Der Koran

 

>Hier< zur Leseprobe der ersten Sure und der zweiten Sure bis Vers28

Mohammeds Leben und Wirken >hier<

und

>hier< manches über das "Heilige Buch des Islam" - den Koran

mit ausführlichem Artikel aus dem Wochenmagazin "stern"

(dazu einige Bilder und Hinweis auf die Thora, sowie Talmud)


Nach der Übertragung von Ludwig Ullmann*; neu bearbeitet und erläutert von L. W.-Winter*

* unter diesen Namen wurden keine weiteren Unformationen gefunden

ISBN 3-442-08613-2


Erklärung auf der Buch-Innenseite:

 

Der Koran (das »oft zu lesende« Buch) ist die Heilige Schrift der Mohammedaner und bedeutet für die islamische Welt so viel wie das Alte Testament für die Juden (die Thora) oder das Neue für die Christen. Die einzelnen Teile des Korans wurden von Mohammed (570-632 n. Chr.) in den Jahren 610-632 in arabischer Sprache verkündigt: nicht als sein Wort, sondern als die ihm von Fall zu Fall zuteil gewordenen Offenbarungen Allahs, des »alleinigen, einzigen Gottes seit Ewigkeit, des Welterschaffers und Herrn aller Weltenbewohner, der keinen Sohn und Helfer besitzt und benötigt«.

 

Der Inhalt dieser religiösen Reden des Propheten ist vielfältig: Neben Gebeten und Predigten stehen allgemeine Rechtsvorschriften und Grundsätze der Glaubens- und Sittenlehre. Unverkennbar ist der jüdische und christliche Einfluß auf Sprache und Inhalt des Korans.

 

Seine endgültige Gestalt erhielt er unter dem dritten Kalifen, Othman*, um 653: Damals wurden die Verkündigungen Mohammeds in 114 Suren (Kapiteln) gesammelt.

* Othman ibn Affan, dritter Kalif (= Nachfolger in arabisch), um 574 in Mekka geboren und in Medina am 17.6. 656 ermordet, war ein Schwiegersohn Mohammeds. Othman veranlasste die Redaktion des Korans (W.Rath).


Die im Koran gepredigte Lehre heißt Islam* (»Friede«, »Gottergebenheit«); sie verbreitete sich nach Mohammeds Tod bis zum heutigen Tag über weite Teile der Erde, früher in Kriegen, heute in friedlicher Mission. So hat der Koran das religiöse Antlitz der Welt entscheidend mitgeprägt.

* Nur "Ergebung" auf arabisch. - Als islamisch-moralische Normen sollen gelten: Gerechtigkeit, Freigebigkeit, Gehorsam, Dankbarkeit, Geduld, Beharrlichkeit, Solidarität und Aufrichtigkeit (W.Rath).
 


Ausschnitt aus Brockhaus-Multimedia-Atlas

EINFÜHRUNG als Leseprobe aus dem Buch:


KORAN und ISLAM, das Buch und die Glaubenslehre
 

Der Koran ist die Heilige Schrift der Mohammedaner; dieses Buch hat bei diesen höhere Bedeutung als Altes und Neues Testament bei den zeitlich vorangegangenen monotheistischen - eingottgläubigen - Religionen: im Judaismus und Christentum. Was dem Christen das Evangelium bedeutet, das ist dem Moslem und der Muslime, dem Gläubigen und der Gläubigen, der Koran.


Das Wort Koran, arabisch Kur-an: das »oft zu lesende« Buch, geht auf die hebräische Wurzel »kara« - das heißt: lesen - zurück.


Der Koran wurde von Mohammed in arabischer Sprache in den Jahren etwa von 610 bis 632 n. Chr. G. - Todesjahr des Propheten Mohammed - verfaßt und verkündet: nicht als sein Wort, sondern als die ihm von Fall zu Fall zuteil gewordenen Offenbarungen Allahs, des »alleinigen einzigen Gottes seit Ewigkeit, Welterschaffers und Herrn aller Weltenbewohner, der keinen Sohn und Helfer besitzt und benötigt«. (Die Sammlung dieser Offenbarungen bedeutet heute: Koran.)


Allah ist der arabische Name des Eingottes, der schon einige Jahrtausende bei den Juden den Namen Jahve = Jehova führte. Arabisch spricht Mohammed zu seinen heidnischen Landsleuten, damit sie Allahs Wort verstehen können, doch an alle Welt - nicht nur an sie als auserwähltes Volk - ist der Koran gerichtet.


Während dreiundzwanzig Jahren erhielt Mohammed diese Offenbarungen, Allahs »unverfälschtes« Wort, als der »letzte«, das »Siegel«, der Propheten. In der XXV. Sure, Vers [33], wird die lange Zeit erklärt: Es wäre sonst den Herzen der Gläubigen zuviel geworden.


»Dieser Koran konnte von keinem anderen außer Allah verfaßt werden«, so versichert der Begründer des neuen Glaubens in Sure X, Vers [38], des Korans, des Werkes autoritärer Religion. Im anschließenden Vers [39] weist er den Spott der Ungläubigen zurück, er, Mohammed, habe den Koran »erdichtet«. Wiederholt, zum Beispiel in Sure XV, Vers [10], läßt er Allah versichern: »Wohl haben wir diesen Koran offenbart, und wir werden auch über diesen wachen!« Und in Sure LXIX, Vers [45]: »Hätte er (Mohammed) einen Teil dieser Verse, als von uns gesprochen, ersonnen, [46] wir hätten ihn . . . ergriffen [47] und ihm die Herzadern durchschnitten ...«


So wird verständlich, daß der Koran als Allahs Wort das Heilige Buch der Moslems wurde. Und zwar um so mehr Heiliges Buch und heilige Lehre, weil mit rascher Ausbreitung und sehr irdischem diplomatischem Erfolg und Schlachtenglück in den letzten Lebensjahren des Propheten und Gründers des Großarabischen Reiches auf dünnbesiedeltem Neuland, auf dem sich Beduinenstämme und einander mißgünstige Bewohner dreier Oasenzentren - Kleinststädte - bekämpft hatten, nunmehr ein machtvoll ausstrahlender theokratischer Staat entstand.


Nach Mohammeds Tode verbreitete sich seine Lehre bis zum heutigen Tage, früher in Kriegen, heute auf friedlicher Basis, über weite Teile der Erde: Mehr als sechshundert Millionen Anhänger zählt der mohammedanische Glaube heute.


Die einzelnen Suren, Kapitel, des Korans - Sura: auf arabisch die »den Menschen überwältigende Erhabenheit« - sind nach der jeweiligen Offenbarung von den Gläubigen auswendig gelernt und auf primitiven Unterlagen, wie Palmblättern, Steinen, Holz, Knochen und Lederteilchen, niedergeschrieben, vor allem von Mohammed und auserwählten Gläubigen immer wieder, besonders im Fastenmonat Ramadan, vorgetragen worden.


Die Suren tragen Stichworte als Überschriften. Diese beziehen sich auf die maßgebliche Stelle im Text jeder Sure. (In dieser Ausgabe ist darauf durch gesperrten Satz und Noten hingewiesen.)
Der Ort der Offenbarung - Mekka oder Medina - ist bei allen Suren angegeben. Jedoch sind Suren aus Mekkaner Zeit durch Zusätze aus Medina oder umgekehrt ergänzt. Die Ortsangabe und die Zeit, wann die Sure entstand, sind umstritten.


Jede Sure ist in fortlaufend bezifferte Verse (Ajat auf arabisch) unterschiedlicher Länge unterteilt. (Die Versnummern stehen in dieser Ausgabe in eckigen Klammern.)


Manche Verse erscheinen aphoristisch. Sie sind im Text (in runder Klammer) ergänzt und durch Noten erläutert. Ebenso sind unterschiedliche Auffassungen anderer Übersetzer zitiert.


Alle Suren mit Ausnahme der IX. führen als Vers [1] die gleiche Einleitungsformel: Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen.


Zu Beginn der Verse [2] vieler Suren finden sich Abkürzungsbuchstaben, deren Bedeutung noch nicht geklärt werden konnte. (Im Notenapparat zu jeder Sure ist auf Erklärungsversuche der Wissenschaft und Religion hingewiesen.) Vielfach werden Namen der Schreiber Mohammeds vermutet.


Abgesehen von der Gliederung des Korans in Suren und Verse bestehen noch recht willkürliche Einteilungen in Abschnitte für die religiöse Lesung: zum Beispiel in dreißig Abteilungen (in dieser Ausgabe durch eingeschaltete Leerzeilen kenntlich gemacht).


Die Suren des Korans wurden erst nach Mohammeds Tode, 632, im Auftrage von Abu Bekr (Vater von Mohammeds Lieblingsfrau Aischa, einem der ersten Anhänger des neuen Glaubens und späterem ersten Kalifen), durch Mohammeds vertrauten Schreiber aus der Zeit in Medina, Said ihn Thabit, gesammelt. Hierbei gingen kleinere Teile unter Beibehalt mancher Verse widersprechenden Inhalts - vorgängige gelten durch spätere als aufgehoben! - verloren.


Das Heilige Buch ist in einhundertvierzehn Suren eingeteilt, die nach europäischer Ansicht recht willkürlich - nur der Länge der Suren entsprechend, ohne Rücksicht auf zeitliche Folge - gereiht sind. Dagegen verwahren sich heftig die Moslems, die in Reihung und Textgestaltung den höheren Willen Allahs sehen.


Es ist schwierig, aus in den Versen angedeuteten geschichtlichen Ereignissen und sprachlichen Merkmalen Reihenfolge, Zeit und Ort der Offenbarung herauszuklügeln und spätere Ergänzungen aus Mohammeds Prophetenjahren, Zufügungen und Einschaltungen einzelner Anordnungen herauszufinden.


Am leichtesten sind noch die frühen Offenbarungen aus Mekkaner Zeit durch ihren rein religiösen Inhalt und die ekstatische Sprache von den realistischen Versen gegenwarts- und lebensnahen Inhalts der Medinenser Zeit zu unterscheiden.


Ein bestechender Erfolg war 1860 der Forschung Theodor Nöldeckes, Göttingen, beschieden, der die zeitliche Folge der Offenbarungen Mohammeds in folgende vier Perioden aufgliederte und innerhalb dieser die Entstehung der Suren einteilte:


1. Periode: im ersten bis fünften Jahr von Mohammeds Auftreten:


Sure: 96, 74, 111, 106, 108, 104, 107, 102, 105, 92, 90, 94, 93, 97, 86, 91, 80, 68, 87, 95, 103, 85, 73, 101, 99, 82, 81, 53, 84, 100, 79, 77, 78, 88, 89, 75, 83, 69, 51, 52, 56, 70, 55, 112, 109, 113, 114, 1.


2. Periode: fünftes und sechstes Jahr:


Sure: 54, 37, 71, 76, 44, 50, 20, 26, 15, 19, 38, 36, 43, 72, 67, 23, 21, 25, 17, 27, 18.


3. Periode: siebtes Jahr bis zur Flucht aus Mekka, am 16. Juni 622:


Sure: 32, 41, 45, 16, 30, 11, 14, 12, 40, 28, 39, 29, 31, 42, 10, 34, 35, 7, 46, 6, 13.


4. Periode: medinensische Suren:


Sure: 2, 98, 64, 62, 8, 47, 3, 61, 57, 4, 65, 59, 33, 63, 24, 58, 22, 48, 66, 60, 110, 49, 9, 5.


Die im Koran, dem mohammedanischen Lehr-, Lese- und Vorschriftenbuch, gepredigte Lehre heißt: Islam. Islam bedeutet Friede, Gottergebenheit. Der Gläubige, der sich ganz Allah hingibt, wird Moslem genannt.


Sprache, Aufbau und Wort des Korans sind rhetorisch. Es ist nicht ganz einfach, sich in den Stil des Korans einzulesen. Denn: »Gottes Wort ist anders als Menschenwort.«


Allah spricht zu Mohammed, einmal in der Einzahl, einmal in der Mehrzahl. Allah spricht durch Mohammed zu den Gläubigen, Allah beauftragt Mohammed, zu den Gläubigen zu sprechen. Der Ungläubige - von Mohammed »0 ihr Menschen« angesprochen - antwortet in direkter Rede auf direktes Wort. Der Gläubige - »0 Gläubige!« - wird angeredet und erwidert. Der Ungläubige (Mekkaner) höhnt, der Gläubige (Medinenser) entgegnet als Moslem.


Es sprechen aber auch Engel, Propheten, Gläubige und Ungläubige früherer Zeiten in den dem jüdischen Glaubensgut entnommenen alttestamentarischen Geschichten.


Die »Schriftbesitzer«, Juden und Christen, die Thora und Evangelium kennen, werden ermahnt, die früheren Offenbarungen Allahs nicht dadurch zu verfälschen, daß sie die Ankündigungen auf Mohammeds Kommen unterdrücken. Sie werden dieses Frevels bezichtigt.


Zum Inhalt des Korans sei bemerkt: Auf seinen Reisen mit Kamelkarawanen ist Mohammed in seinen jüngeren Jahren mit Rabbinen und Vertretern christlicher Religion in Berührung gekommen. Von diesen bezog er ein in diesen Odgebieten entstelltes - apokryphes (verborgenes) - Religionsgut beider Glaubensrichtungen.


So nimmt uns seine ungenaue Kenntnis der Religion dieser Konfessionen nicht wunder. Dabei sind aber seine testamentarischen Geschichten in ihrer gläubigen Innigkeit aus Mekkaner Zeit von bezauberndem Reiz, ob er nun Abraham oder Noah, Lot, Moses, Pharao oder Salomo zu Wort kommen läßt. Könige, Heerführer, Stammesväter gläubiger Eingottrelegion sind bei ihm durchweg Propheten.


Seine Schilderungen von Paradies und Hölle, in den grellsten Farben als nahe Zukunft des Jüngsten Tages und Letzten Gerichtes - in späteren Suren wird dieses Ereignis in immer entferntere Zukunft verlegt!-, sind dem poetisch-lyrischen Charakter der Dichtung des Vorderen Orients gemäß.


Im Paradies kommen beglückte Gläubige, in der Hölle dagegen sich gegenseitig verfluchende bestrafte Ungläubige oft zu Wort. Auch die Götzen, die die Heiden ohne Sinn, »zweck- und gedankenlos nach übernommener Vätersitte« trotz Belehrung anbeten - auch Iblis, der Teufel: Sie alle sprechen.


Plastisch wird die Geschichte um Joseph und Potiphar-Aziz und dessen ungetreues Weib dargestellt wie auch das Erlebnis der von den Moslems hochgeehrten Jungfrau Maria - bei ihnen nur Mutter Jesu, des auserwählten Menschen. Jesus ist nicht Gottes Sohn, lediglich bevorzugter Prophet Allahs. Der Heilige Geist ist der Engel Gabriel, heiliger Geist als Bote Allahs.


Die christliche Trinität erscheint den Moslems als Widerspruch gegen den reinen Monotheismus: Sie erblicken in der Dreifaltigkeit einen Thritheismus, einen Dreigötterglauben.


Im Arabischen ist die Diktion des Korans - in den Offenbarungen zu Mekka - poetische Prosa, die sich in Medinenser Zeit zu nur gereimten Schlußversen wandelt.


Die B e urteil u n g des Korans war im Laufe der Jahrhunderte großen Schwankungen unterworfen.

Dem Mittelalter erschien der Koran als ein »unverdauliches« Werk, schon aus religiös mißverstandener Verhaftung verurteilt und abgelehnt. Die Suren werden als »unverständlich, aphoristischchaotisch« bezeichnet.


In der Neuzeit begann man die intuitive Erkenntnis des Monotheismus des »ungebildeten, des Schreibens und Lesens (angeblich) unkundigen« Arabers Mohammed mit seinem religiösen Ethos zu achten und das Herausführen seiner heidnischen Landsleute aus grausamen Gebräuchen der Zeit »vor der Erkenntnis« zu bewundern, wenn auch sein Leben, seine politisch bedingte Lebensmoral, die ihm vorgeworfene Sinnenlust in seinen späteren Lebensjahren übel gedeutet wurden.


Mohammed gründete mit seinem Wort ein »Paradies unter dem Schwert« - und er verfaßte ein poetisches Werk auf altem Boden hoher Poesie und Märchenerzählkunst, das heute zu den erlesenen Werken der Weltliteratur zählt, studiert wird und zunehmende Wertschätzung genießt.


Goethe, der in der zweiten Sure den maßgeblichen Kern des Korans erblickt - sie ist in dieser Ausgabe neu verfaßt -, äußert sich zum Koran:


»Genaue Vorschriften von Dingen, die erlaubt und verboten sind, legendarische Erzählungen von jüdischer und christlicher Religion, Erweiterungen aller Art, endlose Tautologien - (Wiederholungen gleichen Inhalts mit Ausdrücken gleicher Art) - bilden den Körper dieses geheiligten Buches, das uns, sooft wir uns ihm nähern, von neuem abstoßend ist, dann uns immer von neuem anzieht und mit Bewunderung erfüllt und uns endlich zur Verehrung zwingt.«


Hervorragende Gelehrte widmeten und widmen dem Koran ihre Lebensarbeit. Seit dem ausgehenden achtzehnten und durch das neunzehnte Jahrhundert hindurch liegen europäische Ausgaben und Kommentare, vielfach schwer erreichbar, vor. Die Ausgabe von Gustav Fluegel, 1834, verdient besondere Erwähnung. Er sagt: duas editiones habemus (zwei Ausgaben haben wir): Hinckelmannianam et Maraccianam.


Grundlage dieser Bearbeitung war die wörtliche Übersetzung von Ludwig Ullmann, 1840, zu deren Neufassung und Kommentierung Koranübertragungen bis in unsere Tage unter gewissenhafter Namensnennung (in den Noten) benutzt wurden.

 

 

GLAUBENS- und SONSTIGE VORSCHRIFTEN des Korans


Der Koran ist aus eschatologischem (griechisch éschata »letzte Dinge« in den prophetischen und Messianischen Religionen) Antrieb - aus der Frage nach dem Endschicksal von Mensch und Welt nach den Letzten Dingen - verfaßt.


Nicht allzuviel wird vom gläubigen Gottergebenen, vom Moslem, in den religiösen Vorschriften verlangt. (???)


Zuoberst steht der binomische Glaubenssatz: Allah ist ein einziger Gott, und Mohammed ist sein Prophet.


Allah, der Weltenherr seit Ewigkeit, hat die Welt erschaffen: Sonne, Mond und Sterne und die den Menschen wohlbereitete Erde, auf ihr das Meer. Am Jüngsten Tage geht alles zugrunde und kehrt zu ihm zurück. Allah erschuf die Engel - als seine Diener, nicht seine Töchter - und die Teufel sowie die Dschinnen, böse und gute Geister, aus Feuer und die Menschen aus Lehm. Diese betrachtet Allah als die höchsten Wesen, denen er zu gutem Tun und zum Glauben an ihn zwar unbeschränkte Willensfreiheit verlieh, aber ein in seinem göttlichen Buch im Himmel vorgezeichnetes Lebensschicksal auferlegt: einen Lebensweg, auf dem er den Menschen »auch in Irrtum entläßt«.


Ferner sind da noch sieben Himmel, am untersten die Sterne, im obersten steht Allahs Thron. Dort ist das Paradies mit allen Freuden zur Belohnung der Gläubigen und in der Tiefe die Hölle mit grauenvollen Feuermartern für die unbelehrbar Ungläubigen. Dazwischen der Wall für Menschen, deren gute und böse Werke sich genau aufwiegen: Dort sitzen sie und warten.


Eingott Allah, mit über hundert Verehrungsnamen, ist kein unversöhnlicher Rachegott, er ist gnädig, gerecht und verzeihend, voll Milde gegen unbedachte Sünder, die bereuen: Allah ist barmherzig. (Der Text liest sich völlig anders)
Mohammed, für den Eingott Allah unbedingten Gehorsam von der Menschheit fordert, ist sein Prophet, der ein Mensch ist wie alle Menschen, sterblich, nicht unfehlbar und ohne besondere Wunderzeichen von ihm ausgeschickt. Nur der Koran ist sein Zeichen - wer anders als Allah könnte ihm Offenbarungen aus dem im Himmel bewahrten U r k o r a n  durch den Engel Gabriel solche Verse gesandt haben? Niemand vermag solche nachzuahmen.


Aus der Lehre von der Lebens- und Erfolgsvorbestimmung seit Uranfang - Kismet - ist der mohammedanische Fata1ismus entstanden, der in den opferfordernden Glaubenskriegen gegen die Ungläubigen oft fatale Folgen für diese zeitigte, von denen Spanien und Mitteleuropa in den Zeiten der Araber- und Türkenkriege Zeugnis gaben.


Der Dienst an Gott wird durch tägliche Gebete zu bestimmten Zeiten mit Niederwerfungen sowie durch freiwillige Andachtsübungen verrichtet. Als Gebetsrichtung (Kibla auf arabisch) wird die Wendung zu Kaaba, der heiligen Moschee in Mekka, gefordert, wo immer der Gläubige weilt.


Weitere Glaubensgebote:


Einhalten der Fastenvorschriften, regelmäßig tagsüber im Fastenmonat Ramadan, auch als Bußübung in besonderen Fällen;


Durchführung der Großen Pilgerfahrt (Hadsch) einmal im Leben oder mehrmals der Kleinen (Umra) für Nahewohnende, zur heiligen Stätte nach Mekka;


Abgabe der Armensteuer (Zakat), die auf Bargeld oder Besitz (als Abgabe von der Nutzung in Naturalien) erhoben wird. Sie fließt vom Reichen dem Besitzlosen und Bedürftigen zu. Almosengabe ist eine immer wiederkehrende Forderung an den Gläubigen, sie ist auch Buße für Versündigung;


Speiseverbote aus heidnischer Zeit und solche, die den Juden auferlegt worden waren, sind im Koran vielfach aufgehoben beziehungsweise beschränkt. Vor allem sind Wein (auch Alkohol), Schweinefleisch, Blut und Verendetes verboten.


Spiel und abergläubische Schicksalsbefragung sind untersagt.


Geboten sind gastliche Güte gegen Pilger und Wandersmann.


H e i 1 i g e s  Gebot ist die Befolgung des Aufrufs zum Religionskrieg.


Zu den rein religiösen Vorschriften treten moralische und bürgerliche Pflichten:


Achtung vor dem Leben des Mitmenschen, damit Einschränkung der Blutrache aus heidnischer Zeit und Verbot des Tötens weiblicher Nachkommenschaft, die dem Araber unerwünscht war;
Treue und Anständigkeit im Einhalten von Verträgen und im Handelsleben (in Maß und Gewicht);


Beschränkung der Polygamie auf vier Frauen und Besserstellung dieser bei gleichzeitiger Erschwerung der in heidnischer Zeit ganz formlosen, leicht durchführbaren Scheidung;


Güte und liebevolle Dankbarkeit gegen Eltern und Verwandte. Hilfeleistung für Stammes- und Glaubensgenossen, besonders für Waisen (und Redlichkeit bei deren Vermögensverwaltung);


Sorge für die eigenen Kinder und Fürsorge für deren Mütter; Sittlicher Lebenswandel;


Pflichttreue;


Güte gegen Untergebene und Sklaven (deren Haltung die heutige mohammedanische Lehre untersagt); (Es gibt jede Menge Sklaven in Saudi Arabien.)


Verbot des Selbstmordes. Prozessuale Vorschriften: Anrufung des Propheten in Streitigkeiten;


Verfahren bei Scheidung, bei Besitzstreitigkeiten sowie in Fällen des Erbganges;


Aufteilung der Beute nach erfolgreichen Kriegen.


(Im einzelnen werden diese Vorschriften in den Noten zu den Suren besprochen.) (Diese Noten sind willkürlich dazu gedichtet.)


Aus der Vielfalt der neuen Vorschriften mit ihrem Eingriff in das bisherige Gewohnheitsrecht aus heidnischer Zeit und aus der Vertiefung der bisher oberflächlichen Religion wird der schwere Geduldskampf und Leidensweg Mohammeds bis in seine letzten Erfolgsjahre verständlich und bewundernswert.

Der Koran, der ursprünglich ohne Absicht auf gesammelte schriftliche Aufzeichnung nur für Gedächtnis und Auswendigwiederholung verfaßt war - und »alljährlich von Mohammed und dem Engel Gabriel mit der Urtextfassung im Himmel verglichen wurde« -, ließ bei Mohammeds Tod manche Zweifelslücken offen.


Der neue Staat und seine Religion waren für die Gläubigen in Gewissensqualen zu jung. Gesandtschaften aus orientalischen Nachbarländern holten sich bei den nächsten Hinterbliebenen des Propheten Rat.
So entstand H a d i t h (Mitteilung), die mit der S u n n a (Herkommen) glaubensbestimmend wirkte. Die Sunna wurde von Mohammeds kluger Witwe Aischa maßgebend beeinflußt. Dieses die religiösen Vorschriften ergänzende Gewohnheitsrecht, aus mündlicher Überlieferung nach dem Tode des Propheten entstanden, brachte Sicherheit bis in die nebensächlichsten Fragen des täglichen Lebens der Gläubigen. (Viele Entscheidungen dieses Gewohnheitsrechtes sind in Noten zum Text dieser Ausgabe eingebaut.) Idschma, die Übereinkunft der Glaubensältesten und der Allgemeinheit, und Kijas, die Ableitung aus vorhandenem Glaubensgut, helfen in Zweifeln in religiösen und Alltags-Fragen. Bis ins letzte hält sich der Moslem in seinem Leben an Koran, Sunna und Hadith und bezeigt vielfach allen dort nicht aufgeworfenen Fragen gegenüber Interesselosigkeit und Mißachtung.


Auch im Islam haben sich zwei Glaubensrichtungen gebildet: die Sunniten und die Schiiten.


Weithin wirkt heute die Ahmadiyya-Mission (äußerst aggressive Glaubensgemeinschaft aus sunnitischem Islam hervorgegangen, für unzählige Morde an Schiiten verantwortlich); jährlich gehen von ihr bestellte Missionare in alle Welt. Von ihr werden Bestrebungen der Übersetzung des Korans in alle Sprachen unterstützt. Früher war Koranlesung nur Moslems erlaubt. Die Mission verficht den Gedanken der Verbreitung des Korans über die ganze Welt.

kursive Kommentare: W. Rath


MOHAMMEDS LEBEN und WIRKEN

 

Mohammeds Geburt, Jugend und Leben bis zu seinem Auftreten als Prophet sind ebenso unerforscht wie zu jener Zeit sein Geburtsland.


Arabien, das Land seiner Geburt, mehrfach so groß wie Deutschland, lag außerhalb der kulturgeschichtlichen Entwicklung jener und früherer Zeit. Rom betreute kolonial nur Arabia Petraea. Jemen war gerade noch vom Hörensagen und durch einen mißglückten Feldzug bekanntgeworden. Arabische Randgebiete im Norden und Süden standen unter römisch-griechisch-byzantinischer oder persischer Tributpflicht.


In vereinzelten Oasen jenes überaus heißen, wasser- und ertragsarmen Gebietes hatten sich einige größere geschlossene Siedlungen gebildet: Mekka, Jathrib-Medina und Taif, die in stetem Konkurrenzkampf miteinander lebten. Religiöser Mittelpunkt wurde Mekka, das in seiner Kaaba, später Bait Allah (Haus Gottes), den heiligen schwarzen Stein besaß: Hadschar, den Meteoriten.


Seinen Handels- und Messebesuchern zuliebe stellte man auch die Götzenbilder der Handelsgäste in der Kaaba auf. Die bekanntesten arabischen heidnischen Gottheiten sind die im Koran erwähnten: Al-Uzza, Manat und Allat. Der Jahrhunderte vorher vorwiegend verehrte Allah war ohne besonderes Gepräge gegen primitive Naturgewaltgötzen und Geister in den Hintergrund getreten.


Über die Oasen waren reiche Judensiedlungen verbreitet, deren Bewohner sich durch handwerkliches Können, Goldschmiedekunst und Fleiß hervortaten. Gegenüber der arabischen Bevölkerung besaßen die Juden durch die größere Bevölkerungszahl und ihre kulturelle Vergangenheit eine Vorrangstellung. Hervor traten vor allem die Judensiedlungen in Medina und Chaibar.


Mohammed, der »Gepriesene«, kein seltener Vorname, wurde als Sohn des Abdallah und der Amina aus dem Banu Haschim, einem Zweig der Koreischiten, in Mekka geboren. Als Tag wird der 20. April angegeben, als Geburtsjahr 570. Beides ist unsicher, seine Geburt fällt in die Jahre 570 bis 580. Seine Familie war durch großherzige Freigebigkeit verarmt. Die Koreischiten waren reiche Handelsherren, die Karawanen ausrüsteten und auf den Knaben und späteren Propheten wegen seiner Armut herabsahen. Eine Amme aus Beduinenstamm, Halima, hat Mohammed vorübergehend gepflegt, ihn aber bald seiner Mutter wieder zurückgegeben, da diese nicht die Mittel besaß, die hohen Kosten solcher Pflege zu bestreiten.


Schon vor Mohammeds Geburt war sein Vater gestorben. Seine Mutter verlor er mit sechs Jahren. Er kam zu seinem liebevoll besorgten Großvater Abdal-Mottala, der verstarb, als sein Enkel noch nicht das zehnte Lebensjahr erreicht hatte. Er wurde nun bei dem kinderreichen und mittellosen Oheim Abu Talib aufgenommen, der den Neffen herzlich betreute. In dessen Sohn Ali fand er nicht nur einen getreuen Vetter, späteren Glaubensanhänger - er wurde vierter Kalif -, sondern auch den Gemahl seiner Lieblingstochter Fatima. Durch diese Tochterehe wurde Mohammeds Geschlecht für kurze Zeit in deren beiden Söhnen fortgepflanzt. Seines Oheims Eintreten für seinen Neffen gegen die späteren Verfolgungen ist um so bewundernswerter, als er selbst zeitlebens Heide blieb.


Mohammed mußte sich bereits in ganz jungen Jahren sein Brot als Hirte und als Kameltreiber auf Karawanenzügen verdienen. Er kam so in die Dienste der reichen, schon zweimal verwitweten Handelsfrau Chadidscha, für die er Karawanenreisen nach Syrien unternahm, wo er vermutlich in religiöse Berührung mit Juden und Christeneinsiedlern kam. Die reife Frau, Anfang der Vierzig, fand Gefallen an dem Fünfundzwanzigjährigen. Trotz des Widerstrebens ihres Vaters heiratete sie ihn etwa 595, ohne aber ihre vermögensrechtliche Selbständigkeit aufzugeben. Ungeachtet des Altersunterschiedes war die Ehe sehr glücklich, sie war mit zwei frühverstorbenen Knaben und vier Mädchen gesegnet. Zeit ihres Lebens blieb Chadidscha Mohammeds einzige Frau.


Wir wissen von Mohammeds damaliger äußerer Erscheinung: mittelgroß, schlanke, imponierende Gestalt, Lockenhaar, bartgerahmtes Gesicht, leuchtende Augen, betont wiegender Gang.


Mohammed wurde wenige Jahre vor seinem Tode noch einmal ein Knabe von der Sklavin Maria geboren, der aber im Alter von drei Jahren verstarb. Wegen seiner Knabenlosigkeit hatte er viel Spott zu erdulden.


Um die Jahrhundertwende überfielen Mohammed immer häufiger Trancezustände. Er fühlte sich von Dämonen verfolgt, flüchtete in die Einsamkeit des Berges Hira und lebte dort wochenlang zurückgezogen. Hier überkam ihn die erste Offenbarung. (XCVI. Sure.) Doch sprach er über seine göttliche Sendung, seit 610, nur im engsten Kreise. Seine Frau Chadidscha wurde die erste Gläubige, der ihr Onkel Waraka und sein Vetter Ali folgten. Erst die zweite Offenbarung (LXXIV. Sure) durch den Engel Gabriel bestärkte ihn in der Überzeugung von seiner gottbestimmten Sendung; an seinen guten Glauben kann heute kein Zweifel heran. Für seine Ehrlichkeit im bürgerlichen Leben hatte er den Beinamen Al-Amin (der Getreue) erhalten.


Er fühlte sich berufen, den ursprünglich von Abrahams Zeiten überkommenen Eingottglauben wiederherzustellen. Bei seinen ersten öffentlichen Predigten fand er außer dem angesehenen Koreischiten Abu Bekr nur Gläubige aus Sklavenkreisen und in den ärmsten Schichten niederen Standes: Schicksal der Gründer.


Die angesehenen Mekkaner Koreischiten traten ihm feindlich entgegen: aus einer Art von traditionsbedingtem Patriotismus, aber wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen: Sie fürchteten in der Bekämpfung des hergebrachten Götter-Götzendienstes in der Kaaba auch eine wirtschaftliche Schädigung ihres Wallfahrts-, Handels- und Messegeschäftes. Sie erklärten ihn für »besessen«. Es erwuchsen ihm und den Gläubigen Quälereien, Boykott und Verfolgungen, die eine Gruppe von Moslems zur vorübergehenden Auswanderung aus Mekka, mit seiner Zustimmung, zum Negus in das monotheistische Abessinien zwangen. Der Negus nahm die Emigranten freundlich auf und verweigerte deren Auslieferung. Um diese Zeit trat Omar, der spätere zweite Kalif und Vater Hafzas, Mohammeds weiterer Frau, zu den Gläubigen über.


Die Stammessolidarität bewahrte Mohammed vor dem Außersten, aber selbst in der engeren Verwandtschaft - zum Beispiel von seinem Oheim Abu Laheb - wurde er verfolgt.


Verhandlungen Mohammeds mit Taif in Auswanderungsfragen der Gläubigen blieben erfolglos. Steinwürfe scheuchten ihn von dort.


Bewohner Medinas hatten seine Lehre auf gelegentlichen Pilgerfahrten nach Mekka kennengelernt, sie waren Gläubige geworden. Die seit langem bestehende Konkurrenz zwischen Mekka und Medina brachte Mohammed den gewünschten Erfolg: Nach zwei Jahren kam es zu einem Bündnisvertrag mit einer kleinen Gruppe (zu Akaba), im Jahre darauf zu einem Treueschwur auf Gedeih und Verderb, an dem siebzig Männer aus Jathrib-Medina teilnahmen. Zahlreiche Gläubige aus Mekka (Muhadschirun genannt) wanderten unter Rücklaß ihrer Habe nach Medina aus und wurden dort von den gläubigen Medinensern (Ansarn, den Helfern) hilfsbereit aufgenommen. Mohammeds diplomatischem Geschick gelang die Verschmelzung beider Gruppen zu fester Glaubensbrüderschaft.


Im Juni (?) 622-sah sich auch Mohammed durch die gefährlich zugespitzten Verfolgungen der Mekkaner zur Flucht (Hidschra) gemeinsam mit Abu Bekr gezwungen. Drei Tage verbarg er sich mit seinem treuen Genossen in einer Höhle nahe bei Mekka, während sein Vetter Ali Mohammeds Anwesenheit in Mekka auf dessen Lagerstatt vortäuschte. Auf schnellen Reitkamelen entkamen Mohammed und Abu Bekr nach Medina. Ali wurde von den getäuschten Koreischiten auf kurze Zeit gefangengesetzt.


Mohammeds Stellung zu Medina war von Anfang an eine gehobene. Mit der machtvollen jüdischen Gemeinde wußte er sich anfangs erträglich zu stellen. Die Gruppe der wankelmütigen Medinenser (der »Heuchler« - Munafikun) verstand er durch Offenbarungen einzuschüchtern und schließlich seinem Glauben zuzuführen. Bald war die arabische Bevölkerung zu Medina eine feste geschlossene Einheit, da ihm daselbst auch die Aussöhnung der feindlichen Stämme der Aus und Chasradsch gelang.

Um sein Ansehen zu heben, begründete Mohammed seinen Harem, dem neben seinen Hauptfrauen Aischa und Hafza sieben Frauen und mehrere Sklavinnen angehörten.


Von Medina aus führte nun Mohammed einen erbitterten Kampf gegen seine Vaterstadt Mekka einerseits und gegen die etwa sechstausend Juden von Medina (gegenüber dreitausend Medinensern) sowie gegen die ablehnend gesinnten Juden der näheren und weiteren Umgebung.


Nach überfallartigen Angriffen auf kleinere Mekkaner Karawanen kam es zu seinem maßgeblichen Sieg im Kampfe bei Bedr im März 624. Gegen bedeutende Übermacht der Mekkaner war dieser Erfolg, »mit Hilfe himmlischer Heerscharen«, errungen worden.


Nach Niederwerfung der Juden zu Nachla erfolgte die Abrechnung mit den Juden zu Medina.


Bei Ohod erlitten die Gläubigen 625 eine Niederlage gegen Mekka, die aber glimpflich verlief, weil die Gegner die Situation nicht zu nutzen verstanden. Das Unternehmen gegen den Banu Nadir gelang bald darauf.


Bei allen Kriegszügen war den Gläubigen reiche Beute zuteil geworden.


Anfang 627 zogen die Mekkaner rachedurstig gegen Medina, die ein für arabische Kampfweise ungewohnter Graben um Medina aufhielt. Dazu kam Schlechtwetter, das die Mekkaner Übermacht zum erfolglosen Abzug zwang.


Die Vertreibung der letzten Juden aus Chaibar erfolgte 629, maßvoll und ohne Grausamkeiten. Mohammed wußte durch politisch kluge Milde auch einen Waffenstillstand mit Mekka zu Hudeibia herbeizuführen, der ihm vor allem die ungestörte Wallfahrt der Gläubigen in die Kaaba zu Mekka zusicherte.


Die Jahre 628 bis 630 standen unter, dem Zeichen der Festigung des Glaubens, der auch in Gesandtschaften von und zu Nachbarländern Ausdruck fand. Mächtige Koreischiten traten zu ihm über.
Im Januar 630 zog Mohammed nach acht Jahren der Flucht kampflos und siegreich in seine Vaterstadt ein. Der Glaube hatte über Mekka gesiegt. Ein weiterer Sieg zu Honein stärkte Mohammeds Stellung.
630/31 führte ein Kampfzug die Gläubigen bis an die Grenze des byzantinischen Reiches (Tabuk).


März/April 632 unternahm Mohammed seine letzte triumphale Pilgerfahrt nach Mekka, siebenmal umritt er die Kaaba nach Vorschrift (Tawaf) und predigte vor Tausenden von Gläubigen.


Bald hernach erkrankte Mohammed schwer und starb am 8. Juni 632 bei seiner geliebten Aischa, in deren Schoß seinen Kopf bergend.


Abu Bekr wird durch Omars Energie erster Kalif. Der Koran bindet die Gläubigen in Treue an ihren verherrlichten Propheten.

Mohammed darf nicht abgebildet

werden. Das ist das einzige be-

kannte Bild von ihm am Berg Hira.
Mohammed darf nicht abgebildet werden. Hier das einzige Bild am Berg HiraUnter den Omajjaden (bis 750) und den folgenden Abbasiden (bis 1250) wächst der Islam zu machtvoller Stärke.


Die unter islamischer Kultur geschaffenen Werte haben alle ihre Grundlage im Wort des Korans und in der ethischen Idee Mohammeds.

L. W.


Der folgende Text gilt als tatsächlich von Mohammed stammend:

"Damals hielt ich einen Monat fromme Einkehr (in einer Grotte auf dem Berg) Hira. Ich stieg hinab, und als ich schon den Talgrund erreicht hatte, vernahm ich plötzlich einen Ruf. Ich schaute nach vorn, nach hinten, nach rechts und nach links, erblickte aber niemanden. Wieder wurde ich gerufen; ich hob den Kopf, und siehe, da saß ER hoch in der Luft auf seinem Thron - nämlich der Engel Gabriel! »Bedecke mich! Bedecke mich!«, schrie ich. Sie gossen Wasser auf mich. Der erhabene Gott schickte Verse* zu mir herab: »Oh, du Bedeckter! Erhebe dich und predige! Und deinen Herrn, den verherrliche! Und reinige deine Kleider!«"
* (Sure 74, 2-5)


 

Leseprobe der ersten Sure und der zweiten Sure bis Vers 28
 

ERSTE SURE
Eröffnung1)des Korans (Al-Fatiha)                 offenbart zu Mekka2)

[1] Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen!

[2] Lob und Preis sei Allah, dem Herrn aller Weltenbewohner3),

[3] dem gnädigen Allerbarmer,

[4] der am Tage des Gerichtes herrscht.

[5] Dir allein wollen wir dienen, und zu dir allein flehen wir um Beistand.

[6] Führe uns den rechten Weg,

[7] den Weg derer, welche sich deiner Gnade freuen - und nicht den Pfad jener, über die du zürnst oder die in die Irre gehen!4)


1)Diese den Koran »eröffnende« Sure ist das Kurzgebet des Moslems. »Sure« bedeutet die »den Menschen anspringende« Erhabenheit und Weisheit. 114 Suren, Kapitel, jede in Verse (Ajat) unterteilt, bilden, der Länge des Inhalts nach geordnet, den Koran, die verbindliche Religionsvorschrift. Auch jedwede bürgerliche, soziale und strafrechtliche Anordnung ist im Kor-An enthalten. (Der Moslem verwahrt sich gegen die abendländische Ansicht einer »Willkür« der nichtchronologischen Reihung nur »nach Länge« der Suren. Bereits in Vers [3] der zweiten Sure sei die Antwort auf [6] der ersten Sure erteilt.)

2)Die dem Herkommen entsprechend übernommene Ortsangabe hält nach mancher Kommentatoren Meinung der Forschung nicht stand. Die in reiner Mekkaner Sprache in poetischer Prosa abgefaßten religiösen Partien stammen aus der ersten Zeit der Prophetie des Religionsstifters, die klaren Gesetzesstellen aus der medinensischen späteren Kampfzeit des diplomatischen, klugen und zielsicheren Staatengründers. Vielfach sind Offenbarungen beider Perioden in den Suren vermischt, nachträglich (vielleicht auch von seiner Lieblingsfrau und Vorkämpferin des Islams, Aischa) eingefügt. (Siehe Zeitordnung in der Einführung.)

3)Die übliche Übersetzung »Weltenherrn« wird abgelehnt.

4)Goldschmidt übersetzt: » .. den Weg derer, denen du huldvoll bist, über die nicht gezürnt wird, die nicht irregehen.« Die im Text wiedergegebene Übersetzung lehnt er sprachlich ab. Er mißt dem Vers nur polemische Bedeutung bei: gegen Juden und Christen gerichtet.

 

ZWEITE SURE
Die Kuh1) (Al-Bakarah)    offenbart zu Medina

1)Benannt nach den Versen [68] ff

  [1]Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen.

  [2] Alif Lam Mime2).

2)Die drei arabischen Buchstaben (a, l, m) sind nach herkömmlicher Meinung von einem der Schreiber Mohammeds, Amar li Muh, zugefügt. Solche Abkürzungen, Al-Mukkataat genannt, aus dreizehn verschiedenen Schriftzeichen, bei achtundzwanzig Suren, in Kombination bis zu fünf Buchstaben verwendet, bedeuten nach mosleminischer Auffassung eine Anrufung Allahs mit einer seiner in diesen Suren besonders zum Ausdruck kommenden hohen Eigenschaften; hier: Allah, der Allwissende. (über hundert solcher verehrender Anrufe verwendet der Moslem.) - Buchstaben bedeuten auch Zahlen (a = 1, 1 = 30, m = 40). So soll nach anderer religiöser Meinung in diesen Zeichen mit der Zahl 71 die Macht des Islams (nach anfänglicher Schwäche desselben) 71 Jahre nach Verkündung dieser Sure prophezeit sein.

  [3] Dieses Buch - es ist vollkommen, nichts ist zu bezweifeln - ist eine Richtschnur für die Frommen,

  [4] die auch an das geheimnisvoll Unbeweisbare (an das Unsichtbare) glauben, das Gebet verrichten, von dem, was wir ihnen huldvoll verliehen haben, Almosen geben

  [5] und an das glauben, was wir dir offenbarten, auch an das, was vor dir offenbart wurde, und die auf das Jenseits fest vertrauen.

  [6] Sie folgen der Führung ihres Herrn, ihnen wird es wohl ergehen.

  [7] Den Ungläubigen aber (für sie) ist es gleich, ob du sie mahnend warnst oder nicht: Sie bleiben ungläubig.

  [8] Allah hat ihnen Herz und Ohr verschlossen, ihre Augen verhüllt - harte Strafe wartet ihrer.
  [9] Da gibt es Menschen, die sprechen zwar: »Wir glauben an Allah und an das Weltgericht!«, doch sie sind nicht gläubig,

[10] und sie wollen Allah und die Gläubigen täuschen - aber sie betrügen nur sich selbst; doch dafür fehlt ihnen das Verständnis.

[11] Ihr Herz ist krank, und Allah überläßt es mehr und mehr der Krankheit; bittere Strafe wird sie wegen ihres verlogenen Leugnens treffen.

[12] Spricht man zu ihnen: »Stiftet kein Unheil auf Erden!«, so antworten sie: »Wirsind rechtschaffen (fördern Frieden)!«

[13] Doch in Wahrheit sind sie die unheilvollen Weltverderber - und wollen es nicht wahrhaben.

[14] Sagt man zu ihnen: »Glaubt doch, wie die anderen glauben!«, dann erwidern sie: »Sollen wir denn gleich Toren glauben?« - Doch sie selbst sind die Toren - und wissen es nicht.

[15] Treffen sie mit Gläubigen zusammen, sprechen sie: »Auch wir glauben.« Kommen sie aber wieder zu ihren satanischen Verführern1), sagen sie: »Wir halten es doch mit euch, und mit jenen treiben wir nur Spott.«

3)Hierunter sind die Priester und konfessionellen Vertreter jüd. und christl. Glaubens verstanden!
[16] Allah aber spottet ihrer und läßt die Verblendeten in ihrem frevlen Irrtum beharren.

[17] Sie haben den Weg zur Wahrheit mit dem Irregehen vertauscht, ihr Handeln bringt ihnen keinen Gewinn: Sie sind vom rechten Weg abgekommen.

[18] Sie sind dem zu vergleichen, welcher ein Feuer entzündet, und da dieses nun alles um ihn erleuchtet, löscht Allah das Licht und läßt ihn in schwarzer Finsternis: so sieht er nichts.

[19] Taub, stumm und blind ist er - darum findet er keine Umkehr (büßt nicht).
[20] Oder wie in Finsternis sind sie, wenn unter Donner und Blitz aus schweren Wolken Regen vom Himmel stürzen; sie stecken im Donnergetöse aus Todesangst die Finger in die Ohren; und Allah ergreift die Ungläubigen.

[21] Des Blitzes Strahl blendet ihre Augen; sooft dieser alles um sie erleuchtet, wandeln sie in seinem Lichte; wird es aber wieder finster, dann stehen sie festgebannt. Und wenn Allah nur wollte, um ihr Gesicht und Gehör wäre es geschehen: denn Allah vermag alles, was er will.

[22] 0 Menschen (ungläubige Mekkaner), dienet dem Herrn, der euch und die vor euch erschuf, damit ihr ihn ehrfürchtig verehren lernt.

[23] Er bereitete euch die Erde zum Teppich und den Himmel zum Gezelt; er läßt Wasser vom Himmel strömen, um Früchte zu euerem Unterhalt hervorzubringen. Daher stellt Allah gegen besseres Wissen keine Götzen zur Seite.

[24] Bezweifelt ihr das, was wir unserem Diener offenbarten, nun, so bringt doch nur eine Sure gleich diesen hervor, ruft eure Zeugen4) außer Allah zu Hilfe, wenn ihr die Wahrheit sprecht.

[25] Könnt ihr dies aber nicht - und nimmermehr vermögt ihr dies -, so fürchtet das Feuer, das Menschen und Steinen5) verzehrt, das für die Ungläubigen bereitet ist.

[26] Verkünde denen, die glauben und Gutes tun, daß sie in Gärten kommen werden, die Ströme durchfließen; und sooft sie dort Früchte genießen werden, sagen sie: »Diese Früchte waren auch schon früher unsere Speise!« - Gleicher Art werden diese dort sein. - Auch unbefleckte Frauen werden ihnen zuteil werden, ewig sollen sie in den Gärten weilen.
[27] Gewiß, Allah ist nicht zu groß, kleine Gleichnisse von Mükken oder noch Kleinerem
6) zu geben. Die Gläubigen wissen, daß nur Wahrheit von ihrem Herrn kommt. Die Ungläubigen aber sprechen: »Was will Allah mit solchem Gleichnis?« Viele sollen dadurch irre werden, viele recht geleitet. Aber nur die Frevler läßt er im Irrtum bleiben.

[28] Die das errichtete Bündnis mit Allah zerreißen und trennen, was Allah vereinigt haben will, und die auf Erden Verderben stiften. Diese werden untergehen.
4)Die Götzen-Götter. 4)Die Steingötzen. 6)Mohammed »stellt nicht Allahs unwürdige Gleichnisse auf... Allahs Walten auch für kleinste Lebewesen findet hier Ausdruck.