Wikipedia und -Kritik
Wikipedia
(auch: die Wikipedia) ist ein am 15. Januar 2001 gegründetes freies, also
unabhängiges und nicht verlagsgebundenes und unendgeldliches "Online-Lexikon" in
zahlreichen Sprachen. Der Name Wikipedia ist ein Kunstwort
(zusammengesetztes Wort), das sich aus „Wiki“ (hawaiisch für
„schnell“) und „Encyclopedia“ (dem englischen Wort für
Enzyklopädie) zusammensetzt. Die englischsprachige Wikipedia ist mit weit über
drei Millionen Artikel die größte Sprachversion, gefolgt von der
Deutschsprachigen Wikipedia mit über einer Million Artikel.
Autoren von "Wirki"-Artikeln werden nicht genannt. Dennoch sind die Ausarbeitungen mit vielen Grafiken und Bildern oft wesentlich ausführlicher und besser als in anderen Nachschlagewerken. Ein Bücherwälzen ist nicht mehr erforderlich. Mehr unter http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia.
Nun ein paar Sätze aus einem in der Wochenzeitschrift Der Spiegel (4 / 2010) abgedruckten
Interview mit dem bald 50jährigen Computerwissenschaftler, Jaron Lanier, der in
seinem Buch: "You are not a Gadget: A Manifesto" (Knopf, New York, 224 Seiten,
24,95 US-$) die Schattenseiten des Internetzes aufzeigt, insbesondere die
Anonymität, die im Vordergrund stehende Werbung und Vermarktung. Jeder darf
unkontrolliert und unkontrollierbar schreiben.
Gadget = Apparat (so'n Dings da); Manifesto = öffentliche
Bekanntmachung (Manifet)
Auszüge aus dem Interview:
Lanier: ... Intellektuelle
Leistung muss wieder belohnt werden, und zwar individuell. Ein weiterer
zentraler Fehler der derzeitigen digitalen Kultur ist es, Information aus
verschiedensten Quellen so fein zu zerhacken, dass man am Ende nur noch einen
einzigen globalen Brei hat...
Spiegel: ...wie beim Internetlexikon Wikipedia. Jeder trägt ein Stück dazu bei. Am Ende wäre das
Wissen der Welt an einem Ort vereint und für jeden frei zugänglich. Was ist
dagegen einzuwenden?
Lanier: Wikipedia funktioniert vielleicht für bestimmte Themen, etwa für
Wissenschaft oder für Popkultur. Aber für geschichtliche und humanistische
Themen ist Wikipedia untauglich. In diesen Bereichen gibt es viele Aspekte und
Sichtweisen, die alle ihre Berechtigung haben. Sie zusammenzuquirien macht die
Dinge bedeutungslos. Es kann sogar geschehen, dass wir die Realität als
Bezugspunkt verlieren. Ein Beispiel: Wikipedia bietet ellenlange Artikel über
imaginäre Armeen oder Charaktere aus Fantasy-Romanen. Echte, historische Armeen
oder Figuren der Zeitgeschichte dagegen werden oft weitaus kürzer abgehandelt.
Wozu führt das? Ich fürchte, es besteht die Gefahr, dass wir irgendwann
Geschichte und Fiktion verwechseln. Wir reduzieren Geschichte, und am Ende
verlieren wir Geschichte.
Spiegel: Aber Wikipedia ist ja nicht die einzige Quelle ...
Lanier:... sie könnte es aber irgendwann werden. Stellen Sie sich vor, wir
schaffen Bücher ganz ab und arbeiten nur noch mit Software-Systemen, die
Informationen zu digitalem Brei verquirlen. Dann könnten wir eine Welt kriegen,
in der es nur noch so etwas wie Wikipedia gibt. Am Ende haben wir nur noch ein
einziges Buch für die ganze Menschheit - eine Art heilige Schrift, ähnlich wie
die Bibel, geschrieben von Autoren, die irgendwann in Vergessenheit geraten und
dadurch überhöht werden können. Es entsteht der Eindruck des Übernatürlichen.
Wenn es da ein Buch gibt, das keiner geschrieben hat, dann muss es Gott
geschrieben haben.
Spiegel: Wird der Eindruck, dass das Internet zu einem Überwesen wird, auch
durch die Struktur des Netzes gefördert?
Lanier: Ja. Das Design des Internets bewertet Informationen höher als die
Individuen, die sie liefern. Die Regeln des Netzes wurden von Technikfreaks
geschrieben, die nicht viel mit menschlicher Ausdrucksweise am Hut hatten.
Dadurch haben wir den Menschen die Würde geraubt.
Spiegel: Gab es Versuche, das Netz anders zu organisieren?
Lanier: 0 ja. Die erste Idee war die beste, wurde aber leider nicht
umgesetzt. Ted Nelson ...
Spiegel: ... ein amerikanischer Soziologe, Philosoph und Computerpionier, der in
den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Grundlagen des heutigen World Wide
Web schuf ...
Lanier:... schlug vor, ein universelles Mikrobezahlsystem zu schaffen und
gleichzeitig jede Datei nur einmal im Netz bereitzustellen. Das hätte viele
Vorteile. Der Markt würde Angebot und Nachfrage regeln, und Musik, Bücher oder
Zeitungsartikel würden sehr schnell einen vernünftigen, angemessenen Preis
bekommen.
Spiegel: Was schlagen Sie außer einem Bezahlsystem vor, um das Internet zu
verbessern?
Lanier: Vielleicht müssen wir Monopole zerschlagen, so dass wir beispielsweise
nicht mehr nur Google haben, sondern mehrere. Suchmaschinen sind unabdingbar,
und die Methode, Internetseiten nach Beliebtheit zu ordnen, ist gut. Ich würde
es jedoch gern sehen, dass Suchmaschinen werbefrei werden. Im Moment steuern wir
auf eine Situation zu, in der man im Netz in eine Art Todesspirale kommt und
verschwindet, wenn man keine Werbung betreibt. Man taucht dann schlicht nicht
mehr oben in den Ergebnislisten der Suchmaschinen auf. Wenn wir Internetsuche
und Werbung entkoppeln würden, bekämen wir eine ehrlichere und wahrhaftigere
Welt.
Spiegel: Das werden die Aktionäre von Google nicht gern hören.
Lanier: Natürlich würde das einige Menschen bei Google oder bei Microsofts
Suchmaschine Bing, die wirklich alle sehr nett sind, ziemlich unglücklich
machen. Aber bedenken Sie: Alle anderen würden profitieren. Ein bisschen Werbung
ist nicht schlimm. Doch sie darf nicht überbetont werden. Wenn Werbung das
Zentrum der Zivilisation wird, um das sich alles dreht, dann ist sie wahrhaft
teuflisch.
Leider werden die Wikipedia-Artikel oft nicht sehr fachgerecht geschrieben, gute Artikel verändert oder sogar gelöscht. Zum Beispiel gab es nach Erscheinen des Bestsellers von Richard Dawkins "Der Gotteswahn" einen, guten allgemein gehaltenen Artikel unter dem Stichwort "Gotteswahn". Dann gab es (oder gibt es noch) zum Beispiel einen Typen, der sich als "Marcus" ausgab und jeden Artikel mit religiöskritischem Inhalt sofort entfernte, solange bis derjenige, der ihn nochmals eingesetzt hatte, aufgab. Heute (erste Hälfte 2008) ist dieses Stichwort verborgen, und jeder, der unter diesem Stichwort sucht, wird sofort zu der Buchbesprechung "Der Gotteswahn" von Dawkins weitergeleitet.
Alles läuft bei Wikipedia völlig anonym ab.
Das Stichwort "Der Gotteswahn" (von Dawkins) überwacht einer Namens Hob Gadling, der sich folgender Maßen
präsentiert unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Hob_Gadling

Nach Gisela Kaulfush, Hamburg, handelt es sich bei Wikipedia in der Regel "um Studenten mit einem gewissen Geltungsstreben, die sich besonders hervortun".
Doch >hier< ein (Original-Wikipedia) Auszug aus der Diskussion auf der Wikipedia-Seite zum Thema "Der Gotteswahn" mit angehängter Selbstdarstellung eines "Benutzer:Hannes Röst"*. Einen besonders schlimmen Eindruck macht der sich daran anschließende "Benutzer:Pacifier". Es sieht sehr stark nach einem Tummelplatz auf einer studentischen Spielwiese aus. Zumindest bestätigt es die teilweise harsche Kritik an dem - von der Idee her großartigen Projekt dieser Internet-Enzyklopädie "Wikipedia".
* Benutzer: und dann ein Name (direkt dahinter) ist die "Wikipedia-Diktion". Solche, die Texte und insbesondere Seiten veränderten, werden offensichtlich als "Benutzer"
Nebenbei gesagt: Es darf niemand zu sehr den, längst zu einer Ideologie gewordenen Kapitalismus kritisieren, den einige sogar als eine neue "politische Religion" sehen.
Die Wikipedia-Gründer meinen: "Es hat Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird". (Sollten also Neo-Nazis - mit einem von Deutschen zwischen 1933 bis 1945 mehrheitlich akzeptierten Gedankengut wieder an die Macht kommen, dann ??? Das Hitlerregime hätte wahrscheinlich tatsächlich "tausend Jahre" Bestand gehabt, wenn nicht von außen interveniert worden wäre.)
Walter Rath, September 2008