Die Welt der Religionen
und Weltanschauungen

Zum Teil entnommen meinem Buchentwurf (von 1993)
"Die Zeitbombe tickt, kann sie noch
entschärft werden"
(http://www.hobby-output.info/
(auf einer neuen Seite)
und links auf "Bücher" klicken, dann bei
"5. Die Zeitbombe tickt...
►Einzelheiten◄".
Aufruf nur bei schneller Datenübertragung ratsam !)
Zum >Inhalt<
In Religionen spielt die
Überschreitung einer vermeintlichen bzw. angenommenen Grenze des
Erfahrbaren die wichtigste Rolle, Transzendenz genannt (lateinisch:
transc-endo, -endi, ensum = hinüberschreiten, darüber hinaus gehen...
übersteigen und auch noch durchprügeln). Da gibt es Übersinnliches,
Übernatürliches, also mehr als unsere Sinne erfassen können.
Naturwissenschaftliche Entdeckungen und Anwendungen werden von Religiösen im
wahrsten Sinne des Wortes nicht für voll genommen; denn sie reichen den in
Religion behafteten Menschen nicht aus. (Kaum zu glauben: Kein deutsches Flugzeug darf eine
Sitzreihe mit der Nummer 13 haben. Diese würde anstürzen.) Eine Vorsehung, ein
Gott, etwas Göttliches, die Götter, Heilige, Geister von Ahnen, Teufel und
Dämonen sind existent, erfahrbar und sogar ansprechbar. Oft wird über die Kunst
versucht, das Übersinnliche, beispielsweise als Gottesbilder darzustellen.
Religiosität muss als Massenphänomen gesehen werden; also nach dem Philosophen
Immanuel Kant ist ein Phänomen "eine vom Subjekt wahrgenommene Erscheinung eines
Gegenstandes". Wird aber eine übersinnliche, übernatürliche Erscheinung
außerhalb einer Gruppe wahrgenommen - Hören von Stimmen, Gespräche mit Geistern
- dann wird diese Person als geistesgestört angesehen. In der Philosophie gibt
es den Begriff Synkretismus, der die "unkritische Übernahme
verschiedenartiger Denkansätze und Lehren" bedeutet und "in der
Religionsgeschichte die Verschmelzung verschiedener Religionen beziehungsweise
einzelner Elemente von ihnen als Folge der geschichtlichen »Überlagerung« von
historisch gewachsenen Religionen oder der gezielten Gründung von neuen
Religionen". (c) wissenmedia GmbH, 2010.
Auf diese Betrachtungsweise
wird heutzutage gerne Bezug genommen, weil verschiedene Informationen und Systeme auf
jeden von uns Einfluss nehmen, so dass es zu Konglomeraten kommt, d.h. zu Mischformen aller
Arten. Aber schon seit vielen hundert Jahren war beispielsweise der Großteil der Japaner
religiös im Shintoismus* und gleichzeitig weltanschaulich im Buddhismus* behaftet
(*wird auf dieser Seite erklärt).
Heute läuft vieles
parallel oder vermischt:
- klassische Religion,
- säkular (weltlich,
heidnisch) verbrämt mit
- Esotherik (Okkultem,
also Geheimnisvollem, Verborgenem),
- religiös dualistisch,
d.h. in teilweise gegensätzlichen Erlösungsbewegungen unterschiedlicher Herkunft
und
- Übernahme einer
Vielzahl quasireligiöser "Sinnangebote", abgesehen von
- sinnestrübenden
(manche sagen sinneserweiternden) Drogen.
Einschätzungen von
"nichtgläubig" (nicht religiös) sind schwierig, weil es keine klare
Abgrenzung zur Gläubigkeit, insbesondere der "Intensität" gibt wegen der
weitverbreiteten Säkularisation, sprich "Verweltlichung" durch die "Aufklärung".
Wie weit sind Humanismus, Nichttheisten, Agnostikern und spirituellen Personen
beispielsweise zwar noch organisatorisch zu den Kirchen als „Namenschristen“
zugehörig (welche sogar Kirchensteuer bezahlen). Aber die Grenze zwischen
Gläubigen und Nichtgläubigen verschwimmt immer mehr. Zumindest in den
Industrieländern des des sogenannten Westens gibt es viele Menschen, welche
weder die Glaubensinhalte der "etablierten" Religionsgemeinschaften
verinnerlicht haben, noch ihr Leben danach ausrichten.
Alles ist ganz schön
verworren.
Zu dieser Webseite
hinzu gefügt am 9.2.2009, W. Rath
Weltverteilung der wichtigsten Religionen:
Bild nach Wikipedia.de (gestaucht und Text lesbar
gemacht)
>Hier< am Ende dieser Seite
eine Übersichtstabelle nach
Wikipedia,
jedoch immer noch nicht vollständig.

Inhalt:
>Allgemeines zu
Ideologien< (Weltanschauungen und Traditionen)
>Abraham< bereit, seinen Sohn zu opfern
>Vorurteil< (Voreingenommenheit), anschließend
"kognitive Dissonanz" (d.h. mit seinem Tun im Widerspruch sein),
"Selbsterfüllende Vorhersage" (Self-fulfilling Prophecy)
>Religionen<
>Das
Christentum<
Mehr speziell zum Protestantismus >hier< auf
separater Internetbuchseite!
und >hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern"
über die Bibel
>Der
Islam< (>hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern"
über den Koran)
>Die
Burka<
>Der
Hinduismus<
die recht fanatischen >Sikhs< (lehnen Kastenwesen
ab)
>Der
Buddhismus<
>Die
Zen-Religion<
>Konfuzianismus/Taoismus<
>Die
japanische Shinto-Religion<
>Das
Judentum (Der Mosaische Glaube)<
>Afrikanische
Religionen<
>Weltanschauungen
(Beispiel Marxismus)
>Traditionen<
>Nicht Gläubige< (nicht religiöse)
>Kritik< an religiösen, ideologischen
Systemen und Traditionen
>Zahlen<: Religionen,
Religionszugehörigkeiten (verschiedene Quellen)
Übliche >Fragen< von Gläubigen und Antworten je nach
Religion
>Hier<
zu
einem Abdruck der Definition "Religion" aus "Brockhaus - multimedial 2007"
(einer Software, erhältlich als sehr nützliche Computer-Installation)
>Hier< eine Liste der
Religionen mit verschiedenen Glaubensrichtungen (Konfessionen), Weltanschauungen
(also auch
Historische Religionen
und Mythologien sowie Religionsparodien)
nach Wikipedia
Als Ergänzung auf einer gesonderten Webseite
>hier<: Neue Religionen
und >hier<
eine Vielfalt von Verzweigungen zu Themen, die mit Religion zusammenhängen, wie
"politische Religionen", Religions-Stifter, Auswirkungen des
ideologischen Wahns.
Schließlich: >Hier< zum Satanismus, Gegenreligion zum "Ein-Gott-Glauben" mit Eigendynamik, Satan/Teufel Gott ebenbürtig,
Schwarze und Weiße Magie, Film: "Rosemarys Baby", Gebote Satans,
Okkultismus, Exorzismus=Reufelsaustreibung
>hier<, und einiges mehr (auch die Sai-Religion - seine
"Geistheilungen" >hier<, Die Gesellschaft vom Hl. Apostel Paulus
>hier<,
Begriffserklärungen
>hier<)
und: Ein Buch zur Religionsübersicht
>hier<, außerdem
>hier< Enzyklopädie der Religionen.
Religionszugehörigkeit
in % >hier<
>Hier< noch eine Übersicht mit Zahlen.
A.1.2 Ideologien (allgemein und
als Religionen), Weltanschauungen und Traditionen

Dieses Kapitel sei entgegen den üblichen Gepflogenheiten
unter den Oberbegriff „psychologische Gegebenheiten“ gesetzt, da Ideologien das
Verhalten der Menschen sehr stark bestimmen und bei manchen Mitmenschen sogar
ein (anerzogenes) instinktives Handeln bewirken.
Beispiel 1:
Der junge K., Schreibkraft und Büroangestellter in einer
syrischen Ingenieurhochschule, sagte einmal einem ausländischen Lehrer in
offensichtlicher Erregung: „Wenn ich könnte, würde ich alle Juden und Türken
umbringen, alle Jordanier, Saudis und Iraker.“
Der Lehrer erkundigte sich:
„Warum denn das? Haben die dir etwas getan?“
Antwort: „Die Juden und Türken
haben unser Land weggenommen. Palästina gehört uns und das Gebiet um Antakya
auch“ (seit 1939 wieder einmal zum äußerster Süden der Türkei geworden), „und
die Türken drehen uns das Wasser ab“ (Atatürk-Stausee im Euphrattal).
Frage: „Ja, gut. Aber meinst du,
alle Probleme seien gelöst, wenn
Palästina und der derzeitige südlichste Teil der Türkei wieder zu
Syrien kommen würde?“
Antwort: „Das ist doch egal. Wer
unser Land wegnimmt, der muß umgebracht werden.“
Lehrer: „Du meinst also, daß
jeder einzelne Türke und jeder einzelne Jude sich an deinem Land vergangen
haben? Übrigens hast du in diesen Teilen denn eigenes Land?“
Antwort: „Die müßten alle
sterben.“
Frage: „Meinst du nicht, daß
darüber verhandelt werden sollte? Solche Entscheidungen werden doch von
Regierungen und nicht von einzelnen Volksangehörigen getroffen. Kennst du Juden
und Türken persönlich?“
Antwort: „Nein, um Gottes Willen!
Mit solchen Leuten würde ich doch nie verkehren.“
Lehrer: „Ich kenne viele Türken
zum Beispiel und finde alle, die mit begegnet sind, genau so lieb und nett, freundlich und
hilfsbereit, aber manche auch widerlich wie bei andere Menschen anderer
Gruppen. Ich meine, die einzelnen Menschen haben keinen Einfluß und tragen keine
Schuld.“
Junger Mann: „Ich bin für Hitler.
Der hätte mit denen aufgeräumt.“
Lehrer: „Der war aber auch in
seiner Wahnvorstellung kein Freund aller nichtarischen Menschen, also auch der Araber. Sein
Propagandaminister hat mal gesagt: »Wenn es keine Juden gäbe, müßten wir welche
erfinden«. Die Regierenden machen immer andere verantwortlich, egal wen, meine
ich. Zum Glück gab es nicht viele Araber im damaligen Hitler-Staat... Du hast
meine Frage , ob du selber Land in Palästina oder der Türkei hast, nicht
beantwortet. Ich vermute: nein. Hier drüben ist eine hohe Mauer um ein Besitztum
eines stinkreichen Mannes deiner Staatsangehörigkeit. Wag es mal, über die mit Glassplittern abgedeckte
Mauer zu klettern. Wie schätzest du deine Lebenschance? Das ist doch auch euer
Land, syrisches Land und du bist doch Syrer...“
Der junge Mann entfernte sich ärgerlich. Es kann mit
Sicherheit angenommen werden, daß er bei einer Begegnung mit diesen, „seinen
Feinden“ genauso empfindet wie ein Kater, der instinktiv meint, einen anderen
Kater aus „seinem Revier“ vertreiben zu müssen.
Er als Christ (griechisch-orthodox) hatte natürlich etwas
gegen seine anderen „Nachbarn“ die muslimischen Saudis usw. Das war nicht näher
diskutiert worden.
Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen werden
offensichtlich genauso an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wie eine
Muttersprache, und selbst im eigenen Land wird die Herkunft aus einem Gebiet in
Form eines Akzentes beibehalten. Der bekannte und beliebteste deutsche
Außenminister, Hans-Friedrich Genscher, hatte große Probleme, seinen sächsischen
Akzent loszuwerden. Er nahm lange „Sprach(um)erziehung“ in kauf. Es ist also
nicht verwunderlich, wie hartnäckig Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen,
ja auch Angewohnheiten, Phobien (Spinnenangst, Angst vor Mäusen und Schlangen)
und anerzogenes Verhalten (bei kompletter Nacktheit „erwischt“ werden) uns
beherrschen.
Beispiel 2:
In Saudi Arabien schob ein Autofahrer an einer Tankstelle den
Fahrhebel des automatischen Getriebes seines protzigen Ami-Wagens in den
Rückwärtsgang und rammte das Auto des hinter ihm auf den Zugang zur Zapfsäule
wartenden. Der Gerammte verlangte Bezahlung der Reparatur seiner beschädigten
und eingebeulten Karosse. Doch der Unfallverursacher brachte das Argument:
„Wärest du nicht dagewesen, hätte ja nichts passiert können.“
Wird jemand durch einen Unfall schwer verletzt, kümmert sich
in diesem Land niemand um ihn. Verblutet er, war es Gottes Wille. Würde sich
eine Person vergebens um Hilfe bemühen, wäre sie Schuld am Tode, wurde mir
berichtet.
Der Soziologe, Theodor Geiger, der 1952 im Alter von fast 62
Jahren verstarb, hat mal definiert: „Die Tugend der Ideologie ist die Tugend
des Messers, nämlich die Schärfe. Ihr Wert ist nicht ihr Wahrheitsgehalt,
sondern ihre Wirksamkeit“.
Jede Gesellschaftsform wird von Ideologien geprägt und eingeengt.
(Im Griechischen bedeutet „idéa“ Erscheinung und meint Begriff, Vorstellung.)
Die typischen Zielvorstellungen aller Ideologien sind aber (fast)
immer ein totaler Anspruch auf absolute Gültigkeit und auf die jeweilige Wahrheit
jeder, sich von einer anderen Ideologie unterscheidenden schlechthin.
Da gibt es beispielsweise:
- Rassen, Blut-, Boden- und Raumideologien mit den unbeschränkten
und „reinen“ Zielen materieller und immaterieller Daseinsvoraussetzungen,
- Elite- und Massenideologien, wobei gesellschaftliche Strukturen
als absolut, also unantastbar dargestellt werden,
- alle möglichen „Ismen“, wie Kommunismus, Sozialismus,
Katholizismus, Protestantismus, Liberalismus, jeweils mit dem
Absolutheitsanspruch auf das „Allein-selig-Machende“.
Karl Marx, promovierter Philosoph nach Studium der
Rechtswissenschaften, 1883 im Alter von fast 65 Jahren in London gestorben, hat
drei Merkmale für die Ideologien herausgestellt, die Dr. Heinrich Fisch,
Herausgeber der Bände „Abiturwissen“ [1] wie folgt zusammengefaßt hat (Zitat):
a. Ideologien enthalten ein System gesellschaftlicher,
politischer, rechtlicher, moralischer und religiöser Ideen (den Überbau), das
im wesentlichen durch die materiellen, ökonomischen Bedingungen (den Unterbau)
bestimmt wird.
b. Ideologien sind die herrschenden Gedanken der herrschenden
Klasse.
c. Ideologie ist ein falsches Bewußtsein: das Bewußtsein der
herrschenden Klasse, das die Tendenz hat, die gesellschaftlichen und
ökonomischen Zusammenhänge verzerrt und falsch zu denken. Das richtige
Bewußtsein ist das, die materielle Wirklichkeit widerspiegelnde Bewußtsein
(Zitat Ende).
Daraus kann abgeleitet werden, daß Ideologien einigen Leuten dazu
dienen, Herrschaft zu erlangen, ihre Herrschaft zu begründen und zu sichern.
Ferner meinen Marx und Engels, daß jede Klasse eine ihrer gesellschaftlichen
Lage und ihren gesellschaftlichen Interessen entsprechende Ideologie
hervorbringe.

Es
kommt nicht von ungefähr, daß die erfolgreichsten Religionen - das
Christentum und der Islam auf Abraham (bzw. Ibrahim), den
(nach Meyers Taschenlexikon) ersten der biblischen Patriarchen (1.Mose 1225)
und Stammvater des Volkes Israel (1.Mose 12,2) basieren. Das Alte Testament
betont v.a. seinen Gehorsam gegenüber Gott, so daß Abraham bereit ist, ihm
seinen Sohn Isaak zu opfern (1.Mose 22); das Neue Testament beschreibt
ihn als Urbild des wahrhaft Glaubenden (Römer 4). Auch die Muslime verehren
Abraham als den Vater Ismaels* und betonen v.a. seinen Glauben an einen
einzigen Gott. Der Koran bezeichnet Abraham als den ersten Muslim, der
zusammen mit seinem Sohn Ismael* die Kaaba** gegründet habe (Sure 2,124ff.
und 3, 67, 95ff.).
Die Mächtigen der Welt, die sogar als Päpste
gemordet haben, um an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben,
fanden den sogenannten Kadavergehorsam der Untertanen (d.h. Ausschaltung des
eigenen Willens und Urteilsvermögens), wie alle Mächtigen, sicherlich als
sehr unterstützenswert. Nur so kann man den Erfolg dieser "Hauptreligionen"
erklären. Der Mächtige kann mit den Religionsanhängern machen, was er will;
denn er ist Gottes Stellvertreter.
* in der Bibel "Isaak"
** Kaaba [arabisch »Würfel«], auch die Kaba, Hauptheiligtum des Islam
mit dem Beinamen »Haus Gottes«; ein Gebäude in Mekka, in das Hadjar al-Aswad
(d.h. schwarzer Stein), ein Meteorit, eingelassen ist; Ziel der Pilgerfahrt (des
Hadjdj). An dieser Stelle muß erwähnt werden, daß im Islam statt Gott das
arabisch »illiah« =»allah« gebraucht wird. Allah darf in islamischen Ländern von
Christen, d.h. von anders Gläubigen nicht gebraucht werden.
Das Bild - von Rembrandt 1635 gemalt
- zeigt die Perversion der Religionen
Da der Einfluß der Ideologien auf die Menschen, auf den einzelnen
Menschen von so immenser Wichtigkeit ist, insbesondere als wesentlicher
Hinderungsgrund für die erforderliche Abwendung des drohenden „Weltuntergangs“,
sollten noch ein paar Betrachtungen angestellt werden über das, was die
Soziologen herausgefunden haben:
- Das
>Vorurteil< nimmt eben als Vorab-Urteil ein
objektives Urteil vorweg. (>Hier<
ausführlicher auf gesonderter Seite und
von dort zur Wahrnehmungsabwehr, Wahrnehmungshemmung und eine verzerrte Wahrnehmung.) Dabei werden Mitmenschen und Sachverhalte beurteilt
aus einer voreingenommen, durch Ideologien, durch eine, durch Erziehung gesetzte
Einstellung, ohne eigene „Beweisaufnahme“. Ein Vorurteil kann leicht festgelegt
werden durch eine oberflächlich gemachte Erfahrung.
„Ich mag keine Engländer,“ gab mal jemand zu und erklärte:
„Ich hab' da mal einen kennen gelernt, der ... usw. Diese Erfahrung reicht mir.“
Es reicht eine einzige Erfahrung aus, um daraus auf alle (Engländer) zu
schließen.
Wie leicht wir selbst in Vorurteile geraten können, sei an einem
Beispiel erläutert.
Da kommt ein Ausländer zum ersten Mal nach Syrien, mietet sich
ein Auto und fährt los, um sich unter der Vielzahl der historischen Stätten
umzuschauen.
An der ersten Kreuzung, die er ansteuert, wird er durch die,
den Verkehrsfluß regelnde Ampel an der Weiterfahrt gehindert. Sie zeigt Rot. Da
schieben sich Fahrzeuge an ihm vorbei, setzen sich vor ihn, was seinen Puls
beschleunigt. Die Ampel schlägt um auf Grün, was die vor ihm stehenden
Autofahrer nicht sehen und daher nicht gleich losfahren. Wütend hupt er, und der
Verkehr beginnt zu fließen. Ein links neben ihm rollendes Fahrzeug beschleunigt
und schneidet seine Fahrtrichtung, kurft vor ihm und allen anderen Fahrzeugen
her, um dann nach rechts abzubiegen. Wieder hupt und blinkt der Ausländer
zornig, murmelt Schimpfworte: „So eine unverschämte Frechheit...“
Nun bringt ihn zur Verzweiflung, daß langsame Lastwagen auf
der breiten, dreispurigen Ausfallstraße mit Fahrbahnmarkierungen, zwei Spuren
beanspruchen. Der Fahrer des schweren Fahrzeugs vor ihm fühlt sich
offensichtlich als Flugkapitän auf einer Startbahn, der seine Maschine mit dem
Bugrad genau über die Startbahnmarkierung (in diesem Fall
Straßenfahrbahnmarkierung) führt.
Unser ausländischre Freund versucht, eine Lücke im links
fließenden Verkehr zu füllen, um zu überholen. Aber ein Taxi vor ihm bremst
plötzlich ab, bleibt stehen, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Wieder drückt
der Neuling im Lande voller Wut auf die Hupe. Es gelingt ihm, an dem Taxi
vorbeizukommen, und er befindet sich bald wieder hinter dem Lastwagen, der nach
wie vor gemütlich seine beiden Spuren beansprucht.
Voller Verzweiflung blinkt und hupt der Europäer, und, siehe
da, der Lastwagen gibt die linke Spur frei. Mit der größtmöglichen
Beschleunigung rast unser ausländischer Freund vorbei, wobei er ein tiefes Loch
mit zerbrochenem Kanaldeckel übersah, in dem seine Räder jedoch nicht wegen der
hohen Geschwindigkeit seines Fahrzeugs ganz eintauchen. Dank der Lenkhilfe wird
ihm auch nicht das Steuer aus der Hand gerissen. Aber es gab ordentliche
Schläge.
Er ist außer sich, einem Schlaganfall nahe, schimpft und regt
sich über die Fahrweise der Syrer und über die Straßenverhältnisse auf. „Also,
das ist meine erste und letzte Fahrt“, sagt er zu seiner Frau, die seine
Aufregung nicht teilt. Daher wird sie angebrüllt: „Dich geht das alles nichts
an. Du läßt dich wie eine Prinzessin durch die Gegend kutschieren. Du blöde
Kuh!...“ Sie lächelt nur; denn sie kennt ihrem Ehemann ja gut und weiß, daß er
sich auch wieder abregen wird, desto schneller, je weniger sie ihn zusätzlich
„aufheizt“.
In einer Raststätte trifft das Ehepaar andere Europäer, bei
denen unser Landesneuling seinen Ärger ablädt: „Das ist das rücksichtsloseste
Volk, das mir je begegnet ist, dieses miese Pack. Wenn mir einer von denen zu
Hause begegnet, haue ich dem eine in die Fresse...“
Seine Landsleute lächeln aber nur und erklären: „Wissen Sie,
wir sind schon sehr lange hier und wissen, daß an den Fahrbahnrändern oft Löcher
sind oder etwas rumliegt. Ganz links ist manchmal ein Fahrzeug liegengeblieben
oder da parkt jemand. Also konzentriert sich alles auf die Mitte. Aber Sie haben
doch selbst schon erfahren, daß die Verkehrsteilnehmer durchaus auf Hupen und
Blinken reagieren und den Weg freigeben. Eine Ampel an der Kreuzung hat nicht
die Bedeutung wie bei uns. Da sind meistens Polizisten, die einem ein Zeichen
geben, wenn die Ampel umschlägt. Spätestens weiß man durch das Hubkonzert hinter
einem, daß es weitergeht. Also braucht man die Ampel nicht unbedingt im Auge zu
behalten, und wenn kein Querverkehr an der Kreuzung ist, kann man hier durchaus
sogar bei Rot weiterfahren. Eigentlich ist das Verhalten der Leute viel
vernünftiger als bei uns... Hat sich jemand falsch bei uns eingeordnet, dann hat
er keine Chance, den Fehler zu korrigieren. Da muß man eben bis zur nächsten
Kreuzung fahren. Hier ist alles möglich, jeder toleriert den anderen...“
Dieses Beispiel zeigt doch deutlich, daß alles aus verschiedenem
Blickwinkel gesehen werden kann, aber auch, wie leicht sich ein Vorurteil aus
Unkenntnis der Gesamtsituation aufbauen kann.
Nun noch ein paar Begriffserklärungen, die mir im Zusammenhang
mit Ideologien wichtig erscheinen:
- Da sollte erst einmal die kognitive Dissonanz genannt werden, wonach
jemand mit seinem Tun in Widerspruch (Dissonanz) gerät zu seinem Wissen
(kognitiv, aus dem Lateinischen: die Erkenntnis betreffend), z.B.:
Ein Angestellter will sich ein Haus kaufen, das abseits vom
Großstadtrummel am Rande von Feldern steht. Der Preis ist so, daß er es sich
gerade leisten kann. Nun erfährt er, daß die angrenzenden Felder bereits als
weiteres Bauland verkauft worden sind. Eine andere Alternative findet er nicht.
Den ursprünglichen Wunsch des Käufers, eben fast auf dem Lande wohnen zu können,
funktioniert er sich selbst und seiner Frau gegenüber um und überredet sie nun,
dennoch dem Kauf zuzustimmen mit den Argumenten: „Das ist doch viel
vorteilhafter. Da fällt einem doch nicht die Bude auf den Kopf, weil es so ruhig
ist. Dann bist du nicht zu weit weg von Einkaufsmöglichkeiten und anderen
Dienstleistungsbetrieben, wie dem Haarschneider“ usw. (Heute gehen jedoch die
Leute zum „Haarstudio“ oder zum „Hair-Stylist“.)
Da er sein (äußeres) Handeln kaum ändern kann, versucht er seine
(innere) Überzeugung den Umständen entsprechend anzupassen. Er redet sich selbst
Vorteile ein, an die er nachher sogar selbst glaubt.
- Die Soziologen mögen, so wie heute viele (eigentlich)
deutschsprechende Wissenschaftler, auch anglo-amerikanische Begriffe. Da gibt
es den Begriff der self-fulfilling prophecy, also der sich selbst
erfüllenden Vorhersage.
Auch hierzu wieder ein Beispiel: Jemand
ist Anhänger der Ideologie des Okkultismus (>hier<). Er glaubt also an die Macht
menschlicher Seelenkräfte über die Naturgesetze und an Geister.
Er jagt mit seinem Wagen zum Flughafen, von wo er eine kurze
Urlaubsreise antreten will. Unterwegs beginnt der Motor seines Autos zu
stottern und stellt schließlich seinen Dienst ganz ein. Am Straßenrand
konzentriert unser Okkultist sich darauf, den Motor zum Wiederanspringen zu
bewegen, dreht oftmals den Zündschlüssel um, und tatsächlich springt der Wagen
nach einigen Minuten des Stillstandes wieder an. Er erreicht sein Flugzeug
gerade noch, sitzt zufrieden im bequemen Sessel und freut sich über die
Bestätigung seiner „übernatürlichen“ Fähigkeiten.
Er hat verdrängt, daß man ihm bei der letzten Inspektion des
Autos dringend geraten hatte, die Zündkabel austauschen zu lassen; denn, wenn
der Motor zu warm werde, würde sich das alte, inzwischen rissig gewordene Kabel
von der Zündspule zum Verteiler ausdehnen und könne dann den Strom unterbrechen,
hatte der Mechaniker bei der Probefahrt festgestellt. Aber der Autobesitzer war
in Eile gewesen und wollte den Austausch nicht mehr abwarten. (Natürlich wird
er die Reparatur machen lassen müssen; denn seine „Fähigkeiten“ können die
Naturgesetze leider nicht überwinden. Sonst hätte er ja auch den Wagen mit
seinen Seelenkräften ohne Motor zum Flughafen treiben können. Wenn schon, denn
schon oder?)
Nun wird häufig die sich selbst erfüllende Voraussage oft bewußt
angewandt. Es gibt Fachleute, die behaupten, daß eine Wirtschaftskrise bewußt
herbeigeredet werde, um bestimmte Ziele der Firmeninhaber zu erreichen,
nämlich die sogenannten Arbeitnehmer „kuschen“ zu lassen: Es wird ein
angesehenes Wirtschaftsforschungsinstitut beauftragt, die Zukunftschancen
der Wirtschaft zu ermitteln. Die sehen auftragsgemäß tatsächlich nicht so
rosig aus wie bisher. Das wird dann in allen Medien veröffentlicht und
diskutiert. Die breite Bevölkerung ist erschreckt, hält sich mit Käufen
zurück, wodurch der Umsatz sinkt und sich die (gewünschte) Wirtschaftsflaute
tatsächlich einstellt.
Nehmen wir uns auf den folgenden Seiten erst einmal einige
der wichtigsten Religionen vor:
A.1.3) Die Religionen
Im Lateinischen bedeutet „religere“: sorgsam beachten und „religare“:
binden oder verbinden.
Religionen können als „historische“ Ideologien bezeichnet
werden, also auch, wie eben alle Ideologien, mit uneingeschränktem
Wahrheitsanspruch, wonach die Menschen ihr normatives Verhalten an etwas
Überweltliches, Übersinnliches, Übernatürliches (Transzendentes), etwas
Heiliges, an einer oder mehreren Gottheiten orientieren (religere). Sie, die
religiösen Menschen fühlen sich mit einem höheren Wesen (als Über-Vater,
Gottheit[en]) verbunden (religare).
In der Regel sieht jede Religion eine Gottheit im Mittelpunkt,
die sich einem Religionsstifter offenbart hat. Der Religionsstifter hat
das Gottesbild, die Art und Weise wie sich die Menschheit entwickelt hat, den zu
beschreitenden Lebensweg, den Heilsweg und das Ziel am Ende dieses Weges, das
Jenseits oder das „Weiterleben“ nach dem „irdischen“ Tode definiert. Ferner hat
der jeweilige Religionsstifter die ethischen Anforderungen und die kulturellen
Verpflichtungen festgelegt. Diese sind dann in den heiligen Schriften
niedergeschrieben (meistens nicht vom Religionsstifter selbst, so beispielsweise
weder von Christus, noch von Mohammed oder von Buddha).
In der Regel besteht aber eine Kluft zwischen den Lehren
der Religionsstifter, dem Verhalten der Religionsträger (Priester, Mönche) und
dem Lebenswandel des allgemeinen Volkes, seinen Vorstellungen, Wünschen und
Gedanken.
Die Menschen versuchen in Kontakt mit der Gottheit ihrer
Vorstellung zu kommen durch Gebete, Gottesdienste, Opferdienste, religiöse
Feste, sich ganz in den Dienst der Gottheit stellen (Kloster), Fasten usw.
Gebete sind meistens Bitten um etwas (um Erfolg beim Examen, bei der Wahl eines
Lebensgefährten, um irdische Güter, Abwendung einer Gefahr, Heilung einer
Krankheit, schließlich um Auswahl für das Paradies, d.h. um „Erlösung vom
schweren Erdendasein“). Da wird aber auch eine nicht mit den Geboten im Einklang
gewesene Tat bereut, um Verzeihung gebeten. Es wird gedankt, alles wie bei einem
Kind-Eltern- oder einem anderen irdischem Obrigkeitsverhältnis.
Auf grund der Psychologie der Massen kann ein
Einzelindividuum Mensch sich ganz in der religiösen Ideologie verlieren, im
Namen seiner Gottheit Anders-Gläubige foltern und ermorden, ja sich sogar selbst
opfern.
Ausdruck der Religion ist die Kunst, also Poesie und Drama,
Malerei und Bildhauerei, Musik und Tanz.
In
manchen Ländern, z.B. den islamischen, werden religiöse Leitlinien zur Grundlage
des Rechts.
Das Kreisdiagramm zeigt die Verteilung der
Zugehörigkeit von etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung zu den bekanntesten
Religionen. Die restlichen 40 Prozent sind entweder statistisch nicht erfaßbar,
oder es handelt sich um Mitgliedern von kleinen Religionen (Sekten), wie Zeugen
Jehovas, die Neuapostolische Gemeinde, die Baptisten und Tausende von Gruppen
mehr. Zu den 40 Prozent der statistisch nicht erfaßten Zugehörigen zu einer
bestimmten Religion zählt auch der sehr geringe Prozentsatz der Religionslosen,
also der (prozentual recht wenigen) Gottlosen, oft auch Atheisten oder
Ungläubige genannt (die
die Existenz einer Gottheit verneinen).
Religion kann man sogar studieren (Theologie) und auch
einen Doktortitel erwerben (aber D. abgekürzt bei den Protestanten statt Dr.)
mit Teilbereichen wie Religionsphilosophie, Religionssoziologie und
-psychologie, Religionspädagogik. (Der Studienabsolvent wird aber nur über die
Religionsrichtung unterrichtet, die er gewählt hat, sonst bestünde die Gefahr,
daß er sich zu etwas anderem bekennen könnte.)
Es gibt Religionsschulen (Koranschulen für die Muslime) und
Religionsunterricht, auch noch in den meisten Schulen der Industrienationen
(schön getrennt nach katholischem und evangelischem Unterricht).
Es gibt sogar einen religiösen Sozialismus. Ein bekannter
Vertreter dieser Richtung war der schweizerische Reformtheologe, Karl Barth,
„Vater“ der »Bekennenden Kirche«, der
1968 in Basel im Alter von 82 gestorben ist.
In den untergegangenen sogenannten sozialistischen Ländern sind
die Gotteshäuser voll, obgleich dort der Atheismus (Gottlosigkeit) als Teil des
Marxismus und Leninismus (neben Stalinismus, Maoismus usw.) zur
„Staatsreligion“ erhoben worden war. Offensichtlich besteht ein Hang der
Menschen zum Überweltlichen, Übersinnlichen, Übernatürlichen (Transzendenten)
mit der Wunschvorstellung, wenigstens nach dem Tode in's Paradies kommen zu
dürfen. Daher sind die jahrelang „atheistisch“ erzogenen Leute rasch in die
Gotteshäuser zurückgekehrt, nachdem ihnen die irdischen Mächte keinen Wohlstand
und keine Lebensqualität bieten konnten. Nun hoffen sie auf das „Glück“ nach dem
Erden-Dasein.
Da in den modernen Demokratien prinzipiell keine Trennung
zwischen Staat und Religion durchgesetzt werden konnte (außer in Frankreich und
- man staune - in der Türkei), spielen diese
Institutionen immer noch eine wichtige Rolle:
- Da sind Kirchenvertreter in den Programmausschüssen der
deutschen staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten.
- Da ist Religionsunterricht nach wie vor Unterrichtsfach in den
Schulen (anstatt eines Faches über Ideologien im Allgemeinen).
- Da sind nur die traditionellen Kirchen in Deutschland offiziell
anerkannt.
Deutschland ist zwar kein „Gottesstaat“; aber dieser deutsche Staat
erhebt (nach der Reichsverfassung von 1919) von jedem Lohn- und
Gehaltsempfänger, das Mitglied einer staatlich anerkannten Kirche ist, bis zu
10% („der Zehnte“ wie im Mittelalter) seiner allgemeinen, regulär zu zahlenden
Lohn- oder Einkommenssteuer zusätzlich für seine Kirche. (Die Zeugen Jehova's
und die Muslime, also die Muselmänner und Muselfrauen, sowie andere, den „Groß“-Kirchen
nicht angehörende, arbeitende Menschen brauchen theoretisch nichts zu zahlen.
Aber keine Angst: Auch sie werden von ihren „Gurus“- ehrwürdige Diener, zu
deutsch - abgezockt. Mir ist kein
anderer Staat bekannt, in dem für religiöse Einrichtungen vom Staat Steuern
eingezogen werden.

Schauen wir uns einmal einige Statistiken über das
Steueraufkommen dieser Großunternehmen „Kirchen“ näher an:
Diese erste Grafik zeigt das Aufkommen der beiden Großkirchen
nebeneinander und über die Jahre von 1987 bis 1991, während das zweite Bild die
Einnahmen aufeinander gestapelt, also zusammen wiedergibt, jedoch älteren
Datums. Das Stapeln der Balken im oberen Bild können Sie ja selbst errechnen.
Während die Kirchen 1985 etwa 13,2 Milliarden Mark bekamen, konnten sie 1991,
also 6 Jahre später, 15,2 Milliarden kassieren, eine Steigerung um 15 %, was in
etwa der jährlichen Inflationsrate von 2,5% entspräche. Sie sehen, daß auch
die Kirchen mit der „Zeit gehen“.
Das ist sicher nicht gerade wenig, was die Kirchen, die
Evangelische Kirche Deutschlands und die Römisch-Katholiche Kirche umsetzen, und
da Geld mit Macht verbunden ist, kann der Einfluß dieser Organisationen
keineswegs übersehen werden.
Leider habe ich keine Zahlen über die Ausgabenverteilung gefunden
(aber auch nicht intensiv gesucht - bzw. in Syrien nicht suchen können), also über das, wo diese Kirchen das
eingenommene Geld lassen. Auch hätte mich interessiert, was die Bischöfe und
Pfarrer und andere so verdienen täten.
Es scheint sinnvoll wegen der Wichtigkeit des Einflusses der
Religionen auf das menschliche Denken und
Empfinden, die wichtigsten religiösen
Ideologien ein wenig näher zu betrachten. (Dabei werden wir feststellen, daß da
viele Gemeinsamkeiten sind. Nur der Buddhismus - jedoch eher eine Weltanschauung
- schert ein wenig aus.)
Beginnen wir in der Reihenfolge der „Bedeutung“, also des
Ausbreitungserfolges:
a)
Das Christentum
Fast 1 Milliarde Menschen sind im christlichen Glauben behaftet,
davon sind allein etwa 550 Millionen als römische Katholiken getauft, 320
Millionen als Protestanten und 85 Millionen gehören zu den Orthodoxen. Der Rest
verteilt sich auf unzählbare Sekten.
Die Religionsstiftung wird einem Jesus Christus
zugeschrieben, dem „direkten,
fleischgewordenen Sohn Gottes“ (als einzig bekannte „geschlechtslose“ Zeugung
eines Menschen. Die Mutter hieß Maria). Es wird geglaubt, daß Gott sich durch
Jesus Christus den Menschen gleichstellen wollte, indem er selbst unter ihnen
weilte von einer Geburt bis zu einem Tode; denn eigentlich fußt ja die christliche Religion auch auf einem
monotheistischen Glauben, also dem Glauben an einen einzigen Gott, der
verschiedene Erscheinungsformen haben kann als Gottvater, Gottsohn und als
Heiliger Geist.
Jesus Christus wurde wahrscheinlich 4 Jahre vor der Zeitrechnung
geboren und endete mit 34 Jahren am Kreuz (vielleicht auch erst mit 37 Jahren.
Nichts Genaues weiß man nicht.).
Die Ideen des „Sohnes Gottes“ sind in den Büchern (Evangelien,
griechisch: frohe Botschaft)
des Neuen Testamentes von seinen Jüngern niedergeschrieben. Wesentliche Gedanken
sind:
- Der Mensch selbst hat keinen Einfluß darauf, durch welche
Handlungen auch immer, d.h. durch eigene Kraft das Reich Gottes zu erwirken. Gott
allein entscheidet im „Jüngsten Gericht“, was wirklich Sünde war, wer in den
Himmel kommt und wer in die Hölle, in die „ewige Verdammnis“. (Dagegen gibt es
keine Berufungsinstanz).
- Zum ersten Mal wird von der Liebe zum Nächsten, ja zum
Feind gesprochen (Matthäus 5, 44), womit endlich der nie
endende Kreislauf an Rachegedanken und Vergeltungssucht durchbrochen werden
sollte (z.B. Lukas 10, 27).
- Weitere wichtige Gedanken betreffen die Toleranz (z. B.
gegenüber Andersgläubigen, den Samaritern oder Samaritanern Lukas 10, 30 ff.)
und die Ablehnung der Anmaßung, über Mitmenschen zu richten (Bergpredigt, Lukas
6, 37: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet“).
Als dem Christus eine Ehebrecherin vorgeführt wurde, die nach
den alten Gesetzestafeln von Moses (Altes Testament, eigentlich testamentum:
letzter Wille, gemeint ist: Zeugnis) eigentlich zu steinigen
gewesen wäre, soll Christus gesagt haben: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der
werfe den ersten Stein.“ (Das Neue Testament, Evangelium des Johannes, Kapitel
8, Vers 7.) Damit wird die Sünde in Gedanken einer „sündigen Tat“
gleichgestellt.
- Sozialistische Gedanken werden begründet, und die
Ansammlung von irdischen Güter ist abzulehnen (Bergpredigt, Matthäus 6, 19:
„Ihr sollt keine Schätze sammeln.“)
- Problemlösung mit Waffengewalt wird abgelehnt (Matthäus
26, 52: „Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen.“)
- Es werden irdische Machtstrukturen in frage gestellt,
die religiösen Führer abgelehnt und die „Pharisäer und Schriftgelehrten“ als
Heuchler erkannt (z.B. Matthäus 23). Diesen Gedanken hat der Islam teilweise
weiter verdeutlicht. Aber in der Praxis gibt es Mullahs, Ayatollahs, Imame
[arabisch »Führer«, »Vorbild«], die Vorbeter beim rituellen Gebet (Salat) in der
Moschee, jedoch geistliche und weltliche Oberhäupter der Gemeinschaft aller
Muslime (Umma) als Nachfolger des Propheten (für die Sunniten bis 1924
gleichbedeutend mit dem Kalifen, arabisch »Nachfolger«).
Es soll sich niemand anmaßen, daß er einem Mitmenschen überstellt
(als Vorgesetzter) sei, ist als Ansatz zu finden. Kein irdisches Wesen dürfe sich Vater nennen
lassen, da dieser Begriff allein für Gott bestimmt sei (Matthäus 23, 9).
(Dennoch hat die katholische Kirche sogar einen heiligen Vater.)
Kommentar: Zweifellos muß
festgestellt werden, daß Jesus Christus, wie die meisten Religionsstifter, aus
heutiger Sicht, an einer endogenen Psychose, d.h. einer körperlich nicht
begründbaren Geistesgestörtheit, nämlich der Schizophrenie (Spaltungsirresein)
gelitten hat; denn die typischen Symptome, die alle mehr oder weniger auf alle
Schizophrenen zutreffen, sind:
- Störung des Eigenbewußtseins, der Grenze zwischen seinem Ich
und der Außenwelt. Seinen eigenen Körper, seine Gedanken und Gefühle empfand er
als von außen gesteuert, nämlich von seinem himmlischen Vater. Er hörte
Stimmen und war von einer Wahnidee besessen, nämlich Gottes Sohn zu sein. (Viele
Schizophrene identifizieren sich mit bekannten Persönlichkeiten. Sie glauben
Napoleon oder auch ein Prophet zu sein. Ein weit entfernter Verwandter von mir,
als Schizophrener von seinen Mitmenschen isoliert, war ganz umgänglich und
geriet nur dann außer sich, wenn er nicht mit „Majestät“ angeredet wurde; denn
er hielt sich für den Kaiser Napoleon den ersten.)
- Aus seiner Wahnidee heraus wurde Christus sogar tätlich, was
die Beschreibung der sogenannten Tempelreinigung aufzeigt (Johannes 2, 15).
Die sogenannte normale Seite seines Geisteslebens erkannte
durchaus Mißstände. Er war wohl keineswegs „unterbelichtet“, hatte recht gute
analysierende Fähigkeiten. Allerdings wurden dann seine
„Verbesserungsvorschläge“ durch die krankhaften Wahnvorstellungen von einem
völlig irrealen transzendenten System überlagert.
Sicherlich wäre heute ein Jesus Christus sogar zwangsweise in
eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. (Es hat jedoch jemand mal gesagt:
„Laßt mehr Verrückte um mich sein; denn wir sehen ja, wie weit es die Normalen
gebracht haben“.)
Es ist zu beobachten, daß insbesondere die römisch katholische
Kirche oder die griechisch orthodoxe keinen einzigen der oben unter den
Spiegelstrichen aufgelisteten Grundgedanken beherzigt hat; denn
- die Kirchenvertreter können Sünde durchaus vergeben nach der
Beichte, einem ausgezeichneten, psychologisch zu sehendem Ventil,
- Rachegedanken und Vergeltungssucht haben zu den
Judenverfolgungen, als den Christusmörder geführt,
- Mischehen waren und sind immer noch verpönt. Ungläubige wurden
verfolgt, Andersdenkende gequält und gefoltert und schließlich verbrannt;
die Sexualität wird nach wie vor sowieso als Sünde gesehen. Der
Geschlechtsakt ist immer noch nur in der Ehe erlaubt, um Nachwuchs zu zeugen,
- die Kirchen zählen zu kapitalistischen Großunternehmen mit
unschätzbaren Reichtümern. Es gibt undurchsichtige Geschäfte. Die Vatikanbank
veröffentlicht keine Bilanzen,
- Kriege aller Art sind abgesegnet worden. Sogar reine
sogenannte Glaubenskriege sind ausdrücklich gefordert worden
(Kreuzritterkriege), obwohl meiner Ansicht nach kein Krieg ohne die Absicht der
Machtausdehnung und nicht aus wirtschaftlichen Gründen (wegen einer Notlage der
allgemeinen, durchschnitllichen Bevölkerung) geführt worden ist und
wird,
- Der Papst, „Heiliger Vater“ genannt, direkter Stellvertreter
Gottes (quasi Gott selbst), hat sich immer als die ausschließliche Obrigkeit
gesehen, war allen irdischen Königen und Kaisern überstellt.
Ich
würde gerne wissen, wie dieser Christus auf die geschmückte, ja sogar mit echtem
Gold und kostbaren Edelsteinen verzierte, also „sehr wertvolle“ Person im Bild
links reagiert hätte, die sich als sein (berufener?) Vertreter ausgibt.
Es handelt sich um einen Bischof der griechisch orthodoxen
Kirche, also um einen von mehreren Stellvertretern dieses Jesus Christus.
(Das Bild habe ich aus „Mémo Larousse, 2° Édition“ abgekupfert.)
b) Der Islam
Islam bedeutet im Arabischen: Ergebung (gemeint ist in Gottes
Willen). Daher wird dauernd wie von gläubigen Christen auch von den Muslimen
(„die sich Gott unterwerfen“, von Nichtmuslimen oft auch Mohammedaner genannt)
von „so Gott will“ gesprochen (Inschallah).
„Gestiftet“ wurde diese jüngste der „Groß“-Religion von Mohammed,
dem Propheten, der, basierend auf dem Alten Testament der Bibel, nur einen
einzigen Gott zuläßt (strikter Monotheismus). Da gibt es keinen Sohn und keinen
Heiligen Geist oder heilige Menschen. Auch Engel spielen ursprünglich keine Rolle.
Die islamische Ideologie ist im Koran (»Lesung«,
der Heiligen Schrift), der
„Mutter aller Bücher“, mit 114 „Suren“ (Reihen, Kapitel) in unterschiedliche „Aja“
(Verse) eingeteilt. Er (der Koran) gibt das wieder, was der Erzengel Gabriel (Djabra'il),
der Chef der Wächter des Thrones Gottes, dem Propheten Mohammed befohlen hat.
Die fünf „Säulen“ des Islam, neben anderen Dingen in der heiligen
Schrift (Koran) niedergeschrieben, sind:
I. das Glaubensbekenntnis (Schahada): „Es gibt keinen Gott
außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“;
II. das Gebet, das fünfmal am Tage durchgeführt werden muß
(Salat), möglichst in einer Moschee, dem Ort, wo „man (der Mann) sich
niederwirft“;
III. die Gabe von Almosen (Sakat);
IV. das Fasten während eines Monats (Ramadan) und
V. die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch), dem Geburtsort des
Propheten (siehe später), die einmal im Leben durchgeführt werden muß.
Ein Besuch von Mekka
ist für „Ungläubige“, also alle Nichtmuslime streng verboten (der einzige Ort
in der Welt, für den ein solches Verbot gilt, abgesehen von „militärischen
Gebieten“, zu denen man sich dennoch in Ausnahmefällen Zutritt verschaffen
kann).

Mekka liegt im Westen von Saudi-Arabien und ist die Hauptstadt
von Hedschas (ein Staatsgebilde, in etwa vergleichbar mit dem Vatikan in
Italien).
Das Bild vom Hof der Hauptmoschee (mit der Kaaba, „Würfel“, schon
vor dem Islam arabische Kultstätte) hat ein, mir sehr gut bekannter
thailändischer Diplomat (Mr. Bancha Boonthana) sehr naturgetreu,
foto-realistisch gemalt. (Ich kann ihn nicht mehr fragen, ob er - ein sehr
liebenswürdiger Mensch - mir die Veröffentlichung erlaubt; denn er ist vor
einigen Jahren in New York verstorben.)
Nicht erlaubt sind im Islam: Wein (Alkohol schlechthin, obwohl
nur Wein im Koran zu finden ist, da den Verfassern Whisky und Bier wohl nicht
bekannt waren – Bier gabs allerdings schon lange vorher im Alten Ägypten und bei den
Sumerern), Schweinefleisch (wegen der damals weit verbreiteten
Trichinenverseuchung der Tiere) und Glücksspiele.
Bis zu vier Frauen können auf Erden „genommen“ werden; die die
männliche Rasse dezimierte sich gerne in Kriegen. Im Himmel,
dem schattigen und reichlich mit Quellen ausgestattetem (Männer-)Paradies gibt
es jeden Tag neue Paradiesjungfrauen (Huris, also die „frischen,
unberührten, süßen Hürchen“). Da muß man aber erst mal hinkommen; denn es könnte
einem auch die Hölle drohen (nur Gott bestimmt darüber - Inschallah).
Über die Stellung der Frau in der islamischen Ideologie ist viel
geschrieben worden. Sie soll wenigstens vor Gott dem Mann gleichgestellt
gewesen sein, wie folgender „Vers“ (aja) 43 aus der „Reihe“ (sure) 40 des Koran
gedeutet wird:
„Wer Böses getan hat, dem soll nur mit Gleichem gelohnt werden,
und wer das Rechte getan hat, sei es Mann oder Weib, sofern sie gläubig
waren, die treten ein ins Paradies, in dem sie ohne Maß versorgt werden“. [Max
Henning: „Der Koran“, Reclam-Ausgabe, 1981]
Folgender Satz ist zu unterstreichen:
Die islamische Gesellschaft ist zum Glaubenskrieg (Dschihad
= Djihad),
dem
Heiligen Krieg, verpflichtet, damit das Land, das
von den „Ungläubigen“ besetzt ist, dem Islam („mit Feuer und Schwert“)
einverleibt werden kann und unter seine Herrschaft gelangt (Dar al-Islam), in
das Haus des Islam kommt. Diese Verpflichtung zur Glaubensausbreitung wird
häufig auch als eine (sechste) Säule des Islam betrachtet.
Der Islam muß also als eine äußerst aggressive Religion gesehen
werden mit Machtanspruch über alles Nichtislamische.
Das Einzelindividuum, also der einzelne Mensch zählt nicht, so
wie im Judentum und dem Leninismus. Er geht in der Masse unter.
Einen Missionsgedanken gibt es nicht im Islam, nach dem
das Christentum etwas subtiler (unterschwelliger) die gleiche Expansionspolitik
wie der Islam - oft auch mit Feuer und Schwert -
betrieben hat. Der Koran liest sich so, daß Ungläubige niemals zum Glauben
finden; denn - vor allem - Allah verstockt sie, so wie der christliche Gott den
Pharao in Ägypten, damit dieser das Volk Israel nicht ziehen lasse und er - der
HERR - ein Mordmotiv hatte, alle männliche Erstgeburt in Ägypten, ob von Mensch
oder Tier, umbringen zu können.
Der Islam erlaubt (eigentlich) keine Trennung zwischen Staat und
Religion. Der Machtanspruch erstreckt sich also auf alle Bereiche des Lebens
mit gesetzlichen Vorschriften (Fikh), die teilweise schon im Koran niedergelegt
sind, aber von islamischen Rechtsgelehrten (Ayatollah) ausgeweitet wurden zu einem
Pflichtenkatalog (Scharia), begründet auf dem „vorbildlichen Leben“ des
Propheten.
Der Islam kennt keine irdische Obrigkeit und Priesterschaft und
damit keinen Kult von irdischen Personen.
Natürlich hat auch diese Religion ihre Repräsentanten, die
Gelehrten (Ulamas) oder die „Ajatollahs“ der Chiiten (einer islamischen
„Sekte“), denen niemand zu widersprechen wagt (wenn er nicht des Todes sein will
wie in der „Islamischen Republik Iran“).
Nachtrag: Die islamische Religion hat um die 1,2 Milliarden Anhänger (2010:
mehr als das doppelte gegenüber 1990) und ist - wie die meisten
Glaubensrichtungen - in viele Sekten aufgegliedert:
- die Sunniten, denen etwa 90% der Mohammedaner folgen und
die sich als die islamische Orthodoxie verstehen. Unter ihnen gibt es 4
nennenswerte unterschiedliche "Auslegungstraditionen" (Rechtsschulen = Madhhabs:
bei den Hanbaliten - Glaubens- und Pflichtenlehre nach islamischen
Kerntraditionen;
Hanefiten - lassen das »Für-gut-Halten« mittels eines Vernunfturteils zu; Malikiten
- basieren auf Gewohnheitsrecht; Schafiiten - bauten dann das islamische
Gewohnheitsrecht zu einer systematischen Rechtslehre aus);
- die Chiiten (oder Schiiten),
Charidchiten (mit fast den restlichen 10% der Gläubigen). Der Name kommt von
Shia "Partei"; das ist die Partei des Ali, dem Schwiegersohn der Propheten
Mohammeds und dessen Nachkommen als jeweils rechtmäßige Nachfolger. Der
Nachfolger wird Kalif genannt und ist Leiter der schiitisch-islamischen
Gesamtgemeinde.
- Die Alewiten beschweren sich in
Deutschland, weil sie keine Berücksichtigung finden...
- und einige mehr.
Erklärt werden muß noch der Name "Muslim" (oder "Moslem",
veraltet Muselman) (arabisch "der sich Gott unterwirft"). So bezeichnen sich die
Anhänger des Islam selbst. Eine Bezeichnung als "Mohammedaner" wird zurück
gewiesen; denn ihr Glaube ist auf die von Mohammed überbrachte Offenbarung
Gottes ausgerichtet und nicht auf Mohammed selbst als nur dem menschlichen
Überbringer.
[Nichtmuslime "Ungläubige" sind die, die von Allah spätestens am
"jüngsten Tag" ewig in die Hölle kommen (wie in jeder Sure = jedem Vers im Koran zu
lesen ist)].
In einem islamischen Staat muß heute jeder einer
Glaubensgemeinschaft angehören. (Atheismus = Kommunismus wird nicht geduldet.) Mischehen sind
nicht erlaubt. (Damit hat der Islam einiges gemeinsam mit dem Grundgedanken des
strengen Katholizismus.)
Allah (Gott), der Erzeuger der Welt mit allem drum und dran, entscheidet
auch über ihr Ende. (Er setzt den „jüngsten Tag“, das Ende der Zeit fest [Koran
XXI, 104].)
Kommentar: Aber alles das wird
„nicht so heiß gegessen wie es gekocht wurde“. Mir sind auch Mischehen bekannt
zwischen Muslimen und Christen. Ich habe Alkoholiker kennen gelernt. Allerdings
dürften solche Fälle in Staaten wie der Islamischen Republik Iran oder Saudi
Arabien nicht an die Öffentlichkeit gelangen; denn das hätte schwere Strafen zur
Folge.
Etwa 550 Millionen Menschen haben sich diesem Glauben
unterworfen (1991), der Staatsreligion in den nordafrikanischen Staaten, dem mittleren
und nahen Osten (außer Israël) ist, sowie in Indonesien, Malaysia, Pakistan,
Afghanistan. Starke Gruppierungen werden in Indien, Albanien, den ehemaligen
jugoslawischen Staaten, den südlichen Zonen der ehemaligen Sowjetunion, in China
und den Philippinen angetroffen.
Die islamische Zeitrechnung beginnt 622* in dem Jahr, nachdem Mohammed, der
Prophet, dessen eigentlicher Name Abul Kasim Muhammad Ibn Abd Allah ist, in
Medina eingezogen war, einer Oasenstadt in Saudi-Arabien. In diesem Medina
starb der „von Gott Gesandte“ 10 Jahre später (also 632) in Alter von etwa 62
Jahren.
Mohammed war nicht unvermögend und gehörte einer angesehenen
Sippe (Haschimiden) in Mekka, seiner Geburtsstadt, an. Die Leute aus Mekka
hielten nicht allzu viel ihm, der so ab dem vierzigsten Lebensjahr immer mehr
von Visionen und Offenbarungserlebnissen heimgesucht wurde (eigentlich ein aus
heutiger Sicht klinischer Fall für die psychiatrische Abteilung. Stimmenhören
und Fremdbestimmtwerden ist - wie oben schon im Zusammenhang mit Christus
erwähnt - ein typisches Symptom der Schizophrenie). Von Medina
aus führte er mehrere Kriege gegen die Stadt seiner Herkunft und konnte sie sich
schließlich unterwerfen.
*
Die Jahreszählung des islamischen Kalenders beginnt mit der Hidjra
(arabisch auch Hidschra, Hedjra, Hedschra: »Ausreise« Mohammeds von Mekka nach
Medina] und folgt
einem Mondkalender. Die zwölf Monate sind jeweils 29 oder 30 Tage lang. Tage
werden vom Sonnenuntergang an gerechnet (Was geschieht nördlich des
Polarkreises? den gab's damals noch nicht.)
Neuere Daten zum Islam aus
© 2003 Bibliographisches
Institut & F. A. Brockhaus AG:
Zahl der Muslime weltweit (Anfang 2000)
rd. 1 190 Mio.
Hauptverbreitungsgebiete
Vorder- und Mittelasien
Nord- und Westafrika
überwiegend islamisch geprägte Länder außerhalb dieser Gebiete (Auswahl)
Bangladesh
Pakistan
Indonesien
Somalia
Sudan
Hauptrichtungen
Sunniten
Schiiten
Sondergemeinschaften
Ahmadija
Charidjiten (Ibaditen)
Nusairier (Alawiten; Aleviten)
Hauptfeste*)
Beginn des Fastenmonats Ramadan (2002: 6. November)
Offenbarung des Korans an Mohammed (2002: 1. Dezember)
Fest des Fastenbrechens (»Kleiner Bairam«; 2002: 5. Dezember)
Opferfest (»Großer Bairam«; 2003: 12. Februar)
Neujahr (Tag der Hidjra; 2003: 4. März)
Ashura-Tag (Gedenken an den Märtyrertod Husains; höchster Feiertag der Schiiten;
2003: 13. März)
Geburtstag Mohammeds (2003 : 14. Mai)
Himmelsreise Mohammeds (2003: 21. September)
Beginn des Fastenmonats Ramadan (2003: 28. Oktober)
Hauptwallfahrtsorte, wichtige heilige Stätten (Auswahl)
Mekka (gesamtislamisch)
Medina (gesamtislamisch)
Jerusalem (gesamtislamisch)
Nedjef (bes. schiitisch)
Kerbela (schiitisch)
Kum (schiitisch)
Meschhed (schiitisch)
Touba, Senegal (schwarzafrikanischer sunnitischer Islam)
Doch noch ein paar Worte zur Stellung der Frau im Islam im
Vergleich zum Mann, was alles sonst im Koran geschriebene in den verschiedenen
Suren (Versen) in den Schatten stellt. Während die Frau absolut sexuell
enthaltsam sein muß, darf der Mann ein bißchen mehr, nach den vorsichtigen Äußerungen von Prof. Dr.
Karl-Heinz Ohlig in seinem Artikel im Brockhaus, bzw. Meyers 26-bändigen
Taschenlexikon, sehr vorsichtig auszudrücken wagt:

"Ausführungen im Koran erwecken aber den Eindruck, als sei das
Paradies eine Männersache; ihnen werden als Moment des paradiesischen Glücks
auch sexuelle Freuden verheißen mit - möglicherweise zu diesem Zweck eigens
erschaffenen - »großäugigen Huris«, mit makellosen und jungfräulichen Mädchen.
In diesem Leben aber gilt gemäß Sure 4 Vers 34: »Die Männer stehen über den
Frauen, weil Gott sie [von Natur vor diesen] ausgezeichnet hat und wegen der
Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen [als Morgengabe für die Frauen?] gemacht
haben ... Und wenn ihr fürchtet, dass irgendwelche Frauen sich auflehnen, dann
vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch [daraufhin
wieder] gehorchen, dann unternehmt weiter nichts gegen sie! Gott ist erhaben und
groß«."
Einflechtung: Diese Rechtsauffassung vertritt aber auch
eine Richterin aus Frankfurt am Main im Jahre 2007. (Übrigens ein Richter hat
als einziger in jedweder Berufsgruppe keinerlei Verantwortung. Für ein
"Fehlurteil" - wie dem obigen als Verstoß gegen die bundesdeutsche Verfassung -
gibt es höchstens eine Versetzung, aber keine sonstigen Konsequenzen, wie z.B.
Berufsverbot, geschweige denn einen Entschädigungsanspruch.)
Und an anderen Stelle heißt es: "Nach dem 24. Vers" (gemeint ist
Sure 129) "ist dem (wohlhabenden) Mann über seine Ehefrauen hinaus der Verkehr
mit seinen Sklavinnen, auch wenn sie mit anderen verheiratet sind, sowie gegen
Bezahlung mit Konkubinen möglich: »Und [verboten sind euch] die ehrbaren
Ehe[frauen], außer was ihr [an Ehefrauen als Sklavinnen] besitzt. [Dies ist]
euch von Gott vorgeschrieben. Was darüber hinausgeht, ist euch erlaubt,
[nämlich] dass ihr euch als ehrbare [Ehe]männer, nicht um Unzucht zu treiben,
mit eurem Vermögen [sonstige Frauen zu verschaffen] sucht. Wenn ihr dann welche
von ihnen ... genossen habt, dann gebt ihnen ihren Lohn als Pflichtteil!«."
Bekleidung der Frau (oben rechts: Burka, der
Mantel - oft sogar ganz schwarz, der den ganzen Körper bedeckt. Ein Stoffgitter
verbirgt die Augen):



Islamische Kunst:
Der Brockhaus hat gerade mal 2 Beispiele zu bieten. (Nach meinen
Erfahrungen gibt es zig Bilder, die sich jedoch ähnlich sind wie russische Ikonen.)
Kaila und Dimna - aus einer Handschrift um 1348 (Kairo)
Bronzespiegel mit Silbereinlagen um 320 (Aleppo)
Kommentar: Die islamische Ideologie
birgt die Gefahr in sich, daß ihre Angehörigen wenig Neigung zu einer Toleranz
Andersgläubigen (oder allgemeiner ausgedrückt Andersdenkenden) gegenüber haben,
da sie sich allein als die „Auserwählten“ fühlen, ähnlich dem
„Herrenrassengedanken“ der deutschen Nationalsozialisten (Nazis). (Aber jede
Ideologie erhebt ja Anspruch auf absolute Wahrheit. Da macht das Christentum
keine Ausnahme. Und die im „Dritten Reich" verfolgten Juden auch nicht.)
Wegen der Aufforderung, die Macht auf die „Ungläubigen“
auszudehnen, können leicht von nach Macht strebenden Glaubensfanatikern
kriegerische Konflikte angeheizt werden.
Es muß aber gesagt werden, daß islamische Länder (bzw. deren
Machthaber - immer wieder betone ich deren Verantwortlichkeit) nicht mehr,
vielleicht sogar weniger Kriege und andere „Schweinereien“ auf dem Gewissen
haben, als die (in ihren Augen) Ungläubigen, z.B. die unter sogenanntem
christlichen Einfluß stehenden.
Daher möchte ich vor einer einseitigen Verteufelung des Islams
warnen. Ich kenne persönlich einige sogenannte Fundamentalisten sogar recht gut,
die ich achte und mit denen ich genauso gut diskutieren kann wie mit
„aufgeklärten“ (aber gläubigen) Christen.
Die Ergebung in Gottes Willen bewirkt eine leicht zu beobachtende
Neigung bei den Mohammedanern zum Fatalismus (sich in sein Schicksal fügen, da
Gottes Wille) und zu einer Verweigerung von Verantwortung; denn schließlich ist
Gott für alles verantwortlich, wenn es kein Wasser mehr gibt, wenn etwas nicht
geklappt hat, wofür das Einzelindividuum gerade zu stehen hätte (Gott der
Allmächtige hat es nicht so gewollt und Gott ist eben weise und
wird schon seine Gründe gehabt haben). Diese Ergebenheit in Gottes Willen ist
die größte Entwicklungsbremse der islamischen Staaten, meiner Meinung nach.
Die den Muslimen auferlegten Pflichten bewirken eine enorme
Energieabsorption. Da muß 5 mal am Tag gebetet werden, wozu als Vorbereitungen
die Waschungen erforderlich sind und die Ausrichtung nach Mekka (möglichst auf
einem Gebetsteppich), dazu noch das Aufsuchen einer Moschee. Die Gebetsausrufer wecken die Gläubigen morgens zwischen 3
und 5 Uhr, je nach Mondstand. Abends ist das letzte Gebet zwischen 20 und 22
Uhr. Es ist also kaum durchgehender Schlaf möglich. In den islamischen Ländern
sind die Moscheen so dicht angeordnet, daß niemand den heutigen Megaphonen der
Gebetsaufrufer entgehen kann. Modernste Technik wird genutzt, aber nichts
erfunden. Und man denke mal aus, was aus unseren demokratischen Ländern geworden
wäre, wenn man nur gebetet hätte bzw. wenn alle heute noch beten würden. Dann
müßten sogar die Flugzeuge in der Luft für ein paar Minuten die Antriebe
abschalten, was gar nicht so schlecht wäre. Aber keine Sorge: Auch im Islam gibt
es reichlich Ausnahmeregelungen.
In dieser Religion ist der ganze Tagesablauf bei "einfachen
Leuten" nur mit Pflichten aus dem Koran (Gebeten, sonstige Verhaltensregeln)
ausgefüllt ("damit niemand auf dumme Gedanken kommt", sagte mir einmal eine
gläubige Christin).
>Hier< ein ausführlicher Artikel über
den Koran (mit einer weiteren Verzeigung zu einem Artikel über das
"Heilige Buch des Islam" aus der Zeitschrift "stern" mit einigen Bildern)
c) Der Hinduismus [2]

Das Gesetz von Karma und
Wiedergeburt.
In endloser Reihe kommt jeder
Mensch wieder auf die Erde,
bis er gelernt hat, seine
Energien zu kontrollieren.
Man beachte: Auf dem Bild sind
nur Männer zu sehen.
„Hindu“ ist einfach das persische Wort für Inder. Damit
bezeichnet der Hinduismus vom Namen her eigentlich nur eine Volkszugehörigkeit.
Heute gehören dieser Religion um die 450 Millionen Menschen an. Sie hat sich aus
dem Weda („Wissen“, alte heilige Schrift) bzw. dem Brahmanismus (Brahma, Name
eines Gottes, des „Urgrunds des Kosmos“) entwickelt ohne einen (bekannten) Stifter.
Der wichtigste Gedanke des Hinduismus ist der ewige Kreislauf
der Wiedergeburt (Samsara), wobei das Karma, also ein für die Taten und
Werke der Menschen gültiges „moralisches Vergeltungsgesetz“, eine Rolle spielt.
In diesen Kreislauf ist alles einbezogen: Götter, Menschen,
Tiere, Pflanzen, Durch-die-Hölle-müssen.
Doch kann man diesem Kreislauf entrinnen und Erlösung finden
durch:
- Askese („Übung“ im Griechischen), d.h. Einschränkung oder
Weglassen von allem Weltlichen, als da sind: Geschlechtsverkehr, der sowieso
total verpönt ist, Speise, Trank, Schlaf, Kleidung und irdischer Besitz. Mit der
Askese soll der Mensch aus der Gebundenheit an die Materie gelöst werden. Nach
den buddhistischen Gedanken, die ja auch auf den Hinduismus nicht ohne Einfluß
geblieben sind, sind die irdischen, die materiellen Dinge sowieso ja nur als
eine Illusion zu werten.
- Joga, das „Joch“ (Methode der Vervollkommnung des Menschen,
auch Yoga), in das der Körper eingespannt ist. Joga ist
eine Meditationsübung mit dem Ziel, sich aus der Materie zu lösen, also die
Seele von der Materie zu lösen, sich bewußtlos zu machen und sich jenseits der
Welt zu begeben. Natürlich müssen auch hier einige vorbereitende (eigentlich
genau 8) Regeln beachtet werden:
--„Zügelung“ (jama) z.B. seines Geschlechtstriebes,
-- „Beachtung von Reinheitsvorschriften“ (nijama),
-- „Sitz“ (asana), also die richtige Körperhaltung einnehmen
(damit der Körper nicht umkippt, wenn die Seele entfleucht ist),
-- „Beherrschung des Atmens“ (pranajamana),
-- „Zurückziehung der Sinnesorgane von seinen Objekten“ (pratjahara),
damit man ja nicht abgelenkt wird bei dem Trip in's Jenseits (nichts hört und
nichts sieht),
-- „Festhalten“ (dharana) an der Konzentration auf den
Jenseitstrip,
-- „Versenkung“ (samadhi) durch entsprechende
Gedankenausrichtung,
-- „Meditation“ (dhjana) oder Beschauung (Kontemplation), also
Zuwendung zum Übersinnlichen mit dem Ziel, sich in einen bestimmten
Bewußtseins- und Empfindungszustand fallen (versenken) zu lassen, um außerhalb
sich selbst sein und sich mit dem Göttlichen vereinigen zu können.
Da Joga mehr und mehr beliebt wird, sei auf das Buch von S. Hoare
verwiesen: „Yoga, Geschichte, Philosophie und ein komplettes Übungsprogramm“,
erschienen als deutsche Übersetzung 1984 in Ravensburg.
In der Aufzählung, wie man Erlösung finden kann, fehlen noch:
- Gottesliebe (Bhakti) und
- magische Praktiken, womit der Mensch mit seinem eigenen
Willen auf seine belebte und unbelebte Umwelt Einfluß nehmen will (was nach
naturwissenschaftlichen Betrachtungen völlig irrational erscheint). Im
Hinduismus ist natürlich nur die „weiße“ Magie (>hier<) erlaubt.
Der „Führer“, das Oberhaupt, der Lehrer einer hinduistischen
Sekte ist der Guru (was eigentlich „geistig“, „ehrwürdig“ heißt).
Götter verkörpern Naturelemente. Die wichtigsten Götter sind:
- Brahma, der kaum noch eine Rolle spielt, aber
- der gütige Wischnu, der in zehn Inkarnationen
(„Fleischwerdungen“ also menschlichen Gestalten) erscheint und der uns von
Dämonen befreit (aber nur wenn wir daran glauben),
- Schiwa (der Gnädige), der aber einerseits einen starken Aspekt
der Zerstörung bedeutet, andererseits wiederum fruchtbar (daher als Phallus, dem
„Schöpfer“ verehrt) und unheimlich ist. Schiwa lebt mit seiner Frau (Parwati)
und seinen beiden Söhnen (Skanda und Ganescha) im Himalaya (jedoch mit nicht
genauer Adresse), sowie
- Indra (der Regen), Waruna (das Wasser), Agni (das Feuer), Waju
(der Wind), Surja (die Sonne), Soma (der Mond), Jama (der Tod), Kama (die
Liebe).
Da wegen des Hinduismus ein Land wie Indien kaum entwickelt
werden kann, sei auf einige weitere Einzelheiten eingegangen. Da gibt es die
recht fanatischen Sikhs, Anhänger eines Sektierers Nanak, der, um 1540
gestorben, eine Verbindung zwischen dem Islam und dem Hinduismus anstrebte. Ein
Herr Gobind Singh, den 1708 der Tod ereilte, gab diesem Religionszweig einen
militanten Charakter, basierend auf der islamischen Ausbreitungsaufforderung.
Die Männer dürfen sich weder den Bart noch die Haare
abschneiden. Die ziemlich langen Haare werden unter einem Turban
zusammengerollt. (Ich habe mal einen Singh, mit dem ich
mich etwas angefreundet hatte, gebeten, den Turban abzusetzen, was er
widerwillig tat. Die Haare reichten bis zum Boden.)
Heute gehören dieser Sekte etwa 15 Millionen Menschen an. Ihre
Bibel (das Heilige Buch der Sikhs), Adigrantha (zu deutsch: Urbuch), etwa 60
Jahre nach dem Tod des Sektengründers Nanak erschienen, wird wie ein Guru
verehrt. Es ist im Goldenen Tempel von Amritsar aufbewahrt, inmitten eines
heiligen Sees der im Bundesstaat Punjab in Indien liegenden Stadt, etwa 30 km
von der Grenze zu Pakistan entfernt, mit über 700 Tausend Einwohnern,
Universität, Kunsthandwerk und Industrie für Chemie, Textilien, Glas, Stahl. Der
Staat Punjab wurde 1966 den Sikhs zuerkannt. (In Amritsar sind 1919 von den
Briten hunderte von Anhängern Gandhis* umgebracht worden.)
* genannt: Mahatma [Sanskrit »dessen Seele
groß ist«], der Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung, der am 2.10.1869
in Porbandar (Kathiawar, Halbinsel im Norden der Westküste Indiens) geboren und
am 30.1.1948 in Neu-Delhi ermordet wurde. [3]
Das
Foto zeigt einen jungen Sikh (auch Singh genannt, nach dem Herrscher Ranjit
Singh) vor dem „Goldenen Tempel von Amritsar“).
Die Sikhs lehnen das Kastenwesen[4] ab. Auf die „Kasten“
(wahrscheinlich aus dem Portugiesischen: rein, keusch) im Hinduismus muß ich
näher eingehen. Wahrscheinlich ist das Kastensystem aber eine Erfindung der in
Indien eingewanderten Arier, die ihre Gesellschaftsform und (reine und keusche)
arische Rasse nicht durch die Asiaten verderben lassen wollten.
Während es anfänglich „nur“ 4 Kasten (auf indisch: warna, was
aber „Farbe“ bedeutet) gab, nämlich:
- Priester (Brahman),
- Krieger (Kschatrija),
- Bauern und Handwerker (Waischja),
- Knechte (Schudra),
gibt es heute um die 3000 (!). Hinzu kommen noch sogar die außerhalb dieses Kastensystems
stehenden „Unberührbaren" gegenüber, als sogenannte unterste Kaste,
»die Parias«, von Tamil paraiyar =
»Trommelschläger«. Ihr körperlicher Kontakt würde die „Kastenhindus" beflecken.
Daher leben sie als Außenseiter in der Gesellschaft. Sie gehen oft als „unrein"
angesehenen Berufen nach (wie „Toilettenfrauen").
Es darf nur mit Mitgliedern der eigenen Kaste gegessen und
getrunken werden. Eine Mischehe ist nahezu undenkbar. Jede Kaste hat eigene
(konservierte) Sitten und Gebräuche, sowie Pflichten, denen das Einzelindividuum
nachzukommen hat (Dharma). Mitglied einer Kaste wird man durch Geburt. Niemand
kann also von einer Kaste in eine andere überwechseln.
Eine besonders traurige Stellung nehmen die „Unberührbaren“
(Paria, zu deutsch: Trommler) heute ein. Ein körperlicher Kontakt zwischen ihnen
und einem Angehörigen einer anderen Kaste wäre eine schlimme Befleckung. Die
„Unberührbaren“ haben die niedrigste und dreckigste Arbeit zu verrichten, die
Untergruppen der Bhangi und der Mehtar vor allem den Kot und den Unrat der
anderen zu beseitigen.
Mohandas Karamschand (Mahatma, „dessen Seele groß ist“) Gandhi,
Ende Januar 1948 im Alter von 78 Jahren von einem fanatischen Hindu ermordet,
hatte auch versucht, das Kastenwesen infrage zu stellen. Er stieg einmal in eine
Lokusgrube, um diese von menschlichem Kot und Urin zu entleeren, vor allem um
damit zu demonstrieren, daß es jeder machen könne und zu machen habe. Dieser
großartige Mann ist am religiösen Fanatismus gescheitert. Es ist ihm nicht
gelungen, die damaligen, bis heute noch andauernden, blutigen Kämpfe zwischen Muslimen und
Hindus zu besänftigen, geschweige denn zu beenden.
d) Der Buddhismus
Dieser Religionszweig ist nach seinem Stifter Siddhartha Gautama,
mit dem Ehrentitel Buddha, dem „Erwachten und Erleuchteten“, benannt. Er
entstammte einer reichen, im Luxus lebenden Adelsfamilie mit Schlössern im
Jahre 560 vor der Zeitrechnung, wirkte vorwiegend in der nordindischen Gegend
von Uttar Pradesch, an der Grenze zu Nepal, und verstarb im Alter von
(wahrscheinlich) 60 Jahren an der Ruhr (hruora im Althochdeutschen: „Unruhe“
durch die Dickdarminfektion).
Es wird berichtet, daß ihn in seinen frühen Jahren vier
Begegnungen sehr beeindruckt hatten, nämlich die mit einem alten Mann, mit einem
Schwerkranken, einem Mönch und einem Toten. Das machte ihm die Vergänglichkeit
von allem klar. Er schlich sich aus dem väterlichen Schoß, um als Asket (sich in
völliger Enthaltsamkeit übend) zu leben, was ihn selbst an den „Rand des
Vergänglichen" brachte. Er beschloß einen Kompromiß zwischen viel und nichts
haben. Mit 35 Jahren überkam ihn die „Erleuchtung“, und er begann zu predigen.
Damit fing die „Inbewegungsetzung des Rades“ an. Er sammelte Mönche (des Sagha)
um sich. Auch Frauen durften bei ihm mitmachen.
Zuerst stützte sich Buddha bei seinen Predigten auf die älteste
Religion Indiens, den Wedismus ab (von einwandernden Indo-Germanen
importiert). Da gibt es Naturgötter: den Himmel (Djaus), die Erde, das Feuer (Agni),
den Wind (Waju), die Sonne (Surja), die Morgenröte (Uschas). Der Gott Waruna
wacht über die Ordnung der Welt (Rita). Besondere Bedeutung hat der Kriegsgott
Indra, der die Menschen von den Kühen befreit und Überschwemmungen fernhält.
Statt in einem Tempel spielt sich alles auf dem Opferplatz ab, wo die Gläubigen
die Gottheiten zum Essen einladen und sich mit Roma, einem Rauschtrank besaufen.
Es wird an ein Jenseits geglaubt, wo man die Verstorbenen alle wiedertrifft. Aus
der wedischen Religion entwickelte sich über den Brahmanismus, mit
Witwenverbrennung und Wiedergeburt, schließlich der Hinduismus.
Buddha behielt lediglich die Idee der Wiedergeburt, was von
einigen Forschern bezweifelt wird, da Buddha selbst nichts notiert hat und weil
nicht klar ausformulierte metaphysische und psychologische Äußerungen fehl- oder
hinzu interpretiert worden sein sollen. So wird ihm zugeschrieben der Gedanke,
daß alle Dinge seien ohne ein Selbst, ohne dauerhafte Substanz seien.
Folgende Aussagen werden ihm auch zugeschrieben: Mit dem Tode geht der Mensch,
je nach Lebenswandel, also je nachdem ob er gute oder böse Taten vollbracht
hat, über in eine neue, entweder in eine gute oder in eine schlechte Existenz.
Schließlich soll er den Begriff des Nirwanas eingeführt haben [Sanskrit,
eigentlich »das Erlöschen«], des Verwesens, im
Sinne von Dahinschwinden, der Vernichtung des Leidens, des Verlöschens des
Durstes, des Verschwindens der Lebensgier. Damit hätte er den
Erlösungsgedanken ersetzt, den die Upanischaden, (die „sich in die Nähe“ des Lehrers
„niedersetzen“; so heißt das in Sanskrit), aus dem Nachdenken über den Ursprung
der Welt und über den Kreislauf der Geburten, sowie aus dem Wirken des Karmas,
dem Fortwirken der guten und bösen Taten entwickelt hatten (Karma: die Tat, das
Werk) durch ein einfaches Erlöschen, Verschwinden, durch „Nirwana". Vielleicht
meinte Buddha: mit dem Tod ist alles vorbei.
Bei den Upanischaden ist der Atem die wichtigste Lebenskraft und das
„alles durchdringende Feuer“ bringt die Erlösung. So wird alles verbrannt: die
Leichen, die Witwen. (Etwas bösartiger Kommentar: Vielleicht bringt die
dadurch erwirkte Kohlendioxiderhöhung durch den Menschen dann schließlich die Enderlösung für uns
alle.)
Buddha, von dem jetzt eigentlich nur die Rede sein sollte, predigte
über seine „vier edlen Wahrheiten“:
- die edle Wahrheit vom Leiden und
- von der Entstehung der Leiden (durch „Durst", d.h. durch die
Begierde, den Lebenswillen). Die Menschen bewegen sich in einem Netz von
Konventionen und Illusionen, durch das sie die Welt und sich wahrnehmen,
- die edle Wahrheit von der Vernichtung des Leidens (durch die
Abtötung von Begierden und Leidenschaften, d.h. Gier, Hass und Verblendung) und
- von dem „edlen, achtteiligen Pfad“, der dahin führt, nämlich
-- rechte Anschauung und Gesinnung,
-- rechtes Wollen,
-- rechtes Reden,
-- rechtes Tun,
-- rechtes Leben,
-- rechtes Streben,
-- rechtes Gedenken und
-- rechtes Sichversenken.

Ferner beherrschen seine Predigten:
- - die Forderung der Gewaltlosigkeit (Ahimsa),
- - die mitleidige Liebe (Maitri) und
- - die Enthaltsamkeit.
Da bei Buddha Gottheiten keine Rolle spielen, wird oft
diskutiert, ob der Buddhismus als Religion zu bezeichnen ist oder "nur" als
eine Weltanschauung.
Eines der schönsten Bauwerke buddhistischer Kunst befindet sich
in Indonesien auf der Insel Java (nördlich von der südlichen Küstenstadt
Jogjakarta). Dieses Buddhistische Heiligtum, der Borobudur, um 800 nach der
Zeitrechnung
erbaut, aber erst um 1830 entdeckt und nach 1970 vollständig renoviert, hat 432 Nischen mit 1300 Steinreliefs,
und das siebenstufige etwas pyramidenähnliche Monument gipfelt in einem
Zentralstupa.
Kommentar: Ich persönlich neige
dazu, den Buddhismus als eine Weltanschauung zu sehen; denn er stellt ethische
Regeln und Leitlinien auf und läßt viel individuellen Spielraum zur eigenen
Interpretation. Da wird nicht eine Gottheit angebetet. Da ist man nicht dem uns
Menschen undurchschaubaren Willen einer höheren Macht ausgeliefert. Jeder ist
sich selbst gegenüber und seinen Mitlebewesen gegenüber verantwortlich.
Der „Übergang in eine gute oder schlechte Existenz“ mit dem Tode
wird u.a. fälschlich so interpretiert, daß als neue „Bewährung“ die Seele in
ein Tier wandert, die „schlechte“ in die Schlange z.B. Daher darf keinem anderen
Lebewesen ein Schade zugefügt werden. Das sind aber eher hinduistische Gedanken.
Dennoch gefällt mir (im Prinzip) das, obwohl ich andere Motive habe, einem
Mitlebewesen möglichst nichts zuleide zu tun.
>Hier< ein ausführlicher Artikel mit
vielen Bildern.
>Hier< Buddhismus eher eine Weltanschauung? Einiges
über den Dalai Lama.
>Hier< ein kleines
Lexikon von Begriffen zum Buddhismus von Anfängergeist bis Zen bietet.
>Hier< ein ausführlicher Artikel aus dem Wochenmagazin "stern".
>Hier<: Gedanken zur
Erschaffung der Welt.
>Hier<
buddhistische Ansicht über Bestrafung wegen schlechter Führung in früherem
Leben.
e)
Über das "Zen", japanisch, aus chan = Versenkung - oft als Zen-Buddhismus
bezeichnet, geht es >hier< zu einem getrennten Artikel.
Ein wenig angelehnt an © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG:
Diese Religion ist eine im 6.Jahrhundert unter dem Einfluss des Daoismus (oder
Taoismus) - dazu mehr anschließend - in China entstandene Schulrichtung des
Mahajana-Buddhismus (Mahajana = großes Fahrzeug), begründet von dem indischen
Mönchsgelehrten Bodhidharma. Im 13.Jahrhundert gelangte das Zen nach Japan, auf
dessen Kultur es seither einen prägenden Einfluss ausübt z.B. auf die Bühnen-,
Blumensteck- und Schönschreibekunst (No, Ikebana, Kalligraphie), ferner auf die
Dichtkunst (Haiku), die Teezeremonie, die Tuschmalerei, die Künste des
Schwertkampfes und des Bogenschießens (Kyudo), auf die Ethik (korrekter auf die
Moral, >hier< der Unterschied),
auf den Normenkodex des Ritteradels (Samurai). Die religiöse Praxis des Zen
besteht im Wesentlichen in der Übung der sitzenden Kontemplation (Sitzen mit
verschränkten Beinen, daher die O-Beine der Japaner, wie mir ein Japaner sagte),
die zur »Versenkung«, dem Leben in der vollständigen »Hingabe an die Wahrheit«,
hinführen will. erreicht werden soll die Erfahrung des Wesens allen Seins. Jeder
Zenschüler hat seinen Zenmeister, der ihn anleitet, zurechtweist und auch
körperlich züchtigt. Außerhalb Japans wurde das Zen, vermittelt u.a. durch den
Jesuitenpater Hugo Makibi Enomiya-Lasalle (1898 bis 1990) bekannt. Das Zen
vermittelte der westlichen Psychotherapie (z.B. durch Karlfried Graf von
Dürckheim, 1896 bis 1988) wesentliche Anregungen.
f) Konfuzianismus/Taoismus
Wegen der
Wichtigkeit, sich bei uns im sogenannten Westen, ein wenig vertraut zu machen
mit Denkarten unserer fernöstlicher Erdmitbewohner etwas mehr als üblich über
die in sich gegensätzliche "Misch"-Religion von Konfuzianismus und Taoismus.
Nirgends habe ich eine so gute Darstellung gefunden wie "stern - buch"
(Zeitschrift der stern) aus dem Ullsteinverlag 2005 "Die sechs
Weltreligionen - Buddhismus, Judentum, Hinduismus, Islam, Taoismus, Christentum"
von Teja Fiedler und Peter Sandmeyer, ISBN 3-550-07854-4, das derzeit (Oktober
2011) bei "Jokers" für knapp 5 Euro "verramscht" wird als Zeichen dafür, das es
nicht neu aufgelegt werden wird. Um diese Kostbarkeit nicht einfach vom Zugang
meiner Mitmenschen abzuhalten, nachfolgend teilweise die wörtliche Wiedergabe zu
obiger Religion, die immerhin nicht unbedingt strenggläubige 1,5 Milliarden
Anhänger hat. In "Fernost" überlappen sich häufig Religionen und
Weltanschauungen, z.B. in Japan der Shintoismus mit dem Buddhismus:
Konfuzius (551-479 vor Zeitrechnung) mit 4 Schülern
Gemälde aus dem 14. Jahrhundert

»Man ehrt
Geister und Dämonen, aber man hält Abstand zu ihnen«, lehrte Konfuzius vor rund
2500 Jahren seine Schüler und wies so der nach ihm benannten Lehre klar den
irdischen Weg. Viele Religionswissenschaftler weigern sich daher, den reinen
Konfuzianismus (>hier<,
"Konfuzius für den Westen") überhaupt Religion zu nennen, weil er »tian«, den Himmel,
weitgehend ausklammere. Und doch besitzt auch die diesseitige Lehre des
Konfuzius eine starke religiöse Komponente. Denn sie macht das Handeln der
Menschen letztendlich für die Harmonie im Kosmos verantwortlich.
Wie die Wellen sich in immer größeren Kreisen ausbreiten, wenn man einen Stein
ins Wasser wirft, so schlägt das Handeln jedes Einzelnen immer weitere Wellen.
In seinem Hauptwerk »Lun Yu«, den »Gesprächen«, drückte der Meister dies mit dem
berühmten Satz aus: »Ist die eigene Person in Ordnung, so ist die Familie in
Ordnung, ist die Familie in Ordnung, so ist der Staat in Ordnung, ist der Staat
in Ordnung, so ist die Welt in Ordnung.«
Fünf Grundbeziehungen, richtig gelebt, halten alles im Lot. Das Verhältnis Vater
und Sohn, Herrscher und Untertan, Mann und Frau, Älterem und Jüngerem sowie
Freund und Freund. Mit Ausnahme des letzten sind es ungleiche Beziehungen.
Söhne, Frauen, Untergebene und Jüngere haben laut Konfuzius in erster Linie zu
gehorchen. Kein Wunder, dass im Lauf der Jahrhunderte diese Doktrin des
Gehorsams autoritäre Machthaber als ideologisches Herrschaftsinstrument
benutzten und der Konfuzianismus häufig als reaktionär galt. Denn von denen, die
am längeren Hebel saßen, wurden meist die Forderungen des Konfuzius, die er an
sie stellte, stillschweigend unterschlagen, nämlich gerecht, gütig, großzügig
und uneigennützig zu sein.
Mit manchmal fast preußischem Rigorismus versucht der Konfuzianismus, die
Harmonie in der Welt buchstäblich zu erzwingen. Im Konfuzius-Tempel von Taipeh
ist die Terrasse vor dem Eingang mit Bäumen gesäumt, die auf den ersten Blick
leicht verkrüppelt und wie vom Wind gebeugt aussehen. Bis man bemerkt, dass sie
alle exakt die gleiche Schräglage haben (Bild rechts). - Die Tempeldiener haben sie in
jahrelanger Mühe so hingebogen, dass sie zwar bewusst krumm dastehen, das aber
in Reih und Glied. »Ein Symbol dafür, dass der Mensch durch Anstrengung und
Willen perfekte Ordnung in ein Durcheinander bringen kann«, erklärt die
Sinologin Hanne Chen. Sie ist Deutsche, mit einem Taiwanesen verheiratet und hat
uns die Insel, die einmal »Nationalchina« hieß, für die Darstellung chinesischer
Religiosität empfohlen. »Mao hat die Religion im allgemeinen und den
Konfuzianismus im besonderen, als reaktionär bekämpft. Taiwan jedoch war nie
kommunistisch. Deswegen haben sich hier die alten religiösen Strukturen noch
ziemlich intakt erhalten.«
Ähnlich rigoros wie die Disziplinierung der Tempelbäume wird im Konfuzianismus
das Gebot der Ehrfurcht von Kindern gegenüber den Eltern und von Frauen vor dem
Ehemann gehandhabt. Auflehnung ist für beide nicht vorgesehen. Konfuzius: »Mit
der Pflichterfüllung eines Sohnes gegenüber seinen Eltern ist es wohl zu
vereinbaren, dass er ihnen Vorstellungen macht. Sieht er aber, dass sie nicht
beabsichtigen, ihm zu folgen, ist er wieder voller Respekt, müht sich für sie
ab, ohne zu klagen.«
Das
Bild zeigt eine Szene der "strengen Unterweisung" mit nicht sehr glücklich
wirkenden Schülern.
Rücksichtnahme und Gehorsam den Eltern gegenüber steigert sich manchmal für
westliches Empfinden ins Groteske. In einer berühmten Erbauungsschrift wird als
lobenswertes Beispiel unter dem Stichwort »Xiao«' zu deutsch »Pietät«, ein Mann
namens Lao Laizi aufgeführt. Noch als Sechzigjähriger zog er bunte
Kinderkleidung an und gab lallende Geräusche von sich. Diese Kinderei sollte
verhindern, dass die achtzigjährigen Eltern sich mit Erschrecken bewusst würden,
sie seien uralt und dem Tode nah. Und Frauen, so lehrte Konfuzius, seien für die
eigene Familie »verschüttetes Wasser«, weil sie ja nach ihrer Heirat das Haus
verlassen und zu den Schwiegereltern gehen. Dort ist ihre Rolle klar: »Frauen
sind diejenigen, die den Männern gehorchen.« Außerdem sind sie recht kapriziöse
Wesen, so ähnlich wie Dienstboten: »Mit Frauen und Dienerschaft ist schwer
umzugehen. Wenn man sie zu vertraut behandelt, werden sie respektlos. Wenn man
Abstand zu ihnen bewahrt, murren sie.«
Auch wenn Menschlichkeit und Nächstenliebe laut dem Meister Kardinaltugenden
sind, konnte seine strenge, rationale Sittenlehre, die so sehr auf Streben,
Gehorchen und Pflichterfüllung fußt, zwar die Köpfe, aber nur schwer die Herzen
der Menschen erreichen.
Der Taoismus (oder Daoismus, die "Lehre des Weges"), fast zur gleichen Zeit wie die Lehre des
Konfuzius im 6. Jahrhundert vor Christus von Laotse gepredigt, war dazu in der
Lage. Wo der Mensch sich im Konfuzianismus abrackern muß, um den Kosmos im
Gleichgewicht zu halten, lässt er sich als Taoist im ewigen Fluss der
Unendlichkeit einfach treiben.
»Tao« heißt zu Deutsch »der Weg, die Bahn«. Nein, die »Energie« sagen andere
Sinologen. Falsch, meinen wieder andere, Tao ist die »Tugend«. Schon das Wort
lässt sich also kaum fassen und die Aussagen des Laotse zum Wesen des Tao
treiben die Ungewissheit ins Paradox: »Das Tao, das genannt werden kann, ist
nicht das ewige Tao. Könnten wir weisen den Weg, es wäre kein ewiger Weg.
Könnten wir nennen den Namen, es wäre kein ewiger Name.«
Zu dieser universalen Unschärfe passt, dass nicht einmal feststeht, ob es die
Person des Gründers überhaupt gegeben hat. Konfuzius ist eine historische
Person. Er brachte es beruflich bis zum mäßig erfolgreichen Justizminister eines
chinesischen Herrschers. Laotse verschwand zwar gegen Ende seines Lebens
angeblich auf einem Ochsen in Richtung Indien reitend spurlos im Nirgendwo, doch
dies ist möglicherweise nur eine hübsche Legende und die Laotse zugeschriebenen
81 Sprüche seines Hauptwerks »Tao Te King« stammen vielleicht von verschiedenen
Autoren.
Tao ist also die Chiffre für eine kosmische, alles umfassende, aber nicht zu
benennende Kraft. Um mit ihr eins zu werden, kann der Mensch nichts Besseres
tun, als ihr durch absichtsvolles Nichtstun keinen Widerstand entgegenzusetzen.
Keine Karrieregeilheit, kein Prunk, keine Exzesse. Low Profile rundum. »Nur wenn
der Mensch befreit ist von Leidenschaft und Begierden ... ahmt er das stille
Wirken der Natur nach. Dann lebt er im Einklang mit der Natur, ja, kann er die
Einheit mit dem Tao erreichen.« So versucht der abtrünnige katholische Theologe
Hans Küng (>hier<) eine Annäherung an das Rätsel Tao.
Für
Normalchinesen heute bedeute die absichtsvoll dunkle Lehre des Laotse, so Hanne
Chen, eine gelassene Einstellung zum Leben, »nach der das, was natürlich
geschieht, schon irgendwie seine Richtigkeit hat, auch dann, wenn es für den
Moment schmerzt, wie der Tod eines geliebten Menschen. Dabei geht es nicht
darum, gegen das Leiden des Lebens unempfindlich zu werden, sondern darum, es
als Teil des großen Ganzen zu begreifen und anzunehmen.« Ein Weiser in der
Nachfolge des Laotse fand das eindrucksvollste Bild für die Flüchtigkeit der
menschlichen Existenz: »Eines Menschen Leben zwischen Himmel und Erde ist wie
ein weißes Pferd in einer Türspalte: im Nu vorüber und vorbei.«
Früher standen Konfuzianismus und Taoismus sich feindlich gegenüber. Aktivismus
hier, Passivität dort. Chinas religiöse Normalverbraucher haben diesen Gegensatz
aufgehoben. Sie pickten sich aus beiden Lehren die Elemente heraus, die ihnen
zur Bewältigung ihrer Probleme am besten geeignet schienen. Da weder Dogmen noch
Glaubenswächter diese Vermischung verhinderten, ist der »chinesische
Universismus« heute eine bunt schillernde Volksreligion in tausend Varianten.
Mit leisem Spott sagt man in China, der Konfuzianismus sei mehr der Leitfaden
für die Jugend: Partnerschaft, Kindererziehung, Karriereplanung, der Taoismus
hingegen Stab und Stütze des Alters, wenn der Lebensfaden kürzer wird und die
Frage nach dem Warum drängender.
Trauerfeier vor dem Haustempel der weit verzweigten Familie Chen in der
taiwanesischen Kleinstadt Mei Nong: Die uralte Großmutter ist friedlich
eingeschlafen. Jetzt wechselt sie in das Schattenreich der Ahnen über und die
Familie hilft ihr dabei. In echt konfuzianischem Sinne bestimmt ihr ältester
Sohn die Zeremonie. Sein Wort ist Befehl. Niemand von den längst erwachsenen
Enkelkindern wagt, ihm auch nur im Ansatz zu widersprechen.
Die alte Frau ruht in einem blauen Kleid aufgebahrt vor der Trauergemeinde,
diese zumeist in Weiß, der chinesischen Farbe der Trauer. Ihre Augen sind mit
einer schwarzen Binde bedeckt. Ihr Blick soll sich nicht mehr auf diese Welt,
sondern auf das Jenseits richten. Ein Geldschein liegt mitten auf dem Gesicht.
Ihr ältester Sohn wird ihn am Ende der Feier an sich nehmen: die letzte Gabe der
Verstorbenen an ihre Lieben, zugleich ihr erstes Lebenszeichen aus der Welt, der
sie nun angehört.
Für Reisegeld und Wegzehrung auf der langen Fahrt in das Reich des Unsichtbaren
ist gesorgt. Um das Kopfkissen der Leiche sind Geldbündel gestapelt. Auf einem
bunt gedeckten Tisch vor dem Totenbett liegen die üblichen Lebensmittel. Daneben
stehen mannshohe Stellagen, voll bestückt mit Bier- Wein- und
Champagnerflaschen. Chinesische Tote wechseln animiert ins Jenseits. (Die
Alkoholika werden anschließend an Armenhäuser oder karitative Organisationen
verschenkt.)
Drei Tao-Priester in schwarzen Roben machen mit Glöckchen, Messingbecken und
Rasseln aus Kokosnüssen eine schrille Musik, die der Toten den Weg hinüber von
böswilligen Dämonen freihält. Dazu singen sie endlose, für unsere Ohren eintönig
klingende Litaneien. Hinter dem trauernden Sohn stehen seine sämtlichen
Jugendfreunde. Sie kamen nicht wegen der Toten, die sie kaum kannten. Sie sind
wegen ihres Schulkameraden da. Die fünfte Grundregel des Konfuzius verlangt
diese lebenslange Freundes-Treue.
Als die Feier zu Ende geht, wuchten zwei stämmige Helfer eines
Beerdigungsunternehmens die Leiche mit chinesischer Nüchternheit in eine Art
Tiefkühltruhe. Dort wird sie bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bis zum
Begräbnis aufbewahrt. Die Zeremonie auf dem Friedhof kann erst in zehn Tagen
stattfinden. Ein Wahrsager hat diesen späten Termin als den günstigsten
ermittelt.
Er hatte auch herausgefunden, dass Personen von 33, 38 und 58 Jahren
(Unglückszahlen, hängt wahrscheinlich mit Feng Shui "Wind" und "Wasser"
zusammen, gibt es aber auch im europäischen Sport) nicht an
der Trauerfeier vor dem Haustempel der Chen teilnehmen sollten, und eine Warnung
am Eingang angeschlagen. Diese Altersgruppen würden zum heutigen Datum Probleme
mit der Geisterwelt schaffen. Die Familie hält sich daran. Die 33-jährige
Enkelin der Toten bleibt dem Akt fern. Zum Abschluss wird eine süße Suppe
gereicht, in der weiße und rote Kügelchen aus Reismehl schwimmen (Bild links). Diese
Reisbällchen in ihrer perfekten Kugelform sind ein klassisch taoistisches
Symbol: alles hat sich gerundet: die Trauerzeremonie, das Leben der Toten, das
Universum.
Weil die Lehren des Laotse so vieles offen lassen, sind sie auch für vieles
offen. In ihnen konnten sich im Lauf der Jahrhunderte unzählige Einsprengsel der
alten Volksreligionen einnisten. Mit deren Hilfe glauben die Chinesen in ihrer
praktischen Art zu dem, »was nicht genannt werden kann«, im konkreten Einzelfall
doch eine Brücke schlagen zu können.
Wahrsager wie der beim Begräbnis von Großmutter Chen zapfen mit Hilfe von
Handteller-Lesen, Kartenlegen, Traumdeutung oder Astrologie die Sphäre des
Unsichtbaren an. Der Chih-Nan-Tempel in den Bergen bei Teipeh ist berühmt als
Zentrum der Traumdeutung. Hier wird in drei Schritten vorgegangen. Erst zwingt
der Ratsuchende durch Gebete und Zaubersprüche missgünstige Geister in eine mit
Löchern versehene Kürbiskalabasse. Dann wirft er knieend drei halbmondförmige
Orakelsteine. Fallen sie richtig, sind die Weichen für eine ergiebige
Traumanalyse gestellt.
Eigentlich dürfte die Lehre vom Tao, diesem abstrakten, umfassenden Prinzip,
keine Götter kennen. In seiner populären Form hat der Taoismus tausende. Dieser
Götterkosmos ist religionsgeschichtlich ein Überbleibsel aus archaischen Zeiten.
Der Taoismus hat die ehemaligen Naturgottheiten als praktische Nothelfer in sein
System der Universalharmonie eingebaut. So hilft im goldstrotzenden Long Shun
Tempel, dem Hauptheiligtum von Teipeh, ein bärtiger Gott gezielt zu einem
Ehepartner. Weil das nicht immer einfach ist, ziert seine Stirn eine große
Beule, als Zeichen hervorstechender Weisheit. In einer anderen Nische betet man
zum Gott für Erfolg im Examen, vergisst aber nicht, gleich um die Ecke auf einem
Altar ohne Götterfigur ein Räucherstäbchen anzuzünden. Damit hält man den bösen
Stern, dem hier geopfert wird, davon ab, Unheil anzurichten.
Sogar den drei taoistischen Grundbegriffen Geist, Energie und Lebensessenz hat
die Volksreligion ein Gesicht gegeben. Sie werden als die »Drei Reinen«
dargestellt, drei Gottheiten, von denen Laotse selbst eine ist. Die Statuen der
Drei Reinen sind praktisch in jedem Haus in Taiwan zu finden. Dort symbolisieren
sie aber für die meisten Menschen handfestere Begriffe als Essenz, Geist und
Energie, nämlich »fu«, »lu« und »shou«: Reichtum, Rang und langes Leben – nicht
gerade Ideale, die Laotse predigte.
Es ist erstaunlich, wie unsentimental und fugenlos chinesische Nüchternheit und
Religiosität zusammenpassen. Da gehen bei Begräbnissen prächtige Häuser, Autos,
Fernsehapparate aus buntem Glanzpapier in Flammen auf – den lieben Verwandten
soll es ja auch drüben an nichts mangeln. Doch dann werden die Leichen im
Zentral-Krematorium im 5-Minuten-Takt verbrannt. Die Angehörigen stehen geduldig
um die Asche an, die Krematoriums-Angestellte routiniert in Plastikurnen füllen.
Falls beim Verbrennen größere Knochenreste übrigblieben, werden sie vor den
Augen der Trauernden in einem Mörser zerstoßen. Im Zentralfriedhof von Kaohsiung
bewahrt man diese Urnen dann in einer Art Boxen-Wand auf, die am ehesten an die
endlosen Schließfachreihen auf einem Hauptbahnhof erinnern. Wer trauert, öffnet
sein Schließfach und lässt angesichts der Urne echte Tränen fließen.
Natürlich
zerreißt das Sterben eines Kindes auch chinesischen Eltern das Herz. Doch der
Tod ist ist für sie ein Teil des Lebens. Chinesen akzeptieren Schicksalsschläge
als eine unabänderliche Komponente im immerwährenden Spiel der Gegensätze, aus
denen der Kosmos besteht: gut und böse, hell und dunkel, stark und schwach, warm
und kalt. Wachsen und vergehen, befehlen und gehorchen. Sterben und geboren
werden. Ruhe und Bewegung. Frau und Mann. Yin und Yang heißen die beiden
Urkräfte, die die Welt am Laufen halten. Yin, das weibliche, »negative« Prinzip
und Yang, das männliche, »positive« prallen nicht aufeinander, sie wechseln sich
ab und ergänzen sich in Ewigkeit. »Positiv und negativ sind dabei nicht als
moralische Wertung zu verstehen, sondern eher mit der mathematischen und
physikalischen Vorstellung zu vergleichen«, so der Religionswissenschaftler
Gerhard Staguhn. »Etwa in dem Sinn, dass erst die positiven Atomkerne und die
negativen Elektronen die Atome als Bausteine der Materie ergeben.«

Das Symbol für Yin und Yang ist ein Kreis. In diesem Kreis verschränken sich
eine helle und eine dunkle Hälfte entlang einer geschwungenen Linie. Mitten im
dunklen Teil sitzt ein heller Punkt, mitten im hellen ein dunkler. Nichts steht
fest im Universum, doch nichts herrscht vor, weder das Positive noch das
Negative, und im Keim trägt jedes Ding bereits seinen Gegensatz in sich, ist die
geniale Botschaft des Yin-Yang-Zeichens. Der Glaube an diese Harmonie im Wandel
ist der Kern des »Chinesischen Universismus«. In ihm treffen sich Konfuzianismus
und Taoismus. »Der Mensch ist – vereinfacht gesagt – Konfuzianer im Tun und
Taoist in der Kontemplation« (Hans Küng).
Da Yin und Yang
immer und überall herrschen, kann der Mensch Harmonie scheibchenweise schon im
Hier und Heute erreichen und muss nicht auf die große Erlösung im Jenseits
warten. So haben die praktischen Chinesen die Lehren von den komplementärem
Gegensätzen in der Medizin eingebracht. Sie definiert Krankheiten als das
gestörte Gleichgewicht zwischen Yin und Yang und beruht stark auf den
wechselnden Energieströmen im Körper, auf dem Zusammenspiel von Mikro- und
Makrokosmos und der positiven Spannung zwischen Leib und Seele.
Die Chinesen
nutzen Yin und Yang in der Architektur und Landschaftsgestaltung, um kosmische
Harmonie in ihre Häuser und ihre Umwelt zu bringen. Die Lehre von Feng Shui,
benannt nach »feng«, Wind, und »shui«, Wasser, kombiniert das Harte und das
Weiche, das Nasse und das Trockene auf angeblich optimale Weise. So gilt eine
Landschaft, in der sanfte Hügel (yang) einen murmelnden Fluß (yin) überschauen,
geradezu als ideal – was allerdings auch für westliche Ästhetik nicht sonderlich
überraschend ist. Jeder Tempelstandort in Taiwan ist Feng-Shui-geprüft.
Die handfeste Seite des östlichen Denkens hat eine Art Feng-ShuiKompass
hervorgebracht. Auf einer kreisrunden Scheibe (links) gruppieren sich tausende von
beschrifteten Feldern konzentrisch um die Kompassnadel. Zeigt sie auf ein rotes
Feld, ist das im Grundsatz gut. Schwarze Felder sind bedenklich. Die so
gewonnene Grundaussage über das Harmonie-Potenzial eines Gebäudes muß nun vom
Feng-Shui-Meister anhand der zahllosen Zusatzinformationen auf der Scheibe
interpretiert werden.
Das Ergebnis komplizierter Erwägungen ist oft verblüffend einfach. Chen Yuhang,
ein weithin bekannter FengShui Meister in Mei Nong, nordet zu
Demonstrationszwecken für uns sein Gerät auf ein Haus ein, in dem eine bekannt
zerrüttete Familie wohnt. Kein Wunder, lächelt er wissend nach langer
Konsultation der Scheibe, »schauen Sie sich die Streben an, die unverputzt am
Haus nach unten führen. Sie zerschneiden die Familie wie ein Messer«. Fort die
Streben, Ende des Familienkrachs.
Der schönste Weg, den Hauch der Unendlichkeit zu spüren, sind Malerei und
Kalligraphie. Sie sind keine artistischen Fertigkeiten. Die Bewegung des
Tuschpinsels auf dem Papier wird als geistige Annäherung an das Tao verstanden,
an die große Harmonie. Nichts könnte den chinesischen Universismus und seine
Welt ohne Grenzen besser symbolisieren als die Legende von einem der großen
Meister des Tuschpinsels. Der Mann vertiefte sich so sehr in sein Werk, dass er
eines Tages in das Bild hineinging und für immer zwischen den von ihm gemalten
Hügeln verschwand.
Noch
ein Hinweis aus der jüngeren Vergangenheit: Die Kommunisten ließen Klöster schließen und Tempel schleifen. Die religiösen
Gefühle jedoch konnten sie dem Volk nicht austreiben. Aber mit der
Machtergreifung der Kommunisten, 1949, schien das Schicksal der alten
chinesischen Weltanschauungen besiegelt. Kampagnen gegen den »reaktionären«
Konfuzianismus, Massenschließungen taoistischer Klöster und Zerstörungen alter
Tempelanlagen legten das religiöse Leben jahrzehntelang lahm. Wirklich beseitigt
wurden die alten Traditionen jedoch nie, zumal es gerade konfuzianische Tugenden
waren, die die Partei den Menschen abverlangte: das Gemeinwohl über das
persönliche Glück zu stellen, sich selbstlos und diszipliniert einer Sache zu
opfern, Autoritäten blind zu vertrauen. Und auch die Vorherrschaft der Älteren
war innerhalb der Kommunistischen Partei garantiert.
Tiefergehende Folgen hatten die Angriffe auf den Buddhismus (vor allem in
Tibet), den Islam (in Sinkiang, dem ehemaligen Turkestan) und auf den Taoismus.
Aus kommunistischer Sicht handelte es sich beim Taoismus um eine wirre Mischung
abergläubischer Vorstellungen. Heute jedoch gehen selbst hohe Kader der Partei
wieder zum Wahrsager. Man greift auf die alten Regeln des Feng-Shui zurück und
vertraut bei Potenzschwierigkeiten auf »Bewährtes« wie Bärengalle oder das Horn
des Nashorns. »Das weiche Wasser besiegt den harten Stein« — die taoistische
Grundweisheit hat sich wieder einmal bewahrheitet.
Jubel für
großen Führer: Auch Mao nutzte die konfuzianische Tugend des Respekts vor dem
Alter.
g) Der Schintoismus
Der Weg der Götter“ (sinojapanisch) ist eine fast nur auf Japan beschränkte
Religion (japanische Bezeichnung ist Kami no michi = »Weg der Kami«), in der die Ahnen und die Natur verehrt werden.

Die Japaner glauben, daß ihr Land von einem Gott (Isanagi) und
einer Göttin (Isanami) gezeugt wurde. Gott Isanagi vertraute der Sonnengöttin
Amaterasu die Herrschaft über den Himmel an und die Macht über die Nacht dem
Mondgott Tsukijomi. Es geht weiter in der Machtverteilung: Zum Herrscher über
das Meer wurde der Sturmgott Susano-o, und der Enkel Ninigi der bereits
vorgestellten Sonnengöttin Amaterasu bekam die Macht über Japan. Dieser Enkel
ist der Ahne der heute noch herrschenden Kaiserdynastie. Der jeweilige Kaiser
ist der Tenno, der „Himmelsherrscher“.
Das „göttliche Organigramm“ sieht also wie
nebenstehend aufgezeigt aus und spricht wohl
für sich selbst.
Das sollte ausreichen zur Beschreibung dieser Religion. Wer mehr
wissen möchte kann nachlesen [5].
f) Das Judentum
Das Judentum ist (wahrscheinlich) die älteste Religion, die heute
noch praktiziert wird, und hat
auch Bezeichnungen wie mosaischer, israëlitischer, hebräischer Glaube.
Die jüdische Tradition erhebt den Anspruch, daß Gott, der
Schöpfer der Welt (Jahwe) das Volk Israël als einziges auserwählt hat, was durch
die Offenbarung des Moses am Berg Horeb - auf der Halbinsel Sinai - begründet und in der „Thora“
(Lehre, Weisung) als das Gesetz Gottes niedergeschrieben ist (5 Bücher Moses in
der Bibel). Dieses wichtige Schriftstück (Schriftenrolle) wird im Thora-Schrein
(der Bundeslade) aufbewahrt und daraus während der Gottesdienste in der Synagoge
(was auf Griechisch „Versammlung“ bedeutet) am Sabbat (dem Ruhetag) vorgelesen.
Da hat Gott 6 Tage wirklich geschuftet, um alles fertig zu
bekommen, die Erde mit allem drum und dran, vor allem den Menschen, als die
„Krone der Schöpfung“, als das Ebenbild Gottes, der kurz vor Feierabend sogar
dann schon mit Frau (der Eva) rumlief. Verständlicherweise brauchte Gott
schließlich einen
Ruhetag, den Sabbat (ruhen, ablassen).
Der Sabbat ist nach jüdischer Festlegung der Samstag der Woche.
Da darf nicht gearbeitet, nach fundamentalistischer Auffassung absolut
nichts, nicht einmal ein Lichtschalter umgelegt werden. An diesem Tag der Ruhe
und der Heiligung (Vervollkommnung des Glaubens) wird an Gottes Werk gedacht, ihm gedankt, Gottesdienst abgehalten,
aus der Thora vorgelesen und aus den Schriften der Propheten.
Im
jüdischen Glauben, von dem ja vieles vom Christentum und dem Islam übernommen
worden ist, ist Ungehorsam des einzelnen gegen die Gesetze Gottes die Ursache
für Natur- und andere Katastrophen als Strafen für deren „Sünde“.
Diese Katastrophen können durch die „Buße“ gemildert oder aufgehoben werden.
Auf dem Foto lamentieren und beten fromme Juden an der Klagemauer
und lesen aus der Schriftenrolle. Die „Klagemauer“ (Kotel auf Hebräisch) befindet
sich im (arabischen) West-Jerusalem,
einem Rest des im Jahre 70 nach der Zeitrechnung zerstörten Herodestempels, wo
seit dieser Zeit „Klage“-Gebete verrichtet werden, um Gott zu bewegen, das Volk
Israël in sein Land zurückkehren zu lassen.
Das Judentum ist (wie
der Islam und das Christentum bis zu den Reformations-bewegungen) eine
Kollektivreligion, wonach das einzelne Volksmitglied einen Beitrag zum
„Erwählungsauftrag“ an das Volk "als Sendung gegenüber der ganzen Welt und zur
Errichtung des Gottesherrschaft" zu leisten hat, jedoch im Judentum anders als
bei den anderen Religionen ohne Bekehrung
der Anders- oder Nichtgläubigen; denn die Religion ist an die
Volkszugehörigkeit gebunden
(nach Karl Marx).
Da gibt es strikte Bräuche und Vorschriften, die Speisen
betreffen und die Sabbatfeiern. Von großer Wichtigkeit ist die Beschneidung
(Abschneiden der Vorhaut des männlichen Gliedes, damit wahrscheinlich das Onanieren, die „Sebstbefleckung“
erschwert wird, auch vom Islam übernommen – inzwischen auch den USA – aus
hygienischen Gründen, sagt man dort allerdings).
Kommentar: Es ist doch sicher sehr
aufschlußreich, daß ein so kluger Kopf, wie dieser „nichtreligiöse“ Karl Marx,
als Jude in seinem Glauben seiner Mutter behaftet geblieben ist. (Im Judentum
ist es die Mutter, die den Glauben an die Kinder weitergibt. Der Vater mag
glauben, was er will.) Marxens soziales
(kommunistisches) Denkgebäude basierte ja auch auf einer „Kollektivreligion“. Da
wird ja auch immer nur von Massenbewegung gesprochen und vom Aufgehen des
Einzelnen in der Masse. (Auch für die deutschen Nationalsozialisten des
katholisch erzogenen Adolf Hitlers zählte der Einzelmensch nichts, der sich für
„Führer, Volk und Vaterland" zu opfern hatte.)
Zu erwähnen ist, daß gerade Menschen aus jüdischer Abstammung zahlenmäßig
unglaublich viele Leistungen auf allen menschlichen Betätigungs-Gebieten
geleistet haben: Kunst (Literatur, Musik, etc.), Philosophie, Wissenschaft (von
Medizin bis Physik) usw. Nur besondere sportliche Leistungen sind mir nicht
bekannt. War vielleicht das Bestehen ihres Überlebenskampfes und sehr
wahrscheinlich die besondere schulische Ausbildung (der wahrscheinlich anderen
Schulsystemen überlegenen, aber neidisch abfällig genannten „Judenschulen")
prägend? Juden als „Christusmörder" und als „Heimatlose" wurden verfolgt, so wie
jede Minderheit. In meiner Kinderzeit würde immer abfällig über Juden
gesprochen, selbst nach dem 2. Weltkrieg noch in der christlichreligiös
wiederbelebten »Leidkultur« (statt
Leitkultur). Belassen wir es
den unzähligen Veröffentlichungen mehr dazu zu sagen, z.B. vom Vorurteil bis zur
Vernichtung. [6]
>Hier< mehr über Thora und Talmud
h) Andere Religionen
Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl von Religionen, die nicht
alle betrachtet werden können; denn das würde den Rahmen dieses Buches
sprengen. Daher sei auf vorhandene Literatur verwiesen. Leider kenne ich nur ein
Übersichtswerk, jedoch in englischer Sprache[7], alle anderen
sind spezialisiert oder bringen nur die sogenannten Weltreligionen.
Aber betrachten wir doch einmal eine neue, ziemlich verrückt
klingende Religion, den "Cargo-Kult",
>hier< ein wenig vorgestellt.
Ziemlich wichtig finde ich, ein paar Sätze über
afrikanische
Religionen zu sagen, die sehr gerne als „nur primitiv“ angesehen werden, die
sich aber - meiner Ansicht nach - durchaus als gleichwertig mit den so
genannten Großen messen lassen.
Auf dem Bild: Ein unheimlich wirkender religiöser Umzug
Ein in Kenia arbeitender
englischer Lehrer sagte mir einmal, daß die "hinterweltlerischen, primitiven
Afrikaner" heute immer noch an Geister glauben würden.
Als ich ihm dann,
ironisch gemeint, erwiderte, daß „ihr Engländer ja auch noch eure
Schloßgeister habt“, gab er zu meiner großen Verblüffung zu:
„Ja, die gibt es ja nun wirklich. Dafür gibt es Beweise.“ Ich hielt es nicht für
sinnvoll, dieses Thema weiter auszudiskutieren.
Die vielen, traditionellen Religionen in Schwarzafrika haben
einige verblüffende und durchaus anerkennenswerte Gemeinsamkeiten:
- Sie sind monotheistisch, es wird also nur eine ewige
Gottheit angenommen (z.B. bei den Bantus „Zambé“ genannt).
- Das Leben verläuft in einem ewigen Kreislauf: Mit der Geburt
beginnt der Tod. Das „Verschwinden“ des Menschen ist die Rückkehr in den „Leib“
Gottes. So, wie die Natur in ihren Jahreszeiten sich erneuert, ist bei den
Menschen auch ein „Kommen und Gehen“: der Generationen, dann Absterben und
Wiederaufleben.
- Es gibt drei Klassen menschlichen Seins: Die Vorfahren, die
(zur Zeit) Lebenden und die Kinder, die geboren werden.
- Der Mensch ist nicht der Herr der Natur, die weitgehend von
„unsichtbaren Lebewesen“ beherrscht wird, welche den Menschen helfen, sofern
diese ihnen gegenüber Achtung und Respekt erweisen. Der Mensch muß ihnen
Geschenke und Opfer darbringen. Man kann aber nie sicher sein, ob diese dann
auch von den „Unsichtbaren“ als annehmbar gesehen werden.
- Es gibt eine Weltordnung, in der der Mensch seinen Platz hat.
Er soll nicht versuchen, den ihm gegebenen Platz zu verlassen, weder indem er
sich anderen Menschen gegenüber für überlegen und übergeordnet hält, noch indem
er sich wie ein Tier (eine „Bestie“) verhält, z.B. durch sexuelle,
widernatürliche Ausschweifungen. Die Vorfahren und die „Unsichtbaren“ sind zu
achten (zu respektieren).
- Es gibt zwar keine Priester aber „Spezialisten“ für das
Organisieren von kultischen Handlungen und Opferzeremonien, z.B. um eine
fruchtbare Ernte zu bekommen, insbesondere die „Mächte der Nacht“ zu
besänftigen, die danach streben, vorzeitigen Tod, Unfälle, Krankheiten und
sonstiges Ungemach des Lebens zu verursachen.
Heute spielen die ursprünglichen afrikanischen Religionen keine
bedeutende Rolle mehr; denn die Völker Afrikas sind ja missioniert worden durch
die Christen und in den Küstenregionen vorwiegend durch die Araber, also dem
islamischen Glauben unterworfen.
Kommentar: Auch die afrikanischen
Religionen haben mit allen anderen gemeinsam, daß der Mensch „unsichtbaren
Kräften“, einer Gottheit, einer vorgegebenen Weltordnung willkürlich, zumindest
für ihn undurchschaubaren Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert ist. Das Ergebnis ist:
Der religiöse Mensch meint, er könne nichts machen und müsse sich in die
Gegebenheiten, also sein Schicksal fügen. (Das scheint wohl immer die Absicht
der „Religionsstifter“ gewesen zu sein: Die Menschen an Eigenständigkeit zu
hindern und Eigenverantwortung zu unterdrücken. Und es kann geschlossen werden,
daß (unter anderem) diese Schicksalsgläubigkeit keine Erfindungen
nennenswerter Art notwendig werden ließ und keine Weiterentwicklung.
Da es jedoch nicht die afrikanische Religion gibt, führt es zu weit, jede
einzelne Denkweise über Kulturen, Traditionen usw. zu sprechen
[8].
i) Weltanschauungen
Es gibt so viele Weltanschauungen wie es Menschen gibt; denn
jeder hat seine eigene. Und das macht ja das Zusammensein mit Mitmenschen mehr
oder weniger interessant, daß wir nämlich diskutieren und uns auseinandersetzen
können.
Eine Weltanschauung ist die Gesamtauffassung von der Welt, die
eigene Lebensphilosophie, die das eigene, individuelle Handeln schließlich
bestimmt. Natürlich gibt es auch allgemeine Weltanschauungen, die durch
Ideologien und Traditionen bestimmt sind.
In anderen Sprachen (dem Französischen, Englischen) gibt es keine
genaue Übersetzung von dem weitumfassenden Begriff der „Weltanschauung“. Da wird
von „Lebensphilosophie“, „Ideologie“, „Anschauung“, „Auffassung von der Welt“,
„Glaubensbekenntnis“ usw. gesprochen.
Doch möchte ich unter diesen Abschnitt vor allem den
Sozialismus/Kommunismus betrachten; denn er verkörpert eine typische
Weltanschauung. Der folgende (authentische = echte, wahre) Bericht:
Da wurde 1941 der Schriftsteller Wolfgang Hilbig „in einem
sächsischen Provinznest, namens Meuselwitz geboren, wuchs dort als Kriegswaise
im völlig amusischen Bergarbeiterhaushalt seines Großvaters auf, wurde selbst
Dreher, arbeitete später in verschiedenen anderen Arbeiterberufen, lebte bis
1985 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Bei seiner
eigentlichen Liebe, dem Schreiben, wurde er in jeder Weise behindert. Als er
seiner Verkäuferin-Mutter als Jugendlicher berichtete, er wolle Schriftsteller
werden, fürchtete sie doch vor allem, er werde Familieninterna der
Öffentlichkeit preisgeben. Unter seinen Arbeiterkollegen galt er natürlich als
komischer Kauz, sintemalen er nicht den in der DDR ja durchaus geförderten Weg
eines sogenannten Arbeiterschriftstellers einschlug. Er schrieb von Anbeginn an
höchst artifiziell und reflektiert, pauschal beurteilt etwa auf einer Position
zwischen Kafka und Thomas Mann. Da der (sozialistische Arbeiter- und
Bauern-)Staat natürlich nur solche Leute förderte, die in meist grauslichem Stil
das Loblied des realen Sozialismus sangen, hatte Hilbig von dort nichts zu
erwarten. Im Gegenteil: als er wegen Aufsässigkeit aus seinem Betrieb
geschmissen wurde, sich aber nicht gleich einen neuen Job suchte, sondern mit
seinen Ersparnissen sich zum Schreiben zurückzog, wurde er zu einer Art
Arbeitsbeaufsichtigungsbehörde bestellt. Dort wurde er von einer Frau à la
Ex-Bildungsministerin Margot Honecker gefragt, warum er sich keine neue Arbeit
suche. Er erzählte von seiner schriftstellerischen Arbeit. Die Frau reagierte
mit einer Mischung aus Spott und Empörung. „Ach“, sagte sie, „was wollen sie
denn schreiben?... Sie haben doch nicht einmal das Abitur gemacht... Sie haben
noch nicht einmal die zehnte Klasse geschafft.“ (Hilbig ist von der Schule
geflogen, weil man einen sogenannten pornografischen Text bei ihm fand.) „Aber
wir haben Ihnen die Chance gegeben, einen sehr ordentlichen Beruf zu erlernen...
Ihre Dankbarkeit, dem Staat und der Gesellschaft gegenüber, läßt sehr zu
wünschen übrig, um nicht zu sagen, sie nimmt kriminelle Ausmaße an. Sie wollen
Künstler sein... und scheuen doch davor zurück, einen Blick in's wahre Leben zu
werfen. Ich kann Ihnen da einen sehr guten Vorschlag machen... in der Abteilung
der Stadtreinigung in M. ... bei der Müllabfuhr... werden andauernd Leute
gesucht ... Sie müssen sich dort unbedingt so schnell wie möglich melden... Ich
werde Sie einstweilen registrieren, damit wir ein Auge auf Sie haben können,
damit Sie uns nicht auf der schiefen Bahn bleiben.“
Obwohl Hilbig zurecht besorgt ist, daß er ansonsten in ein
Arbeitslager eingewiesen wird, geht er nicht zur Müllabfuhr. Aber er treibt sich
auf Müllhalden rum und schreibt über den Müll, über alle möglichen Arten von
Abfall und Schmutz und wie er selbst darin rumwühlt, eine teils
realistisch-poetische, teils surrealistische Prosa, durch die er die
Aufmerksamkeit einiger DDR-Schriftsteller erregte, die ihn förderten. Seine
Arbeit - Titel „Die Weiber“ - wurde dann im Westen veröffentlicht und mit einem
Preis ausgezeichnet.“ (Aus dem Brief an mich vom 9.6.1993, damals noch in Syrien
tätig.)
Dieses kurze Beispiel zeigt, daß in einem der untergegangenen
sozialistischen (kommunistischen) Länder der Freiheitsraum des Einzelnen
erheblich eingeschränkt war. Der Einzelne hatte sich dem Kollektiv, also der
Masse einzuordnen, um ihr „zum Sieg“ über den „Klassenfeind“ (dem Kapitalismus) zu verhelfen.
Vor allem macht das Beispiel deutlich, daß sich die Gedanken des
studierten Rechtsanwaltes Wladimir Iljitsch Uljanow, mit dem Decknamen Lenin,
durchgesetzt hatten. Die ehemalige DDR muß daher als Staat mit der
Staatsreligion Leninismus bezeichnet werden. Also dieser Lenin hatte
gefordert, einen neuen Menschentypus heranzuziehen. (Ziehen und zerren
sind fast gleichbedeutende Begriffe.) Marx und Engels hatten geglaubt, daß
dieser „neue, optimal moralisierte Menschentyp“ sich von alleine „gänzlich
wandeln“ würde, nachdem die Klassen beseitigt und völlig geänderte
(repressionsfreie und humane) Lebensbedingungen herrschten. Also beruhte dieser
...ismus auch wieder auf Annahmen, die von keiner psychologischen Erkenntnis
gestützt werden konnten
Doch schauen wir uns einmal die Definitionen und die Ideen des
kommunistischen Weltbildes an:
Communis meint im Lateinischen „gemeinsam“, „allgemein“. Der
Kommunismus ist streckenweise gleichzusetzen mit Sozialismus, ein
Begriff, der erstmals gegen 1830 aufkam. Die Hauptzielsetzung war:
- Gleichstellung der Menschen in einer „menschlichen“
Gesellschaftsform, in der alle
- in einer Gütergemeinschaft mit gemeinsamer Lebensführung, frei
von Beherrschtwerden durch Einzelne oder durch eine Gruppe klassenlos leben
sollten.
Daraus ergab sich als Konsequenz: Die Abschaffung des
Privateigentums an den Produktionsmitteln.
Es gab gleich einige Fraktionen (Gruppenbildungen), die
Anarchisten*, die bestehende Gesellschaftsordnung, also Staat und Eigentum
als wirtschaftliches Machtmittel beseitigen woll(t)en (Michael A. Bakunin und
Pierre J. Proudon).
* die jede Herrschaft von Menschen über Menschen, jede
gesetzliche Zwangsordnung, besonders den Staat, ablehnten.[9]
Die utopischen und politischen Kommunisten wollten nicht
nur die Produktionsmittel in Gemeineigentum überführen, sondern auch die
Verbrauchsgüter dem Privatbesitz entziehen. Der französische Schriftsteller und
ursprüngliche Rechtsanwalt Etienne Cabet, der 1856 in Alter von 68 starb, hatte
vergeblich versucht, diese Idee praktisch vorzuleben. Natürlich mußte er
scheitern; denn es läßt sich nun mal keine Insel schaffen, wie Dr. Julius
Nyerere (1964 bis 1985 Staatspräsident von Tanzania) einmal selbstkritisch
zugegeben hat. Cabet wurde bekannt durch den Roman: „Reise nach Ikarien“, der
1842 erschienen war und in einem kommunistisch, utopischen Umfeld spielt.
Die radikalen Sozialreformer wollten auch die gesamte
Gesellschaft umformen, z.B. das Geld abschaffen und durch eine Tauschbank
ersetzen (Robert Owen, Charles Fourier, Louis Blanc, Henri de Saint
Simon usw.). Sie glaubten, daß die Ziele so einleuchtend seien und daher keine
große Gewalt zur Erreichung erforderlich sei.
Wir kommen nicht umhin, uns mit dem wissenschaftlichen
Sozialismus, dem Marxismus zu beschäftigen.
Diese Ideologie wurde gegründet von Karl Marx (1818 in Trier
geboren) und von Friederich Engels, zwei Jahre später in (Wuppertal-)Barmen zur
Welt gekommen.
Als Ergebnis ihrer geschichtlichen und gesellschaftlichen Analyse
entwickelten sie den historischen Materialismus* und kamen zu dem Schluß,
daß im Klassenkampf zwischen der Arbeiterschaft (dem Proletariat) und
dem Bürgertum (der Bourgeoisie) die Arbeiterschaft folgerichtig als Sieger
hervortreten würde. Damit werde die Klassengesellschaft beseitigt, die durch
Ausbeutung und Entfremdung gekennzeichnete bürgerliche, kapitalistische
Gesellschaft aufgehoben und eine allmähliche menschliche Selbstverwirklichung
möglich. Zur Entfremdung hat Marx richtig erkannt: „Der Arbeiter fühlt sich
erst außerhalb der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich.“
* der im Gegensatz zum Idealismus die
Materie als die eigentliche Realität und das alle anderen Phänomene Bestimmende
ansah
Für
Marx ist Arbeit nur Mittel, um Bedürfnisse zu befriedigen. Da bleibt nur der
Wunsch „zu haben“ und die produzierte Ware bekommt einen Fetischcharakter, wird
zu einer magischen Kraft.
Karikatur aus „Der Spiegel“
16. September 1991, S. 175
- Marx sah 2 Phasen zur Erreichung des Endzieles:
- eine „niedere“ kommunistische Gesellschaftsform, in der noch
das Leistungsprinzip und folglich die Güter immer noch ungleich verteilt
wären und
- die „höheren“ Gesellschaftsform, wo nur noch das
Bedürfnisprinzip gelten werde.
In dieser „Endphase“ ist der Staat überflüssig. Er „stirbt ab“.
Körperliche und geistige Arbeit sind gleichwertig. Geld und Lohn gehören der
Vergangenheit an. Die bürgerliche Ehe ist hinfällig, was der Frau eine
uneingeschränkte Gleichstellung gibt. Nationale Schranken gibt es auch nicht
mehr. Sich für die Gesellschaft nützlich machen, ist (aus innerer Einsicht) das
oberste Interesse des Einzelindividuums. Über Bedarfsgegenstände kann frei
verfügt werden. Kontrolle ist nicht nötig; denn es herrscht kein Mangel.
„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.“
Der Himmel ist auf Erden verwirklicht.
Nun wurde in den inzwischen untergegangen, als
marxistisch-leninistisch zu bezeichnenden Ländern die erste Phase als
Sozialismus und die zweite, die letztlich zu erreichende, als Kommunismus
bezeichnet. (Marx hat aber keinen Unterschied diesbezüglich definiert.) Dazu ist
es aber nicht mehr gekommen. Die Heranziehung (gemeint ist "Aufzucht") des „neuen Menschen“ ist nicht
gelungen, und die „Selbsterziehung“, an die Marx geglaubt hatte, hat sich auch
nicht vollzogen.
Während der Marxismus immer den revolutionären Charakter der
Gesellschaftsveränderung in den Vordergrund gestellt hat, versuchten die
Sozialdemokraten die Gesellschaftswandlung durch permanente Reformen zu
erreichen.
Kommentar: Wie bei allen Religionen
und anderen Ideologien sind auch die eigentlich „guten Ansätze“ der
kommunistisch-sozialistischen Ideologie durch die Machtansprüche von
Einzelindividuen pervertiert worden.
Während Marx an die Selbstbefreiung der Arbeiter geglaubt hatte,
forderte Lenin: „Das Klassenbewußtsein kann in den Arbeiter nur von außen
hineingetragen werden...“ Damit sah er den Arbeiter als unmündig an und legte
die Grundlage zu den leninistischen Terrorregimen, die von Stalin perfektioniert
wurden.
Maxim Gorki (russisch »der Bittere«, Mitte 1938 in Moskau 68
Jahre alt gestorben) hat einmal gesagt, daß Lenin ein kaltblütiger Gaukler
sei, der sich weder um die Ehre noch um das Leben der Arbeiter kümmere, und
Lenin selbst hat kurz vor seinem Tode 1924 gestanden: „... Ich habe mich vor den
Arbeitern Rußlands sehr schuldig gemacht.“
Karikatur: „Der Spiegel“ 23. Sept. 1992, S. 177
Leider ist der Text nach dieser Verkleinerung nicht mehr zu
lesen.
Auf dem Grabstein steht: "Hier schaufelt der Kommunismus dem
Kapitalismus das Grab" und der Kapitalist ruft: "Hallo
Totengräber, ist was?"
Während im Zeitraum von 1880 bis 1890 in Rußland 17 Personen
hingerichtet wurden, schaffte Josef Wissarionowich Stalin, nach der Ermordung
Kirows an die Macht gekommen, das Millionenfache. Seine Massenmordquote kommt
in die Nähe er von Hitler (mit um die 6 Millionen, allerdings „nur“ in den
nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Ungezählt sind die Toten in den
Zwangsarbeitslagern).
Da sei erwähnt, wie rigoros dieser Stalin mit Gesetzen gegen die
Arbeiter vorging: „Wer bei einer wiederholten 21-minütigen Verspätung
angetroffen wird, kommt in Haft“.
Nun ist ein Scherbenhaufen, völlig zerstörtes, verstörtes und
gestörtes Zweitländerchaos (1990: West- und Ostdeutschland)übriggeblieben, wie Lenin bereits alternativ
gefordert hat: „Entweder untergehen oder die fortgeschrittenen Länder auch
ökonomisch einzuholen und zu überholen.“
Stalin hat offensichtlich während seiner Diktatur von 1927 bis
1953, als er im Alter von 74 starb, die Zweitländer (die Länder, die nicht
direkt zur Sowjetunion gehörten, z.B. Ungarn, Polen) und den Kommunismus
vollkommen zugrunde gerichtet.
Übrigens ist Lenins Tätigkeit zum Aufbau der Sowjetunion vom
deutschen Kaiser Wilhelm II finanziert worden, um die damalige Ostfront im 1.
Weltkrieg los zu werden.
Da auch der Kapitalismus als eine
Gesellschafts-Ideologie - also als eine Weltanschauung - angesehen werden muß,
sollte diesem Begriff auch eine kurze Betrachtung gewidmet werden.
Der wirtschaftliche Aspekt soll hier ausgeklammert werden.
Im Kapitalismus ist die menschliche Gesellschaft in Klassen
unterteilt:
- Die Besitzer an Produktionsmitteln, also die Kapitaleigner, die
Kapitalisten, die „Arbeitgeber“ und
- die breite Masse der Arbeiter, der „Arbeitnehmer“.
Inzwischen gibt es fließende Übergänge: In Großbetrieben,
z.B. Aktiengesellschaften, sind die Kapitaleigner nicht mehr identisch mit den
„Arbeitgebern“, also denjenigen, die mit der Betriebsleitung und der
Interessenvertretung der Firmenpolitik beauftragt sind. Sie sind in der Regel
selbst Angestellte, wenn auch außergewöhnlich gut bezahlt (etwa 10 bis 100 mal
höher als ein durchschnittlicher „Arbeitnehmer“). Sie unterliegen dem
(ungeschriebenen) „ideologischen“ Druck, das (ihr) „Wirtschaftsimperium“
erfolgreich, möglichst expansiv zu führen ist, so wie die Mitverantwortlichen in
einem imperialistischen Staatsgebilde, das auch auf Machtausdehnung
aus ist.
Diese Spitzenfunktionäre der kapitalistischen Unternehmen
begeben sich in Machtkämpfe untereinander, d.h. im eigenen Unternehmen, und sie
tragen Machtkämpfe mit der Konkurrenz (der Mitbewerber um Marktanteile) aus.
Dabei ist ihnen oft jedes Mittel recht: Abwerbung von „guten“ Leuten,
Preisunterbietung (Dumping-Preise), Aufkauf von Anteilen der Konkurrenzfirmen,
Werksspionage, Druck auf Zulieferer, Anwerbung von billigen Arbeitskräften
(neben dem Produktionskapital das Produktionsmittel). Die Funktionäre streben
danach, das Produktionskapital zu erhöhen und die Produktionsmittel
(Arbeitskraft) so billig wie möglich „einzukaufen“, also die Löhne niedrig zu
halten bei möglichst hoher Arbeitszeit. Die Arbeitsverteilung und -durchführung
erfolgt diktatorisch durch Betriebsordnungen, Arbeitsplatzbeschreibungen,
Verantwortungshierarchien (Über-, Unterordnung), Geheimhaltungsverpflichtung
und was sonst noch alles.
Das kapitalistische Unternehmen ist ein Staat im Staate.
Psychologisch gesehen, funktionieren die Funktionäre bestens im
Interesse „ihres“ Unternehmen, mit dem sie sich identifizieren. Sie dürfen und
können oft den gesamtgesellschaftlichen Komplex nicht sehen, als da sind:
- Auswirkung von Niedriglöhnen auf die Kaufkraft und damit die
gesamtwirtschaftliche Lage,
- Erhöhung der Arbeitszeit und damit Freisetzung von
Arbeitskräften mit dem Ergebnis der Gesamtkaufkraftsminderung,
- Unbefriedigtsein der „Arbeitnehmer“ durch die „Diktatur“ am
Arbeitsplatz und damit verminderte Motivation, außerdem: Hervorrufen von
psychischen und physischen Schäden. (Die Ausfälle durch Krankheit nimmt bei den
niedrigsten Arbeitsstellen nachweislich zu.)
Die Arbeiter können sogar Anteile (Aktien) am eigenen oder an
einem Fremdunternehmen erwerben und werden damit selbst zum Kapitalisten.
Der Kapitalismus ist wie eine Jagd zu sehen: Wer erlegt die
meisten Tiere, oder wie ein sportliches Ereignis: Wer wird Sieger.
(Wahrscheinlich gibt es noch einen instinktiven Jagdtrieb bei den meisten
Menschen.)
Dadurch daß der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware dem
Kapitalisten zur Verfügung stellt, wofür er jedoch nur einen Teil des Reallohnes
erhält, schafft er einen Mehrwert (nach Marx), den Profit. Dieser Profit
ist die einzige Motivation des Kapitalisten zu seinen Aktivitäten. (Kaum ein
Kapitalist unterhält eine Firma nur aus „Spaß an der Freud“, wie die Kölner
sagen.)
Der Kapitalismus kann als Nachfolgeideologie des Feudalismus
(la féodalité) gesehen werden, in dem adelige Grundbesitzer eine
uneingeschränkte Herrschaft über die ihnen untergebenen Menschen ausübten. Der
Feudalismus war teilweise eine Sklavenhaltergesellschaft: Der „Untertan“
konnte sich nicht ohne Erlaubnis seines Herrn von seinem Wohnort entfernen. Er
hatte unbedingt gehorsam zu sein und Anweisungen ohne Murren auszuführen.
Parallelen zum Kapitalismus können durchaus gesehen werden:
- Eigenmächtiges Fernbleiben von der Arbeit oder Verspätung,
- schleppende Aufgabenerledigung (trotz „Abmahnung“) und
- Verweigerung einer Arbeit
führen zur fristlosen Entlassung (abgesichert durch das
Arbeitsrecht).
Der Arbeiter hat keinen (oder kaum einen) Einfluß auf die
Arbeitsplatzgestaltung, auf die Auswahl seiner Kollegen, auf die
Arbeitszeitfestlegung (Beginn und Ende der Arbeitszeit), auf die Art der Arbeit,
die er gerne durchführen möchte, und auf die Weise der Durchführung, kein
Informationsrecht über die Firmenpolitik, über Kostenkalkulation. Er hat sich
den „diktatorischen“ Anweisungen seines Vorgesetzten (fast) bedingungslos zu
fügen.
Mitbestimmungsideen haben sich (noch) nicht durchsetzen können
(obwohl da vieles auf dem Papier steht, z.B. in den Montanunionsgesetzen, also
der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl).
Diese Freiheitseinschränkung pflanzt sich nahezu bis zum
Vorstandsvorsitzenden einer Aktiengesellschaft fort, der sich den Weisungen des
Aufsichtsrates zu fügen hat.
Dennoch wird heute der Kapitalismus als die „beste“, die best
funktionierende Gesellschaftsform gesehen.
Kommentar: Wir sind also noch
meilenweit entfernt von einer menschlich zu sehenden Gesellschaft.
Während der Kapitalismus wahrscheinlich dem menschlichen
Grundcharakter am angepaßtesten zu sein scheint (nach Hobbes: Der Mensch ist des
Menschen Wolf), kann dennoch angenommen werden, daß auch ihm irgendwann ein Ende
bevorsteht, daß er zumindest nicht weiter wild weiter wuchern kann (freie
Marktwirtschaft mit mehr oder weniger stetigem Wirtschaftswachstum).
Diesen Schluß ziehe ich daraus, daß alle Ideologien zeitlich
begrenzt auf fruchtbaren Boden fallen und dann austrocknen.
Der Kapitalismus wird sicherlich früher oder später dahingehend
reformiert, daß den, gegen Entgelt tätigen Menschen endlich die notwendige
Mündigkeit zuerkannt wird, was natürlich nicht ohne Machtkämpfe gehen wird.
Im Übrigen haben sich doch einige Dinge (Ende 2007) gegenüber dem
vorher um Ende 1993 Geschriebenen geändert: Die Konkurrenzsituation ist durch
mächtige Wirtschaftsverbände (die Formen von Mafia-Strukturen ähnlich sind) kaum
noch zu spüren. Der Wirtschaftsverband kauft für seine Unternehmen zentral ein.
Die Produktpalette wird abgestimmt. Preise werden festgelegt. Waren ähneln sich.
Es gibt kein Serien-Auto mit Lenkradschaltung. Es gibt keine Fernsehgeräte mehr
im Format Länge zu Höhe von 4 zu 3 - zumindest nicht ab einem
Bildschirmdurchmesser von 82 cm - sondern nur noch 16 zu 9. Die Gehälter
der Spitzenmanager liegen um das tausendfache über dem eines Arbeiters.
Grundsätzliches: Für die vorher als Weltanschauungen bezeichneten Systeme hat
sich inzwischen die Bezeichnung "politische Religion" durchgesetzt (>hier<).
j) Nicht Religiöse (nachgetragen 2011)
Nach Schätzungen des World Factbook der CIA („Weltfaktenbuch“ bzw.
„Referenzhandbuch der Länderdaten der Central Intelligence Agency, dem Zentralen
Nachrichtendienst der USA)
vom
8. März 2010 gibt es weltweit: 2,32 % Atheisten
(Gottesleugner) und 11,77 % Nichtreligiöse (überhaupt „Ungläubige“,
„Heiden“, „Freidenker“, „Freigeister“,
die an garnichts glauben oder auch durchaus fromme „Sozialisten“
bzw. „Marxisten“, nach durchschnittlicher US-amerikanischer Denkweise
vollkommen „teuflisch“?).
Ob die Daten auf Umfragen oder bloße Schätzungen
beruhen, ist nicht bekannt, auch nicht, ob eine (in islamischen Ländern
ausgeschlossene) Nichtmitgliedschaft in (allen) Religionsgemeinschaften erfasst wurde
und auch nicht, ob nach der ausdrücklichen Selbstbezeichnung als „Atheist“ und/oder
„nichtgläubig“ gefragt wurde. Dennoch erscheinen die Zahlen - weltweit gesehen -
recht hoch; denn in Ländern mit Staatsreligion (der christlichen: Andorra ·
Argentinien [de facto] · Costa Rica · Dominikanische Republik · El Salvador ·
Haiti usw.; islamische Staatsreligion: inzwischen unzählige von Libyen bis
West-Papua-Neuguinea - z.Zt. [2012] zwar noch christlich [zum australischen
Kontinent gehörend], aber seit 1963 Teil des indonesischen Staatsterritoriums)
kann diese Frage nicht
beantwortet werden. Eine „positive“ Beantwortung könnte in vielen dieser Länder tödlich sein.
Leider ist
nicht klar, ob in den oben genannten 11,77 % der Nichtreligiösen, die Atheisten eingeschlossen
sind oder gesondert (als 2,32%) zu sehen sind (warum denn dann?). (Fast 12% wären immerhin über 100 Millionen Erwachsene -
d.h. mehr nichtreligiöse Menschen als
in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt leben.)
Nichtgläubigkeit und Religionslosigkeit breiteten sich insbesondere unter den
sogenannten gut ausgebildeten Menschen in der europäischen Neuzeit aus, nachdem
es zu einer immer größeren Autonomie (Eigenständigkeit mit
Selbstbestimmungsrecht) der Lebensgestaltung und Weltanschauung gegenüber den
früheren Bindungen an die Religion (der offiziellen Kirchen) und deren
„Sinnangeboten“ mit teilweise überholten sittlich-moralischen Vorgaben gekommen
ist. Eine zunehmende „Entkirchlichung“ der Gesellschaft kann inzwischen in
Europa, nicht in Amerika, insbesondere den USA, ganz langsam verzeichnet werden.
Früheste Formen der Nichtgottgläubigkeit gab es bereits um 600 Jahre vor der
Zeitrechnung bei sogenannten Vor-Sokratikern (Philosophen vor Sokrates)
beispielsweise von Demokrit und Kritias, welche die Götter als menschliche
Erfindung ansahen als ein Schreckmittel zur Erhaltung der moralischen Ordnung.
In etwa zur gleichen Zeit kamen alte indische Religionen, wie der Dschainismus
(der Anhänger des Dschina = Sieger), der Samkhya
(= Aufzählung)
und der
ursprünglichen Buddhismus ohne göttliche Wesen aus. Immer blieb die
Gottlosigkeit im Allgemeinen jedoch Sache intellektueller Einzelgänger, da
beispielsweise in der Antike noch ein naturreligiöses Lebensgefühl vorherrschte
(findet man etwa bei © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG und
weiter). "Im christlichen Mittelalter gab es zwar keinen
ausformulierten Atheismus, seit dem 13.Jahrhundert nahm die Skepsis gegenüber
den kirchlichen Lehren aber zu".
Die Ausgestaltung der Naturwissenschaften, vor allem der Physik, führte zu der
Erkenntnis, dass die Welt ohne Zuhilfenahme eines Gottes als
(nicht erkennbaren und zu verstehenden)
Schöpfungs-Erklärungsgrund begreiflich zu machen sei.
Erwähnt werden muss der doktrinäre (dogmatische, man kann sagen
intolerante) Atheismus angefangen bei einigen französischen Aufklärer (z.B.
Voltaire) bis zu den deutschen Materialisten des 19.Jahrhunderts
(Ludwig Büchner* oder dem Zoologen und Naturphilosophen 1834 bis 1919,
Ernst Haeckel) bis zur Systematisierung des dialektischen
Materialismus
(Marxismus) durch Friederich Engels (>hier<).
* Arzt und Philosoph, lebte von 1824 bis 1899 (Bruder von Georg Büchner),
war ein populärer Vertreter eines radikalen naturwissenschaftlichen
Materialismus. In seinem 1855 erschienenen Hauptwerk: »Kraft und Stoff« erklärt
er, dass es allein Materie gibt und die Seele auf physiologisch beschreibbare
Gehirnfunktionen zu reduzieren ist.
j) Traditionen
Traditio bedeutet im Lateinischen die „Übergabe“,
„Überlieferung“, „Lehre“, also die
Weitergabe von eingefahrenen Anschauungen und Regeln.
Hier sollte eher von Traditionalismus (Festhalten am
Herkömmlichen, Überlieferten) gesprochen werden, um das,
was die Problematik (= Schwierigkeit, aber auch Fragwürdigkeit) um den Begriff „Tradition“ beinhaltet, besser in den Bereich
(Komplex) der Ideologien einordnen zu können. Die Traditionalisten halten sich
am Althergebrachten fest, reagieren mit Wut, wenn einer daran rütteln will.
Also unter einer Tradition wird das Festklammern an Sitten und
Gebräuchen (Brauchtum), an einmal getroffenen Übereinkommen (Konventionen),
Lebenserfahrungen, Machtstrukturen (Institutionen), Gewohnheiten und Normen
(Gesetzte, Verordnungen, Regeln) gesehen. Der in der Tradition Behaftete fühlt
sich nur wohl, wenn sein Umfeld in den gleichen Traditionen eingebettet ist, und
er will seine Vorstellungen an die nächste Generation weitergeben. Damit hängen
Traditionen eng mit Konservatismus (Einstellung und Haltung, die am
Bestehenden, am Hergebrachten festhält) zusammen, welcher das einmal Bestehende
unabänderlich festschreiben und „einmachen“ will in eine Konservendose.
(Einmal eingemachtes Obst ändert sich nicht mehr, bis es verdirbt und
ungenießbar wird.) Es soll
sich möglich nichts ändern (Kontinuität) und alles beim Alten bleiben.
Kommentar: Eigentlich wäre es
garnicht so schlecht, wenn man in eine „vernünftige“ Tradition eingebunden wäre;
denn da weiß man immer, wo man „dran“ ist, kann sein Leben leichter ausrichten.
Man kennt ja die Normen, Konventionen und die Institutionen.
Aber wir müssen neuen Gegebenheiten und veränderten Erkenntnissen
gegenüber offen sein, uns anpassen und wandeln, einsichtig sein, aus gemachten Fehlern lernen
können, sonst verpassen wir den entwicklungstechnisch gegebenen „neuen
Fahrplan“.
Traditionell steuern die Autofahrer auf dem europäischen
Kontinent und in vielen anderen Ländern ihre Fahrzeuge über die rechte
Straßenseite. Aber in Großbritannien und seinen ehemaligen Kolonien wird die
linke Straßenseite benutzt. Im Prinzip ist das ja völlig gleichgültig. Nur muß
man die jeweilige Norm (die Straßenverkehrsordnung) kennen.
Hans lebt in einem Dorf. Es geht ihm gut, hat so etwa alles,
was eine Industriegesellschaft an materiellen Dingen bietet.
In der Kneipe erzählt er einem Saufkumpanen, daß er
beabsichtigt, mit seinem neuen Wagen nach England zu fahren.
„Da mußt du aber vorsichtig sein,“ rät sein Freund und
erklärt: „Die fahren da nämlich auf der anderen Straßenseite.“
Ein paar Tage später trifft Hans seinen Freund zufällig
wieder und sagt: „Also das mit der Fahrt nach England habe ich aufgegeben.“
„Ja, warum denn das?“ will sein Freund wissen.
Hans meint: „Nee, also das ist ja so gefährlich und so
anstrengend. Das kann ich mir nicht antun.“
„Was ist gefährlich in England?“ erkundigt sich sein
Gesprächspartner.
„Ich habe ein paar Tage lang mal probiert, da auf unserer
Umgehungsstraße mich mit meinem Auto ganz links zu halten,“ gesteht Hans und
fährt fort: „Ich mußte manchmal sogar in den Graben fahren, um keinen Unfall zu
bauen. Also wirklich nicht, das schaffe ich nicht, auf der anderen Seite zu
fahren. Damit ist die Idee eines Urlaubs in England für mich gestorben. Die
Engländer sind wohl beklopft, wenn die immer nur falsch fahren.“
Normen sind unerläßlich. Im allgemeinen Recht werden die
Beziehungen zwischen den einzelnen „Rechtsobjekten“ allgemeinverbindlich
geregelt durch Gebote und Verbote.
Die Sozialwissenschaftler sehen unter Normen (>hier<
eine ganze dazu) die Regelmäßigkeiten
eines sozialen Verhaltens beim menschlichen Zusammenleben. Die Normen
fordern ein bestimmtes Verhalten.
Man stelle sich doch mal vor, daß an einem unwahrscheinlich
heißen Tag die trauernde Witwe zur Beerdigung ihres Mannes im zweigeteilten
Badeanzug (Bikini) erscheinen würde und der Pfarrer in einer Badehose.
Würde ein Gerichtsvorsitzender, in dessen Eingeweiden es
fürchterlich zwickt, plötzlich aufstehen, zum Fenster schreiten, dieses öffnen
und einen vernehmlichen Furz ablassen, wäre sicher die weitere Verhandlung
infrage gestellt und seine Autorität dahin. Das kann er doch nicht machen oder?
Er wird es mit Sicherheit auch nicht tun und sich bis zum Ende der Gerichtssitzung
quälen. (Vielleicht beschleunigt er das Verfahren ein bißchen.)
Aber jeder von uns ist doch nicht frei von Anerzogenem und damit
Vorurteilen. Mich versetzt zum Beispiel in Wut, wenn jemand mit offenem Mund auf
einem Gummi kaut wie eine Kuh auf der Weide oder wenn ich jemanden sehe, der sich am kleinen Finger den
Nagel zentimeterlang hat wachsen ließ, ein Symbol in manchen
Entwicklungsländern dafür, daß der Kleinfingerstruwelpeter keine körperliche
Arbeit zu machen hat. Ferner beschleunigt sich mein Puls, wenn dann jemand
dauernd an seiner Gebetskette rumfummelt, mit einem Schlüsselbund klappert,
beim Sitzen nervös mit den Beinen zappelt. Das alles regt mich völlig ohne
jeglichen objektiven
Grund auf. Obwohl also nichts gegen die Kaugummis einzuwenden ist, gegen den Mini-Struwelpeter, gegen die Nervosität eines Mitmenschen, kann ich meinen Ärger
nicht loswerden. Wenn Sie völlig frei von Voreingenommenheiten sind, lassen Sie
es mich wissen.
Schauen wir uns einmal an hand der Grafik ein „klassisches“ Beispiel von Voreingenommenheit an, wie Deutsche über
Ausländer denken, welche Ausländertypen uns beispielsweise am nächsten stehen. (Leider habe ich keine
Ahnung, wie die Fragen im Einzelnen gestellt worden sind, was wichtig wäre für
eine Interpretation.)
Ein
Beispiel zu Voreingenommenheiten: Ein Neffe von mir gab einmal seine Meinung
über Türken kund, die primitiv seien, dazu dreist und vor allem stinken würden.
Als ich ihn fragte, ob er denn Türken persönlich kennengelernt habe, bekam ich
eine ärgerlich Antwort: „Um Gottes Willen, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun
haben!“ Es lebe die übernommene (erlernte) Voreingenommenheit!
Ich erklärte ihm, daß ich während
meiner Arbeit in der Türkei viele Menschen kennengelernt hätte und manche als
gute Freunde bezeichnen könne, daß es keinen Rassenunterschied gäbe, daß es
unangenehme Türken gäbe, so wie sehr unangenehme und bornierte Deutsche (als
kleinen Hieb gegen ihn). Leute aus anderen Ländern und von anderen Rassen seien
weder bessere noch schlechtere Menschen. Natürlich wären sie manchmal anders
erzogen als Deutsche und würden daher auf den ersten Blick unterschiedlich
wirken. Meine Predigt hatte aber nichts bewirkt. Türken sind nun mal Türken,
und dabei bleibt es.
Normen und Konventionen sind für unser tägliches Leben wichtig,
damit wir uns orientieren können, damit wir wissen, woran wir sind.
Sicher haben Sie doch alle schon erlebt, wie unangenehm es ist,
daß in einem anderen Land eventuell das mitgebrachte Radio nicht ohne weiteres
an die Steckdose anzuschließen ist, weil das System anders, die technische
Norm anders sind. Wie angenehm also, wenn die (technische) Norm stimmt.
Kommentar: Wegen des Festklammerns
am Herkömmlichen werden notwendige Reformen nur schleppend oder überhaupt nicht
durchgeführt. Die Probleme stauen sich dann, und es kommt zu einem großen Krach,
einer Revolution, wo alles umgedreht (revolvere), erst einmal auf den Kopf
gestellt wird (und nichts mehr geht). Die Geschichte hat bewiesen, daß
Revolutionen keine kurzfristige und oft keine langfristige Lösung angestauter
Probleme gebracht haben. Im Nachhinein sind dann alle ursprünglich
revolutionären Ideen verwässert worden, oder es kam zu einer Gegenrevolution.
Die revolutionärsten Gedanken sollten daher kanalisiert (in richtige Bahnen
gelenkt) und als schrittweise angepaßte Reformen (verbesserte Neu-, d.h.
Umgestaltung) umgesetzt werden. Ja, da sind aber dann die Traditionalisten
(die Holzköpfe) vor, die sich leider oft tatsächlich nur mit Gewalt beseitigen lassen.
Natürlich braucht jeder Mensch eine gewisse Tradition als
Orientierungshilfe, als Richtlinie seines Handelns mit uns bekannten Normen,
die uns das Leben erleichtern, weil wir nur so wissen, wie wir uns in
bestimmten Situation zu verhalten haben, was wir sagen dürfen und was, wann
nicht und wann doch.
Oft stehen aber die Traditionen, die Konventionen, die
Verhaltensnormen in einem krassen Widerspruch zu dem, was das Einzelindividuum
tatsächlich gerne möchte. (Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Mädchen, denen
in manchen Gegenden die Klitoris abgeschnitten wird, damit sie wenig Lust beim
Geschlechtsverkehr empfinden, überhaupt wissen, was dieses „Ritual“ tatsächlich
für sie bedeutet; denn viele erwarten den Tag der „Beschneidung“ mit Freude,
weil sie dann zu den Erwachsenen zählen - für mich eine unglaubliche Perversion.)
Es hat lange gedauert, bis wir uns an die hosentragenden Frauen
gewöhnt hatten. Männer in Röcken machen sich aber immer noch lächerlich, werden
entweder als pervers („anders rum“) oder als nicht „normal“ angesehen (abgesehen
von religiösen Pfaffen).
Nun haben aber unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche
Traditionen. Leider gelingt es nur wenigen, diese Unterschiede zu tolerieren (zu
dulden, muß keineswegs anzunehmen bedeuten). Mit einer unterschiedlichen Sprache können wir zwar im Ausland
überhaupt nicht zurecht kommen. Aber es regt uns nicht auf in einem Sinne, daß
wir aggressiv werden. Dabei ist gerade die Fremdsprache für jeden Menschen, der
diese Sprache des Auslandes nicht beherrscht, eine ganz schwer zu überwindende
Norm-Barriere.
Wegen meiner Erziehung beschleunigt sich mein Puls (wie bereits
erwähnt), wenn ich Leute mit offenem Mund auf ihren Kaugummis schmatzen sehe,
obwohl ich keinen einzigen objektiven Grund sehen kann, wonach das unanständig
und abzulehnen ist. (Es soll im Gegenteil sehr gesund für die Zähne sein.) Wenn
sie Luft schlucken und Blähungen bekommen, tut es mir doch nicht weh.
Jeder wird bei sich feststellen (wenn er sich ehrlich gegenüber
ist), daß er sich, wegen eines bloßen Behaftetseins in seine Traditionen
von einem Mitmenschen angewidert fühlt.
Es gab einmal eine kabarettistische Darstellung mit sogenannten
Transvestiten im Fernsehen, also eine unterhaltsame, lustige Darbietung mit
Liedern, Gedichten, Pantomimen von als Frauen verkleideten Männern, denen es
überhaupt nicht anzusehen war, daß sich unter ihrer Schminke keine weiblichen
Gesichter unter ihren Flitterkleidern keine Frauenkörper befanden. Einer der
Darsteller bekannte, im „normalen“ Leben Bankangestellter zu sein. Ich habe versucht, meine
Empfindungen darauf zu konzentrieren, wie ich es hingenommen hätte, wenn sich
unter diesen Transvestiten eine sehr bekannte Persönlichkeit aus dem politischen
Leben befunden hätte, ein Minister oder sogar ein Präsident. Ja, dagegen wäre
doch nichts einzuwenden oder? Nun spielt es aber eine Rolle, ob diese Person so
etwas mal in einer karnevalistischen Sitzung tun würde oder in einem kleinen
Privattheater, einfach so zum Spaß.
Wenn diese Person aber immer das Bedürfnis danach hätte, würde das nicht akzeptiert, so wie
auch kein schwuler Präsident, der mit seinem Lebensgefährten in der
Öffentlichkeit aufträte und nicht mit einer Ehefrau. Unmöglich! nicht wahr?
Warum aber eigentlich? (Bemerkung 2010: Fängt an, sich zu ändern...)
k) Kritik an religiösen, ideologischen Systemen und Traditionen
Nach Karl Marx dient Religion der Volksverdummung. Zweifellos
wird Religiosität von den Mächtigen genutzt, um ein Aufbegehren gegen ihre
Machenschaften zu dämpfen. Da wird dann ein besseres Leben irgendwann im
Jenseits versprochen (während diejenigen, die diesen Trost geben, sehr oft
„herrlich und in Freuden leben“).

Fast allen Religionen ist gemeinsam, daß irgendwann ein Erlöser
(Messias) kommen wird, das wäre endlich ein gerechter Herrscher und kein Despot
(willkürlicher Gewaltherrscher),
weil von Gott gesandt, oder daß ein sonstiger Erlösungsweg die Menschen endlich
aus ihrem Elend, aus der ihnen ständig widerfahrenen (empfundenen) Ungerechtigkeit
herausführt.
Obwohl
da nun schon einmal ein Messias, ein Erlöser, sogar direkt als Gottes Sohn den
Christen gekommen ist, hat sich nichts aber auch garnichts geändert. Im Gegenteil wurde die
Organisation, die sich auf diesem sogenannten Erlöser aufbaute zu einer der
schrecklichsten Macht der Geschichte über Jahrhunderte mit qualvollsten
Folterungen und allen Arten von schrecklichsten „Hinrichtungen“ (aufs Rad
flechten, Vierteilen, Verbrennen usw.), totaler geistiger Vergewaltigung,
Ausrottung ganzer Volksgruppen und vielem mehr. Was haben die Menschen daraus
gelernt? Absolut nichts. Diese Organisation hat heute immer noch die meisten
Anhänger, die mehr oder weniger willig ihren Doktrinen folgen.
Die religiösen Aktivitäten bedeuten jedenfalls eine
unbeschreibliche Energieabschöpfung:
- Statt Schulen und anderer wichtiger Gebäude werden mit immensem
Aufwand Gotteshäuser errichtet. (Da werden Gehälter an Priester, Tempel- und
Kirchendiener gezahlt, die nichts Produktives hervorbringen. Sicher kann man dem
entgegenhalten, daß ja Künstler und Sportler auch nichts Eß- und Trinkbares,
direkt Lebensnotwendiges hervorbringen. Also dieses Thema ist zu komplex, um es
mit einigen Sätzen behandeln zu können.)
- Statt des Religionsunterrichtes, d.h. Einhämmern einer einzigen
Ideologie sollte Kritikfähigkeit (Systemanalyse und Systementwurf z.B.)
vermittelt werden.
Ich sehe keinen Unterschied zwischen der Aufrechterhaltung eines
(„konfessionellen“) Religionsunterrichtes (also je nach Glaubensrichtung der
Eltern der dem Unterricht ausgesetzten Kinder) und dem Ideologie-Einhämmern
während der Periode des sogenannten Dritten Reiches (dem Hitlerregime) oder in
den untergegangenen Sozialistischen Ländern.
- Durch Vorschriften, die sich auf das tägliche Leben erstrecken,
wird die Arbeitsleistung behindert, ferner durch Gebete, Fasten, durch sexuelles Unbefriedigtsein, durch Behinderung der internationalen Zusammenarbeit; denn in
Israel ist der Samstag der höchste Feiertag, in einigen islamischen Ländern der
Freitag, wieder in den meisten Ländern der Sonntag. Wird der jeweilige Vortag
als arbeitsfreier Tag angestrebt (teilweise schon verwirklicht), so bleiben nur
wenige Wochentage der internationalen Zusammenarbeitsaktivität (in Syrien 3
Tage; denn samstags/sonntags waren z.B. europäische Institutionen geschlossen,
in Syrien donnerstags und freitags).
- Die religiösen Menschen werden dauernd von einem schlechten
Gewissen geplagt, da sie wegen eines gewissen „Leidensdrucks“ unter der
Vielzahl der Vorschriften mehr oder weniger oft „sündig“ werden; denn die
Regeln und Vorschriften sind oft gegen die natürlichen Wünsche und Bedürfnisse
gerichtet. Das bewirkt eine innere Unausgeglichenheit, schürt Aggressivität (Mißhandlung
von Untergebenen) und
führt zur Selbstverachtung.
- Die Gefahr, sich in einen Fatalismus fallen zu lassen, sich
also einem unausweichlichen Schicksal (Gottes „unerforschlichem Willen“) zu
unterwerfen, ist recht groß, was das Eigenverantwortungsgefühl, die
Eigeninitiative mindert, ja sogar ganz ausschalten kann.
- Die Verankerung in einer festen Ideologie (konservierten
Tradition) verhindert Einsicht in geänderte Umstände, Umdenken, Anpassung an
neue Situationen. Das halte ich für den allerwichtigsten Punkt als eine offenbar
nicht gegebene unerläßliche Voraussetzung für die Abwendung der uns alle
bedrohenden von Menschen fahrlässig oder aus Selbstsucht gemachten Katastrophe
(Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Klimawandel).
- Die Ideologien haben in der Regel großes Leiden im gesamten
Umfeld des Machtbereichs der jeweiligen Ideologen verursacht. Zum Beispiel
durften Christen und Juden etwa ab dem Jahre 1000 nicht mehr gemischt leben. Die
Juden, als Minderheit und mit Sippenhaft belegten Christusmörder, hatten sich
in eigenen Stadtvierteln, Gassen (die vielen „Judengassen“) von der übrigen
Bevölkerung zu trennen, wurden mit Mauern umgeben, schließlich in Ghettos
zusammengepfercht, zuerst in Venedig. (Ghetto klingt italienisch. Die Herkunft
und eigentliche Bedeutung des Wortes ist aber nicht genau bekannt.) Erst im
19. Jahrhundert, nachdem die Allmacht der Kirche(n) gebrochen war, durften
sie die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Landes erwerben, in dem sie lebten.
Der Massenmord an den Juden während des Hitlerreichs geht zweifellos weitgehend
auf das Konto der katholischen Kirche, aber auch den Judenhasser Martin Luther mit ihren vorbereitenden Diskriminierungen
der „Christusmörder“ und vor allem der Zustimmung zum sogenannten
Ermächtigungsgesetz durch die katholische Zentrumspartei. Judenverfolgungen waren immer beliebt, wenn die Mächtigen
von irgendwelchen, von ihnen verursachten Problemen ablenken wollten.
Nebenan erflehte der Erzbischof von Sevilla, der andalusischen
Hafenstadt in Spanien, mit Hilfe der Statue der Stadtpatronin vergebens vom
Himmel Regen, der dem Land so sehr fehlt („Der Spiegel“ 18/1993). Immerhin gibt
sich dieser Herr "modern"; denn er ist nicht im Ornat, der feierlichen
Amtstracht.
Unendliche Weite völlig vertrockneten Landes
in Andalusien
(aus „Der Spiegel“)
Frage: Hat er, der Herr Bischof, auf
die Bevölkerung eingewirkt, den Wasserverbrauch einzuschränken? Nach einer
Studie des Worldwatch Institutes in Washington verbrauchen die Spanier 300
Liter pro Kopf der Bevölkerung pro Tag, als unschlagbare Spitze in Europa.
(Syrien übrigens 330 pro Person und Tag). Hat er, der Bischof, angeregt,
Bäume zu pflanzen, die Umweltschäden zu reparieren, um den Regen wiederkommen
zu lassen? Ich fürchte, daß er daran nicht gedacht hat und vielleicht nicht
denken wollte; denn je ärmer ein Land,
desto voller die Kirchen.
Das Leiden der Bevölkerung unter der leninistisch-stalinistischen
Ideologie ist bekannt, ebenfalls im Bereich der Herrschaft von islamischen
Fundamentalisten.
Kommentar: Ich behaupte, daß alle
Ideologien wegen ihres Anspruchs auf „alleinige Wahrheit“ immer zur
Unterdrückung und Knebelung zumindest der Leute führt, welche die jeweilige
Ideologie ablehnen. Damit ist die Gewährung einer absoluten Religionsfreiheit
und Ideologiefreiheit zu überdenken und dahingehend einzuschränken, z.B.
Artikel XVIII
der Menschenrechtscharta der
Vereinten Nationen:
„Jeder Mensch hat Anspruch auf
Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit,
seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine
Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der
Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung
von Riten zu bekunden.“
Hier fehlt:
Diese Freiheit darf nicht dazu führen, daß jemandem ein Schade
zugefügt wird.
Volksverhetzung, insbesondere Kriegshetze und Aufruf zur
Schädigung eines Mitmenschen, einer Menschengruppe wird als Verbrechen
angesehen.
Abdruck aus "Der Brockhaus - multimedial
2007": Religion
[französisch, von lateinisch religio »Gottesfurcht«] die,
zusammenfassende Bezeichnung für eine Fülle historischer Erscheinungen, denen
ein spezifischer Bezug zwischen dem »Transzendenten« einerseits und den Menschen
andererseits in einer deren Verhalten normativ bestimmenden Weise zugrunde
liegt.
Begriff
Etymologisch ist das lateinische »religio« unklar. Cicero (»De natura deorum«,
2, 72) stellt »religio« zu dem Verbum »relegere« (sorgsam beachten) und
definiert demgemäß Religion als »die sorgfältige Beachtung alles dessen, was zum
Kult der Götter gehört«. Eine andere Etymologie findet sich bei dem christlichen
Schriftsteller Lactantius, der »religio« von »religare« (verbinden) ableitet;
diese Deutung vertritt auch Augustinus (»De quantitate animae«, 36, 80), für den
die wahre Religion diejenige ist, »durch die sich die Seele mit dem einen Gott,
von dem sie sich gewissermaßen losgerissen hat, in der Versöhnung wieder
verbindet«.
Die lateinischen Christen benutzten das Wort »religio« zur Wiedergabe
verschiedener griechischer Begriffe wie »threskeia« (heiliger Brauch,
Gottesdienst), »eulabeia« (Gewissenhaftigkeit, Gottesfurcht), »eusebeia«
(Frömmigkeit, Gottesfurcht), »latreia« (Dienst, Kult) und »therapeia« (Dienst,
Verehrung). Bei den lateinischen Kirchenvätern wurde »religio« schließlich zu
einem zentralen theologischen Terminus; das Christentum erscheint als die »vera
religio« (wahre Religion; z. B. bei Augustinus, »De vera religione«).
Entsprechungen in anderen Sprachen sind z. B. Sanskrit Dharma (Ordnung),
althochdeutsch »etwa« (Ordnung, Recht), altpersisch Daena, arabisch »din« (Sitte,
Brauch, Überkommenes) oder »islam« (Ergebung), japanisch »kyo« (Lehre) oder »do«
(Weg) und chinesisch »jiao« (Lehre, Weg).
Definitionsversuche
Der vielschichtige Bedeutungszusammenhang von Religion spiegelt sich in den
zahlreichen, zum Teil eher in der Religionsphilosophie als in der
Religionswissenschaft begründeten Definitionsversuchen wider, die allerdings
meist bestimmte Einzelaspekte in den Mittelpunkt stellen. Allen gemeinsam ist,
dass Religion als ein existenz- und situationsbezogenes (und entsprechend
uneinheitliches und uneindeutiges) Phänomen erscheint, als eine spezifische
Funktion des Menschseins, die es außerhalb der Welt des Menschen nicht gibt.
Formal lässt sich Religion beschreiben als ein (Glaubens-)System, das in Lehre,
Praxis und Gemeinschaftsformen die »letzten« (Sinn-)Fragen menschlicher
Gesellschaft und Individuen aufgreift und zu beantworten versucht. Diese
»religiöse Frage« stellt sich in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen
Zeiten in je anderer Form. Entsprechend unterschiedlich werden in den Religionen
die »Antworten«, die Erklärungsversuche des menschlichen Daseinsverständnisses
entwickelt.
Vereinfacht lassen sich dabei zwei Grundlinien unterscheiden: In Kulturen, die
v. a. an der Natur orientiert sind und in denen der Mensch sich und sein Leben
primär als Teil des Naturgeschehens begreift, steht die Frage nach der
Sinnhaftigkeit der Naturwelt oder der Ordnung des Kosmos im Vordergrund.
Religionen, die darauf Antwort zu geben versuchen, sind primär monistische
Religionen (Monismus). Demgegenüber haben die v. a. an der Geschichte und am
menschlichen Handeln in der Geschichte orientierten Kulturen die
monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) mit ihrer
personalisierten Gottesvorstellung hervorgebracht (Monotheismus). Die Tatsache,
dass traditionelle Religionen in einem anderen Lebenszusammenhang häufig als
ungenügend empfunden werden, ist ein Grund dafür, dass im Laufe der Geschichte
immer wieder ein Ungenügen an den bestehenden Religionen empfunden wird und neue
Religionen entstehen.
Entsprechend den jeweiligen Heilsvorstellungen, die ihr zugrunde liegen, und in
Relation zur jeweiligen »Unheils«-Erfahrung hat jede Religion ein »Heilsziel«
und zeigt einen »Heilsweg«. Das Heilsziel kann als Leben bei Gott oder in Gott,
zukünftiges Leben in einem Heilsreich (Paradies; Eschatologie), Vereinigung mit
Gott, »Verklärung« des Menschen und der Welt vorgestellt werden (Christentum,
Islam), aber auch als Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der einmal
gegebenen Ordnung (Stammesreligionen) oder als Zur-Ruhe-Kommen, Überwindung des
Kreislaufs der Wiedergeburten (Buddhismus, Hinduismus). Es steht in enger
Beziehung zur jeweiligen »Unverfügbarkeit«, die als personale (Gott, Götter) und
nichtpersonale (Weltgesetz, Erkenntnis, Wissen) Transzendenz vorgestellt wird.
Religionssoziologisch lassen sich Religionen charakterisieren als
Welterklärungs- und Lebensbewältigungssysteme, die sich durch eine Gerichtetheit
auf eine wie auch immer geartete »Unverfügbarkeit«, zu der sich die Menschen ins
Verhältnis gesetzt wissen, auszeichnen. Als religiöses System ist eine Religion
gegenüber ihrer Umwelt autonom, steht aber mit ihr in einem fortgesetzten
Prozess von Wechselwirkungen, durch die sie wiederum geformt wird. Sie wird
getragen von den religiösen Menschen und gewinnt erst durch deren Glauben
(geprägt durch Lehre und Tradition), Verhalten (Kult, Ethik) und religiöse
Vergesellschaftung (Gemeinschaft, Hierarchie, Organisation) Gestalt. Die
Definition von Religion als System von Glaubensinhalten und Handlungsweisen, mit
denen eine Gruppe von Menschen die zentralen, »letzten« Fragen des menschlichen
Lebens angeht, bereitet die Schwierigkeit, religiöse Glaubenssysteme von
nichtreligiösen abzugrenzen: Nach dieser formalen Definition können auch jene
bewusst säkularen Weltanschauungen und Ideologien als Religion gelten, die zwar
keine transzendentale Perspektive (z. B. auf »Gott« hin) zulassen und die
traditionellen Religionen ablehnen, dennoch aber »das Ganze« von Welt, Mensch
und Geschichte thematisieren und so für ihre Anhänger quasireligiöse Funktionen
wahrnehmen (Quasireligion). In sozialwissenschaftlicher Gesamtperspektive stellt
sich die Religion als einer der wirkmächtigsten bewusstseinsbildenden Faktoren
in der Geschichte der Menschheit dar, die politisch, kulturell und geistig von
ihr nachhaltig beeinflusst wurde und wird.
Erscheinungsformen von Religion
Angesichts der Problematik einer inhaltlichen Definition von Religion (Religion
als Glaube an Gott oder übermenschliche Wesen; Religion als Begegnung mit dem
Heiligen), die immer von theologischen oder ideologischen Vorannahmen geprägt
ist, hat die neuere Religionswissenschaft v. a. die phänomenologische
Betrachtung der einzelnen Religionen (Religionsphänomenologie) sowie die Frage
danach, was sich allgemein in und als Religion (auch unabhängig von religiösen
Organisationsformen) kundtut, in den Vordergrund gerückt.
Als Zentrum der »Formenwelt des Religiösen« (Kurt Goldammer [1916 bis 1997])
erscheint dabei das gegenüber der Alltagswelt »Ganz-Andere«, das
»Transzendente«, »Tragende und Begründende alles Seins«. Bezeichnungen dafür
sind Gott, das Göttliche, das Absolute, Namenlose, Mysterium. Vor allem in der
deutschen Religionswissenschaft hat sich in Anlehnung an R. Otto das »Heilige«
(heilig) als grundlegende phänomenologische Kategorie durchgesetzt. Im Heiligen
manifestiert sich das durch die Religion zugesagte oder erfahrbare Heil. So kann
jeder Gegenstand, jede Geste, jede Handlung, aber auch jede Denkfigur »heilig«
oder »geheiligt« und dadurch vom »Profanen« abgegrenzt sein. Das Heilige
begegnet im »heiligen Raum« (heilige Stätten), in der »heiligen Zeit«
(gegliedert u. a. durch Feste, die durch den Kreislauf der Natur oder durch die
Erinnerung an mythische oder historische Ereignisse bestimmt sind [Festtage];
häufig verbunden mit der Vorstellung von »heiligen Zahlen« [Zahlensymbolik]), in
»heiligen Gegenständen« (Kultobjekte) und Symbolen sowie im »heiligen Wort«
(Gebet, Bekenntnis, Orakel, Zauberspruch) und in heiligen Schriften, durch die
in den so genannten Buch- und Offenbarungsreligionen Bekenntnis, Kult und
Gemeinschaft bestimmt werden. Das »heilige Wort« (Kultsprache) dient zur
Kommunikation sowohl zwischen Mensch und Gottheit als auch innerhalb der sich
als Bekenntnis-, Kult- und Heilsgemeinschaft verstehenden »heiligen
Gemeinschaft«. Zu »heiligen Menschen« gehören Ahnen, Stammesführer, Könige,
Märtyrer und Mystiker, aber auch »religiöse Spezialisten« wie Religionsstifter,
Mysten und Mystagogen, Priester, Heiler, Propheten, Lehrer. Zur »heiligen
Handlung« in Kult und Ritus kann jede menschliche Geste und Verhaltensweise
werden. Sie dient nicht nur der manipulativen Kontaktaufnahme mit der jeweiligen
»Unverfügbarkeit«, sondern diese wird im kultischen Geschehen als präsent
vorgestellt.
Systematisierungsversuche
Angesichts der vielfältigen Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen den
einzelnen Religionen stellt sich die Frage, nach welchen Kategorien eine
Systematisierung möglich ist. Religionswissenschaftlich wird unterschieden
zwischen Geburtsreligion und Bekenntnisreligion, je nachdem, ob man in die
entsprechende Religion hineingeboren wird oder sich erst nach einer bewussten
Entscheidung zu ihr bekennt. Bekenntnisreligionen werden dabei häufig mit der
Zeit auch zu Geburtsreligionen. Außerdem lassen sich missionierende Religionen
(alle »gestifteten« Religionen) von nicht missionierenden (die wiederum
Geburtsreligionen sind) unterscheiden. Alle gestifteten, missionierenden
Religionen sind aufgrund ihres universalen Anspruchs auch »Universal-« oder
»Weltreligionen«, während die Stammes-, Volks- und Geburtsreligionen sich
jeweils auf einen ethnischen oder soziopolitischen Bereich beschränken.
Umstritten sind in der heutigen Religionswissenschaft Bezeichnungen wie
Naturreligion (Stammesreligionen), Dynamismus, Animismus, Theismus, Pantheismus,
Panentheismus, insofern diesen Begriffen von bestimmten Religionstheorien
entwickelte Kategorien zugrunde liegen. Auch bei Bezeichnungen wie
Offenbarungsreligion, Buchreligion oder prophetische Religion ist zu
berücksichtigen, ob und wieweit solche Typisierungen von »religiösen« oder
ideologischen Vorentscheidungen geprägt sind.
Eine statistische Erfassung der Anhänger der einzelnen Religionen in der Welt
(Religionsstatistik) ist aufgrund vielfältiger Unsicherheiten nur als grobe
Schätzung möglich. Zu den Faktoren, die präzisen Angaben entgegenstehen, gehören
die allgemeine Unsicherheit von Bevölkerungszählungen überhaupt, die
Abweichungen zwischen offizieller Religionszugehörigkeit und individuellem
Bekenntnis, die synkretistische Vermischung von Religionen und die oft
selbstverständliche mehrfache Religionszugehörigkeit (z. B. in Japan). Die
weltweit am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum, der Islam,
der Hinduismus und der Buddhismus.
Die gegenwärtige Situation ist einerseits durch einen weltweit schwer zu
überblickenden religiösen Pluralismus sowie das Wirken fundamentalistischer
Bewegungen innerhalb der Weltreligionen gekennzeichnet (Fundamentalismus), wird
andererseits jedoch auch durch Prozesse der Säkularisierung bestimmt. Letztere
sind konstatierbar als »Entkirchlichung« breiter Bevölkerungsgruppen (besonders
in Westeuropa), was allerdings nicht mit einem allgemeinen Verlust des
»Religiösen« in der Gesellschaft gleichzusetzen ist. So ist zum einen innerhalb
der christlichen Kirchen (besonders in Afrika, Asien und Lateinamerika) ein
pfingstkirchlicher Aufbruch (kirchliche Neuaufbrüche) von kirchgeschichtlich
bislang nicht gekanntem Ausmaß zu konstatieren und stehen heute zum anderen
(besonders in Westeuropa und Nordamerika) den institutionalisierten
(traditionell-kirchlichen) Formen der Religion vielfältige Formen
individualisierter Religiosität, ein nahezu unüberschaubar gewordener
»Sinnmarkt« (Esoterik) und eine Vielzahl ersatz- beziehungsweise quasireligiöser
Sinnangebote gegenüber.
Nachtrag 2007:
Es kann keine vollständige Zahl an Religionen
geben, da alle Naturreligionen kaum ausfindig zu machen sind. Es entstehen immer
wieder neue, während uralte immer noch Anhänger, wenn auch nur einige wenige
haben. Ein gewisser Überblick:
Christentum (2,1 Milliarden)
Konfuzianismus/Taoismus (1,5, Milliarden - überlappend mit anderen Religionen
und Weltanschauungen)
Islam (1,3 Milliarden)
Säkulare, Nichtreligiöse, Agnostiker und Atheisten (1,1 Milliarden)
Hinduismus (900 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (394 Millionen)
Buddhismus (376 Millionen)
Nichtafrikanische Indigene Religionen (300 Millionen)
Shintoismus (über 100 Millionen Japaner; gleichzeitig bekennen sich rund 80% zum
Buddhismus)
Traditionell Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Sikhismus (23 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Spiritismus (15 Millionen)
Bahai (7 Millionen)
Jainismus (4,2 Millionen)

Religionen in EuropaStatistik B - Religionen der Welt - Zugehörige (Quelle:
David B. Barrett)
Islam (1,313 Milliarden)
Römisch-Katholische Kirche (1,119 Milliarden)
Hinduismus (870 Millionen)
Nichtreligiös (769 Millionen)
Unabhängige Christliche Kirchen (427 Millionen)
Traditionelle Chinesische Religionen (405 Millionen)
Protestantische Kirchen (376 Millionen)
Orthodoxe Kirchen (220 Millionen)
Anglikanische Christen (80 Millionen)
Buddhismus (379 Millionen)
Sikhismus (25 Millionen)
Judentum (15 Millionen)
Ethnoreligionen (256 Millionen)
Atheismus (152 Millionen)
Afrikanische Religionen (100 Millionen)
Neue Religionen (108 Millionen)
Stand Mitte 2005, Weltbevölkerung: 6,454 Milliarden.
Statistik C - Religionen in Deutschland - Zugehörige (Quelle: REMID)
Konfessionslos, ohne Angabe (27,8 Millionen oder 33,7%),
Stand: 12/2004
Römisch-Katholische Kirche (25,905 Millionen oder 31,4 %), Stand: 31/12/2005
Evangelische Landeskirchen (25,386 Millionen oder 30,8%), Stand:
31/12/2005
Islam (gesamt: 3,3 Millionen),
Stand: 12/2004
Neuapostolische Kirche (0,38 Millionen), Stand: 12/2004
Judentum (gesamt: 0,21 Millionen),
Stand: 12/2004
Buddhismus (gesamt: 0,21 Millionen), Stand:
12/2004
Jehovas Zeugen (gesamt 0,163 Millionen), Stand 2005
Hinduismus (gesamt: 0,092 Millionen), Stand:
12/2004
Literatur:
[1] WELTBILD KOLLEG Abiturwissen ist ein Übungs- und Nachschlagewerk für
Schüler, die die Oberstufe (Kollegstufe, differenzierte gymnasiale Oberstufe,
Sekundarstufe II) des Gymnasiums oder anderer vergleichbarer Schulen besuchen,
zugleich für alle, die auf dem Zweiten Bildungsweg oder im Selbststudium ein der
Reifeprüfung vergleichbares Bildungsziel anstreben. Es ist außerdem als
Repetitorium für Studenten der Anfangssemester benutzbar.
Weltbild Kolleg besteht aus folgenden 10 Bänden:
Mathematik
Physik
Chemie
Biologie
Deutsch:
Verstehen — Sprechen — Schreiben
Englisch — Französisch — Latein
Literatur
Geographie
Geschichte
Sozialwissenschaften
Gesellschaft — Staat — Wirtschaft — Recht
Herausgeber: Dr. Heinrich Fisch
Autoren: Winand Breuer, Dr. Heinrich Fisch, Professor Dr. Wolfgang Chr. Fischer,
Professor Dr. Helmut Gröner, Jürgen Horn, Professor Dr. Hans Dieter Ockenfels,
Professor Dr. Alfred Schüller, Oberlandesgerichtspräsident Rudolf Wassermann
Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1991
© Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Redaktion: Lexikographisches Institut Dr. Störig, München
Zeichnungen: Dusan Kesic, Niels Larsen, Gabriela Bauer
Umschlagentwurf: Peter Engel, München
Gesamtherstellung: Clausen & Bosse, Leck
Printed in Germany ISBN 3-89350-164-9
[2] Schneider,U.: Einführung in den Hinduismus. Darmstadt 1993
[3)] Rau, H.: M.Gandhi mit
Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek 1995
[4] Dumont, L.: M.: Gesellschaft in Indien. Die Soziologie des
Kastenwesens. Aus dem Französischen. Wien 1976.
[5] Naumann, N.: Die einheimische Religion Japans, Band 1 Leiden
1988
[6] Katz, J.: Vom Vorurteil bis zur Vernichtung. Der
Antisemitismus 1700 bis 1933. Aus dem Englischen. Neuausgabe Berlin 1990.
[7] M. Eliade, Herausgeber von: The encyclopedia of religion,
16 Bände. Neuausgabe New York 1995
[8] Broszinsky-Schwabe, Edith: Kultur in
Schwarzafrika. Geschichte - Tradition - Umbruch - Identität. Köln 1988.
[9] H.Diefenbacher, Herausgeber von:
Anarchismus.: Zur Geschichte und Idee der herrschaftsfreien Gesellschaft.
Neuausgabe Darmstadt 1996.
(Immer noch unvollständige)
Auflistung
(der unübersehbaren Anzahl) von Religionen und
Weltanschauungen:
Indischer Ursprung
Hinduismus
- Shivaismus
- Vishnuismus
- Shaktismus
- Tantrayana
- Advaita Vedanta oder Satsang-Bewegung
- Vishwa Hindu Parishad
- Neohinduismus
Neuere Bewegungen
- Bhakti Yoga
- Brahma Kumaris
- Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewusstsein (ISKCON)
- Osho-Rajneesh-Bewegung
- Sathya Sai Baba, Sai-Religion
- Sri Chinmoy-Centers
- Vedanta-Bewegung / Ramakrishna-Mission
- Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man
Die dutzenden
Schulen und Systeme des Buddhismus bei Wikipedia
Weitere Religionen indischen Ursprungs
- Jainismus
- Radhasoamis
- Sant Mat
- Eckankar
- Ayyavazhi
- Sikhismus
- Healthy-Happy-Holy-Organisation (Kundalini-Yoga) (3HO)
- Elan Vital
Abrahamitische Religionen
Judentum
- Orthodoxes Judentum
- Ultraorthodoxes Judentum bzw. Haredi
- Reformjudentum
- Konservatives Judentum
- Rekonstruktionismus
- Humanistisches Judentum
- Jüdische Kleingruppen
- Kabbala (Jüdische Mystik)
Christentum
Liste der christlichen Konfessionen (beiWikipedia)
- katholische Gemeinschaften
- Römisch-katholische Kirche
- Katholische Ostkirchen: ohne lateinischen Ritus, aber in
Glaubens-, Gebets- und Sakramentengemeinschaft, deshalb auch
Unierte Kirchen genannt
- Sedisvakantistische Gruppen
- Altkatholische Kirche
- Anglikanische Gemeinschaft sehen sich selbst als Teile der
einen, heiligen, katholischen, apostolischen Kirche, enthält
jedoch evangelische und reformierte Glaubensinhalte
- evangelische Gemeinschaften
- Waldenser
- Hussiten
- Lutheraner
- Reformierte
- Täufer
- Baptisten
- Quäker
- Pietisten
- Methodisten
- Unierte
- Restoration Movement
- Adventisten
- Brüderbewegung
- Pfingstbewegung
- Gemeinschaft in Christo Jesu (Lorenzianer)
- weitere Freikirchen
apostolische Gemeinschaften
- Neuapostolische Kirche
- Vereinigung Apostolischer Gemeinden
- Old Apostolic Church
- Orthodoxe Kirchen
- Altorientalische Kirchen
Bibelforscherbewegung
- Zeugen Jehovas
- Freie Bibelforscher
- Ernste Bibelforscher
- Laien-Heim-Missionsbewegung
christliche
Neuoffenbarer
- Neue Kirche (Swedenborgianer)
- Johannische Kirche
- Mormonentum
- besonders die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten
Tage
- Gemeinschaft Christi
- Kirche Christi (Temple Lot)
Islam
Sunniten
- Schafiiten
- Hanbaliten
- Malikiten
- Hanafiten
- Ahmadiyya
- Ahmadiyya Muslim Jamaat
- Ahmadiyya Anjuman Ischat-i-Islam Lahore
- Salafiyya
Schiiten
- Imamiten
- Zaiditen
- Ismailiten
- Kharidjiten
- sufische Gemeinschaften (→ Liste der Sufi-Orden)
- Qadiriyya
- Mevlevi
- Bektaschi
- Naqschbandi
- Halveti
Religionen islamischen Ursprungs
- Abangan
- Aleviten
- Drusen
- Nusairier
Bahai
(mehr bei Wikipedia)
Ethnische
Religionen
Kleinere Religionen, denen vorrangig oder ausschließlich bestimmte
Ethnien angehören.
Orientalische Religionen
- Mandäer
- Jesiden (Yezidi)
- Zoroastrismus
Fernöstliche Religionen
- Bön
- Cao Dai
- Daoismus
- Falun Gong
- Himmelsmeister
- Konfuzianismus
- Lingbao Pai
- Mahikari
- Mohismus
- Neidan
- Shangqing
- Shinto
- Tenrikyo
- Ōmu Shinrikyō
Afroamerikanische Religionen
- Barquinha
- Candomblé
- Hoodoo
- Macumba
- Rastafari
- Santeria
- Santo Daime
- Umbanda
- Voodoo
Ozeanien
Weitere
Polytheistische Glaubensrichtungen
- Chinesischer Volksglaube
- Animismus
- Native American Church
- Paganismus und Neopaganismus, Heidentum
- Druidentum
- Huna
- Dievturība
- Wicca
- Germanisches Neuheidentum
- Asatru
- Armanenorden
- Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Artgemeinschaft)
- Germanische Glaubens-Gemeinschaft (Géza von Neményi)
- Völkische Bewegung
- Gylfiliten-Gilde
Gnostizismus und Esoterik
- Adonismus
- Anthroposophie
- Fraternitas Saturni
- Hermetic Order of the Golden Dawn
- Hermetik
- Kawwana – Kirche des Neuen Aeon
- Mazdaznan
- Ordo Templi Orientis
- Rosenkreuzer
- Sonnentempler
- Spiritismus
- Theosophische Gesellschaft
- União do Vegetal
- Universelle Weiße Bruderschaft
- Universelles Leben
- Zentrum für Experimentelle Gesellschafts Gestaltung (ZEGG)
Sonstige
- Cargo-Kulte
- Satanismus
- Church of Satan
- Temple of Set
- Order of Nine Angles
- Scientology
- Schamanismus
- Yamagishi
Weltanschauungen
- Agnostizismus
- Anarchismus
- Anthroposophie
- Apatheismus
- Atheismus
- Determinismus
- Diskordianismus
- Fatalismus
- Freidenker
- Freimaurerei
|
- Freireligiöse Bewegung
- Humanismus
- Huna
- Objektivismus
- Pantheismus
- Panentheismus
- Posthumanismus
|
- Skeptikerbewegung
- Thelema
- Transhumanismus
- Unitarier
|
(bei Wikipedia und auch die folgenden)
- Ägyptische Mythologie
- Aztekische Mythologie
- Babismus
- Baltische Mythologie
- Germanische Mythologie
- Griechische Mythologie
- Keltische Mythologie
- Manichäismus
- Mithraismus
- Römische Mythologie
- Sabier von Harran
- Sumerische Mythologie
- Slawische Mythologie
- Ugaritische Religion
- Tengrismus
Religionsparodie
(Artikel bei Wikipedia)
- Diskordianismus
- Fliegendes Spaghettimonster,
>hier< zum Bild
- Unsichtbares rosafarbenes Einhorn
- Intelligent Falling
- Iglesia Maradoniana
- Unintelligent Design
Übliche Fragen von Gläubigen aus dem Buch
vom Ullsteinverlag 2005 "Die sechs Weltreligionen - Buddhismus,
Judentum, Hinduismus, Islam, Taoismus, Christentum" von Teja Fiedler und Peter Sandmeyer,
ISBN 3-550-07854-4:
Woher kommt die Welt?
|
BUDDHISMUS |
Die Welt war immer da. Sie ist aber nichts Feststehendes,
sondern eine in ständiger Veränderung begriffene Kombination von
Materie und Geist – genau genommen also eine Illusion, ein
Trugbild. |
|
JUDENTUM
|
Gott hat sie aus dem Nichts geschaffen. Zum Abschluss schuf Gott
den Menschen. |
|
HINDUISMUS |
Die Welt war immer da. Sie durchläuft ewig
wiederkehrende Etappen des Werdens und Vergehens. Im jeweiligen
Weltzyklus erscheinen alle Lebewesen in der Form, die ihnen als
Folge ihrer eigenen Taten zukommt. |
|
ISLAM |
Gott hat sie aus dem Nichts geschaffen. Das
letzte Produkt der Schöpfung ist der Mensch. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Der Kosmos ist unendlich und ewig, Ausdruck
des »Tao«, des Unbennenbaren.
Die Frage nach der Schöpfung stellt sich nicht. |
|
CHRISTENTUM |
Gott hat die Welt aus dem Nichts geschaffen
und den Menschen nach seinem Ebenbild. |
Gibt es einen Gott?
|
BUDDHISMUS |
Es gibt nach Buddhas Lehre keinen Gott. In der späteren
Mahayana-Glaubensform und im Alltagsbuddhismus spielen jedoch
göttliche Wesen eine wichtige Rolle. |
|
JUDENTUM
|
Ja, es gibt einen Gott, und nur einen. Er ist allmächtig, nicht
darstellbar und hat sich das Volk Israel zur Erfüllung eines
göttlichen Konzepts auserwählt. |
|
HINDUISMUS |
Es gibt viele Götter, Tausende. |
|
ISLAM |
Ja, es gibt einen Gott, und nur den einen. Er
ist allmächtig und für den Menschen nicht darstellbar. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Der »Herr des Himmels«,. greift nicht in das
Geschehen auf der Erde ein und ist als Ausdruck des Tao, der
ewigen Ordnung, anzusehen. In der Volksreligion existieren
Götter, die etwa den katholischen Heiligen entsprechen: sie
helfen im Einzelfall. Wichtigste Brücke zum Jenseits sind die
Ahnen, die das Leben beeinflussen können. |
|
CHRISTENTUM |
Es gibt einen Gott, nur einen, der aber in
sich drei Wesenheiten vereinigt. Er ist Gottvater, der Sohn und
der Heilige Geist. |
Greift Gott in das Leben
ein?
|
BUDDHISMUS |
Nein. Es gibt keinen Gott. Es gibt für den Menschen nur den Weg
der Selbsterlösung.
In manchen Schulen des Buddhismus wird dem Buddha Maitreya
zumindest die Aufgabe einer Hilfestellung bei der Selbsterlösung
übertragen. |
|
JUDENTUM
|
Ja, Gott belohnt oder bestraft die Menschen im Diesseits und
nach dem Jüngsten Gericht im Jenseits – nach dem Maß, in dem sie
auf ihn vertrauten und seinen Geboten gefolgt sind. |
|
HINDUISMUS |
Ja, Götter haben die Macht, in das irdische
Geschehen einzugreifen und Menschen Beistand zu gewähren. |
|
ISLAM |
Gott belohnt oder bestraft die Menschen nach
dem Jüngsten Gericht im Jenseits –je nach dem, wie sie seinen
Geboten folgten. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Nein, es gibt keinen in der Welt handelnden
Gott. Lediglich die Ahnen und volkstümliche Gottheiten (Heilige)
stehen den Lebenden zur Seite, wenn man sie durch Opfer oder
Gebete gnädig stimmt und für sich gewinnt. |
|
CHRISTENTUM |
Gott kann in der Welt handeln, Menschen
beistehen oder sie strafen. Im katholischen Glauben können das
auch die Heiligen, die eine Mittlerstelle zwischen Gott und den
Menschen einnehmen. |
Hat Gott menschliche
Mittler, Stellvertreter oder Verkünder?
|
BUDDHISMUS |
Es gibt im klassischen Buddhismus keinen Gott, folglich auch
keine Priester. Auch dann, wenn Buddha selbst wie ein Gott
verehrt wird, hat er keine Prediger. Mönche haben keine
geistlichen oder seelsorgerischen Aufgaben. Im Alltag werden
ihnen diese aber von vielen Anhängern zugeschrieben. |
|
JUDENTUM
|
Vermittler Jahwes waren die Propheten, besonders Elias, und
Moses, dem er die Zehn Gebote gab. Die Rabbiner sind ähnlich wie
die islamischen Gelehrten Interpretatoren der heiligen
Schriften. Sie haben hohe Autorität, aber keine endgültige
Verbindlichkeit. |
|
HINDUISMUS |
Die Vermittler zu den klassischen Göttern des
indischen Himmels sind die Priester der Brahmanen-Kaste. Nur sie
wissen genau, welche Riten und Opfer welchem Gott zustehen und
wie man ihn gewogen stimmt. Daneben gibt es aber auch viele
Volks- und Stammesgottheiten, zu denen der Zugang für jedermann
frei ist. |
|
ISLAM |
Vermittler Allahs waren die Propheten, denen
er sich offenbarte. Mit Mohammed, dem er mit dem Koran die
gesamte und endgültige Wahrheit anvertraute, ist jedoch die
Reihe der Vermittler für immer abgeschlossen. Helfer sind heute
islamische Gelehrte, die den Koran auslegen. Ihre
Interpretationen haben aber keinen absolut bindenden Charakter. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Nein. Es gibt weder Stellvertreter eines
Gottes noch Verkünder seiner Worte. |
|
CHRISTENTUM |
Ja, es gibt Menschen, die Gottes Botschaft
auf der Erde verbreiten. In der katholischen Ausprägung des
christlichen Glaubens gibt es auch Menschen, die Gott auf der
Erde vertreten, in seinem Namen sprechen und Sünden vergeben
können. Im Protestantismus wird ein allgemeines Priestertum
aller Menschen gelehrt. |
Was ist der Sinn des
Lebens?
|
BUDDHISMUS |
Sinn des Lebens ist, sich mit Hilfe der Meditation von Gier,
Verblendung und Hass zu befreien und immun zu werden gegen das
Leiden der Welt. Wem das gelingt, der kann aus dem Kreislauf der
Wiedergeburten unmittelbar aussteigen und in das selige Nirwana
eingehen, das nicht zu benennen und zu beschreiben ist. |
|
JUDENTUM
|
Sinn des Lebens ist, durch ein gottgefälliges Dasein auf Erden
ins ewige Paradies einzugehen. |
|
HINDUISMUS |
Sinn des Lebens ist, durch gute Taten sein
Karma zu verbessern, dadurch nach dem Tod in eine bessere
Existenz wiedergeboren zu werden, schließlich zum Brahmanen zu
werden und dann den endgültigen Ausstieg aus dem Kreislauf von
Tod und Wiedergeburt zu erreichen und mit der Weltseele Brahma
zu verschmelzen. |
|
ISLAM |
Wie Judentum (Sinn des Lebens ist, durch ein
gottgefälliges Dasein auf Erden ins ewige Paradies einzugehen). |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Der Sinn des Lebens besteht darin, Harmonie
mit dem Universum zu erreichen und dem unbenennbaren Tao
möglichst nahe zu kommen. Im Konfuzianismus wird das durch
diszipliniertes Befolgen rigoroser Regeln im menschlichen
Zusammenleben erreicht, im Taoismus durch kontemplatives
Versenken. Beiden gemeinsam ist respektvolle Verehrung der
Ahnen, Voraussetzung für eine harmonische Welt. |
|
CHRISTENTUM |
Sinn des Lebens ist es, so zu leben, dass man
die Erlösung durch Gott erlangt. Erfahren wird man sie nach der
Auferstehung aller Toten im neuen Paradies, in dem es keine
Sünde mehr gibt. Im Diesseits kann sie in einem heiligen Leben
anschaubar werden. |
Welche Pflichten hat der
Mensch?
|
BUDDHISMUS |
Die Pflichten sind vielfältig und detailliert
festgelegt, hängen aber ganz von der jeweiligen Wiedergeburt und
Kastenzugehörigkeit ab. Was für den einen Pflicht ist, kann für
den anderen streng verboten sein. |
|
JUDENTUM
|
Wichtigste Pflicht ist es, den Bund mit Gott
nicht zu gefährden, alle Regeln, wie sie in Thora und Talmud
niedergelegt sind, penibel zu befolgen, da sie Ausdruck des
göttlichen Willens sind. Es gibt aber keine missionarische
Haltung: Andere können leben, wie sie wollen. Gott hat seinen
Bund nur mit den Juden, seinem auserwählten Volk, geschlossen.
Diese Ausschließlichkeit ist allerdings in manchen Richtungen
des Judentums umstritten. |
|
HINDUISMUS |
Für alle Menschen gelten die gleichen
Pflichten. Fünf Gebote müssen eingehalten werden: das Leben
achten und nicht zu töten; nicht zu stehlen; nicht zu lügen,
auch dann nicht, wenn es Vorteile bringt; seinen Gatten zu
respektieren und keinen Ehebruch zu begehen; sowie keine Drogen
und keinen Alkohol zu sich zu nehmen. Aus acht Verhaltensweisen
besteht der Pfad, der zur Überwindung des Leids führt. |
|
ISLAM |
Gott als höchste Instanz in Oberste Pflicht
ist, in allen Lebenslagen anzuerkennen, die Gesetze des Koran zu
befolgen und für die Ausbreitung des Islam zu sorgen. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Die fünf Grundbeziehungen (Eltern–Kinder,
Ehemann–Ehefrau, Vorgesetzter–Untergebener, Alt–Jung,
Freund–Freund) menschlich und uneigennützig zu erfüllen, ist
fundamentale Pflicht im Konfuzianismus. Für Taoisten ist es
»Pflicht«, sich dem Lauf der Dinge – dem ewigen Werden und
Vergehen – möglichst weitgehend anzupassen und mit den Ahnen
durch Opfer sowie Gebet positiven Kontakt zu halten. |
|
CHRISTENTUM |
Der Christ hat die Zehn Gebote des Alten
Testaments der Bibel einzuhalten und der Lehre der Bergpredigt
von Jesus aus dem Neuen Testament zu folgen. Er soll Gott und
seinen Nächsten lieben wie sich selbst. |
Was geschieht, wenn ich
meine Pflichten nicht erfülle?
|
BUDDHISMUS |
Wenn ich es nicht schaffe, Gier und Hass zu
überwinden, werde ich von Augenblicks-Impulsen gesteuert wie ein
Tier, bilde entsprechendes Karma und bestimme mit dieser
Belastung die Art meiner nächsten Wiedergeburt – unter Umständen
als Tier.
Durch Opfer oder gute Werke kann ich den falschen Kurs eines
Lebens korrigieren, seine Bilanz aber nicht schönfärben. |
|
JUDENTUM
|
Der Herr straft, wie viele Beispiele des
Alten Testaments zeigen, schon im Diesseits. Die Sintflut, die
Zerstörung von Sodom und Gomorra sind die bekanntesten
Beispiele. Im Jenseits bleibt dem Sünder dann das Paradies
verschlossen. Sünde ist die Summe von Fehlern, die man vermeiden
und zum Teil auch wieder gut machen kann. |
|
HINDUISMUS |
Mein Karma verschlechtert sich, mit ihm meine
Aussicht auf eine gute Wiedergeburt und auf eine baldige
Beendigung des Kreislaufs der Wiedergeburten. Jedes Leben ist
die Quittung des vorangegangenen. Sünden sind Fehler, die ich
durch gute Taten wieder ausgleichen kann. |
|
ISLAM |
Wenn ich die Gebote Allahs nicht einhalte,
komme ich in die Hölle. Aber gegen Gottes Gesetz zu verstoßen
ist ein Fehler, der wieder gut gemacht werden kann. Außerdem ist
Allah der Allbarmherzige, der keinen Sünder für immer im
Strafgericht schmoren lässt. (Diese Angabe konnte durch Lesen
des Korans nicht bestätigt werden!) |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Wenn ich meine Pflichten gegenüber den
Mitmenschen und Ahnen nicht erfülle, begehe ich Fehler und führe
deswegen ein unglückliches Leben. Nach dem Tod erwartet mich im
Schattenreich der Ahnen ein Dasein als ruheloser oder böser
Geist. Es gibt aber im Jenseits weder eine Belohnung noch eine
Bestrafung durch Paradies oder Hölle. |
|
CHRISTENTUM |
Gottes Strafe kann den Sünder nach
katholischer Auffassung in der Form des Fegefeuers treffen, das
ihn martert, aber dann auch von Sünden gereinigt entlässt; es
gibt Jedoch auch die Hölle als ewiges Strafgericht. Jeder Mensch
ist Sünder. Jeder trägt Schuld. Nach dem katholischen Glauben
kann sie zum Teil durch gute Werke getilgt werden, nach
protestantischer Überzeugung nur durch die Vergebung Gottes. |
Was geschieht mit mir
nach dem Tod?
|
BUDDHISMUS |
Der Mensch vergeht vollständig. Aber eine Art
karmische Energie setzt sich von einer Existenz in die andere
fort wie die Bewegung einer Billardkugel, die eine andere Kugel
anstößt. In ihr bleibt etwas von dem gestorbenen Menschen
erhalten – solange, bis dieses Karma restlos überwunden und
aufgebraucht ist und man ins Nirwana eingeht, die
unbeschreibbare, selige Leere. Im Amida-Buddhismus gibt es auch
die Lehre, dass man nach dem Tode ins »reine Land«, eine Art
Paradies, eingehen kann. |
|
JUDENTUM
|
Die Gerechten nimmt Gott nach dem Tod zu sich
ins Paradies, die anderen fallen der Vernichtung in einer Hölle
anheim, die nicht genauer beschrieben ist. |
|
HINDUISMUS |
Meine Seele verlässt die sterblichen
Überreste des Körpers, die zu den Elementen zurückkehren.
Entsprechend dem Karma, das die Seele gebildet hat, wird sie in
einem neuen Lebewesen - Tier oder Mensch - wiedergeboren. Wenn
sie die Endstufe der irdischen Existenz als Brahmane erreicht
hat, kann sie mit der Weltseele verschmelzen. |
|
ISLAM |
Die Seele wartet in einem neutralen Zustand
auf das Jüngste Gericht. Je nach dessen Urteil geht sie dann
entweder in den Himmel oder in die Hölle. Ein reinigendes
Fegefeuer existiert nicht. |
|
TAOISMUS &
KONFUZIANISMUS |
Nach dem Tod erfolgt der Übergang in die
unsichtbare Wirklichkeit, das Reich der Ahnen und Geister. Nur
im volkstümlichen Taoismus gibt es für ein exemplarisch gutes
Leben Unsterblichkeit an einem besonders schönen Ort, einer Art
Paradies. |
|
CHRISTENTUM |
Nach dem Ende des irdischen Daseins erwartet
der Christ im Todesschlaf die versprochene Wiedererweckung der
Toten am Jüngsten Tag. Gott hält dann Gericht und versammelt die
Seelen aller Gerechten in »neuem Fleisch« in einem neuen
Paradies, in dem es keine Sünde mehr gibt. Die Selig- und
Heiliggesprochenen der Katholischen Kirche sind unmittelbar nach
ihrem Tod zu Gott aufgestiegen, sitzen bei ihm und wirken dort. |