Sozialismus

Die Kommunisnusväter: Marx, Engels, Lenin, Stalin, Mao

>Hier< ein wenig über Friedrich Engels,

>hier< Stalin,

(>hier< eine Auflistung seiner Verbrechen

anschließend

>hier< Lebenslauf in Zahlen)

>hier< Mao und >hier< die Zahlen der durch Mao Umgekommenen.

>Hier< eine Bewertung des Sozialismus durch Gerhard Zwerenz.

Verzweigung zur "Mao-Bibel" >hier<.


 

Karl Marx wurde 1818 als drittes Kind des Anwaltes (Hirschel) Heinrich Marx (von 1777 bis 1838) und Henrietta Marx (von 1788 bis 1863; geborene Presborck) in Trier geboren. Er starb 1883 in London.

Denkmal auf dem Highgate Cemetery

(Friedhof) in London

Jugend und politische Anfänge (1818–1841)

 

Heinrich Marx stammte aus einer bedeutenden Rabbinerfamilie (ursprünglich Marx Levi). 1816 (oder 1817) konvertierte der Vater zum Protestantismus, da er als Jude unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt als Justizrat nicht hätte weiterführen dürfen. 1824 wurden die Kinder, auch Karl, konvertiert.

Von 1830 bis 1835 besuchte Karl Marx das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier, wo er zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Edgar Freiherr von Westphalen mit 17 Jahren das Abitur ablegte. 1836 verlobte er sich in Trier mit Edgars Schwester Jenny von Westphalen (1814-1881).

 

1835 ging er zum Jurastudium nach Bonn, wo er der „Landsmannschaft der Treveraner“ (Trierer) beitrat; ein Jahr später nach Berlin, wo das Jura-Studium in den Hintergrund trat gegenüber Philosophie und Geschichte. Hier stieß Marx zum Kreis der Jung- oder Linkshegelianer.

 

Hegel, der 1831 starb, hatte zu seiner Zeit einen starken Einfluss auf das geistige Leben in Deutschland. Das Hegelianische Establishment (auch bekannt als „Alt- oder Rechtshegelianer“) meinte, dass im preußischen Staat die Serie der dialektischen Entwicklungen ein Ende gefunden habe: eine effiziente Bürokratie, gute Universitäten, Industrialisierung und ein hoher Beschäftigungsgrad. Die Linkshegelianer, zu denen Marx gehörte, erwarteten weitere dialektische Änderungen, eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie Armut, staatlicher Zensur und der Diskriminierung der Menschen, die sich nicht zum lutherischen Glauben bekannten, zu befassen hatte.

1841 wurde Marx in absentia an der Universität Jena mit einer Arbeit zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie zum Doktor der Philosophie promoviert. Auf eine Professur rechnend zog Marx hierauf nach Bonn; doch verwehrte die Politik der preußischen Regierung ihm – wie Ludwig Feuerbach, Bruno Bauer u. a. – die akademische Laufbahn, galt Marx doch als ein führender Kopf der oppositionellen Linkshegelianer.

 

Um diese Zeit gründeten liberale Bürger in Köln die „Rheinische Zeitung für Politik, Handel und Gewerbe“ als gemeinsames Organ der verschiedenen oppositionellen Strömungen von monarchistischen Liberalen bis zu radikalen Demokraten; Marx wurde ein Hauptmitarbeiter des Blattes, das am 1. Januar 1842 erstmals erschien. Im Oktober 1842 übernahm Marx die Leitung der Zeitung, welche von da an einen radikal oppositionellen Standpunkt vertrat. Aufgrund der Karlsbader Beschlüsse unterlag das gesamte Pressewesen der Zensur, die hinsichtlich der Rheinischen Zeitung besonders streng war. Die preußische Obrigkeit schickte zunächst einen Spezialzensor aus Berlin und als dies nicht half, musste jede Ausgabe in zweiter Instanz dem Kölner Regierungspräsidenten vorgelegt werden. Weil Marx’ Redaktion auch diese doppelte Zensur regelmäßig unterlief, wurde zum 1. April 1843 schließlich das Erscheinen der Zeitung untersagt.

 

Übergang zum Kommunismus (1842–1849)

 

Ebenfalls 1843 heiratete Marx seine vier Jahre ältere Verlobte Jenny von Westphalen in der Kreuznacher Pauluskirche. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, von denen nur die drei Töchter Jenny, Laura und Eleanor überlebten.

 

Im gleichen Jahr ging Marx nach Paris und begann dort, zusammen mit Arnold Ruge, die Deutsch-Französischen Jahrbücher herauszugeben. Von ihnen erschien allerdings nur die erste Ausgabe und diese auch nur in deutscher Sprache, weil die katholisch geprägten französischen Sozialisten und Kommunisten mit den deutschen Atheisten unter Marx nicht zusammenarbeiten wollten. Die Fortsetzung scheiterte teils an den Schwierigkeiten einer heimlichen Verbreitung in Deutschland, teils an den bald zutage tretenden prinzipiellen Differenzen zwischen den beiden Redakteuren. Ruge blieb der Hegelschen Philosophie und der bürgerlichen Demokratie verpflichtet; Marx begann, sich mit politischer Ökonomie zu beschäftigen und durch Kritik an den französischen Sozialisten einen eigenständigen kommunistischen Standpunkt zu entwickeln.

 

Die Ökonomisch-philosophischen Manuskripte aus dem Jahre 1844 sind Marx’ erster Entwurf eines ökonomischen Systems, der zugleich die philosophische Inspiration deutlich macht. Marx entwickelt dort erstmals ausführlich seine an Hegel angelehnte Theorie der „entfremdeten Arbeit“.

 

Allerdings beendete Marx diese so genannten „Pariser Manuskripte“ nicht, sondern verfasste kurz darauf auf dem Höhepunkt der zeitgenössischen Diskussion um den Junghegelianismus zusammen mit Friedrich Engels das Werk Die heilige Familie. Über die gemeinsame Arbeit an den Deutsch-Französischen Jahrbüchern hatte sich mit Engels – der ihn im September 1844 auch einige Tage besuchte – ein reger Briefwechsel entwickelt, der schließlich zu einer lebenslangen Freundschaft sowie einer engen politischen und publizistischen Zusammenarbeit führte. Deren erstes Ergebnis war die im März 1845 veröffentlichte Schrift Die heilige Familie, die sich als Streitschrift „gegen B.[runo] Bauer und Konsorten“ verstand, zu der Engels allerdings nur zehn Seiten beigetragen hat. Marx polemisiert hier gegen die Berliner Junghegelianer um seinen ehemaligen Mentor Bruno Bauer; einen wichtigen Angehörigen dieser Gruppe erwähnt er zunächst aber nicht: Max Stirner, dessen Buch Der Einzige und sein Eigentum im Oktober 1844 erschienen war und von Engels in einem Brief an Marx (19. Nov.) zunächst vorwiegend positiv eingeschätzt wurde.

 

Marx sah Stirners Buch kritischer als Engels und überzeugte diesen in einer Antwort auf den genannten Brief von seiner Auffassung. Gleichwohl schien er sich Stirners Kritik an Feuerbach partiell zu eigen zu machen und verfasste im Frühjahr 1845 seine berühmten, aber erst postum veröffentlichten Thesen über Feuerbach. Erst im Herbst 1845, nachdem Marx die Verteidigung Feuerbachs gegen die Kritik Stirners an ihm sowie Stirners Replik darauf gesehen hatte, entschloss er sich, selbst eine Kritik Stirners zu verfassen, das Kapitel „Sankt Max“ in der 1845–1846 gemeinsam verfassten Streitschrift Die deutsche Ideologie, das aber erst nach Marx’ Tod veröffentlicht wurde.

 

Im ersten, der Kritik des junghegelianischen Religionskritikers Ludwig Feuerbach gewidmeten Kapitel der Deutschen Ideologie entwickeln Marx und Engels ein Modell des „praktischen Entwicklungsprozesses“ der menschlichen Geschichte, die sie im Gegensatz zu den Hegelianern nicht als Entwicklungsgang des Geistes, sondern als Geschichte menschlicher Praxis und der sozialen Beziehungen verstehen: „es wird von den wirklich tätigen Menschen ausgegangen und aus ihrem wirklichen Lebensprozeß auch die Entwicklung der ideologischen Reflexe und Echos dieses Lebensprozesses dargestellt.“ (MEW 3:26) Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei das Moment der Teilung der Arbeit als des bestimmenden Faktors der geschichtlichen Entwicklung. Dem ebenfalls materialistisch argumentierenden Feuerbach werfen sie dabei vor, den Menschen als etwas Wesenhaftes, nicht aber als Subjekt sinnlich-praktischer Tätigkeit verstanden zu haben.

 

Die weiteren Kapitel der Deutschen Ideologie beinhalten eine scharfe Kritik der übrigen Junghegelianer als Vertreter einer – so Marx und Engels – wesentlich idealistischen Gesellschaftskritik. Auch den Vertretern des sogenannten „wahren Sozialismus“ (v.a. Karl Grün) ist ein Kapitel gewidmet. Zu Lebzeiten Marx’ wurde allerdings – nach einigen fehlgeschlagenen Veröffentlichungsversuchen – nur das Kapitel über Karl Grün abgedruckt (1847 in der Zeitschrift Das Westphälische Dampfboot), das vollständige Werk erschien erst 1932 im Rahmen der MEGA.

 

Marx’ und Engels’ in Abgrenzung gegen die zeitgenössischen sozialistischen und junghegelianischen Strömungen entworfene Grundlegung eines „historischen Materialismus“ stellt durch die Betonung der sozialen und materiellen Triebkräfte der Geschichte einen unmittelbaren Vorläufer der Soziologie dar.

 

Marx hatte sich außerdem an der Redaktion des in Paris erscheinenden deutschen Wochenblattes Vorwärts! beteiligt, das den Absolutismus der deutschen Länder – besonders Preußens – angriff, unter Marx’ Einfluss bald mit deutlich sozialistischer Ausrichtung. Die preußische Regierung setzte deswegen seine Ausweisung aus Frankreich durch, so dass Marx Anfang 1845 nach Brüssel übersiedeln musste, wohin Engels ihm folgte. Bei einer gemeinsamen Studienreise nach England im Sommer 1845 knüpften sie Verbindungen zum revolutionären Flügel der Chartisten. Marx gab im Dezember 1845 die preußische Staatsbürgerschaft auf, nachdem er erfahren hatte, dass die preußische Regierung vom belgischen Staat seine Ausweisung erwirken wollte.

 

In Brüssel veröffentlichte Marx 1847 das Buch Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons „Philosophie des Elends“ (Original französisch als Misère de la philosophie. Réponse à la philosophie de la misère de M. Proudhon), eine Kritik der ökonomischen Theorie Proudhons und darüber hinausgehend der kapitalistischen Gesellschaft selbst. Außerdem schrieb er gelegentlich Artikel für die Deutsche-Brüsseler-Zeitung.

 

Anfang 1846 gründeten Marx und Engels in Brüssel das Kommunistische Korrespondenz-Komitee, dessen Ziel die inhaltliche Einigung und der organisatorische Zusammenschluss der revolutionären Kommunisten und Arbeiter Deutschlands und anderer Länder war; so wollten sie den Boden für die Bildung einer proletarischen Partei bereiten.

 

So traten sie schließlich in Verbindung mit Wilhelm Weitlings sozialistischem Bund der Gerechten, in dem Marx 1847 Mitglied wurde. Noch im selben Jahr setzte er die Umgründung zum Bund der Kommunisten durch und erhielt den Auftrag, dessen Manifest zu verfassen. Es wurde im Revolutionsjahr 1848 veröffentlicht und ging als Kommunistisches Manifest (eigentlich: Manifest der Kommunistischen Partei) in die Geschichte ein. Im September 1850 wurden Marx und Engels aus dem Bund ausgeschlossen, weil sie mit der Gründung einer eigenen Zentralbehörde in Köln gegen die Statuten verstoßen hatten und die übrigen Mitglieder ihnen „halbgelehrte politische Träumereien“ vorwarfen.

 

Kurz darauf löste die französische Februarrevolution 1848 in ganz Europa politische Erschütterungen aus; als diese Brüssel erreichten, wurde Marx verhaftet und aus Belgien ausgewiesen. Da ihn inzwischen die neu eingesetzte provisorische Regierung der französischen Republik wieder nach Paris eingeladen hatte, kehrte er dorthin zurück; nach Ausbruch der deutschen Märzrevolution ging Marx nach Köln. Dort war er einer der Führer der revolutionären Bewegung in der preußischen Rheinprovinz und gab die Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie heraus, in der unter anderen erstmals die unvollendet gebliebene Schrift Lohnarbeit und Kapital abgedruckt wurde. Die Zeitung konnte am 19. Mai 1849 zum letzten Mal erscheinen, bevor die preußische Reaktion ihr Erscheinen unterband und Marx zum Staatenlosen erklärte.

 

Londoner Exil (1849–1883)

 

Marx kehrte zunächst nach Paris zurück, wurde aber schon einen Monat später vor die Wahl gestellt, sich entweder in der Bretagne internieren zu lassen oder Frankreich zu verlassen. Marx ging daraufhin mit seiner Familie ins Exil nach London, wo er vor allem anfangs in dürftigen Verhältnissen von journalistischer Tätigkeit sowie finanzieller Unterstützung vor allem von Engels überlebte, welcher Marx nach England folgte. Politisch widmete er sich der internationalen Agitation für den Kommunismus und erarbeitete den endgültigen Stand seiner Kritik des Kapitalismus.

 

In London erschien zunächst Marx’ Werk Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850 (als Artikelreihe 1849–1850); daran anknüpfend Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852) zur Machtergreifung Napoleons III..

 

Von 1852 an war Marx Londoner Korrespondent der New York Tribune und jahrelang deren Redakteur für Europa. Die Artikel sind keine gewöhnlichen Berichte, sondern umfassende Analysen der politischen und ökonomischen Lage einzelner europäischer Länder, oft als ganze Artikelreihe. Die Mitarbeit an der „Tribune“ endete mit dem Amerikanischen Bürgerkrieg.

In der Folge entstanden Marx’ ökonomische Hauptwerke. Als erste systematische Darstellung der Marx’schen ökonomischen Grundgedanken erschien 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie. Eigentlich als erstes Heft zur Fortsetzung bestimmt, entdeckte Marx bald, dass er mit der Detail-Ausführung des Gesamtplans noch unzufrieden war. So begann er seine Arbeit von neuem, und erst 1867 erschien der erste der drei Bände seines Hauptwerks Das Kapital.

 

Während er das Kapital ausarbeitete, bot sich Marx auch wieder Gelegenheit zu praktischer Tätigkeit in der Arbeiterbewegung: 1864 beteiligt er sich federführend an der Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation (kurz Erste Internationale) und nimmt in ihr bis zur faktischen Auflösung 1872 (durch Verlegung der Zentrale in die USA, formeller Auflösungsbeschluß 1876) die leitende Position ein. Marx entwarf die Statuten und das grundlegende Programm, die „Inauguraladresse der Internationalen Arbeiter-Assoziation“, unter denen so disparate Sektionen wie deutsche Kommunisten, englische Gewerkschafter, schweizer Anarchisten und französische Proudhonisten zusammenwirkten. Aus zwei 1865 gehaltenen Vorträgen bei Sitzungen des Generalrats entstand die von seiner Tochter Eleanor 1898 veröffentlichte Schrift Lohn, Preis und Profit.

 

Karl Marx im Jahr 1882

In den deutschen Staaten trieb Marx zunächst die Schaffung einer revolutionären sozialistischen Partei voran; dies geschah in Abgrenzung zum sozialreformerisch ausgerichteten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein“ des früheren Marx-„Schülers“ Ferdinand Lassalle, mit dem er sich in den politischen Zielen entzweit hatte. In Verbindung mit Marx gründete Wilhelm Liebknecht (Vater von Karl) 1869 die „Sozialdemokratische Arbeiterpartei“, welche sich 1875 mit den Lassalleianern zur „Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ vereinigte, der späteren „Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (SPD). Ab 1871 arbeitete er an der von Liebknecht herausgegebenen Zeitschrift Der Volksstaat mit.

 

Auch nach der Auflösung der Ersten Internationale blieb Marx in ständiger Verbindung mit fast allen wichtigen Figuren der europäischen und amerikanischen Arbeiterbewegung, die ihn oft für wichtige Fragen persönlich zu Rate zogen.

 

Die drei Töchter Eleanor, Jenny und Laura waren wie ihre Eltern in der sozialistischen Bewegung tätig. Laura heiratete 1868 Paul Lafargue, Jenny 1872 Charles Longuet, Eleanor lebte ab 1883 zusammen mit Edward Aveling; alle drei Schwiegersöhne Marx’ betätigten sich als sozialistische Agitatoren, die ersten beiden in Frankreich, der dritte in Großbritannien.

 

Außerdem hatte Marx einen unehelichen Sohn namens Frederick mit seiner aus Deutschland stammenden Haushälterin Helene Demuth; die Vaterschaft übernahm offiziell Friedrich Engels.

An der Vollendung seiner stetig vorangetriebenen ökonomischen Arbeiten hinderte Marx seine zunehmende Kränklichkeit. In den Jahren von 1862 bis 1874 litt er an einer Hautkrankheit, die ihn stark behinderte. Heutzutage wird angenommen, dass es sich dabei um Hidradenitis suppurativa handelte.

 

1881 starb Jenny Marx, 1883 die gleichnamige Tochter. Insgesamt sind vier von Marx’ Kindern vor ihm selbst verstorben; die beiden ihn überlebenden Töchter beendeten ihr Leben durch Freitod. Marx verstarb 1883 im Alter von 64 Jahren in London und wurde – unter Anwesenheit von elf Trauergästen – auf dem „Highgate Cemetery“ begraben. Hier errichtete 1954 die Kommunistische Partei Großbritanniens einen Gedenkstein mit der Inschrift: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ („Workers of all lands, unite!“).


Als Stalinismus bezeichnet man
  1. allgemein die von Josef Stalin geschaffene theoretische und praktische Ausprägung des Marxismus-Leninismus oder
  2. konkret die Zeit, in der Stalin innen- und außenpolitisch dominant war (1924–1953).

Die Bezeichnung selbst ist nicht kommunistischer Herkunft, sondern ein Begriff, der sich nach Stalins Tod 1953 im Osten, wie im Westen gebildet hatte. Nach der Kritik der Stalinschen Ära auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 gab es einen Prozess der Entstalinisierung.

Von vielen Analytikern wird der Stalinismus auch mit dem Marxismus-Leninismus gleichgesetzt. Dies wird mit Verweis auf die Stalin-Kritik nach 1956 in den kommunistischen und Arbeiterparteien und den damaligen sozialistischen Staaten angezweifelt, da diese sich auch nach der Abkehr von Stalin zum Marxismus-Leninismus bekannten.

Marxistische Analysen des Stalinismus

Der Philosoph und Historiker Leo Kofler interpretiert den Stalinismus als nachgeholte ursprüngliche Akkumulation und unterzieht den Stalinismus damit als einer der ersten einer marxistischen Analyse. Einen soziologischen Ansatz verfolgt Werner Hofmann. Josef Elleinsteins Geschichte des Stalinismus (für die er aus der französischen KP ausgeschlossen wurde) erklärt den Stalinismus aus der russischen und sowjetischen Geschichte heraus.

Georg Lukács schrieb: „Aus dem unvollkommen verstandenen Leninismus ist Stalinismus geworden…“ Das Besondere und Neue in den Werken Stalins wäre unter anderem die Priorität der Taktik vor der Strategie und erst recht vor den Gesamtentwicklungstendenzen der Menschheit  (S. 93). Lukács sah in Stalin den schlauen, berechnenden, überlegenen Taktiker. Dazu gehöre aber auch, daß er diesen Sieg (über Leo Trotzki und andere Reformisten und Opportunisten) als den der richtigen Lehre Lenins über deren Entstellungen darzustellen im Stande schien. Und es gehöre zum Wesen seiner Persönlichkeit, dass er nach dem Sieg nicht mehr bloß als treuer Ausleger und Schüler Lenins öffentlich fungieren wollte, sondern allmählich – oft taktisch sehr geschickt – Situationen zustande brächte, in denen er bereits als der echte Nachfolger der allseitig überlegenen Führerpersönlichkeit seines großen Vorgängers ins öffentliche Bewußtsein träte […] Stalin selbst war aber doch nicht mehr als ein sehr kluger Mensch und ein äußerst raffinierter Taktiker.(S.85)

Der Theoretiker Jürgen Kuczynski verwendete als Synonym des Stalinismus oft auch den Begriff der Stalinzeit. Er meinte damit die Gesamtheit der geistigen und realen Geschehnisse während der Stalinschen Herrschaft, und zwar ausdrücklich der positiven, als auch negativen. Er lehnte die Negierung Stalins nach dem 20. Parteitag als „Fortsetzung des Stalinismus“ ab, nach dem jemand nicht mehr erwähnt wurde, wenn er in Ungnade gefallen war.

  • Kuczynski sah zwei große Leistungen Stalins: Er hätte die Schwerindustrialisierung des bäuerlichen Russlands durchgesetzt (eine Voraussetzung des Sieges über Hitlerdeutschland im Zweiten Weltkrieg) und er besässe das Vertrauen des Volkes, seine Person, seine Reden gaben dem Volk und den Soldaten moralische und Kampfeskraft.
  • Genauso kritisch bemerkte er, dass Stalin zugleich aber dieses Vertrauen auf das schrecklichste missbraucht hat und seine Diktatur brutal durchsetzte. Seine unzweifelhaft vorhandenen propagandistischen Fähigkeiten setzte Stalin ein, um Dogmen zu etablieren und echten wissenschaftlichen Meinungsstreit abzutöten.
  • Persönlich war Kuczynski von Stalins Säuberungen (siehe unten) betroffen, als er Hermann Duncker die Nachricht von der Hinrichtung dessen Sohnes nicht nur überbringen, sondern ihn auch noch überzeugen musste, dass die „Sowjetjustiz auch hier keine Fehler mache“.

Innerhalb der Sowjetunion, der sozialistischen Länder und der Kommunistischen Parteien wurde die eigene Kritik des Stalinismus nach dem 20. Parteitag der KPdSU 1956 lange Zeit als Kritik am Personenkult um Stalin umschrieben. In den 1970er-Jahren und nach 1989 wurde auch in den euro- und postkommunistischen Parteien von Stalinismus gesprochen, ohne dem Begriff einen umrissenen historischen, theoretischen oder politischen Inhalt zu geben.

Oben steht (u.a.): Marx hätte sich gegen das,

was in seinem Namen im 20. Jahrhundert angestellt wurde,

geharnischt verwahrt!


Friedrich Engels war als Philosoph, Politiker, Kaufmann, und engster Freund des  Karl Marx, Mitbegründer des Marxismus. Er wurde in Wuppertal-Barmen gegen Ende 1820 geboren und starb - wie Marx - auch in London 1895, jedoch 12 Jahre nach dem Tode seines Freundes, mit dem er die Theorie des "wissenschaftlichen Sozialismus" ausarbeitete. Seine philosophische Denkweise wurde von Georg Wilhelm Friedrich Hegel und von Ludwig Andreas Feuerbach, beide ebenfalls zeitgenössische Philosophen. In England studierte Engels die sozialen Probleme des Proletariats (vom Lateinischen "proletarius" = Bürger der untersten Klasse). Die Ergebnisse finden sich wieder in: "Die Lage der arbeitenden Klasse in England", aus dem Jahre 1845, was als Grundstein der marxistischen Analyse des Kapitalismus angesehen wird. Marx und Engels verfassten das berühmte "Kommunistische Manifests in den Jahren 184 und 48.
 


Väterchen Stalin“ in der kommunistischen Propaganda

Josef Stalin (georgisch იოსებ სტალინი/Iosseb Stalini; russisch Иосиф Виссарионович Сталин/Iossif Wissarionowitsch Stalin, wiss. Transliteration Iosif Vissarionovič Stalin; geboren am 6. Dezember oder 18. Dezember 1878 in Gori, Georgien; gestorben am  5. März 1953 in Kunzewo bei Moskau) war ein sowjetischer Politiker und Diktator. Sein Geburtsname war Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili (georgisch იოსებ ბესარიონის ძე ჯუღაშვილი; russisch Иосиф Виссарионович Джугашвили/Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, wiss. Transliteration Iosif Vissarionovič Džugašvili,), den Kampfnamen Stalin (der nach verschiedenen Deutungen für „der Stählerne“ steht) nahm er 1912 an.

Seit 1922 war er Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), seit 1941 Vorsitzender des Rates der Volkskommissare, seit 1946 Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR und in den Jahren 1941 bis 1945 Oberster Befehlshaber der Roten Armee – der „Generalissimus“. Nachdem er sich im Machtkampf innerhalb der KPdSU durchgesetzt hatte, behielt er diese Ämter bis zu seinem Tod.

Während seiner Regierungszeit wurden vermeintliche und tatsächliche politische Gegner sowie Millionen weiterer Sowjetbürger und ganze Volksgruppen besetzter Gebiete in Gulag-Strafarbeitslager deportiert. Viele wurden dort ermordet oder kamen durch die unmenschlichen Bedingungen ums Leben.

Die durch ihn vorangetriebene Kollektivierung der Landwirtschaft trug insbesondere in der Ukraine, an der Wolga, am Kuban und anderen Teilen der Sowjetunion zu Hungersnöten bei, denen ungefähr sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Stalin gilt weiterhin als treibende Kraft hinter der sowjetischen Industrialisierung. Als wichtiger Partner zuerst des nationalsozialistischen Deutschlands und später der Alliierten hatte er einen entscheidenden Einfluss auf Beginn und Verlauf des Zweiten Weltkrieges sowie auf die Nachkriegsgestaltung Europas.


Der Jüngling MaoMao Zedong oder Mao Tse-tung; * 26. Dezember 1893 in Shaoshan; † 9. September 1976 in Peking) war der führende Politiker der Volksrepublik China im 20. Jahrhundert. Nach der Ausrufung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949 bestimmte er in seiner Funktion als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas fast 30 Jahre die Geschicke des Landes. Während seiner Herrschaft starben mehrere zehn Millionen Menschen an den Folgen politischer Kampagnen, diktatorischer Machtausübung und verfehlter Wirtschaftspolitik.

 

Mao Zedong wurde am 26. Dezember 1893 als ältester Sohn einer Bauernfamilie im zentralchinesischen Shaoshan, Provinz Hunan geboren. Seine Vorfahren lebten seit 500 Jahren in dieser Gegend. Politisch war die Zeit durch den Verfall der Mandschu-Dynastie geprägt. Doch wegen der Abgeschiedenheit des Dorfes, zu welchem weder Straßen noch schiffbare Flüsse führten, erfuhr die Bevölkerung erst zwei Jahre nach dem Tod des vorletzten Kaisers im Jahr 1908 von dessen Ableben. Aufgrund des bescheidenen Wohlstandes seiner Familie konnte Mao zunächst im Hause eines Privatlehrers eine einfache Schulausbildung genießen, die vor allem im Auswendiglernen konfuzianischer Klassiker, die das Begriffsvermögen des Kindes überstiegen, bestand. Das Lesen wurde für Mao zur Leidenschaft, die er Zeit seines Lebens beibehielt. Mit seinen Lehrern geriet Mao häufig aneinander, so dass er aufgrund seiner Neigung zu ungehorsamem und eigensinnigem Verhalten mehrerer Schulen verwiesen wurde. 1911, am Vorabend der Republikanischen Revolution, trat er auf eigenen Wunsch in die Mittelschule in der Bezirkshauptstadt Changsha ein. Zu dieser Zeit begann sein politisches Interesse zu erwachen. Er informierte sich mit Hilfe von Zeitungen über die aktuellen Debatten und holte innerhalb kürzester Zeit nach, was er bisher versäumt hatte. Er schrieb seinen ersten politischen Aufsatz, in dem er republikanische Positionen vertrat. Zusammen mit einem Kollegen lauerte er anderen Schülern auf und schnitt diesen gewaltsam die in der verhassten Mandschu-Dynastie gebräuchlichen Zöpfe ab.

Mao Zedongs Muttersprache war Xiang. Er sprach Hochchinesisch wohl nur unter Anstrengungen und mit starkem Akzent.

Während der Chinesischen Revolution von 1911 wurde er Mitglied der anti-kaiserlichen Armee von Hunan, kehrte danach aber wieder in die Schule zurück.

1918 folgte er seinem Lehrer Yang Changji nach Peking. Durch Vermittlung dieses Lehrers fand er eine Anstellung als Hilfsbibliothekar an der Peking-Universität, und bekam unter anderem Kontakt zu Li Dazhao, einem der wichtigsten frühen chinesischen Marxisten und Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas. Er erlebte die Vierte-Mai-Bewegung mit. Außerdem lernte er in Beijing seine spätere zweite Ehefrau Yang Kaihui, die Tochter seines Lehrers, kennen. Liebesheiraten waren damals noch alles andere als der Normalfall, dementsprechend wurde die Verbindung von den jungen Intellektuellen in Changsha als Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts gefeiert.

>Hier< eine Karte von China mit seinen Provinzen.

Anders als viele andere spätere Führungskräfte des chinesischen Kommunismus verbrachte Mao die frühen 1920er Jahre nicht im Ausland, sondern mit ausgedehnten Reisen durch Hunan und andere chinesische Provinzen.

Entgegen der offiziellen chinesischen Darstellung war Mao keiner der Teilnehmer bei der Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) 1920 in Shanghai, sondern lebte zu dieser Zeit bereits wieder in Changsha. Die Gründung wurde angeregt durch die von Lenin einberufene Dritte Kommunistische Internationale. Später wurde dieses Treffen als die „Neue Internationale“, kurz: Komintern, bezeichnet. Erst 1921 nahm Mao an dem durch die 2. Komintern organisierten Ersten Kongress der kommunistischen Partei Chinas als einer der 13 chinesischen Delegierten teil. 1923 wurde er auf dem zweiten Parteikongress ins Zentralkomitee gewählt. Während der Ersten Einheitsfront zwischen der KPCh und der Kuomintang (KMT) war er Direktor eines KMT-Instituts zur revolutionären Erziehung der Bauern in Guangzhou.

Im Bürgerkrieg

Nach dem Bruch zwischen GMD und KPCh 1927 startete Mao den Herbsternte-Aufstand in Changsha, der aber schnell niedergeschlagen wurde. Mit einigen anderen Überlebenden zog sich Mao in das Jinggang-Gebirge zurück, wo er seine Truppen mit denen von Zhu De, Chen Yi und Zhou Enlai vereinigte, die sich nach dem Nanchang-Aufstand ebenfalls hierhin zurückgezogen hatten. Schon in dieser Zeit begann Mao seine Gegner und die lokale Bevölkerung durch so genannte „Säuberungen“ umzubringen und einzuschüchtern.

Die Guerillabasis vergrößerte sich schnell; 1928 beherrschte sie bereits ein Gebiet mit über 500.000 Einwohnern. Unter dem Druck der Kuomintang wurde das Zentrum 1931 etwas nach Süden verlagert, und die Jiangxi-Sowjetrepublik wurde gegründet. Die Zeit war allerdings auch geprägt von andauernden Machtkämpfen zwischen Mao, der die Revolution durch Guerillakrieg (d.h. mit Unterstützung der Bauern) erreichen wollte, und an der Komintern orientierten Gruppen, die auf eine Revolution des Proletariats (d.h. durch die Industriearbeiter in den Städten) setzten (der sogenannte Kampf der zwei Linien).

In Jinggangshan lernte Mao auch seine dritte Partnerin He Zizhen kennen. Yang Kaihui hatte Mao in Changsha zurückgelassen, wo sie von der Kuomintang verhaftet und 1930 hingerichtet wurde. Ihre Kinder mit Mao mussten sich eine Zeit lang als Straßenkinder in Shanghai durchschlagen, bevor sie von Kommunisten gefunden und außer Landes gebracht werden konnten. Maos Sohn Mao Anying fiel später im Koreakrieg bei einem Luftangriff.

1934 wurde der Druck der Kuomintang schließlich so stark, dass die Jiangxi-Sowjetrepublik aufgegeben werden musste. Die Kommunistischen Truppen zogen im Langen Marsch nach Yan'an, in der Provinz Shaanxi, zurück, ständig auf der Flucht vor Truppen der GMD oder feindlicher lokaler Kriegsherren. Mao selbst legte den größten Teil des Weges in einer eigens für ihn konstruierten Sänfte zurück. Unter den Opfern waren wahrscheinlich auch mehrere Kinder von ihm und He Zizhen, die bei Bauern untergebracht, aber nach 1949 nicht mehr aufgefunden werden konnten. He Zizhen selbst überlebte zwar, aber war gesundheitlich angeschlagen. Sie wurde 1937 in die Sowjetunion geschickt, um sich zu kurieren, aber auch, um Mao nicht bei dessen Affäre mit seiner späteren vierten Ehefrau, der Schauspielerin und Politikerin Jiang Qing, im Wege zu stehen.

Es war während des Langen Marsches, dass sich Mao auf der Konferenz von Zunyi mit Hilfe von Zhou Enlai als Anführer der KPCh durchsetzen konnte.

In Yan'an konnte sich die Kommunistische Partei Chinas nur durch finanzieller Hilfe aus Moskau und durch den großangelegten Mohnanbau und den damit erzielten Einkünften aus dem Drogenhandel (Mao selbst sprach von 40 Prozent) stabilisieren. Auch war das Gebiet abgelegen genug, um erfolgreiche Angriffe der GMD zu verhindern, und außerdem führte der Chinesisch-Japanische Krieg 1937 zur Zweiten Einheitsfront. Diese Einheitsfront entstand im Wesentlichen durch Vermittlung Stalins, der durch ein starkes China Japan von einem direkten Angriff auf die Sowjetunion abhalten wollte. Maos Strategie lautete in den folgenden Jahren nach eigenen Angaben: 10 % Kampf gegen Japan, 40 % Kampf gegen die chinesischen politischen Gegner, 50 % Kampf zur Vergrößerung der eigenen Machtbasis.

Mao1946

Maos Sieg gegen Chiang Kai-shek

Nach der Kapitulation Japans und dem Rückzug der japanischen Truppen aus China flammte der Bürgerkrieg 1946 erneut mit voller Härte auf. Die Kuomintang und ihr Führer Chiang Kai-shek hatten jedoch während des Krieges an Stärke verloren, während die Kommunisten enorm an Stärke gewonnen hatten. Nach der Ausrufung der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949 zog sich die Kuomintang nach Taiwan zurück, wo sie die Republik China fortführte.

Die Profilierung Chinas in Korea gegen die USA

Das war allerdings noch nicht das Ende von Maos Feldzügen. Aufgrund der außenpolitischen Probleme mit den Vereinigten Staaten und der Unzufriedenheit über ein vereinigtes Korea unter US-amerikanischer Führung griff die Volksrepublik China am 1. Januar 1951 in einer Offensive die UNO und die südkoreanischen Truppenverbände an. Der Angriff wurde von etwa 1 Million Mann unter widrigsten Umständen durchgeführt.

In dieser verlustreichen Sturmeroberung, die hauptsächlich von chinesischen „Freiwilligenverbänden“ („Volksfreiwillige“) ausgeführt wurde, wurde die Truppen der Südkoreaner bis zum 38. Breitengrad zurückgeschlagen. Der militärische Erfolg, nach 100 Jahren der Machtlosigkeit gegenüber ausländischen Invasoren, galt als einer der wichtigsten Erfolge Maos.

Der Preis dafür waren jedoch hohe Verluste, die der militärischen Taktik der Menschenwelle zugesprochen werden: Sehr viele Soldaten mit mangelhafter Bewaffnung und quasi ohne Ausbildung rannten so lange gegen die feindlichen Linien an, bis dem Gegner die Munition ausging. Maos Ziel war dabei die Schützenhilfe für Kim Il Sung, während die eigenen Verluste nicht zählten. Historiker sprechen von fast 500.000 chinesischen Todesopfern.

Maos Kampagnen

„Hundert-Blumen-Bewegung“ (1956–1957)

Im Mai 1956 initiierte Mao die Hundert-Blumen-Bewegung: Er ließ die Zensur für die Intellektuellen lockern, um neue Anregungen zu erhalten, wobei er davon ausging, dass er nur ca. 3 % der Intellektuellen gegen sich habe. Aus Angst vor dem Regime setzte die Kritik der Intellektuellen erst ein Jahr später ein, im Mai 1957 im Zuge einer weiteren Kampagne.

Da auch Maos Politik dabei heftig kritisiert wurde, ließ Mao durch Deng Xiaoping die Hundert-Blumen-Bewegung stoppen, diffamierte die Intellektuellen in einem neuen Klassenkampf „Kampagne gegen Rechts“ und ließ 300.000 von ihnen inhaftieren. Weiterhin wurden 400.000 bis 700.000 ihm als „Volksfeinde“ erscheinende Angestellte entlassen und durch neue kommunistische Kader aus den Bauernschichten ersetzt. Aufgrund der neuen, zumeist unqualifizierten Führungskader, die wissenschaftliche Ratschläge und Methoden oftmals als „unproletarisch“ oder „antikommunistisch“ brandmarkten, griffen Misswirtschaft und Missmanagement in weiten Teilen der chinesischen Wirtschaft um sich.

In einer Rede vor Parteiführern sagte Mao 1958: „Was ist so ungewöhnlich an dem Kaiser Shi Huangdi aus der Qin-Dynastie? Er hat nur 460 Gelehrte lebendig begraben, wir dagegen haben 46.000 Gelehrte lebendig begraben. Wir sind dem Kaiser … in bezug auf die Unterdrückung konterrevolutionärer Gelehrter hundertfach voraus.“

Der „Große Sprung nach vorn“ (1958–1961)

Der große Sprung nach vorn war die offizielle Parole für die Politik der Volksrepublik China von 1958 bis Anfang 1962. Ziel war es, China auf Kosten der Landwirtschaft zu einer industriellen Großmacht zu machen, Ergebnis jedoch war die größte von Menschen ausgelöste Hungersnot der Geschichte. Sie kostete 20 bis 40 Millionen Menschen das Leben.

Wegen der wachsenden Opposition höchster Parteikader gegen das Programm des Großen Sprungs nach vorn verlor Mao 1958 gegenüber zurückhaltenderen Parteiexponenten wie Deng Xiaoping vorübergehend an Macht. Im gleichen Jahr trat er von seinem Amt als Staatspräsident zurück, behielt jedoch im Hintergrund weiterhin die Zügel in der Hand, Deng Xiaoping, Liu Shaoqi, Chen Yun und andere gewannen vorübergehend an Einfluss.

Bereits auf der Konferenz von Lushan am 1. Juli 1959 initiierte Mao jedoch eine Kampagne gegen die so genannten „Rechtsabweichler“, womit es ihm gelang, alle Politiker, die seinem Programm mit zweifelhafter Einstellung gegenüberstanden, einzuschüchtern. Auf Geheiß Maos wurde der „Große Sprung nach vorn“ bis 1961 weitergeführt. Da die katastrophalen Folgen der Kampagne gegenüber der Bevölkerung verschwiegen werden mussten, blieb der Nimbus Maos intakt, und nach der Zündung der ersten chinesischen Atombombe im Jahre 1964 sowie nach der Veröffentlichung des „Kleinen Roten Buches“ mit von Lin Biao zusammengestellten Zitaten Maos im Jahre 1966, wuchs sein Einfluss, und seine Stellung wurde zunehmend unanfechtbar.

Die Kulturrevolution (1966–1976)

1966 konnte Mao so die Große Proletarische Kulturrevolution starten. Vordergründig sollten mit ihr die reaktionären Tendenzen, die sich gemäß Mao, insbesondere unter den Parteikadern und der Intelligenz breit gemacht hatten, und den Erfolg der kommunistischen Bewegung zu vereiteln drohten, niedergeschlagen werden. Effektiv lieferte das brutale Vorgehen gegen die angeblichen Rechtsabweichler Mao jedoch den Vorwand um seine innerparteilichen Konkurrenten auszuschalten. Die von Mao gegen die Rechtsabweichler aufgehetzten Jugendlichen, die so genannten Roten Garden, waren zu Beginn der Kulturrevolution vor allem die Kinder von Parteikadern und der Intelligenz (Hochschuldozenten, Lehrern, Höheren Beamten, Akademikern), die ihre Eltern und Lehrer überwachen und denunzieren mussten. Das Vorgehen gegen die angeblichen Rechtsabweichler war äußerst brutal. Zahllose bisherige Stützen des Staates wurden von fanatisierten Massen ermordet oder schwer verletzt und demütigenden Behandlungen ausgesetzt. Während der rund zehn Jahre dauernden bürgerkriegsähnlichen Kulturrevolution starben über 7 Millionen Menschen, darunter auch alte Weggefährten Maos, die von ihm als Konkurrenten empfunden wurden. Zu den Opfern gehörte auch Deng Xiaoping, welcher jedoch überlebte und nach dem Tode Maos der führende chinesische Politiker wurde. Andere Konkurrenten, wie der designierte Mao-Nachfolger Lin Biao kamen aus ungeklärten Gründen ums Leben.

Die Kulturrevolution führte auch zur organisierten Zerstörung von Kulturgütern. So wurden Tausende von Tempeln zerstört, Bibliotheken verwüstet und Bücher öffentlich verbrannt. Bis auf zehn, von Jiang Qing persönlich ausgelesenen Opern, wurde die Aufführung von Opern im ganzen Land verboten. Die Bevölkerung musste ihre privaten Kunstgegenstände wie Bilder, Schmuck, Bücher usw. den Garden abliefern.

Maos Außenpolitik

Außenpolitisch war die Aufnahme Volkschinas in die UNO 1971 Maos größter Erfolg. Taiwan wurde gleichzeitig aus der UNO ausgeschlossen. Mit dem Besuch von US-Präsident Nixon 1972 trat auch der langjährige Maogefährte Zhou Enlai ins Rampenlicht. Der „Bambusvorhang“ fiel damit immer mehr, während Mao 1972 einen ersten Schlaganfall erlitt und Deng Xiaoping wieder aus der Verbannung geholt wurde.1972: Mao Zedong trifft sich in Peking mit Richard M. Nixon

Mao-Kult ohne Mao – zögernde Aufarbeitung der Vergangenheit

Nach Maos Tod wurde eine neue Verfassung eingeführt und die „Viererbande“ sofort verhaftet. Die Mao-Witwe Jiang Qing wurde in einem Prozess 1981 zum Tod auf Bewährung verurteilt. Das Urteil wurde zwei Jahre später in lebenslänglich umgewandelt. 1991 wurde sie aus gesundheitlichen Gründen entlassen, doch zehn Tage später beging sie Suizid.

Nach der endgültigen Rehabilitierung von Deng Xiaoping 1977 und nach der diplomatischen Anerkennung durch die USA am 1. Januar 1979 öffnete China die Grenzen und rehabilitierte die überlebenden Mao-Opfer. Der Inhalt der Mao-Bibel (das „Kleine Rote Buch“) wird 1980 als Weisheit der gesamten Mao-Führung definiert.

1981 gesteht die KPCh schließlich erstmals offiziell die Misserfolge der „Kampagnen“ ein, schützt Mao aber weiterhin: Die Kulturrevolution sei ein „grober Fehler“ gewesen. Maos Wirken sei in der Endabrechnung aber zu „70 Prozent positiv“ zu bewerten, denn die Leistungen würden die Irrtümer mehr als ausgleichen. Schätzungen kritischer Historiker sehen dies zum Teil grundlegend anders.

Die Historiker diskutieren seither, ob ein China ohne Mao eine schnellere und menschlichere ökonomische Entwicklung genommen hätte. Mao wird im Wirtschaftsaufschwung seit den 1980er Jahren weiterhin kultisch als Maskottchen oder als Anhänger etc. verehrt. Weiterhin stehen in einigen Städten Mao-Statuen und Maos Konterfei ist auf allen Geldscheinen der Volksrepublik zu sehen und die „Kulturrevolution“ ist bis heute kaum aufgearbeitet.

Bedeutung Maos

Sein Ausspruch bei der Proklamation der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949: „China ist wieder auferstanden“, gibt vielleicht am ehesten Maos geschichtliche Bedeutung wieder. Ihm und seinen Kampfgefährten ist es mitzuverdanken, dass die Chinesen nach einem Jahrhundert ausländischer Besetzung ihre nationale Unabhängigkeit wieder erlangten. Außenpolitisch band Mao China zunächst eng an die Sowjetunion („nach einer Seite lehnen“, yibian dao) an. Seine Zweifel an der Tauglichkeit des sowjetischen Modells zur Entwicklung und weltweiten Verbreitung des Kommunismus ließen ihn aber nach dem Tode Stalins den allmählichen Bruch mit der UdSSR vorantreiben. Innenpolitisch ist die Mao-Zeit geprägt von einer Reihe von Kampagnen, die nicht erst mit der Hundert-Blumen-Bewegung 1956/57 (siehe oben) begannen. Sinn und Zweck der permanenten Kampagnen war vordergründig der, dass die sich immer wieder bildenden bürgerlichen Strukturen durch eine permanente Revolution zerschlagen werden sollten. Diese Säuberungen dienten allerdings mindestens ebenso sehr dem autoritären Machtanspruch von Mao selbst, den er rücksichtslos gegen alle tatsächlichen und vermeintlichen Feinde verteidigte. Die autoritäre Philosophie des Maoismus diente hierbei als Rechtfertigung seiner uneingeschränkten Herrschaft.

Der Maoismus als politische Bewegung war nicht nur in China prägend, sondern beeinflusste auch die europäische Studentenbewegung, die Naxaliten in Indien, die Guerillabewegung Leuchtender Pfad in Peru, die Kommunistische Partei der Philippinen und zahlreiche andere Parteien, Gruppen und Splittergruppen.

Die historische Beurteilung Maos außerhalb der Volksrepublik ist zunehmend davon geprägt, die Mythen um den Großen Vorsitzenden abzubauen. Neben den politischen Leistungen (die allerdings in die Anfangszeit der kommunistischen Machtübernahme fielen) wie der Etablierung Chinas als von Kolonialmächten unabhängigen Staat und der Stabilisierung des Landes nach 30 Jahren kriegerischer Auseinandersetzungen, werden die Schattenseiten seiner Diktatur deutlich. Die VR China war während der gesamten rund dreißigjährigen Herrschaft Maos ein wirtschaftlich daniederliegendes, von politischen Verfolgungen gebeuteltes und, bis 1972, außenpolitisch weitgehend isoliertes Land.

Nach Rummel und Heinsohns Opferzahlen-Angaben entfallen auf:

  • Machtfestigung und Enteignungen 1949-1953: 8.427.000 Todesopfer
  • „Großer Sprung nach vorn“ und Enteignungen 1954-1958: 20 bis 40 Mio. Opfer
  • Vernichtung durch Arbeit (Arbeitslager) sowie Hunger als Folge der Enteignungen 1959-1963: 10.729.000
  • Kulturrevolution 1964-1975 : 7.731.000 Tote.

Andere Wissenschaftler, darunter auch Rummel, schätzen die Zahl der Opfer alleine durch den „Großen Sprung“ auf über 40 Mio. und insgesamt bis zu 76 Mio. Toten (R.J. Rummel).

In China wurde Maos Wirken nach seinem Tod von seinen Nachfolgern offiziell nach der „Deng-Formel“ beurteilt, d.h. 70% seines Handelns sei für China gut und 30% nachteilig gewesen. Insbesondere für die chinesische Jugend ist Mao, als Folge der fortbestehenden Alleinherrschaft der kommunistischen Partei, welche jede wissenschaftliche Aufarbeitung der Maodiktatur und ihrer Folgen für die Bevölkerung verbietet, noch heute häufig eine Mischung zwischen patriotischem Heiligen und Großvaterfigur.

Bei den Jugendlichen im Westen genoss Mao während der antiautoritären Bewegung Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts teilweise Kultstatus. Sein radikales Vorgehen gegen die Bürgerlichen während der Kulturrevolution wurde von der 68er Jugend meist unkritisch als Modell für die Bekämpfung „bourgeoiser“ Strukturen im Westen gesehen.

Frauen

  1. Luo Yixiu (1889–1910) aus der Provinz Hunan: 1907 Heirat, 1910 verstorben
  2. Yang Kaihui (1901–1930) aus Changsha: 1921 Heirat, 1927 Scheidung, 1930 von der Kuomintang hingerichtet
  3. He Zizhen (1910–1984) aus Jiangxi: 1928 Heirat, 1939 Scheidung
  4. Jiang Qing (1914–1991), 1939 Heirat

Der Biografie seines Leibarztes, Li Zhisui zufolge, hatte Mao darüber hinaus sexuellen Verkehr mit hunderten weiterer Frauen. Dabei habe Mao bewusst das Risiko in Kauf genommen, die Frauen mit seinen Geschlechtskrankheiten, die er nie auskuriert hatte, zu infizieren.


Der Maoismus ist eine politische Strömung, die sich auf die Schriften des chinesischen Revolutionärs Mao Zedong stützt. Die bekannteste Schriftensammlung dieser Art ist wohl die so genannte Mao-Bibel (auch das „Rote Buch“ genannt), eine thematisch geordnete Sammlung von Zitaten des „Großen Steuermanns“ Mao Zedong, die während der Kulturrevolution in China zusammengestellt wurde und in Übersetzungen in der ganzen Welt verbreitet ist.

Die Theorie und ihr Einfluss in China

Die größte Bedeutung erreichte der Maoismus in seinem Ursprungsland, der Volksrepublik China, wo er seit der kommunistischen Revolution von 1949 offizielle Leitidee staatlich politischen Handelns war. Der Maoismus beruft sich auf die Schriften von Karl Marx, Friedrich Engels, Lenin und auch Stalin, was die extrem autoritären Züge des Maoismus erklärt.

Diese westlichen Elemente verschmolz Mao mit traditioneller chinesischer Philosophie, etwa dem Denken in Konstellationen. Wichtiges Merkmal der chinesischen Philosophie ist aber vor allem die Vernachlässigung erkenntnistheoretischer und anderer abstrakter Probleme zugunsten der Probleme der materiellen Lebenswelt, die etwa auch dem Konfuzianismus eigen ist. Im Gegensatz zur wesentlich konservativeren Ethik des Konfuzianismus suchte der Maoismus die allgemeine Wohlfahrt jedoch nicht in der guten Lebensführung des Einzelnen, sondern seine Praxis verlangt die revolutionäre Umgestaltung der Lebensverhältnisse und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.

Der Praxisbegriff

Die maoistische Theorie ist für ihren Schöpfer Mao Zedong der Praxis untergeordnet, eine Theorie ohne Praxis ist für ihn nichts als „Exkrement“. Jede Theorie muss sich daher in der Praxis beweisen und bei Misserfolgen im politischen Kampf geändert oder verworfen werden. Diese Praxisbetonung kann aus den Bedingungen ihrer Entstehung erklärt werden: Vor dem Sieg seiner Bewegung durchliefen Mao und seine Genossen eine jahrzehntelange Phase des Guerilla-Kampfes gegen die bürgerlichen Kräfte der Guomindang und die japanischen Invasoren (siehe Chinesischer Bürgerkrieg). Mao ist daher weit mehr Soldat als Philosoph gewesen, seine Schriften bestehen ebenfalls zu einem großen Teil aus Ausführungen über Militärtaktik. Und da im Krieg nur der Sieg zählt, zählt auch bei der politischen Theorie nur ihre Anwendung, die Praxis. Die Betonung der Praxis spricht für den Maoismus, allerdings sinkt sie in letzter Konsequenz zu einem Spiel von Versuch-und-Irrtum herab. Das wohl grausamste Ergebnis dieser Versuche war der so genannte Große Sprung nach vorn, eine Kampagne zur Industrialisierung, bei der im ganzen chinesischen Hinterland ohne geschultes Personal und geeignete Rohstoffe Stahlproduktionsstätten aufgebaut werden sollten. Die Ausfuhr großer Anteile landwirtschaftschaftlicher Erträge ins Ausland, um die benötigten Devisen ins Land zu schaffen, verursachte eine Hungersnot (die „drei bitteren Jahre“) mit mehreren Millionen Toten.

Fortschritt

Das Ziel der maoistischen Praxis ist letztendlich der industrielle Fortschritt, das Ein- und Überholen der ehemaligen Kolonialherren Großbritannien und USA. Beim Lesen von Maos Schriften erscheint auch der Sozialismus nur als ein Mittel zur Erlangung des Fortschritts (siehe Zitat unten). Daher könnte man die mittlerweile fast abgeschlossene Wiedereinführung des Kapitalismus in China durch Maos Nachfolger als konsequente Verfolgung seiner Theorie interpretieren. Dieses Ziel der Industrialisierung um jeden Preis teilt der chinesische Maoismus mit dem Regime Stalins, der ebenfalls die Industrialisierung auf der Grundlage von Diktatur und Zwangsarbeit aufbaute. Obwohl über der Sowjetunion bis zum Zweiten Weltkrieg ständig das Damoklesschwert einer feindlichen Invasion hing, das eine schnelle Industrialisierung zur unbedingten Notwendigkeit machte, während Maos China schnell, auch durch den Besitz der Atombombe nach außen hin abgesichert war, wäre eine weniger auf Fortschritt abzielende Entwicklung nur zum Preis dauerhafter Unterentwicklung möglich gewesen. Eine direkte Gleichsetzung der Industrialisierungen Stalins und Maos ist nicht möglich. Ein wichtiges, im Grunde sogar das wesentliche Ziel des Marxismus, nämlich die Emanzipation auch des einzelnen Menschen von äußeren Zwängen, ist im Falle des Letzteren endgültig aufgegeben: Verfolgte Marx noch das Ziel der „Assoziation der freien Produzenten“, so findet sich im Maoismus der einzelne unter totalem Zwang.

Für Marx war der technische und industrielle Fortschritt noch Vorbedingung für die Emanzipation des Menschen im Kommunismus. Unter Mao wird dagegen das Mittel zum Zweck: Der Mensch muss sich dem Fortschritt unterordnen anstatt ihn zur Erleichterung seines Lebens einzusetzen.

Die Widersprüche im Volke

Die Aufgabe der emanzipatorischen Ansprüche des Marxismus kaschierte Mao durch eine Anwendung seiner Widerspruchstheorie, einer Verflachung der Marxschen Dialektik. Diese "Lehre von den Widersprüchen im Volke" beruht auf der Unterscheidung zwischen Widersprüchen im Volke und Widersprüchen zwischen dem Volk und dem "Feind". Die Widersprüche im Volke, etwa zwischen Bauern und Arbeitern werden durch demokratische Diskussionen gelöst, die politischen Widersprüche in der kommunistischen Partei werden durch Kritik und Selbstkritik gelöst, die Widersprüche mit dem Feind jedoch durch Auslöschung des Feindes.

Das war durch den Krieg gegen die Invasion Japans begründet, enthält aber bereits die Rechtfertigung der Diktatur: indem Mao selbst bestimmt, wer Feind und wer Freund ist, hat er die Mittel und die Rechtfertigung zur physischen Vernichtung jeder Art von Opposition. Diese Reduktion der Dialektik auf ein Verhältnis von Freund und Feind forderte in China tausende von Todesopfern durch "Säuberungen", insbesondere in der Phase der Kulturrevolution.

Zu viel schlimmeren Exzessen schritten die Roten Khmer in Kambodscha, die aus einer anti-Maoistischen Rebellenfraktion entstanden und einen vom Westen unterstützen, rücksichtslosen anti-intellektuellen Umbau des Landes hin zu einer reinen Agrargesellschaft betrieben. Die Khmer bezeichneten sich erst nach ihrer Niederschlagung durch vietnamesische kommunistische Truppen als Maoisten, mit besonderem Augenmerk auf eine eventuelle Unterstützung durch China.


weitgehend aus www.de.wikipedia.org


 

Betrachtung von Gerhard Zwerenz in seinem Buch: "Die Lust am Sozialismus"

 

1.) Gefährdet kann nur sein, was existiert. Ein europäischer Sozialismus existiert nicht mehr. Er wäre auch nur, zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, als dritte Kraft denkbar. Eine solche dritte Kraft vermochte sich nicht zu etablieren.
 

2.) Der Sozialismus war der Entwurf zu einer humaneren Welt. Unser Zeitalter findet sich prinzipiell mit jeder Ahumanität ab und ist weiter denn je davon entfernt, die von ihm entfesselten Kräfte zu beherrschen. Möglicherweise überwintert der Sozialismus in wenigen Köpfen. Die verstehen es dann trefflich, ihn geheimzuhalten.
 

3.) Der Sozialismus ist gegenwärtig sowohl als sittliche Idee wie auch als geistiger Entwurf tot. Ihm fehlt die politische, moralische und intellektuelle Faszination. Er bewegt nichts, weil er nicht zu bewegen vermag und weil sich von ihm nichts bewegen läßt. In den kommunistischen Gesellschaften herrscht die Parteiroutine. In den nichtkommunistischen Gesellschaften sind die sozialdemokratischen Parteien, soweit vorhanden, empirisch geworden, d. h. verbürgerlicht.

 

4.) Unsere Welt erschöpft ihre Energien in Kriegen, die das vernünftige Handeln der Menschen lähmen, welche Lähmung zugleich zur Mit-Ursache neuerlicher Untergänge wird. Ich sehe für den Sozialismus, der ein System tätiger Aufklärung sein müßte, keine Chance mehr. Aber in die Welt, wie sie ist, durch persönliche Haltung ein wenig Gerechtigkeit, Fairneß und Milde zu bringen, wäre auch eine Aufgabe.


5.) Die Idee des 19. Jahrhunderts war der Sozialismus. Die Idee des 20. Jahrhunderts ist die Vernichtung. Dem Gesetz ihrer Trägheit folgend, erwartet die menschliche Gesellschaft den von ihren Regisseuren in Szene gesetzten Weltuntergang, den sie sich damit redlich verdient haben wird. Dies alles hat nichts mit Sozialismus zu tun; wohl aber mit seiner Abwesenheit.