Im Bürgerkrieg
Nach dem Bruch zwischen
GMD und
KPCh 1927 startete Mao den
Herbsternte-Aufstand in
Changsha, der aber schnell niedergeschlagen wurde. Mit
einigen anderen Überlebenden zog sich Mao in das
Jinggang-Gebirge zurück, wo er seine Truppen mit denen von
Zhu
De,
Chen Yi und
Zhou Enlai vereinigte, die sich nach dem
Nanchang-Aufstand ebenfalls hierhin zurückgezogen hatten.
Schon in dieser Zeit begann Mao seine Gegner und die lokale
Bevölkerung durch so genannte „Säuberungen“ umzubringen und
einzuschüchtern.
Die Guerillabasis vergrößerte sich schnell; 1928 beherrschte
sie bereits ein Gebiet mit über 500.000 Einwohnern. Unter dem
Druck der Kuomintang wurde das Zentrum 1931 etwas nach Süden
verlagert, und die
Jiangxi-Sowjetrepublik wurde gegründet. Die Zeit war
allerdings auch geprägt von andauernden Machtkämpfen zwischen
Mao, der die Revolution durch Guerillakrieg (d.h. mit
Unterstützung der Bauern) erreichen wollte, und an der
Komintern orientierten Gruppen, die auf eine Revolution des
Proletariats (d.h. durch die Industriearbeiter in den Städten)
setzten (der sogenannte
Kampf der zwei Linien).
In Jinggangshan lernte Mao auch seine dritte Partnerin He
Zizhen kennen.
Yang Kaihui hatte Mao in Changsha zurückgelassen, wo sie von
der Kuomintang verhaftet und 1930 hingerichtet wurde. Ihre
Kinder mit Mao mussten sich eine Zeit lang als Straßenkinder in
Shanghai durchschlagen, bevor sie von Kommunisten gefunden und
außer Landes gebracht werden konnten. Maos Sohn
Mao Anying fiel später im
Koreakrieg bei einem Luftangriff.
1934 wurde der Druck der Kuomintang schließlich so stark,
dass die Jiangxi-Sowjetrepublik aufgegeben werden musste. Die
Kommunistischen Truppen zogen im
Langen Marsch nach
Yan'an, in der Provinz
Shaanxi, zurück, ständig auf der Flucht vor Truppen der GMD
oder feindlicher lokaler Kriegsherren. Mao selbst legte den
größten Teil des Weges in einer eigens für ihn konstruierten
Sänfte zurück. Unter den Opfern waren wahrscheinlich auch
mehrere Kinder von ihm und He Zizhen, die bei Bauern
untergebracht, aber nach 1949 nicht mehr aufgefunden werden
konnten. He Zizhen selbst überlebte zwar, aber war
gesundheitlich angeschlagen. Sie wurde 1937 in die
Sowjetunion geschickt, um sich zu kurieren, aber auch, um
Mao nicht bei dessen Affäre mit seiner späteren vierten Ehefrau,
der Schauspielerin und Politikerin
Jiang Qing, im Wege zu stehen.
Es war während des Langen Marsches, dass sich Mao auf der
Konferenz von
Zunyi
mit Hilfe von
Zhou Enlai als Anführer der
KPCh durchsetzen konnte.
In
Yan'an konnte sich die Kommunistische Partei Chinas nur
durch finanzieller Hilfe aus Moskau und durch den großangelegten
Mohnanbau und den damit erzielten Einkünften aus dem
Drogenhandel (Mao selbst sprach von 40 Prozent) stabilisieren.
Auch war das Gebiet abgelegen genug, um erfolgreiche Angriffe
der GMD zu verhindern, und außerdem führte der
Chinesisch-Japanische Krieg 1937 zur
Zweiten Einheitsfront. Diese Einheitsfront entstand im
Wesentlichen durch Vermittlung Stalins, der durch ein starkes
China Japan von einem direkten Angriff auf die Sowjetunion
abhalten wollte. Maos Strategie lautete in den folgenden Jahren
nach eigenen Angaben: 10 % Kampf gegen Japan, 40 % Kampf gegen
die chinesischen politischen Gegner, 50 % Kampf zur Vergrößerung
der eigenen Machtbasis.

Maos Sieg gegen Chiang Kai-shek
Nach der
Kapitulation Japans und dem Rückzug der japanischen Truppen
aus China flammte der
Bürgerkrieg 1946 erneut mit voller Härte auf. Die
Kuomintang und ihr Führer
Chiang Kai-shek hatten jedoch während des Krieges an Stärke
verloren, während die Kommunisten enorm an Stärke gewonnen
hatten. Nach der Ausrufung der
Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 zog sich die
Kuomintang nach
Taiwan zurück, wo sie die
Republik China fortführte.
Die Profilierung Chinas in Korea
gegen die USA
Das war allerdings noch nicht das Ende von Maos Feldzügen.
Aufgrund der außenpolitischen Probleme mit den Vereinigten
Staaten und der Unzufriedenheit über ein vereinigtes
Korea
unter US-amerikanischer Führung griff die
Volksrepublik China am 1. Januar 1951 in einer Offensive die
UNO und die südkoreanischen Truppenverbände an. Der Angriff
wurde von etwa 1 Million Mann unter widrigsten Umständen
durchgeführt.
In dieser verlustreichen Sturmeroberung, die hauptsächlich
von chinesischen „Freiwilligenverbänden“ („Volksfreiwillige“)
ausgeführt wurde, wurde die Truppen der Südkoreaner bis zum 38.
Breitengrad zurückgeschlagen. Der militärische Erfolg, nach 100
Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren,
galt als einer der wichtigsten Erfolge Maos.
Der Preis dafür waren jedoch hohe Verluste, die der
militärischen
Taktik der Menschenwelle zugesprochen werden: Sehr viele
Soldaten mit mangelhafter Bewaffnung und quasi ohne Ausbildung
rannten so lange gegen die feindlichen Linien an, bis dem Gegner
die Munition ausging. Maos Ziel war dabei die Schützenhilfe für
Kim Il Sung, während die eigenen Verluste nicht zählten.
Historiker sprechen von fast 500.000 chinesischen Todesopfern.
Maos Kampagnen
„Hundert-Blumen-Bewegung“
(1956–1957)
Im Mai 1956 initiierte Mao die
Hundert-Blumen-Bewegung: Er ließ die Zensur für die
Intellektuellen lockern, um neue Anregungen zu erhalten, wobei
er davon ausging, dass er nur ca. 3 % der Intellektuellen gegen
sich habe. Aus Angst vor dem Regime setzte die Kritik der
Intellektuellen erst ein Jahr später ein, im Mai 1957 im Zuge
einer weiteren Kampagne.
Da auch Maos Politik dabei heftig kritisiert wurde, ließ Mao
durch
Deng Xiaoping die Hundert-Blumen-Bewegung stoppen,
diffamierte die Intellektuellen in einem neuen Klassenkampf „Kampagne
gegen Rechts“ und ließ 300.000 von ihnen inhaftieren.
Weiterhin wurden 400.000 bis 700.000 ihm als „Volksfeinde“
erscheinende Angestellte entlassen und durch neue kommunistische
Kader aus den Bauernschichten ersetzt. Aufgrund der neuen,
zumeist unqualifizierten Führungskader, die wissenschaftliche
Ratschläge und Methoden oftmals als „unproletarisch“ oder
„antikommunistisch“ brandmarkten, griffen Misswirtschaft und
Missmanagement in weiten Teilen der chinesischen Wirtschaft um
sich.
In einer Rede vor Parteiführern sagte Mao 1958: „Was ist so
ungewöhnlich an dem Kaiser
Shi Huangdi aus der
Qin-Dynastie? Er hat nur 460 Gelehrte lebendig begraben, wir
dagegen haben 46.000 Gelehrte lebendig begraben. Wir sind dem
Kaiser … in bezug auf die Unterdrückung konterrevolutionärer
Gelehrter hundertfach voraus.“
Der „Große Sprung nach vorn“
(1958–1961)
Der große Sprung nach vorn war die offizielle Parole für
die Politik der Volksrepublik China von 1958 bis Anfang 1962.
Ziel war es, China auf Kosten der Landwirtschaft zu einer
industriellen Großmacht zu machen, Ergebnis jedoch war die
größte von Menschen ausgelöste Hungersnot der Geschichte. Sie
kostete 20 bis 40 Millionen Menschen das Leben.
Wegen der wachsenden Opposition höchster Parteikader gegen
das Programm des Großen Sprungs nach vorn verlor Mao 1958
gegenüber zurückhaltenderen Parteiexponenten wie Deng Xiaoping
vorübergehend an Macht. Im gleichen Jahr trat er von seinem Amt
als Staatspräsident zurück, behielt jedoch im Hintergrund
weiterhin die Zügel in der Hand,
Deng Xiaoping,
Liu Shaoqi,
Chen Yun und andere gewannen vorübergehend an Einfluss.
Bereits auf der Konferenz von
Lushan am 1. Juli 1959 initiierte Mao jedoch eine Kampagne
gegen die so genannten „Rechtsabweichler“, womit es ihm gelang,
alle Politiker, die seinem Programm mit zweifelhafter
Einstellung gegenüberstanden, einzuschüchtern. Auf Geheiß Maos
wurde der „Große Sprung nach vorn“ bis 1961 weitergeführt. Da
die katastrophalen Folgen der Kampagne gegenüber der Bevölkerung
verschwiegen werden mussten, blieb der Nimbus Maos intakt, und
nach der Zündung der ersten chinesischen
Atombombe im Jahre 1964 sowie nach der Veröffentlichung des
„Kleinen Roten Buches“ mit von
Lin Biao zusammengestellten Zitaten Maos im Jahre 1966,
wuchs sein Einfluss, und seine Stellung wurde zunehmend
unanfechtbar.
Die Kulturrevolution (1966–1976)
1966 konnte Mao so die Große
Proletarische
Kulturrevolution starten. Vordergründig sollten mit ihr die
reaktionären Tendenzen, die sich gemäß Mao, insbesondere unter
den Parteikadern und der Intelligenz breit gemacht hatten, und
den Erfolg der kommunistischen Bewegung zu vereiteln drohten,
niedergeschlagen werden. Effektiv lieferte das brutale Vorgehen
gegen die angeblichen Rechtsabweichler Mao jedoch den Vorwand um
seine innerparteilichen Konkurrenten auszuschalten. Die von Mao
gegen die Rechtsabweichler aufgehetzten Jugendlichen, die so
genannten
Roten Garden, waren zu Beginn der Kulturrevolution vor allem
die Kinder von Parteikadern und der Intelligenz
(Hochschuldozenten, Lehrern, Höheren Beamten, Akademikern), die
ihre Eltern und Lehrer überwachen und denunzieren mussten. Das
Vorgehen gegen die angeblichen Rechtsabweichler war äußerst
brutal. Zahllose bisherige Stützen des Staates wurden von
fanatisierten Massen ermordet oder schwer verletzt und
demütigenden Behandlungen ausgesetzt. Während der rund zehn
Jahre dauernden bürgerkriegsähnlichen Kulturrevolution starben
über 7 Millionen Menschen, darunter auch alte Weggefährten Maos,
die von ihm als Konkurrenten empfunden wurden. Zu den Opfern
gehörte auch
Deng Xiaoping, welcher jedoch überlebte und nach dem Tode
Maos der führende chinesische Politiker wurde. Andere
Konkurrenten, wie der designierte Mao-Nachfolger Lin Biao kamen
aus ungeklärten Gründen ums Leben.
Die Kulturrevolution führte auch zur organisierten Zerstörung
von Kulturgütern. So wurden Tausende von Tempeln zerstört,
Bibliotheken verwüstet und Bücher öffentlich verbrannt. Bis auf
zehn, von
Jiang Qing persönlich ausgelesenen Opern, wurde die
Aufführung von Opern im ganzen Land verboten. Die Bevölkerung
musste ihre privaten Kunstgegenstände wie Bilder, Schmuck,
Bücher usw. den Garden abliefern.
Maos Außenpolitik
Außenpolitisch war die Aufnahme Volkschinas in die UNO 1971
Maos größter Erfolg. Taiwan wurde gleichzeitig aus der UNO
ausgeschlossen. Mit dem Besuch von US-Präsident
Nixon 1972 trat auch der langjährige Maogefährte
Zhou Enlai ins Rampenlicht. Der „Bambusvorhang“ fiel damit
immer mehr, während Mao 1972 einen ersten Schlaganfall erlitt
und
Deng Xiaoping wieder aus der Verbannung geholt wurde.1972:
Mao Zedong trifft sich in Peking mit Richard M. Nixon
Mao-Kult ohne Mao – zögernde
Aufarbeitung der Vergangenheit
Nach Maos Tod
wurde eine neue Verfassung eingeführt und die
„Viererbande“ sofort verhaftet. Die Mao-Witwe
Jiang Qing wurde in einem Prozess 1981 zum Tod auf Bewährung
verurteilt. Das Urteil wurde zwei Jahre später in lebenslänglich
umgewandelt. 1991 wurde sie aus gesundheitlichen Gründen
entlassen, doch zehn Tage später beging sie Suizid.
Nach der endgültigen Rehabilitierung von Deng Xiaoping 1977
und nach der diplomatischen Anerkennung durch die USA am 1.
Januar 1979 öffnete China die Grenzen und rehabilitierte die
überlebenden Mao-Opfer. Der Inhalt der
Mao-Bibel (das „Kleine Rote Buch“) wird 1980 als Weisheit
der gesamten Mao-Führung definiert.
1981 gesteht die KPCh schließlich erstmals offiziell die
Misserfolge der „Kampagnen“ ein, schützt Mao aber weiterhin: Die
Kulturrevolution sei ein „grober Fehler“ gewesen. Maos Wirken
sei in der Endabrechnung aber zu „70 Prozent positiv“ zu
bewerten, denn die Leistungen würden die Irrtümer mehr als
ausgleichen. Schätzungen kritischer Historiker sehen dies zum
Teil grundlegend anders.
Die Historiker diskutieren seither, ob ein China ohne Mao
eine schnellere und menschlichere ökonomische Entwicklung
genommen hätte. Mao wird im Wirtschaftsaufschwung seit den
1980er Jahren weiterhin kultisch als Maskottchen oder als
Anhänger etc. verehrt. Weiterhin stehen in einigen Städten
Mao-Statuen und Maos Konterfei ist auf allen
Geldscheinen der Volksrepublik zu sehen und die
„Kulturrevolution“ ist bis heute kaum aufgearbeitet.
Bedeutung Maos
Sein Ausspruch bei der Proklamation der Volksrepublik China
am 1. Oktober 1949: „China ist wieder auferstanden“, gibt
vielleicht am ehesten Maos geschichtliche Bedeutung wieder. Ihm
und seinen Kampfgefährten ist es mitzuverdanken, dass die
Chinesen nach einem Jahrhundert ausländischer Besetzung ihre
nationale Unabhängigkeit wieder erlangten. Außenpolitisch band
Mao China zunächst eng an die Sowjetunion („nach einer Seite
lehnen“, yibian dao) an. Seine Zweifel an der
Tauglichkeit des sowjetischen Modells zur Entwicklung und
weltweiten Verbreitung des Kommunismus ließen ihn aber nach dem
Tode
Stalins den allmählichen Bruch mit der UdSSR vorantreiben.
Innenpolitisch ist die Mao-Zeit geprägt von einer Reihe von
Kampagnen, die nicht erst mit der Hundert-Blumen-Bewegung
1956/57 (siehe oben) begannen. Sinn und Zweck der permanenten
Kampagnen war vordergründig der, dass die sich immer wieder
bildenden bürgerlichen Strukturen durch eine permanente
Revolution zerschlagen werden sollten. Diese Säuberungen dienten
allerdings mindestens ebenso sehr dem autoritären Machtanspruch
von Mao selbst, den er rücksichtslos gegen alle tatsächlichen
und vermeintlichen Feinde verteidigte. Die autoritäre
Philosophie des
Maoismus diente hierbei als Rechtfertigung seiner
uneingeschränkten Herrschaft.
Der
Maoismus als politische Bewegung war nicht nur in China
prägend, sondern beeinflusste auch die europäische
Studentenbewegung, die
Naxaliten in Indien, die Guerillabewegung
Leuchtender Pfad in Peru, die
Kommunistische Partei der Philippinen und zahlreiche andere
Parteien, Gruppen und Splittergruppen.
Die historische Beurteilung Maos außerhalb der Volksrepublik
ist zunehmend davon geprägt, die Mythen um den Großen
Vorsitzenden abzubauen. Neben den politischen Leistungen
(die allerdings in die Anfangszeit der kommunistischen
Machtübernahme fielen) wie der Etablierung Chinas als von
Kolonialmächten unabhängigen Staat und der Stabilisierung des
Landes nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen, werden
die Schattenseiten seiner Diktatur deutlich. Die VR China war
während der gesamten rund dreißigjährigen Herrschaft Maos ein
wirtschaftlich daniederliegendes, von politischen Verfolgungen
gebeuteltes und, bis 1972, außenpolitisch weitgehend isoliertes
Land.
Nach Rummel und Heinsohns Opferzahlen-Angaben entfallen auf:
- Machtfestigung und Enteignungen 1949-1953: 8.427.000
Todesopfer
- „Großer Sprung nach vorn“ und Enteignungen 1954-1958: 20
bis 40 Mio. Opfer
- Vernichtung durch Arbeit (Arbeitslager) sowie Hunger als
Folge der Enteignungen 1959-1963: 10.729.000
- Kulturrevolution 1964-1975 : 7.731.000 Tote.
Andere Wissenschaftler, darunter auch Rummel, schätzen die
Zahl der Opfer alleine durch den „Großen Sprung“ auf über 40
Mio.
und insgesamt bis zu 76 Mio. Toten (R.J. Rummel).
In China wurde Maos Wirken nach seinem Tod von seinen
Nachfolgern offiziell nach der „Deng-Formel“ beurteilt, d.h. 70%
seines Handelns sei für China gut und 30% nachteilig gewesen.
Insbesondere für die chinesische Jugend ist Mao, als Folge der
fortbestehenden Alleinherrschaft der kommunistischen Partei,
welche jede wissenschaftliche Aufarbeitung der Maodiktatur und
ihrer Folgen für die Bevölkerung verbietet, noch heute häufig
eine Mischung zwischen patriotischem Heiligen und
Großvaterfigur.
Bei den Jugendlichen im Westen genoss Mao während der
antiautoritären Bewegung Ende der sechziger Jahre des letzten
Jahrhunderts teilweise Kultstatus. Sein radikales Vorgehen gegen
die Bürgerlichen während der Kulturrevolution wurde von der 68er
Jugend meist unkritisch als Modell für die Bekämpfung „bourgeoiser“
Strukturen im Westen gesehen.
Frauen
-
Luo Yixiu (1889–1910) aus der Provinz Hunan: 1907
Heirat, 1910 verstorben
-
Yang Kaihui (1901–1930) aus Changsha: 1921 Heirat, 1927
Scheidung, 1930 von der Kuomintang hingerichtet
-
He Zizhen (1910–1984) aus Jiangxi: 1928 Heirat, 1939
Scheidung
-
Jiang Qing (1914–1991), 1939 Heirat
Der Biografie seines Leibarztes,
Li Zhisui zufolge, hatte Mao darüber hinaus sexuellen
Verkehr mit hunderten weiterer Frauen. Dabei habe Mao bewusst
das Risiko in Kauf genommen, die Frauen mit seinen
Geschlechtskrankheiten, die er nie auskuriert hatte, zu
infizieren.
Der Maoismus ist eine politische
Strömung, die sich auf die Schriften des
chinesischen Revolutionärs
Mao Zedong stützt. Die bekannteste
Schriftensammlung dieser Art ist wohl die so
genannte
Mao-Bibel (auch das „Rote Buch“ genannt),
eine thematisch geordnete Sammlung von Zitaten
des „Großen Steuermanns“ Mao Zedong, die während
der
Kulturrevolution in China zusammengestellt
wurde und in Übersetzungen in der ganzen Welt
verbreitet ist.
Die Theorie und
ihr Einfluss in China
Die größte Bedeutung erreichte der Maoismus
in seinem Ursprungsland, der
Volksrepublik China, wo er seit der
kommunistischen Revolution von
1949 offizielle Leitidee staatlich
politischen Handelns war. Der Maoismus beruft
sich auf die Schriften von
Karl Marx,
Friedrich Engels,
Lenin und auch
Stalin, was die extrem autoritären Züge des
Maoismus erklärt.
Diese westlichen Elemente verschmolz Mao mit
traditioneller
chinesischer Philosophie, etwa dem Denken in
Konstellationen. Wichtiges Merkmal der
chinesischen Philosophie ist aber vor allem die
Vernachlässigung erkenntnistheoretischer und
anderer abstrakter Probleme zugunsten der
Probleme der materiellen Lebenswelt, die etwa
auch dem
Konfuzianismus eigen ist. Im Gegensatz zur
wesentlich konservativeren
Ethik des Konfuzianismus suchte der Maoismus
die allgemeine Wohlfahrt jedoch nicht in der
guten Lebensführung des Einzelnen, sondern seine
Praxis verlangt die revolutionäre Umgestaltung
der Lebensverhältnisse und den Aufbau einer
sozialistischen Gesellschaft.
Der Praxisbegriff
Die maoistische Theorie ist für ihren
Schöpfer Mao Zedong der Praxis untergeordnet,
eine Theorie ohne Praxis ist für ihn nichts als
„Exkrement“. Jede Theorie muss sich daher in der
Praxis beweisen und bei Misserfolgen im
politischen Kampf geändert oder verworfen
werden. Diese Praxisbetonung kann aus den
Bedingungen ihrer Entstehung erklärt werden: Vor
dem Sieg seiner Bewegung durchliefen Mao und
seine Genossen eine jahrzehntelange Phase des
Guerilla-Kampfes gegen die bürgerlichen
Kräfte der
Guomindang und die japanischen Invasoren
(siehe
Chinesischer Bürgerkrieg). Mao ist daher
weit mehr Soldat als Philosoph gewesen, seine
Schriften bestehen ebenfalls zu einem großen
Teil aus Ausführungen über Militärtaktik. Und da
im Krieg nur der Sieg zählt, zählt auch bei der
politischen Theorie nur ihre Anwendung, die
Praxis. Die Betonung der Praxis spricht für den
Maoismus, allerdings sinkt sie in letzter
Konsequenz zu einem Spiel von Versuch-und-Irrtum
herab. Das wohl grausamste Ergebnis dieser
Versuche war der so genannte
Große Sprung nach vorn, eine Kampagne zur
Industrialisierung, bei der im ganzen
chinesischen Hinterland ohne geschultes Personal
und geeignete Rohstoffe Stahlproduktionsstätten
aufgebaut werden sollten. Die Ausfuhr großer
Anteile landwirtschaftschaftlicher Erträge ins
Ausland, um die benötigten Devisen ins Land zu
schaffen, verursachte eine Hungersnot (die „drei
bitteren Jahre“) mit mehreren Millionen Toten.
Fortschritt
Das Ziel der maoistischen Praxis ist
letztendlich der industrielle Fortschritt, das
Ein- und Überholen der ehemaligen Kolonialherren
Großbritannien und USA. Beim Lesen von Maos
Schriften erscheint auch der Sozialismus nur als
ein Mittel zur Erlangung des Fortschritts (siehe
Zitat unten). Daher könnte man die mittlerweile
fast abgeschlossene Wiedereinführung des
Kapitalismus in China durch Maos Nachfolger als
konsequente Verfolgung seiner Theorie
interpretieren. Dieses Ziel der
Industrialisierung um jeden Preis teilt der
chinesische Maoismus mit dem Regime
Stalins, der ebenfalls die
Industrialisierung auf der Grundlage von
Diktatur und Zwangsarbeit aufbaute. Obwohl über
der Sowjetunion bis zum Zweiten Weltkrieg
ständig das Damoklesschwert einer feindlichen
Invasion hing, das eine schnelle
Industrialisierung zur unbedingten Notwendigkeit
machte, während Maos China schnell, auch durch
den Besitz der
Atombombe nach außen hin abgesichert war,
wäre eine weniger auf Fortschritt abzielende
Entwicklung nur zum Preis dauerhafter
Unterentwicklung möglich gewesen. Eine direkte
Gleichsetzung der Industrialisierungen Stalins
und Maos ist nicht möglich. Ein wichtiges, im
Grunde sogar das wesentliche Ziel des
Marxismus, nämlich die
Emanzipation auch des einzelnen Menschen von
äußeren Zwängen, ist im Falle des Letzteren
endgültig aufgegeben: Verfolgte
Marx noch das Ziel der „Assoziation der
freien Produzenten“, so findet sich im Maoismus
der einzelne unter totalem Zwang.
Für Marx war der technische und industrielle
Fortschritt noch Vorbedingung für die
Emanzipation des Menschen im
Kommunismus. Unter Mao wird dagegen das
Mittel zum Zweck: Der Mensch muss sich dem
Fortschritt unterordnen anstatt ihn zur
Erleichterung seines Lebens einzusetzen.
Die Widersprüche
im Volke
Die Aufgabe der emanzipatorischen Ansprüche
des Marxismus kaschierte Mao durch eine
Anwendung seiner
Widerspruchstheorie, einer Verflachung der
Marxschen
Dialektik. Diese "Lehre von den
Widersprüchen im Volke" beruht auf der
Unterscheidung zwischen Widersprüchen im Volke
und Widersprüchen zwischen dem Volk und dem
"Feind". Die Widersprüche im Volke, etwa
zwischen Bauern und Arbeitern werden durch
demokratische Diskussionen gelöst, die
politischen Widersprüche in der kommunistischen
Partei werden durch
Kritik und Selbstkritik gelöst, die
Widersprüche mit dem Feind jedoch durch
Auslöschung des Feindes.
Das war durch den Krieg gegen die Invasion
Japans begründet, enthält aber bereits die
Rechtfertigung der Diktatur: indem Mao selbst
bestimmt, wer Feind und wer Freund ist, hat er
die Mittel und die Rechtfertigung zur physischen
Vernichtung jeder Art von Opposition. Diese
Reduktion der Dialektik auf ein Verhältnis von
Freund und Feind forderte in China tausende von
Todesopfern durch "Säuberungen", insbesondere in
der Phase der
Kulturrevolution.
Zu viel schlimmeren Exzessen schritten die
Roten Khmer in
Kambodscha, die aus einer anti-Maoistischen
Rebellenfraktion entstanden und einen vom Westen
unterstützen, rücksichtslosen
anti-intellektuellen Umbau des Landes hin zu
einer reinen Agrargesellschaft betrieben. Die
Khmer bezeichneten sich erst nach ihrer
Niederschlagung durch vietnamesische
kommunistische Truppen als Maoisten, mit
besonderem Augenmerk auf eine eventuelle
Unterstützung durch China.
weitgehend aus
www.de.wikipedia.org
Betrachtung von Gerhard Zwerenz in seinem
Buch: "Die Lust am Sozialismus"
1.) Gefährdet kann nur sein, was existiert. Ein europäischer
Sozialismus existiert nicht mehr. Er wäre auch nur, zwischen
Kommunisten und Sozialdemokraten, als dritte Kraft denkbar. Eine
solche dritte Kraft vermochte sich nicht zu etablieren.
2.) Der Sozialismus war der Entwurf zu einer humaneren Welt.
Unser Zeitalter findet sich prinzipiell mit jeder Ahumanität ab
und ist weiter denn je davon entfernt, die von ihm entfesselten
Kräfte zu beherrschen. Möglicherweise überwintert der
Sozialismus in wenigen Köpfen. Die verstehen es dann trefflich,
ihn geheimzuhalten.
3.) Der Sozialismus ist gegenwärtig sowohl als sittliche Idee
wie auch als geistiger Entwurf tot. Ihm fehlt die politische,
moralische und intellektuelle Faszination. Er bewegt nichts,
weil er nicht zu bewegen vermag und weil sich von ihm nichts
bewegen läßt. In den kommunistischen Gesellschaften herrscht die
Parteiroutine. In den nichtkommunistischen Gesellschaften sind
die sozialdemokratischen
Parteien, soweit vorhanden, empirisch geworden, d. h.
verbürgerlicht.
4.) Unsere Welt erschöpft ihre Energien in
Kriegen, die das vernünftige Handeln der Menschen lähmen, welche
Lähmung zugleich zur Mit-Ursache neuerlicher Untergänge wird.
Ich sehe für den Sozialismus, der ein System tätiger Aufklärung
sein müßte, keine Chance mehr. Aber in die Welt, wie sie ist,
durch persönliche Haltung ein wenig Gerechtigkeit, Fairneß und
Milde zu bringen, wäre auch eine Aufgabe.
5.) Die Idee des 19. Jahrhunderts war der Sozialismus. Die Idee
des 20. Jahrhunderts ist die Vernichtung. Dem Gesetz ihrer
Trägheit folgend, erwartet die menschliche Gesellschaft den von
ihren Regisseuren in Szene gesetzten Weltuntergang, den sie sich
damit redlich verdient haben wird. Dies alles hat nichts mit
Sozialismus zu tun; wohl aber mit seiner Abwesenheit.