Borderline-Persönlichkeiten

Zuerst zu einem bedeutenden Buch:

 

Titel der Originalausgabe:
Borderline Conditions and Pathological Narcissism © Jason Aronson, Inc., New York 1975

Kernberg, Otto F.
Borderline-Störungen und pathologischer Narzißmus.

- 4. Aufl. - Frankfurt am Main: Suhrkamp, 198o. (Literatur der Psychoanalyse)
ISBN 3-518-07483-0
 

Fünftes und sechstes Tausend 198o
© dieser Ausgabe: Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1978 Alle Rechte vorbehalten
Druck: Hieronymus Mühlberger, Augsburg Printed in Germany

 

Herausgeber des Buches: Alexander Mitscherlich (weitere Bücher von ihm >hier<)

 

>Hier< noch eine weitere Ausführung zum Thema "Borderline-Persönlichkeiten" (unabhängig vom Buch)


In diesem Buch wird zunächst eine unifassende und systematische Übersicht über die symptomatologischen, ich-strukturellen und dynamisch-genetischen Merkmale der Borderline-Persönlichkeitsstörungen gegeben. Die nächsten Kapitel gehen auf typische Übertragungs-Gegenübertragungs-Konstellationen bei Borderline-Patienten ein; es wird eine besondere modifizierte Form analytischer Psychotherapie als Behandlungsmethode der Wahl für die Mehrzahl der BorderlineStörungen vorgestellt und typische Behandlungsprobleme und deren Bewältigung im einzelnen besprochen; eine ausführliche Erörterung prognostischer und differentialdiagnostischer Fragen schließt sich an. Ein eigenes Kapitel ist dem bei Borderline-Patienten so häufigen inneren Leeregefühl gewidmet. Im zweiten Teil des Buches entwickelt Kernberg ein eigenes Konzept narzißtischer Persönlichkeitsstörungen, wobei er im Gegensatz zu H. Kohuts Konzept den Narzißmus dieser Patienten als eine pathologische Abwehrorganisation auffaßt, die tiefliegende archaische Trieb- und Beziehungskonflikte insbesondere oral- und analsadistischer Art verdeckt. Die abschließenden Kapitel behandeln praktisch-klinische Probleme bei narzißtischen Persönlichkeitsstörungen und versuchen eine Klärung der Unterschiede zwischen normalem und pathologischem Narzißmus.
Das Buch verbindet Praxisnähe mit stringenter theoretischer Konzeptualisierung und dürfte in beiden Hinsichten die bisher beste und eingehendste Darstellung dieser Formen psychischer Störungen sein, die es gibt; an psychoanalytischen Ausbildungsinstituten wird es seit Erscheinen der amerikanischen Ausgabe bereits als Standardwerk benutzt.


Literatur der Psychoanalyse - Herausgegeben von Alexander Mitscherlich (Arzt und Psychoanalytiker, 1982 in Frankfurt im Alter von 74 Jahren gestorben, leitete dort ab 1960 das Sigmund-Freud-Institut für Psychoanalyse, erhielt 1969 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels):

 

Bela Grunberger: Vom Narzißmus zum Objekt

Edith Jacobson: Das Selbst und die Welt der Objekte (auch stw 242)
Edith Jacobson: Depression

Heinz Kohut: Narzißmus. Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen (auch stw 157)
Heinz Kohut: Die Zukunft der Psychoanalyse (= stw 125)
Heinz Kohut: Introspektion, Empathie und Psychoanalyse (= stw 207)

Michel Neyraut: Die Übertragung

William G. Niederland: Der Fall Schreber

Beulah Parker: Chronik einer gestörten Familie

Leo Rangell: Gelassenheit und andere menschliche Möglichkeiten

F. C. Redlich/D. X. Freedman: Theorie und Praxis der Psychiatrie (auch stw 148)

Paul Schilder: Entwurf zu einer Psychiatrie auf psychoanalytischer Grundlage



Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt BPS), auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt, ist die im psychologischen und psychiatrischen Umfeld am häufigsten diagnostizierte Persönlichkeitsstörung, mit ausgeprägten Stimmungsschwankungen, intensiven, aber instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen und Impulsivität bei selbstschädigenden Aktivitäten, z.B.durch rücksichtsloses Fahren. (>Hier< die Definition.)

 

Die Bereiche der Gefühle, des Denkens und des Handelns sind beeinträchtigt, was sich durch negatives und teilweise paradox wirkendes Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie im gestörten Verhältnis zu sich selbst äußert. Die BPS wird immer von weiteren Belastungen begleitet, darunter Dissoziative (auflösende, trennende, sozial nicht angepasste) Störungen, Endogene (von innen kommende) Depressionen und verschiedene Formen von Selbstverletzendem Verhalten (SVV). Darüber hinaus bestehen hohe Komorbiditäten (Miterkrankungsraten) mit anderen Persönlichkeitsstörungen, dabei am häufigsten die Ängstliche Persönlichkeitsstörung und die Narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

 

Der Name der Störung, „Borderline“, bedeutet auf deutsch „Grenzlinie“, was sich darauf bezieht, dass die Störung früher in den Grenzbereich zwischen den Neurotischen Störungen und den Psychotischen Störungen eingeordnet wurde, da Symptome aus beiden Bereichen beobachtet wurden.

 

Die Frage der Einordnung ist ein zentrales Thema, zu der es keinen allgemein akzeptierten Konsens gibt, ebenfalls zur Frage der Ursachen. Die Uneinigkeiten begründen sich in der weiteren oder engeren Definition von Trauma*, das sich im klassischen Sinne beispielsweise auf Erlebnisse mit Gewalt, Freiheitsberaubung, sexuelle Gewalt bezieht. Wird der Traumabegriff erweitert verstanden, so beschreibt er eine Situation oder einen Zeitraum mit „subjektiv erlebter großer Ohnmacht“ und kann beispielsweise chronische seelische Mangelzustände der Kindheit mit einschließen, wie sie bei Borderlinepatienten häufig vorkommen. In der Psychotraumatologie wird das Symptombild der BPS deshalb auch als komplexe Posttraumatische Belastungsstörung verstanden.

* psychische oder nervöse Schädigung aufgrund seelischer Belastungen

 

Wiederholte suizidale (= Selbstmord-) Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten sind üblich.