Buddhismus, eine Weltanschauung

Auf dieser Seite >hier< ein paar Grundsätze von Buddha selbst

und ein Bildausschnitt vom Borobudur-Tempel auf Java.

Auf neuer Webseite:

>hier< ein ausführlicher Artikel aus der Zeitschrift "stern" mit Bildern,

>hier< ein Buch: Grundbegriffe des Buddhismus von Anfängergeist bis Zen,

>hier<: Gedanken zur Erschaffung der Welt,

>hier< buddhistische Ansicht über Bestrafung wegen schlechter Führung in früherem Leben,

>hier< "die Welt der Religionen".


 

Lassen wir den bekanntesten Vertreter dieser Weltanschauung zuerst zu Wort kommen, den

Dalai Lama in der WM-Arena in Frankfurt Mitte 2009          Bild: DDP

Kosten des "Auftritts": 1,9 Mio Euro; ungedeckt: 150 Tausend

Dalai Lama.

 

 Dalai: »Ozean (des gelehrten Wissens)« (tibetanisch);  Bla-ma: »Oberhaupt« (mongolisch) kam am 6. Juli 1935 namens Tenzin Gyatso in einer Bauernfamilie im Dorf Taktser in Osttibet zur Welt. Er  ist seit 1940 der 14. Dalai Lama und lebt seit 1959 in Nordindien im Exil. Er wird als Inkarnation (Fleischwerdung) seines eigenen Vorgängers angesehen, da dieser sich in ihm als Kind, das kurz nach seinem Tod zur Welt gekommen ist, anhand bestimmter körperlicher Merkmale offenbart haben soll.

 

Zur Wiedergeburt selbst äußert sich der Dalai Lama folgendermaßen: "Der Dreh- und Angelpunkt der rationalen Begründung der Wiedergeburt besteht darin, dass alle von uns erfahrenen Bewusstseinsmomente aus einem Moment entstehen, der ihnen vorangeht. Und da Materie und Bewusstsein zwar an der Entstehung des jeweils anderen mitwirken, jedoch niemals »substanzielle Ursache« füreinander sein können - aus Geist kann nicht Materie und umgekehrt entstehen -, muss dem ersten Bewusstseinsmoment eines neugeborenen Wesens eine notwendige Ursache vorausgehen, die nichts anderes sein kann als ein Moment des Bewusstseins selbst. Mithilfe dieser Argumentation wird im buddhistischen Denken die Existenz eines vorangegangenen Lebens begründet."

Zur Entstehung des Universums: "Aus buddhistischer Sicht ist die Idee eines singulären, absoluten Anfangs überaus problematisch. Hätte es einen solchen Anfang gegeben, blieben logischerweise nur zwei Möglichkeiten. Eine davon ist der Theismus, die Vorstellung also, dass das Universum das Werk einer transzendenten Intelligenz ist, die damit außerhalb der Gesetze von Ursache und Wirkung stehen muss. Die zweite Möglichkeit ist die eines Universums, das ohne eine Ursache entstanden ist. Der Buddhismus verneint beide Möglichkeiten."

 

"Der Ausdruck für die Einsicht in die grundsätzlich abhängige Natur der Wirklichkeit - das »Abhängige Entstehen« -  ist das Herzstück des buddhistischen Weltverständnisses und Menschenbildes. Das Gesetz des abhängigen Entstehens kann, in aller Kürze, auf drei Arten verstanden werden:

• Alle zusammengesetzten Dinge und Ereignisse entstehen aus der Wechselwirkung von Ursachen und Bedingungen. Sie er scheinen also nicht voll entwickelt aus dem Nirgendwo.

• Eine wechselseitige Abhängigkeit besteht zwischen den Teilen und dem Ganzen - ohne Teile gibt es kein Ganzes; ohne das Ganze macht es keinen Sinn, von Teilen zu sprechen. Diese Wechselbeziehung zwischen Teilen und Ganzem gilt sowohl für räumliche als auch für zeitliche Beziehungen.

• Jedes Element, welches existiert und über eine Identität verfügt, tut dies nur innerhalb eines allumfassenden Netzwerks aller Elemente, die mit ihm in einer möglichen oder auch potenziellen Beziehung verknüpft sind. Kein Phänomen existiert mit einer unabhängigen oder eigenständigen Identität.

Die Welt besteht aus einem Netz komplexer Beziehungen. Es macht keinen Sinn, ohne Berücksichtigung der Beziehungen zur Umgebung und zu anderen Phänomenen, einschließlich Sprache, Vorstellungen und Konventionen, von der Wirklichkeit autonomer, voneinander getrennter Entitäten zu sprechen. Es gibt keine Subjekte ohne Objekte, die sie definieren; es gibt keine Objekte ohne Subjekte, die sie wahrnehmen - es gibt keinen Handelnden ohne Handlung. Es gibt keinen Stuhl ohne Beine, Sitzfläche, Rückenlehne, Holz, Nägel, den Boden, auf dem er steht, die Wände, die den Raum definieren, in dem er sich befindet, und die Individuen, die sich darauf verständigt haben, ihn »Stuhl« zu nennen, und ihn als etwas definieren, worauf man sitzen kann. Nicht nur ist die Existenz der Dinge und Ereignisse zutiefst verbunden, sondern sogar ihre Identitäten sind dieser Vorstellung zufolge ganz und gar voneinander abhängig."
 

Anfangslose Zeit
"
Da nach buddhistischer Auffassung alle Phänomene durch Ursachen bedingt werden (Abhängiges Entstehen, -Karma, Wiedergeburt), muss auch jedes Zeitmoment durch ein vorheriges bedingt sein. Somit kann es keinen Anfang der Zeit und keine ursprüngliche Schöpfung geben."

 

Bewusstsein
Die meisten buddhistischen Schulrichtungen unterscheiden sechs Arten von Bewusstsein. Dabei handelt es sich um fünf Arten von Sinnesbewusstsein (Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen) und um das mentale Bewusstsein. Diese Differenzierung dient der analytischen Untersuchung des Entstehens und der Zusammensetzung von Empfindungen, Wahrnehmungen und Gedanken. Was spontan als unmittelbarer Ausdruck der Erfahrung eines »Ichs« - eines Bewusstseins - empfunden werden mag, lässt sich durch die Differenzierung des Bewusstseins als das Zusammenspiel zahlreicher Faktoren erklären, in denen kein dauerhaftes Selbst (Nicht-Selbst) als bestimmendes Moment der Erfahrung gefunden werden kann.

Hierzu sagt der Dalai Lama: "Wir neigen dazu, die Welt unserer bewussten Erfahrungen so zu betrachten, als wäre sie in sich einheitlich - ein monolithischer Block, den wir als Bewusstsein bezeichnen-, doch sobald wir sie genauer betrachten, werden wir feststellen, dass diese Betrachtungsweise zu sehr vereinfacht. Unsere Bewusstseinserfahrungen setzen sich aus zahllosen, äußerst unterschiedlichen mentalen Zuständen zusammen. In der buddhistischen Bewusstseinsphilosophie gibt es deshalb eine grundlegende sechsfache Unterteilung des Bewusstseins: Erfahrungen des Sehens, Hörens, Riechens, Schmeckens, der Berührung und schließlich mentale Erfahrungen. Die ersten fünf sind Sinneserfahrungen, während die sechste eine mentale Erfahrung ist, die viele verschiedene Prozesse wie Erinnerung, Wille, Absicht und Vorstellungskraft umfasst."
 

Handlung (»Karma«)
Die Theorie des Karma hat im Buddhismus einen ganz besonderen Stellenwert, wird aber häufig falsch interpretiert. Wörtlich bedeutet Karma einfach nur »Handlung« und beschreibt das bewusste, absichtliche Handeln fühlender Wesen. Solche Handlungen können physischer, verbaler oder geistiger Natur sein - sie umfassen also auch Gedanken und Gefühle. Sie alle, so unbedeutend sie auch erscheinen mögen, hinterlassen einen Eindruck in der Psyche des Individuums, mag er auch noch so klein sein.
Absichten führen zu Handlungen und lassen Wirkungen entstehen, die dem Geist bestimmte Wesenszüge und Neigungen verleihen, und diese führen wiederum zu neuen Absichten und Handlungen. Der gesamte Prozess wird als eine endlose, sich selbst in Gang haltende Dynamik verstanden. Diese Kettenreaktion von ineinander greifenden Ursachen und Wirkungen läuft sowohl in Individuen als auch in Gruppen und Gesellschaften ab - nicht nur während einer Lebenszeit, sondern über viele Leben hinweg.
Wenn wir den Begriff Karma verwenden, verweisen wir einerseits auf spezifische individuelle Handlungen, andererseits aber auch auf das Prinzip dieser Abfolge von Ursache und Wirkung. Im Buddhismus wird Karma als ein fundamentaler und natürlicher Vorgang betrachtet und nicht als eine göttliche Fügung oder als Ausdruck schicksalhafter Vorbestimmung. Karma ist das Ergebnis des Handelns fühlender Wesen; es wäre falsch, Karma als eine in sich abgeschlossene, transzendente Entität zu betrachten, die wie der Gott eines theistischen Systems handelt, oder als ein deterministisches Gesetz, das schicksalhaft das Leben eines Menschen bestimmt.


(Diese 6 Zitate stammen aus dem Buch des Dalai Lama: Die Welt in einem einzigen Atom, Theseus-Verlag, Berlin 2005)


 

Eine sehr wichtige Definition im Buddhismus sollte doch noch erläutert werden und zwar des Begriffs der

 

Unwissenheit (Avidya, auch »Abwesenheit von Wissen«, »Unwissenheit«, »Ignoranz«, »Täuschung«)


Dazu sollten die 3 folgenden Lehrer zu Wort kommen:
AYYA KHEMA:
Unwissenheit bedeutet nicht, dass wir das kleine Einmaleins nicht beherrschen. Unwissenheit hat eine andere Bedeutung. Sie zeigt an, dass wir die Vier Edlen Wahrheiten ignorieren. Unwissenheit ist der Beginn des Rades von Geburt und Tod. (Aus seinem Buch: Sei dir selbst eine Insel, Theseus-Verlag, Berlin 1987)
ROB NAIRN:
Täuschung (Avidya) ist grundlegende Ignoranz, ein Nicht-Erkennen dessen, wie die Dinge wirklich sind. Dabei geht es nicht um intellektuelles Nicht-Wissen, sondern um einen grundlegenden Widerwillen zu »sehen«, weil der Akt des Sehens, der Akt des Aufwachens Mühe und Unannehmlichkeiten mit sich
bringen kann. In diesem grundlegenden Widerwillen sind wir gefangen. Er ist die Basis unseres unerleuchteten Zustandes, die sich in unserem alltäglichen Erleben als emotionaler Widerstand, das Offensichtliche zu akzeptieren, manifestiert. (Aus seinem Buch: Leben - Träumen - Sterben, Theseus-Verlag, Berlin 2004)
SYLVIA WETZEL:
In der tibetischen Tradition wird sehr anschaulich beschrieben, wie die Ich-Vorstellung aus der Unwissenheit entsteht. Unser wahres Wesen ist Buddha-Natur, die allen Wesen innewohnende Offenheit, Klarheit und Feinfühligkeit des Geistes. Ruhen wir nicht darin, nehmen wir dualistisch wahr. Wir spalten unsere Wahrnehmung auf in eine subjektive Innen- und eine objektive Außenwelt. Wir bilden Vorstellungen über uns und andere, und diese verteidigen wir mit aufgewühlten Emotionen. Wiederholen wir das immer wieder, entwickeln sich eingefahrene Verhaltensweisen, mit denen wir uns identifizieren. So führt die Unwissenheit über unsere Buddha-Natur zu dualistischer Wahrnehmung, aufgewühlten Emotionen und gewohnheitsmäßigem Verhalten. (Aus ihrem Buch: Hoch wie der Himmel, tief wie die Erde, Theseus-Verlag, Berlin 2002, 2. Auflage)
 


Eine riesige Tempelanlage des Mahayana-Buddhismus. Mahayana = großes Fahrzeug, eine Bewegung gegen

die inzwischen reich gewordenen Buddha-Orden gerichtet war und bereits das "Zen" vorbereitete, der Lehre

von der Lehre. - Die Stupas (= Haarknoten) gedacht als Reliquienschreine enthalten in diesem Tempel jeweils

den Geist Buddhas. An anderen Stellen symbolisieren sie die Himmelskuppel. Die Mittelachse ist die Verbin-

dung zwischen Himmel und Erde

 

Buddha (= der Erwachte, namens Gautama Siddhartha aus dem Shakya-Geschlecht, daher auch Buddha Shakyamuni genannt) ging in seiner Lehre von den "vier edlen Wahrheiten" aus:

 

1) Alles Leben ist leidvoll; denn alle Welterfahrungen sind unbefriedigend.

2) Ursache des Leidens ist die Begierde, das Habenwollen, der Lebenswille - der »Durst«.

3) Dieses Leiden kann überwunden werden dadurch, dass man sich von den Begierden und Leidenschaften, wie vor allem von Gier, Hass und Verblendung befreit.

4) Diese Befreiung erreicht man über den "edlen achtfachen Pfad":

rechte Einsicht, Anschauung und Gesinnung,

rechte Einstellung und daraus

rechtes Handeln, ferner wird gefordert.

rechtes Reden,

rechter Lebenserwerb,

rechtes Bemühen und Streben,

rechtes Denken und

rechte Sammlung, d.h. Sichversenken.

Eine Ethik schützt vor einer nur ichbezogenen Existenz.

Das endgültige Erlöschen der Lebensillusionen ist das Nirwana [Sanskrit, eigentlich »das Erlöschen«], das Erlöschen der Begierde, des Hasses und des Nichtwissens als der drei Quellen allen Leidens des Menschen.
 


>Hier< eine ergänzende Beschreibung des Buddhismus. Abweichungen entsprechen den unterschiedlichen Informationsquellen und Ansichten.


In Japan ist der Schintoismus - im obigen Verweis direkt nach Buddhismus zu finden - die "Staatsreligion". Gleichzeitig bekennen sich 80 % der Japaner zum Buddhismus (als parallel laufende Weltanschauung). Aber sie scheren sich keineswegs darum, dass der Buddhismus den Lebensweg der Gewaltlosigkeit und der friedlichen Konfliktlösung aufzeigt, sowie eine rein vegetarische Ernährungsweise. Wie heißt es so schön: "Sie predigen Wasser und berauschen sich mit Wein."


Walter Rath, Juli 2009