"Keynesianismus",

eine politisch religiöse Sekte.

Uns beherrscht jedoch der "Monetarismus" (Verzweigung >hier< direkt).

 

John Maynard, Lord Keynes of Tilton (kleiner Ort in Leicestershire in England) starb 1946 im Alter von knapp 63 Jahren als einer der bekanntesten Volkswirtschaftler. Er nahm als Diplomat und Berater des britischen Schatzamtes in anfänglich leitender Funktion die Delegation bei der Versailler Friedenskonferenz nach dem ersten Weltkrieg, trat aber 1919 zurück, weil er die alliierten Reparationsforderungen für volkswirtschaftlich nicht vertretbar hielt. Von 1920 bis zu seinem Ableben war er Professor am King's College in Cambridge. Keynes befasste sich insbesondere mit Geldwirtschaft und Arbeitslosigkeit. In beiden Fällen befürwortete er staatliche Interventionen zur Stabilisierung. Nach seinen Erfahrungen in der Weltwirtschaftskrise, die als New Yorker Börsenkrach am Schwarzer Freitag, dem 25.10. 1929, wie ein Vulkanausbruch "explodierte" und sich weltweit bis1932 verschlimmerte, "widerlegte er die klassische wirtschaftsliberale Sicht, nach der das sich bei freier Konkurrenz einspielende Preis-, Lohn- und Zinsniveau automatisch zur Vollbeschäftigung führe. Er wies nach, dass Unterbeschäftigung auch bei gesamtwirtschaftlichem Gleichgewicht möglich ist," ist bei © 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG zu finden.

 

Keynes wurde zum Begründer einer neuen Richtung der Nationalökonomie, bekannt als Keynesianismus, dem viele Wirtschaftswissenschaftler folgten mit den wesentlichen Elementen (jetzt wieder nach Brockhaus):


1. Die ökonomische Analyse richtet sich auf die Gesamtgrößen des Wirtschaftskreislaufs (Makrogrößen).

2. Ein wirtschaftliches Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung wird lediglich als ein Sonderfall möglicher Gleichgewichtszustände verstanden.

3. In der Geldtheorie wird ein Zusammenhang zwischen monetärem und güterwirtschaftlichem Bereich abgeleitet.

4. In die Analyse werden auch psychologische Annahmen über das wirtschaftliche Verhalten der Wirtschaftssubjekte und dessen Bestimmungsgründe (u.a. Liquiditätspräferenz, Hang zum Verbrauch) eingeführt.

5. Ausgehend von einer Abhängigkeit der Konsumausgaben vom Einkommen, der Investitionen vom Zinssatz, der Geldnachfrage von Einkommen und Zinssatz wird der Zusammenhang zwischen Geldmenge, Zinssatz, Investitionen, Einkommen und Beschäftigung analysiert.

 

Der Keynesianismus war von Anfang an praktisch ausgerichtet, da er die theoretische Grundlage für eine staatliche Wirtschaftspolitik liefern wollte, die v.a. durch variables Nachfrageverhalten des öffentlichen Sektors zum Ausgleich einer ungenügenden effektiven Nachfrage der Privaten gegebenenfalls auch durch Haushaltsdefizite (Defizitfinanzierung) den Wirtschaftsprozess beeinflussen sollte, z.B. in Form der Globalsteuerung.

 

In "Gabler's Wirtschaftslexikon" steht (unter anderem): Das wissenschaftliche Werk von Keynes, das in erster Linie als eine Kritik der Theorie des allgemeinen Gleichgewichts der Neoklassik und der von ihr geforderten minimalistischen Rolle des Staates im Wirtschaftsprozess anzusehen ist, wird bis heute kontrovers diskutiert. Unbestritten ist, dass Keynes sich vor allem darum verdient gemacht hat, das Denken in und die Analyse von gesamtwirtschaftlichen Größen wie Konsum, Sparen, Investition und Einkommen auf eine neue Grundlage zu stellen. Er hat auf diese Weise wichtige Impulse für die Entwicklung der volkswirtschaftlichen Kreislaufanalyse, der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der gesamten modernen Makroökonomik gegeben. Der Meinungsstreit entzündet sich jedoch bis heute an den von Keynes vorgetragenen Überlegungen zur Erklärung von Wirtschaftskrisen und seinen daraus abgeleiteten Empfehlungen zu ihrer Überwindung. In seinen Arbeiten, die ganz unter dem Eindruck der „Großen Depression" entstanden, argumentiert Keynes, dass eine Marktwirtschaft offensichtlich nicht so funktioniert, wie es sich die Nationalökonomen in ihren Theorien vorgestellt haben. Seinem eigenen neuen Erklärungsansatz zufolge ist Arbeitslosigkeit keineswegs ... eine eher zufallsbedingte Abweichung vom Normalzustand der Vollbeschäftigung, die sich aufgrund der "Selbstheilungskräfte" des Marktes vergleichsweise rasch und ohne staatliches Zutun ganz von allein wieder einstellen werde. ... In seinem gesamtwirtschaftlichen Konzept sieht er als ... instabilstes und bei allgemeiner wirtschaftlicher Unsicherheit sogar völlig unberechenbares Element die Investitionsnachfrage der Unternehmen. Auf diese Weise begründet Keynes, dass eine Marktwirtschaft bei pessimistischen Zukunftserwartungen und nach unten vergleichsweise starren Löhnen in einen Zustand mit hoher Arbeitslosigkeit versinken kann, aus dem es erst vergleichsweise spät (oder nie) eine Erholung aus eigener Kraft geben wird.
Daher forderte eine aktive staatliche Konjunkturpolitik, die seiner Diagnose folgend vor allem die Aufgabe hat, die unzureichende gesamtwirtschaftliche Endnachfrage einer im Zustand der Unterbeschäftigung verharrenden Volkswirtschaft auszuweiten. Dabei sah er, seinem eigenen theoretischen Erklärungsansatz folgend, die Schlüsselrolle für eine Überwindung der Depression in einer Ankurbelung der Investitionen, die nicht nur die instabilste Komponente der Endnachfrage sind sondern zugleich die größten Wirkungen auf Einkommen und Beschäftigung haben. Bei der Suche nach geeigneten wirtschaftspolitischen Maßnahmen billigte Keynes zwar einer expansiven Geldpolitik durchaus Bedeutung zu, die Investitionen durch niedrige Zinsen zu stimulieren. Bei wirtschaftlicher Unsicherheit und pessimistischen Erwartungen sah er aber letztlich die staatliche Fiskalpolitik als wirksamstes Mittel an, um vergleichsweise rasche und starke Effekte auf Einkommen und Beschäftigung zu ermöglichen. Eine Beschleunigung des Inflationstempos nahm er dabei nicht nur billigend in Kauf, vielmehr war eine relativ schnelle Erholung der Preise gegenüber den Löhnen für ihn sogar Conditio sine qua non der angestrebten wirtschaftlichen Erholung.


Es soll noch gezeigt werden, dass leider eine andere "Sekte" heute das Rennen gemacht hat, nämlich der "Monetarismus*" (der Chicagoer Schule, die auf die »Österreichische Schule« des Kritikers der Planwirtschaft, Ludwig Edler von Mises, 1881 bis 1973,  und Friedrich von Hayek zurückgeht - etwas mehr unten im bläulich unterlegten Feld) im Gegensatz zum "Keynesianismus". Hierbei wird der Wirtschaftsablauf als grundsätzlich stabil angenommen und Wachstums- und Konjunkturzyklen auf Störungen durch "äußere Ursachen" zurückgeführt. Jedoch sollen diese Zyklen über "die Selbstheilungskräfte des Marktes bei funktionsfähigem Wettbewerb" automatisch korrigiert werden. Wie man heute sieht, funktioniert das aber nicht. Der Monetarismus hat leider auch ausschließlich die angebotsorientierte und nicht nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik durchgesetzt. Man produziert allen möglich Mist und versucht diesen dann los zu werden.

* geht von einem engen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Geldmenge und der des nominellen Bruttoinlandsprodukts aus. Die Geldpolitik, d.h. die Moneten stehen - wie der Name sagt - im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Steuerung. ("Moneta" war die Mutter der Musen - Mnemosyne - und Moneta war auch der Kultname der Juno als Vorsteherin der Münzstätte im Tempel auf dem alten römischen Kapitol; später bedeutete dann "moneta, ae": das Geld, die Moneten.)

"Göttertrias": Minerva (links mit der Eule), Jupiter und Juno (Vorsteherin der Münzstätte) im Capitolium (von "caput" = das Haupt), dem religiösen und politischen Mittelpunkt Roms (509 vor unserer Zeitrechnung eingeweiht).

 

Friedrich August von Hayek, in Wien 1899 geboren und in Freiburg (Breisgau) 1992 gestorben, gründete 1927 das Österreichische Institut für Konjunkturforschung (bekannt als Österreichische Schule), war von 1931bis 1950 Professor an der "London School of Economics", arbeitete in Chicago und danach in Freiburg. Er galt als Verfechter der liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung (Neoliberalismus). 1974 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zusammen mit dem schwedischen Karl Gunnar Myrdal (dem Präsidenten des Friedensforschungsinstitutes SIPRI u.a.), der 1987 im Alter von fast 89 Jahren gestorben ist.


Ein paar Sätze zur Konjunkturpolitik*, die definiert wird als "Gesamtheit der Maßnahmen der öffentlichen Hand zur Beeinflussung von Konjunkturschwankungen im Hinblick auf eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung im Sinne eines gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts". Da soll das deutsche Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft (Stabilitätsgesetz) greifen, mit dem Ziel: Stabilität des Preisniveaus, hohen Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum. Grundsätzlich wurde die Konjunkturpolitik, d.h. das Zusammenwirken von Geld-, Finanz-, Einkommens- und Währungspolitik sowie deren Trägern als nachfrageorientierte Strategie auf die Ideen des Keynesianismus aufgebaut, in Bezug auf Globalsteuerung und Fiskalpolitik (kynesianisch gemeint: eine Finanzpolitik zur Beschaffung von Einnahmen für die Deckung des Staatsbedarfs). Der keynesianisch geprägten, antizyklischen Konjunkturpolitik steht das Zusammenwirken von Entscheidungsträgern der Konjunkturpolitik - nämlich Staat, Zentralbanken, Tarifpartner - entgegen. Außerdem treten Wirkungsverzögerungen bei konjunkturpolitischen Maßnahmen auf:

1. wegen der internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen und

2. auch wegen der beschränkten Möglichkeiten einer autonomen (eigengesetzlichen, unabhängigen) Konjunkturpolitik.

* Die Konjunktur (lateinisch "conjungere" = zusammenhängen, verbinden) ist das Zusammenwirken ökonomischer Größen, welche die gesamtwirtschaftliche Nachfrage- und Produktion beeinflusst. (Diese Definition trifft jedoch nicht mehr zu, wenn die Wirtschaft nur angebotsorientiert ist, also wenn es darum geht, "Hungrige nicht satt zu machen, sondern Satte hungrig.") - Allgemeine Definition von Konjunktur: Verbindung von Umständen, Geschäftslage, Geschäftsaussichten.

 

Mehr zu Wirtschaftsformen bzw. Wirtschaft im Allgemeinen >hier<

Walter Rath, März 2009