Die Welt der Religionen

und Weltanschauungen

 

Zum Teil entnommen meinem Buchentwurf (von 1993)

"Die Zeitbombe tickt, kann sie noch entschärft werden"

(http://www.hobby-output.info/ (auf einer neuen Seite)

und links auf "Bücher" klicken, dann bei

"5. Die Zeitbombe tickt... ►Einzelheiten◄".

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Zum >Inhalt<


In Religionen spielt die Überschreitung einer vermeintlichen bzw. angenommenen Grenze des Erfahrbaren die wichtigste Rolle, Transzendenz genannt (lateinisch: transc-endo, -endi, ensum  = hinüberschreiten, darüber hinaus gehen... übersteigen und auch noch durchprügeln). Da gibt es Übersinnliches, Übernatürliches, also mehr als unsere Sinne erfassen können. Naturwissenschaftliche Entdeckungen und Anwendungen werden von Religiösen im wahrsten Sinne des Wortes nicht für voll genommen; denn sie reichen den in Religion behafteten Menschen nicht aus. (Kaum zu glauben: Kein deutsches Flugzeug darf eine Sitzreihe mit der Nummer 13 haben. Diese würde anstürzen.) Eine Vorsehung, ein Gott, etwas Göttliches, die Götter, Heilige, Geister von Ahnen, Teufel und Dämonen sind existent, erfahrbar und sogar ansprechbar. Oft wird über die Kunst versucht, das Übersinnliche, beispielsweise als Gottesbilder darzustellen. Religiosität muss als Massenphänomen gesehen werden; also nach dem Philosophen Immanuel Kant ist ein Phänomen "eine vom Subjekt wahrgenommene Erscheinung eines Gegenstandes". Wird aber eine übersinnliche, übernatürliche Erscheinung außerhalb einer Gruppe wahrgenommen - Hören von Stimmen, Gespräche mit Geistern - dann wird diese Person als geistesgestört angesehen. In der Philosophie gibt es den Begriff  Synkretismus, der die "unkritische Übernahme verschiedenartiger Denkansätze und Lehren" bedeutet und "in der Religionsgeschichte die Verschmelzung verschiedener Religionen beziehungsweise einzelner Elemente von ihnen als Folge der geschichtlichen »Überlagerung« von historisch gewachsenen Religionen oder der gezielten Gründung von neuen Religionen". (c) wissenmedia GmbH, 2010.
Auf diese Betrachtungsweise wird heutzutage gerne Bezug genommen, weil verschiedene Informationen und Systeme auf jeden von uns Einfluss nehmen, so dass es zu Konglomeraten kommt, d.h. zu Mischformen aller Arten. Aber schon seit vielen hundert Jahren war beispielsweise der Großteil der Japaner religiös im Shintoismus* und gleichzeitig weltanschaulich im Buddhismus* behaftet (*wird auf dieser Seite erklärt).

Heute läuft vieles parallel oder vermischt:

- klassische Religion,

- säkular (weltlich, heidnisch) verbrämt mit

- Esotherik (Okkultem, also Geheimnisvollem, Verborgenem),

- religiös dualistisch, d.h. in teilweise gegensätzlichen Erlösungsbewegungen unterschiedlicher Herkunft und

- Übernahme einer Vielzahl quasireligiöser "Sinnangebote", abgesehen von

- sinnestrübenden (manche sagen sinneserweiternden) Drogen.

Einschätzungen von "nichtgläubig" (nicht religiös) sind schwierig, weil es keine klare Abgrenzung zur Gläubigkeit, insbesondere der "Intensität" gibt wegen der weitverbreiteten Säkularisation, sprich "Verweltlichung" durch die "Aufklärung". Wie weit sind Humanismus, Nichttheisten, Agnostikern und spirituellen Personen beispielsweise zwar noch organisatorisch zu den Kirchen als „Namenschristen“ zugehörig (welche sogar Kirchensteuer bezahlen). Aber die Grenze zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen verschwimmt immer mehr. Zumindest in den Industrieländern des des sogenannten Westens gibt es viele Menschen, welche weder die Glaubensinhalte der "etablierten" Religionsgemeinschaften verinnerlicht haben, noch ihr Leben danach ausrichten.

Alles ist ganz schön verworren.

Zu dieser Webseite hinzu gefügt am 9.2.2009, W. Rath

Weltverteilung der wichtigsten Religionen:

Bild nach Wikipedia.de (gestaucht und Text lesbar gemacht)

>Hier< am Ende dieser Seite eine Übersichtstabelle nach Wikipedia,

jedoch immer noch nicht vollständig.


 

Inhalt:

 

>Allgemeines zu Ideologien< (Weltanschauungen und Traditionen)

>Abraham< bereit, seinen Sohn zu opfern

>Vorurteil< (Voreingenommenheit), anschließend "kognitive Dissonanz" (d.h. mit seinem Tun im Widerspruch sein), "Selbsterfüllende Vorhersage" (Self-fulfilling Prophecy)

 

>Religionen<

>Das Christentum<

    Mehr speziell zum Protestantismus >hier< auf separater Internetbuchseite!

    und >hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern" über die Bibel

>Der Islam< (>hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern" über den Koran)

    >Die Burka<

>Der Hinduismus<

    die recht fanatischen >Sikhs< (lehnen Kastenwesen ab)

>Der Buddhismus<

>Die Zen-Religion<

>Konfuzianismus/Taoismus<

>Die japanische Shinto-Religion<

>Das Judentum (Der Mosaische Glaube)<

>Afrikanische Religionen<

>Weltanschauungen (Beispiel Marxismus)

>Traditionen<

>Nicht Gläubige< (nicht religiöse)

>Kritik< an religiösen, ideologischen Systemen und Traditionen

>Zahlen<: Religionen, Religionszugehörigkeiten (verschiedene Quellen)

 

Übliche >Fragen< von Gläubigen und Antworten je nach Religion

>Hier< zu einem Abdruck der Definition "Religion" aus "Brockhaus - multimedial 2007" (einer Software, erhältlich als sehr nützliche Computer-Installation)

>Hier< eine Liste der Religionen mit verschiedenen Glaubensrichtungen (Konfessionen), Weltanschauungen (also auch Historische Religionen und Mythologien sowie Religionsparodien) nach Wikipedia

 

Als Ergänzung auf einer gesonderten Webseite >hier<: Neue Religionen

und >hier< eine Vielfalt von Verzweigungen zu Themen, die mit Religion zusammenhängen, wie "politische Religionen", Religions-Stifter, Auswirkungen des ideologischen Wahns.

 

Schließlich:  >Hier< zum Satanismus, Gegenreligion zum "Ein-Gott-Glauben" mit Eigendynamik, Satan/Teufel Gott ebenbürtig, Schwarze und Weiße Magie, Film: "Rosemarys Baby", Gebote Satans, Okkultismus, Exorzismus=Reufelsaustreibung >hier<, und einiges mehr (auch die Sai-Religion - seine "Geistheilungen" >hier<, Die Gesellschaft vom Hl. Apostel Paulus >hier<,  Begriffserklärungen >hier<)

und: Ein Buch zur Religionsübersicht >hier<, außerdem >hier< Enzyklopädie der Religionen.


Religionszugehörigkeit in % >hier<

>Hier< noch eine Übersicht mit Zahlen.

A.1.2 Ideologien (allgemein und als Religionen), Weltanschauungen und Traditionen Das bietet der Brockhaus unter dem Stichwort "Religion"

 

 

Dieses Kapitel sei entgegen den üblichen Gepflogenheiten unter den Oberbegriff „psychologische Gegebenheiten“ gesetzt, da Ideologien das Verhalten der Menschen sehr stark bestimmen und bei manchen Mitmenschen sogar ein (anerzogenes) instinktives Handeln bewirken.

 

Beispiel 1:

 

Der junge K., Schreibkraft und Büroangestellter in einer syrischen Ingenieurhochschule, sagte einmal einem ausländischen Lehrer in offensichtlicher Erregung: „Wenn ich könnte, würde ich alle Juden und Türken umbringen, alle Jordanier, Saudis und Iraker.“

 

Der Lehrer erkundigte sich: „Warum denn das? Haben die dir etwas getan?“

 

Antwort: „Die Juden und Türken haben unser Land weggenommen. Palästina gehört uns und das Gebiet um An­takya auch“ (seit 1939 wieder einmal zum äußerster Süden der Türkei geworden), „und die Türken drehen uns das Wasser ab“ (Atatürk-Stausee im Euphrattal).

 

Frage: „Ja, gut. Aber meinst du, alle Probleme seien gelöst, wenn Palästina und der derzeitige südlichste Teil der Türkei wieder zu Syrien kommen würde?“

 

Antwort: „Das ist doch egal. Wer unser Land wegnimmt, der muß umgebracht werden.“

 

Lehrer: „Du meinst also, daß jeder einzelne Türke und jeder einzelne Jude sich an deinem Land vergangen haben? Übrigens hast du in diesen Teilen denn eigenes Land?“

 

Antwort: „Die müßten alle sterben.“

 

Frage: „Meinst du nicht, daß darüber verhandelt werden sollte? Solche Entscheidungen wer­den doch von Regierungen und nicht von einzelnen Volksangehörigen getroffen. Kennst du Juden und Türken persönlich?“

 

Antwort: „Nein, um Gottes Willen! Mit solchen Leuten würde ich doch nie verkehren.“

 

Lehrer: „Ich kenne viele Türken zum Beispiel und finde alle, die mit begegnet sind, genau so lieb und nett, freundlich und hilfsbereit, aber manche auch widerlich wie bei andere Menschen anderer Gruppen. Ich meine, die einzelnen Menschen haben keinen Einfluß und tragen keine Schuld.“

 

Junger Mann: „Ich bin für Hitler. Der hätte mit denen aufgeräumt.“

 

Lehrer: „Der war aber auch in seiner Wahnvorstellung kein Freund aller nichtarischen Menschen, also auch der  Araber. Sein Propagandaminister hat mal gesagt: »Wenn es keine Juden gäbe, müßten wir welche erfinden«. Die Regierenden machen immer andere verantwortlich, egal wen, meine ich. Zum Glück gab es nicht viele Araber im damaligen Hitler-Staat... Du hast meine Frage , ob du selber Land in Palästina oder der Türkei hast, nicht beantwortet. Ich vermute: nein. Hier drüben ist eine hohe Mauer um ein Besitztum eines stinkreichen Mannes deiner Staatsangehörigkeit. Wag es mal, über die mit Glassplittern abgedeckte Mauer zu klettern. Wie schätzest du deine Lebenschance? Das ist doch auch euer Land, syrisches Land und du bist doch Syrer...“

 

Der junge Mann entfernte sich ärgerlich. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß er bei einer Begegnung mit diesen, „seinen Feinden“ genauso empfindet wie ein Kater, der instinktiv meint, einen anderen Kater aus „seinem Revier“ vertreiben zu müssen.

 

Er als Christ (griechisch-orthodox) hatte natürlich etwas gegen seine anderen „Nachbarn“ die muslimischen Saudis usw. Das war nicht näher diskutiert worden.

 

Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen werden offensichtlich genauso an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wie eine Muttersprache, und selbst im eigenen Land wird die Herkunft aus einem Gebiet in Form eines Akzentes beibehalten. Der bekannte und beliebteste deutsche  Außenminister, Hans-Friedrich Genscher, hatte große Probleme, seinen sächsischen Akzent loszuwerden. Er nahm lange „Sprach(um)erziehung“ in kauf. Es ist also nicht verwunderlich, wie hartnäckig Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen, ja auch Angewohnheiten, Phobien (Spinnenangst, Angst vor Mäusen und Schlangen) und anerzogenes Verhalten (bei kompletter Nacktheit „erwischt“ werden) uns beherrschen.

 

 

Beispiel 2:

 

In Saudi Arabien schob ein Autofahrer an einer Tankstelle den Fahrhebel des automatischen Getriebes seines protzigen Ami-Wagens in den Rückwärtsgang und rammte das Auto des hinter ihm auf den Zugang zur Zapfsäule wartenden. Der Gerammte verlangte Bezahlung der Reparatur seiner beschädigten und eingebeulten Karosse. Doch der Unfallverursacher brachte das Argument: „Wärest du nicht dagewesen, hätte ja nichts passiert können.“

 

Wird jemand durch einen Unfall schwer verletzt, kümmert sich in diesem Land niemand um ihn. Verblutet er, war es Gottes Wille. Würde sich eine Person vergebens um Hilfe bemühen, wäre sie Schuld am Tode, wurde mir berichtet.

 

Der Soziologe, Theodor Geiger, der 1952 im Alter von fast 62 Jahren verstarb, hat mal defi­niert: „Die Tugend der Ideologie ist die Tugend des Messers, nämlich die Schärfe. Ihr Wert ist nicht ihr Wahrheitsgehalt, sondern ihre Wirksamkeit“.

 

Jede Gesellschaftsform wird von Ideologien geprägt und eingeengt. (Im Griechischen bedeutet „idéa“ Erscheinung und meint Begriff, Vorstellung.)

 

Die typischen Zielvorstellungen aller Ideologien sind aber (fast) immer ein totaler Anspruch auf absolute Gültigkeit und auf die jeweilige Wahrheit jeder, sich von einer anderen Ideologie unterscheidenden schlechthin.

 

Da gibt es beispielsweise:

 

- Rassen, Blut-, Boden- und Raumideologien mit den unbeschränkten und „reinen“ Zielen materieller und immaterieller Daseinsvoraussetzungen,

 

- Elite- und Massenideologien, wobei gesellschaftliche Strukturen als absolut, also unantastbar dargestellt werden,

 

- alle möglichen „Ismen“, wie Kommunismus, Sozialismus, Katholizismus, Protestantismus, Libe­ralismus, jeweils mit dem Absolutheitsanspruch auf das „Allein-selig-Machende“.

 

Karl Marx, promovierter Philosoph nach Studium der Rechtswissenschaften, 1883 im Alter von fast 65 Jahren in London gestorben, hat drei Merkmale für die Ideologien herausgestellt, die Dr. Heinrich Fisch, Herausgeber der Bände „Abiturwissen“ [1] wie folgt zusammengefaßt hat (Zitat):

 

a. Ideologien enthalten ein System gesellschaftlicher, politischer, rechtlicher, moralischer und re­ligiöser Ideen (den Überbau), das im wesentlichen durch die materiellen, ökonomischen Bedin­gungen (den Unterbau) bestimmt wird.

 

b. Ideologien sind die herrschenden Gedanken der herrschenden Klasse.

 

c. Ideologie ist ein falsches Bewußtsein: das Bewußtsein der herrschenden Klasse, das die Tendenz hat, die gesellschaftlichen und ökonomischen Zusammenhänge verzerrt und falsch zu denken. Das richtige Bewußtsein ist das, die materielle Wirklichkeit widerspiegelnde Bewußtsein (Zitat Ende).

 

Daraus kann abgeleitet werden, daß Ideologien einigen Leuten dazu dienen, Herrschaft zu er­langen, ihre Herrschaft zu begründen und zu sichern. Ferner meinen Marx und Engels, daß jede Klasse eine ihrer gesellschaftlichen Lage und ihren gesellschaftlichen Interessen entsprechende Ideologie hervorbringe.

Im letzten Augenblick hindert ein Engel Abraham daran, seinem Sohn die Kehle durchzuschneiden

 

Es kommt nicht von ungefähr, daß die erfolgreichsten Religionen - das Christentum und der Islam auf Abraham (bzw. Ibrahim), den (nach Meyers Taschenlexikon) ersten der biblischen Patriarchen (1.Mose 1225) und Stammvater des Volkes Israel (1.Mose 12,2) basieren. Das Alte Testament betont v.a. seinen Gehorsam gegenüber Gott, so daß Abraham bereit ist, ihm seinen Sohn Isaak zu opfern (1.Mose 22); das Neue Testament beschreibt ihn als Urbild des wahrhaft Glaubenden (Römer 4). Auch die Muslime verehren Abraham als den Vater Ismaels* und betonen v.a. seinen Glauben an einen einzigen Gott. Der Koran bezeichnet Abraham als den ersten Muslim, der zusammen mit seinem Sohn Ismael* die Kaaba** gegründet habe (Sure 2,124ff. und 3, 67, 95ff.).

 

Die Mächtigen der Welt, die sogar als Päpste gemordet haben, um an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben, fanden den sogenannten Kadavergehorsam der Untertanen (d.h. Ausschaltung des eigenen Willens und Urteilsvermögens), wie alle Mächtigen, sicherlich als sehr unterstützenswert. Nur so kann man den Erfolg dieser "Hauptreligionen" erklären. Der Mächtige kann mit den Religionsanhängern machen, was er will; denn er ist Gottes Stellvertreter.

 

 

* in der Bibel "Isaak"

** Kaaba [arabisch »Würfel«], auch die Kaba, Hauptheiligtum des Islam mit dem Beinamen »Haus Gottes«; ein Gebäude in Mekka, in das Hadjar al-Aswad (d.h. schwarzer Stein), ein Meteorit, eingelassen ist; Ziel der Pilgerfahrt (des Hadjdj). An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß im Islam statt Gott das arabisch »illiah« =»allah« gebraucht wird. Allah darf in islamischen Ländern von Christen, d.h. von anders Gläubigen nicht gebraucht werden.
 

Das Bild - von Rembrandt 1635 gemalt - zeigt die Perversion der Religionen

 

Da der Einfluß der Ideologien auf die Menschen, auf den einzelnen Menschen von so immenser Wichtigkeit ist, insbesondere als wesentlicher Hinderungsgrund für die erforderliche Abwendung des drohenden „Weltuntergangs“, sollten noch ein paar Betrachtungen angestellt werden über das, was die Soziologen herausgefunden haben:

 

-   Das >Vorurteil< nimmt eben als Vorab-Urteil ein objektives Urteil vorweg. (>Hier< ausführlicher auf gesonderter Seite und von dort zur Wahrnehmungsabwehr, Wahrnehmungshemmung und eine verzerrte Wahrnehmung.) Dabei werden Mit­menschen und Sachverhalte beurteilt aus einer voreingenommen, durch Ideologien, durch eine, durch Erziehung gesetzte Einstellung, ohne eigene „Beweisaufnahme“. Ein Vorurteil kann leicht festgelegt werden durch eine oberflächlich gemachte Erfahrung.

 

„Ich mag keine Engländer,“ gab mal jemand zu und erklärte: „Ich hab' da mal einen kennen gelernt, der ... usw. Diese Erfahrung reicht mir.“ Es reicht eine einzige Erfahrung aus, um daraus auf alle (Engländer) zu schließen.

 

Wie leicht wir selbst in Vorurteile geraten können, sei an einem Beispiel erläutert.

 

Da kommt ein Ausländer zum ersten Mal nach Syrien, mietet sich ein Auto und fährt los, um sich unter der Vielzahl der historischen Stätten umzuschauen.

 

An der ersten Kreuzung, die er ansteuert, wird er durch die, den Verkehrsfluß regelnde Ampel an der Weiterfahrt gehindert. Sie zeigt Rot. Da schieben sich Fahrzeuge an ihm vorbei, setzen sich vor ihn, was seinen Puls beschleunigt. Die Ampel schlägt um auf Grün, was die vor ihm stehenden Autofahrer nicht sehen und daher nicht gleich losfahren. Wütend hupt er, und der Verkehr beginnt zu fließen. Ein links neben ihm rollendes Fahrzeug beschleunigt und schneidet seine Fahrtrichtung, kurft vor ihm und allen anderen Fahrzeugen her, um dann nach rechts abzubiegen. Wieder hupt und blinkt der Ausländer zornig, murmelt Schimpfworte: „So eine un­verschämte Frechheit...“

 

Nun bringt ihn zur Verzweiflung, daß langsame Lastwagen auf der breiten, dreispurigen Aus­fallstraße mit Fahrbahnmarkierungen, zwei Spuren beanspruchen. Der Fahrer des schweren Fahrzeugs vor ihm fühlt sich offensichtlich als Flugkapitän auf einer Startbahn, der seine Ma­schine mit dem Bugrad genau über die Startbahnmarkierung (in diesem Fall Straßenfahrbahnmarkierung) führt.

 

Unser ausländischre Freund versucht, eine Lücke im links fließenden Verkehr zu füllen, um zu überholen. Aber ein Taxi vor ihm bremst plötzlich ab, bleibt stehen, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Wieder drückt der Neuling im Lande voller Wut auf die Hupe. Es gelingt ihm, an dem Taxi vorbeizukommen, und er befindet sich bald wieder hinter dem Lastwagen, der nach wie vor gemütlich seine beiden Spuren beansprucht.

 

Voller Verzweiflung blinkt und hupt der Europäer, und, siehe da, der Lastwagen gibt die linke Spur frei. Mit der größtmöglichen Beschleunigung rast unser ausländischer Freund vorbei, wobei er ein tiefes Loch mit zerbrochenem Kanaldeckel übersah, in dem seine Räder jedoch nicht wegen der hohen Geschwindigkeit seines Fahrzeugs ganz eintauchen. Dank der Lenkhilfe wird ihm auch nicht das Steuer aus der Hand gerissen. Aber es gab ordentliche Schläge.

 

Er ist außer sich, einem Schlaganfall nahe, schimpft und regt sich über die Fahrweise der Sy­rer und über die Straßenverhältnisse auf. „Also, das ist meine erste und letzte Fahrt“, sagt er zu seiner Frau, die seine Aufregung nicht teilt. Daher wird sie angebrüllt: „Dich geht das alles nichts an. Du läßt dich wie eine Prinzessin durch die Gegend kutschieren. Du blöde Kuh!...“ Sie lächelt nur; denn sie kennt ihrem Ehemann ja gut und weiß, daß er sich auch wieder abregen wird, desto schneller, je weniger sie ihn zusätzlich „aufheizt“.

 

In einer Raststätte trifft das Ehepaar andere Europäer, bei denen unser Landesneuling seinen Ärger ablädt: „Das ist das rücksichtsloseste Volk, das mir je begegnet ist, dieses miese Pack. Wenn mir einer von denen zu Hause begegnet, haue ich dem eine in die Fresse...“

 

Seine Landsleute lächeln aber nur und erklären: „Wissen Sie, wir sind schon sehr lange hier und wissen, daß an den Fahrbahnrändern oft Löcher sind oder etwas rumliegt. Ganz links ist manchmal ein Fahrzeug liegengeblieben oder da parkt jemand. Also konzentriert sich alles auf die Mitte. Aber Sie haben doch selbst schon erfahren, daß die Verkehrsteilnehmer durchaus auf Hupen und Blinken reagieren und den Weg freigeben. Eine Ampel an der Kreuzung hat nicht die Bedeutung wie bei uns. Da sind meistens Polizisten, die einem ein Zeichen geben, wenn die Ampel umschlägt. Spätestens weiß man durch das Hubkonzert hinter einem, daß es weitergeht. Also braucht man die Ampel nicht unbedingt im Auge zu behalten, und wenn kein Querverkehr an der Kreuzung ist, kann man hier durchaus sogar bei Rot weiterfahren. Eigentlich ist das Verhalten der Leute viel vernünftiger als bei uns... Hat sich jemand falsch bei uns eingeordnet, dann hat er keine Chance, den Fehler zu korrigieren. Da muß man eben bis zur nächsten Kreuzung fahren. Hier ist alles möglich, jeder toleriert den anderen...“

 

Dieses Beispiel zeigt doch deutlich, daß alles aus verschiedenem Blickwinkel gesehen werden kann, aber auch, wie leicht sich ein Vorurteil aus Unkenntnis der Gesamtsituation aufbauen kann.

 

Nun noch ein paar Begriffserklärungen, die mir im Zusammenhang mit Ideologien wichtig erschei­nen:

 

- Da sollte erst einmal die kognitive Dissonanz genannt werden, wonach jemand mit seinem Tun in Wider­spruch (Dissonanz) gerät zu seinem Wissen (kognitiv, aus dem Lateinischen: die Erkenntnis be­treffend), z.B.: Ein Angestellter will sich ein Haus kaufen, das abseits vom Großstadtrummel am Rande von Feldern steht. Der Preis ist so, daß er es sich gerade leisten kann. Nun erfährt er, daß die angrenzenden Felder bereits als weiteres Bauland verkauft worden sind. Eine andere Alternative findet er nicht. Den ursprünglichen Wunsch des Käufers, eben fast auf dem Lande wohnen zu können, funktioniert er sich selbst und seiner Frau gegenüber um und überredet sie nun, dennoch dem Kauf zuzustimmen mit den Argumenten: „Das ist doch viel vorteilhafter. Da fällt einem doch nicht die Bude auf den Kopf, weil es so ruhig ist. Dann bist du nicht zu weit weg von Einkaufsmöglichkeiten und anderen Dienstleistungsbetrieben, wie dem Haarschneider“ usw. (Heute gehen jedoch die Leute zum „Haarstudio“ oder zum „Hair-Stylist“.)

 

Da er sein (äußeres) Handeln kaum ändern kann, versucht er seine (innere) Überzeugung den Umständen entsprechend anzupassen. Er redet sich selbst Vorteile ein, an die er nachher sogar selbst glaubt.

 

- Die Soziologen mögen, so wie heute viele (eigentlich) deutschsprechende Wissenschaftler, auch anglo-amerikanische Begriffe. Da gibt es den Begriff der self-fulfilling prophecy, also der sich selbst erfüllenden Vorhersage.

 

Auch hierzu wieder ein Beispiel: Jemand ist Anhänger der Ideologie des Okkultismus (>hier<). Er glaubt also an die Macht menschlicher Seelenkräfte über die Naturgesetze und an Geister.

 

Er jagt mit seinem Wagen zum Flughafen, von wo er eine kurze Urlaubsreise antreten will. Un­terwegs beginnt der Motor seines Autos zu stottern und stellt schließlich seinen Dienst ganz ein. Am Straßenrand konzentriert unser Okkultist sich darauf, den Motor zum Wiederanspringen zu bewegen, dreht oftmals den Zündschlüssel um, und tatsächlich springt der Wagen nach einigen Minuten des Stillstandes wieder an. Er erreicht sein Flugzeug gerade noch, sitzt zufrieden im bequemen Sessel und freut sich über die Bestätigung seiner „übernatürlichen“ Fähigkeiten.

 

Er hat verdrängt, daß man ihm bei der letzten Inspektion des Autos dringend geraten hatte, die Zündkabel austauschen zu lassen; denn, wenn der Motor zu warm werde, würde sich das alte, inzwischen rissig gewordene Kabel von der Zündspule zum Verteiler ausdehnen und könne dann den Strom unterbrechen, hatte der Me­chaniker bei der Probefahrt festgestellt. Aber der Autobesitzer war in Eile gewesen und wollte den Austausch nicht mehr ab­warten. (Natürlich wird er die Reparatur machen lassen müssen; denn seine „Fähig­keiten“ können die Naturge­setze leider nicht überwinden. Sonst hätte er ja auch den Wagen mit seinen Seelenkräf­ten ohne Motor zum Flughafen treiben können. Wenn schon, denn schon oder?)

 

Nun wird häufig die sich selbst erfüllende Voraussage oft be­wußt angewandt. Es gibt Fachleute, die be­haupten, daß eine Wirtschaftskrise bewußt herbeigeredet werde, um be­stimmte Ziele der Firmeninha­ber zu erreichen, nämlich die soge­nannten Ar­beitneh­mer „kuschen“ zu las­sen: Es wird ein angesehenes Wirt­schaftsfor­schungsin­stitut beauftragt, die Zu­kunftschancen der Wirt­schaft zu ermit­teln. Die sehen auftragsgemäß tatsächlich nicht so rosig aus wie bis­her. Das wird dann in allen Medien ver­öf­fentlicht und dis­kutiert. Die breite Bevölkerung ist er­schreckt, hält sich mit Käufen zurück, wo­durch der Umsatz sinkt und sich die (ge­wünschte) Wirtschaftsflaute tat­sächlich einstellt.

 

Nehmen wir uns auf den folgenden Seiten erst einmal einige der wichtigsten Religionen vor:

 

A.1.3)  Die Religionen

 

 

Im Lateinischen bedeutet „religere“: sorgsam beachten und „religare“: binden oder verbinden.

 

Religionen können als „historische“ Ideologien bezeichnet werden, also auch, wie eben alle Ideologien, mit uneingeschränktem Wahrheitsanspruch, wonach die Menschen ihr normatives Verhalten an etwas Überweltliches, Übersinnliches, Übernatürliches (Transzendentes), etwas Heiliges, an einer oder mehreren Gottheiten orientieren (religere). Sie, die religiösen Menschen fühlen sich mit einem höheren Wesen (als Über-Vater, Gottheit[en]) verbunden (religare).

 

In der Regel sieht jede Religion eine Gottheit im Mittelpunkt, die sich einem Religionsstifter offenbart hat. Der Religionsstifter hat das Gottesbild, die Art und Weise wie sich die Menschheit entwickelt hat, den zu beschreitenden Lebensweg, den Heilsweg und das Ziel am Ende dieses Weges, das Jenseits oder das „Weiterleben“ nach dem „irdischen“ Tode definiert. Ferner hat der jeweilige Religionsstifter die ethischen Anforderungen und die kulturellen Verpflichtungen festgelegt. Diese sind dann in den heiligen Schriften niedergeschrieben (meistens nicht vom Religionsstifter selbst, so beispielsweise weder von Christus, noch von Mohammed oder von Buddha).

 

In der Regel besteht aber eine Kluft zwischen den Lehren der Religionsstifter, dem Verhalten der Religionsträger (Priester, Mönche) und dem Lebenswandel des allge­meinen Volkes, seinen Vorstellun­gen, Wünschen und Gedanken.

 

Die Menschen versuchen in Kontakt mit der Gottheit ihrer Vor­stellung zu kommen durch Gebete, Gottesdienste, Opferdienste, religi­öse Feste, sich ganz in den Dienst der Gottheit stellen (Kloster), Fas­ten usw. Gebete sind meistens Bitten um etwas (um Erfolg beim Examen, bei der Wahl eines Lebensgefährten, um irdische Güter, Abwendung einer Gefahr, Heilung einer Krank­heit, schließlich um Auswahl für das Paradies, d.h. um „Erlösung vom schweren Erdendasein“). Da wird aber auch eine nicht mit den Geboten im Einklang gewesene Tat bereut, um Verzeihung gebeten. Es wird gedankt, alles wie bei einem Kind-Eltern- oder einem anderen irdischem Obrigkeitsverhält­nis.

 

Auf grund der Psychologie der Massen kann ein Einzelindividuum Mensch sich ganz in der religiösen Ideologie verlieren, im Namen seiner Gottheit Anders-Gläubige foltern und ermorden, ja sich sogar selbst opfern.

 

Ausdruck der Religion ist die Kunst, also Poesie und Drama, Malerei und Bildhauerei, Musik und Tanz.

 

Die Muslime holen aufIn manchen Ländern, z.B. den islamischen, werden religiöse Leitlinien zur Grundlage des Rechts.

 

Das Kreisdiagramm zeigt die Verteilung der Zugehörigkeit von etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung zu den bekanntesten Religionen. Die restlichen 40 Prozent sind entweder statistisch nicht erfaßbar, oder es handelt sich um Mitgliedern von kleinen Religionen (Sekten), wie Zeugen Jehovas, die Neuapostolische Gemeinde, die Baptisten und Tausende von Gruppen mehr. Zu den 40 Prozent der statistisch nicht erfaßten Zugehörigen zu einer bestimmten Religion zählt auch der sehr geringe Prozentsatz der Religionslosen, also der (prozentual recht wenigen) Gottlosen, oft auch Atheisten oder Ungläubige genannt (die die Existenz einer Gottheit verneinen).

 

Religion kann man sogar studieren (Theologie) und auch einen Doktortitel erwerben (aber D. abgekürzt bei den Protestanten statt Dr.) mit Teilbereichen wie Religionsphilosophie, Reli­gionssoziologie und -psychologie, Religionspädagogik. (Der Studienabsolvent wird aber nur über die Religionsrichtung unterrichtet, die er gewählt hat, sonst bestünde die Gefahr, daß er sich zu etwas anderem bekennen könnte.)

 

Es gibt Religionsschulen (Koranschulen für die Muslime) und Religionsunterricht, auch noch in den meisten Schulen der Industrienationen (schön getrennt nach katholischem und evangelischem Unterricht).

 

Es gibt sogar einen religiösen Sozialismus. Ein bekannter Vertreter dieser Richtung war der schweizerische Reformtheologe, Karl Barth, „Vater“ der »Bekennenden Kirche«, der 1968 in Basel im Alter von 82 gestorben ist.

 

In den untergegangenen sogenannten sozialistischen Ländern sind die Gotteshäuser voll, obgleich dort der Atheismus (Gottlosigkeit) als Teil des Marxismus und Leninismus (neben Stalinis­mus, Maoismus usw.) zur „Staatsreligion“ erhoben worden war. Offensichtlich besteht ein Hang der Menschen zum Überweltlichen, Übersinnlichen, Übernatürlichen (Transzendenten) mit der Wunschvorstellung, wenigstens nach dem Tode in's Paradies kommen zu dürfen. Daher sind die jahrelang „atheistisch“ erzogenen Leute rasch in die Gotteshäuser zurückgekehrt, nachdem ihnen die irdischen Mächte keinen Wohlstand und keine Lebensqualität bieten konnten. Nun hoffen sie auf das „Glück“ nach dem Erden-Dasein.

 

Da in den modernen Demokratien prinzipiell keine Trennung zwischen Staat und Religion durchgesetzt werden konnte (außer in Frankreich und - man staune - in der Türkei), spielen diese Institutionen immer noch eine wichtige Rolle:

 

- Da sind Kirchenvertreter in den Programmausschüssen der deutschen staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten.

 

- Da ist Religionsunterricht nach wie vor Unterrichtsfach in den Schulen (anstatt eines Faches über Ideologien im Allgemeinen).

 

- Da sind nur die traditionellen Kirchen in Deutschland offiziell anerkannt.

 

Deutschland ist zwar kein „Gottesstaat“; aber dieser deutsche Staat erhebt (nach der Reichsverfassung von 1919) von jedem Lohn- und Gehaltsempfänger, das Mitglied einer staatlich anerkannten Kirche ist, bis zu 10% („der Zehnte“ wie im Mittelalter) seiner allgemeinen, regulär zu zahlenden Lohn- oder Einkommenssteuer zusätzlich für seine Kirche. (Die Zeugen Jehova's und die Muslime, also die Muselmänner und Muselfrauen, sowie andere, den „Groß“-Kirchen nicht angehörende, arbeitende Menschen brauchen theoretisch nichts zu zahlen. Aber keine Angst: Auch sie werden von ihren „Gurus“- ehrwürdige Diener, zu deutsch - abgezockt. Mir ist kein anderer Staat bekannt, in dem für religiöse Einrichtungen vom Staat Steuern eingezogen werden.

 

Schauen wir uns einmal einige Statistiken über das Steueraufkommen dieser Großunternehmen „Kirchen“ näher an:

 

Diese erste Grafik zeigt das Aufkommen der beiden Großkirchen nebeneinander und über die Jahre von 1987 bis 1991, während das zweite Bild die Einnahmen aufeinander gestapelt, also zu­sammen wie­dergibt, jedoch älteren Datums. Das Stapeln der Balken im obe­ren Bild können Sie ja selbst er­rechnen. Wäh­rend die Kir­chen 1985 etwa 13,2 Milliarden Mark bekamen, konnten sie 1991, also 6 Jahre später, 15,2 Milliarden kassieren, eine Steigerung um 15 %, was in etwa der jährli­chen Inflations­rate von 2,5% entspräche. Sie sehen, daß auch die Kirchen mit der „Zeit gehen“.

 

Das ist sicher nicht gerade wenig, was die Kirchen, die Evangelische Kirche Deutschlands und die Römisch-Katholiche Kirche umsetzen, und da Geld mit Macht verbunden ist, kann der Einfluß dieser Organisationen keineswegs übersehen werden.

 

Leider habe ich keine Zahlen über die Ausgabenverteilung gefunden (aber auch nicht intensiv gesucht - bzw. in Syrien nicht suchen können), also über das, wo diese Kirchen das eingenommene Geld lassen. Auch hätte mich inter­essiert, was die Bischöfe und Pfarrer und andere so verdienen täten.

 

Es scheint sinnvoll wegen der Wichtigkeit des Einflusses der Religionen auf das menschliche Denken und Empfinden, die wichtigsten religiösen Ideologien ein wenig näher zu betrachten. (Dabei werden wir feststellen, daß da viele Gemeinsamkeiten sind. Nur der Buddhismus - jedoch eher eine Weltanschauung - schert ein wenig aus.)

 

 

Beginnen wir in der Reihenfolge der „Bedeutung“, also des Ausbreitungserfolges:

 

 

a) Das Christentum

 

Fast 1 Milliarde Menschen sind im christlichen Glauben behaftet, davon sind allein etwa 550 Millionen als römische Katholiken getauft, 320 Millionen als Protestanten und 85 Millionen gehören zu den Orthodoxen. Der Rest verteilt sich auf unzählbare Sekten.

 

Die Religionsstiftung wird einem Jesus Christus zugeschrieben, dem „direkten, fleischgewordenen Sohn Gottes“ (als einzig bekannte „geschlechtslose“ Zeugung eines Menschen. Die Mutter hieß Maria). Es wird ge­glaubt, daß Gott sich durch Jesus Christus den Menschen gleichstellen wollte, indem er selbst un­ter ihnen weilte von einer Geburt bis zu einem Tode; denn eigentlich fußt ja die christliche Religion auch auf einem monotheistischen Glauben, also dem Glauben an einen einzigen Gott, der verschiedene Erscheinungsformen haben kann als Gottvater, Gottsohn und als Heiliger Geist.

 

Jesus Christus wurde wahrscheinlich 4 Jahre vor der Zeitrechnung geboren und endete mit 34 Jahren am Kreuz (vielleicht auch erst mit 37 Jahren. Nichts Genaues weiß man nicht.).

 

Die Ideen des „Sohnes Gottes“ sind in den Büchern (Evangelien, griechisch: frohe Botschaft) des Neuen Testamentes von seinen Jüngern niedergeschrieben. Wesentliche Gedanken sind:

 

- Der Mensch selbst hat keinen Einfluß darauf, durch welche Handlungen auch immer, d.h. durch eigene Kraft das Reich Gottes zu erwirken. Gott allein entscheidet im „Jüngsten Gericht“, was wirklich Sünde war, wer in den Himmel kommt und wer in die Hölle, in die „ewige Verdammnis“. (Dagegen gibt es keine Berufungsinstanz).

 

- Zum ersten Mal wird von der Liebe zum Nächsten, ja zum Feind gesprochen (Matthäus 5, 44), womit endlich der nie endende Kreislauf an Rachegedanken und Vergel­tungssucht durchbrochen werden sollte (z.B. Lukas 10, 27).

 

- Weitere wichtige Gedanken betreffen die Toleranz (z. B. gegenüber Andersgläubigen, den Sama­ritern oder Samaritanern Lukas 10, 30 ff.) und die Ablehnung der Anmaßung, über Mit­menschen zu richten (Bergpredigt, Lukas 6, 37: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet“).

 

   Als dem Christus eine Ehebrecherin vorgeführt wurde, die nach den alten Gesetzestafeln von Moses (Altes Testament, eigentlich testamentum: letzter Wille, gemeint ist: Zeugnis) eigentlich zu steinigen gewesen wäre, soll Christus gesagt haben: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ (Das Neue Testament, Evangelium des Johannes, Kapitel 8, Vers 7.) Damit wird die Sünde in Gedanken einer „sündigen Tat“ gleich­gestellt.

 

- Sozialistische Gedanken werden begründet, und die Ansammlung von irdischen Güter ist abzu­lehnen (Bergpredigt, Matthäus 6, 19: „Ihr sollt keine Schätze sammeln.“)

 

- Problemlösung mit Waffengewalt wird abgelehnt (Matthäus 26, 52: „Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen.“)

 

- Es werden irdische Machtstrukturen in frage gestellt, die religiösen Führer abgelehnt und die „Pharisäer und Schriftgelehrten“ als Heuchler erkannt (z.B. Matthäus 23). Diesen Gedanken hat der Islam teilweise weiter verdeutlicht. Aber in der Praxis gibt es Mullahs, Ayatollahs, Imame [arabisch »Führer«, »Vorbild«], die Vorbeter beim rituellen Gebet (Salat) in der Moschee, jedoch geistliche und weltliche Oberhäupter der Gemeinschaft aller Muslime (Umma) als Nachfolger des Propheten (für die Sunniten bis 1924 gleichbedeutend mit dem Kalifen, arabisch »Nachfolger«).

 

Es soll sich niemand anmaßen, daß er einem Mitmenschen überstellt (als Vorgesetzter) sei, ist als Ansatz zu finden. Kein irdisches Wesen dürfe sich Vater nennen lassen, da dieser Begriff allein für Gott bestimmt sei (Matthäus 23, 9). (Dennoch hat die katholische Kirche sogar einen heiligen Vater.)

 

Kommentar: Zweifellos muß festgestellt werden, daß  Jesus Christus, wie die meisten Religions­stifter, aus heutiger Sicht, an einer endogenen Psychose, d.h. einer körperlich nicht begründbaren Gei­stesgestörtheit, nämlich der Schizophrenie (Spaltungsirresein) gelitten hat; denn die typischen Symptome, die alle mehr oder weniger auf alle Schizophrenen zutreffen, sind:

 

- Störung des Eigenbewußtseins, der Grenze zwischen seinem Ich und der Außenwelt. Seinen eigenen Körper, seine Gedanken und Gefühle empfand er als von außen gesteuert, nämlich von seinem himmlischen Vater. Er hörte Stimmen und war von einer Wahnidee besessen, nämlich Gottes Sohn zu sein. (Viele Schizophrene identifizieren sich mit bekannten Persönlichkeiten. Sie glauben Napoleon oder auch ein Prophet zu sein. Ein weit entfernter Verwandter von mir, als Schizophrener von seinen Mitmenschen isoliert, war ganz umgänglich und geriet nur dann außer sich, wenn er nicht mit „Majestät“ angeredet wurde; denn er hielt sich für den Kaiser Napoleon den ersten.)

 

-  Aus seiner Wahnidee heraus wurde Christus sogar tät­lich, was die Beschreibung der sogenannten Tempelreinigung aufzeigt (Johannes 2, 15).

 

Die sogenannte normale Seite seines Geisteslebens erkannte durchaus Mißstände. Er war wohl keineswegs „unterbelichtet“, hatte recht gute analysierende Fähigkeiten. Allerdings wurden dann seine „Verbesserungsvorschläge“ durch die krankhaften Wahnvorstellungen von einem völlig irrealen transzendenten System überlagert.

 

Sicherlich wäre heute ein Jesus Christus sogar zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. (Es hat jedoch jemand mal gesagt: „Laßt mehr Verrückte um mich sein; denn wir sehen ja, wie weit es die Normalen gebracht haben“.)

 

Es ist zu beobachten, daß insbesondere die römisch katholische Kirche oder die griechisch orthodoxe keinen einzigen der oben unter den Spiegelstrichen aufgelisteten Grundgedanken beherzigt hat; denn

 

-  die Kirchenvertreter können Sünde durchaus vergeben nach der Beichte, einem ausgezeichneten, psychologisch zu sehendem Ventil,

 

-  Rachegedanken und Vergeltungssucht haben zu den Judenverfolgungen, als den Christusmörder geführt,

 

-  Mischehen waren und sind immer noch verpönt. Ungläubige wurden verfolgt, Andersdenkende gequält und gefoltert und schließlich verbrannt;

 

die Sexualität wird nach wie vor sowieso als Sünde gesehen. Der Geschlechtsakt ist immer noch nur in der Ehe erlaubt, um Nachwuchs zu zeugen,

 

-  die Kirchen zählen zu kapitalistischen Großunternehmen mit unschätzbaren Reichtümern. Es gibt undurchsichtige Geschäfte. Die Vatikanbank veröffentlicht keine Bilanzen,

 

-  Kriege aller Art sind abgesegnet worden. Sogar reine sogenannte Glaubenskriege sind ausdrücklich gefordert worden (Kreuzritterkriege), obwohl meiner Ansicht nach kein Krieg ohne die Absicht der Machtausdehnung und nicht aus wirt­schaftlichen Gründen (wegen einer Notlage der allgemeinen, durchschnitllichen Bevölkerung) geführt worden ist und wird,

 

-  Der Papst, „Heiliger Vater“ genannt, direkter Stellvertreter Gottes (quasi Gott selbst), hat sich immer als die ausschließliche Obrigkeit gesehen, war allen irdischen Königen und Kaisern überstellt.

 

"Wer sich selbst erhöht"... Nun, dem geht es gut, nicht wahr?Ich würde gerne wissen, wie dieser Christus auf die geschmückte, ja sogar mit echtem Gold und kostbaren Edelsteinen verzierte, also „sehr wertvolle“ Person im Bild links reagiert hätte, die sich als sein (berufener?) Vertreter ausgibt.

 

Es handelt sich um einen Bischof der griechisch orthodoxen Kirche, also um einen von mehreren Stellvertretern dieses Jesus Christus.

 

(Das Bild habe ich aus „Mémo Larousse, 2° Édition“ abgekupfert.)

 

b) Der Islam

 

Islam bedeutet im Arabischen: Ergebung (gemeint ist in Gottes Willen). Daher wird dauernd wie von gläubigen Christen auch von den Muslimen („die sich Gott unterwerfen“, von Nichtmuslimen oft auch Mohammedaner genannt) von „so Gott will“ gesprochen (Inschallah).

 

„Gestiftet“ wurde diese jüngste der „Groß“-Religion von Mohammed, dem Propheten, der, basierend auf dem Alten Testament der Bibel, nur einen einzigen Gott zuläßt (strikter Monotheismus). Da gibt es keinen Sohn und keinen Heiligen Geist oder heilige Menschen. Auch Engel spielen ursprünglich keine Rolle.

 

Die islamische Ideologie ist im Koran (»Lesung«, der Heiligen Schrift), der „Mutter aller Bücher“, mit 114 „Suren“ (Reihen, Kapitel) in unterschiedliche „Aja“ (Verse) eingeteilt. Er (der Koran) gibt das wieder, was der Erzengel Gabriel (Djabra'il), der Chef der Wächter des Thrones Gottes, dem Propheten Mohammed befohlen hat.

 

Die fünf „Säulen“ des Islam, neben anderen Dingen in der heiligen Schrift (Koran) niedergeschrieben, sind:

 

  I.   das Glaubensbekenntnis (Schahada): „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“;

 

 II.   das Gebet, das fünfmal am Tage durchgeführt werden muß (Salat), möglichst in einer Mo­schee, dem Ort, wo „man (der Mann) sich niederwirft“;

 

III.  die Gabe von Almosen (Sakat);

 

IV.  das Fasten während eines Monats (Ramadan) und

 

 V.  die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch), dem Geburtsort des Propheten (siehe später), die einmal im Leben durchgeführt werden muß.

 

Ein Besuch von Mekka ist für „Ungläubige“, also alle Nichtmuslime streng verboten (der ein­zige Ort in der Welt, für den ein solches Verbot gilt, abgesehen von „militärischen Gebieten“, zu denen man sich dennoch in Ausnahmefällen Zutritt verschaffen kann).

Ein Besuch von "Ungläubige" ist unmöglich

Mekka liegt im Westen von Saudi-Arabien und ist die Hauptstadt von Hedschas (ein Staats­gebilde, in etwa vergleichbar mit dem Vatikan in Italien).

 

Das Bild vom Hof der Hauptmoschee (mit der Kaaba, „Würfel“, schon vor dem Islam arabische Kultstätte) hat ein, mir sehr gut bekannter thailändischer Diplomat (Mr. Bancha Boonthana) sehr naturgetreu, foto-realistisch gemalt. (Ich kann ihn nicht mehr fragen, ob er - ein sehr liebenswürdiger Mensch - mir die Veröffentlichung erlaubt; denn er ist vor einigen Jahren in New York verstorben.)

 

Nicht erlaubt sind im Islam: Wein (Alkohol schlechthin, obwohl nur Wein im Koran zu finden ist, da den Verfassern Whisky und Bier wohl nicht be­kannt waren – Bier gabs allerdings schon lange vorher im Alten Ägypten und bei den Sumerern), Schweinefleisch (wegen der damals weit verbreiteten Trichinenverseuchung der Tiere) und Glücksspiele.

 

Bis zu vier Frauen können auf Erden „genommen“ werden; die die männliche Rasse dezimierte sich gerne in Kriegen. Im Himmel, dem schattigen und reichlich mit Quellen ausgestattetem (Männer-)Paradies gibt es jeden Tag neue Paradiesjungfrauen (Huris, also die „frischen, unberührten, süßen Hürchen“). Da muß man aber erst mal hinkommen; denn es könnte einem auch die Hölle drohen (nur Gott bestimmt darüber - Inschallah).

Über die Stellung der Frau in der islamischen Ideologie ist viel geschrieben worden. Sie soll wenigstens vor Gott dem Mann gleichgestellt gewesen sein, wie folgender „Vers“ (aja) 43 aus der „Reihe“ (sure) 40 des Koran gedeutet wird:

 

„Wer Böses getan hat, dem soll nur mit Gleichem gelohnt werden, und wer das Rechte getan hat, sei es Mann oder Weib, sofern sie gläubig waren, die treten ein ins Paradies, in dem sie ohne Maß versorgt werden“. [Max Henning: „Der Koran“, Reclam-Ausgabe, 1981]

 

Folgender Satz ist zu unterstreichen:

 

Die islamische Gesellschaft ist zum Glaubenskrieg (Dschihad = Djihad), dem Heiligen Krieg, verpflichtet, damit das Land, das von den „Ungläubigen“ besetzt ist, dem Islam („mit Feuer und Schwert“) ein­verleibt werden kann und unter seine Herrschaft gelangt (Dar al-Islam), in das Haus des Islam kommt. Diese Verpflichtung zur Glaubensausbreitung wird häufig auch als eine (sechste) Säule des Islam betrachtet.

 

Der Islam muß also als eine äußerst aggressive Religion gesehen werden mit Machtanspruch über alles Nichtislamische.

 

Das Einzelindividuum, also der einzelne Mensch zählt nicht, so wie im Judentum und dem Leninismus. Er geht in der Masse unter.

 

Einen Missionsgedanken gibt es nicht im Islam, nach dem das Christen­tum etwas subtiler (unterschwelliger) die gleiche Expansionspolitik wie der Islam - oft auch mit Feuer und Schwert -  betrieben hat. Der Koran liest sich so, daß Ungläubige niemals zum Glauben finden; denn - vor allem - Allah verstockt sie, so wie der christliche Gott den Pharao in Ägypten, damit dieser das Volk Israel nicht ziehen lasse und er - der HERR - ein Mordmotiv hatte, alle männliche Erstgeburt in Ägypten, ob von Mensch oder Tier, umbringen zu können.

 

Der Islam erlaubt (eigentlich) keine Trennung zwischen Staat und Religion. Der Macht­anspruch erstreckt sich also auf alle Bereiche des Lebens mit gesetzlichen Vorschriften (Fikh), die teilweise schon im Koran niedergelegt sind, aber von islamischen Rechtsgelehrten (Ayatollah) ausgeweitet wurden zu einem Pflichtenkatalog (Scharia), begründet auf dem „vorbildlichen Leben“ des Pro­pheten.

 

Der Islam kennt keine irdische Obrigkeit und Priesterschaft und damit keinen Kult von irdi­schen Personen.

 

Natürlich hat auch diese Religion ihre Repräsentanten, die Gelehrten (Ulamas) oder die „Ajatollahs“ der Chiiten (einer islamischen „Sekte“), denen niemand zu widersprechen wagt (wenn er nicht des Todes sein will wie in der „Islamischen Republik Iran“).

 

Nachtrag: Die islamische Religion hat um die 1,2 Milliarden Anhänger (2010: mehr als das doppelte gegenüber 1990) und ist - wie die meisten Glaubensrichtungen - in viele Sekten aufgegliedert:

-  die Sunniten, denen etwa 90% der Mohammedaner folgen und die sich als die islamische Orthodoxie verstehen. Unter ihnen gibt es 4 nennenswerte unterschiedliche "Auslegungstraditionen" (Rechtsschulen = Madhhabs: bei den Hanbaliten - Glaubens- und Pflichtenlehre nach islamischen Kerntraditionen; Hanefiten - lassen das »Für-gut-Halten« mittels eines Vernunfturteils zu; Malikiten - basieren auf Gewohnheitsrecht; Schafiiten - bauten dann das islamische Gewohnheitsrecht zu einer systematischen Rechtslehre aus);

-  die Chiiten (oder Schiiten), Charidchiten (mit fast den restlichen 10% der Gläubigen). Der Name kommt von Shia "Partei"; das ist die Partei des Ali, dem Schwiegersohn der Propheten Mohammeds und dessen Nachkommen als jeweils rechtmäßige Nachfolger. Der Nachfolger wird Kalif genannt und ist Leiter der schiitisch-islamischen Gesamtgemeinde.

-  Die Alewiten beschweren sich in Deutschland, weil sie keine Berücksichtigung finden...

-  und einige mehr.

 

Erklärt werden muß noch der Name "Muslim" (oder "Moslem", veraltet Muselman) (arabisch "der sich Gott unterwirft"). So bezeichnen sich die Anhänger des Islam selbst. Eine Bezeichnung als "Mohammedaner" wird zurück gewiesen; denn ihr Glaube ist auf die von Mohammed überbrachte Offenbarung Gottes ausgerichtet und nicht auf Mohammed selbst als nur dem menschlichen Überbringer.

 

[Nichtmuslime "Ungläubige" sind die, die von Allah spätestens am "jüngsten Tag" ewig in die Hölle kommen (wie in jeder Sure = jedem Vers im Koran zu lesen ist)].

In einem islamischen Staat muß heute jeder einer Glaubensgemeinschaft angehören. (Atheismus = Kommunismus wird nicht geduldet.) Mischehen sind nicht erlaubt. (Damit hat der Islam einiges gemeinsam mit dem Grundgedanken des strengen Katholizismus.)

Allah (Gott), der Erzeuger der Welt mit allem drum und dran, entscheidet auch über ihr Ende. (Er setzt den „jüngsten Tag“, das Ende der Zeit fest [Koran XXI, 104].)

 

Kommentar:   Aber alles das wird „nicht so heiß gegessen wie es gekocht wurde“. Mir sind auch Mischehen bekannt zwischen Muslimen und Christen. Ich habe Alkoholiker kennen gelernt. Allerdings dürften solche Fälle in Staaten wie der Islamischen Republik Iran oder Saudi Arabien nicht an die Öffentlichkeit gelangen; denn das hätte schwere Strafen zur Folge.

 

Etwa 550 Millionen Menschen haben sich diesem Glauben unterworfen (1991), der Staatsreligion in den nordafrikanischen Staaten, dem mittleren und nahen Osten (außer Israël) ist, sowie in Indonesien, Malaysia, Pakistan, Afghanistan. Starke Gruppierungen werden in Indien, Albanien, den ehemaligen jugoslawischen Staaten, den südlichen Zonen der ehemaligen Sowjetunion, in China und den Philippinen angetroffen.

 

Die islamische Zeitrechnung beginnt 622* in dem Jahr, nachdem Mohammed, der Prophet, dessen eigent­licher Name Abul Kasim Muhammad Ibn Abd Allah ist, in Medina eingezogen war, einer Oasen­stadt in Saudi-Arabien. In diesem Medina starb der „von Gott Gesandte“ 10 Jahre später (also 632) in Alter von etwa 62 Jahren.

 

Mohammed war nicht unvermögend und gehörte einer angesehenen Sippe (Haschimiden) in Mekka, seiner Geburtsstadt, an. Die Leute aus Mekka hielten nicht allzu viel ihm, der so ab dem vierzigsten Lebensjahr immer mehr von Visionen und Offenba­rungserlebnissen heimgesucht wurde (eigentlich ein aus heutiger Sicht klinischer Fall für die psychiatrische Abteilung. Stimmenhören und Fremdbestimmtwerden ist - wie oben schon im Zusammenhang mit Christus erwähnt - ein typisches Symptom der Schizophrenie). Von Medina aus führte er mehrere Kriege gegen die Stadt seiner Herkunft und konnte sie sich schließ­lich unterwerfen.

* Die Jahreszählung des islamischen Kalenders beginnt mit der Hidjra (arabisch auch Hidschra, Hedjra, Hedschra: »Ausreise« Mohammeds von Mekka nach Medina] und folgt einem Mondkalender. Die zwölf Monate sind jeweils 29 oder 30 Tage lang. Tage werden vom Sonnenuntergang an gerechnet (Was geschieht nördlich des Polarkreises? den gab's damals noch nicht.)

 

Neuere Daten zum Islam aus

© 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG:

 

Zahl der Muslime weltweit (Anfang 2000)

 

rd. 1 190 Mio.

 

Hauptverbreitungsgebiete

 

Vorder- und Mittelasien

Nord- und Westafrika

 

überwiegend islamisch geprägte Länder außerhalb dieser Gebiete (Auswahl)

 

Bangladesh

Pakistan

Indonesien

Somalia

Sudan

 

Hauptrichtungen

 

Sunniten

Schiiten

 

Sondergemeinschaften

 

Ahmadija

Charidjiten (Ibaditen)

Nusairier (Alawiten; Aleviten)

 

Hauptfeste*)

 

Beginn des Fastenmonats Ramadan (2002: 6. November)

Offenbarung des Korans an Mohammed (2002: 1. Dezember)

Fest des Fastenbrechens (»Kleiner Bairam«; 2002: 5. Dezember)

Opferfest (»Großer Bairam«; 2003: 12. Februar)

Neujahr (Tag der Hidjra; 2003: 4. März)

Ashura-Tag (Gedenken an den Märtyrertod Husains; höchster Feiertag der Schiiten; 2003: 13. März)

Geburtstag Mohammeds (2003 : 14. Mai)

Himmelsreise Mohammeds (2003: 21. September)

Beginn des Fastenmonats Ramadan (2003: 28. Oktober)

 

Hauptwallfahrtsorte, wichtige heilige Stätten (Auswahl)

 

Mekka (gesamtislamisch)

Medina (gesamtislamisch)

Jerusalem (gesamtislamisch)

Nedjef (bes. schiitisch)

Kerbela (schiitisch)

Kum (schiitisch)

Meschhed (schiitisch)

Touba, Senegal (schwarzafrikanischer sunnitischer Islam)

Doch noch ein paar Worte zur Stellung der Frau im Islam im Vergleich zum Mann, was alles sonst im Koran geschriebene in den verschiedenen Suren (Versen) in den Schatten stellt. Während die Frau absolut sexuell enthaltsam sein muß, darf der Mann ein bißchen mehr, nach den vorsichtigen Äußerungen von Prof. Dr. Karl-Heinz Ohlig in seinem Artikel im Brockhaus, bzw. Meyers 26-bändigen Taschenlexikon, sehr vorsichtig auszudrücken wagt:

"Ausführungen im Koran erwecken aber den Eindruck, als sei das Paradies eine Männersache; ihnen werden als Moment des paradiesischen Glücks auch sexuelle Freuden verheißen mit - möglicherweise zu diesem Zweck eigens erschaffenen - »großäugigen Huris«, mit makellosen und jungfräulichen Mädchen. In diesem Leben aber gilt gemäß Sure 4 Vers 34: »Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie [von Natur vor diesen] ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen [als Morgengabe für die Frauen?] gemacht haben ... Und wenn ihr fürchtet, dass irgendwelche Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch [daraufhin wieder] gehorchen, dann unternehmt weiter nichts gegen sie! Gott ist erhaben und groß«."

 

Einflechtung:   Diese Rechtsauffassung vertritt aber auch eine Richterin aus Frankfurt am Main im Jahre 2007. (Übrigens ein Richter hat als einziger in jedweder Berufsgruppe keinerlei Verantwortung. Für ein "Fehlurteil" - wie dem obigen als Verstoß gegen die bundesdeutsche Verfassung - gibt es höchstens eine Versetzung, aber keine sonstigen Konsequenzen, wie z.B. Berufsverbot, geschweige denn einen Entschädigungsanspruch.)

 

Und an anderen Stelle heißt es: "Nach dem 24. Vers" (gemeint ist Sure 129) "ist dem (wohlhabenden) Mann über seine Ehefrauen hinaus der Verkehr mit seinen Sklavinnen, auch wenn sie mit anderen verheiratet sind, sowie gegen Bezahlung mit Konkubinen möglich: »Und [verboten sind euch] die ehrbaren Ehe[frauen], außer was ihr [an Ehefrauen als Sklavinnen] besitzt. [Dies ist] euch von Gott vorgeschrieben. Was darüber hinausgeht, ist euch erlaubt, [nämlich] dass ihr euch als ehrbare [Ehe]männer, nicht um Unzucht zu treiben, mit eurem Vermögen [sonstige Frauen zu verschaffen] sucht. Wenn ihr dann welche von ihnen ... genossen habt, dann gebt ihnen ihren Lohn als Pflichtteil!«."

 

Bekleidung der Frau (oben rechts: Burka, der Mantel - oft sogar ganz schwarz, der den ganzen Körper bedeckt. Ein Stoffgitter verbirgt die Augen):

 

Islamische Kunst:

 

Der Brockhaus hat gerade mal 2 Beispiele zu bieten. (Nach meinen Erfahrungen gibt es zig Bilder, die sich jedoch ähnlich sind wie russische Ikonen.)

            

Kaila und Dimna - aus einer Handschrift um 1348 (Kairo)     Bronzespiegel mit Silbereinlagen um 320 (Aleppo)

 


 

 

Kommentar: Die islamische Ideologie birgt die Gefahr in sich, daß ihre Angehörigen wenig Neigung zu einer Toleranz Andersgläubigen (oder allgemeiner ausgedrückt Andersdenkenden) gegenüber haben, da sie sich allein als die „Auserwählten“ fühlen, ähnlich dem „Herrenrassengedanken“ der deutschen Nationalsozialisten (Nazis). (Aber jede Ideologie erhebt ja Anspruch auf absolute Wahrheit. Da macht das Chri­stentum keine Ausnahme. Und die im „Dritten Reich" verfolgten Juden auch nicht.)

 

Wegen der Aufforderung, die Macht auf die „Ungläubigen“ auszudehnen, können leicht von nach Macht strebenden Glaubensfanatikern kriegerische Konflikte an­geheizt werden.

 

Es muß aber gesagt werden, daß islamische Länder (bzw. deren Machthaber - immer wieder betone ich deren Verantwortlichkeit) nicht mehr, vielleicht sogar weniger Kriege und andere „Schweinereien“ auf dem Gewissen haben, als die (in ihren Augen) Ungläubigen, z.B. die unter sogenanntem christlichen Einfluß stehenden.

 

Daher möchte ich vor einer einseitigen Verteufelung des Islams warnen. Ich kenne persönlich einige sogenannte Fundamentalisten sogar recht gut, die ich achte und mit denen ich genauso gut diskutieren kann wie mit „aufgeklärten“ (aber gläubigen) Christen.

 

Die Ergebung in Gottes Willen bewirkt eine leicht zu beobachtende Neigung bei den Mohammedanern zum Fatalismus (sich in sein Schicksal fügen, da Gottes Wille) und zu einer Verweigerung von Verantwortung; denn schließlich ist Gott für alles ver­antwortlich, wenn es kein Wasser mehr gibt, wenn etwas nicht geklappt hat, wofür das Einzelindividuum gerade zu stehen hätte (Gott der Allmächtige hat es nicht so gewollt  und Gott ist eben weise und wird schon seine Gründe gehabt haben). Diese Ergebenheit in Gottes Willen ist die größte Entwicklungsbremse der islamischen Staaten, meiner Meinung nach.

 

Die den Muslimen auferlegten Pflichten bewirken eine enorme Energieabsorption. Da muß 5 mal am Tag gebetet werden, wozu als Vorbereitungen die Waschungen erfor­derlich sind und die Ausrichtung nach Mekka (möglichst auf einem Gebetsteppich), dazu noch das Aufsuchen einer Moschee. Die Gebetsausrufer wecken die Gläubigen morgens zwischen 3 und 5 Uhr, je nach Mondstand. Abends ist das letzte Gebet zwischen 20 und 22 Uhr. Es ist also kaum durchgehender Schlaf möglich. In den islamischen Ländern sind die Moscheen so dicht angeordnet, daß niemand den heutigen Megaphonen der Gebetsaufrufer entgehen kann. Modernste Technik wird genutzt, aber nichts erfunden. Und man denke mal aus, was aus unseren demokratischen Ländern geworden wäre, wenn man nur gebetet hätte bzw. wenn alle heute noch beten würden. Dann müßten sogar die Flugzeuge in der Luft für ein paar Minuten die Antriebe abschalten, was gar nicht so schlecht wäre. Aber keine Sorge: Auch im Islam gibt es reichlich Ausnahmeregelungen.

 

In dieser Religion ist der ganze Tagesablauf bei "einfachen Leuten" nur mit Pflichten aus dem Koran (Gebeten, sonstige Verhaltensregeln) ausgefüllt ("damit niemand auf dumme Gedanken kommt", sagte mir einmal eine gläubige Christin).

 

>Hier< ein ausführlicher Artikel über den Koran (mit einer weiteren Verzeigung zu einem Artikel über das "Heilige Buch des Islam" aus der Zeitschrift "stern" mit einigen Bildern)


 

c) Der Hinduismus [2]

 

Das Gesetz von Karma und Wiedergeburt.

In endloser Reihe kommt jeder Mensch wieder auf die Erde,

bis er gelernt hat, seine Energien zu kontrollieren.

Man beachte: Auf dem Bild sind nur Männer zu sehen.

„Hindu“ ist einfach das persische Wort für Inder. Damit bezeichnet der Hinduismus vom Namen her eigentlich nur eine Volkszugehörigkeit. Heute gehören dieser Religion um die 450 Millionen Menschen an. Sie hat sich aus dem Weda („Wissen“, alte heilige Schrift) bzw. dem Brahmanismus (Brahma, Name eines Gottes, des „Urgrunds des Kosmos“) entwickelt ohne einen (bekannten) Stifter.

 

Der wichtigste Gedanke des Hinduismus ist der ewige Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara), wobei das Karma, also ein für die Taten und Werke der Menschen gültiges „moralisches Vergeltungsgesetz“, eine Rolle spielt.

 

In diesen Kreislauf ist alles einbezogen: Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen, Durch-die-Hölle-müssen.

 

Doch kann man diesem Kreislauf entrinnen und Erlösung finden durch:

 

- Askese („Übung“ im Griechischen), d.h. Einschränkung oder Weglassen von allem Weltlichen, als da sind: Geschlechtsverkehr, der sowieso total verpönt ist, Speise, Trank, Schlaf, Kleidung und irdischer Besitz. Mit der Askese soll der Mensch aus der Gebundenheit an die Materie gelöst werden. Nach den buddhistischen Gedanken, die ja auch auf den Hinduismus nicht ohne Einfluß geblieben sind, sind die irdischen, die materiellen Dinge sowieso ja nur als eine Illusion zu werten.

 

- Joga, das „Joch“ (Methode der Vervollkommnung des Menschen, auch Yoga), in das der Körper eingespannt ist. Joga ist eine Meditationsübung mit dem Ziel, sich aus der Materie zu lösen, also die Seele von der Materie zu lösen, sich bewußtlos zu machen und sich jenseits der Welt zu begeben. Natürlich müssen auch hier einige vorbereitende (eigentlich genau 8) Regeln beachtet werden:

 

--„Zügelung“ (jama) z.B. seines Geschlechtstriebes,

-- „Beachtung von Reinheitsvorschriften“ (nijama),

-- „Sitz“ (asana), also die richtige Körperhaltung einnehmen (damit der Körper nicht umkippt, wenn die Seele entfleucht ist),

-- „Beherrschung des Atmens“ (pranajamana),

-- „Zurückziehung der Sinnesorgane von seinen Objekten“ (pratjahara), damit man ja nicht ab­gelenkt wird bei dem Trip in's Jenseits (nichts hört und nichts sieht),

-- „Festhalten“ (dharana) an der Konzentration auf den Jenseitstrip,

-- „Versenkung“ (samadhi) durch entsprechende Gedankenausrichtung,

-- „Meditation“ (dhjana) oder Beschauung (Kontemplation), also Zuwendung zum Übersinnli­chen mit dem Ziel, sich in einen bestimmten Bewußtseins- und Empfindungszustand fallen (versenken) zu lassen, um außerhalb sich selbst sein und sich mit dem Göttlichen vereinigen zu können.

 

Da Joga mehr und mehr beliebt wird, sei auf das Buch von S. Hoare verwiesen: „Yoga, Ge­schichte, Philosophie und ein komplettes Übungsprogramm“, erschienen als deutsche Überset­zung 1984 in Ravensburg.

 

In der Aufzählung, wie man Erlösung finden kann, fehlen noch:

 

- Gottesliebe (Bhakti) und

 

- magische Praktiken, womit der Mensch mit seinem eigenen Willen auf seine belebte und unbelebte Umwelt Einfluß nehmen will (was nach naturwissenschaftlichen Betrachtungen völlig irrational erscheint). Im Hinduismus ist natürlich nur die „weiße“ Magie (>hier<) erlaubt.

 

  Der „Führer“, das Oberhaupt, der Lehrer einer hinduistischen Sekte ist der Guru (was eigent­lich „geistig“, „ehrwürdig“ heißt).

 

Götter verkörpern Naturelemente. Die wichtigsten Götter sind:

 

- Brahma, der kaum noch eine Rolle spielt, aber

 

- der gütige Wischnu, der in zehn Inkarnationen („Fleischwerdungen“ also menschlichen Ge­stalten) erscheint und der uns von Dämonen befreit (aber nur wenn wir daran glauben),

 

- Schiwa (der Gnädige), der aber einerseits einen starken Aspekt der Zerstörung bedeutet, andererseits wiederum fruchtbar (daher als Phallus, dem „Schöpfer“ verehrt) und unheimlich ist. Schiwa lebt mit seiner Frau (Parwati) und seinen beiden Söhnen (Skanda und Ganescha) im Himalaya (jedoch mit nicht genauer Adresse), sowie

 

- Indra (der Regen), Waruna (das Wasser), Agni (das Feuer), Waju (der Wind), Surja (die Sonne), Soma (der Mond), Jama (der Tod), Kama (die Liebe).

 

Da wegen des Hinduismus ein Land wie Indien kaum entwickelt werden kann, sei auf einige weitere Einzelheiten eingegangen. Da gibt es die recht fanatischen Sikhs, Anhänger eines Sektierers Nanak, der, um 1540 gestorben, eine Verbindung zwischen dem Islam und dem Hinduismus anstrebte. Ein Herr Gobind Singh, den 1708 der Tod ereilte, gab diesem Re­ligionszweig einen militanten Charakter, basierend auf der islamischen Ausbreitungsaufforderung.

 

Die Männer dürfen sich weder den Bart noch die Haare ab­schneiden. Die ziemlich langen Haare werden unter einem Turban zusammengerollt. (Ich habe mal einen Singh, mit dem ich mich etwas angefreundet hatte, gebeten, den Turban abzusetzen, was er widerwillig tat. Die Haare reichten bis zum Boden.)

 

Verteidiger des Glaubens sind wohl alle ReligiösenHeute gehören dieser Sekte etwa 15 Millionen Menschen an. Ihre Bibel (das Heilige Buch der Sikhs), Adigrantha (zu deutsch: Urbuch), etwa 60 Jahre nach dem Tod des Sektengründers Nanak erschienen, wird wie ein Guru verehrt. Es ist im Goldenen Tempel von Amritsar aufbewahrt, inmitten eines heiligen Sees der im Bundesstaat Punjab in Indien liegenden Stadt, etwa 30 km von der Grenze zu Pakistan entfernt, mit über 700 Tausend Einwohnern, Universität, Kunsthandwerk und Industrie für Chemie, Textilien, Glas, Stahl. Der Staat Punjab wurde 1966 den Sikhs zuer­kannt. (In Amritsar sind 1919 von den Briten hunderte von Anhängern Gandhis* umgebracht worden.)

 * genannt: Mahatma [Sanskrit »dessen Seele groß ist«], der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, der am 2.10.1869 in Porbandar (Kathiawar, Halbinsel im Norden der Westküste Indiens) geboren und am 30.1.1948 in Neu-Delhi ermordet wurde. [3]
 

Das Foto zeigt ei­nen jungen Sikh (auch Singh genannt, nach dem Herrscher Ranjit Singh) vor dem „Goldenen Tempel von Amritsar“).

 

 

Die Sikhs lehnen das Kastenwesen[4] ab. Auf die „Kasten“ (wahrscheinlich aus dem Portugiesi­schen: rein, keusch) im Hinduismus muß ich näher eingehen. Wahrscheinlich ist das Kastensystem aber eine Erfindung der in Indien eingewanderten Arier, die ihre Gesellschaftsform und (reine und keusche) arische Rasse nicht durch die Asiaten verderben lassen wollten.

 

Während es anfänglich „nur“ 4 Kasten (auf indisch: warna, was aber „Farbe“ bedeutet) gab, nämlich:

 

- Priester (Brahman),

- Krieger (Kschatrija),

- Bauern und Handwerker (Waischja),

- Knechte (Schudra),

 

gibt es heute um die 3000 (!). Hinzu kommen noch sogar die außerhalb dieses Kastensystems stehenden „Unberührbaren" gegenüber, als sogenannte unterste Kaste, »die Parias«, von Tamil paraiyar = »Trommelschläger«. Ihr körperlicher Kontakt würde die „Kastenhindus" beflecken. Daher leben sie als Außenseiter in der Gesellschaft. Sie gehen oft als „unrein" angesehenen Berufen nach (wie „Toilettenfrauen").

 

Es darf nur mit Mitgliedern der eigenen Kaste gegessen und getrunken werden. Eine Mischehe ist nahezu undenkbar. Jede Kaste hat eigene (konservierte) Sitten und Gebräuche, sowie Pflichten, denen das Einzelindividuum nachzukommen hat (Dharma). Mitglied einer Kaste wird man durch Geburt. Niemand kann also von einer Kaste in eine andere überwechseln.

 

Eine besonders traurige Stellung nehmen die „Unberührbaren“ (Paria, zu deutsch: Trommler) heute ein. Ein körperlicher Kontakt zwischen ihnen und einem Angehörigen einer anderen Kaste wäre eine schlimme Befleckung. Die „Unberührbaren“ haben die niedrigste und dreckigste Arbeit zu verrichten, die Untergruppen der Bhangi und der Mehtar vor allem den Kot und den Unrat der anderen zu beseitigen.

 

Mohandas Karamschand (Mahatma, „dessen Seele groß ist“) Gandhi, Ende Januar 1948 im Al­ter von 78 Jahren von einem fanatischen Hindu ermordet, hatte auch versucht, das Kastenwesen infrage zu stellen. Er stieg einmal in eine Lokusgrube, um diese von menschlichem Kot und Urin zu entleeren, vor allem um damit zu demonstrieren, daß es jeder machen könne und zu machen habe. Dieser großartige Mann ist am religiösen Fanatismus gescheitert. Es ist ihm nicht gelungen, die damaligen, bis heute noch andauernden, blutigen Kämpfe zwischen Muslimen und Hindus zu besänftigen, geschweige denn zu beenden.

 

d) Der Buddhismus

 

Dieser Religionszweig ist nach seinem Stifter Siddhartha Gautama, mit dem Ehrentitel Buddha, dem „Erwachten und  Erleuchteten“, benannt. Er entstammte einer reichen, im Luxus le­benden Adelsfamilie mit Schlössern im Jahre 560 vor der Zeitrechnung, wirkte vorwiegend in der nordindischen Gegend von Uttar Pradesch, an der Grenze zu Nepal, und verstarb im Alter von (wahrscheinlich) 60 Jahren an der Ruhr (hruora im Althochdeutschen: „Unruhe“ durch die Dick­darminfektion).

 

Es wird berichtet, daß ihn in seinen frühen Jahren vier Begegnungen sehr beeindruckt hatten, nämlich die mit einem alten Mann, mit einem Schwerkranken, einem Mönch und einem Toten. Das machte ihm die Vergänglichkeit von allem klar. Er schlich sich aus dem väterlichen Schoß, um als Asket (sich in völliger Enthaltsamkeit übend) zu leben, was ihn selbst an den „Rand des Vergängli­chen" brachte. Er beschloß einen Kompromiß zwischen viel und nichts haben. Mit 35 Jahren über­kam ihn die „Erleuchtung“, und er begann zu predigen. Damit fing die „Inbewegungsetzung des Rades“ an. Er sammelte Mönche (des Sagha) um sich. Auch Frauen durften bei ihm mitmachen.

 

Zuerst stützte sich Buddha bei seinen Predigten auf die älteste Religion Indiens, den Wedismus ab (von einwandernden Indo-Germanen importiert). Da gibt es Naturgötter: den Himmel (Djaus), die Erde, das Feuer (Agni), den Wind (Waju), die Sonne (Surja), die Morgenröte (Uschas). Der Gott Waruna wacht über die Ordnung der Welt (Rita). Besondere Bedeutung hat der Kriegsgott Indra, der die Menschen von den Kühen befreit und Überschwemmungen fernhält. Statt in einem Tempel spielt sich alles auf dem Opferplatz ab, wo die Gläubigen die Gottheiten zum Essen einladen und sich mit Roma, einem Rauschtrank besaufen. Es wird an ein Jenseits geglaubt, wo man die Verstorbenen alle wiedertrifft. Aus der wedischen Religion entwickelte sich über den Brahmanismus, mit Witwenverbrennung und Wiedergeburt, schließlich der Hinduismus.

 

Buddha behielt lediglich die Idee der Wiedergeburt, was von einigen Forschern bezweifelt wird, da Buddha selbst nichts notiert hat und weil nicht klar ausformulierte metaphysische und psychologische Äußerungen fehl- oder hinzu interpretiert worden sein sollen. So wird ihm zugeschrieben der Gedanke, daß  alle Dinge seien ohne ein Selbst, ohne dauerhafte Substanz seien. Folgende Aussagen werden ihm auch zugeschrieben: Mit dem Tode geht der Mensch, je nach Lebens­wandel, also je nachdem ob er gute oder böse Taten vollbracht hat, über in eine neue, entweder in eine gute oder in eine schlechte Existenz. Schließlich soll er den Begriff des Nirwanas eingeführt haben [Sanskrit, eigentlich »das Erlöschen«], des Verwesens, im Sinne von Dahinschwinden, der Vernichtung des Leidens, des Verlö­schens des Durstes, des Verschwindens der Lebensgier. Damit hätte er den Erlösungsgedanken ersetzt, den die Upanischaden, (die „sich in die Nähe“ des Lehrers „niedersetzen“; so heißt das in San­skrit), aus dem Nachdenken über den Ursprung der Welt und über den Kreislauf der Geburten, sowie aus dem Wirken des Karmas, dem Fortwirken der guten und bösen Taten entwickelt hatten (Karma: die Tat, das Werk) durch ein einfaches Erlöschen, Verschwinden, durch „Nirwana". Vielleicht meinte Buddha: mit dem Tod ist alles vorbei.

Bei den Upanischaden ist der Atem die wichtigste Lebenskraft und das „alles durchdringende Feuer“ bringt die Erlösung. So wird alles verbrannt: die Leichen, die Witwen. (Etwas bösartiger Kommentar: Vielleicht bringt die dadurch erwirkte Kohlendioxiderhöhung durch den Menschen dann schließlich die Enderlösung für uns alle.)

 

Buddha, von dem jetzt eigentlich nur die Rede sein sollte, predigte über seine „vier edlen Wahrhei­ten“:

 

- die edle Wahrheit vom Leiden und

 

- von der Entstehung der Leiden (durch „Durst", d.h. durch die Begierde, den Lebenswillen). Die Menschen bewegen sich in einem Netz von Konventionen und Illusionen, durch das sie die Welt und sich wahrnehmen,

 

- die edle Wahrheit von der Vernichtung des Leidens (durch die Abtötung von Begierden und Leidenschaften, d.h. Gier, Hass und Verblendung) und

 

- von dem „edlen, achtteiligen Pfad“, der dahin führt, nämlich

--   rechte Anschauung und Gesinnung,

--   rechtes Wollen,

--   rechtes Reden,

--   rechtes Tun,

--   rechtes Leben,

--   rechtes Streben,

--   rechtes Gedenken und

--   rechtes Sichversenken.

 Siebenstufiger Pyramidenbau mit Zentralstulpa wurde um 1830 entdeckt

Ferner beherrschen seine Predigten:

 

-  -  die Forderung der Gewaltlosigkeit (Ahimsa),

 

-  -  die mitleidige Liebe (Maitri) und

 

-  -  die Enthaltsamkeit.

 

Da bei Buddha Gottheiten keine Rolle spielen, wird oft diskutiert, ob der Buddhismus als Re­ligion zu bezeichnen ist oder "nur" als eine Weltanschauung.

 

Eines der schönsten Bauwerke buddhistischer Kunst befindet sich in Indonesien auf der Insel Java (nördlich von der südlichen Küstenstadt Jogjakarta). Dieses Buddhistische Heiligtum, der Borobudur, um 800 nach der Zeitrechnung erbaut, aber erst um 1830 entdeckt und nach 1970 vollständig renoviert, hat 432 Nischen mit 1300 Steinreliefs, und das siebenstufige etwas pyramidenähnliche Monument gipfelt in einem Zentralstupa.

 

Kommentar:   Ich persönlich neige dazu, den Buddhismus als eine Weltanschauung zu sehen; denn er stellt ethische Regeln und Leitlinien auf und läßt viel individuellen Spielraum zur eigenen Interpretation. Da wird nicht eine Gottheit angebetet. Da ist man nicht dem uns Menschen undurchschaubaren Willen einer höheren Macht ausgeliefert. Jeder ist sich selbst gegenüber und seinen Mitlebewesen gegenüber verantwortlich.

 

Der „Übergang in eine gute oder schlechte Existenz“ mit dem Tode wird u.a. fälsch­lich so interpretiert, daß als neue „Bewährung“ die Seele in ein Tier wandert, die „schlechte“ in die Schlange z.B. Daher darf keinem anderen Lebewesen ein Schade zugefügt werden. Das sind aber eher hinduistische Gedanken. Dennoch gefällt mir (im Prinzip) das, obwohl ich andere Motive habe, einem Mitlebewesen möglichst nichts zuleide zu tun.

 

>Hier< ein ausführlicher Artikel mit vielen Bildern.

>Hier< Buddhismus eher eine Weltanschauung? Einiges über den Dalai Lama.

>Hier< ein kleines Lexikon von Begriffen zum Buddhismus von Anfängergeist bis Zen bietet.

>Hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern".

>Hier<: Gedanken zur Erschaffung der Welt.

>Hier< buddhistische Ansicht über Bestrafung wegen schlechter Führung in früherem Leben.

 

e) Über das "Zen", japanisch, aus chan = Versenkung - oft als Zen-Buddhismus bezeichnet, geht es >hier< zu einem getrennten Artikel.

 

Ein wenig angelehnt an © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG: Diese Religion ist eine im 6.Jahrhundert unter dem Einfluss des Daoismus (oder Taoismus) - dazu mehr anschließend - in China entstandene Schulrichtung des Mahajana-Buddhismus (Mahajana = großes Fahrzeug), begründet von dem indischen Mönchsgelehrten Bodhidharma. Im 13.Jahrhundert gelangte das Zen nach Japan, auf dessen Kultur es seither einen prägenden Einfluss ausübt z.B. auf die Bühnen-, Blumensteck- und Schönschreibekunst (No, Ikebana, Kalligraphie), ferner auf die Dichtkunst (Haiku), die Teezeremonie, die Tuschmalerei, die Künste des Schwertkampfes und des Bogenschießens (Kyudo), auf die Ethik (korrekter auf die Moral, >hier< der Unterschied), auf den Normenkodex des Ritteradels (Samurai). Die religiöse Praxis des Zen besteht im Wesentlichen in der Übung der sitzenden Kontemplation (Sitzen mit verschränkten Beinen, daher die O-Beine der Japaner, wie mir ein Japaner sagte), die zur »Versenkung«, dem Leben in der vollständigen »Hingabe an die Wahrheit«, hinführen will. erreicht werden soll die Erfahrung des Wesens allen Seins. Jeder Zenschüler hat seinen Zenmeister, der ihn anleitet, zurechtweist und auch körperlich züchtigt. Außerhalb Japans wurde das Zen, vermittelt u.a. durch den Jesuitenpater Hugo Makibi Enomiya-Lasalle (1898 bis 1990) bekannt. Das Zen vermittelte der westlichen Psychotherapie (z.B. durch Karlfried Graf von Dürckheim, 1896 bis 1988) wesentliche Anregungen.

 

f) Konfuzianismus/Taoismus

 

Wegen der Wichtigkeit, sich bei uns im sogenannten Westen, ein wenig vertraut zu machen mit Denkarten unserer fernöstlicher Erdmitbewohner etwas mehr als üblich über die in sich gegensätzliche "Misch"-Religion von Konfuzianismus und Taoismus. Nirgends habe ich eine so gute Darstellung gefunden wie "stern - buch" (Zeitschrift der stern) aus dem Ullsteinverlag 2005 "Die sechs Weltreligionen - Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Islam, Taoismus, Christentum" von Teja Fiedler und Peter Sandmeyer, ISBN 3-550-07854-4, das derzeit (Oktober 2011) bei "Jokers" für knapp 5 Euro "verramscht" wird als Zeichen dafür, das es nicht neu aufgelegt werden wird. Um diese Kostbarkeit nicht einfach vom Zugang meiner Mitmenschen abzuhalten, nachfolgend teilweise die wörtliche Wiedergabe zu obiger Religion, die immerhin nicht unbedingt strenggläubige 1,5 Milliarden Anhänger hat. In "Fernost" überlappen sich häufig Religionen und Weltanschauungen, z.B. in Japan der Shintoismus mit dem Buddhismus:

Konfuzius (551-479 vor Zeitrechnung) mit 4 Schülern

Gemälde aus dem 14. Jahrhundert

»Man ehrt Geister und Dämonen, aber man hält Abstand zu ihnen«, lehrte Konfuzius vor rund 2500 Jahren seine Schüler und wies so der nach ihm benannten Lehre klar den irdischen Weg. Viele Religionswissenschaftler weigern sich daher, den reinen Konfuzianismus (>hier<, "Konfuzius für den Westen") überhaupt Religion zu nennen, weil er »tian«, den Himmel, weitgehend ausklammere. Und doch besitzt auch die diesseitige Lehre des Konfuzius eine starke religiöse Komponente. Denn sie macht das Handeln der Menschen letztendlich für die Harmonie im Kosmos verantwortlich.


Wie die Wellen sich in immer größeren Kreisen ausbreiten, wenn man einen Stein ins Wasser wirft, so schlägt das Handeln jedes Einzelnen immer weitere Wellen. In seinem Hauptwerk »Lun Yu«, den »Gesprächen«, drückte der Meister dies mit dem berühmten Satz aus: »Ist die eigene Person in Ordnung, so ist die Familie in Ordnung, ist die Familie in Ordnung, so ist der Staat in Ordnung, ist der Staat in Ordnung, so ist die Welt in Ordnung.«


Fünf Grundbeziehungen, richtig gelebt, halten alles im Lot. Das Verhältnis Vater und Sohn, Herrscher und Untertan, Mann und Frau, Älterem und Jüngerem sowie Freund und Freund. Mit Ausnahme des letzten sind es ungleiche Beziehungen. Söhne, Frauen, Untergebene und Jüngere haben laut Konfuzius in erster Linie zu gehorchen. Kein Wunder, dass im Lauf der Jahrhunderte diese Doktrin des Gehorsams autoritäre Machthaber als ideologisches Herrschaftsinstrument benutzten und der Konfuzianismus häufig als reaktionär galt. Denn von denen, die am längeren Hebel saßen, wurden meist die Forderungen des Konfuzius, die er an sie stellte, stillschweigend unterschlagen, nämlich gerecht, gütig, großzügig und uneigennützig zu sein.


Mit manchmal fast preußischem Rigorismus versucht der Konfuzianismus, die Harmonie in der Welt buchstäblich zu erzwingen. Im Konfuzius-Tempel von Taipeh ist die Terrasse vor dem Eingang mit Bäumen gesäumt, die auf den ersten Blick leicht verkrüppelt und wie vom Wind gebeugt aussehen. Bis man bemerkt, dass sie alle exakt die gleiche Schräglage haben (Bild rechts). - Die Tempeldiener haben sie in jahrelanger Mühe so hingebogen, dass sie zwar bewusst krumm dastehen, das aber in Reih und Glied. »Ein Symbol dafür, dass der Mensch durch Anstrengung und Willen perfekte Ordnung in ein Durcheinander bringen kann«, erklärt die Sinologin Hanne Chen. Sie ist Deutsche, mit einem Taiwanesen verheiratet und hat uns die Insel, die einmal »Nationalchina« hieß, für die Darstellung chinesischer Religiosität empfohlen. »Mao hat die Religion im allgemeinen und den Konfuzianismus im besonderen, als reaktionär bekämpft. Taiwan jedoch war nie kommunistisch. Deswegen haben sich hier die alten religiösen Strukturen noch ziemlich intakt erhalten.«


Ähnlich rigoros wie die Disziplinierung der Tempelbäume wird im Konfuzianismus das Gebot der Ehrfurcht von Kindern gegenüber den Eltern und von Frauen vor dem Ehemann gehandhabt. Auflehnung ist für beide nicht vorgesehen. Konfuzius: »Mit der Pflichterfüllung eines Sohnes gegenüber seinen Eltern ist es wohl zu vereinbaren, dass er ihnen Vorstellungen macht. Sieht er aber, dass sie nicht beabsichtigen, ihm zu folgen, ist er wieder voller Respekt, müht sich für sie ab, ohne zu klagen.«


Das Bild zeigt eine Szene der "strengen Unterweisung" mit nicht sehr glücklich wirkenden Schülern.

 

Rücksichtnahme und Gehorsam den Eltern gegenüber steigert sich manchmal für westliches Empfinden ins Groteske. In einer berühmten Erbauungsschrift wird als lobenswertes Beispiel unter dem Stichwort »Xiao«' zu deutsch »Pietät«, ein Mann namens Lao Laizi aufgeführt. Noch als Sechzigjähriger zog er bunte Kinderkleidung an und gab lallende Geräusche von sich. Diese Kinderei sollte verhindern, dass die achtzigjährigen Eltern sich mit Erschrecken bewusst würden, sie seien uralt und dem Tode nah. Und Frauen, so lehrte Konfuzius, seien für die eigene Familie »verschüttetes Wasser«, weil sie ja nach ihrer Heirat das Haus verlassen und zu den Schwiegereltern gehen. Dort ist ihre Rolle klar: »Frauen sind diejenigen, die den Männern gehorchen.« Außerdem sind sie recht kapriziöse Wesen, so ähnlich wie Dienstboten: »Mit Frauen und Dienerschaft ist schwer umzugehen. Wenn man sie zu vertraut behandelt, werden sie respektlos. Wenn man Abstand zu ihnen bewahrt, murren sie.«

Auch wenn Menschlichkeit und Nächstenliebe laut dem Meister Kardinaltugenden sind, konnte seine strenge, rationale Sittenlehre, die so sehr auf Streben, Gehorchen und Pflichterfüllung fußt, zwar die Köpfe, aber nur schwer die Herzen der Menschen erreichen.

 

Der Taoismus (oder Daoismus, die "Lehre des Weges"), fast zur gleichen Zeit wie die Lehre des Konfuzius im 6. Jahrhundert vor Christus von Laotse gepredigt, war dazu in der Lage. Wo der Mensch sich im Konfuzianismus abrackern muß, um den Kosmos im Gleichgewicht zu halten, lässt er sich als Taoist im ewigen Fluss der Unendlichkeit einfach treiben.


»Tao« heißt zu Deutsch »der Weg, die Bahn«. Nein, die »Energie« sagen andere Sinologen. Falsch, meinen wieder andere, Tao ist die »Tugend«. Schon das Wort lässt sich also kaum fassen und die Aussagen des Laotse zum Wesen des Tao treiben die Ungewissheit ins Paradox: »Das Tao, das genannt werden kann, ist nicht das ewige Tao. Könnten wir weisen den Weg, es wäre kein ewiger Weg. Könnten wir nennen den Namen, es wäre kein ewiger Name.«


Zu dieser universalen Unschärfe passt, dass nicht einmal feststeht, ob es die Person des Gründers überhaupt gegeben hat. Konfuzius ist eine historische Person. Er brachte es beruflich bis zum mäßig erfolgreichen Justizminister eines chinesischen Herrschers. Laotse verschwand zwar gegen Ende seines Lebens angeblich auf einem Ochsen in Richtung Indien reitend spurlos im Nirgendwo, doch dies ist möglicherweise nur eine hübsche Legende und die Laotse zugeschriebenen 81 Sprüche seines Hauptwerks »Tao Te King« stammen vielleicht von verschiedenen Autoren.


Tao ist also die Chiffre für eine kosmische, alles umfassende, aber nicht zu benennende Kraft. Um mit ihr eins zu werden, kann der Mensch nichts Besseres tun, als ihr durch absichtsvolles Nichtstun keinen Widerstand entgegenzusetzen. Keine Karrieregeilheit, kein Prunk, keine Exzesse. Low Profile rundum. »Nur wenn der Mensch befreit ist von Leidenschaft und Begierden ... ahmt er das stille Wirken der Natur nach. Dann lebt er im Einklang mit der Natur, ja, kann er die Einheit mit dem Tao erreichen.« So versucht der abtrünnige katholische Theologe Hans Küng (>hier<) eine Annäherung an das Rätsel Tao.
 

Für Normalchinesen heute bedeute die absichtsvoll dunkle Lehre des Laotse, so Hanne Chen, eine gelassene Einstellung zum Leben, »nach der das, was natürlich geschieht, schon irgendwie seine Richtigkeit hat, auch dann, wenn es für den Moment schmerzt, wie der Tod eines geliebten Menschen. Dabei geht es nicht darum, gegen das Leiden des Lebens unempfindlich zu werden, sondern darum, es als Teil des großen Ganzen zu begreifen und anzunehmen.« Ein Weiser in der Nachfolge des Laotse fand das eindrucksvollste Bild für die Flüchtigkeit der menschlichen Existenz: »Eines Menschen Leben zwischen Himmel und Erde ist wie ein weißes Pferd in einer Türspalte: im Nu vorüber und vorbei.«


Früher standen Konfuzianismus und Taoismus sich feindlich gegenüber. Aktivismus hier, Passivität dort. Chinas religiöse Normalverbraucher haben diesen Gegensatz aufgehoben. Sie pickten sich aus beiden Lehren die Elemente heraus, die ihnen zur Bewältigung ihrer Probleme am besten geeignet schienen. Da weder Dogmen noch Glaubenswächter diese Vermischung verhinderten, ist der »chinesische Universismus« heute eine bunt schillernde Volksreligion in tausend Varianten. Mit leisem Spott sagt man in China, der Konfuzianismus sei mehr der Leitfaden für die Jugend: Partnerschaft, Kindererziehung, Karriereplanung, der Taoismus hingegen Stab und Stütze des Alters, wenn der Lebensfaden kürzer wird und die Frage nach dem Warum drängender.


Trauerfeier vor dem Haustempel der weit verzweigten Familie Chen in der taiwanesischen Kleinstadt Mei Nong: Die uralte Großmutter ist friedlich eingeschlafen. Jetzt wechselt sie in das Schattenreich der Ahnen über und die Familie hilft ihr dabei. In echt konfuzianischem Sinne bestimmt ihr ältester Sohn die Zeremonie. Sein Wort ist Befehl. Niemand von den längst erwachsenen Enkelkindern wagt, ihm auch nur im Ansatz zu widersprechen.


Die alte Frau ruht in einem blauen Kleid aufgebahrt vor der Trauergemeinde, diese zumeist in Weiß, der chinesischen Farbe der Trauer. Ihre Augen sind mit einer schwarzen Binde bedeckt. Ihr Blick soll sich nicht mehr auf diese Welt, sondern auf das Jenseits richten. Ein Geldschein liegt mitten auf dem Gesicht. Ihr ältester Sohn wird ihn am Ende der Feier an sich nehmen: die letzte Gabe der Verstorbenen an ihre Lieben, zugleich ihr erstes Lebenszeichen aus der Welt, der sie nun angehört.


Für Reisegeld und Wegzehrung auf der langen Fahrt in das Reich des Unsichtbaren ist gesorgt. Um das Kopfkissen der Leiche sind Geldbündel gestapelt. Auf einem bunt gedeckten Tisch vor dem Totenbett liegen die üblichen Lebensmittel. Daneben stehen mannshohe Stellagen, voll bestückt mit Bier- Wein- und Champagnerflaschen. Chinesische Tote wechseln animiert ins Jenseits. (Die Alkoholika werden anschließend an Armenhäuser oder karitative Organisationen verschenkt.)


Drei Tao-Priester in schwarzen Roben machen mit Glöckchen, Messingbecken und Rasseln aus Kokosnüssen eine schrille Musik, die der Toten den Weg hinüber von böswilligen Dämonen freihält. Dazu singen sie endlose, für unsere Ohren eintönig klingende Litaneien. Hinter dem trauernden Sohn stehen seine sämtlichen Jugendfreunde. Sie kamen nicht wegen der Toten, die sie kaum kannten. Sie sind wegen ihres Schulkameraden da. Die fünfte Grundregel des Konfuzius verlangt diese lebenslange Freundes-Treue.


Als die Feier zu Ende geht, wuchten zwei stämmige Helfer eines Beerdigungsunternehmens die Leiche mit chinesischer Nüchternheit in eine Art Tiefkühltruhe. Dort wird sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bis zum Begräbnis aufbewahrt. Die Zeremonie auf dem Friedhof kann erst in zehn Tagen stattfinden. Ein Wahrsager hat diesen späten Termin als den günstigsten ermittelt.


Er hatte auch herausgefunden, dass Personen von 33, 38 und 58 Jahren (Unglückszahlen, hängt wahrscheinlich mit Feng Shui "Wind" und "Wasser" zusammen, gibt es aber auch im europäischen Sport) nicht an der Trauerfeier vor dem Haustempel der Chen teilnehmen sollten, und eine Warnung am Eingang angeschlagen. Diese Altersgruppen würden zum heutigen Datum Probleme mit der Geisterwelt schaffen. Die Familie hält sich daran. Die 33-jährige Enkelin der Toten bleibt dem Akt fern. Zum Abschluss wird eine süße Suppe gereicht, in der weiße und rote Kügelchen aus Reismehl schwimmen (Bild links). Diese Reisbällchen in ihrer perfekten Kugelform sind ein klassisch taoistisches Symbol: alles hat sich gerundet: die Trauerzeremonie, das Leben der Toten, das Universum.


Weil die Lehren des Laotse so vieles offen lassen, sind sie auch für vieles offen. In ihnen konnten sich im Lauf der Jahrhunderte unzählige Einsprengsel der alten Volksreligionen einnisten. Mit deren Hilfe glauben die Chinesen in ihrer praktischen Art zu dem, »was nicht genannt werden kann«, im konkreten Einzelfall doch eine Brücke schlagen zu können.


Wahrsager wie der beim Begräbnis von Großmutter Chen zapfen mit Hilfe von Handteller-Lesen, Kartenlegen, Traumdeutung oder Astrologie die Sphäre des Unsichtbaren an. Der Chih-Nan-Tempel in den Bergen bei Teipeh ist berühmt als Zentrum der Traumdeutung. Hier wird in drei Schritten vorgegangen. Erst zwingt der Ratsuchende durch Gebete und Zaubersprüche missgünstige Geister in eine mit Löchern versehene Kürbiskalabasse. Dann wirft er knieend drei halbmondförmige Orakelsteine. Fallen sie richtig, sind die Weichen für eine ergiebige Traumanalyse gestellt.


Eigentlich dürfte die Lehre vom Tao, diesem abstrakten, umfassenden Prinzip, keine Götter kennen. In seiner populären Form hat der Taoismus tausende. Dieser Götterkosmos ist religionsgeschichtlich ein Überbleibsel aus archaischen Zeiten. Der Taoismus hat die ehemaligen Naturgottheiten als praktische Nothelfer in sein System der Universalharmonie eingebaut. So hilft im goldstrotzenden Long Shun Tempel, dem Hauptheiligtum von Teipeh, ein bärtiger Gott gezielt zu einem Ehepartner. Weil das nicht immer einfach ist, ziert seine Stirn eine große Beule, als Zeichen hervorstechender Weisheit. In einer anderen Nische betet man zum Gott für Erfolg im Examen, vergisst aber nicht, gleich um die Ecke auf einem Altar ohne Götterfigur ein Räucherstäbchen anzuzünden. Damit hält man den bösen Stern, dem hier geopfert wird, davon ab, Unheil anzurichten.


Sogar den drei taoistischen Grundbegriffen Geist, Energie und Lebensessenz hat die Volksreligion ein Gesicht gegeben. Sie werden als die »Drei Reinen« dargestellt, drei Gottheiten, von denen Laotse selbst eine ist. Die Statuen der Drei Reinen sind praktisch in jedem Haus in Taiwan zu finden. Dort symbolisieren sie aber für die meisten Menschen handfestere Begriffe als Essenz, Geist und Energie, nämlich »fu«, »lu« und »shou«: Reichtum, Rang und langes Leben – nicht gerade Ideale, die Laotse predigte.


Es ist erstaunlich, wie unsentimental und fugenlos chinesische Nüchternheit und Religiosität zusammenpassen. Da gehen bei Begräbnissen prächtige Häuser, Autos, Fernsehapparate aus buntem Glanzpapier in Flammen auf – den lieben Verwandten soll es ja auch drüben an nichts mangeln. Doch dann werden die Leichen im Zentral-Krematorium im 5-Minuten-Takt verbrannt. Die Angehörigen stehen geduldig um die Asche an, die Krematoriums-Angestellte routiniert in Plastikurnen füllen. Falls beim Verbrennen größere Knochenreste übrigblieben, werden sie vor den Augen der Trauernden in einem Mörser zerstoßen. Im Zentralfriedhof von Kaohsiung bewahrt man diese Urnen dann in einer Art Boxen-Wand auf, die am ehesten an die endlosen Schließfachreihen auf einem Hauptbahnhof erinnern. Wer trauert, öffnet sein Schließfach und lässt angesichts der Urne echte Tränen fließen.
 

Natürlich zerreißt das Sterben eines Kindes auch chinesischen Eltern das Herz. Doch der Tod ist ist für sie ein Teil des Lebens. Chinesen akzeptieren Schicksalsschläge als eine unabänderliche Komponente im immerwährenden Spiel der Gegensätze, aus denen der Kosmos besteht: gut und böse, hell und dunkel, stark und schwach, warm und kalt. Wachsen und vergehen, befehlen und gehorchen. Sterben und geboren werden. Ruhe und Bewegung. Frau und Mann. Yin und Yang heißen die beiden Urkräfte, die die Welt am Laufen halten. Yin, das weibliche, »negative« Prinzip und Yang, das männliche, »positive« prallen nicht aufeinander, sie wechseln sich ab und ergänzen sich in Ewigkeit. »Positiv und negativ sind dabei nicht als moralische Wertung zu verstehen, sondern eher mit der mathematischen und physikalischen Vorstellung zu vergleichen«, so der Religionswissenschaftler Gerhard Staguhn. »Etwa in dem Sinn, dass erst die positiven Atomkerne und die negativen Elektronen die Atome als Bausteine der Materie ergeben.«


Das Symbol für Yin und Yang ist ein Kreis. In diesem Kreis verschränken sich eine helle und eine dunkle Hälfte entlang einer geschwungenen Linie. Mitten im dunklen Teil sitzt ein heller Punkt, mitten im hellen ein dunkler. Nichts steht fest im Universum, doch nichts herrscht vor, weder das Positive noch das Negative, und im Keim trägt jedes Ding bereits seinen Gegensatz in sich, ist die geniale Botschaft des Yin-Yang-Zeichens. Der Glaube an diese Harmonie im Wandel ist der Kern des »Chinesischen Universismus«. In ihm treffen sich Konfuzianismus und Taoismus. »Der Mensch ist – vereinfacht gesagt – Konfuzianer im Tun und Taoist in der Kontemplation« (Hans Küng).

 

Da Yin und Yang immer und überall herrschen, kann der Mensch Harmonie scheibchenweise schon im Hier und Heute erreichen und muss nicht auf die große Erlösung im Jenseits warten. So haben die praktischen Chinesen die Lehren von den komplementärem Gegensätzen in der Medizin eingebracht. Sie definiert Krankheiten als das gestörte Gleichgewicht zwischen Yin und Yang und beruht stark auf den wechselnden Energieströmen im Körper, auf dem Zusammenspiel von Mikro- und Makrokosmos und der positiven Spannung zwischen Leib und Seele.

 

Die Chinesen nutzen Yin und Yang in der Architektur und Landschaftsgestaltung, um kosmische Harmonie in ihre Häuser und ihre Umwelt zu bringen. Die Lehre von Feng Shui, benannt nach »feng«, Wind, und »shui«, Wasser, kombiniert das Harte und das Weiche, das Nasse und das Trockene auf angeblich optimale Weise. So gilt eine Landschaft, in der sanfte Hügel (yang) einen murmelnden Fluß (yin) überschauen, geradezu als ideal – was allerdings auch für westliche Ästhetik nicht sonderlich überraschend ist. Jeder Tempelstandort in Taiwan ist Feng-Shui-geprüft.


Die handfeste Seite des östlichen Denkens hat eine Art Feng-ShuiKompass hervorgebracht. Auf einer kreisrunden Scheibe (links) gruppieren sich tausende von beschrifteten Feldern konzentrisch um die Kompassnadel. Zeigt sie auf ein rotes Feld, ist das im Grundsatz gut. Schwarze Felder sind bedenklich. Die so gewonnene Grundaussage über das Harmonie-Potenzial eines Gebäudes muß nun vom Feng-Shui-Meister anhand der zahllosen Zusatzinformationen auf der Scheibe interpretiert werden.


Das Ergebnis komplizierter Erwägungen ist oft verblüffend einfach. Chen Yuhang, ein weithin bekannter FengShui Meister in Mei Nong, nordet zu Demonstrationszwecken für uns sein Gerät auf ein Haus ein, in dem eine bekannt zerrüttete Familie wohnt. Kein Wunder, lächelt er wissend nach langer Konsultation der Scheibe, »schauen Sie sich die Streben an, die unverputzt am Haus nach unten führen. Sie zerschneiden die Familie wie ein Messer«. Fort die Streben, Ende des Familienkrachs.


Der schönste Weg, den Hauch der Unendlichkeit zu spüren, sind Malerei und Kalligraphie. Sie sind keine artistischen Fertigkeiten. Die Bewegung des Tuschpinsels auf dem Papier wird als geistige Annäherung an das Tao verstanden, an die große Harmonie. Nichts könnte den chinesischen Universismus und seine Welt ohne Grenzen besser symbolisieren als die Legende von einem der großen Meister des Tuschpinsels. Der Mann vertiefte sich so sehr in sein Werk, dass er eines Tages in das Bild hineinging und für immer zwischen den von ihm gemalten Hügeln verschwand.

Noch ein Hinweis aus der jüngeren Vergangenheit: Die Kommunisten ließen Klöster schließen und Tempel schleifen. Die religiösen Gefühle jedoch konnten sie dem Volk nicht austreiben. Aber mit der Machtergreifung der Kommunisten, 1949, schien das Schicksal der alten chinesischen Weltanschauungen besiegelt. Kampagnen gegen den »reaktionären« Konfuzianismus, Massenschließungen taoistischer Klöster und Zerstörungen alter Tempelanlagen legten das religiöse Leben jahrzehntelang lahm. Wirklich beseitigt wurden die alten Traditionen jedoch nie, zumal es gerade konfuzianische Tugenden waren, die die Partei den Menschen abverlangte: das Gemeinwohl über das persönliche Glück zu stellen, sich selbstlos und diszipliniert einer Sache zu opfern, Autoritäten blind zu vertrauen. Und auch die Vorherrschaft der Älteren war innerhalb der Kommunistischen Partei garantiert.


Tiefergehende Folgen hatten die Angriffe auf den Buddhismus (vor allem in Tibet), den Islam (in Sinkiang, dem ehemaligen Turkestan) und auf den Taoismus. Aus kommunistischer Sicht handelte es sich beim Taoismus um eine wirre Mischung abergläubischer Vorstellungen. Heute jedoch gehen selbst hohe Kader der Partei wieder zum Wahrsager. Man greift auf die alten Regeln des Feng-Shui zurück und vertraut bei Potenzschwierigkeiten auf »Bewährtes« wie Bärengalle oder das Horn des Nashorns. »Das weiche Wasser besiegt den harten Stein« — die taoistische Grundweisheit hat sich wieder einmal bewahrheitet.
 

Jubel für großen Führer: Auch Mao nutzte die konfuzianische Tugend des Respekts vor dem Alter.

 

g) Der Schintoismus

 

Der Weg der Götter“ (sinojapanisch) ist eine fast nur auf Japan beschränkte Religion (japanische Bezeichnung ist Kami no michi = »Weg der Kami«), in der die Ahnen und die Natur verehrt werden.

 

Die Japaner glauben, daß ihr Land von einem Gott (Isanagi) und einer Göttin (Isanami) ge­zeugt wurde. Gott Isanagi vertraute der Sonnengöttin Amaterasu die Herrschaft über den Himmel an und die Macht über die Nacht dem Mondgott Tsukijomi. Es geht weiter in der Machtverteilung: Zum Herrscher über das Meer wurde der Sturmgott Susano-o, und der Enkel Ninigi der bereits vorgestellten Sonnengöttin Amaterasu bekam die Macht über Japan. Dieser Enkel ist der Ahne der heute noch herrschenden Kaiserdynastie. Der jeweilige Kaiser ist der Tenno, der „Himmelsherrscher“.

 

Das „göttliche Organigramm“ sieht also wie nebenstehend aufgezeigt aus und spricht wohl für sich selbst.

 

Das sollte ausreichen zur Beschreibung dieser Religion. Wer mehr wissen möchte kann nach­lesen [5].

 

f) Das Judentum

 

Das Judentum ist (wahrscheinlich) die älteste Religion, die heute noch praktiziert wird, und hat auch Be­zeichnungen wie mosaischer, israëlitischer, hebräischer Glaube.

 

Die jüdische Tradition erhebt den Anspruch, daß Gott, der Schöpfer der Welt (Jahwe) das Volk Israël als einziges auserwählt hat, was durch die Offenbarung des Moses am Berg Horeb - auf der Halbinsel Sinai - begründet und in der „Thora“ (Lehre, Weisung) als das Gesetz Gottes niedergeschrieben ist (5 Bücher Moses in der Bibel). Dieses wichtige Schriftstück (Schriftenrolle) wird im Thora-Schrein (der Bundeslade) aufbewahrt und daraus während der Gottesdienste in der Synagoge (was auf Griechisch „Versammlung“ bedeutet) am Sabbat (dem Ruhetag) vorgelesen.

 

Da hat Gott 6 Tage wirklich geschuftet, um alles fertig zu bekommen, die Erde mit allem drum und dran, vor allem den Menschen, als die „Krone der Schöpfung“, als das Ebenbild Gottes, der kurz vor Feierabend sogar dann schon mit Frau (der Eva) rumlief. Verständlicherweise brauchte Gott schließlich einen Ruhetag, den Sabbat (ruhen, ablassen).

 

Der Sabbat ist nach jüdischer Festlegung der Samstag der Woche. Da darf nicht gearbeitet, nach fundamentalistischer Auffassung absolut nichts, nicht einmal ein Lichtschalter umge­legt werden. An diesem Tag der Ruhe und der Heiligung (Vervollkommnung des Glaubens) wird an Gottes Werk gedacht, ihm gedankt, Gottesdienst abgehalten, aus der Thora vorgelesen und aus den Schriften der Propheten.

 

Im jüdischen Glauben, von dem ja vieles vom Christentum und dem Islam übernommen worden ist, ist Ungehorsam des einzelnen gegen die Gesetze Gottes die Ursache für Na­tur- und andere Katastrophen als Strafen für deren „Sünde“. Diese Katastrophen können durch die „Buße“ gemildert oder aufgehoben werden.

 

Auf dem Foto lamentieren und beten fromme Juden an der Klagemauer und lesen aus der Schriftenrolle. Die „Klagemauer“ (Kotel auf Hebräisch) befindet sich im (arabischen) West-Jerusalem, einem Rest des im Jahre 70 nach der Zeitrechnung zerstörten Herodestempels, wo seit dieser Zeit „Klage“-Gebete verrichtet werden, um Gott zu bewegen, das Volk Israël in sein Land zurückkehren zu lassen.

 

Das Judentum ist (wie der Islam und das Christentum bis zu den Reformations-bewegungen) eine Kollektivreligion, wonach das einzelne Volksmitglied einen Beitrag zum „Erwählungsauf­trag“ an das Volk "als Sendung gegenüber der ganzen Welt und zur Errichtung des Gottesherrschaft" zu leisten hat, jedoch im Judentum anders als bei den anderen Religionen ohne Bekehrung der Anders- oder Nichtgläubigen; denn die Religion ist an die Volkszugehörigkeit gebunden (nach Karl Marx).

 

Da gibt es strikte Bräuche und Vorschriften, die Speisen betreffen und die Sabbatfeiern. Von großer Wichtigkeit ist die Beschneidung (Abschneiden der Vorhaut des männlichen Gliedes, damit wahrscheinlich das Onanieren, die „Sebstbefleckung“ erschwert wird, auch vom Islam übernommen – inzwischen auch den USA – aus hygienischen Gründen, sagt man dort allerdings).

 

Kommentar:   Es ist doch sicher sehr aufschlußreich, daß ein so kluger Kopf, wie dieser „nichtreligiöse“ Karl Marx, als Jude in seinem Glauben seiner Mutter behaftet geblieben ist. (Im Judentum ist es die Mutter, die den Glauben an die Kinder weitergibt. Der Vater mag glauben, was er will.) Marxens soziales (kommunistisches) Denkgebäude basierte ja auch auf einer „Kollektivreligion“. Da wird ja auch immer nur von Massenbewegung gesprochen und vom Aufgehen des Einzelnen in der Masse. (Auch für die deutschen Nationalsozialisten des katholisch erzogenen Adolf Hitlers zählte der Einzelmensch nichts, der sich für Führer, Volk und Vaterland" zu opfern hatte.)

 

 Zu erwähnen ist, daß gerade Menschen aus jüdischer Abstammung zahlenmäßig unglaublich viele Leistungen auf allen menschlichen Betätigungs-Gebieten geleistet haben: Kunst (Literatur, Musik, etc.), Philosophie, Wissenschaft (von Medizin bis Physik) usw. Nur besondere sportliche Leistungen sind mir nicht bekannt. War vielleicht das Bestehen ihres Überlebenskampfes und sehr wahrscheinlich die besondere schulische Ausbildung (der wahrscheinlich anderen Schulsystemen überlegenen, aber neidisch abfällig genannten „Judenschulen") prägend? Juden als „Christusmörder" und als „Heimatlose" wurden verfolgt, so wie jede Minderheit. In meiner Kinderzeit würde immer abfällig über Juden gesprochen, selbst nach dem 2. Weltkrieg noch in der christlichreligiös wiederbelebten »Leidkultur« (statt Leitkultur). Belassen wir es den unzähligen Veröffentlichungen mehr dazu zu sagen, z.B. vom Vorurteil bis zur Vernichtung. [6]

 

>Hier< mehr über Thora und Talmud

 

h) Andere Religionen

 

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl von Religionen, die nicht alle betrachtet werden kön­nen; denn das würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Daher sei auf vorhandene Literatur verwiesen. Leider kenne ich nur ein Übersichtswerk, jedoch in englischer Sprache[7], alle anderen sind spezialisiert oder bringen nur die sogenannten Weltreligionen.

 

Aber betrachten wir doch einmal eine neue, ziemlich verrückt klingende Religion, den "Cargo-Kult", >hier< ein wenig vorgestellt.

 

 

Ziemlich wichtig finde ich, ein paar Sätze über afrikanische Religionen zu sagen, die sehr gerne als „nur primitiv“ angesehen werden, die sich aber - meiner Ansicht nach -  durchaus als gleichwertig mit den so genannten Großen messen lassen.

 

Auf dem Bild: Ein unheimlich wirkender religiöser Umzug

 

 Ein in Kenia arbeitender englischer Lehrer sagte mir einmal, daß die "hinterweltlerischen, primitiven Afri­kaner" heute immer noch an Geister glauben würden.

 

Als ich ihm dann, ironisch gemeint, erwiderte, daß „ihr Engländer ja auch noch eure Schloß­geister habt“, gab er zu meiner großen Verblüffung zu: „Ja, die gibt es ja nun wirklich. Dafür gibt es Beweise.“ Ich hielt es nicht für sinnvoll, dieses Thema weiter auszudiskutieren.

 

Die vielen, traditionellen Religionen in Schwarzafrika haben einige verblüffende und durchaus anerkennenswerte Gemeinsamkeiten:

 

- Sie sind monotheistisch, es wird also nur eine ewige Gottheit angenommen (z.B. bei den Ban­tus „Zambé“ genannt).

 

- Das Leben verläuft in einem ewigen Kreislauf: Mit der Geburt beginnt der Tod. Das „Verschwinden“ des Menschen ist die Rückkehr in den „Leib“ Gottes. So, wie die Natur in ihren Jahreszeiten sich erneuert, ist bei den Menschen auch ein „Kommen und Gehen“: der Generatio­nen, dann Absterben und Wiederaufleben.

 

- Es gibt drei Klassen menschlichen Seins: Die Vorfahren, die (zur Zeit) Lebenden und die Kinder, die geboren werden.

 

- Der Mensch ist nicht der Herr der Natur, die weitgehend von „unsichtbaren Lebewesen“ be­herrscht wird, welche den Menschen helfen, sofern diese ihnen gegenüber Achtung und Respekt erweisen. Der Mensch muß ihnen Geschenke und Opfer darbringen. Man kann aber nie sicher sein, ob diese dann auch von den „Unsichtbaren“ als annehmbar gesehen werden.

 

- Es gibt eine Weltordnung, in der der Mensch seinen Platz hat. Er soll nicht versuchen, den ihm gege­benen Platz zu verlassen, weder indem er sich anderen Menschen gegenüber für überlegen und übergeordnet hält, noch indem er sich wie ein Tier (eine „Bestie“) verhält, z.B. durch sexuelle, widernatürliche Ausschweifungen. Die Vorfahren und die „Unsichtbaren“ sind zu achten (zu re­spektieren).

 

- Es gibt zwar keine Priester aber „Spezialisten“ für das Organisieren von kultischen Handlungen und Opferzeremonien, z.B. um eine fruchtbare Ernte zu bekommen, insbesondere die „Mächte der Nacht“ zu besänftigen, die danach streben, vorzeitigen Tod, Unfälle, Krankheiten und sonstiges Ungemach des Lebens zu verursachen.

 

Heute spielen die ursprünglichen afrikanischen Religionen keine bedeutende Rolle mehr; denn die Völker Afrikas sind ja missioniert worden durch die Christen und in den Küstenregionen vorwiegend durch die Araber, also dem islamischen Glauben unterworfen.

 

Kommentar: Auch die afrikanischen Religionen haben mit allen anderen gemeinsam, daß der Mensch „unsichtbaren Kräften“, einer Gottheit, einer vorgegebenen Weltordnung willkürlich, zumindest für ihn undurchschaubaren Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert ist. Das Ergebnis ist: Der religiöse Mensch meint, er könne nichts machen und müsse sich in die Gegebenheiten, also sein Schicksal fügen. (Das scheint wohl immer die Absicht der „Religionsstifter“ gewesen zu sein: Die Menschen an Eigenständigkeit zu hindern und Eigenverantwortung zu unterdrücken. Und es kann geschlossen werden, daß (unter anderem) diese  Schicksalsgläubigkeit keine Erfindungen nennenswerter Art notwendig werden ließ und keine Weiterentwicklung.

 

Da es jedoch nicht die afrikanische Religion gibt, führt es zu weit, jede einzelne Denkweise über Kulturen, Traditionen usw. zu sprechen [8].
 

 

i) Weltanschauungen

 

Es gibt so viele Weltanschauungen wie es Menschen gibt; denn jeder hat seine eigene. Und das macht ja das Zusammensein mit Mitmenschen mehr oder weniger interessant, daß wir nämlich dis­kutieren und uns auseinandersetzen können.

 

Eine Weltanschauung ist die Gesamtauffassung von der Welt, die eigene Lebensphilosophie, die das eigene, individuelle Handeln schließlich bestimmt. Natürlich gibt es auch allgemeine Welt­anschauungen, die durch Ideologien und Traditionen bestimmt sind.

 

In anderen Sprachen (dem Französischen, Englischen) gibt es keine genaue Übersetzung von dem weitumfassenden Begriff der „Weltanschauung“. Da wird von „Lebensphilosophie“, „Ideolo­gie“, „Anschauung“, „Auffassung von der Welt“, „Glaubensbekenntnis“ usw. gesprochen.

 

Doch möchte ich unter diesen Abschnitt vor allem den Sozialismus/Kommunismus betrachten; denn er verkörpert eine typische Weltanschauung. Der folgende (authentische = echte, wahre) Bericht:

 

Da wurde 1941 der Schriftsteller Wolfgang Hilbig „in einem sächsischen Provinznest, na­mens Meuselwitz geboren, wuchs dort als Kriegswaise im völlig amusischen Bergarbeiterhaushalt seines Großvaters auf, wurde selbst Dreher, arbeitete später in verschiedenen anderen Arbeiterberufen, lebte bis 1985 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Bei seiner eigentlichen Liebe, dem Schreiben, wurde er in jeder Weise behindert. Als er seiner Verkäuferin-Mutter als Jugendlicher berichtete, er wolle Schriftsteller werden, fürchtete sie doch vor allem, er werde Familieninterna der Öffentlichkeit preisgeben. Unter seinen Arbeiterkollegen galt er natürlich als komischer Kauz, sintemalen er nicht den in der DDR ja durchaus geförderten Weg eines sogenannten Arbeiterschriftstellers einschlug. Er schrieb von Anbeginn an höchst artifiziell und reflektiert, pauschal beurteilt etwa auf einer Position zwischen Kafka und Thomas Mann. Da der (sozialistische Arbeiter- und Bauern-)Staat natürlich nur solche Leute förderte, die in meist grauslichem Stil das Loblied des realen Sozialismus sangen, hatte Hilbig von dort nichts zu erwarten. Im Gegenteil: als er wegen Aufsässigkeit aus seinem Betrieb geschmissen wurde, sich aber nicht gleich einen neuen Job suchte, sondern mit seinen Ersparnissen sich zum Schreiben zurückzog, wurde er zu einer Art Arbeitsbeaufsichtigungsbehörde bestellt. Dort wurde er von einer Frau à la Ex-Bildungsministerin Margot Honecker gefragt, warum er sich keine neue Arbeit suche. Er erzählte von seiner schriftstellerischen Arbeit. Die Frau reagierte mit einer Mischung aus Spott und Empörung. „Ach“, sagte sie, „was wollen sie denn schreiben?... Sie haben doch nicht einmal das Abitur gemacht... Sie haben noch nicht einmal die zehnte Klasse geschafft.“ (Hilbig ist von der Schule geflogen, weil man einen sogenannten pornografischen Text bei ihm fand.) „Aber wir haben Ihnen die Chance gegeben, einen sehr ordentlichen Beruf zu erlernen... Ihre Dankbarkeit, dem Staat und der Gesellschaft gegenüber, läßt sehr zu wünschen übrig, um nicht zu sagen, sie nimmt kriminelle Ausmaße an. Sie wollen Künstler sein... und scheuen doch davor zurück, einen Blick in's wahre Leben zu werfen. Ich kann Ihnen da einen sehr guten Vorschlag machen... in der Abteilung der Stadtreinigung in M. ... bei der Müllabfuhr... werden andauernd Leute gesucht ... Sie müssen sich dort unbedingt so schnell wie möglich melden... Ich werde Sie einstweilen regi­strieren, damit wir ein Auge auf Sie haben können, damit Sie uns nicht auf der schiefen Bahn bleiben.“

 

Obwohl Hilbig zurecht besorgt ist, daß er ansonsten in ein Arbeitslager eingewiesen wird, geht er nicht zur Müllabfuhr. Aber er treibt sich auf Müllhalden rum und schreibt über den Müll, über alle möglichen Arten von Abfall und Schmutz und wie er selbst darin rumwühlt, eine teils realistisch-poetische, teils surrealistische Prosa, durch die er die Aufmerksamkeit einiger DDR-Schriftsteller erregte, die ihn förderten. Seine Arbeit - Titel „Die Weiber“ - wurde dann im Westen veröffentlicht und mit einem Preis ausgezeichnet.“ (Aus dem Brief an mich vom 9.6.1993, damals noch in Syrien tätig.)

 

Dieses kurze Beispiel zeigt, daß in einem der untergegangenen sozialistischen (kommunistischen) Länder der Freiheitsraum des Einzelnen erheblich eingeschränkt war. Der Ein­zelne hatte sich dem Kollektiv, also der Masse einzuordnen, um ihr „zum Sieg“ über den „Klassenfeind“ (dem Kapitalismus) zu verhelfen.

 

Vor allem macht das Beispiel deutlich, daß sich die Gedanken des stu­dierten Rechtsanwaltes Wladimir Iljitsch Uljanow, mit dem Decknamen Lenin, durchgesetzt hatten. Die ehemalige DDR muß daher als Staat mit der Staatsreligion Leninismus bezeichnet werden. Also dieser Lenin hatte ge­fordert, einen neuen Menschentypus heranzuziehen. (Ziehen und zerren sind fast gleichbedeu­tende Begriffe.) Marx und Engels hatten geglaubt, daß dieser „neue, optimal moralisierte Men­schentyp“ sich von alleine „gänzlich wandeln“ würde, nachdem die Klassen besei­tigt und völlig geänderte (repressionsfreie und humane) Lebensbedingungen herrschten. Also beruhte dieser ...ismus auch wieder auf Annahmen, die von keiner psychologischen Erkenntnis gestützt werden konnten

 

Doch schauen wir uns einmal die Definitionen und die Ideen des kommunistischen Weltbildes an:

 

Communis meint im Lateinischen „gemeinsam“, „allgemein“. Der Kommunismus ist strecken­weise gleichzusetzen mit Sozialismus, ein Begriff, der erstmals gegen 1830 aufkam. Die Hauptzielsetzung war:

 

- Gleichstellung der Menschen in einer „menschlichen“ Gesellschaftsform, in der alle

 

- in einer Gütergemeinschaft mit gemeinsamer Lebensführung, frei von Be­herrschtwerden durch Einzelne oder durch eine Gruppe klassenlos leben sollten.

 

Daraus ergab sich als Konsequenz: Die Abschaffung des Privateigentums an den Produkti­onsmitteln.

 

Es gab gleich einige Fraktionen (Gruppenbildungen), die Anarchisten*, die bestehende Gesell­schaftsordnung, also Staat und Eigentum als wirtschaftliches Machtmittel beseitigen woll(t)en (Michael A. Bakunin und Pierre J. Proudon).

* die jede Herrschaft von Menschen über Menschen, jede gesetzliche Zwangsordnung, besonders den Staat, ablehnten.[9]

 

Die utopischen und politischen Kommunisten wollten nicht nur die Produktionsmittel in Gemeineigentum überführen, sondern auch die Verbrauchsgüter dem Privatbesitz entziehen. Der fran­zösische Schriftsteller und ursprüngliche Rechtsanwalt Etienne Cabet, der 1856 in Alter von 68 starb, hatte vergeblich versucht, diese Idee praktisch vorzuleben. Natürlich mußte er scheitern; denn es läßt sich nun mal keine Insel schaffen, wie Dr. Julius Nyerere (1964 bis 1985 Staatspräsi­dent von Tanzania) einmal selbstkritisch zugegeben hat. Cabet wurde bekannt durch den Roman: „Reise nach Ikarien“, der 1842 erschienen war und in einem kommunistisch, utopischen Umfeld spielt.

 

Die radikalen Sozialreformer wollten auch die gesamte Gesellschaft umformen, z.B. das Geld abschaffen und durch eine Tauschbank ersetzen (Robert Owen, Charles Fourier, Louis Blanc, Henri de Saint Simon usw.). Sie glaubten, daß die Ziele so einleuchtend seien und da­her keine große Gewalt zur Erreichung erforderlich sei.

 

Wir kommen nicht umhin, uns mit dem wissenschaftlichen Sozialismus, dem Marxismus zu beschäftigen.

 

Diese Ideologie wurde gegründet von Karl Marx (1818 in Trier geboren) und von Friederich Engels, zwei Jahre später in (Wuppertal-)Barmen zur Welt gekommen.

 

Als Ergebnis ihrer geschichtlichen und gesellschaftlichen Analyse entwickelten sie den histori­schen Materialismus* und kamen zu dem Schluß, daß im Klassenkampf zwischen der Arbeiter­schaft (dem Proletariat) und dem Bürgertum (der Bourgeoisie) die Arbeiterschaft folgerichtig als Sieger hervortreten würde. Damit werde die Klassengesellschaft beseitigt, die durch Ausbeutung und Entfremdung gekennzeichnete bürgerliche, kapitalistische Gesellschaft aufgehoben und eine allmähliche menschliche Selbstverwirklichung möglich. Zur Entfremdung hat Marx richtig er­kannt: „Der Arbeiter fühlt sich erst außerhalb der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich.“

* der im Gegensatz zum Idealismus die Materie als die eigentliche Realität und das alle anderen Phänomene Bestimmende ansah

Für Marx ist Arbeit nur Mittel, um Bedürfnisse zu befriedigen. Da bleibt nur der Wunsch „zu haben“ und die produzierte Ware bekommt einen Fetischcharakter, wird zu einer magischen Kraft.

 

 

 

Karikatur aus „Der Spiegel“

16. September 1991, S. 175

 

 

- Marx sah 2 Phasen zur Erreichung des Endzieles:

 

- eine „niedere“ kommunistische Gesellschaftsform, in der noch das Leistungsprinzip und folglich die Güter immer noch ungleich verteilt wären und

- die „höheren“ Gesellschaftsform, wo nur noch das Bedürfnisprinzip gelten werde.

In dieser „Endphase“ ist der Staat überflüssig. Er „stirbt ab“. Körperliche und geistige Arbeit sind gleichwertig. Geld und Lohn gehören der Vergangenheit an. Die bürgerliche Ehe ist hinfällig, was der Frau eine uneingeschränkte Gleichstellung gibt. Nationale Schranken gibt es auch nicht mehr. Sich für die Gesellschaft nützlich machen, ist (aus innerer Einsicht) das oberste Interesse des Einzelindividuums. Über Bedarfsgegenstände kann frei verfügt werden. Kontrolle ist nicht nötig; denn es herrscht kein Mangel.

 

„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.“ Der Himmel ist auf Erden verwirklicht.

Nun wurde in den inzwi­schen untergegangen, als marxistisch-leninistisch zu bezeichnenden Ländern die erste Phase als Sozia­lismus und die zweite, die letztlich zu erreichende, als Kom­munismus bezeichnet. (Marx hat aber keinen Unterschied diesbezüglich definiert.) Dazu ist es aber nicht mehr gekommen. Die Heranzie­hung (gemeint ist "Aufzucht") des „neuen Menschen“ ist nicht gelungen, und die „Selbsterziehung“, an die Marx geglaubt hatte, hat sich auch nicht vollzogen.

 

Während der Marxismus immer den revolutionären Charakter der Gesellschafts­veränderung in den Vorder­grund gestellt hat, versuch­ten die Sozialdemokraten die Gesellschaftswandlung durch permanente Reformen zu erreichen.

 

Kommentar: Wie bei allen Religionen und anderen Ideologien sind auch die eigentlich „guten An­sätze“ der kommunistisch-sozialistischen Ideologie durch die Machtansprüche von Einzelindividuen pervertiert worden.

 

Während Marx an die Selbstbefreiung der Arbeiter geglaubt hatte, forderte Lenin: „Das Klassenbewußtsein kann in den Arbeiter nur von außen hineingetragen wer­den...“ Damit sah er den Arbeiter als unmündig an und legte die Grundlage zu den leninistischen Terrorregimen, die von Stalin perfektioniert wurden.

 

Maxim Gorki (russisch »der Bittere«, Mitte 1938 in Moskau 68 Jahre alt gestorben) hat einmal gesagt, daß Lenin ein kaltblütiger Gaukler sei, der sich weder um die Ehre noch um das Leben der Arbeiter kümmere, und Lenin selbst hat kurz vor seinem Tode 1924 gestanden: „... Ich habe mich vor den Arbeitern Rußlands sehr schuldig gemacht.“

Karikatur: „Der Spiegel“ 23. Sept. 1992, S. 177

 Leider ist der Text nach dieser Verkleinerung nicht mehr zu lesen.

Auf dem Grabstein steht: "Hier schaufelt der Kommunismus dem

Kapitalismus das Grab" und der Kapitalist ruft: "Hallo Totengräber, ist was?"

 

Während im Zeitraum von 1880 bis 1890 in Rußland 17 Personen hingerichtet wur­den, schaffte Josef Wissarionowich Stalin, nach der Er­mordung Kirows an die Macht gekommen, das Milli­onenfache. Seine Massen­mordquote kommt in die Nähe er von Hitler (mit um die 6 Millionen, allerdings „nur“ in den nationalsozialis­tischen Ver­nichtungslagern. Ungezählt sind die Toten in den Zwangsarbeitslagern).

 

Da sei erwähnt, wie rigoros dieser Stalin mit Gesetzen gegen die Arbeiter vorging: „Wer bei einer wiederholten 21-minütigen Verspätung an­ge­troffen wird, kommt in Haft“.

 

Nun ist ein Scherbenhaufen, völlig zerstörtes, verstörtes und gestörtes Zweitländerchaos (1990: West- und Ostdeutschland)übriggeblieben, wie Lenin bereits alternativ gefordert hat: „Entweder untergehen oder die fortgeschritte­nen Länder auch ökonomisch einzuholen und zu überholen.“

 

 

Stalin hat offensichtlich während seiner Diktatur von 1927 bis 1953, als er im Alter von 74 starb, die Zweitländer (die Länder, die nicht direkt zur Sowjetunion gehörten, z.B. Ungarn, Polen) und den Kommunismus vollkommen zugrunde gerich­tet.

 

Übrigens ist Lenins Tätigkeit zum Aufbau der Sowjetunion vom deutschen Kaiser Wilhelm II finanziert worden, um die damalige Ostfront im 1. Weltkrieg los zu werden.

 

  Da auch der Kapitalismus als eine Gesellschafts-Ideolo­gie - also als eine Weltanschauung - angesehen werden muß, sollte diesem Begriff auch eine kurze Betrachtung gewidmet werden.

 

  Der wirtschaftliche Aspekt soll hier ausgeklammert werden.

 

  Im Kapitalismus ist die menschliche Gesellschaft in Klassen unterteilt:

 

- Die Besitzer an Produktionsmitteln, also die Kapitaleigner, die Kapitalisten, die „Arbeitgeber“ und

 

- die breite Masse der Arbeiter, der „Arbeitnehmer“.

 

  Inzwischen gibt es fließende Übergänge: In Großbetrieben, z.B. Aktien­gesellschaften, sind die Kapitaleigner nicht mehr identisch mit den „Arbeitgebern“, also denjenigen, die mit der Betriebsleitung und der Interessenvertretung der Firmenpolitik beauftragt sind. Sie sind in der Regel selbst Angestellte, wenn auch außergewöhnlich gut bezahlt (etwa 10 bis 100 mal höher als ein durchschnittlicher „Arbeitnehmer“). Sie unterliegen dem (ungeschriebenen) „ideologischen“ Druck, das (ihr) „Wirtschaftsimperium“ erfolgreich, möglichst expansiv zu führen ist, so wie die Mitverantwortlichen in einem imperialistischen Staatsgebilde, das auch auf Machtaus­dehnung aus ist.

 

  Diese Spitzenfunktionäre der kapitalistischen Unternehmen begeben sich in Machtkämpfe un­tereinander, d.h. im eigenen Unternehmen, und sie tragen Machtkämpfe mit der Konkurrenz (der Mitbewerber um Marktanteile) aus. Dabei ist ihnen oft jedes Mittel recht: Abwerbung von „guten“ Leuten, Preisunterbietung (Dumping-Preise), Aufkauf von Anteilen der Konkurrenzfirmen, Werksspionage, Druck auf Zulieferer, Anwerbung von billigen Arbeitskräften (neben dem Produk­tionskapital das Produktionsmittel). Die Funktionäre streben danach, das Produktionskapital zu erhöhen und die Produktionsmittel (Arbeitskraft) so billig wie möglich „einzukaufen“, also die Löhne niedrig zu halten bei möglichst hoher Arbeitszeit. Die Arbeitsverteilung und -durchführung erfolgt diktatorisch durch Betriebsordnungen, Arbeitsplatzbeschreibungen, Verantwortungs­hierarchien (Über-, Unterordnung), Geheimhaltungsverpflichtung und was sonst noch alles.

 

  Das kapitalistische Unternehmen ist ein Staat im Staate.

 

  Psychologisch gesehen, funktionieren die Funktionäre bestens im Interesse „ihres“ Unterneh­men, mit dem sie sich identifizieren. Sie dürfen und können oft den gesamtgesellschaftlichen Komplex nicht sehen, als da sind:

 

- Auswirkung von Niedriglöhnen auf die Kaufkraft und damit die gesamt­wirtschaftliche Lage,

 

- Erhöhung der Arbeitszeit und damit Freisetzung von Arbeits­kräften mit dem Ergebnis der Ge­samtkaufkraftsminderung,

 

- Unbefriedigtsein der „Arbeitnehmer“ durch die „Diktatur“ am Arbeitsplatz und damit verminderte Motivation, außerdem: Hervorrufen von psychischen und physischen Schäden. (Die Ausfälle durch Krankheit nimmt bei den niedrigsten Arbeitsstellen nachweislich zu.)

 

  Die Arbeiter können sogar Anteile (Aktien) am eigenen oder an einem Fremdunternehmen er­werben und werden damit selbst zum Kapitalisten.

 

  Der Kapitalismus ist wie eine Jagd zu sehen: Wer erlegt die meisten Tiere, oder wie ein sportliches Ereignis: Wer wird Sieger. (Wahrscheinlich gibt es noch einen instinktiven Jagdtrieb bei den meisten Menschen.)

 

  Dadurch daß der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware dem Kapitalisten zur Verfügung stellt, wofür er jedoch nur einen Teil des Reallohnes erhält, schafft er einen Mehrwert (nach Marx), den Profit. Dieser Profit ist die einzige Motivation des Kapitalisten zu seinen Aktivitäten. (Kaum ein Kapita­list unterhält eine Firma nur aus „Spaß an der Freud“, wie die Kölner sagen.)

 

  Der Kapitalismus kann als Nachfolgeideologie des Feudalismus (la féodalité) gesehen werden, in dem adelige Grundbesitzer eine unein­geschränkte Herrschaft über die ihnen untergebenen Men­schen ausübten. Der Feudalismus war teilweise eine Sklaven­haltergesellschaft: Der „Untertan“ konnte sich nicht ohne Erlaubnis seines Herrn von seinem Wohn­ort entfernen. Er hatte unbedingt gehorsam zu sein und Anweisungen ohne Murren auszu­führen.

 

Parallelen zum Kapitalismus können durchaus gesehen werden:

 

- Eigenmächtiges Fernbleiben von der Arbeit oder Verspätung,

 

- schleppende Aufgabenerledigung (trotz „Abmahnung“) und

 

- Verweigerung einer Arbeit

 

führen zur fristlosen Entlassung (abgesichert durch das Arbeitsrecht).

 

Der Arbeiter hat keinen (oder kaum einen) Einfluß auf die Arbeitsplatzgestaltung, auf die Auswahl seiner Kollegen, auf die Arbeitszeitfestlegung (Beginn und Ende der Arbeitszeit), auf die Art der Arbeit, die er gerne durchführen möchte, und auf die Weise der Durchführung, kein Infor­mationsrecht über die Firmenpolitik, über Kostenkalkulation. Er hat sich den „diktatorischen“ An­weisungen seines Vorgesetzten (fast) bedingungslos zu fügen.

 

Mitbestimmungsideen haben sich (noch) nicht durchsetzen können (obwohl da vieles auf dem Papier steht, z.B. in den Montanunionsgesetzen, also der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl).

 

Diese Freiheitseinschränkung pflanzt sich nahezu bis zum Vorstandsvorsitzenden einer Akti­engesellschaft fort, der sich den Weisungen des Aufsichtsrates zu fügen hat.

 

Dennoch wird heute der Kapitalismus als die „beste“, die best funktio­nierende Gesellschafts­form gesehen.

 

Kommentar: Wir sind also noch meilenweit entfernt von einer menschlich zu sehenden Gesellschaft.

 

Während der Kapitalismus wahrscheinlich dem menschlichen Grundcharakter am angepaßtesten zu sein scheint (nach Hobbes: Der Mensch ist des Menschen Wolf), kann dennoch angenommen werden, daß auch ihm irgendwann ein Ende bevorsteht, daß er zumindest nicht weiter wild weiter wuchern kann (freie Marktwirtschaft mit mehr oder weniger stetigem Wirtschaftswachstum).

 

Diesen Schluß ziehe ich daraus, daß alle Ideologien zeitlich begrenzt auf fruchtbaren Boden fallen und dann austrocknen.

 

Der Kapitalismus wird sicherlich früher oder später dahingehend reformiert, daß den, gegen Entgelt tätigen Menschen endlich die notwendige Mündigkeit zuerkannt wird, was natürlich nicht ohne Machtkämpfe gehen wird.

 

Im Übrigen haben sich doch einige Dinge (Ende 2007) gegenüber dem vorher um Ende 1993 Geschriebenen geändert: Die Konkurrenzsituation ist durch mächtige Wirtschaftsverbände (die Formen von Mafia-Strukturen ähnlich sind) kaum noch zu spüren. Der Wirtschaftsverband kauft für seine Unternehmen zentral ein. Die Produktpalette wird abgestimmt. Preise werden festgelegt. Waren ähneln sich. Es gibt kein Serien-Auto mit Lenkradschaltung. Es gibt keine Fernsehgeräte mehr im Format Länge zu Höhe von 4 zu 3 - zumindest nicht ab einem Bildschirmdurchmesser von 82 cm -  sondern nur noch 16 zu 9. Die Gehälter der Spitzenmanager liegen um das tausendfache über dem eines Arbeiters.

 

Grundsätzliches: Für die vorher als Weltanschauungen bezeichneten Systeme hat sich inzwischen die Bezeichnung "politische Religion" durchgesetzt (>hier<).

 

 j) Nicht Religiöse (nachgetragen 2011)

Nach Schätzungen des World Factbook der CIA („Weltfaktenbuch“ bzw. „Referenzhandbuch der Länderdaten der Central Intelligence Agency, dem Zentralen Nachrichtendienst der USA) vom 8. März 2010 gibt es weltweit: 2,32 % Atheisten (Gottesleugner) und 11,77 % Nichtreligiöse (überhaupt Ungläubige, Heiden, Freidenker, Freigeister, die an garnichts glauben oder auch durchaus frommeSozialisten bzw. Marxisten, nach durchschnittlicher US-amerikanischer Denkweise vollkommen teuflisch“?).

Ob die Daten auf Umfragen oder bloße Schätzungen beruhen, ist nicht bekannt, auch nicht, ob eine (in islamischen Ländern ausgeschlossene) Nichtmitgliedschaft in (allen) Religionsgemeinschaften erfasst wurde und auch nicht, ob nach der ausdrücklichen Selbstbezeichnung als „Atheist“ und/oder „nichtgläubig“ gefragt wurde. Dennoch erscheinen die Zahlen - weltweit gesehen - recht hoch; denn in Ländern mit Staatsreligion (der christlichen: Andorra · Argentinien [de facto] · Costa Rica · Dominikanische Republik · El Salvador · Haiti usw.; islamische Staatsreligion: inzwischen unzählige von Libyen bis West-Papua-Neuguinea - z.Zt. [2012] zwar noch christlich [zum australischen Kontinent gehörend], aber seit 1963 Teil des indonesischen Staatsterritoriums) kann diese Frage nicht beantwortet werden. Eine „positive“ Beantwortung könnte in vielen dieser Länder tödlich sein.

Leider ist nicht klar, ob in den oben genannten 11,77 % der Nichtreligiösen, die Atheisten eingeschlossen sind oder gesondert (als 2,32%) zu sehen sind (warum denn dann?). (Fast 12% wären immerhin über 100 Millionen Erwachsene - d.h. mehr nichtreligiöse Menschen als in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt leben.)

Nichtgläubigkeit und Religionslosigkeit breiteten sich insbesondere unter den sogenannten gut ausgebildeten Menschen in der europäischen Neuzeit aus, nachdem es zu einer immer größeren Autonomie (Eigenständigkeit mit Selbstbestimmungsrecht) der Lebensgestaltung und Weltanschauung gegenüber den früheren Bindungen an die Religion (der offiziellen Kirchen) und deren „Sinnangeboten“ mit teilweise überholten sittlich-moralischen Vorgaben gekommen ist. Eine zunehmende „Entkirchlichung“ der Gesellschaft kann inzwischen in Europa, nicht in Amerika, insbesondere den USA, ganz langsam verzeichnet werden.

Früheste Formen der Nichtgottgläubigkeit gab es bereits um 600 Jahre vor der Zeitrechnung bei sogenannten Vor-Sokratikern (Philosophen vor Sokrates) beispielsweise von Demokrit und Kritias, welche die Götter als menschliche Erfindung ansahen als ein Schreckmittel zur Erhaltung der moralischen Ordnung. In etwa zur gleichen Zeit kamen alte indische Religionen, wie der Dschainismus (der Anhänger des Dschina = Sieger), der Samkhya (= Aufzählung) und der ursprünglichen Buddhismus ohne göttliche Wesen aus. Immer blieb die Gottlosigkeit im Allgemeinen jedoch Sache intellektueller Einzelgänger, da beispielsweise in der Antike noch ein naturreligiöses Lebensgefühl vorherrschte (findet man etwa bei © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG und weiter). "Im christlichen Mittelalter gab es zwar keinen ausformulierten Atheismus, seit dem 13.Jahrhundert nahm die Skepsis gegenüber den kirchlichen Lehren aber zu".

Die Ausgestaltung der Naturwissenschaften, vor allem der Physik, führte zu der Erkenntnis, dass die Welt ohne Zuhilfenahme eines Gottes als (nicht erkennbaren und zu verstehenden) Schöpfungs-Erklärungsgrund begreiflich zu machen sei.

Erwähnt werden muss  der doktrinäre (dogmatische, man kann sagen intolerante) Atheismus angefangen bei einigen französischen Aufklärer (z.B. Voltaire) bis zu den deutschen Materialisten des 19.Jahrhunderts (Ludwig Büchner* oder dem Zoologen und Naturphilosophen 1834 bis 1919, Ernst Haeckel) bis zur Systematisierung des dialektischen Materialismus (Marxismus) durch Friederich Engels (>hier<).
* Arzt und Philosoph, lebte von 1824 bis 1899 (Bruder von Georg Büchner), war ein populärer Vertreter eines radikalen naturwissenschaftlichen Materialismus. In seinem 1855 erschienenen Hauptwerk: »Kraft und Stoff« erklärt er, dass es allein Materie gibt und die Seele auf physiologisch beschreibbare Gehirnfunktionen zu reduzieren ist.

 

j) Traditionen

 

Traditio bedeutet im Lateinischen die „Übergabe“, „Überlieferung“, „Lehre“, also die Weitergabe von eingefahrenen An­schauungen und Regeln.

 

Hier sollte eher von Traditionalismus (Festhalten am Herkömmlichen, Überlieferten) gesprochen werden, um das, was die Problematik (= Schwierigkeit, aber auch Fragwürdigkeit) um den Begriff „Tradition“ beinhaltet, besser in den Bereich (Komplex) der Ideologien einordnen zu kön­nen. Die Traditionalisten halten sich am Althergebrachten fest, reagieren mit Wut, wenn einer daran rütteln will.

 

Also unter einer Tradition wird das Festklammern an Sitten und Gebräuchen (Brauchtum), an einmal getroffenen Übereinkommen (Konventionen), Lebenserfahrungen, Machtstrukturen (Insti­tutionen), Gewohnheiten und Normen (Gesetzte, Verordnungen, Regeln) gesehen. Der in der Tradition Behaftete fühlt sich nur wohl, wenn sein Umfeld in den gleichen Traditionen eingebettet ist, und er will seine Vorstellungen an die näch­ste Generation weitergeben. Damit hängen Tradi­tionen eng mit Konservatismus (Einstellung und Haltung, die am Bestehenden, am Hergebrachten festhält) zusammen, welcher das einmal Bestehende unabän­derlich fest­schreiben und „einmachen“ will in eine Konservendose. (Einmal eingemach­tes Obst ändert sich nicht mehr, bis es verdirbt und ungenießbar wird.) Es soll sich möglich nichts ändern (Kontinuität) und alles beim Alten bleiben.

 

Kommentar:   Eigentlich wäre es garnicht so schlecht, wenn man in eine „vernünftige“ Tradition eingebunden wäre; denn da weiß man immer, wo man „dran“ ist, kann sein Leben leichter ausrichten. Man kennt ja die Normen, Konventionen und die Institutionen.

 

Aber wir müssen neuen Gegebenheiten und veränderten Erkenntnissen gegenüber offen sein, uns anpassen und wandeln, einsichtig sein, aus gemachten Fehlern lernen können, sonst verpassen wir den entwicklungstechnisch gegebenen „neuen Fahrplan“.

 

Traditionell steuern die Autofahrer auf dem europäischen Kontinent und in vielen anderen Ländern ihre Fahrzeuge über die rechte Straßenseite. Aber in Großbritannien und seinen ehemaligen Kolonien wird die linke Stra­ßenseite benutzt. Im Prinzip ist das ja völlig gleichgültig. Nur muß man die jeweilige Norm (die Straßenverkehrsordnung) kennen.

 

Hans lebt in einem Dorf. Es geht ihm gut, hat so etwa al­les, was eine Industriegesellschaft an materiellen Dingen bietet.

 

In der Kneipe erzählt er einem Saufkumpanen, daß er beabsichtigt, mit seinem neuen Wagen nach England zu fahren.

 

„Da mußt du aber vorsichtig sein,“ rät sein Freund und erklärt: „Die fahren da nämlich auf der anderen Straßenseite.“

 

 Ein paar Tage später trifft Hans seinen Freund zufällig wieder und sagt: „Also das mit der Fahrt nach England habe ich aufgegeben.“

 

„Ja, warum denn das?“ will sein Freund wissen.

 

Hans meint: „Nee, also das ist ja so gefährlich und so anstrengend. Das kann ich mir nicht antun.“

 

„Was ist gefährlich in England?“ erkundigt sich sein Ge­sprächspartner.

 

„Ich habe ein paar Tage lang mal probiert, da auf unserer Umgehungsstraße mich mit mei­nem Auto ganz links zu halten,“ gesteht Hans und fährt fort: „Ich mußte manchmal sogar in den Graben fahren, um keinen Unfall zu bauen. Also wirklich nicht, das schaffe ich nicht, auf der an­deren Seite zu fahren. Damit ist die Idee eines Urlaubs in England für mich gestorben. Die Eng­länder sind wohl beklopft, wenn die immer nur falsch fahren.“

 

 

Normen sind unerläßlich. Im allgemeinen Recht werden die Bezie­hungen zwischen den einzelnen „Rechtsobjekten“ allgemein­verbindlich gere­gelt durch Gebote und Verbote.

 

Die Sozialwissenschaftler sehen unter Normen (>hier< eine ganze dazu) die Regelmäßigkeiten eines sozialen Verhaltens beim menschlichen Zusammenle­ben. Die Normen fordern ein bestimmtes Verhalten.

 

Man stelle sich doch mal vor, daß an einem unwahrscheinlich heißen Tag die trauernde Witwe zur Beerdigung ihres Mannes im zweigeteilten Bade­anzug (Bikini) erscheinen würde und der Pfarrer in einer Badehose.

 

Würde ein Gerichtsvorsitzender, in dessen Eingeweiden es fürchterlich zwickt, plötzlich aufste­hen, zum Fenster schreiten, dieses öffnen und einen vernehmlichen Furz ablassen, wäre sicher die weitere Verhandlung infrage gestellt und seine Autorität dahin. Das kann er doch nicht machen oder? Er wird es mit Sicherheit auch nicht tun und sich bis zum Ende der Gerichtssitzung quälen. (Vielleicht beschleunigt er das Verfahren ein bißchen.)

 

Aber jeder von uns ist doch nicht frei von Anerzogenem und damit Vorurteilen. Mich versetzt zum Beispiel in Wut, wenn jemand mit offenem Mund auf einem Gummi kaut wie eine Kuh auf der Weide oder wenn ich je­manden sehe, der sich am kleinen Finger den Nagel zentimeterlang hat wachsen ließ, ein Symbol in manchen Entwicklungsländern dafür, daß der Kleinfingerstruwelpeter keine körperli­che Arbeit zu machen hat. Ferner beschleunigt sich mein Puls, wenn dann jemand dauernd an seiner Gebets­kette rumfummelt, mit einem Schlüsselbund klappert, beim Sitzen nervös mit den Bei­nen zappelt. Das alles regt mich völlig ohne jeglichen objektiven Grund auf. Obwohl also nichts gegen die Kaugummis ein­zu­wenden ist, gegen den Mini-Struwelpeter, gegen die Nervosität eines Mit­menschen, kann ich meinen Ärger nicht loswerden. Wenn Sie völlig frei von Voreingenommenheiten sind, lassen Sie es mich wissen.

 

Schauen wir uns einmal an hand der Grafik ein „klassisches“ Beispiel von Voreingenom­menheit an, wie Deut­sche über Ausländer den­ken, welche Ausländertypen uns beispielsweise am näch­sten stehen. (Leider habe ich keine Ahnung, wie die Fragen im Einzelnen gestellt worden sind, was wichtig wäre für eine Interpretation.)

 

Ein Beispiel zu Voreingenommenheiten: Ein Neffe von mir gab einmal seine Meinung über Türken kund, die primitiv seien, dazu dreist und vor allem stinken würden. Als ich ihn fragte, ob er denn Türken persönlich kennengelernt habe, bekam ich eine ärgerlich Antwort: „Um Gottes Willen, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben!“ Es lebe die übernommene (erlernte) Voreingenommenheit!

 

 Ich erklärte ihm, daß ich während meiner Ar­beit in der Türkei viele Men­schen kennenge­lernt hätte und manche als gute Freunde bezeichnen könne, daß es keinen Rassenun­ter­schied gäbe, daß es un­angenehme Tür­ken gäbe, so wie sehr unan­genehme und bornierte Deutsche (als kleinen Hieb ge­gen ihn). Leute aus anderen Ländern und von anderen Rassen seien weder bessere noch schlechtere Men­schen. Natürlich wären sie manchmal anders erzogen als Deutsche und würden daher auf den ersten Blick unterschied­lich wirken. Meine Predigt hatte aber nichts be­wirkt. Türken sind nun mal Türken, und dabei bleibt es.

 Normen und Konventionen sind für unser tägliches Leben wichtig, damit wir uns orientieren können, damit wir wissen, woran wir sind.

 

Sicher haben Sie doch alle schon erlebt, wie unangenehm es ist, daß in einem anderen Land eventuell das mitgebrachte Radio nicht ohne weiteres an die Steckdose anzuschließen ist, weil das System anders, die technische Norm anders sind. Wie angenehm also, wenn die (technische) Norm stimmt.

 

 

Kommentar:   Wegen des Festklammerns am Herkömmlichen werden notwendige Reformen nur schleppend oder überhaupt nicht durchgeführt. Die Probleme stauen sich dann, und es kommt zu einem großen Krach, einer Revolution, wo alles umgedreht (revolvere), erst einmal auf den Kopf gestellt wird (und nichts mehr geht). Die Geschichte hat bewiesen, daß Revolutionen keine kurzfristige und oft keine langfristige Lösung angestauter Probleme gebracht haben. Im Nachhinein sind dann alle ursprünglich revolutionären Ideen verwässert worden, oder es kam zu einer Gegenrevolution. Die revolutionärsten Gedanken sollten daher kanalisiert (in richtige Bahnen gelenkt) und als schrittweise ange­paßte Reformen (verbesserte Neu-, d.h. Umgestaltung) umgesetzt werden. Ja, da sind aber dann die Traditionalisten (die Holzköpfe) vor, die sich leider oft tatsächlich nur mit Gewalt beseitigen lassen.

 

Natürlich braucht jeder Mensch eine gewisse Tradition als Orientierungshilfe, als Richtlinie seines Handelns mit uns bekann­ten Normen, die uns das Leben erleich­tern, weil wir nur so wissen, wie wir uns in bestimmten Situation zu verhalten haben, was wir sagen dürfen und was, wann nicht und wann doch.

 

Oft stehen aber die Traditionen, die Konventionen, die Verhaltensnormen in einem krassen Widerspruch zu dem, was das Einzelindividuum tatsächlich gerne möchte. (Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Mädchen, denen in manchen Gegenden die Klitoris abgeschnitten wird, damit sie wenig Lust beim Geschlechtsverkehr empfinden, überhaupt wissen, was dieses „Ritual“ tatsächlich für sie bedeutet; denn viele erwarten den Tag der „Beschneidung“ mit Freude, weil sie dann zu den Erwachsenen zählen - für mich eine unglaubliche Perversion.)

 

Es hat lange gedauert, bis wir uns an die hosentragenden Frauen gewöhnt hatten. Männer in Röcken machen sich aber immer noch lächerlich, werden entweder als pervers („anders rum“) oder als nicht „normal“ angesehen (abgesehen von religiösen Pfaffen).

 

Nun haben aber unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Traditionen. Leider gelingt es nur wenigen, diese Unterschiede zu tolerieren (zu dulden, muß keineswegs anzunehmen bedeuten). Mit einer unterschiedlichen Sprache können wir zwar im Ausland überhaupt nicht zurecht kommen. Aber es regt uns nicht auf in einem Sinne, daß wir aggressiv werden. Dabei ist gerade die Fremdsprache für jeden Menschen, der diese Sprache des Auslandes nicht beherrscht, eine ganz schwer zu überwindende Norm-Barriere.

 

Wegen meiner Erziehung beschleunigt sich mein Puls (wie bereits erwähnt), wenn ich Leute mit offenem Mund auf ihren Kaugummis schmatzen sehe, obwohl ich keinen einzigen ob­jekti­ven Grund sehen kann, wonach das unanständig und abzu­lehnen ist. (Es soll im Gegenteil sehr gesund für die Zähne sein.) Wenn sie Luft schlucken und Blähungen bekommen, tut es mir doch nicht weh.

 

Jeder wird bei sich feststellen (wenn er sich ehrlich gegenüber ist), daß er sich, wegen eines bloßen  Behaftetseins in seine Traditionen von einem Mitmenschen angewidert fühlt.

 

Es gab einmal eine kabarettistische Darstellung mit sogenannten Transvestiten im Fernsehen, also eine unterhaltsame, lustige Darbietung mit Liedern, Gedichten, Pan­tomimen von als Frauen verkleideten Männern, denen es überhaupt nicht anzusehen war, daß sich unter ihrer Schminke keine weiblichen Gesichter unter ihren Flitterkleidern keine Frauenkörper befanden. Einer der Darsteller bekannte, im „normalen“ Leben Bankangestellter zu sein. Ich habe versucht, meine Empfindungen darauf zu konzen­trieren, wie ich es hingenommen hätte, wenn sich unter diesen Transvestiten eine sehr bekannte Persönlichkeit aus dem politischen Leben befunden hätte, ein Minister oder sogar ein Präsident. Ja, dagegen wäre doch nichts einzuwenden oder? Nun spielt es aber eine Rolle, ob diese Person so etwas mal in einer karnevalistischen Sitzung tun würde oder in einem kleinen Privattheater, einfach so zum Spaß. Wenn diese Person aber immer das Bedürfnis danach hätte, würde das nicht akzeptiert, so wie auch kein schwuler Präsident, der mit seinem Lebensgefährten in der Öffentlichkeit aufträte und nicht mit einer Ehefrau. Unmöglich! nicht wahr? Warum aber eigentlich? (Bemerkung 2010: Fängt an, sich zu ändern...)

 

k) Kritik an religiösen, ideologischen Systemen und Traditionen

 

Nach Karl Marx dient Religion der Volksverdummung. Zweifellos wird Religiosität von den Mächtigen genutzt, um ein Aufbegehren gegen ihre Machenschaften zu dämpfen. Da wird dann ein besseres Leben irgendwann im Jenseits versprochen (während diejenigen, die diesen Trost geben, sehr oft „herrlich und in Freuden leben“).

 Fast allen Religionen ist gemeinsam, daß irgendwann ein Erlöser (Messias) kommen wird, das wäre endlich ein gerechter Herrscher und kein Despot (willkürlicher Gewaltherrscher), weil von Gott gesandt, oder daß ein sonsti­ger Erlösungsweg die Menschen endlich aus ihrem Elend, aus der ihnen ständig widerfahrenen (empfundenen) Un­gerechtigkeit herausführt.

 

Obwohl da nun schon einmal ein Messias, ein Erlöser, sogar direkt als Gottes Sohn den Christen gekommen ist, hat sich nichts aber auch garnichts geändert. Im Gegenteil wurde die Organisation, die sich auf diesem sogenannten Erlöser aufbaute zu einer der schrecklichsten Macht der Geschichte über Jahrhunderte mit qualvollsten Folterungen und allen Arten von schrecklichsten „Hinrichtungen“ (aufs Rad flechten, Vierteilen, Verbrennen usw.), totaler geistiger Vergewaltigung, Ausrottung ganzer Volksgruppen und vielem mehr. Was haben die Menschen daraus gelernt? Absolut nichts. Diese Organisation hat heute immer noch die meisten Anhänger, die mehr oder weniger willig ihren Doktrinen folgen.

 

Die religiösen Aktivitäten bedeuten jedenfalls eine unbe­schreibliche Energieabschöpfung:

 

- Statt Schulen und anderer wichtiger Gebäude werden mit immensem Aufwand Gotteshäuser errichtet. (Da werden Gehälter an Priester, Tempel- und Kirchendiener gezahlt, die nichts Produktives hervorbringen. Sicher kann man dem entgegenhalten, daß ja Künstler und Sportler auch nichts Eß- und Trinkbares, direkt Lebensnotwendiges hervorbringen. Also dieses Thema ist zu komplex, um es mit einigen Sätzen behandeln zu können.)

 

- Statt des Religionsunterrichtes, d.h. Einhämmern einer einzigen Ideologie sollte Kritikfähigkeit (Systemanalyse und Systementwurf z.B.) vermittelt werden.

 

Ich sehe keinen Unterschied zwischen der Aufrechterhaltung eines („konfessionellen“) Religions­unterrichtes (also je nach Glaubensrichtung der Eltern der dem Unterricht ausgesetzten Kinder) und dem Ideologie-Einhämmern während der Periode des sogenannten Dritten Reiches (dem Hit­lerregime) oder in den untergegangenen Sozialistischen Ländern.

 

- Durch Vorschriften, die sich auf das tägliche Leben erstrecken, wird die Arbeitsleistung behin­dert, ferner durch Gebete, Fasten, durch sexuelles Unbefriedigtsein, durch Behinderung der internatio­nalen Zusammenarbeit; denn in Israel ist der Samstag der höchste Feiertag, in einigen islamischen Ländern der Freitag, wieder in den meisten Ländern der Sonntag. Wird der jeweilige Vortag als arbeitsfreier Tag angestrebt (teilweise schon verwirklicht), so bleiben nur wenige Wochentage der internationalen Zusammenarbeitsaktivität (in Syrien 3 Tage; denn samstags/sonntags waren z.B. europäische Institutionen geschlossen, in Syrien donnerstags und freitags).

 

- Die religiösen Menschen werden dauernd von einem schlechten Gewissen geplagt, da sie wegen eines gewissen „Leidens­drucks“ unter der Vielzahl der Vorschriften mehr oder weni­ger oft „sündig“ werden; denn die Regeln und Vorschriften sind oft gegen die natürlichen Wünsche und Bedürfnisse gerichtet. Das bewirkt eine innere Unausgeglichenheit, schürt Aggressivität (Mißhandlung von Untergebenen) und führt zur Selbstverachtung.

 

- Die Gefahr, sich in einen Fatalismus fallen zu lassen, sich also einem un­ausweichlichen Schicksal (Gottes „unerforschlichem Willen“) zu unterwerfen, ist recht groß, was das Eigenverantwor­tungsgefühl, die Eigeninitiative mindert, ja sogar ganz ausschalten kann.

 

- Die Verankerung in einer festen Ideologie (konservierten Tradition) verhindert Einsicht in geänderte Umstände, Umdenken, Anpassung an neue Situationen. Das halte ich für den allerwichtigsten Punkt als eine offenbar nicht gegebene unerläßliche Voraussetzung für die Abwendung der uns alle bedrohenden von Menschen fahrlässig oder aus Selbstsucht gemachten Katastrophe (Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Klimawandel).

 

- Die Ideologien haben in der Regel großes Leiden im gesamten Umfeld des Machtbereichs der je­weiligen Ideologen verursacht. Zum Beispiel durften Christen und Juden etwa ab dem Jahre 1000 nicht mehr gemischt leben. Die Juden, als Minderheit und mit Sippenhaft belegten Chri­stusmörder, hatten sich in eigenen Stadtvierteln, Gassen (die vielen „Judengassen“) von der übri­gen Bevölkerung zu trennen, wurden mit Mauern umgeben, schließlich in Ghettos zusammenge­pfercht, zuerst in Venedig. (Ghetto klingt italienisch. Die Herkunft und eigentliche Bedeutung des Wortes ist aber nicht genau bekannt.) Erst im 19. Jahrhundert, nachdem die Allmacht der Kirche(n) gebrochen war, durften sie die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Landes erwerben, in dem sie lebten. Der Massenmord an den Juden während des Hitlerreichs geht zweifellos weitge­hend auf das Konto der katholischen Kirche, aber auch den Judenhasser Martin Luther mit ihren vorbereitenden Diskriminierungen der „Christusmörder“ und vor allem der Zustimmung zum sogenannten Ermächtigungsgesetz durch die katholische Zentrumspartei. Judenverfolgungen waren immer beliebt, wenn die Mächtigen von irgendwelchen, von ihnen verursachten Problemen ablenken wollten.

 

Nebenan erflehte der Erzbischof von Sevilla, der andalusischen Hafenstadt in Spanien, mit Hilfe der Statue der Stadtpatro­nin vergebens vom Himmel Regen, der dem Land so sehr fehlt („Der Spie­gel“ 18/1993). Immerhin gibt sich dieser Herr "modern"; denn er ist nicht im Ornat, der feierlichen Amtstracht.
 


Unendliche Weite völlig vertrockneten Landes in Andalusien

(aus „Der Spiegel“)

 
 

Frage: Hat er, der Herr Bischof, auf die Bevölkerung einge­wirkt, den Was­serverbrauch einzu­schränken? Nach einer Studie des Worldwatch Institutes in Washington ver­brauchen die Spanier 300 Liter pro Kopf der Bevölke­rung pro Tag, als unschlagbare Spitze in Europa. (Sy­rien übrigens 330 pro Person und Tag). Hat er, der Bischof, ange­regt, Bäume zu pflanzen, die Um­weltschäden zu reparie­ren, um den Regen wiederkommen zu lassen? Ich fürchte, daß er daran nicht gedacht hat und vielleicht nicht denken wollte; denn je ärmer ein Land, desto voller die Kir­chen.

 

Das Leiden der Bevölkerung unter der leninistisch-stalinistischen Ideologie ist bekannt, eben­falls im Bereich der Herrschaft von islamischen Fundamentalisten.
 

Kommentar: Ich behaupte, daß alle Ideologien wegen ihres Anspruchs auf „alleinige Wahrheit“ im­mer zur Unterdrückung und Knebelung zumindest der Leute führt, welche die jeweilige Ideologie ablehnen. Damit ist die Gewährung einer absoluten Religionsfreiheit und Ideologiefreiheit zu überdenken und dahingehend einzuschränken, z.B.
 

 Artikel XVIII

der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen:

 

„Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Reli­gionsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wech­seln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Ge­meinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.“

 Hier fehlt:

Diese Freiheit darf nicht dazu führen, daß jemandem ein Schade zugefügt wird.

Volksverhetzung, insbesondere Kriegshetze und Aufruf zur Schädigung eines Mit­menschen, einer Menschengruppe wird als Verbrechen angesehen.

 


 

Abdruck aus "Der Brockhaus - multimedial 2007":  Religion


[französisch, von lateinisch religio »Gottesfurcht«] die, zusammenfassende Bezeichnung für eine Fülle historischer Erscheinungen, denen ein spezifischer Bezug zwischen dem »Transzendenten« einerseits und den Menschen andererseits in einer deren Verhalten normativ bestimmenden Weise zugrunde liegt.


Begriff

Etymologisch ist das lateinische »religio« unklar. Cicero (»De natura deorum«, 2, 72) stellt »religio« zu dem Verbum »relegere« (sorgsam beachten) und definiert demgemäß Religion als »die sorgfältige Beachtung alles dessen, was zum Kult der Götter gehört«. Eine andere Etymologie findet sich bei dem christlichen Schriftsteller Lactantius, der »religio« von »religare« (verbinden) ableitet; diese Deutung vertritt auch Augustinus (»De quantitate animae«, 36, 80), für den die wahre Religion diejenige ist, »durch die sich die Seele mit dem einen Gott, von dem sie sich gewissermaßen losgerissen hat, in der Versöhnung wieder verbindet«.

Die lateinischen Christen benutzten das Wort »religio« zur Wiedergabe verschiedener griechischer Begriffe wie »threskeia« (heiliger Brauch, Gottesdienst), »eulabeia« (Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht), »eusebeia« (Frömmigkeit, Gottesfurcht), »latreia« (Dienst, Kult) und »therapeia« (Dienst, Verehrung). Bei den lateinischen Kirchenvätern wurde »religio« schließlich zu einem zentralen theologischen Terminus; das Christentum erscheint als die »vera religio« (wahre Religion; z. B. bei Augustinus, »De vera religione«).

Entsprechungen in anderen Sprachen sind z. B. Sanskrit Dharma (Ordnung), althochdeutsch »etwa« (Ordnung, Recht), altpersisch Daena, arabisch »din« (Sitte, Brauch, Überkommenes) oder »islam« (Ergebung), japanisch »kyo« (Lehre) oder »do« (Weg) und chinesisch »jiao« (Lehre, Weg).


Definitionsversuche

Der vielschichtige Bedeutungszusammenhang von Religion spiegelt sich in den zahlreichen, zum Teil eher in der Religionsphilosophie als in der Religionswissenschaft begründeten Definitionsversuchen wider, die allerdings meist bestimmte Einzelaspekte in den Mittelpunkt stellen. Allen gemeinsam ist, dass Religion als ein existenz- und situationsbezogenes (und entsprechend uneinheitliches und uneindeutiges) Phänomen erscheint, als eine spezifische Funktion des Menschseins, die es außerhalb der Welt des Menschen nicht gibt. Formal lässt sich Religion beschreiben als ein (Glaubens-)System, das in Lehre, Praxis und Gemeinschaftsformen die »letzten« (Sinn-)Fragen menschlicher Gesellschaft und Individuen aufgreift und zu beantworten versucht. Diese »religiöse Frage« stellt sich in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten in je anderer Form. Entsprechend unterschiedlich werden in den Religionen die »Antworten«, die Erklärungsversuche des menschlichen Daseinsverständnisses entwickelt.

Vereinfacht lassen sich dabei zwei Grundlinien unterscheiden: In Kulturen, die v. a. an der Natur orientiert sind und in denen der Mensch sich und sein Leben primär als Teil des Naturgeschehens begreift, steht die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Naturwelt oder der Ordnung des Kosmos im Vordergrund. Religionen, die darauf Antwort zu geben versuchen, sind primär monistische Religionen (Monismus). Demgegenüber haben die v. a. an der Geschichte und am menschlichen Handeln in der Geschichte orientierten Kulturen die monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) mit ihrer personalisierten Gottesvorstellung hervorgebracht (Monotheismus). Die Tatsache, dass traditionelle Religionen in einem anderen Lebenszusammenhang häufig als ungenügend empfunden werden, ist ein Grund dafür, dass im Laufe der Geschichte immer wieder ein Ungenügen an den bestehenden Religionen empfunden wird und neue Religionen entstehen.

Entsprechend den jeweiligen Heilsvorstellungen, die ihr zugrunde liegen, und in Relation zur jeweiligen »Unheils«-Erfahrung hat jede Religion ein »Heilsziel« und zeigt einen »Heilsweg«. Das Heilsziel kann als Leben bei Gott oder in Gott, zukünftiges Leben in einem Heilsreich (Paradies; Eschatologie), Vereinigung mit Gott, »Verklärung« des Menschen und der Welt vorgestellt werden (Christentum, Islam), aber auch als Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der einmal gegebenen Ordnung (Stammesreligionen) oder als Zur-Ruhe-Kommen, Überwindung des Kreislaufs der Wiedergeburten (Buddhismus, Hinduismus). Es steht in enger Beziehung zur jeweiligen »Unverfügbarkeit«, die als personale (Gott, Götter) und nichtpersonale (Weltgesetz, Erkenntnis, Wissen) Transzendenz vorgestellt wird.

Religionssoziologisch lassen sich Religionen charakterisieren als Welterklärungs- und Lebensbewältigungssysteme, die sich durch eine Gerichtetheit auf eine wie auch immer geartete »Unverfügbarkeit«, zu der sich die Menschen ins Verhältnis gesetzt wissen, auszeichnen. Als religiöses System ist eine Religion gegenüber ihrer Umwelt autonom, steht aber mit ihr in einem fortgesetzten Prozess von Wechselwirkungen, durch die sie wiederum geformt wird. Sie wird getragen von den religiösen Menschen und gewinnt erst durch deren Glauben (geprägt durch Lehre und Tradition), Verhalten (Kult, Ethik) und religiöse Vergesellschaftung (Gemeinschaft, Hierarchie, Organisation) Gestalt. Die Definition von Religion als System von Glaubensinhalten und Handlungsweisen, mit denen eine Gruppe von Menschen die zentralen, »letzten« Fragen des menschlichen Lebens angeht, bereitet die Schwierigkeit, religiöse Glaubenssysteme von nichtreligiösen abzugrenzen: Nach dieser formalen Definition können auch jene bewusst säkularen Weltanschauungen und Ideologien als Religion gelten, die zwar keine transzendentale Perspektive (z. B. auf »Gott« hin) zulassen und die traditionellen Religionen ablehnen, dennoch aber »das Ganze« von Welt, Mensch und Geschichte thematisieren und so für ihre Anhänger quasireligiöse Funktionen wahrnehmen (Quasireligion). In sozialwissenschaftlicher Gesamtperspektive stellt sich die Religion als einer der wirkmächtigsten bewusstseinsbildenden Faktoren in der Geschichte der Menschheit dar, die politisch, kulturell und geistig von ihr nachhaltig beeinflusst wurde und wird.


Erscheinungsformen von Religion

Angesichts der Problematik einer inhaltlichen Definition von Religion (Religion als Glaube an Gott oder übermenschliche Wesen; Religion als Begegnung mit dem Heiligen), die immer von theologischen oder ideologischen Vorannahmen geprägt ist, hat die neuere Religionswissenschaft v. a. die phänomenologische Betrachtung der einzelnen Religionen (Religionsphänomenologie) sowie die Frage danach, was sich allgemein in und als Religion (auch unabhängig von religiösen Organisationsformen) kundtut, in den Vordergrund gerückt.

Als Zentrum der »Formenwelt des Religiösen« (Kurt Goldammer [1916 bis 1997]) erscheint dabei das gegenüber der Alltagswelt »Ganz-Andere«, das »Transzendente«, »Tragende und Begründende alles Seins«. Bezeichnungen dafür sind Gott, das Göttliche, das Absolute, Namenlose, Mysterium. Vor allem in der deutschen Religionswissenschaft hat sich in Anlehnung an R. Otto das »Heilige« (heilig) als grundlegende phänomenologische Kategorie durchgesetzt. Im Heiligen manifestiert sich das durch die Religion zugesagte oder erfahrbare Heil. So kann jeder Gegenstand, jede Geste, jede Handlung, aber auch jede Denkfigur »heilig« oder »geheiligt« und dadurch vom »Profanen« abgegrenzt sein. Das Heilige begegnet im »heiligen Raum« (heilige Stätten), in der »heiligen Zeit« (gegliedert u. a. durch Feste, die durch den Kreislauf der Natur oder durch die Erinnerung an mythische oder historische Ereignisse bestimmt sind [Festtage]; häufig verbunden mit der Vorstellung von »heiligen Zahlen« [Zahlensymbolik]), in »heiligen Gegenständen« (Kultobjekte) und Symbolen sowie im »heiligen Wort« (Gebet, Bekenntnis, Orakel, Zauberspruch) und in heiligen Schriften, durch die in den so genannten Buch- und Offenbarungsreligionen Bekenntnis, Kult und Gemeinschaft bestimmt werden. Das »heilige Wort« (Kultsprache) dient zur Kommunikation sowohl zwischen Mensch und Gottheit als auch innerhalb der sich als Bekenntnis-, Kult- und Heilsgemeinschaft verstehenden »heiligen Gemeinschaft«. Zu »heiligen Menschen« gehören Ahnen, Stammesführer, Könige, Märtyrer und Mystiker, aber auch »religiöse Spezialisten« wie Religionsstifter, Mysten und Mystagogen, Priester, Heiler, Propheten, Lehrer. Zur »heiligen Handlung« in Kult und Ritus kann jede menschliche Geste und Verhaltensweise werden. Sie dient nicht nur der manipulativen Kontaktaufnahme mit der jeweiligen »Unverfügbarkeit«, sondern diese wird im kultischen Geschehen als präsent vorgestellt.


Systematisierungsversuche

Angesichts der vielfältigen Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Religionen stellt sich die Frage, nach welchen Kategorien eine Systematisierung möglich ist. Religionswissenschaftlich wird unterschieden zwischen Geburtsreligion und Bekenntnisreligion, je nachdem, ob man in die entsprechende Religion hineingeboren wird oder sich erst nach einer bewussten Entscheidung zu ihr bekennt. Bekenntnisreligionen werden dabei häufig mit der Zeit auch zu Geburtsreligionen. Außerdem lassen sich missionierende Religionen (alle »gestifteten« Religionen) von nicht missionierenden (die wiederum Geburtsreligionen sind) unterscheiden. Alle gestifteten, missionierenden Religionen sind aufgrund ihres universalen Anspruchs auch »Universal-« oder »Weltreligionen«, während die Stammes-, Volks- und Geburtsreligionen sich jeweils auf einen ethnischen oder soziopolitischen Bereich beschränken. Umstritten sind in der heutigen Religionswissenschaft Bezeichnungen wie Naturreligion (Stammesreligionen), Dynamismus, Animismus, Theismus, Pantheismus, Panentheismus, insofern diesen Begriffen von bestimmten Religionstheorien entwickelte Kategorien zugrunde liegen. Auch bei Bezeichnungen wie Offenbarungsreligion, Buchreligion oder prophetische Religion ist zu berücksichtigen, ob und wieweit solche Typisierungen von »religiösen« oder ideologischen Vorentscheidungen geprägt sind.

Eine statistische Erfassung der Anhänger der einzelnen Religionen in der Welt (Religionsstatistik) ist aufgrund vielfältiger Unsicherheiten nur als grobe Schätzung möglich. Zu den Faktoren, die präzisen Angaben entgegenstehen, gehören die allgemeine Unsicherheit von Bevölkerungszählungen überhaupt, die Abweichungen zwischen offizieller Religionszugehörigkeit und individuellem Bekenntnis, die synkretistische Vermischung von Religionen und die oft selbstverständliche mehrfache Religionszugehörigkeit (z. B. in Japan). Die weltweit am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum, der Islam, der Hinduismus und der Buddhismus.

Die gegenwärtige Situation ist einerseits durch einen weltweit schwer zu überblickenden religiösen Pluralismus sowie das Wirken fundamentalistischer Bewegungen innerhalb der Weltreligionen gekennzeichnet (Fundamentalismus), wird andererseits jedoch auch durch Prozesse der Säkularisierung bestimmt. Letztere sind konstatierbar als »Entkirchlichung« breiter Bevölkerungsgruppen (besonders in Westeuropa), was allerdings nicht mit einem allgemeinen Verlust des »Religiösen« in der Gesellschaft gleichzusetzen ist. So ist zum einen innerhalb der christlichen Kirchen (besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika) ein pfingstkirchlicher Aufbruch (kirchliche Neuaufbrüche) von kirchgeschichtlich bislang nicht gekanntem Ausmaß zu konstatieren und stehen heute zum anderen (besonders in Westeuropa und Nordamerika) den institutionalisierten (traditionell-kirchlichen) Formen der Religion vielfältige Formen individualisierter Religiosität, ein nahezu unüberschaubar gewordener »Sinnmarkt« (Esoterik) und eine Vielzahl ersatz- beziehungsweise quasireligiöser Sinnangebote gegenüber.
 


Nachtrag 2007:
 

Es kann keine vollständige Zahl an Religionen geben, da alle Naturreligionen kaum ausfindig zu machen sind. Es entstehen immer wieder neue, während uralte immer noch Anhänger, wenn auch nur einige wenige haben. Ein gewisser Überblick:
 

Christentum (2,1 Milliarden)

Konfuzianismus/Taoismus (1,5, Milliarden - überlappend mit anderen Religionen und Weltanschauungen)
Islam (1,3 Milliarden)
Säkulare, Nichtreligiöse, Agnostiker und Atheisten (1,1 Milliarden)
Hinduismus (900 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
Buddhismus (376 Millionen)
Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
Shintoismus (über 100 Millionen Japaner; gleichzeitig bekennen sich rund 80% zum Buddhismus)

Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Sikhismus (23 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Spiritismus (15 Millionen)
Bahai (7 Millionen)
Jainismus (4,2 Millionen)
Religionssymbole
Religionen in EuropaStatistik B - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle: David B. Barrett)

Islam (1,313 Milliarden)
Römisch-Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
Hinduismus (870 Millionen)
Nichtreligiös (769 Millionen)
Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
Protestantische Kirchen (376 Millionen)
Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
Anglikanische Christen (80 Millionen)
Buddhismus (379 Millionen)
Sikhismus (25 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Ethnoreligionen (256 Millionen)
Atheismus (152 Millionen)
Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Neue Religionen (108 Millionen)
Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.

Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige (Quelle: REMID)
Konfessionslos, ohne Angabe (27,8 Millionen oder 33,7%),    Stand: 12/2004
Römisch-Katholische Kirche (25,905 Millionen oder 31,4 %), Stand: 31/12/2005
Evangelische Landeskirchen (25,386 Millionen oder 30,8%),   Stand: 31/12/2005
Islam (gesamt: 3,3 Millionen),                   Stand: 12/2004
Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen),   Stand: 12/2004
Judentum (gesamt: 0,21 Millionen),           Stand: 12/2004
Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen),       Stand: 12/2004
Jehovas Zeugen (gesamt 0,163 Millionen), Stand 2005
Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen),      Stand: 12/2004


Literatur:

 

[1] WELTBILD KOLLEG Abiturwissen ist ein Übungs- und Nachschlagewerk für Schüler, die die Oberstufe (Kollegstufe, differenzierte gymnasiale Oberstufe, Sekundarstufe II) des Gymnasiums oder anderer vergleichbarer Schulen besuchen, zugleich für alle, die auf dem Zweiten Bildungsweg oder im Selbststudium ein der Reifeprüfung vergleichbares Bildungsziel anstreben. Es ist außerdem als Repetitorium für Studenten der Anfangssemester benutzbar.
Weltbild Kolleg besteht aus folgenden 10 Bänden:
Mathematik
Physik
Chemie

Biologie

Deutsch: Verstehen — Sprechen — Schreiben
Englisch — Französisch — Latein

Literatur
Geographie
Geschichte
Sozialwissenschaften Gesellschaft — Staat — Wirtschaft — Recht


Herausgeber: Dr. Heinrich Fisch
Autoren: Winand Breuer, Dr. Heinrich Fisch, Professor Dr. Wolfgang Chr. Fischer, Professor Dr. Helmut Gröner, Jürgen Horn, Professor Dr. Hans Dieter Ockenfels, Professor Dr. Alfred Schüller, Oberlandesgerichtspräsident Rudolf Wassermann
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Zeichnungen: Dusan Kesic, Niels Larsen, Gabriela Bauer
Umschlagentwurf: Peter Engel, München
Gesamtherstellung: Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany ISBN 3-89350-164-9

 

[2] Schneider,U.: Einführung in den Hinduismus. Darmstadt 1993
 

[3)] Rau, H.: M.Gandhi mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1995

 

[4] Dumont, L.: M.: Gesellschaft in Indien. Die Soziologie des Kastenwesens. Aus dem Französischen. Wien 1976.

 
[5] Naumann, N.: Die einheimische Religion Japans, Band 1 Leiden 1988

 

[6] Katz, J.: Vom Vorurteil bis zur Vernichtung. Der Antisemitismus 1700 bis 1933. Aus dem Englischen. Neuausgabe Berlin 1990.
 

[7] M. Eliade, Herausgeber von: The encyclopedia of religion,  16 Bände. Neuausgabe New York 1995

 

[8] Broszinsky-Schwabe, Edith: Kultur in Schwarzafrika. Geschichte - Tradition - Umbruch - Identität. Köln 1988.

 

[9] H.Diefenbacher, Herausgeber von: Anarchismus.: Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft. Neuausgabe Darmstadt 1996.


 

(Immer noch unvollständige) Auflistung (der unübersehbaren Anzahl) von Religionen und Weltanschauungen:

Indischer Ursprung

Hinduismus

  • Shivaismus
  • Vishnuismus
  • Shaktismus
  • Tantrayana
  • Advaita Vedanta oder Satsang-Bewegung
  • Vishwa Hindu Parishad
  • Neohinduismus

Neuere Bewegungen

  • Bhakti Yoga
  • Brahma Kumaris
  • Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON)
  • Osho-Rajneesh-Bewegung
  • Sathya Sai Baba, Sai-Religion
  • Sri Chinmoy-Centers
  • Vedanta-Bewegung / Ramakrishna-Mission
  • Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man

Die dutzenden Schulen und Systeme des Buddhismus bei Wikipedia

Weitere Religionen indischen Ursprungs

  • Jainismus
    • Digambaras
    • Shvetambaras
  • Radhasoamis
  • Sant Mat
  • Eckankar
  • Ayyavazhi
  • Sikhismus
    • Healthy-Happy-Holy-Organisation (Kundalini-Yoga) (3HO)
    • Elan Vital

Abrahamitische Religionen

Judentum

  • Orthodoxes Judentum
    • Ultraorthodoxes Judentum bzw. Haredi
      • Chassidisches Judentum
  • Reformjudentum
  • Konservatives Judentum
  • Rekonstruktionismus
  • Humanistisches Judentum
  • Jüdische Kleingruppen
    • Samaritaner
    • Karäer
  • Kabbala (Jüdische Mystik)

Christentum

Liste der christlichen Konfessionen (beiWikipedia)

  • katholische Gemeinschaften
    • Römisch-katholische Kirche
      • Katholische Ostkirchen: ohne lateinischen Ritus, aber in Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft, deshalb auch Unierte Kirchen genannt
      • Sedisvakantistische Gruppen
    • Altkatholische Kirche
    • Anglikanische Gemeinschaft sehen sich selbst als Teile der einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche, enthält jedoch evangelische und reformierte Glaubensinhalte
  • evangelische Gemeinschaften
    • Waldenser
    • Hussiten
    • Lutheraner
    • Reformierte
    • Täufer
    • Baptisten
    • Quäker
    • Pietisten
    • Methodisten
    • Unierte
    • Restoration Movement
    • Adventisten
    • Brüderbewegung
    • Pfingstbewegung
    • Gemeinschaft in Christo Jesu (Lorenzianer)
    • weitere Freikirchen

apostolische Gemeinschaften

  • Neuapostolische Kirche
  • Vereinigung Apostolischer Gemeinden
  • Old Apostolic Church
  • Orthodoxe Kirchen
  • Altorientalische Kirchen

Bibelforscherbewegung

  • Zeugen Jehovas
  • Freie Bibelforscher
  • Ernste Bibelforscher
  • Laien-Heim-Missionsbewegung

christliche Neuoffenbarer

  • Neue Kirche (Swedenborgianer)
  • Johannische Kirche
  • Mormonentum
    • besonders die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
    • Gemeinschaft Christi
    • Kirche Christi (Temple Lot)

Islam

Sunniten

  • Schafiiten
  • Hanbaliten
  • Malikiten
  • Hanafiten
    • Ahmadiyya
      • Ahmadiyya Muslim Jamaat
      • Ahmadiyya Anjuman Ischat-i-Islam Lahore
  • Salafiyya
    • Wahhabiten
    • Ahl-i Hadîth

Schiiten

  • Imamiten
  • Zaiditen
  • Ismailiten
    • Nizaris
  • Kharidjiten
    • Ibaditen
  • sufische Gemeinschaften (→ Liste der Sufi-Orden)
    • Qadiriyya
    • Mevlevi
    • Bektaschi
    • Naqschbandi
    • Halveti

Religionen islamischen Ursprungs

  • Abangan
  • Aleviten
  • Drusen
  • Nusairier

Bahai (mehr bei Wikipedia)

Ethnische Religionen

Kleinere Religionen, denen vorrangig oder ausschließlich bestimmte Ethnien angehören.

Orientalische Religionen

  • Mandäer
  • Jesiden (Yezidi)
  • Zoroastrismus

Fernöstliche Religionen

  • Bön
  • Cao Dai
  • Daoismus
  • Falun Gong
  • Himmelsmeister
  • Konfuzianismus
  • Lingbao Pai
  • Mahikari
  • Mohismus
  • Neidan
  • Shangqing
  • Shinto
  • Tenrikyo
  • Ōmu Shinrikyō

Afroamerikanische Religionen

  • Barquinha
  • Candomblé
  • Hoodoo
  • Macumba
  • Rastafari
  • Santeria
  • Santo Daime
  • Umbanda
  • Voodoo

Ozeanien

  • Ngara Modekngei

Weitere

Polytheistische Glaubensrichtungen

  • Chinesischer Volksglaube
  • Animismus
  • Native American Church
  • Paganismus und Neopaganismus, Heidentum
    • Druidentum
    • Huna
    • Dievturība
    • Wicca
    • Germanisches Neuheidentum
      • Asatru
      • Armanenorden
      • Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Artgemeinschaft)
      • Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Géza von Neményi)
      • Völkische Bewegung
      • Gylfiliten-Gilde

Gnostizismus und Esoterik

  • Adonismus
  • Anthroposophie
  • Fraternitas Saturni
  • Hermetic Order of the Golden Dawn
  • Hermetik
  • Kawwana – Kirche des Neuen Aeon
  • Mazdaznan
  • Ordo Templi Orientis
  • Rosenkreuzer
  • Sonnentempler
  • Spiritismus
  • Theosophische Gesellschaft
  • União do Vegetal
  • Universelle Weiße Bruderschaft
  • Universelles Leben
  • Zentrum für Experimentelle Gesellschafts Gestaltung (ZEGG)

Sonstige

  • Cargo-Kulte
  • Satanismus
    • Church of Satan
    • Temple of Set
    • Order of Nine Angles
  • Scientology
  • Schamanismus
    • Nagualismus
  • Yamagishi

Weltanschauungen

  • Agnostizismus
  • Anarchismus
  • Anthroposophie
  • Apatheismus
  • Atheismus
  • Determinismus
  • Diskordianismus
  • Fatalismus
  • Freidenker
  • Freimaurerei
  • Freireligiöse Bewegung
  • Humanismus
  • Huna
  • Objektivismus
  • Pantheismus
  • Panentheismus
  • Posthumanismus
  • Skeptikerbewegung
  • Thelema
  • Transhumanismus
  • Unitarier

Synkretismus

(bei Wikipedia und auch die folgenden)

Historische Religionen und Mythologien sowie Liste der Konfessionen

  • Ägyptische Mythologie
  • Aztekische Mythologie
  • Babismus
  • Baltische Mythologie
  • Germanische Mythologie
  • Griechische Mythologie
  • Keltische Mythologie
  • Manichäismus
  • Mithraismus
  • Römische Mythologie
  • Sabier von Harran
  • Sumerische Mythologie
  • Slawische Mythologie
  • Ugaritische Religion
  • Tengrismus

Religionsparodie (Artikel bei Wikipedia)

  • Diskordianismus
  • Fliegendes Spaghettimonster, >hier< zum Bild
  • Unsichtbares rosafarbenes Einhorn
  • Intelligent Falling
  • Iglesia Maradoniana
  • Unintelligent Design

Übliche Fragen von Gläubigen aus dem Buch vom Ullsteinverlag 2005 "Die sechs Weltreligionen - Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Islam, Taoismus, Christentum" von Teja Fiedler und Peter Sandmeyer, ISBN 3-550-07854-4:

Woher kommt die Welt?

BUDDHISMUS

Die Welt war immer da. Sie ist aber nichts Feststehendes, sondern eine in ständiger Veränderung begriffene Kombination von Materie und Geist – genau genommen also eine Illusion, ein Trugbild.

JUDENTUM

Gott hat sie aus dem Nichts geschaffen. Zum Abschluss schuf Gott den Menschen.

HINDUISMUS

Die Welt war immer da. Sie durchläuft ewig wiederkehrende Etappen des Werdens und Vergehens. Im jeweiligen Weltzyklus erscheinen alle Lebewesen in der Form, die ihnen als Folge ihrer eigenen Taten zukommt.

ISLAM

Gott hat sie aus dem Nichts geschaffen. Das letzte Produkt der Schöpfung ist der Mensch.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Der Kosmos ist unendlich und ewig, Ausdruck des »Tao«, des Unbennenbaren.
Die Frage nach der Schöpfung stellt sich nicht.

CHRISTENTUM

Gott hat die Welt aus dem Nichts geschaffen und den Menschen nach seinem Ebenbild.

Gibt es einen Gott?

BUDDHISMUS

Es gibt nach Buddhas Lehre keinen Gott. In der späteren Mahayana-Glaubensform und im Alltagsbuddhismus spielen jedoch göttliche Wesen eine wichtige Rolle.

JUDENTUM

Ja, es gibt einen Gott, und nur einen. Er ist allmächtig, nicht darstellbar und hat sich das Volk Israel zur Erfüllung eines göttlichen Konzepts auserwählt.

HINDUISMUS

Es gibt viele Götter, Tausende.

ISLAM

Ja, es gibt einen Gott, und nur den einen. Er ist allmächtig und für den Menschen nicht darstellbar.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Der »Herr des Himmels«,. greift nicht in das Geschehen auf der Erde ein und ist als Ausdruck des Tao, der ewigen Ordnung, anzusehen. In der Volksreligion existieren Götter, die etwa den katholischen Heiligen entsprechen: sie helfen im Einzelfall. Wichtigste Brücke zum Jenseits sind die Ahnen, die das Leben beeinflussen können.

CHRISTENTUM

Es gibt einen Gott, nur einen, der aber in sich drei Wesenheiten vereinigt. Er ist Gottvater, der Sohn und der Heilige Geist.

Greift Gott in das Leben ein?

BUDDHISMUS

Nein. Es gibt keinen Gott. Es gibt für den Menschen nur den Weg der Selbsterlösung.
In manchen Schulen des Buddhismus wird dem Buddha Maitreya zumindest die Aufgabe einer Hilfestellung bei der Selbsterlösung übertragen.

JUDENTUM

Ja, Gott belohnt oder bestraft die Menschen im Diesseits und nach dem Jüngsten Gericht im Jenseits – nach dem Maß, in dem sie auf ihn vertrauten und seinen Geboten gefolgt sind.

HINDUISMUS

Ja, Götter haben die Macht, in das irdische Geschehen einzugreifen und Menschen Beistand zu gewähren.

ISLAM

Gott belohnt oder bestraft die Menschen nach dem Jüngsten Gericht im Jenseits –je nach dem, wie sie seinen Geboten folgten.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Nein, es gibt keinen in der Welt handelnden Gott. Lediglich die Ahnen und volkstümliche Gottheiten (Heilige) stehen den Lebenden zur Seite, wenn man sie durch Opfer oder Gebete gnädig stimmt und für sich gewinnt.

CHRISTENTUM

Gott kann in der Welt handeln, Menschen beistehen oder sie strafen. Im katholischen Glauben können das auch die Heiligen, die eine Mittlerstelle zwischen Gott und den Menschen einnehmen.

Hat Gott menschliche Mittler, Stellvertreter oder Verkünder?

BUDDHISMUS

Es gibt im klassischen Buddhismus keinen Gott, folglich auch keine Priester. Auch dann, wenn Buddha selbst wie ein Gott verehrt wird, hat er keine Prediger. Mönche haben keine geistlichen oder seelsorgerischen Aufgaben. Im Alltag werden ihnen diese aber von vielen Anhängern zugeschrieben.

JUDENTUM

Vermittler Jahwes waren die Propheten, besonders Elias, und Moses, dem er die Zehn Gebote gab. Die Rabbiner sind ähnlich wie die islamischen Gelehrten Interpretatoren der heiligen Schriften. Sie haben hohe Autorität, aber keine endgültige Verbindlichkeit.

HINDUISMUS

Die Vermittler zu den klassischen Göttern des indischen Himmels sind die Priester der Brahmanen-Kaste. Nur sie wissen genau, welche Riten und Opfer welchem Gott zustehen und wie man ihn gewogen stimmt. Daneben gibt es aber auch viele Volks- und Stammesgottheiten, zu denen der Zugang für jedermann frei ist.

ISLAM

Vermittler Allahs waren die Propheten, denen er sich offenbarte. Mit Mohammed, dem er mit dem Koran die gesamte und endgültige Wahrheit anvertraute, ist jedoch die Reihe der Vermittler für immer abgeschlossen. Helfer sind heute islamische Gelehrte, die den Koran auslegen. Ihre Interpretationen haben aber keinen absolut bindenden Charakter.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Nein. Es gibt weder Stellvertreter eines Gottes noch Verkünder seiner Worte.

CHRISTENTUM

Ja, es gibt Menschen, die Gottes Botschaft auf der Erde verbreiten. In der katholischen Ausprägung des christlichen Glaubens gibt es auch Menschen, die Gott auf der Erde vertreten, in seinem Namen sprechen und Sünden vergeben können. Im Protestantismus wird ein allgemeines Priestertum aller Menschen gelehrt.

Was ist der Sinn des Lebens?

BUDDHISMUS

Sinn des Lebens ist, sich mit Hilfe der Meditation von Gier, Verblendung und Hass zu befreien und immun zu werden gegen das Leiden der Welt. Wem das gelingt, der kann aus dem Kreislauf der Wiedergeburten unmittelbar aussteigen und in das selige Nirwana eingehen, das nicht zu benennen und zu beschreiben ist.

JUDENTUM

Sinn des Lebens ist, durch ein gottgefälliges Dasein auf Erden ins ewige Paradies einzugehen.

HINDUISMUS

Sinn des Lebens ist, durch gute Taten sein Karma zu verbessern, dadurch nach dem Tod in eine bessere Existenz wiedergeboren zu werden, schließlich zum Brahmanen zu werden und dann den endgültigen Ausstieg aus dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt zu erreichen und mit der Weltseele Brahma zu verschmelzen.

ISLAM

Wie Judentum (Sinn des Lebens ist, durch ein gottgefälliges Dasein auf Erden ins ewige Paradies einzugehen).

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Der Sinn des Lebens besteht darin, Harmonie mit dem Universum zu erreichen und dem unbenennbaren Tao möglichst nahe zu kommen. Im Konfuzianismus wird das durch diszipliniertes Befolgen rigoroser Regeln im menschlichen Zusammenleben erreicht, im Taoismus durch kontemplatives Versenken. Beiden gemeinsam ist respektvolle Verehrung der Ahnen, Voraussetzung für eine harmonische Welt.

CHRISTENTUM

Sinn des Lebens ist es, so zu leben, dass man die Erlösung durch Gott erlangt. Erfahren wird man sie nach der Auferstehung aller Toten im neuen Paradies, in dem es keine Sünde mehr gibt. Im Diesseits kann sie in einem heiligen Leben anschaubar werden.

Welche Pflichten hat der Mensch?

BUDDHISMUS

Die Pflichten sind vielfältig und detailliert festgelegt, hängen aber ganz von der jeweiligen Wiedergeburt und Kastenzugehörigkeit ab. Was für den einen Pflicht ist, kann für den anderen streng verboten sein.

JUDENTUM

Wichtigste Pflicht ist es, den Bund mit Gott nicht zu gefährden, alle Regeln, wie sie in Thora und Talmud niedergelegt sind, penibel zu befolgen, da sie Ausdruck des göttlichen Willens sind. Es gibt aber keine missionarische Haltung: Andere können leben, wie sie wollen. Gott hat seinen Bund nur mit den Juden, seinem auserwählten Volk, geschlossen. Diese Ausschließlichkeit ist allerdings in manchen Richtungen des Judentums umstritten.

HINDUISMUS

Für alle Menschen gelten die gleichen Pflichten. Fünf Gebote müssen eingehalten werden: das Leben achten und nicht zu töten; nicht zu stehlen; nicht zu lügen, auch dann nicht, wenn es Vorteile bringt; seinen Gatten zu respektieren und keinen Ehebruch zu begehen; sowie keine Drogen und keinen Alkohol zu sich zu nehmen. Aus acht Verhaltensweisen besteht der Pfad, der zur Überwindung des Leids führt.

ISLAM

Gott als höchste Instanz in Oberste Pflicht ist, in allen Lebenslagen anzuerkennen, die Gesetze des Koran zu befolgen und für die Ausbreitung des Islam zu sorgen.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Die fünf Grundbeziehungen (Eltern–Kinder, Ehemann–Ehefrau, Vorgesetzter–Untergebener, Alt–Jung, Freund–Freund) menschlich und uneigennützig zu erfüllen, ist fundamentale Pflicht im Konfuzianismus. Für Taoisten ist es »Pflicht«, sich dem Lauf der Dinge – dem ewigen Werden und Vergehen – möglichst weitgehend anzupassen und mit den Ahnen durch Opfer sowie Gebet positiven Kontakt zu halten.

CHRISTENTUM

Der Christ hat die Zehn Gebote des Alten Testaments der Bibel einzuhalten und der Lehre der Bergpredigt von Jesus aus dem Neuen Testament zu folgen. Er soll Gott und seinen Nächsten lieben wie sich selbst.

Was geschieht, wenn ich meine Pflichten nicht erfülle?

BUDDHISMUS

Wenn ich es nicht schaffe, Gier und Hass zu überwinden, werde ich von Augenblicks-Impulsen gesteuert wie ein Tier, bilde entsprechendes Karma und bestimme mit dieser Belastung die Art meiner nächsten Wiedergeburt – unter Umständen als Tier.
Durch Opfer oder gute Werke kann ich den falschen Kurs eines Lebens korrigieren, seine Bilanz aber nicht schönfärben.

JUDENTUM

Der Herr straft, wie viele Beispiele des Alten Testaments zeigen, schon im Diesseits. Die Sintflut, die Zerstörung von Sodom und Gomorra sind die bekanntesten Beispiele. Im Jenseits bleibt dem Sünder dann das Paradies verschlossen. Sünde ist die Summe von Fehlern, die man vermeiden und zum Teil auch wieder gut machen kann.

HINDUISMUS

Mein Karma verschlechtert sich, mit ihm meine Aussicht auf eine gute Wiedergeburt und auf eine baldige Beendigung des Kreislaufs der Wiedergeburten. Jedes Leben ist die Quittung des vorangegangenen. Sünden sind Fehler, die ich durch gute Taten wieder ausgleichen kann.

ISLAM

Wenn ich die Gebote Allahs nicht einhalte, komme ich in die Hölle. Aber gegen Gottes Gesetz zu verstoßen ist ein Fehler, der wieder gut gemacht werden kann. Außerdem ist Allah der Allbarmherzige, der keinen Sünder für immer im Strafgericht schmoren lässt. (Diese Angabe konnte durch Lesen des Korans nicht bestätigt werden!)

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Wenn ich meine Pflichten gegenüber den Mitmenschen und Ahnen nicht erfülle, begehe ich Fehler und führe deswegen ein unglückliches Leben. Nach dem Tod erwartet mich im Schattenreich der Ahnen ein Dasein als ruheloser oder böser Geist. Es gibt aber im Jenseits weder eine Belohnung noch eine Bestrafung durch Paradies oder Hölle.

CHRISTENTUM

Gottes Strafe kann den Sünder nach katholischer Auffassung in der Form des Fegefeuers treffen, das ihn martert, aber dann auch von Sünden gereinigt entlässt; es gibt Jedoch auch die Hölle als ewiges Strafgericht. Jeder Mensch ist Sünder. Jeder trägt Schuld. Nach dem katholischen Glauben kann sie zum Teil durch gute Werke getilgt werden, nach protestantischer Überzeugung nur durch die Vergebung Gottes.

Was geschieht mit mir nach dem Tod?

BUDDHISMUS

Der Mensch vergeht vollständig. Aber eine Art karmische Energie setzt sich von einer Existenz in die andere fort wie die Bewegung einer Billardkugel, die eine andere Kugel anstößt. In ihr bleibt etwas von dem gestorbenen Menschen erhalten – solange, bis dieses Karma restlos überwunden und aufgebraucht ist und man ins Nirwana eingeht, die unbeschreibbare, selige Leere. Im Amida-Buddhismus gibt es auch die Lehre, dass man nach dem Tode ins »reine Land«, eine Art Paradies, eingehen kann.

JUDENTUM

Die Gerechten nimmt Gott nach dem Tod zu sich ins Paradies, die anderen fallen der Vernichtung in einer Hölle anheim, die nicht genauer beschrieben ist.

HINDUISMUS

Meine Seele verlässt die sterblichen Überreste des Körpers, die zu den Elementen zurückkehren. Entsprechend dem Karma, das die Seele gebildet hat, wird sie in einem neuen Lebewesen - Tier oder Mensch - wiedergeboren. Wenn sie die Endstufe der irdischen Existenz als Brahmane erreicht hat, kann sie mit der Weltseele verschmelzen.

ISLAM

Die Seele wartet in einem neutralen Zustand auf das Jüngste Gericht. Je nach dessen Urteil geht sie dann entweder in den Himmel oder in die Hölle. Ein reinigendes Fegefeuer existiert nicht.

TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS

Nach dem Tod erfolgt der Übergang in die unsichtbare Wirklichkeit, das Reich der Ahnen und Geister. Nur im volkstümlichen Taoismus gibt es für ein exemplarisch gutes Leben Unsterblichkeit an einem besonders schönen Ort, einer Art Paradies.

CHRISTENTUM

Nach dem Ende des irdischen Daseins erwartet der Christ im Todesschlaf die versprochene Wiedererweckung der Toten am Jüngsten Tag. Gott hält dann Gericht und versammelt die Seelen aller Gerechten in »neuem Fleisch« in einem neuen Paradies, in dem es keine Sünde mehr gibt. Die Selig- und Heiliggesprochenen der Katholischen Kirche sind unmittelbar nach ihrem Tod zu Gott aufgestiegen, sitzen bei ihm und wirken dort.