"Ingroup-Outgroup"-Verhältnis
Die Seite "kollektiv" >hier< sollte auch beachtet werden.
Die Eigengruppe (Ingroup oder In-Group) ist eine soziale Gruppe, deren Mitglieder sich dieser bewusst zugehörig fühlen und durch sie in ihren Wertorientierungen, Anspruchshaltungen, Einstellungen und Verhaltensweisen nachhaltig beeinflusst oder sogar geprägt werden.
Als Fremdgruppe (Outgroup oder Out-Group) bezeichnet eine bestimmte Menge von Personen (als soziale Gruppe), zu der man nicht gehört. Man ist (erst einmal) außen vor. In der Regel werden diese der Fremdgruppe angehörenden Personen als negative, auf Ablehnung stoßende gesehen, oder es werden positiven Sympathien und zum Teil auch dem Wunsch zur eigene Zugehörigkeit geweckt.
Allgemein:
Die Gruppe bildet eine Mehrzahl von Menschen, die durch soziale Kontakte (gemeinsame Wertorientierungen, Interessen, Ziele und Ähnliches) zeitlich relativ beständig miteinander verbunden sind, sodass sie eine soziale Einheit bilden. Jedes Mitglied der Gruppe besitzt eine mehr oder minder eindeutig abgegrenzte Stellung und Aufgabe innerhalb der Gruppe. Jeder Zugehörige ist in seinem Verhalten durch bestimmte, seiner sozialen Stellung entsprechende Rollen im Rahmen eines Systems gruppenspezifischer Normen festgelegt. Die Einhaltung dieser Normen unterliegt einer sozialen Kontrolle mit positiven und negativen Sanktionen. Entscheidend für die Gruppe sind ferner das Zusammengehörigkeitsgefühl ihrer Mitglieder als Gruppenbewusstsein, das sich in Solidarität der Eigengruppe gegenüber Fremdgruppen und Kooperation (Gruppenkohäsion) innerhalb der Gruppe sowie einer besonderen Sprache (Gruppensprache oder sogar Gruppenjargon) äußert.
Nach der Zahl der Mitglieder werden Großgruppen (z.B. politische Parteien) und Kleingruppen (soziologischer Gruppenbegriff im engeren Sinn; nicht mehr als etwa 25 Personen) unterschieden. Nach der Entstehung und dem Charakter der Regelungen, denen die Mitglieder unterworfen sind, wird unterschieden zwischen formale Gruppen (planmäßig geschaffen, formales Regelsystem) und informale Gruppen (psychologische Gruppen). Es gibt auch spontane Beziehungen, ohne Satzungen, Gesetze und Ähnliches, kein formales Regelsystem. Nach dem Grad der Intensität und Intimität der Beziehungen wird unterschieden zwischen Primärgruppen, z.B. durch enge persönliche Beziehungen, besonders in Familien, Spielgruppen oder Freundschaftsgruppen und Sekundärgruppen, die durch bestimmte rationale Zielsetzungen organisiert sind.
Die sozialpsychologischen Aspekte der Beziehungen und Interaktionen innerhalb und zwischen Gruppen werden im Rahmen der Gruppendynamik erforscht. Praktische Anwendung finden die Ergebnisse der Gruppenforschung besonders in der Gruppentherapie, Gruppenpädagogik und bei der Zusammenstellung von Arbeitsteams (Wirtschaft, Militär). (Nach © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)
Im Einzelnen:
Bei den Eigen- und Fremdgruppen handelt es sich um ungefähr gleich große und gleich wichtige Gruppen. Nochmals - kurz gefasst: Die Ingroup ist diejenige, mit der man sich identifiziert. Die Outgroup ist diejenige, von der man sich abgrenzt.
Je mehr sich die Mitglieder mit der Ingroup (als Clique - deutsch Klicke*) identifizieren, um so größer wird die Aggression gegenüber der Outgroup. Die Ingroup-Mitglieder schreiben sich selber immer nur gute Eigenschaften zu und der Outgroup schlechte.
* Gruppe miteinander Befreundeter, durch gemeinsame Interessen (meist egoistischer Natur) verbundene Gruppe: Sippschaft; Klüngel; Seilschaft; Bande
Die Ingroup ist natürlich auch gleichzeitig Bezugsgruppe.
Die Spannungen, die innerhalb einer Gruppe auftreten können, werden um Interesse eines guten Zusammenhaltes auf die Outgroup abgeleitet. >Siehe< "Abgeleitete Aggressionen".
Die negativen (nicht akzeptiereten) Eigenschaften der Gruppenmitglieder werden nicht nur auf die Outgroup-Mitglieder projiziert, sondern gleichzeitig auf die ganze Outgroup. Für jede der beiden Gruppen ist die jeweils andere immer die Outgroup: Juden gegen Moslems, Evangelische Christen gegen katholische (siehe Nordirland), Sunniten gegen Schiiten usw.
Die psychischen Mechanismen der abgeleiteten Aggressionen und die Projektion sind beim Ingroup-Outgroup-Verhältnis und beim Sündenbock-Phänomen identisch. Der Unterschied ist darin zu sehen, daß die Outgroup sich wehren kann wegen der ähnlichen Größe und Mitgliederstärke, der >Sündenbock< sich aber nicht wehren kann.
Auf der Seite "Einbindung des Kindes in Religionen" (>hier<) ist die "Ingroup"-Bedeutung etwas ausführlicher erklärt.