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Buddhismus
>Hier< das Wichtigste in Kürze;
>hier< zu einigen Bildern.
>Hier< der Buddhismus, eher als Weltanschauung
und
>hier< ein kleines Lexikon von Begriffen zum Buddhismus.
Das Wochenmagazin "stern" brachte im Rahmen seiner 5-teiligen Serie "DIE HEILIGEN SCHRIFTEN" in der Ausgabe 51 von 2010 "Das Triptika" (der "Dreikorb") aus den Reden des Buddha wie folgt:
Als Sri Lanka den Eroberern in die Hände fällt, als 5 Hungerkatastrophen
ausbrechen und die Menschen in ihrer Verzweiflung beginnen,
das Fleisch von Toten zu essen, da begreifen die Mönche des Inselreichs, dass es
Zeit ist zu handeln. Sie haben ihre Freiheit verloren, Tausende sind gestorben
oder geflohen. So berichtet eine spätere Chronik. Die Heiligtümer des Landes
liegen verwaist, in den Klosterhöfen wuchert Unkraut. Jetzt gilt es, das
Kostbarste zu retten: die heiligen Worte Buddhas.
Jahrhundertelang ist die Lehre des indischen Meisters nur mündlich von Lehrer zu
Schüler weitergegeben worden. Buddhistische Mönche waren wie lebende Bücher, die
die Botschaften ihres Glaubens auswendig konnten. Doch nun, im 1. Jahrhundert
vor unserer Zeitrechnung, droht mit den Menschen auch die Lehre von den
Invasoren aus Südindien ausgelöscht zu werden. Und so versammeln sich die
erfahrensten Mönche im Felsentempel von Aluvihara, im Herzen der Insel, um
erstmals die gesamten Texte niederzuschreiben - auf Tausenden getrockneter
Palmblätter, in der indischen Sprache Pali.
Die Schriftbündel haben die Zeiten nicht überdauert. Palmblätter verrotten im
feuchten Tropenklima innerhalb von 200 Jahren. Doch die heiligen Texte wurden
immer aufs Neue abgeschrieben, sodass der Pali-Kanon heute die älteste
vollständige Sammlung buddhistischer Texte ist. Er ist jedoch keineswegs die
einzige heilige Schrift. Das buddhistische Buch nämlich gibt es nicht.
Reisende Mönche trugen vom 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung an die
Lehren,Buddhas in den gesamten asiatischen Raum, schrieben sie in verschiedenen
Sprachen auf, übersetzten, erweiterten und deuteten die Botschaft neu. So sogen
die Schriften je nach Land und Epoche verschiedene kulturelle und philosophische
Sichtweisen auf. Es entstand eines der komplexesten Schriftkonvolute aller
Zeiten: vielschichtig und vielsprachig, mit praktischen Lebensregeln und
philosophischen Höhenflügen, voller Gleichnisse, Mythen und Regeln. Heute füllt
allein die gedruckte Fassung der chinesischen Texte knapp 100 Bände mit je 1000
Seiten. Tibetische und japanische Varianten sind ähnlich umfangreich.
In der Grundstruktur jedoch ähneln viele Versionen des buddhistischen Kanons der
Pali-Sammlung, die die Mönche auf Sri Lanka vor mehr als 2000 Jahren
festhielten. Sie heißt auch Tripitaka, „Dreikorb", weil er drei große
Blattsammlungen umfasst, die einst tatsächlich in Körben lagerten. Ein „Korb"
beinhaltet die Ordensregeln der Mönche, ein weiterer Erläuterungen der
Lehrbegriffe. Der wichtigste der Körbe aber birgt die Lebensgeschichte und die
Reden Buddhas, des „Erwachten".
Wer dieser Mann tatsächlich war, haben Wissenschaftler aus
Textversionsvergleichen, archäologischen Funden und antiken historischen Quellen
rekonstruieren können: Siddhartha Gautama Sakyamuni kommt vermutlich um 450
v.Chr. im heutigen Nepal zur Welt, als Sohn eines Rajas, der eine Republik im
Norden Indiens regiert. Siddharthas Familie ist wohlhabend und angesehen. Der
Junge wird in den Disziplinen unterrichtet worden sein, die in seiner adligen
Kaste üblich waren: Reiten, Bogenschießen, Schwertkampf. Ob er lesen und
schreiben konnte, wissen wir nicht. Höchstwahrscheinlich sprach er den
nordindischen Dialekt Magadhi. Mit 16 Jahren heiratet Siddhartha eine seiner
Cousinen. Siddhartha stirbt mit 80 Jahren in Kusinagar, nicht weit entfernt von
seinem Geburtsort zu Füßen des Himalaya. So weit die historisch einigermaßen
sicheren Fakten.
Von buddhistischen Gelehrten wird die Lebensgeschichte später zur Legende
überhöht. Schon die Episoden der Kindheit sollen auf Siddharthas Bedeutung als
übermenschliches, erleuchtetes Wesen hindeuten. Jungfräulich gezeugt und im
Mutterleib in einem Edelsteingehäuse herangewachsen, habe er nicht den
Geburtsweg normaler Menschen genommen, sondern sei schmerzfrei aus der rechten
Seite seiner Mutter Maya „hervorgetreten". Auch sonst berichten die Schriften
von einem wahren Wunderkind: Es erlernt spontan das Schreiben, kennt sich in
allen Wissenschaften aus, beherrscht die Sprache der Tiere und schleudert mit
der Kraft einer einzigen Zehe einen toten Elefanten über die Stadtmauer.
Siddhartha wird verwöhnt, gefördert und geliebt. „So lebte der große Weise in
den drei Palästen wie ein Gott", heißt es in einem Kommentar zum Pali-Kanon. Was
außerhalb der behüteten Welt vor sich geht, bekommt Siddhartha nicht mit.
Doch dann werden ihm jenseits der Palastmauern die Augen für die harte Realität
geöffnet. Dieses Schlüsselerlebnis ist eine späte Schöpfung buddhistischer
Gelehrter, sie wird erst im 5. Jahrhundert n.Chr. voll ausgeschmückt erzählt:
Bei „vier Ausfahrten" im fürstlichen Pferdegespann erblickt Siddhartha zuerst
einen Greis, dann einen Kranken, einen Toten und schließlich einen Wandermönch,
der ihn mit seiner würdevollen Ruhe tief beeindruckt. Nach diesen Begegnungen
grübelt der junge Mann über Vergänglichkeit und Tod, den Sinn des Daseins. Er
beschließt, sein Zuhause noch in derselben Nacht zu verlassen, um sich ebenfalls
als Mönch auf die Suche zu begeben: „Und ich zog noch in frischer Blüte der
Jugend, glänzend dunkelhaarig, im ersten Mannesalter, gegen den Wunsch meiner
weinenden und klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Bart, mit fahlem
Gewande bekleidet, vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinaus."
Siddhartha, der Aussteiger. Der Weltabgewandte. Er tut, was nicht wenige höhere
Söhne seiner Zeit tun.
Indien ist damals politisch und sozial im Umbruch: Aus losen Stammesverbänden
bilden sich Königreiche, Städte wachsen, Handwerker und Händler entwickeln sich
zu selbstbewussten Ständen. Die Macht der alten Hindu-Priester (Brahmanen) wird
brüchig. Sie beherrschen das religiöse Leben und stellen sich als alleinige
Mittler zwischen Göttern und Menschen dar: Da ist etwa Indra, Herr des
Götterhimmels und der Gott des Sturms, der besänftigt werden will; Agni, der
Feuergott, und Ushas, zuständig für die Morgenröte. Die Götter sind für die
Menschen nicht ansprechbar, ihre Gunst ist nur mithilfe der Brahmanen und
kostspieliger Opferrituale zu erlangen. Wo bleiben da die Mündigkeit und die
Spiritualität des Einzelnen?
Junge Männer und vielleicht auch Frauen machen sich auf die Suche danach. Als
wandernde Asketen, die über sumpfige Dschungelpfade ziehen, sonnendurchglühte
Ebenen durchqueren oder sich einsam im Wald verkriechen. Sie streben nach
körperlichen Grenzerfahrungen durch Hunger und selbst zugefügte Verletzungen.
Manche ziehen predigend von Dorf zu Dorf. Siddhartha, so berichten es die
Schriften, hält in langen Meditationen den Atem an, bis ihm fast der Schädel
platzt. Hungert, bis sich Wirbelsäule und Bauchdecke fast berühren und sein
Gesäß klein und hart ist „wie ein Kamelhuf ". Doch die Antwort auf seine
drängendsten Fragen findet er nicht. Wie kommt das Leiden in die Welt? Kann es
Erlösung vom Leiden geben? Und wenn ja, welcher Weg führt dorthin?
Irgendwann, so heißt es, begreift der Ausgezehrte, dass körperliche Quälereien
ihn seinem Ziel nicht näher bringen. Siddhartha beginnt wieder zu essen, Reis
und Grütze, und setzt sich allein unter einen Pappelfeigenbaum. Dort, im
Schatten der herzförmigen Blätter, versinkt er in die Meditation. In einer
Vollmondnacht des Monats Visakha, im April oder Mai, soll es dann geschehen sei:
Den Schriften zufolge fällt Siddhartha in tiefste geistige Versenkung und
erkennt den Kreislauf allen Lebens. Er sieht seine hunderttausend früheren
Geburten, seine Existenzen als Mensch, als Tier, als Gott. Immer und immer
wieder wechselt alles die Gestalt. Doch das Leid der Kreaturen, es bleibt.
Der Glaube an die Wiedergeburt ist nicht neu, sondern verbreitet sich in Indien
vermutlich ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. Allmählich entwickeln Zeitgenossen auch
die Vorstellung des Karmas, einer Art Lebenskonto. Dieses Konto wird mit guten
und schlechten Taten gefüllt - am Ende einer jeden Existenz entscheidet dann der
Saldo über eine gute Wiedergeburt, etwa als Mensch, oder eine schlechte -
beispielsweise als Wurm.
Um religiöses Verdienst anzuhäufen, das begreift der Siddhartha der heiligen
Schriften in jener Nacht unter dem Feigenbaum, bedarf es jedoch keiner Priester
und keines komplizierten Opferkults. Jeder ist selbst für sein Heil
verantwortlich. Die alten Götter werden so zu Nebendarstellern. Buddha leugnet
ihre Existenz zwar nicht ausdrücklich, sie sind ihm einfach ziemlich egal. Und
noch eine Erkenntnis soll Siddhartha wie ein helles Licht durchzuckt haben: Wer
vom Leid der ewigen Wiedergeburten erlöst werden will, muss seine Begierden und
Wünsche loslassen, darf nicht an Gegenständen und Gefühlen festhalten. „Indem
ich dies erkannte und einsah, wurde mein Geist von den Einflüssen der sinnlichen
Lust, der Daseinsbegierde und der Unwissenheit befreit. Das Wissen ging mir auf:
Vernichtet ist für mich die Wiedergeburt", heißt es im Pali-Kanon. Siddhartha
wird in dieser Nacht zum Buddha, dem „Erwachten". Er jubelt über seinen Triumph
über das Elend und das Unglück, genießt „die Freude der Erlösung". Er
wird, da ist er sicher, nach seinem Tod den Kreislauf der Wiedergeburten
durchbrechen und ins Nirvana eingehen. Das Nirvana ist kein paradiesischer Ort,
wie ihn die Bibel beschreibt, sondern eher ein Zustand - die Auflösung des Ichs,
Einheit und vollkommener Frieden mit dem Kosmos, das Ende allen Leidens, das
„Ausblasen der Ich-Verhaftung", wie es im Pali-Kanon heißt. In späteren Texten
wird dann allerdings doch eine Art Schlaraffenland daraus. Und auch die Götter
kehren quasi durch die Hintertür in den Buddhismus zurück: Die
Mahayana-Tradition, die sich ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. verbreitete, kennt
acht große Bodhisattvas – Retterwesen, die den Menschen auf ihrem Weg der
Erkenntnis behilflich sind.
Nach den Schriften zieht der Erleuchtete 45 Jahre lang durch die Ganges-Ebene
und predigt seine Lehre von den „vier edlen Wahrheiten":
1. Alles Leben ist Leiden.
2. Leiden entsteht, weil wir Dinge begehren, die allesamt vergänglich sind.
3. Wir können trainieren loszulassen.
4. Der Weg dorthin führt über den „achtfachen Pfad" des Buddha – ethische
Grundhaltungen und moralpraktische Regeln. Sie sind das Urgestein der
buddhistischen Überzeugung und bis heute in allen Schulen von Tantra bis Zen
lebendig. Charakteristisch klingen die Worte des MettaSutta aus dem Pali-Kanon,
die weltweit bei Mönchen, Nonnen und Laien beliebt sind:
„Voll Güte zu der ganzen Welt
Entfalte ohne Schranken man den Geist. Nach oben hin, nach unten, quer
inmitten; von Herzens-Enge, Hass und Feindschaft frei."
Der gute Buddhist ist gewaltlos in Worten und Taten, er begegnet allen Lebewesen
mit Güte, kontrolliert seinen Geist und seine Emotionen in der Meditation, damit
sie nicht, wie Buddha sagte, wie eine wilde Affenhorde herumspringen.
Wer der Lehre folgt, löst sich aus der Ich-Bezogenheit, um nicht falsch zu
urteilen oder zu werten. All das führt letztendlich zur Erlösung, die Buddha
erlebt hat.
Die Philosophie des Buddha ist die eines intellektuellen Aussteigers. Deshalb
sind von ihm selbst auch nur wenige profane Regeln überliefert. Die
ursprünglichen Schriften kennen beispielsweise keinen buddhistischen
Hochzeitsritus, enthalten keine Anweisungen für den Umgang mit Geld und Zins,
keine genauen Speisevorschriften. All das interessierte Buddha offenbar nicht.
Erst spätere Kommentatoren schreiben auf, wie die manchmal vagen oder
widersprüchlichen Aussprüche ihres großen Lehrers zu deuten seien. Dürfen Mönche
Gold und Silber als Geschenke annehmen, obwohl sie doch eigentlich in Armut
leben? Ist ein Arhat – ein Mensch, der bereits Erleuchtung erfahren hat – noch
erotisch verführbar oder nicht? Sollte sich ein Mönch zuerst um die eigene
Erleuchtung kümmern oder selbstlos den geistigen Durchbruch der anderen
unterstützen? Schon 100 Jahre nach Buddhas Tod haben sich im Streit um solche
Fragen möglicherweise bereits 18 Schulen mit je eigener Tradition abgespalten.
Mehrere Konzile, zu denen die Mönche noch während der Antike zusammenkommen,
sollen Klarheit und Verbindlichkeit schaffen. Doch es entstehen nur noch mehr
Meinungen, die dank dem universellen buddhistischen Gewalttabu nie kriegerisch
ausgefochten wurden. Für den Pali-Kanon aus Sri Lanka war der Prozess des
Ausdeutens im 5. Jahrhundert n. Chr. weitgehend abgeschlossen: Die Kommentare
des indischen Gelehrten Buddhaghosa gelten bis heute als maßgeblich.
Andere Textsammlungen bleiben für uns lückenhaft. Noch immer stoßen Archäologen
entlang der Seidenstraße auf neue Textfragmente, denn auf den alten
Handelsrouten transportieren Händler buddhistische Palmblattbücher, Birkenrinden
und Papierrollen. Der letzte großen Fund gelang vor 20 Jahren in Afghanistan: In
einer Höhle nahe den Buddha-Statuen von Bamiyan, die später von den Taliban
gesprengt wurden, entdeckte man einen Tonkrug mit bröseligen Teilen eines
buddhistischen Lehrtexts, der um die Zeitenwende geschrieben worden war.
Es gibt wohl niemanden auf der Welt, der alle Versionen der heiligen Schriften
des Buddhismus gelesen hat. Allein das tibetische Tripitaka überliefert über
1000 Texte Buddhas, und ein geübter Mönch braucht mitunter zwei Tage, um einen
einzigen davon vorzutragen.
Buddhistische Schriften sind ein vielfältiges, dynamisches, aufnahmefähiges
Gebilde – vielleicht ist dies auch das Erfolgsgeheimnis des Buddhismus beim
Export in den fernen Westen und in die Moderne. Schon seit Marco Polo, der im
13. Jahrhundert über den Buddhismus berichtet, vernahmen die Europäer ein
Rauschen aus Asien, das religiöse Toleranz und Kultiviertheit verhieß. Doch die
Originaltexte gelangten erst im 19. Jahrhundert nach Europa und wurden schnell
als Goldmine für Ideen und Hoffnungen genutzt, aus der sich jeder frei bedienen
konnte. Friedrich Nietzsche sah in der Religion ohne Gott einen kulturellen
Fortschritt: „Das müsste Europa auch einmal tun", schrieb er 1880. Richard
Wagner plante begeistert eine Buddha-Oper, und Hermann Hesse landete mit seinem
1922 erschienenen Roman „Siddhartha" einen Bestseller. Im Buddhismus, so schien
es vielen Intellektuellen, triumphierte die Vernunft über den Aberglauben, die
geistige Unabhängigkeit über den Dogmatismus. In einem Jahrhundert furchtbarer
Kriege schätzte Europa dann vor allem den Respekt gegenüber allen Lebewesen und
die Kultur der Stille, die Buddhisten in der Meditation praktizierten. Man
bewunderte die schlichte Ästhetik des japanischen Zen: die sauber geharkten
Steingärten, schlichten Holzpavillons und grau-schwarzen Roben der Bogenschützen
passten wunderbar zum kitschfreien Stil des Bauhauses.
Heute zieht der Buddhismus noch immer Sinnsucher aller Art an. Vegetarier
berufen sich auf Buddha, auch wenn dieser niemals ein Fleischverbot erlassen
hat. Tierschützer betonen den buddhistischen Respekt gegenüber allem, was
kreucht und fleucht. Nicht zuletzt trägt die Religion das
sympathisch-verknitterte Gesicht des Dalai Lama, der in Tibet zwar nur die
oberste Autorität einer von mehreren Schulen ist, aber international als
Botschafter der Menschlichkeit und des gewaltfreien Dialogs verehrt wird. Und
während der Buddhismus in seinen asiatischen Stammländern an Bedeutung verliert,
ist er in Europa und Amerika auf dem Vormarsch. So könnte die westliche Kultur
eine weitere Wiedergeburt der fast 2500 Jahre alten Lehre einleiten. Neue Ideen
werden hervorgebracht, alte verworfen. Was würde der große Buddha selbst dazu
sagen? Vielleicht die letzten Worte, die die Überlieferung bezeugt. Er sprach
sie auf dem Sterbelager, den Blick zur Sonne gerichtet: „Alles ist vergänglich."
Mitarbeit. Mechthild Klein,
wissenschaftliche Beratung: Prof. Michael Zimmermann
Es gibt kein „Buch der Bücher" im Buddhismus.
So wie die Bibel, die Thora. der Koran nach Hören-Sagen aufgeschrieben worden sind, hat Buddha selbst nichts schriftlich verfasst und auch keinen Nachfolger ernannt. Ein Jahrhundert nach seinem Tod gab es möglicherweise bereits 18 verschiedene Schulen mit je eigener mündlicher Überlieferung, die in späteren Jahrhunderten teilweise schriftlich niedergelegt wurde.
In welchen Sprachen sind die Versionen des Tripitaka verfasst?
Auf Pali (alte indische Sprache), Sanskrit (das „Latein Südasiens"), Tibetisch,
Chinesisch, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch, Kambodschanisch, Burmesisch,
Mongolisch.
Enthalten buddhistische Texte eine Schöpfungstheorie?
Es gibt für Buddhisten keinen Schöpfer, die Welt war immer schon da und ist in
ständigem Wandel begriffen.
Was sagen die Schriften über das Verhältnis von Mann und Frau?
Von Buddha selbst ist überliefert, dass er Männer und Frauen für
erleuchtungsfähig hielt. Doch seien Frauen anfälliger für Versuchungen und
müssten daher mehr Regeln befolgen. Buddha soll dem ersten Nonnenorden nur
widerwillig zugestimmt haben. Heute ist die Situation der Frauen
unterschiedlich: In Thailand haben buddhistische Nonnen wenige Rechte, sie sind
eher Dienerinnen der Mönche. In China können sie in hohe Positionen aufsteigen.
Der 14. Dalai Lama hat die Entscheidung darüber, tibetischen Nonnen die vollen
Rechte zu gewähren, vorerst vertagt. Seit 1987 treffen sich buddhistische Frauen
(Laien und Nonnen) aller Traditionen alle zwei Jahre zum Austausch in Ostasien.
Wie ist die Haltung zu anderen Religionen? Tolerant. Aus buddhistischer Sicht sollte sich jede Religion hinterfragen und an ihrer Erkenntnisfähigkeit messen lassen. Seit einigen Jahren wird der Dialog zwischen Christen und Buddhisten intensiver.
Was steht über das Jenseits geschrieben?
Das Nirvana ist ursprünglich als Zustand, nicht als Ort verstanden worden.
Buddha selbst hat sich geweigert, über Metaphysik zu sprechen. Das seien
Spekulationen, die auf dem Weg zum Erwachen nicht weiterhelfen.
Wie alt sind die Texte?
Man unterscheidet zwischen dem Alter des Inhalts und dem Alter der Manuskripte:
Die frühesten vollständigen Texte sind der PaliKanon aus Sri Lanka (erstmals
aufgeschrieben im 1. Jh. v. Chr.), das chinesische Tripitaka (ab dem 2. Jh.) und
die tibetischen Bücher Kanjur und Tanjur (ab dem 7 Jh.). Die ältesten Dokumente
sind Fragmente aus Städten an der Seidenstraße, die wahrscheinlich um die
Zeitenwende verfasst wurden. Sehr alte Manuskripte stammen auch aus dem 8.
Jahrhundert aus Neoal.
Wie sieht ein buddhistisches Buch aus?
So wie es im jeweiligen Land üblich ist: In Indien, Nepal, Sri Lanka und Tibet
sind es meist längliche, querformatige Pothis (früher Palmblätter, heute
Papier). Sie werden oft mit einem Faden geheftet und durch einen Holzdeckel
geschützt. In China und Japan wurde früh Papier und Tinte benutzt.
Gläubige Tibeter drehen solche Gebetsmühlen im Uhrzeigersinn. Dann gilt ihr
Gebet als gesprochen.
Inhalt: Was steht drin?
In vielen Versionen des Kanons findet sich die Struktur des „Dreikorbs" (Tripitaka):
1. Reden und Leben des Buddha,
2. Ordensregeln
3. Erläuterung.
Die Kernbotschaft: Leben ist Leiden, weil gute Gefühle und Dinge vergänglich sind.
Die wichtigsten Gebote sind:
Für Laien: - nicht töten,
- nicht lügen,
- nicht stehlen,
- keine ausschweifende Sexualität,
- keine Rauschmittel.
Mönche und Nonnen befolgen Hunderte weitere Gebote,
etwa Besitzlosigkeit und
Essensverbot nach 12 Uhr mittags.
Das Studium der Schriften gehört zur Ausbildung
der Mönche. Sie können viele Texte auch auswendig rezitieren
Sonstiges:
Schon wenige Jahrhunderte nach Buddhas Tod spaltete sich der Buddhismus in drei große Richtungen: Theravada (Urtext des Buddhismus: Schule der Ältesten) oder Hinayana („Kleines Fahrzeug"), Mahayana („Großes Fahrzeug") und Vajrayana („Diamantfahrzeug"). Im Theravada strebt der einzelne Mönch die Erleuchtung für sich selbst an, im Mahayana für alle lebenden Wesen. Der Mitleidsgedanke spielt hier eine zentrale Rolle. Das Vajrayana aus Tibet kennt viele magische und höchst komplexe Meditationsformen, durch die der Weg zur Erleuchtung abgekürzt werden kann.
Im Theravada gelten die Schriften des Tripitaka ("Dreikorb") im Alltag nur als Überlieferung. In einigen Mahayana-Schulen werden die Dokumente selbst als heilig angesehen. In Tibet
liegt auf jedem Altar ein Schriftbündel. Davor verneigt sich der Gläubige - ist
im "stern" zu lesen.
Tibetanische Buddhafiguren aus Bronze und Silber (bei www.buddhafiguren.de als Nachbildungen zu kaufen bzw. bei www.tibet-galerie.de mehr Informationen zu bekommen)



Der derzeitige 14. Dalai Lama spricht vor tausenden Menschen (Foto: www.blog-fashionfreax.net/de )

Ein querformatiges Schriftenbündel (Pothis) und eine Gebetsmühle (mehr bei www.tao-chi.info )

Jetzt folgen 3 Bilder - wahrscheinlich alle vom bekannten Fotojournalisten Dozier, dessen Lichtbilder insbesondere bei
"Lightmediation" zu finden sind. (Das Internet zeigt Bilder, von denen man nicht immer die Herkunft und die Copyright-
situation erfahren kann. Daher die Bilder nicht kommerziell verwenden!)



Meditationstempel des Ordens der buddhistischen Theravada-Mönche im Norden von Bangkok (Haupstadt von Thailand)

Jetzt der Tempel aus der obigen Richtung von rechts gesehen

3 Bilder vom Tempel aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Kuala Lumpur der Hauptstadt von Malaysia


So etwas statt katholischer Heiligen-Bilder:

>Hier< 2 weitere Bilder (Dalai Lama und am Seitenende: Stupas)