht und dann ein anderes (suizidales) Verletzungsmuster aufweist.

Repetitive und sich wiederholende Verhaltensweisen wirken auf alle Menschen beruhigend (wie Puppe oder Teddybär bei kleinen Kindern, die überall hin mitgenommen werden) und sind möglicherweise mehr ein Kennzeichen für starken Stress als für Autismus selbst, was die Frage aufwirft, warum Autisten oft zu viel Stress ausgesetzt sind. Positive Effekte sich wiederholender Verhaltensweisen werden zum Beispiel im Yoga benutzt, und es gibt auch auf Autismus angepassten Yogaunterricht.[12]

High-Functioning-Autismus

Treten alle Symptome des frühkindlichen Autismus zusammen mit normaler Intelligenz (einem IQ von mehr als 70) auf, so spricht man vom High-functioning-Autismus. Diagnostisch wichtig ist hier insbesondere die verzögerte Sprachentwicklung. Gegenüber dem Asperger-Syndrom sind die motorischen Fähigkeiten meist deutlich besser.

Oftmals wird, durch die Verzögerung der Sprachentwicklung zunächst der niedrigfunktionale frühkindliche Autismus (LFA) diagnostiziert, dann aber später eine normale Sprachentwicklung erfolgen kann, bei der durchaus ein mit dem Asperger-Syndrom vergleichbares Funktionsniveau erreicht wird. Viele HFA-Autisten sind deshalb als Erwachsene nicht von Asperger-Autisten zu unterscheiden, meistens bleiben jedoch die autistischen Symptome wesentlich deutlicher ausgeprägt als beim Asperger-Syndrom. Die Sprache muss sich dabei nicht zwangläufig entwickeln, viele nicht sprechende HFA-Autisten können trotzdem eigenständig leben und lernen, sich schriftlich zu äußern. Onlinedienste und das Internet helfen, gerade für diese Menschen die Lebensqualität deutlich zu steigern.

Atypischer Autismus

Atypischer Autismus, auch psychogener Autismus oder frühkindlicher Autismus mit atypischem Erkrankungsalter oder Symptomatik genannt, unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus dadurch, dass Kinder nach dem dritten Lebensjahr erkranken (atypisches Erkrankungsalter) oder nicht alle Symptome aufweisen (atypische Symptomatik).

Autistische Kinder mit atypischem Erkrankungsalter zeigen bei den Symptomen das Vollbild des frühkindlichen Autismus, das sich bei ihnen aber erst nach dem dritten Lebensjahr manifestiert.

Autistische Kinder mit atypischer Symptomatik legen Auffälligkeiten an den Tag, die für den frühkindlichen Autismus typisch sind, jedoch die Diagnosekriterien des frühkindlichen Autismus nicht vollständig erfüllen. Dabei können sich die Symptome sowohl vor als auch nach dem dritten Lebensjahr manifestieren.

Im vor allem in den USA gebräuchlichen psychiatrischen Diagnosehandbuch (DSM-IV) gibt es keine Diagnose „atypischer Autismus“, dort wird stattdessen „tiefgreifende Entwicklungsstörung - nicht anders bezeichnet“ (PDD-NOS) als Diagnose verwendet. Umgangssprachlich wird PDD-NOS dort oft auch falsch nur als „tiefgreifende Entwicklungsstörung (PDD)“ bezeichnet, was nur die diagnostische Kategorie bezeichnet, aber selbst keine Diagnose ist.

Wenn atypischer Autismus zusammen mit erheblicher Intelligenzminderung auftritt, wird manchmal auch von „Intelligenzminderung mit autistischen Zügen“ gesprochen. Neuere Forschung deuten jedoch darauf hin, dass die Annahme einer Intelligenzminderung bei Autisten mit dem Wechsler-IQ-Test verfälscht wird, und Autisten bei dem Ravens Matrizentest um bis zu 30 Punkte besser abschneiden, was nicht auf weniger, sondern eine andere Intelligenz hindeutet (Dawson et al. 2005).

Asperger-Syndrom

Schon 1926 beschrieb Grunja Jefimowna Sucharewa in Russland die „Schizoide Psychopathie“, deren Erscheinungsbild in vielen Besonderheiten mit dem Asperger-Syndrom übereinstimmte. 1944 veröffentlichte Hans Asperger die erste Beschreibung des später nach ihm benannten Asperger-Syndroms.

Diagnosekriterien

Das Asperger-Syndrom (AS) gilt als leichte Form des Autismus und manifestiert sich ab ca. dem dritten bis fünften Lebensjahr. Zur Diagnose werden meist die folgenden Kriterien nach Gillberg & Gillberg (1989) verwendet:

  • Soziale Beeinträchtigung (mindestens zwei der folgenden Merkmale):
  1. Unfähigkeit, mit Gleichaltrigen zu interagieren
  2. mangelnder Wunsch, mit Gleichaltrigen zu interagieren
  3. mangelndes Verständnis für soziale Signale
  4. sozial und emotional unangemessenes Verhalten
  • Eingegrenzte Interessen (mindestens eins der folgenden Merkmale):
  1. Ausschluss anderer Aktivitäten
  2. repetitives Befolgen der Aktivität
  3. mehr Routine als Bedeutung
  • Repetitive Routinen (mindestens eins der folgenden Merkmale):
  1. für sich selbst, in Bezug auf bestimmte Lebensaspekte
  2. für andere
  • Rede- und Sprachbesonderheiten (mindestens drei der folgenden Merkmale):

  1. verzögerte Entwicklung
  2. (oberflächlich gesehen) perfekter sprachlicher Ausdruck
  3. formelle, pedantische Sprache
  4. seltsame Prosodie, eigenartige Stimmmerkmale
  5. beeinträchtigtes Verständnis einschließlich Fehlinterpretationen von wörtlichen/implizierten Bedeutungen
  • Nonverbale Kommunikationsprobleme (mindestens zwei der folgenden Merkmale)
  1. begrenzter Blickkontakt
  2. begrenzte Gestik
  3. unbeholfene oder linkische Körpersprache
  4. begrenzte Mimik
  5. unangemessener Ausdruck
  6. eigenartig starrer Blick
  • Motorische Unbeholfenheit
Mangelnde Leistung bei Untersuchung der neurologischen Entwicklung

Obwohl viele Verhaltensweisen das soziale Netz der Betroffenen, insbesondere der nächsten Bekannten und der Familie, stark in Anspruch nehmen, sind es nicht nur negative Aspekte, die AS qualifizieren. Es gibt zahlreiche Berichte über das gleichzeitige Auftreten von überdurchschnittlicher Intelligenz oder auch von – für als normal geltende Menschen unfassbaren – Inselbegabungen. Leichtere Fälle von AS werden im Englischen umgangssprachlich auch als „Little Professor Syndrome“, „Geek-Syndrome“ oder „Nerd-Syndrome“ bezeichnet.

Soziale Interaktion

Das wohl schwerstwiegende Problem für Menschen mit AS ist das beeinträchtigte soziale Interaktionsverhalten. Beeinträchtigt sind zwei Bereiche: zum einen die Fähigkeit, zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen, und zum anderen die nonverbale Kommunikation.

Kindern und Jugendlichen fehlt in der Regel der Wunsch, Beziehungen zu Gleichaltrigen herzustellen. Dieser Wunsch entsteht normalerweise erst in der Adoleszenz, meist fehlt dann aber die Fähigkeit dazu.

Die Beeinträchtigungen im Bereich der nonverbalen Kommunikation betreffen sowohl das Verstehen nonverbaler Botschaften anderer Menschen als auch das Aussenden eigener nonverbaler Signale. Dazu zählt in einigen Fällen etwa auch die Anpassung der Tonhöhe und Lautstärke der eigenen Sprache.

Als besonders problematisch erweist sich die soziale Interaktion, da Menschen mit Asperger-Syndrom nach außen hin keine offensichtlichen Anzeichen einer Behinderung haben. So können selbst Menschen, die sich ansonsten durch Toleranz gegenüber ihren behinderten Mitmenschen auszeichnen, die Schwierigkeiten von Menschen mit Asperger-Syndrom als bewusste Provokation empfinden. Wenn etwa eine betroffene Person auf eine an sie gerichtete Frage nur mit Schweigen reagiert, wird dies oft als Sturheit und Unhöflichkeit gedeutet.

Im Alltag macht sich die schwierige soziale Interaktion vielfältig bemerkbar. Menschen mit AS können schlecht Augenkontakt mit anderen Menschen aufnehmen oder halten. Sie vermeiden Körperkontakt, wie etwa Händeschütteln. Sie sind unsicher, wenn es darum geht, Gespräche mit anderen zu führen, besonders wenn es sich um eher belanglosen Smalltalk handelt. Soziale Regeln, die andere intuitiv beherrschen, verstehen Menschen mit AS nicht intuitiv, sondern müssen sie sich erst mühsam aneignen. Daher haben Menschen mit AS oft keine oder kaum Freunde. In der Schule etwa sind sie in den Pausen lieber für sich, weil sie mit dem üblichen Umgang anderer Schüler untereinander nur wenig anfangen können. Im Unterricht sind sie in der Regel wesentlich besser im schriftlichen als im mündlichen Bereich. In der Ausbildung und im Beruf macht ihnen der fachliche Bereich meist keine Schwierigkeiten, nur der Smalltalk mit Kollegen oder der Kontakt mit Kunden. Auch das Telefonieren kann Probleme bereiten. Im Studium können mündliche Prüfungen oder Vorträge große Hürden darstellen. Da auf dem Arbeitsmarkt wohl in allen Bereichen Kontakt- und Teamfähigkeit genauso viel zählen wie fachliche Eignung, haben Menschen mit AS Probleme, überhaupt eine geeignete Stelle zu finden. Viele sind selbstständig, jedoch können sie sich bei Problemen mit Kunden kaum durchsetzen, etwa wenn ein Kunde nicht bezahlt. In einer Werkstatt für behinderte Menschen indes wären sie völlig unterfordert. Die meisten Menschen mit AS können durch hohe Schauspielkunst nach außen hin eine Fassade aufrecht erhalten, so dass ihre Probleme auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar sind, jedoch bei persönlichem Kontakt durchscheinen, etwa in einem Vorstellungsgespräch. Menschen mit AS gelten nach außen hin zwar als extrem schüchtern, jedoch ist das nicht das eigentliche Problem. Schüchterne Menschen verstehen die sozialen Regeln, trauen sich aber nicht, sie anzuwenden. Menschen mit AS würden sich trauen sie anzuwenden, verstehen sie aber nicht und können sie deshalb nicht anwenden. Die Fähigkeit zur kognitiven Empathie (Einfühlungsvermögen) ist gar nicht oder nur schwach ausgeprägt, jedoch die affektive Empathie (Mitgefühl) gegenüber anderen ist durchaus genauso oder sogar stärker ausgeprägt als bei nicht-autistischen Menschen (Rogers et al. 2006). Menschen mit AS können sich schlecht in andere Menschen hineinversetzen und deren Stimmungen oder Gefühle an äußeren Anzeichen ablesen. Überhaupt können sie nur schwer zwischen den Zeilen lesen und nicht-wörtliche Bedeutungen von Ausdrücken oder Redewendungen verstehen. Sie ecken an, weil sie die für andere Menschen offensichtlichen nonverbalen Signale nicht verstehen. Da es ihnen meist schwer fällt, Gefühle zu benennen und auszudrücken, passiert es oft, dass ihre Mitmenschen dies als mangelndes persönliches Interesse missdeuten. Auch können sie in gefährliche Situationen geraten, da sie äußere Anzeichen, die auf eine bevorstehende Gefahr - etwa durch Gewalttäter - hinweisen, oft nicht richtig deuten können.

Stereotype Verhaltensmuster und Sonderinteressen

Repetitive und stereotype Verhaltensmuster zeigen Menschen mit AS in ihrer Lebensgestaltung und in ihren Interessen. Das Leben von Menschen mit AS ist durch ausgeprägte Routinen bestimmt. Werden sie in diesen gestört, können sie erheblich beeinträchtigt werden. In ihren Interessen sind Menschen mit AS teilweise auf ein Gebiet beschränkt, auf dem sie meist ein enormes Fachwissen haben. Ungewöhnlich ist das Ausmaß, mit dem sie sich ihrem Interessensgebiet widmen; für andere Gebiete als das eigene sind sie meist nur schwer zu begeistern. Da Menschen mit AS meist gut logisch denken können, liegen ihre Interessensgebiete oft im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, aber auch andere Gebiete, z. B. die komplette geisteswissenschaftliche Palette, sind möglich.

Inselbegabung

Die Interessen von Autisten sind meist auf bestimmte Gebiete begrenzt, jedoch besitzen manche von ihnen auf dem Gebiet ihres besonderen Interesses außergewöhnliche Fähigkeiten, zum Beispiel im Kopfrechnen, Zeichnen, in der Musik oder in der Merkfähigkeit. Man spricht dann von einer Inselbegabung, und die, die sie haben, nennt man Savants. 50 Prozent der bekannten Inselbegabten sind Autisten. Sie können sich eventuell nicht alleine anziehen, kennen aber komplette Telefonbücher sowie Lexika auswendig wie zum Beispiel Kim Peek, seit dem Film „Rain Man“ der bekannteste unter den Savants (jedoch kein Autist).

Differentialdiagnose

Autistische Verhaltensweisen können auch bei anderen Syndromen und Krankheiten auftreten. Von diesen muss Autismus abgegrenzt werden.

AD(H)S ist vom Asperger-Syndrom nur schwer zu unterscheiden, wenn die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne begleitende Impulsivität und Hyperaktivität auftritt und zusätzlich durch sie entstandene soziale Defizite vorliegen. Es ist deshalb im konkreten Fall zu untersuchen, ob die Ablenkung von innen heraus (Autismus) oder durch Außenreize (AD(H)S) erfolgt.

Das Angelman-Syndrom, welches, oberflächlich gesehen, dem frühkindlichen Autismus sehr ähnlich sieht, ist eine Veränderung auf dem 15. Chromosom und läßt sich genetisch nachweisen.

Bei der Bindungsstörung ist das Sprachvermögen – anders als beim atypischen und frühkindlichen Autismus – intakt. Eine Abgrenzung zu hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Der Anamnese kommt hier eine wichtige Rolle zu. Neuropsychologische Tests sind eine weitere Grundlage einer klaren Differenzierung. Allerdings ist Autismus keine Bindungsstörung, und autistische Menschen sind nicht in ihrer emotionalen Bindung gestört, auch wenn sie Beziehungen vielleicht untypisch gestalten (Gernsbacher et al., Science 2006).

Von der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine Abgrenzung leicht möglich, denn obwohl bei beiden Erscheinungen Aggressionen und selbstverletzendes Verhalten beobachtet werden können, sind Menschen mit einer BPS in ihrem gesamten Wesen grundverschieden zu Menschen mit Autismus.

Das Fragile-X-Syndrom wird durch einen genetischen Defekt ausgelöst, der mit entsprechenden Analysemethoden eindeutig nachgewiesen und vom Autismus unterschieden werden kann.

Auf den ersten Blick kann auch eine Hörbehinderung (Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit) bei Kindern mit Autismus verwechselt werden, weil das Kind auf laute Geräusche oder Ansprache nicht reagiert und weil sich die Sprachentwicklung verzögert. Ein Hörtest oder Hörscreening (bei Kindern regelmäßig vor der Einschulung durchgeführt) verschafft Klarheit.

Von autistischem Verhalten bei psychischem Hospitalismus, Kindesmisshandlung und Verwahrlosung unterscheidet sich Autismus dadurch, dass er primär, also von Geburt an, auftritt. Die typischen Verhaltensweisen werden bei Autisten nicht durch falsche Erziehung, mangelnde Liebe, Misshandlung oder Verwahrlosung ausgelöst. In jenen Fällen verschwindet das autistische Verhalten bei Besserung der äußeren Umstände wieder, wohingegen Autismus nicht heilbar ist.

Das sog. Irlen-Syndrom ist eine Wahrnehmungsverarbeitungsstörung und eine Überempfindlichkeit gegenüber Umweltreizen (besonders von Gesehenem) im Gehirn. Durch die Störungen der Wahrnehmung und die Überempfindlichkeit kann es zu Schwierigkeiten des Sozialverhaltens kommen, die dem Autismus teilweise ähneln. Durch die Irlen-Brille mit farbig getönten Brillengläsern kann man diese visuellen Schwierigkeiten kompensieren. Die Besserung der Symptome bei Gebrauch der Irlen-Brille differenziert die Störung vom Autismus.

Bei Magersucht (Anorexia nervosa) können rigide Essgewohnheiten und soziale Isolation auftreten, die an hochfunktionalen Autismus oder Asperger-Syndrom erinnern. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal zum Autismus ist, dass bei Magersucht beide Symptome nur zeitlich begrenzt auftreten und nach Behebung der Ursache wieder verschwinden.

Mutismus ist im Gegensatz zu Autismus seelisch bedingt und äußert sich ausschließlich als Sprachstörung und nicht – wie es bei Autismus der Fall ist – als Entwicklungsstörung. Es wird zwischen totalem Mutismus (der Patient spricht trotz funktionell vorhandener Sprechfähigkeit überhaupt nicht) und selektivem bzw. elektivem Mutismus (Spracheinsatz von Personen und Situationen abhängig) unterschieden.

Bei der schizoiden Persönlichkeitsstörung tritt im Gegensatz zu atypischem und frühkindlichem Autismus keine Intelligenzminderung auf. Eine Abgrenzung zu hochfunktionalem Autismus und Asperger-Syndrom kann im Einzelfall schwierig sein. Hierbei ist die Anamnese wichtig, denn der Autismus bzw. das Asperger-Syndrom besteht bereits seit dem Kindesalter.[13] Außerdem verschaffen neuropsychologische Testverfahren Klarheit.

Wesentliches Unterscheidungskriterium zur Schizophrenie ist das Auftreten von Halluzinationen und Wahn, die bei Autismus nicht vorkommen. Im Unterschied zur einfachen Schizophrenie (Schizophrenia simplex) besteht der Autismus bzw. das Asperger-Syndrom bereits seit dem Kindesalter.

Auch Stummheit, Aphasie oder eine sonstige Form von Sprachentwicklungsverzögerung kann bei Kindern auf den ersten Blick autistisches Verhalten vortäuschen, weil die sprachliche Äußerung fehlt. Das normale Sozialverhalten der Personen differenziert die Stummheit allerdings vom Autismus bzw. vom Asperger-Syndrom.

Das Urbach-Wiethe-Syndrom ist eine sehr seltene neurologische Störung, die zu Hautveränderungen, Schleimhautveränderungen (Heiserkeit) und zu Schwierigkeiten bei der Kommunikation und im Sozialverhalten führt. Die Betroffenen haben Probleme, beispielsweise Gesichtsausdrücke anderer Menschen zu interpretieren und Gesprächen zu folgen. Die gleichzeitig auftretenden Haut- und Schleimhautveränderungen differenzieren die Störung vom Autismus. Eine genetische Untersuchung kann Klarheit verschaffen.

Bei Menschen mit Zwangshandlungen (obsessiv-kompulsive Störung) ist die Sozial- und Kommunikationsfähigkeit normal ausgeprägt. Im Gegensatz zu Menschen mit Zwangshandlungen erleben Autisten ihre Routinen nicht als gegen ihren Willen aufgedrängt, sondern sie schaffen ihnen Sicherheit und sie fühlen sich mit ihnen wohl.

Komorbide ("mitkrank") Störungen

Zusammen mit Autismus können verschiedene komorbide Störungen auftreten. Komorbide Störungen können sein:
  • Alexithymie (Gefühlsblindheit) bedeutet die Unfähigkeit, Gefühle hinreichend wahrnehmen und beschreiben zu können.
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung heißen Konzentrationsprobleme, die aufgrund leichter Ablenkbarkeit durch Außenreize entstehen und mit Impulsivität und Hyperaktivität gekoppelt sein können.
  • Chromosomenanomalien sind Fehlbildungen der Chromosomen.
  • Depressionen, Psychosen, Phobien, posttraumatische Belastungsstörungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Schlafstörungen; bleibt die autistische Störung lange Zeit unerkannt und unbehandelt, können sich verschiedenartige zusätzliche Störungen wie ein Fächer ausbreiten. Dies ist auch der Grund, warum eine frühe Diagnose so wichtig ist.
  • Epilepsie, bezeichnet ein Krankheitsbild mit mindestens zwei wiederholt spontan auftretenden Krampfanfällen, die nicht durch eine vorausgehende erkennbare Ursache hervorgerufen wurden.
  • Fragiles-X-Syndrom, eine der häufigsten Ursachen erblicher kognitiver Behinderung. Ursache hierfür ist eine genetische Veränderung auf dem X-Chromosom des Menschen.
  • Irlen-Syndrom; Wahrnehmungsverarbeitungsstörung und Überempfindlichkeit gegenüber Umweltreizen und Seheindrücken können ein Verhalten verursachen, das dem Autismus ähnelt; eine farbig getönte Brille kann hier Abhilfe schaffen
  • Nonverbale Lernstörung, ein neurologisches Syndrom, das durch spezifische Fähigkeiten und Defizite geprägt ist.
  • Prosopagnosie (Gesichtsblindheit); Schwierigkeiten, Gesichter zu erkennen. Manche Menschen mit Autismus nehmen Menschen und Gesichter wie Gegenstände wahr. In jüngsten Untersuchungen wurde festgestellt, dass manche Menschen mit Autismus die visuellen Informationen beim Betrachten von Personen und Gesichtern in einem Teil des Gehirns verarbeiten, der eigentlich für die Wahrnehmung von Objekten zuständig ist. Ihnen fehlt dann die intuitive Fähigkeit, Gesichter im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen und Ereignissen zuzuordnen.
  • Tourette-Syndrom ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die durch das Auftreten von Tics charakterisiert ist.
  • Tuberöse Sklerose, eine genetische Erkrankung, die mit Fehlbildungen und Tumoren des Gehirns, Hautveränderungen und meist gutartigen Tumoren in anderen Organsystemen einher geht und klinisch häufig durch epileptische Anfällen und kognitive Behinderungen gekennzeichnet ist.

Epidemiologie (Lehre von der Häufigkeit (Prävalenz und Inzidenz) und Verteilung von Krankheiten und Gesundheitsstörungen sowie von deren Ursachen u. Risikofaktoren in Bevölkerungsgruppen)

Mehr als ein Prozent der Menschen sind im Autismus-Spektrum: 0,39 % haben frühkindlichen Autismus, 0,77 % eine „Tiefgreifende Entwicklungsstörung“ wie z.B. Asperger-Syndrom, Rett-Syndrom u. a. Damit sind 1,16 % der Menschen im Autismus-Spektrum.[14]

Das Asperger-Syndrom tritt bei deutlich mehr Männern als Frauen auf, wobei die Angaben des Zahlenverhältnisses von 4:1 bis 8:1 schwanken. Das mag daran liegen, dass sich das Asperger-Syndrom bei Frauen durch ihre andere Sozialisation teilweise unauffälliger äußert. Möglicherweise können Frauen durch sozialere Verhaltensmuster, Nachahmung und Schauspielerei, stärkeren Bezug auf Kommunikation und weniger spielende Interaktion die negativen Aspekte besser ausgleichen, durch weniger auffällige Besonderheiten oder Verwerfungen mit Auffälligkeiten weniger in Erscheinung treten oder schlicht eine bessere Langzeitprognose haben, da sie besser in der Lage sind zu lernen, wie man mit anderen Menschen umgeht. Insgesamt ist noch einiges an Forschungs- und Aufklärungsarbeit nötig, um angemessenere Zahlen ermitteln zu können.

Die Zahl der Autismus-Fälle scheint in den vergangenen Jahrzehnten ständig zu steigen. Allerdings gibt es keine Daten über einen tatsächlichen Anstieg der Autismus-Prävalenz


 

Früher nahm man an, dass Umweltgifte oder Impfstoff-Zusätze Autismus auslösen können. Die US-Gesundheitsbehörde FDA betrachtet diese Hypothesen jedoch seit 2006 als widerlegt. Folgende Faktoren spielen bei der Zunahme autistischer Erkrankungen in jüngerer Zeit eine Rolle:
  • Der häufigere Besuch von Kindergärten und die frühere Einschulung der Kinder erhöhen die Chance, dass Autismus entdeckt wird.
  • Eltern beobachten heute aufmerksamer, ob sich ihre Kinder normal entwickeln; früher brachte man ein Kind erst dann zum Arzt, wenn es auffällig spät sprechen lernte.
  • Die Definition von Autismus ist verbreitert worden, so dass mehr verhaltensauffällige Kinder als autistisch gelten.
  • In der Vergangenheit wurde Autismus viel eher unter „kindliche Schizophrenie“ oder ADS eingeordnet.

Folgen und Komplikationen

Autismus beeinträchtigt die Entwicklung der Persönlichkeit, die Berufschancen und Sozialkontakte ganz erheblich.

Der Langzeitverlauf einer Störung aus dem Autismusspektrum hängt von der individuellen Ausprägung des Autismus beim einzelnen Patienten ab. Die Ursache des Autismus kann nicht behandelt werden. Möglich ist lediglich eine unterstützende Behandlung in einzelnen Symptombereichen.

Andererseits sind viele Schwierigkeiten, über die autistische Menschen berichten, durch Anpassungen der Umwelt vermeidbar oder verminderbar. Beispielsweise berichten manche von einem Schmerzempfinden für bestimmte Tonfrequenzen. Solchen Menschen geht es in einem reizarmen Umfeld deutlich besser. Eine autismusgerechte Umwelt zu finden bzw. herzustellen ist deshalb ein wesentliches Ziel.

Kommunikationstraining für Autisten sowie für deren Freunde und Angehörige kann für alle Beteiligten sehr hilfreich sein und wird beispielsweise in Großbritannien von der National Autistic Society angeboten und wissenschaftlich weiterentwickelt. Eine zunehmende Zahl von Schulen, Colleges und Arbeitgebern speziell für autistische Menschen demonstriert den Erfolg, Autisten in autismusgerechten Umfeldern leben zu lassen.

Die autistischen Syndrome gehören nach dem Schwerbehindertenrecht zur Gruppe der psychischen Behinderungen. Nach den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht beträgt der Grad der Behinderung bei der leichten Form (z. B. Typ Asperger, HFA) 50 bis 80, ansonsten 100 %.

Beim frühkindlichen und atypischen Autismus bleibt eine Besserung des Symptombilds meist in engen Grenzen. Etwa 10–15 % der Menschen mit frühkindlichem Autismus erreichen im Erwachsenenalter eine eigenständige Lebensführung. Der Rest benötigt in der Regel eine intensive, lebenslange Betreuung und eine geschützte Unterbringung.

Über den Langzeitverlauf beim Asperger-Syndrom gibt es noch keine Studien. Hans Asperger selbst ging von einem positiven Langzeitverlauf aus (>Literatur<: Asperger 1944, S. 132f.). In der Regel lernen Menschen mit Asperger-Syndrom im Laufe ihrer Entwicklung, ihre Probleme – abhängig vom Grad ihrer intellektuellen Fähigkeiten mehr oder weniger gut – zu kompensieren. Der australische Autismusexperte Tony Attwood vergleicht den Entwicklungsprozess von Menschen mit Asperger-Syndrom mit der Erstellung eines Puzzles. Mit der Zeit bekommen sie die einzelnen Teile des Puzzles zusammen und erkennen das ganze Bild. So können sie das Puzzle (oder Rätsel) des Sozialverhaltens lösen (>Literatur<:  Attwood 2005, S. 224). Schließlich können Menschen mit Asperger-Syndrom einen Status erreichen, in dem ihre Störung im alltäglichen Umgang nicht mehr auffällt.

Es existiert eine Reihe von Büchern über autistische Menschen. Die Psychologen Oliver Sacks und Torey L. Hayden haben Bücher über ihre Patienten mit Autismus und deren Lebensweg veröffentlicht. An Büchern, die von Autisten selbst geschrieben wurden, sind insbesondere die Werke der US-amerikanischen Tierwissenschaftlerin Temple Grandin, der australischen Schriftstellerin und Künstlerin Donna Williams, der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin Liane Holliday Willey und des deutschen Schriftstellers und Filmemachers Axel Brauns bekannt.

Schule, Ausbildung, Beruf

Welche Form der Beschulung für Menschen mit Autismus geeignet ist, hängt von Intelligenz, Sprachentwicklung und Ausprägung des Autismus beim Einzelnen ab. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, können Kinder mit Autismus eine Regelschule besuchen. Andernfalls kann der Besuch einer Förderschule in Betracht gezogen werden.

Hinsichtlich Ausbildung und Beruf muss ebenfalls der individuelle Entwicklungsstand des Einzelnen berücksichtigt werden. Sind Intelligenz und Sprachentwicklung normal ausgeprägt, können ein reguläres Studium oder eine reguläre Berufsausbildung absolviert werden. Andernfalls kann etwa eine Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen in Betracht gezogen werden. In jedem Fall ist es für die Integration und das Selbstwertgefühl autistischer Menschen wichtig, einer Tätigkeit nachgehen zu können, die ihren individuellen Fähigkeiten und Interessen entspricht.

Problematisch kann der Einstieg ins reguläre Berufsleben werden, da viele Autisten die hohen sozialen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt nicht erfüllen können. Verständnisvolle Vorgesetzte und Kollegen sind für Menschen mit Autismus unerlässlich. Wichtig sind außerdem geregelte Arbeitsabläufe und überschaubare Sozialkontakte.

Der berufliche Erfolg autistischer Menschen scheint stark davon abzuhängen, welche speziellen Interessen sie haben und wie sehr diese in einer kapitalorientierten Gesellschaft finanziell verwertbar sind. So wird ein Autist, der sich am liebsten mit faszinierenden Fusseln auf Teppichböden beschäftigt, es schwer haben, einen Job zu finden, während jemand, der Telefonbücher oder Fahrpläne auswendig kennt, zumindest theoretisch bei der Auskunft arbeiten könnte. In der Praxis scheinen Menschen im Autismusspektrum, die sich für Programmierung interessieren, beruflich relativ erfolgreich zu sein.[15][16]

Therapieansätze

Ausgehend vom individuellen Entwicklungsprofil des Patienten wird ein ganzheitlicher Behandlungsplan aufgestellt, in dem die Art der Behandlung einzelner Symptome festgelegt und die einzelnen Behandlungsarten aufeinander abgestimmt werden. Bei Kindern wird das gesamte Umfeld (Eltern, Familien, Kindergarten, Schule) in den Behandlungsplan einbezogen.

Einen Überblick über Anwendungen, Therapien und Interventionen hat die englische National Autistic Society hier (externer Link!) veröffentlicht.

Eine Auswahl von Behandlungsmethoden soll im Folgenden kurz vorgestellt werden. Einen guten Überblick über Behandlungsmethoden bietet >Literatur<:  Poustka 2004, S. 52–61. Weiterführende Informationen enthält >Literatur<:  Weiß 2002.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie ist in der Autismustherapie die am besten wissenschaftlich abgesicherte Therapieform. Ziel ist es, einerseits störende und unangemessene Verhaltensweisen wie übermäßige Stereotypien oder (auto)aggressives Verhalten abzubauen und andererseits soziale und kommunikative Fähigkeiten aufzubauen. Im Prinzip wird dabei so vorgegangen, dass erwünschtes Verhalten durchgängig und erkennbar belohnt wird (positive Verstärkung). Verhaltenstherapien können entweder ganzheitlich oder auf einzelne Symptome ausgerichtet sein.

Die Applied Behavior Analysis (ABA) ist eine ganzheitlich ausgerichtete Therapieform, die in den 1960er Jahren von Ivar Lovaas entwickelt wurde. Diese Therapieform ist auf die Frühförderung ausgerichtet. Zunächst wird anhand einer Systematik festgestellt, welche Fähigkeiten und Funktionen das Kind bereits besitzt und welche nicht. Hierauf aufbauend werden spezielle Programme erstellt, die das Kind befähigen, die fehlenden Funktionen zu erlernen. Die Eltern werden in die Therapie einbezogen. Die Verfahrensweisen von ABA basieren im Wesentlichen auf Methoden des operanten Konditionierens. Hauptbestandteile sind Motivation bei richtigem Verhalten und Löschung bei falschem Verhalten. Lernversuche und -erfolge sowie erwünschtes Verhalten werden möglichst direkt verstärkt, wobei primäre Verstärker (z.B. Nahrungsmittel) und sekundäre Verstärker (z. B. Spielzeug) eingesetzt werden, um erwünschtes Verhalten zu belohnen. In den 1980er Jahren wurde ABA durch Jack Michael, Mark Sundberg und James Partington weiterentwickelt, indem auch die Vermittlung sprachlicher Fähigkeiten (Verbal Behavior) einbezogen wurde. Es gibt zur Zeit in der Bundesrepublik Deutschland nur zwei Institute, die diese Therapie anbieten.

Ein weiteres ganzheitlich orientiertes pädagogisches Förderkonzept ist TEACCH (Treatment and Education of Autistic and related Communication-handicapped Children), das sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene mit Autismus richtet. TEACCH ist darauf ausgerichtet, die Lebensqualität von Menschen mit Autismus zu maximieren und sie anzuleiten, sich im Alltag zurechtzufinden. Zentrale Annahmen des Konzeptes sind, dass Lernprozesse durch Strukturierung und Visualisierung bei Menschen mit autistischen Merkmalen initiiert werden können (Häußler, 2005).

Elterntraining

Eltern autistischer Kinder erleben nachweislich signifikant mehr Stress als Eltern von Kindern mit anderen Krankheiten oder Behinderungen. Eine Reduzierung des Stresses der Eltern zeigt deutliche Besserungen im Verhalten ihrer autistischen Kinder. Es gibt starke Hinweise für einen Zusammenhang zwischen den Stresslevels der Eltern und Verhaltensprobleme ihrer Kinder, unabhängig von der Schwere des Autismus. Verhaltensprobleme der Kinder zeigen sich nicht vor, sondern auch während erhöhten Stresslevels der Eltern: Evaluation of Early Intervention. Die National Autistic Society hat das „NAS EarlyBird“ Programm entwickelt, ein dreimonatiges Trainingsprogramm für Eltern, um sie auf das Thema Autismus effektiv vorzubereiten: NAS EarlyBird.

Relationship Development Intervention (RDI)

Während ABA autistische Kinder zum Befolgen von Teilleistungen - wie etwa Augenkontakt halten - konditioniert, ist RDI ein Programm, das Eltern und Therapeuten Schritt für Schritt und systematisch beibringt, eine funktionierende Beziehung zu autistischen Personen aufzubauen und weiterzuentwickeln. Studien zur Evaluierung von RDI laufen zur Zeit.

Soziales Kompetenztraining

Erwachsene Autisten mit gut ausgeprägten sprachlichen und intellektuellen Fähigkeiten können soziale und kommunikative Fähigkeiten beispielsweise in Patientengruppen trainieren. Bei sozialem Kompetenztraining finden sich Menschen mit vergleichbaren Auffälligkeiten zusammen, um unter fachkundiger Anleitung ihre Sozialkompetenz zu verbessern.

Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie

Die Ergotherapie umfasst handwerkliche, gestalterische sowie spielerische Übungen. Einen elementaren Bereich stellt das Üben lebenspraktischer Tätigkeiten dar. Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten soll dem Patienten eine möglichst große Selbstständigkeit und Handlungsfreiheit im Alltag ermöglichen.

Motorische Defizite kann Physiotherapie abbauen.

Logopädie kann Sprachauffälligkeiten in Lautstärke, Tonlage, Geschwindigkeit und Modulation normalisieren.

Ökologische Nischen finden

In einem ökologischen Weltbild geht es darum, dass sehr unterschiedliche Menschen, die in einem Ökosystem zusammen leben (im Falle des Menschen einem sozio-ökonomischen Ökosystem) passende Nischen finden, in denen sie gut zurechtkommen. Eine autismusgerechte Umwelt zu finden bzw. herzustellen ist daher ein wesentliches Ziel, z. B. durch spezialisierte Schulen. In den USA gibt es Zentren, die bei Bedarf erwachsenen Autisten Arbeitsplätze vermitteln, gegebenenfalls in Kombination mit betreutem Wohnen.[17] Die dänische Zeitarbeitsfirma „Specialisterne“ demonstriert den Erfolg, Autisten in autismusgerechten Umfelder zu vermitteln. Der richtige Arbeitsplatz für Autisten, der besondere Eigenarten der Autisten berücksichtigt, kann schwieriger zu finden, aber oft auch sehr erfüllend sein. Spezialisierte Berufsberatungen für das Autismusspektrum gibt es kaum, da für Autisten in Deutschland die Integrationsämter zuständig sind. Die dänische Firma plant, auch in anderen Ländern etwa in Datenbankführung oder Computerprogrammierung zu vermitteln: Berufsfelder u.a., in denen oft speziell begabte Menschen mit Autismus sogar besser als andere sein können. So lässt sich etwa ein phänomenales Zahlengedächtnis einsetzen - stets ohne geräuschvolles Großraumbüro und mit mäßiger Arbeitszeit usw. Der australische Psychologe Attwood schreibt über die Diagnose von leicht autistischen Erwachsenen, dass diese teilweise gut zurechtkommen, wenn sie etwa einen passenden Arbeitsplatz gefunden haben, aber im Fall von Krisen - etwa durch Arbeitslosigkeit - von ihrem Wissen über Asperger-Syndrom zur Bewältigung von Krisen profitieren[18]. In Schottland gibt es Dörfer in denen autistische Menschen unter sich wohnen.

Medikamentöse Behandlung

Es gibt keine Medikamente gegen den Autismus an sich, und bis heute wurde noch kein einziges Medikament für autistische Menschen zugelassen. Lediglich eine medikamentöse Behandlung der Begleitsymptome des Autismus wie beispielsweise Angst, Depressionen, Aggressivität oder Zwänge mit Medikamenten wie Antidepressiva (etwa SSRI), atypische Neuroleptika oder Benzodiazepine kann eine Komponente im Gesamtbehandlungsplan sein, bedarf jedoch besonderer Vorsicht und aufmerksamer Beobachtung, denn nicht selten verschlimmern sie bei falscher Medikation die Symptome, statt sie zu mildern. Mit besonderer Vorsicht ist bei der Gabe von Stimulanzien, wie sie bei Hyperaktivität (ADHS) verschrieben werden, vorzugehen, da diese bei vorhandenem Autismus und der damit einher gehenden sensorischen Hypersensiblität diese noch verschlimmern können.

Es gibt eine Studie [19], in der das Medikament Risperidon an autistischen Kindern getestet wurde, die Zulassung für Autismus steht allerdings auch hier noch aus.

Zu Beachten gilt: Die Gabe dieser Medikamente an Kinder und Jugendliche kann sich negativ auf deren Entwicklung auswirken. Beachten Sie hierzu auch den medizinischen Hinweis am Ende der Seite.

Ergänzende Maßnahmen

Mögliche ergänzende Methoden sind etwa Musiktherapie, Kunsttherapie, Massagetherapie, Reittherapie oder Delfintherapie. Sie können die Lebensqualität steigern, indem sie positiv auf Stimmung, Ausgeglichenheit und Kontaktfähigkeit einwirken. Das zeigt 2008 etwa ein umfassender wissenschaftsjournalistischer Bericht über zwei eigene autistische Kinder - mit Hund[20].

Verfahren ohne Wirksamkeitsnachweis

Weitere bekannte Maßnahmen sind Festhaltetherapie, Gestützte Kommunikation und Daily-Life-Therapie. Diese Maßnahmen „sind im Kontext der Behandlung des Autismus entweder äußerst umstritten und unglaubwürdig oder deren Annahmen und Versprechungen wurden durch wissenschaftliche Untersuchungen im Wesentlichen widerlegt“. (>Literatur<:  Poustka 2004, S. 59)

  • Die Festhaltetherapie wurde 1984 von der US-amerikanischen Kinderpsychologin Martha Welch entwickelt und von Jirina Prekop im deutschen Sprachraum verbreitet. Ansatzpunkt bei dieser Therapie ist die nicht dem aktuellen Stand der Autismusforschung entsprechende Annahme, dass der Autismus eine emotionale Störung sei, die durch negative Einflüsse in der frühsten Kindheit hervorgerufen werde. Das betroffene Kind habe kein Urvertrauen aufbauen können. Bei der sehr umstrittenen Festhaltetherapie [21] soll durch Festhalten des Kindes der Widerstand gegen Nähe und Körperkontakt gebrochen und so das Urvertrauen nachträglich entwickelt werden. Bedenklich bei der Festhaltetherapie „ist nicht nur die manchmal äußerst dramatisch und fast gewalttätig anmutende Vorgehensweise, sondern auch die dem Konzept mehr oder weniger zugrundeliegende These, dass das frühe Urvertrauen vom Kind nicht erworben werden konnte. Dies wird häufig von Eltern im Sinne einer persönlichen Schuld am Sosein ihres autistischen Kindes interpretiert“ (>Literatur<: Remschmidt 2002, S. 80).
  • Bei der Methode Gestützte Kommunikation benutzt die Person mit Autismus (gestützte Person) mit körperlicher Hilfestellung durch eine assistierende Person (Stützer) eine Kommunikationshilfe (Buchstabentafel, Kommunikationstafel, Computertastatur u.ä.). Durch diese gemeinsame Bedienung entsteht ein Text, dessen Autorschaft der gestützten Person zugeschrieben wird. Die Stützer werden in Seminaren in die Gestützte Kommunikation eingeführt. Kritik an der Methode entzündet sich u.a. daran, dass in Blindversuchen nachgewiesen werden konnte, dass der Stützer den Schreiber unbewusst und unbeabsichtigt beeinflusste, so dass der Stützer und nicht die gestützte Person Urheber des Textes ist.
  • Die Daily-Life-Therapie wurde erstmals 1964 in Japan angewandt. Dabei wird von der Grundhypothese ausgegangen, dass ein hohes Angstlevel bei Menschen mit Autismus durch körperliche Anstrengung beseitigt werden kann. Körperliche Anstrengung führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Endorphinen, die schmerzlindernd oder schmerzunterdrückend (analgetisch) wirken.

Des Weiteren gibt es verschiedene „biologisch begründete“ Therapiemethoden, etwa die Behandlung mit dem Darmhormon Sekretin, mit hohen Dosen von Vitaminen und Mineralien oder mit besonderen Diäten. Auch hier fehlen bisher Wirksamkeitsnachweise, so dass von diesen Maßnahmen abgeraten wird (>Literatur<:  Poustka 2004, S. 59)

Mögliche Ursachen von Autismus

Man geht heute davon aus, dass Autismus genetische Ursachen hat. Die noch bis in die 1960er Jahre vertretene These, Autismus entstehe aufgrund der emotionalen Kälte der Mutter (ehemaliger Terminus der sogenannten „Kühlschrankmutter“), durch lieblose Erziehung, mangelnde Zuwendung oder psychische Traumata, gilt heute als widerlegt.

Genetische Faktoren

Bei Familienstudien wurde festgestellt, dass es eine familiäre Häufung von Autismus gibt. Genetische Faktoren sind daher als Ursache für Autismus sehr wahrscheinlich. Zwillingsuntersuchungen aus Europa und den USA zeigen, dass ein eineiiges autistisches Zwillingskind mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit (zirka 95,7%) einen autistischen Zwilling hat, als ein zweieiiges Zwillingskind. Daraus ließe sich zunächst folgern, dass die Ursache hierfür genetisch zu suchen ist. Da aber nicht alle eineiigen autistischen Zwillingskinder einen autistischen Zwilling haben, lässt sich keine allgemeingültige Erklärung auf genetischer Basis finden. Aber nach den bisherigen Erkenntnissen aus diesen Familien- und Zwillingsuntersuchungen wird davon ausgegangen, dass die Entstehung der Erkrankung durch eine Kombination verschiedener spezifischer Gene (sicher mehr als zwei) bedingt ist, die wahrscheinlich insbesondere während der Gehirnentwicklung aktiv sind.

Eine neue Studie legt einen Zusammenhang zwischen dem Alter des Vaters und dem Autismusrisiko des Kindes nahe. Demnach komme Autismus bei Kindern von Vätern über 40 Jahren fast sechsmal häufiger vor, als bei Kindern von Vätern unter 30.[22]

In der Evolutionsbiologie wird die Möglichkeit erforscht, dass Autismus einen Teil biologischer Vielfalt darstellt, und welche Mutationen in der Entwicklungsgeschichte des Menschen dazu geführt hätten.

Hirnschädigungen

Verschiedene Studien haben ergeben, dass manche Menschen mit Autismus morphologisch oder funktionell normabweichende Gehirne haben. Jedoch sind hier die Befunde uneinheitlich und es ist auch nicht klar, ob die Hirnschäden Autismus verursachen, ob der Autismus zu Hirnveränderungen führt, oder ob die Hirnschäden lediglich ein Korrelat des Ereignisses sind, durch das der Autismus verursacht wurde. Festgestellt wurden insbesondere eine Funktionsstörung der linken Gehirnhälfte, abnorme Veränderungen des Stammhirns in Kombination mit Aufmerksamkeitsdefizit sowie Störungen in der sensorischen Reizverarbeitung. Jedoch besteht in diesem Bereich noch weiterer Forschungsbedarf.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass die Spiegelneuronen bei Menschen mit Autismus nicht hinreichend funktionstüchtig sind.

Anderseits gibt es Studien, die kognitive Stärken autistischer Menschen belegen, und daher die Frage aufwerfen, ob mehr von einer unterschiedlichen anstatt einer defekten Wahrnehmung zu sprechen sei. So hätten Autisten nicht etwa eine niedrigere, sondern stattdessen eine andere Intelligenz als nicht als autistisch diagnostizierte Menschen,[23] und zeigen eine Reihe von kognitiven Stärken gegenüber nichtautistischen Personen.[24]

Biochemische Besonderheiten

Bei Untersuchungen von Menschen mit Autismus wurden Besonderheiten im biochemischen Bereich festgestellt. Teilweise weisen sie einen erhöhten Dopamin-, Adrenalin-, Noradrenalin- und Serotoninspiegel auf. Jedoch sind die Befunde in diesem Bereich uneinheitlich und lassen keine allgemeingültigen Schlüsse zu. Es gibt Berichte, nach denen eine kasein- und glutenfreie Diät, auch bekannt als Gfcf-Ernährung, zu einer Besserung der Symptome beigetragen habe.

Begleitet durch Bernard Rimland, PhD, (beriet Dustin Hoffman für den Film Rain Man) hat man in Kalifornien Stoffwechselabweichungen bei autistischen Kindern durch die Gabe von Coenzymen entgegengewirkt. Man nimmt an, dass eine genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle für die Manifestation des Autismus spielt. Hinzu kommen extreme Stresssituationen (z.B. Geburtsstress), die dann quasi als auslösendes Moment angesehen werden. Bei auffällig vielen Autisten konnten Störungen im Stoffwechsel nachgewiesen werden, die durch Coenzyme beeinflusst werden konnten. In Zusammenarbeit mit einem Gastroenterologen (Andrew Wakefield, MD) kam man auf die Idee, eine spezielle Diät (für jeden individuell) aufzustellen, die meist auf eine kasein- und glutenfreie Ernährung hinausläuft. Eine mögliche Erklärung für autistische Wesensveränderungen ist ein durchlässiger Darm (Darmpermeabilität). Hier spielt der Hinweis auf Zöliakie eine Rolle; weil der Darm durchlässig ist, kommen (zu große) Moleküle in einer chemischen Zusammensetzung ins Blut, wie es normal nicht üblich ist. In der weiteren Verstoffwechselung kommt es zu überschießenden Reaktionen des Stoffwechsels, ähnlich wie bei Allergien. Nebenprodukte hiervon sind Kaseomorphine und Peptide, die über das Blut ins Gehirn gelangen und dort eine ähnliche Wirkung zeigen wie Drogen.

Gefühlsblindheit (Mindblindness Theory)

Leo Kanner selbst ging davon aus, dass Kinder mit Autismus Defizite im affektiven Kontakt aufweisen, dass also ihre Fähigkeit, anhand der Körpersprache anderer Menschen deren Gefühle zu erkennen, eingeschränkt ist. Dies wird auf kognitive Defizite (Gefühlsblindheit, engl. mindblindness) zurückgeführt. Menschen mit Autismus haben Schwierigkeiten zu verstehen, dass Menschen unterschiedliche Empfindungen haben. Außerdem wurde festgestellt, dass Autisten (im Gegensatz zu neurologisch typischen Menschen) Objekte und Menschen in der gleichen Gehirnregion wahrnehmen.

Empathising-Systemising Theory (E-S)

Der britische Autismusforscher Simon Baron-Cohen vermutet, dass Autisten, verursacht durch einen hohen Testosteronspiegel im Mutterleib, ein extrem ausgeprägtes männliches Gehirn haben. In einer Studie mit 58 schwangeren Frauen zeichneten sich Kinder, die im Mutterleib einem erhöhten Testosteronspiegel ausgesetzt waren, gegenüber normalen Kindern durch einen kleineren, aber qualitativ höheren Wortschatz und selteneren Blickkontakt aus. Im Alter von vier Jahren waren diese Kinder sozial weniger entwickelt.

Daraufhin entwickelte Baron-Cohen die Empathising-Systemising Theory (E-S), die besagt, dass sich das Gehirn von Kindern, die im Mutterleib einem erhöhten Testosteronspiegel ausgesetzt sind, in Richtung einer verbesserten Fähigkeit, Muster zu sehen und Systeme zu analysieren entwickle, dafür jedoch Defizite aufweist wenn es um die Empathie-Fähigkeit gehe.

Diese Theorie wird auch Extreme Male Brain Theory genannt, da diese einseitigen Fähigkeiten üblicherweise männlichen Gehirnen zugeschrieben werden. Baron-Cohen argumentiert, Autismus sei mit mathematischem Talent verbunden.[25]

Underconnectivity Theory

Die Underconnectivity Theory sieht die Ursache von Autismus in einem Mangel in der Koordination unter den verschiedenen Gehirnbereichen. In fMRI-Aufnahmen wurde festgestellt, dass bei Autisten Verbindungen zwischen Gehirnregionen fehlen. Diese Theorie erklärt, warum bei Autisten die Intelligenz ungleichmäßig ausgeprägt ist.

Monotropismus-Hypothese

Die Monotropismus-Hypothese beschreibt den Aufmerksamkeitstunnel als die zentrale Ursache der kognitiven Stärken und Schwächen autistischer Menschen. Die Autoren argumentieren, dass das 3. Diagnosekriterium für Autismus (repetitive Bewegungen, enge Bandbreite von Interessen) im DSM-IV und ICD-10 die Kernsymptomatik des Autismus darstellen würde, und Schwierigkeiten in der Kommunikation (1. und 2. Diagnosekriterium) als Folge des 3. Diagnosekriteriums erklärt werden können.

Demnach können autistische Menschen sich tendenziell stark auf ein Interesse oder einen Reiz konzentrieren, sind aber tendenziell schlecht im Multitasking, wie es für das Verständnis sich potenziell schnell ändernder sozialer Situation erforderlich ist. Aufmerksamkeitstunnel seien der Grund, warum Menschen nicht aus Erfahrungen lernen und generalisieren könnten, aber auch dafür, dass sie etwas so intensiv betrachten könnten, dass sie nicht hörten, wenn man sie anspreche. Diese Hypothese von Dinah Murray, Mike Lesser und Wendy Lawson wurde im Mai 2005 von der britischen Autismus-Organisation National Autistic Society in dem Journal Autism veröffentlicht.[26] Wendy Lawson schreibt in ihren Büchern über „Monotropismus“, Donna Williams über „mono-track“ und „mono-processing“ (die Nutzung von nur einem Sinneskanal gleichzeitig). Diese Hypothese wurde von Menschen im Autismusspektrum entwickelt. Die Monotropismus-Hypothese ist ein nicht-medizinisches Modell und betrachtet mit Autismus diagnostizierte Menschen als Extreme normaler biologischer Vielfalt.

Schäden durch falsche Impfung/Impfstoffe

Es taucht immer wieder das Gerücht auf, Autismus könne durch Impfungen etwa gegen Mumps, Masern oder Röteln verursacht werden, wobei eine im Impfstoff enthaltene organische Quecksilberverbindung, das Konservierungsmittel Thiomersal (engl.: Thimerosal), als auslösende Substanz verdächtigt wird. Derlei Berichte entbehren jedoch „jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, z.B. unterscheidet sich die Häufigkeit von Autismus nicht bei geimpften und ungeimpften Kindern.“ (>Literatur<:  Poustka 2004, S. 60). Durch verschiedene Studien ist der Zusammenhang zwischen Thiomersal-enthaltenden Impfstoffen und Autismus mittlerweile widerlegt.[27], [28], [29], [30], [31], [32] Ungeachtet dessen ist heute in der Regel in Impfstoffen kein Thiomersal mehr enthalten.[33] Eine Abnahme der Anzahl der Neuerkrankungen war erwartungsgemäß in Folge nicht zu beobachten - eine weitere Schwächung der „Autismus durch Impfung“-Hypothese.[34]

Die Annahmen, dass Autismus eine Folge von Impfschäden sein soll, ging auf eine Veröffentlichung von Andrew Wakefield in der Fachzeitschrift The Lancet 1998 zurück.[35] Die Veröffentlichung wurde 2004 von den Herausgebern des Journals zurückgezogen, als bekannt wurde, dass Wakefield die Studie gefälscht hatte und dafür Geld (55.000 Britische Pfund) von Anwälten einiger Selbsthilfegruppen erhalten hatte, die für Schadensersatzklagen eine solche Veröffentlichung benötigten. Die juristische Aufarbeitung läuft gegenwärtig (>Literatur<:  Spiegel-online 7. Juli 2006).

Die amerikanische Food and Drug Administration hat im September 2006 einen Zusammenhang zwischen Autismus und Impfstoffen als unbegründet abgewiesen.[36]

Auties und Aspies

Die Ausprägungen von Autismus umfassen ein breites Spektrum. Verständlich ist, dass sich manche Menschen mit einer hohen Ausprägung des Autismus eine Heilung wünschen (nicht alle von ihnen tun dies). Viele Erwachsene mit leichter Ausprägung des Autismus haben gelernt, mit ihren autistischen Eigenarten zurechtzukommen. Sie wünschen sich vielfach keine Heilung ihres Autismus, sondern die Akzeptanz durch ihre Mitmenschen. Auch sehen sie Autismus nicht als etwas von ihnen Getrenntes, sondern als integralen Bestandteil ihrer Persönlichkeit.

Die australische Künstlerin und Kanner-Autistin Donna Williams hat in diesem Zusammenhang den Begriff Auties eingeführt, der sich entweder speziell auf Menschen mit Kanner-Autismus oder allgemein auf alle Menschen mit einer Autismusspektrumstörung bezieht. Von der US-amerikanischen Erziehungswissenschaftlerin und Asperger-Autistin Liane Holliday Willey stammt die Bezeichnung Aspies für Menschen mit Asperger-Syndrom. Die Psychologen Tony Attwood und Carol Gray richten in ihrem Essay Die Entdeckung von „Aspie”[2] den Blick auf positive Eigenschaften von Menschen mit Asperger-Syndrom. Die Begriffe Auties und Aspies wurden von vielen Selbsthilfeorganisationen von Menschen im Autismusspektrum übernommen.

Um dem Wunsch vieler Autisten nach Akzeptanz durch ihre Mitmenschen Ausdruck zu verleihen, feiern sie seit 2005 jährlich am 18. Juni den Autistic Pride Day.

Wissenschaftliche Erforschung autistischer Stärken

Einige Wissenschaftler kritisieren, dass in der Autismusforschung positive Forschungsergebnisse über Autismus oft ignoriert werden.

So erforscht die Autistin Michelle Dawson die Natur autistischer Intelligenz.[37]

Morton Gernsbacher (Mutter eines autistischen Kindes und Präsidentin der amerikanischen Psychologischen Vereinigung) schreibt regelmäßig über voreingenommene negative Autismusforschung und setzt sich für das Autism Acceptance Project ein.[38] [39]

Dinah Murray hat auf der Autism2006 AWARES Conference einen Artikel über die problematische Definition von Autismus über Dysfunktionen geschrieben, schreibt über deren Ursachen und macht auf positive Forschungsergebnisse über Autismus aufmerksam.[40]

Enhanced Perceptual Functioning (EPF)

Das EPF-Framework ist ein Modell mit dem kognitive Unterschiede zwischen mehr und weniger autistisch genannten Personen erforscht werden. EPF begründet die unterschiedliche soziale und nicht-soziale Wahrnehmung autistischer Menschen mit einer überfunktionierenden Wahrnehmung, und untersucht Prinzipien autistischer Wahrnehmung. [41] [42]

Die acht Prinzipien autistischer Wahrnehmung nach dem EPF Framework:

  1. lokal orientierte visuelle Wahrnehmung
  2. lokal orientierte auditive Wahrnehmung
  3. erweiterte niedrigschwellige Diskrimination
  4. Nutzung eines stärker hinteren Netzwerkes für komplexe visuelle Aufgaben
  5. erweiterte Wahrnehmung statischer Stimuli ersten Grades
  6. verminderte Wahrnehmung komplexer Bewegungen
  7. Autonomie niedrigschwelliger Informationsverarbeitung zu Operationen höherer Ordnung
  8. Differenzierte Beziehung zwischen Wahrnehmung und allgemeiner Intelligenz

Evolutionsbiologische Autismusmodelle

Es gibt eine Reihe von Forschungsrichtungen in der Evolutionsbiologie. Zum Beispiel argumentieren Kanazawa und Vandermassen, dass Baron-Cohens „extreme male brain“ eine vererbbare Persönlichkeitsform sei. [43] Die „monotropism-hypothesis“ postuliert, dass menschliche Variabilität für die Evolution essentiell ist und etwas Wünschenswertes darstellt.[44] Badcock und Bernard wiederum haben ihre Theorie der „imprinted brain hypothesis „ veröffentlicht, die einen problematischen Verlauf der Gen-Expression als Ursache für den Verlauf von Autisms beschreibt. [45]

Literatur

Internationale Autismus-spezifische Datenbanken

Fachliches

  • Hans Asperger: „Das psychisch abnorme Kind“. In: Wiener Klinische Wochenzeitschrift. Jg. 51, 1938, ISSN 0043-5325, S. 1314-1317.
  • Hans Asperger: „Die 'Autistischen Psychopathen' im Kindesalter“. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. Bd. 117, 1944, S. 73–136 (online verfügbar von neudiversity.com).
  • Tony Attwood: Asperger-Syndrom. Wie Sie und Ihr Kind alle Chancen nutzen. Das erfolgreiche Praxis-Handbuch für Eltern und Therapeuten. 2. Aufl. TRIAS, Stuttgart 2005, ISBN 3-8304-3219-4.
  • Tony Attwood: Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom. Alle Fragen - alle Antworten. TRIAS, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-3392-7.
  • Sebastian Dern und Nicole Schuster: Unterschätzte Außenseiter. In: Gehirn und Geist 7-8/2007, 50-54.
  • Valerie L. Gaus: Cognitive-Behavioral Therapy for Adult Asperger Syndrome (Guides to Individual Evidence Base Treatmnt), 2007, ISBN 1-59385-497-8 (Für Therapeuten geschrieben, aber allgemeinverständlich)
  • Uta Frith: Autismus. Ein kognitionspsychologisches Puzzle. Spektrum, Heidelberg u.a. 1992, ISBN 3-86025-058-2.
  • Eric Fombonne u.a.: „Pervasive Developmental Disorders in Montreal, Quebec, Canada: Prevalence and Links With Immunizations“. In: Pediatrics. Vol. 118, Nr. 1, S. e139-e150 (Widerlegung eines Impfschadens, online verfügbar von pediatrics.aappublications).
  • Christine M. Freitag: „Genetik autistischer Störungen“. In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Vol. 36, Nr. 1, 2008, S. 7-15. doi:10.1024/1422-4917.36.1.7. PMID 18476599.
  • Ole Sylvester Jørgensen: Asperger. Syndrom zwischen Autismus und Normalität. Diagnostik und Heilungschancen. Beltz, Weinheim und Basel 2002, ISBN 3-407-22112-6.
  • Leo Kanner: „Autistic Disturbances of Affective Contact“. In: The Nervous Child, Vol. 2, 1943, S. 217–250 (online verfügbar von neurodiversity.com).
  • Joan Matthews und James Williams: Ich bin besonders! Autismus und Asperger. Das Selbsthilfebuch für Kinder und ihre Eltern. Trias, Stuttgart 2001, ISBN 3-89373-668-9.
  • Dinah Murray: „Kultur und Ignoranz“. Online-Artikel bei Autismus-Kultur. 24. Oktober 2006.
  • Fritz Poustka u.a.: Ratgeber autistische Störungen. Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher. Hogrefe, Göttingen u.a. 2004, ISBN 3-8017-1633-3.
  • Fritz Poustka u.a.: Autistische Störungen. Hogrefe, Göttingen u.a., 2004, ISBN 3-8017-1632-5 (Reihe: Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie, Bd. 5).
  • Christine Preißmann: Psychotherapie bei Menschen mit Asperger-Syndrom. Konzepte für eine erfolgreiche Behandlung aus Betroffenen- und Therapeutensicht. Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 3-17-019745-2.
  • Regionalverband Mittelfranken Hilfe für das autistische Kind (Hrsg.): Asperger-Autisten verstehen lernen. Eine Handreichung (nicht nur) für Pädagoginnen und Pädagogen…mit praxiserprobten Lösungsansätzen. Emskirchen 2004 (online verfügbar als pdf-Datei von www.autismus-mfr.de).
  • Helmut Remschmidt: Autismus. Erscheinungsformen, Ursachen, Hilfen. 2., aktualis. Aufl. Beck, München 2002, ISBN 3-406-44747-3.
  • Brita Schirmer: Autismus in Berlin. Ein Handbuch und Ratgeber. Weidler, Berlin 2002, ISBN 3-89693-201-2 (=Reihe: Autismus, Bd. 5).
  • Brita Schirmer: Elternleitfaden Autismus. Wie Ihr Kind die Welt erlebt. Mit gezielten Therapien wirksam fördern. Schwierige Alltagssituationen meistern. Trias, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8304-3331-6.
  • Daniel Tibi: Wie macht sich das Asperger-Syndrom bemerkbar? Eine Kurzinformation. Edition Aspergia, Kiel 2005.
  • Siegfried Walter: Autismus. Erscheinungsbild, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Persen, Horneburg 2001, ISBN 3-89358-809-4.
  • Michaela Weiß: Autismus. Therapien im Vergleich. Ein Handbuch für Therapeuten und Eltern. Ed. Marhold, Berlin 2002, ISBN 3-89166-997-6.
  • Ingrid Wickelgren: „Autistic Brains Out of Synch?“ In: Science. Bd. 308, 24. Juni 2005, ISSN 0036-8075, S. 1856–1858 (Übersicht über den Stand der neurologischen Forschung).
  • Lorna Wing: „Asperger's syndrome. A clinical account“. In: Psychological Medicine. Vol. 11, 1981, ISSN 0033-2917, S. 115–129 (Abstract online verfügbar).
  • David Kirby: Evidence Of Harm, Mercury in Vaccines And The Autism Epidemic: A Medical Controversy, St. Martin's Press, New York, 2005, ISBN 0-312-32644-0, ([3]).

Erfahrungsberichte

  • Axel Brauns: Buntschatten und Fledermäuse. Leben in einer anderen Welt. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002, ISBN 3-455-09353-1.
  • Nuala Gardner: Ein Freund namens Henry. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen meinem autistischen Sohn und seinem Hund. Lübbe, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 978-3-7857-2333-3.
  • Gunilla Gerland: Ein richtiger Mensch sein. Autismus, das Leben von der anderen Seite. Verl. Freies Geistesleben, Stuttgart 1998, ISBN 3-7725-1667-X.
  • Temple Grandin: Durch die gläserne Tür. Lebensbericht einer Autistin. Dt. Taschenbuch-Verlag, München 1994, ISBN 3-423-30393-X.
  • Temple Grandin: Ich bin die Anthropologin auf dem Mars. Mein Leben als Autistin. Droemer Knaur, München 1997, ISBN 3-426-77288-4.
  • Temple Grandin und Catherine Johnson: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier. Wie ich als Autistin Menschen und Tiere einander näher bringen kann. Ullstein, Berlin 2005, ISBN 3-550-07622-3
  • Elisabeth Hughes: Asperger-Syndrom. Fluch oder Chance. Autorenpower Verlag, Ludwigshafen, 2007, ISBN 978-3-86743-179-8.
  • Tito R. Mukhopadhyay: Der Tag, an dem ich meine Stimme fand. Ein autistischer Junge erzählt. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-61933-4.
  • Jasmine Lee O’Neill: Autismus von innen. Nachrichten aus einer verborgenen Welt. Huber, Bern u.a. 2001, ISBN 3-456-83536-1.
  • Christine Preißmann: …und dass jeden Tag Weihnachten wär'. Wünsche und Gedanken einer jungen Frau mit Asperger-Syndrom. Weidler, Berlin 2005, ISBN 3-89693-446-5 (=Reihe: Autismus, Bd. 14).
  • Katja Rohde: Ich Igelkind. Botschaften aus einer autistischen Welt. 2. Aufl. Nymphenburger, München 1999, ISBN 3-485-00826-5.
  • Nicole Schuster: Ein guter Tag ist ein Tag mit Wirsing. (M)ein Leben in Extremen. Das Asperger-Syndrom aus der Sicht einer Betroffenen. Weidler, Berlin 2007, ISBN 978-3-89693-483-3 (=Reihe: Autismus, Bd. 17).
  • Birger Sellin: Ich Deserteur einer artigen Autistenrasse. Neue Botschaften an das Volk der Oberwelt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02457-4.
  • Birger Sellin: Ich will kein Inmich mehr sein. Botschaften aus einem Autistischen Kerker. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1995, ISBN 3-462-02463-9.
  • Patricia Stacey: Der Junge, der die Fenster liebte. Die Rettung eines autistischen Kindes. Beltz, Weinheim und Basel 2004, ISBN 3-407-85795-0.
  • Franz Uebelacker: Ich lasse mich durch wilde Fantasien tragen. Ein Leben mit gestützter Kommunikation (FC). 3., erw. Aufl. Frieling, Berlin 1998, ISBN 3-8280-0503-9.
  • Liane Holliday Willey: Ich bin Autistin – aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom. Herder, Freiburg im Breisgau u.a. 2003, ISBN 3-451-05300-4.
  • Donna Williams: Ich könnte verschwinden, wenn du mich berührst. Erinnerungen an eine autistische Kindheit. Hoffmann und Campe, Hamburg 1992, ISBN 3-455-08440-0.
  • Donna Williams: Wenn du mich liebst, bleibst du mir fern. Eine Autistin überwindet ihre Angst vor anderen Menschen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1994, ISBN 3-455-08601-2.
  • Catherine Maurice: Ich würde euch so gerne verstehen. Bastei Lübbe, ISBN 3-404-61326-0

Kinder- und Jugendliteratur

  • Dirk Bracke: Ich bin nicht aus Stein. Rex-Verlag, Luzern 1998, ISBN 3-7252-0678-3.
  • Betsy Byars: Summer of the Swans, Puffin Books, 2005, ISBN 0-14-240441-1 (Jugendroman über ein Mädchen, das mit einem autistischen jüngeren Bruder aufwächst; Newbery Medal-Buch) (engl.)
  • Gennifer Choldenko: Al Capone Does My Shirts, Puffin, 2004, ISBN 0-14-240370-9 (Kinderroman über einen Jungen, der mit einer autistischen Schwester aufwächst) (engl.)
  • Mark Haddon: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone. Blessing, München 2003, ISBN 3-89667-228-2 (deutsche Fassung von The Curious Incident of the Dog in the Night-Time. Doubledy, New York, ISBN 0-385-50945-6).
  • Kolet Janssen: Mein Bruder ist ein Orkan. Anrich, Weinheim 1997, ISBN 3-89106-304-0.
  • Laurie Lears und Karen Ritz: Unterwegs mit Jan. Leben mit einem autistischen Bruder. KiK-Verlag, Berg am Irchel 2000, ISBN 3-906581-37-3.
  • Cynthia Lord: Rules, Scholastic, 2008, ISBN 0-439-44383-0 (Kinderroman über ein Mädchen, das mit einem autistischen Bruder aufwächst) (engl.)
  • Celia Rees: Das goldene Labyrinth. Hanser, München und Wien 2002, ISBN 3-423-62158-3 (deutsche Fassung von Truth or dare. Macmillian Children's Books, London 2000, ISBN 0-330-36875-3).
  • Beth Goobie: Ausgelost. Mobbing in der High School. S. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-80531-7 (eigentlich ein Buch über Mobbing, in dem aber auch anschaulich der Autismus erklärt wird).

Film und TV

Dokumentationen

  • Pascale Gmür, Otmar Schmid: Meine Denksprache. Menschen, die nicht reden können, finden Worte. Dokumentarfilm zur gestützten Kommunikation. 2005. 57 Minuten. www.fc-zentrum.ch
  • Expedition ins Gehirn; (DVD, deutsch/englisch, ca. 156 Minuten) 3-teilige Wissenschafts-Dokumentation über Savants und Autisten mit Savant-Fähigkeiten; Beschreibung. ARTE und Radio Bremen. TR-Verlagsunion, 2006, ISBN 3-8058-3772-0
  • WDR Quarks&Co: „Autismus – wenn Denken einsam macht“; Sendetermin: 25. April 2006, 21:00 Uhr; Begleitinformationen
  • 37° Meine Welt hat tausend Rätsel - Leben und Denken hochbegabter Autisten (Erstsendung: ZDF, 24. Juli 2007), Begleitinformationen

Kinofilme

Im Folgenden eine Liste von Filmen, die Autismus als zentrales Thema behandeln.

Einzelnachweise

  1. Library of Parliament (Canada), Final Report on: The Enquiry on the Funding for the Treatment of Autism (2007): A. Definition of Autism
  2. a b Carol Gray und Tony Attwood: Die Entdeckung von „Aspie”, 1999.
  3. Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse. GW XIII, S.73f
  4. Uta Frith: Autismus. Ein kognitionspsychologisches Puzzle. Spektrum, Heidelberg u.a. 1992. ISBN 3-86025-058-2; S. 49–51
  5. Autism Abstract
  6. Archived Papers - Comparison and Differentiation of Aspergers Syndrome with other Disorders von Tony Attwood
  7. Asperger’s Syndrome and High Functioning Autism: Shared Deficits or Different Disorders? von C. Gillberg (PDF)
  8. Rogers K. et al., Who Cares? Revisiting Empathy in Asperger Syndrome., Journal of Autism Dev Disord. 2006 Aug 12, PubMed
  9. Gernsbacher et al., Autism and Deficits in Attachment Behavior, Science 25 February 2005: 1201-1203, PubMed
  10. Pehlivanturk B. et al., Attachment in autistic children, Turk Psikiyatri Derg. 2004 Spring;15(1):56-63, PubMed
  11. behindertenecke.de: Autismus
  12. Yoga for Children with Autism Spectrum Disorders
  13. psychosoziale-gesundheit.net: Schizoide Persönlichkeitsstörung
  14. Lancet 2006; 368, S.210-215, aerzteblatt.de
  15. Die Geek-Autismus-Connection
  16. Autismus und Computer
  17. Autismus. Einstieg ins Leben, stern.de, 24. September 2006
  18. Dinah Murray u.a.: Coming Out Asperger. Diagnosis, Disclosure an Self-Confidence. Jessica Kingsley Publishers, London u. Philadelphia, 2006. ISBN 1-84310-240-4; S. 32–52
  19. Studie zu Risperidon
  20. http://www.salzburger-fenster.at/crubrik/buchtipps/3008/ein-freund-namens-henry_10055.html Umfassender wissenschaftsjournalistischer Bericht über zwei eigene autistische Kinder mit Hund 9/2008
  21. Georg Feuser über die Festhaltetherapie
  22. Archives of General Psychiatry 2006; 63: 1026-1032, aerzteblatt.de
  23. Dawson, M., Mottron, L., Jelenic, P., Soulières, I. (2005, May). Superior performance of autistics on RPM and PPVT relative to Wechsler scales provides evidence for the nature of autistic intelligence. Poster presented at the International Meeting for Autism Research, Boston, MA.
  24. Mottron L. et al., Enhanced perceptual functioning in autism: an update, and eight principles of autistic perception., J Autism Dev Disord. 2006 Jan;36(1):27-43
  25. Mathematical talent is linked to autism
  26. Hypothese von Dinah Murray, Mike Lesser und Wendy Lawson (PDF), die deutsche Übersetzung findet sich hier
  27. Verstraeten T et al.: Safety of thimerosal-containing vaccines: a two-phased study of computerized health maintenance organization databases. Pediatrics. 112(5), 2003, S. 1039-1048 PMID 14595043 (PDF, 120 kB)
  28. Hviid A et al.: Association between thimerosal-containing vaccine and autism. JAMA. 290(13), 2003, S. 1763-1766 PMID 14519711 (PDF, 81 kB)
  29. Miller E: Measles-mumps-rubella vaccine and the development of autism. Semin Pediatr Infect Dis. 14(3), 2003, S. 199-206 PMID 12913832
  30. Fombonne E et al.: Pervasive developmental disorders in Montreal, Quebec, Canada: prevalence and links with immunizations. Pediatrics. 118(1), 2006, S. e139-50 PMID 16818529 (PDF, 584 kB)
  31. Shevell M et Fombonne E: Autism and MMR vaccination or thimerosal exposure: an urban legend?. Can J Neurol Sci. 33(4), 2006, S. 339-40 PMID 17168157
  32. DeStefano F: Vaccines and autism: evidence does not support a causal association. Clin Pharmacol Ther. 82(6), 2007, S. 756-759 PMID 17928818
  33. K. Weisser, K. Bauer, P. Volkers und B. Keller-Stanislawski (2004): Thiomersal und Impfungen. In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. Bd. 47, S. 1165–1174. doi:10.1007/s00103-004-0943-z PDF
  34. KFombonne E (2008): Thimerosal disappears but autism remains. In: Arch Gen Psychiatry. Bd. 65 (1), S. 15-16 PMIS 18180423
  35. Wakefield AJ et al.: Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia, non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children. Lancet. 351(9103), 1998, S. 637-41 PMID 9500320 (PDF, 592 kB)
  36. FDA Decision on Thimerosal. In: neurodiversity weblog. Brief von Dr. Jeffrey Shuren (FDA) (Zugriff am 22. Juli 2008); PDF
  37. Dawson M. et al: The Level and Nature of Autistic Intelligence, 11.2006, PDF
  38. Basu P.: Experts question prevalent stereotypes about autism, 02.2006
  39. The Autism Acceptance Project
  40. Murray D. Kultur und Ignoranz.
  41. Mottron et al, Enhanced Perceptual Functioning in autism: An update, and eight principles of autistic perception, J Autism Dev Disord. 2006 Jan;36(1):27-43 PubMEd
  42. Mottron et al, Enhanced Perceptual Functioning in autism: An update, and eight principles of autistic perception, J Autism Dev Disord. 2006 Jan;36(1):27-43 vollständiger Artikel (Englisch)
  43. Kanazawa S, Vandermassen G, Engineers have more sons, nurses have more daughters: an evolutionary psychological extension of Baron-Cohen's extreme male brain theory of autism. PubMEd Abstract
  44. Monotropism Hypothesis [1]
  45. Badcock C, Crespi B, Imbalanced genomic imprinting in brain development: an evolutionary basis for the aetiology of autism. PubMED Abstract

Weblinks