Die Mao-Bibel
>Hier< zu einem ausführlichen Lebenslauf von Mao
WORTE DES
VORSITZENDEN MAO TSE-TUNG
Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking, 1967
Wie einige Textbeispiele zeigen, unterscheidet sich dieses Bibelchen für jede Westentasche nicht von anderen "heiligen" Schriften. Wie die meisten Religionsstifter konnte auch Mao (seine "Bibel") nicht selbst schreiben. Es wird in der Regel aus seinen Reden zitiert.

Nach diesem Bild von Mao*
erscheint der Aufruf des Genossen Lin Biao (der also "mit genießt"):
"Studiert die Werke des Vorsitzenden Mao Tse-tung,
hört auf seine Worte und handelt nach seinen Weisungen!"
* Im Chinesischen werden die Familien-Namen zuerst genannt, also "Mao", "Tse"
ist ein Gruppenname und "Tung" der ganz persönliche Name (entsprechend unserem
Vornamen)
Hier das Original obigen Aufrufs:

VORWORT
ZUR ZWEITEN AUFLAGE
(Auch von Lin Biao verfasst)
Genosse Mao Tse-tung ist der größte Marxist-Leninist unserer Zeit. In genialer,
schöpferischer und allseitiger Weise hat Genosse Mao Tse-tung den
MarxismusLeninismus als Erbe übernommen, ihn verteidigt und weiterentwickelt; er
hat den Marxismus-Leninismus auf eine völlig neue Stufe gehoben.
Die Ideen Mao Tse-tungs sind der Marxismus-Leninismus jener Epoche, in welcher
der Imperialismus seinem totalen Zusammenbruch und der Sozialismus seinem
weltweiten Sieg entgegengeht. Die Ideen Mao Tse-tungs sind eine mächtige
ideologische Waffe im Kampf gegen den Imperialismus, eine mächtige ideologische
Waffe im Kampf gegen Revisionismus und...
Nun zu dem, was Mao selbst gepredigt hat:
I. DIE KOMMUNISTISCHE PARTEI
Die den Kern bildende Kraft, die unsere Sache führt, ist die Kommunistische
Partei Chinas.
Die theoretische Grundlage, von der sich unser Denken leiten läßt, ist der
Marxismus-Leninismus.
Eröffnungsansprache auf der 1. Tagung des I. Nationalen
Volkskongresses der Volksrepublik China (15. September 1954)
Will man die Revolution, dann muß man eine revolutionäre Partei haben. Ohne eine
revolutionäre Partei, die gemäß der revolutionären Theorie und dem
revolutionären Stil des Marxismus-Leninismus aufgebaut ist, ist es unmöglich,
die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen zum Sieg über den Imperialismus
und seine Lakaien zu führen.
„Revolutionäre Kräfte der ganzen Welt, vereinigt euch, kämpft gegen die
imperialistische Aggression!" (November 1948), Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs,
Bd. IV
Ohne die Anstrengungen der Kommunistischen Partei Chinas, ohne die chinesischen
Kommunisten als festes Rückgrat des chinesischen Volkes ist es unmöglich, die
Unabhängigkeit und die Befreiung Chinas zu erreichen, und ebenso unmöglich,
China zu industrialisieren und seine Landwirtschaft zu modernisieren.
„Über die Koalitionsregierung" (24. April 1945).
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. III
Die Kommunistische Partei Chinas ist der führende Kern des ganzen chinesischen
Volkes. Gäbe es keinen solchen Kern, dann könnte die Sache des Sozialismus nicht
siegen.
Rede bei dem für die Delegierten des III. Landeskongresses
des Neudemokratischen Jugendverbandes Chinas gegebenen
Empfang (25. Mai 1957)
Eine disziplinierte Partei, die mit der Theorie des Marxismus-Leninismus
gewappnet ist, die Methode der Selbstkritik anwendet und mit den Volksmassen
verbunden ist; eine Armee, die unter Führung einer solchen Partei steht; eine
von einer solchen Partei geführte Einheitsfront aller revolutionären Klassen und
aller revolutionären Gruppen - das sind die drei Hauptwaffen, mit denen wir die
Feinde besiegt haben.
„Über die demokratische Diktatur des Volkes" (3u. Juni 1949),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. IV
Beispiel aus:
II. KLASSEN UND KLASSENKAMPF
Im Klassenkampf siegen gewisse Klassen, während andere vernichtet
werden. Das ist der Lauf der Geschichte, das ist die Geschichte der Zivilisation
seit Tausenden von Jahren. Erklärt man die Geschichte von diesem Standpunkt aus,
so heißt das historischer Materialismus; nimmt man den entgegengesetzten
Standpunkt ein, so ist das historischer Idealismus.
„Weg mit den Illusionen, zum Kampf bereit sein!" (14. August 1949),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. IV
In der Klassengesellschaft lebt jeder Mensch in einer bestimmten
Klassenlage, und es gibt keine Ideen, die nicht den Stempel einer Klasse trügen.
„Über die Praxis" (Juli 1937),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. 1
Die gesellschaftlichen Veränderungen hängen in der Hauptsache von der
Entwicklung der Widersprüche innerhalb der Gesellschaft ab, also der
Widersprüche zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, zwischen
den Klassen, zwischen dem Neuen und dem Alten; die Entwicklung dieser
Widersprüche treibt die Gesellschaft vorwärts und gibt den Impuls für die
Ablösung der alten Gesellschaft durch eine neue.
„Über den Widerspruch" (August 1937),
Ausgewählte Werke Mao Tsetungs, Bd. 1
....
Ich bin der Meinung, daß es für uns - sei es für den einzelnen, für eine Partei, eine Armee oder eine Schule-schlecht ist, wenn der Feind nicht gegen uns Front macht, denn in diesem Fall würde es doch bedeuten, daß wir mit dem Feind unter einer Decke steckten. Wenn wir vom Feind bekämpft werden, dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten läßt, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, daß wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern daß unsere Arbeit auch glänzende Erfolge gezeitigt hat.
Wenn der Feind uns bekämpft, ist das gut und nicht schlecht (26. Mai 1939)
Alles, was der Feind bekämpft, müssen wir unterstützen; alles,
was der Feind unterstützt, müssen wir bekämpfen.
„Gespräch mit drei Korrespondenten der Zentralen Nachrichtenagentur und der Zeitungen Saodang Bao und Hsinmin Bao" (16. September 1939),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. II
Beispiel aus:
XXVII. KRITIK UND SELBSTKRITIK
Die Kommunistische Partei hat vor keiner Kritik Angst, weil wir Marxisten sind, weil die Wahrheit auf unserer Seite ist und die Hauptmassen - die Arbeiter und Bauern - zu uns stehen.
Rede auf der Landeskonferenz der Kommunistischen Partei Chinas
Über Propagandaarbeit (iz. März 1957)
Konsequente Materialisten sind unerschrockene Leute, und so hoffen wir, daß die
gemeinsam mit uns kämpfenden Menschen mutig Verantwortlichkeiten auf sich
nehmen, Schwierigkeiten überwinden, keine Angst vor einem Rückschlag haben,
Klatsch und Spott nicht fürchten und ohne Scheu uns Kommunisten kritisieren
beziehungsweise uns Vorschläge machen werden. „Wer keine Angst vor Vierteilung
hat, wagt es, den Kaiser vom Pferde zu zerren"; im Kampf für den Sozialismus und
Kommunismus müssen wir eine solche Furchtlosigkeit haben.
Ebenda
Wir verfügen über die marxistisch-leninistische Waffe der Kritik und
Selbstkritik. Wir sind imstande, einen schlechten Arbeitsstil aufzugeben und den
guten zu bewahren.
„Bericht auf der 2. Plenartagung des VII. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas" (5. März 1949),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. IV
Ernsthaft Selbstkritik üben - das ist ein weiteres markantes Merkmal, das uns von
anderen Parteien unterscheidet. Wir haben festgestellt: Man muß die Stube
ständig auskehren, sonst wird sich Staub ablagern: man muß das Gesicht
regelmäßig waschen,
sonst wird das Gesicht schmutzig. Auch in den Köpfen unserer Genossen und in der
Arbeit unserer Partei kann sich Staub ablagern, auch hier muß man fegen und
waschen. „Fließendes Wasser fault nicht, Türangeln werden nicht wurmstichig",
wie das Sprichwort besagt, weil sowohl das eine wie das andere sich fortwährend
bewegt und daher beide gegen Mikroben widerstandsfähig sind, beziehungsweise von
anderen Lebewesen nicht angefressen werden. Was uns betrifft, so besteht das
einzige wirksame Mittel, um die Köpfe unserer Genossen und den Leib unserer
Partei gegen jegliche politische Verunreinigung und allerlei politische Mikroben
zu immunisieren, darin, beständig unsere Arbeit zu überprüfen und dabei den
demokratischen Arbeitsstil zu fördern, keine Angst vor Kritik und Selbstkritik
zu haben, die nützlichen Maximen des chinesischen Volkes zu befolgen: „Weißt du
etwas, sprich, sprichst du, sage alles"; „Dem Sprecher nicht zum Tadel, dem
Zuhörer zur Lehre"; „Hast du Fehler gemacht, korrigiere sie, hast du keine
gemacht, sei noch mehr auf der Hut".
„Über die Koalitionsregierung" (24.April 1945),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. III
Ständig kommt es innerhalb der Partei zur Gegenüberstellung und zum Kampf
verschiedener Ansichten, und das ist die Widerspiegelung der in der Gesellschaft
vorhandenen Widersprüche zwischen den Klassen, zwischen dem Alten und dem Neuen
in der Partei. Gäbe es in der Partei keine Widersprüche und keinen ideologischen
Kampf zur Lösung dieser Widersprüche, dann würde das Leben der Partei aufhören.
„Über den Widerspruch" (August 1937),
Ausgewählte Werke Mao Tsetungs, Bd. I
Wir sind für einen aktiven ideologischen Kampf, denn er ist die Waffe, mit der
wir die Einheit innerhalb der Partei und innerhalb der revolutionären
Organisationen
im Interesse unseres Kampfes herbeiführen. Jeder Kommunist und jeder
Revolutionär muß zu dieser Waffe greifen.
Der Liberalismus aber hebt den ideologischen Kampf auf und tritt für einen
prinzipienlosen Frieden ein; daraus ergibt sich ein modriges, spießbürgerliches
Verhalten, das zu politischer Entartung gewisser Einheiten und Mitglieder der
Partei und der revolutionären Organisationen führt.
„Gegen den Liberalismus" (7. September 1937),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. II
... Wenn ein Fehler begangen wurde, muß er korrigiert werden, und je schneller und gründlicher das geschieht, um so besser.
„Über die demokratische Diktatur des Volkes" (30. Juni 1949),
Ausge-ählte Werke Mao
Tse-tungs, Bd. IV
Beispiel aus:
XXVIII. DIE KOMMUNISTEN
Ein Kommunist soll offenherzig, ehrlich und aktiv sein, das Interesse der Revolution muß ihm teurer sein als sein eigenes Leben, er hat seine persönlichen Interessen den Interessen der Revolution unterzuordnen; er soll immer und überall an den richtigen Grundsätzen festhalten und einen unermüdlichen Kampf gegen alle falschen Ideen und Handlungen führen, um so das kollektive Leben der Partei und die Verbindung zwischen der Partei und den Massen zu festigen; er muß sich mehr um die Partei und um die Massen kümmern als um die eigene Person, mehr um andere Menschen als um sich selbst. Nur dann kann er als Kommunist angesehen werden.
„Gegen den Liberalismus" (7. September 1937),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs,
Bd. 11
Man muß jedem Genossen klarmachen, daß das oberste Kriterium für die Worte und Taten eines Kommunisten darin liegt, ob sie den höchsten Interessen der breitesten Volksmassen entsprechen und deren Zustimmung finden.
„Über die Koalitionsregierung" (24. April 194S),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs,
Bd. III
Niemals und nirgends darf ein Kommunist seine persönlichen Interessen an die erste Stelle setzen; er muß sie den Interessen der Nation und der Volksmassen unterordnen. Deshalb sind Selbstsucht, Passivität und Lässigkeit, Bestechlichkeit, Geltungsdrang usw. höchst verächtlich; dagegen sind Selbstlosigkeit, Aktivität und Eifer, Selbstaufopferung für das Gemeinwohl und zähe, harte Arbeit achtunggebietend.
„Der Platz der Kommunistischen Partei Chinas im nationalen Krieg" (Oktober 1938),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs, Bd. Il
Die Kommunisten müssen jederzeit bereit sein, sich für die Wahrheit einzusetzen, denn die Wahrheit stimmt mit den Volksinteressen überein; die Kommunisten müssen jederzeit bereit sein, ihre Fehler zu berichtigen, denn jeder Fehler läuft den Volksinteressen zuwider.
„Über die Koalitionsregierung" (24. April 1945),
Ausgewählte Werke Mao Tse-tungs,
Bd. III
Worauf auch der Kommunist stößt, er muß stets fragen: „Warum?" Er muß es allseitig und selbständig durchdenken; er muß überlegen, ob es der Realität entspricht und wirklich wohlbegründet ist; man darf in keinem Fall blindlings mitlaufen und sklavischen Gehorsam fördern.
„Den Arbeitsstil der Partei ausrichten!" (1. Februar 1942),
Ausgewählte Werke
Mao Tse-tungs, Bd. III
Wir müssen dafür eintreten, daß die Interessen der Gesamtheit berücksichtigt werden...
Das sollte reichen, um den Charakter dieser
"politischen Religion" zu verdeutlichen. Manchmal denkt man, etwas
zustimmungswürdig gefunden zu haben. Aber im Zusammenhang gesehen: alleinige
Seligmachung, Feindbild, Intoleranz