Knabenliebe


"Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten" nach Johann Wolfgang von Goethe aus seinem Schauspiel "Iphigenie auf  Tauris"; so mag die Motivation lauten der Taliban-Krieger für ihr hartnäckig verfolgtes Ziel um die Wieder-Einführung der reinen islamischen Religionsanwendung, der Scharia, in Afghanistan.

Es ist bekannt, dass der Drogenanbau und -konsum in Afghanistan niemals mehr unterbunden werden kann. Ein Verbot wäre dort - in Afghanistan - unangebrachter als ein völliges Alkoholverbot in Europa. Man denke an die Prohibition in den USA.

>Hier< über die perverse Art der Verheiratung in Afghanistan,
>hier< Artikel über Zwangsverheiratung in einer religiösen Sekte,
>hier< zu einem Artikel zur Stellung der Frau im traditionellen Afrika.


Kölner Stadt-Anzeiger von Donnerstag/Freitag 1./2. April 2010 (auch am 1.4.2010 in der Berliner Zeitung veröffentlicht und online nachlesbar):

Von afghanischen Tanzjungen
Die sogenannten Batscher Batschi halten sich Taliban und andere Kriegsherren gerne als blutjunge Sex-Sklaven
VON ANTONIA RADOS

Ich weiß nicht, ob alle Religionen der Welt solch ein Problem mit der Sexualität haben wie die christliche*(ganz unten). Doch ich weiß, dass Afghanistans Taliban eines haben. Genauer ausgedrückt: zwei. Ein Problem haben sie mit Frauen, die blutjung zwangsverheiratet werden; davon hat jeder bei uns schon gehört. Das Problem Nummer zwei, die „Tanzjungen" der Taliban, wird behandelt wie der Kindesmissbrauch in deutschen Kirchen und Schulen: Man schweigt sich aus. Allerdings kommt in Afghanistan dazu, dass man sich die Schädel einschlägt für einen „Batscher Batschi", wie man die „Tanzjungen" nennt.

Eine kurze Einführung in das heikle Thema: Es handelt sich um Jungen im Alter von acht bis vierzehn Jahren, die von Taliban (aber genauso von Kriegsherren) entführt werden, um mit ihnen Tisch und vor allem Bett zu teilen. Einmal ausgewählt, ist ein Junge seinem „Meister" dienlich, solange er keine Barthaare hat. Ein Batscher Batschi, den ich vor zwei Jahren interviewte, erzählte mir, wenn sein Herr nur ein einziges Barthaar entdeckt hätte, wäre es um ihn geschehen gewesen. Der Junge riss sich heimlich jedes einzelne Barthaar aus. Zum Zeitpunkt des Interviews war der Batscher Batschi allerdings schon ein Ex. Vierundzwanzig Jahre alt.

Fünfzehn Jahre hatte er einem Taliban als Sex-Sklave gedient, wobei er dieses Wort natürlich nicht verwendete. Über Sex redet man in Afghanistan nicht. Man praktiziert ihn auf privaten Festen. Um die Herren zu unterhalten, werden für solche Gelegenheiten Batscher Batschi als Mädchen verkleidet. Geschminkt, in wallenden Kleidern tanzen sie vor ausgewählten Gästen: Taliban, Kriegsherren, Großgrundbesitzer. Die „begutachten" ihr Opfer. Tanzt einer besonders gut, gibt es oft Eifersüchteleien zwischen den Gästen. Ein Gewehr ist schnell bei der Hand. Schon geht die Schießerei los. Ein anderer Batscher Batschi erzählte mir, zwischen seinem „Meister" und einem Gast sei einmal seinetwegen Streit ausgebrochen. Beide wollten ihn „besitzen". Sein bisheriger Herr kam um. Der Sieger erhielt einen Preis, ihn, den Tänzer, und brachte ihn nach Hause. Die üblichen vier Ehefrauen lebten da. Bald stellte sich eine der Frauen gegen den Batscher Batschi. Sie wurde verstoßen. Der Junge blieb.

Der Hausfrieden kann besonders stark gestört werden, wenn sich ein Mann mehrere Batscher Batschi bei Festen erkämpft.

Verbotene Kleinkriege um „Lustknaben" kommen selbst unter Afghanistans ranghöchsten Taliban vor. Taliban-Chef Mullah Omar kämpfte vor Jahren in Kandahar ungeniert um einen Jungen. Die ganze Stadt spricht heute noch davon. Auch im Bestseller „Der Drachenläufer" gibt es einen Batscher Batschi, der aus der Hand der Taliban befreit wird, was leider nur in Romanen vorkommt. Die meisten Jungen sind ihren Peinigern hilflos ausgeliefert. Widerstand wird am ersten Tag mit einer todsicheren Methode gebrochen: einer schnellen Vergewaltigung. Wegen der Schande traut sich kein Junge mehr zurück zur Familie. Hilfsorganisationen wagen kaum, sich um diese Kinder zu kümmern. Die Behörden wollen es nicht. Ich fragte einen afghanischen Polizeichef, warum er nicht eingreife. Daraufhin kam es beinahe zu einer Festnahme, nicht der Täter, sondern meiner ...


Unsere Autorin (56) ist Politikwissenschaftlerin und als Fernsehjoumalistin seit langem für die Sender der RTL Mediengruppe Deutschland tätig. Dort fungiert sie seit dem 1. Januar 2009 als Chefreporterin Ausland.


*  Anspielung auf die derzeitigen Enthüllungen (2010) von Kindes- und Jugendlichen-Missbrauch durch insbesondere römisch-katholische Priester, was Jahrzehnte lang oder wahrscheinlich schon seit Bestehen dieser Organisation unter dem Teppich verhüllt worden war und sicher immer noch wird. Aber in der Bibel steht ja schon: Lasset die Kindlein zu mir kommen (meinen die Stellvertreter Gottes auf Erden)...