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Buddhismus

>Hier< das Wichtigste in Kürze;

>hier< zu einigen Bildern.

>Hier< der Buddhismus, eher als Weltanschauung

und

>hier< ein kleines Lexikon von Begriffen zum Buddhismus.


Das Wochenmagazin "stern" brachte im Rahmen seiner 5-teiligen Serie "DIE HEILIGEN SCHRIFTEN" in der Ausgabe 51 von 2010 "Das Triptika" (der "Dreikorb") aus den Reden des Buddha wie folgt:

Als Sri Lanka den Eroberern in die Hände fällt, als 5 Hungerkatastrophen ausbrechen und die Menschen in ihrer Verzweiflung beginnen,
das Fleisch von Toten zu essen, da begreifen die Mönche des Inselreichs, dass es Zeit ist zu handeln. Sie haben ihre Freiheit verloren, Tausende sind gestorben oder geflohen. So berichtet eine spätere Chronik. Die Heiligtümer des Landes liegen verwaist, in den Klosterhöfen wuchert Unkraut. Jetzt gilt es, das Kostbarste zu retten: die heiligen Worte Buddhas.
Jahrhundertelang ist die Lehre des indischen Meisters nur mündlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben worden. Buddhistische Mönche waren wie lebende Bücher, die die Botschaften ihres Glaubens auswendig konnten. Doch nun, im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, droht mit den Menschen auch die Lehre von den
Invasoren aus Südindien ausgelöscht zu werden. Und so versammeln sich die erfahrensten Mönche im Felsentempel von Aluvihara, im Herzen der Insel, um erstmals die gesamten Texte niederzuschreiben - auf Tausenden getrockneter Palmblätter, in der indischen Sprache Pali.
Die Schriftbündel haben die Zeiten nicht überdauert. Palmblätter verrotten im feuchten Tropenklima innerhalb von 200 Jahren. Doch die heiligen Texte wurden immer aufs Neue abgeschrieben, sodass der Pali-Kanon heute die älteste vollständige Sammlung buddhistischer Texte ist. Er ist jedoch keineswegs die einzige heilige Schrift. Das buddhistische Buch nämlich gibt es nicht.
Reisende Mönche trugen vom 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung an die Lehren,Buddhas in den gesamten asiatischen Raum, schrieben sie in verschiedenen Sprachen auf, übersetzten, erweiterten und deuteten die Botschaft neu. So sogen die Schriften je nach Land und Epoche verschiedene kulturelle und philosophische Sichtweisen auf. Es entstand eines der komplexesten Schriftkonvolute aller Zeiten: vielschichtig und vielsprachig, mit praktischen Lebensregeln und philosophischen Höhenflügen, voller Gleichnisse, Mythen und Regeln. Heute füllt allein die gedruckte Fassung der chinesischen Texte knapp 100 Bände mit je 1000 Seiten. Tibetische und japanische Varianten sind ähnlich umfangreich.
In der Grundstruktur jedoch ähneln viele Versionen des buddhistischen Kanons der Pali-Sammlung, die die Mönche auf Sri Lanka vor mehr als 2000 Jahren festhielten. Sie heißt auch Tripitaka, „Dreikorb", weil er drei große Blattsammlungen umfasst, die einst tatsächlich in Körben lagerten. Ein „Korb" beinhaltet die Ordensregeln der Mönche, ein weiterer Erläuterungen der Lehrbegriffe. Der wichtigste der Körbe aber birgt die Lebensgeschichte und die Reden Buddhas, des „Erwachten".
Wer dieser Mann tatsächlich war, haben Wissenschaftler aus Textversionsvergleichen, archäologischen Funden und antiken historischen Quellen rekonstruieren können: Siddhartha Gautama Sakyamuni kommt vermutlich um 450 v.Chr. im heutigen Nepal zur Welt, als Sohn eines Rajas, der eine Republik im Norden Indiens regiert. Siddharthas Familie ist wohlhabend und angesehen. Der Junge wird in den Disziplinen unterrichtet worden sein, die in seiner adligen Kaste üblich waren: Reiten, Bogenschießen, Schwertkampf. Ob er lesen und schreiben konnte, wissen wir nicht. Höchstwahrscheinlich sprach er den nordindischen Dialekt Magadhi. Mit 16 Jahren heiratet Siddhartha eine seiner Cousinen. Siddhartha stirbt mit 80 Jahren in Kusinagar, nicht weit entfernt von seinem Geburtsort zu Füßen des Himalaya. So weit die historisch einigermaßen sicheren Fakten.
Von buddhistischen Gelehrten wird die Lebensgeschichte später zur Legende überhöht. Schon die Episoden der Kindheit sollen auf Siddharthas Bedeutung als übermenschliches, erleuchtetes Wesen hindeuten. Jungfräulich gezeugt und im Mutterleib in einem Edelsteingehäuse herangewachsen, habe er nicht den Geburtsweg normaler Menschen genommen, sondern sei schmerzfrei aus der rechten Seite seiner Mutter Maya „hervorgetreten". Auch sonst berichten die Schriften von einem wahren Wunderkind: Es erlernt spontan das Schreiben, kennt sich in allen Wissenschaften aus, beherrscht die Sprache der Tiere und schleudert mit der Kraft einer einzigen Zehe einen toten Elefanten über die Stadtmauer. Siddhartha wird verwöhnt, gefördert und geliebt. „So lebte der große Weise in den drei Palästen wie ein Gott", heißt es in einem Kommentar zum Pali-Kanon. Was außerhalb der behüteten Welt vor sich geht, bekommt Siddhartha nicht mit.
Doch dann werden ihm jenseits der Palastmauern die Augen für die harte Realität geöffnet. Dieses Schlüsselerlebnis ist eine späte Schöpfung buddhistischer Gelehrter, sie wird erst im 5. Jahrhundert n.Chr. voll ausgeschmückt erzählt: Bei „vier Ausfahrten" im fürstlichen Pferdegespann erblickt Siddhartha zuerst einen Greis, dann einen Kranken, einen Toten und schließlich einen Wandermönch, der ihn mit seiner würdevollen Ruhe tief beeindruckt. Nach diesen Begegnungen grübelt der junge Mann über Vergänglichkeit und Tod, den Sinn des Daseins. Er beschließt, sein Zuhause noch in derselben Nacht zu verlassen, um sich ebenfalls als Mönch auf die Suche zu begeben: „Und ich zog noch in frischer Blüte der Jugend, glänzend dunkelhaarig, im ersten Mannesalter, gegen den Wunsch meiner weinenden und klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Bart, mit fahlem Gewande bekleidet, vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinaus."
Siddhartha, der Aussteiger. Der Weltabgewandte. Er tut, was nicht wenige höhere Söhne seiner Zeit tun.
Indien ist damals politisch und sozial im Umbruch: Aus losen Stammesverbänden bilden sich Königreiche, Städte wachsen, Handwerker und Händler entwickeln sich zu selbstbewussten Ständen. Die Macht der alten Hindu-Priester (Brahmanen) wird brüchig. Sie beherrschen das religiöse Leben und stellen sich als alleinige Mittler zwischen Göttern und Menschen dar: Da ist etwa Indra, Herr des Götterhimmels und der Gott des Sturms, der besänftigt werden will; Agni, der Feuergott, und Ushas, zuständig für die Morgenröte. Die Götter sind für die Menschen nicht ansprechbar, ihre Gunst ist nur mithilfe der Brahmanen und kostspieliger Opferrituale zu erlangen. Wo bleiben da die Mündigkeit und die Spiritualität des Einzelnen?
Junge Männer und vielleicht auch Frauen machen sich auf die Suche danach. Als wandernde Asketen, die über sumpfige Dschungelpfade ziehen, sonnendurchglühte Ebenen durchqueren oder sich einsam im Wald verkriechen. Sie streben nach körperlichen Grenzerfahrungen durch Hunger und selbst zugefügte Verletzungen. Manche ziehen predigend von Dorf zu Dorf. Siddhartha, so berichten es die Schriften, hält in langen Meditationen den Atem an, bis ihm fast der Schädel platzt. Hungert, bis sich Wirbelsäule und Bauchdecke fast berühren und sein Gesäß klein und hart ist „wie ein Kamelhuf ". Doch die Antwort auf seine drängendsten Fragen findet er nicht. Wie kommt das Leiden in die Welt? Kann es Erlösung vom Leiden geben? Und wenn ja, welcher Weg führt dorthin?
Irgendwann, so heißt es, begreift der Ausgezehrte, dass körperliche Quälereien ihn seinem Ziel nicht näher bringen. Siddhartha beginnt wieder zu essen, Reis und Grütze, und setzt sich allein unter einen Pappelfeigenbaum. Dort, im Schatten der herzförmigen Blätter, versinkt er in die Meditation. In einer Vollmondnacht des Monats Visakha, im April oder Mai, soll es dann geschehen sei: Den Schriften zufolge fällt Siddhartha in tiefste geistige Versenkung und erkennt den Kreislauf allen Lebens. Er sieht seine hunderttausend früheren Geburten, seine Existenzen als Mensch, als Tier, als Gott. Immer und immer wieder wechselt alles die Gestalt. Doch das Leid der Kreaturen, es bleibt.
Der Glaube an die Wiedergeburt ist nicht neu, sondern verbreitet sich in Indien vermutlich ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Allmählich entwickeln Zeitgenossen auch die Vorstellung des Karmas, einer Art Lebenskonto. Dieses Konto wird mit guten und schlechten Taten gefüllt - am Ende einer jeden Existenz entscheidet dann der Saldo über eine gute Wiedergeburt, etwa als Mensch, oder eine schlechte - beispielsweise als Wurm.
Um religiöses Verdienst anzuhäufen, das begreift der Siddhartha der heiligen Schriften in jener Nacht unter dem Feigenbaum, bedarf es jedoch keiner Priester und keines komplizierten Opferkults. Jeder ist selbst für sein Heil verantwortlich. Die alten Götter werden so zu Nebendarstellern. Buddha leugnet ihre Existenz zwar nicht ausdrücklich, sie sind ihm einfach ziemlich egal. Und noch eine Erkenntnis soll Siddhartha wie ein helles Licht durchzuckt haben: Wer vom Leid der ewigen Wiedergeburten erlöst werden will, muss seine Begierden und Wünsche loslassen, darf nicht an Gegenständen und Gefühlen festhalten. „Indem ich dies erkannte und einsah, wurde mein Geist von den Einflüssen der sinnlichen Lust, der Daseinsbegierde und der Unwissenheit befreit. Das Wissen ging mir auf: Vernichtet ist für mich die Wiedergeburt", heißt es im Pali-Kanon. Siddhartha wird in dieser Nacht zum Buddha, dem „Erwachten". Er jubelt über seinen Triumph über das Elend und das Unglück, genießt „die Freude der Erlösung". Er
wird, da ist er sicher, nach seinem Tod den Kreislauf der Wiedergeburten durchbrechen und ins Nirvana eingehen. Das Nirvana ist kein paradiesischer Ort, wie ihn die Bibel beschreibt, sondern eher ein Zustand - die Auflösung des Ichs, Einheit und vollkommener Frieden mit dem Kosmos, das Ende allen Leidens, das „Ausblasen der Ich-Verhaftung", wie es im Pali-Kanon heißt. In späteren Texten wird dann allerdings doch eine Art Schlaraffenland daraus. Und auch die Götter kehren quasi durch die Hintertür in den Buddhismus zurück: Die Mahayana-Tradition, die sich ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. verbreitete, kennt acht große Bodhisattvas – Retterwesen, die den Menschen auf ihrem Weg der Erkenntnis behilflich sind.
Nach den Schriften zieht der Erleuchtete 45 Jahre lang durch die Ganges-Ebene und predigt seine Lehre von den „vier edlen Wahrheiten":

1. Alles Leben ist Leiden.

2. Leiden entsteht, weil wir Dinge begehren, die allesamt vergänglich sind.

3. Wir können trainieren loszulassen.

4. Der Weg dorthin führt über den „achtfachen Pfad" des Buddha – ethische Grundhaltungen und moralpraktische Regeln. Sie sind das Urgestein der buddhistischen Überzeugung und bis heute in allen Schulen von Tantra bis Zen lebendig. Charakteristisch klingen die Worte des MettaSutta aus dem Pali-Kanon, die weltweit bei Mönchen, Nonnen und Laien beliebt sind:
„Voll Güte zu der ganzen Welt

Entfalte ohne Schranken man den Geist. Nach oben hin, nach unten, quer inmitten; von Herzens-Enge, Hass und Feindschaft frei."
Der gute Buddhist ist gewaltlos in Worten und Taten, er begegnet allen Lebewesen mit Güte, kontrolliert seinen Geist und seine Emotionen in der Meditation, damit sie nicht, wie Buddha sagte, wie eine wilde Affenhorde herumspringen.
Wer der Lehre folgt, löst sich aus der Ich-Bezogenheit, um nicht falsch zu urteilen oder zu werten. All das führt letztendlich zur Erlösung, die Buddha erlebt hat.
Die Philosophie des Buddha ist die eines intellektuellen Aussteigers. Deshalb sind von ihm selbst auch nur wenige profane Regeln überliefert. Die ursprünglichen Schriften kennen beispielsweise keinen buddhistischen Hochzeitsritus, enthalten keine Anweisungen für den Umgang mit Geld und Zins, keine genauen Speisevorschriften. All das interessierte Buddha offenbar nicht. Erst spätere Kommentatoren schreiben auf, wie die manchmal vagen oder widersprüchlichen Aussprüche ihres großen Lehrers zu deuten seien. Dürfen Mönche Gold und Silber als Geschenke annehmen, obwohl sie doch eigentlich in Armut leben? Ist ein Arhat – ein Mensch, der bereits Erleuchtung erfahren hat – noch erotisch verführbar oder nicht? Sollte sich ein Mönch zuerst um die eigene Erleuchtung kümmern oder selbstlos den geistigen Durchbruch der anderen unterstützen? Schon 100 Jahre nach Buddhas Tod haben sich im Streit um solche Fragen möglicherweise bereits 18 Schulen mit je eigener Tradition abgespalten.
Mehrere Konzile, zu denen die Mönche noch während der Antike zusammenkommen, sollen Klarheit und Verbindlichkeit schaffen. Doch es entstehen nur noch mehr Meinungen, die dank dem universellen buddhistischen Gewalttabu nie kriegerisch ausgefochten wurden. Für den Pali-Kanon aus Sri Lanka war der Prozess des Ausdeutens im 5. Jahrhundert n. Chr. weitgehend abgeschlossen: Die Kommentare des indischen Gelehrten Buddhaghosa gelten bis heute als maßgeblich.
Andere Textsammlungen bleiben für uns lückenhaft. Noch immer stoßen Archäologen entlang der Seidenstraße auf neue Textfragmente, denn auf den alten Handelsrouten transportieren Händler buddhistische Palmblattbücher, Birkenrinden und Papierrollen. Der letzte großen Fund gelang vor 20 Jahren in Afghanistan: In einer Höhle nahe den Buddha-Statuen von Bamiyan, die später von den Taliban gesprengt wurden, entdeckte man einen Tonkrug mit bröseligen Teilen eines buddhistischen Lehrtexts, der um die Zeitenwende geschrieben worden war.
Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der alle Versionen der heiligen Schriften des Buddhismus gelesen hat. Allein das tibetische Tripitaka überliefert über 1000 Texte Buddhas, und ein geübter Mönch braucht mitunter zwei Tage, um einen einzigen davon vorzutragen.
Buddhistische Schriften sind ein vielfältiges, dynamisches, aufnahmefähiges Gebilde – vielleicht ist dies auch das Erfolgsgeheimnis des Buddhismus beim Export in den fernen Westen und in die Moderne. Schon seit Marco Polo, der im 13. Jahrhundert über den Buddhismus berichtet, vernahmen die Europäer ein Rauschen aus Asien, das religiöse Toleranz und Kultiviertheit verhieß. Doch die Originaltexte gelangten erst im 19. Jahrhundert nach Europa und wurden schnell als Goldmine für Ideen und Hoffnungen genutzt, aus der sich jeder frei bedienen konnte. Friedrich Nietzsche sah in der Religion ohne Gott einen kulturellen Fortschritt: „Das müsste Europa auch einmal tun", schrieb er 1880. Richard Wagner plante begeistert eine Buddha-Oper, und Hermann Hesse landete mit seinem 1922 erschienenen Roman „Siddhartha" einen Bestseller. Im Buddhismus, so schien es vielen Intellektuellen, triumphierte die Vernunft über den Aberglauben, die geistige Unabhängigkeit über den Dogmatismus. In einem Jahrhundert furchtbarer Kriege schätzte Europa dann vor allem den Respekt gegenüber allen Lebewesen und die Kultur der Stille, die Buddhisten in der Meditation praktizierten. Man bewunderte die schlichte Ästhetik des japanischen Zen: die sauber geharkten Steingärten, schlichten Holzpavillons und grau-schwarzen Roben der Bogenschützen passten wunderbar zum kitschfreien Stil des Bauhauses.
Heute zieht der Buddhismus noch immer Sinnsucher aller Art an. Vegetarier berufen sich auf Buddha, auch wenn dieser niemals ein Fleischverbot erlassen hat. Tierschützer betonen den buddhistischen Respekt gegenüber allem, was kreucht und fleucht. Nicht zuletzt trägt die Religion das sympathisch-verknitterte Gesicht des Dalai Lama, der in Tibet zwar nur die oberste Autorität einer von mehreren Schulen ist, aber international als Botschafter der Menschlichkeit und des gewaltfreien Dialogs verehrt wird. Und während der Buddhismus in seinen asiatischen Stammländern an Bedeutung verliert, ist er in Europa und Amerika auf dem Vormarsch. So könnte die westliche Kultur eine weitere Wiedergeburt der fast 2500 Jahre alten Lehre einleiten. Neue Ideen werden hervorgebracht, alte verworfen. Was würde der große Buddha selbst dazu sagen? Vielleicht die letzten Worte, die die Überlieferung bezeugt. Er sprach sie auf dem Sterbelager, den Blick zur Sonne gerichtet: „Alles ist vergänglich."

Mitarbeit. Mechthild Klein,

wissenschaftliche Beratung: Prof. Michael Zimmermann


Das Wichtigste in Kürze:

 


Es gibt kein „Buch der Bücher" im Buddhismus.

So wie die Bibel, die Thora. der Koran nach Hören-Sagen aufgeschrieben worden sind, hat Buddha selbst nichts schriftlich verfasst und auch keinen Nachfolger ernannt. Ein Jahrhundert nach seinem Tod gab es möglicherweise bereits 18 verschiedene Schulen mit je eigener mündlicher Überlieferung, die in späteren Jahrhunderten teilweise schriftlich niedergelegt wurde.


In welchen Sprachen sind die Versionen des Tripitaka verfasst?
Auf Pali (alte indische Sprache), Sanskrit (das „Latein Südasiens"), Tibetisch, Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Kambodschanisch, Burmesisch, Mongolisch.


Enthalten buddhistische Texte eine Schöpfungstheorie?
Es gibt für Buddhisten keinen Schöpfer, die Welt war immer schon da und ist in ständigem Wandel begriffen.


Was sagen die Schriften über das Verhältnis von Mann und Frau?
Von Buddha selbst ist überliefert, dass er Männer und Frauen für erleuchtungsfähig hielt. Doch seien Frauen anfälliger für Versuchungen und müssten daher mehr Regeln befolgen. Buddha soll dem ersten Nonnenorden nur widerwillig zugestimmt haben. Heute ist die Situation der Frauen unterschiedlich: In Thailand haben buddhistische Nonnen wenige Rechte, sie sind eher Dienerinnen der Mönche. In China können sie in hohe Positionen aufsteigen. Der 14. Dalai Lama hat die Entscheidung darüber, tibetischen Nonnen die vollen Rechte zu gewähren, vorerst vertagt. Seit 1987 treffen sich buddhistische Frauen (Laien und Nonnen) aller Traditionen alle zwei Jahre zum Austausch in Ostasien.

 

Wie ist die Haltung zu anderen Religionen? Tolerant. Aus buddhistischer Sicht sollte sich jede Religion hinterfragen und an ihrer Erkenntnisfähigkeit messen lassen. Seit einigen Jahren wird der Dialog zwischen Christen und Buddhisten intensiver.


Was steht über das Jenseits geschrieben?
Das Nirvana ist ursprünglich als Zustand, nicht als Ort verstanden worden. Buddha selbst hat sich geweigert, über Metaphysik zu sprechen. Das seien Spekulationen, die auf dem Weg zum Erwachen nicht weiterhelfen.

Wie alt sind die Texte?
Man unterscheidet zwischen dem Alter des Inhalts und dem Alter der Manuskripte: Die frühesten vollständigen Texte sind der PaliKanon aus Sri Lanka (erstmals aufgeschrieben im 1. Jh. v. Chr.), das chinesische Tripitaka (ab dem 2. Jh.) und die tibetischen Bücher Kanjur und Tanjur (ab dem 7 Jh.). Die ältesten Dokumente sind Fragmente aus Städten an der Seidenstraße, die wahrscheinlich um die Zeitenwende verfasst wurden. Sehr alte Manuskripte stammen auch aus dem 8. Jahrhundert aus Neoal.


Wie sieht ein buddhistisches Buch aus?
So wie es im jeweiligen Land üblich ist: In Indien, Nepal, Sri Lanka und Tibet sind es meist längliche, querformatige Pothis (früher Palmblätter, heute Papier). Sie werden oft mit einem Faden geheftet und durch einen Holzdeckel geschützt. In China und Japan wurde früh Papier und Tinte benutzt.


Gläubige Tibeter drehen solche Gebetsmühlen im Uhrzeigersinn. Dann gilt ihr Gebet als gesprochen.

 

Inhalt: Was steht drin?
In vielen Versionen des Kanons findet sich die Struktur des „Dreikorbs" (Tripitaka):

1. Reden und Leben des Buddha,

2. Ordensregeln

3. Erläuterung.

Die Kernbotschaft: Leben ist Leiden, weil gute Gefühle und Dinge vergänglich sind.


Die wichtigsten Gebote sind:
Für Laien: - nicht töten,

                - nicht lügen,

                - nicht stehlen,

                - keine ausschweifende Sexualität,

                - keine Rauschmittel.

Mönche und Nonnen befolgen Hunderte weitere Gebote,

                etwa Besitzlosigkeit und

                Essensverbot nach 12 Uhr mittags.


Das Studium der Schriften gehört zur Ausbildung
der Mönche. Sie können viele Texte auch auswendig rezitieren

Sonstiges:

Schon wenige Jahrhunderte nach Buddhas Tod spaltete sich der Buddhismus in drei große Richtungen: Theravada (Urtext des Buddhismus: Schule der Ältesten) oder Hinayana („Kleines Fahrzeug"), Mahayana („Großes Fahrzeug") und Vajrayana („Diamantfahrzeug"). Im Theravada strebt der einzelne Mönch die Erleuchtung für sich selbst an, im Mahayana für alle lebenden Wesen. Der Mitleidsgedanke spielt hier eine zentrale Rolle. Das Vajrayana aus Tibet kennt viele magische und höchst komplexe Meditationsformen, durch die der Weg zur Erleuchtung abgekürzt werden kann.


Im Theravada gelten die Schriften des Tripitaka ("Dreikorb") im Alltag nur als Überlieferung. In einigen Mahayana-Schulen werden die Dokumente selbst als heilig angesehen. In Tibet liegt auf jedem Altar ein Schriftbündel. Davor verneigt sich der Gläubige - ist im "stern" zu lesen.



Bilder

 

Tibetanische Buddhafiguren aus Bronze und Silber (bei www.buddhafiguren.de als Nachbildungen zu kaufen bzw. bei www.tibet-galerie.de mehr Informationen zu bekommen)

 

 

Der derzeitige 14. Dalai Lama spricht vor tausenden Menschen (Foto: www.blog-fashionfreax.net/de )

 

Ein querformatiges Schriftenbündel (Pothis) und eine Gebetsmühle (mehr bei www.tao-chi.info )

 
 

Jetzt folgen 3 Bilder - wahrscheinlich alle vom bekannten Fotojournalisten Dozier, dessen Lichtbilder insbesondere bei

"Lightmediation" zu finden sind. (Das Internet zeigt Bilder, von denen man nicht immer die Herkunft und die Copyright-

situation erfahren kann. Daher die Bilder nicht kommerziell verwenden!)

 

 

 

Meditationstempel des Ordens der buddhistischen Theravada-Mönche im Norden von Bangkok (Haupstadt von Thailand)

 

Jetzt der Tempel aus der obigen Richtung von rechts gesehen

 

3 Bilder vom Tempel aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Kuala Lumpur der Hauptstadt von Malaysia

 

 

 

So etwas statt katholischer Heiligen-Bilder:

>Hier< 2 weitere Bilder (Dalai Lama und am Seitenende: Stupas)