Merkantilismus

 

auch Colbertismus genannt; denn der Merkantilismus, als Vorstufe des heutigen Kapitalismus gesehen (z.B. von R.Walter in seiner "Wirtschaftsgeschichte. Vom Merkantilismus bis zur Gegenwart". Köln 2000), geht zurück auf den Marquis de Seignelay (in der Bourgogne), Jean Baptiste Colbert, der im September 1683 in Paris im Alter von 63 Jahren starb.

Colbert machte sich einen Namen als staatspolitischer und volkswirtschaftlicher Reformator Frankreichs unter Ludwig XIV. Er wurde 1661 "Oberintendant" (oberster Verwaltungsbeamte) der Finanzen, später auch der Manufakturen* und königlichen Bauwerke. 1669 wurde er Marineminister. (Zitat:) "Durch planvolle Steigerung und zentralistische Zusammenfassung der Wirtschaftskräfte schuf er die materiellen Grundlagen für die Außenpolitik Ludwigs XIV. Er war einer der bedeutendsten Vertreter des Merkantilismus (Colbertismus). Er förderte die Industrie, die Flotte und die Kolonialpolitik, den Bau von Straßen und Kanälen, straffte die Verwaltung und bahnte die innere Zolleinheit Frankreichs an. Sein Versuch, die Steuerpolitik zu reformieren, scheiterte durch die kostspielige Kriegspolitik Ludwigs XIV." (© 2003 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG)

* Frühform von kapitalistischen, Handwerkstechnik anwendenden Industriebetriebe, die von Großkaufleuten zur Befriedigung des Massenbedarfs bei bestimmten Gütern organisiert
 

Merkantilismus
"Mercantilisme" bedeutet auf französisch: Profitgier und "mercantil": krämerhaft. Als Merkantilismus wird vom 16. und im 18.Jahrhundert der Eingriff des Staates in Wirtschaftsprozesse (Protektionismus) bezeichnet, wodurch die Wirtschafts-, Binnen- und Außenhandelskraft sowie die Finanzkraft der damals absolutistischen Staaten gestärkt werden sollte. Diese staatlichen Eingriffe erfahren wir insbesondere auch heutzutage, beispielweise durch Stützung von Industriezweigen, sogar der Banken (und vor allem dieser).

 

Damals begann die Vereinheitlichung des Mess-, Normen- und Prüfwesens, als Festlegung vom Maßen (insbesondere Gewicht), sowie des Geldes (Münzen). Binnenzölle wurden weitgehend beseitigt.

 

So, wie heute wurde auch damals eine staatliche Bevölkerungspolitik, d.h. Ein- bzw. Zuwanderungspolitik betrieben. Zur Überwindung der Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 48 ) wurde in Deutschland alles versucht, um die Bevölkerungszahl zu erhöhen.

 

Im Gegensatz zu heute wurden damals die landwirtschaftlichen Möglichkeiten kaum beachtet, dafür jedoch dem Seehandel und -verkehr große Bedeutung gegeben, dann wiederum eingeschränkt durch bestimmte Ausfuhr- und bestimmte Einfuhrverbote.
 


Walter Rath, Januar 2009