Paul Watzlawick

 

Paul Watzlawick kam am  25. Juli 1921 in Villach, einem Ort im österreichischen Kärnten, zur Welt. Er starb am 31. März 2007 im kalifornischen Palo Alto. Mit seinen Arbeiten auf den Gebieten:

- Psychologie, insbesondere Kommunikationswissenschaft, Psychoanalyse und -therapie (Familientherapie),

- Philosophie,

leistete er wichtige Beiträge.

 

Er entwickelte gemeinsam mit Gregory Bateson eine Kommunikationstheorie, die auf fünf pragmatischen Axiomen aufbaut.

 

Das erste, wichtigste Axiom: Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander, da jedes Verhalten kommunikativen Charakter hat. Watzlawick sieht in jeder Art von Verhalten die Kommunikation. Für Verhalten gibt es kein Gegenteil. Man kann sich also nicht nicht verhalten.  Daher ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren. Dieses Axiom ist auch bekannt als Metakommunikatives Axiom (das ist die über verbale Verständigung hinausgehende Kommunikation, wie Gestik, Mimik usw.)

 

Die Axiome bedingen Regeln für eine funktionierende Kommunikation: Jede Störung von Kommunikation kann auf ein Handeln gegen diese Axiome zurückgeführt werden.

 

Jede Kommunikation enthält über die reine Sachinformation – Inhaltsaspekt genannt – hinaus einen Hinweis, wie der Sender seine Botschaft verstanden haben will und wie er seine Beziehung zum Empfänger sieht – Beziehungsaspekt genannt. Der Inhaltsaspekt stellt das Was einer Mitteilung dar, der Beziehungsaspekt sagt etwas darüber aus, wie der Sender diese Mitteilung vom Empfänger verstanden haben möchte. Der Beziehungsaspekt zeigt, welche emotionale Beziehung von einem Kommunikationspartner gesetzt wird. Daraus folgt, dass der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern ist für das gegenseitige Verständnis von grundlegender Bedeutung.

 

Kommunikation gelingt, wenn auf beiden Ebenen und bei beiden Kommunikationspartnern Einigkeit über den Inhalts- und Beziehungsaspekt herrscht. Sie misslingt, wenn ein Kommunikationspartner unterschiedliche oder gegensätzliche Botschaften sendet, oder wenn der andere Kommunikationspartner eine der beiden Aspekte anders interpretiert (zum Beispiel ein gläubiger Mensch und ein Glaubensgegner).

 

Interpunktion

„Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“

Dies bedeutet, dass Sender und Empfänger den Kommunikationsablauf unterschiedlich gliedern und so ihr eigenes Verhalten oft nur als Reaktion auf das des anderen interpretieren, das heißt, die Ursache für die eigene Reaktion wird dem anderen zugeschoben. Menschliche Kommunikation ist aber nicht in Kausalketten auflösbar, sie verläuft vielmehr kreisförmig. Niemand kann genau angeben, wer beispielsweise bei einem Streit wirklich „angefangen hat“. Anfänge werden nur subjektiv gesetzt als sogenannte „Interpunktionen“.

 

Den Ablauf, in dem Ursache und Wirkung ihre Stellung in der Kommunikation verändern können, nennt man Interdependenz. Gelingende Kommunikation findet statt, wenn beide Partner als Ursache und Wirkung die gleichen Sachverhalte festlegen und Kommunikation als Regelkreis verstehen. Sie misslingt, wenn die Partner an unterschiedlichen Punkten des Kommunikationsablaufes einen Einschnitt vornehmen und jeweils für sich sagen: „Hier hat es angefangen, das ist die Ursache.“

 

Digital und analog [„Menschliche Kommunikation ist digital und analog.“

Nicht nur das gesprochene Wort (in der Regel digitale Kommunikation), sondern auch die nonverbalen Äußerungen (z. B. Lächeln, Wegblicken,...) teilen etwas mit. Die digitale Kommunikation verfügt über eine komplexe und logische Syntax, die analoge Kommunikation über eine semantische Bedeutung von Informationen. Mit analogen Elementen wird häufig die Beziehungsebene vermittelt, mit digitalen die Inhaltsebene.

 

Kommunikation gelingt bei Übereinstimmung zwischen analoger und digitaler Botschaft und wenn die Kommunikationspartner beide Teile der Botschaft in gleicher Weise interpretieren. Kommunikation misslingt bei Nichtübereinstimmung oder bei Unklarheiten einer der beiden Botschaften oder dann, wenn eine oder beide Botschaften unterschiedlich interpretiert werden. Wenn die analoge und die digitale Aussage übereinstimmen, ist die Botschaft kongruent. Besondere Probleme entstehen dadurch, dass beide Ebenen mehrdeutig sein können und vom Kommunikationspartner interpretiert werden müssen.

 

Symmetrisch oder komplementär

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.“

Beziehungen zwischen Partnern basieren entweder auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit. In komplementären Beziehungen ergänzen sich unterschiedliche Verhaltensweisen und bestimmen den Interaktionsprozess. Die Beziehungsgrundlage besteht hierbei in der Unterschiedlichkeit der Partner. Häufig drückt sich diese Unterschiedlichkeit in einer Unterordnung aus, d.h. der eine hat die Oberhand über den anderen. Eine symmetrische Beziehungsform zeichnet sich dadurch aus, dass die Partner sich bemühen, Ungleichheiten untereinander zu minimieren (Streben nach Gleichheit).

 

Zuviel des Guten

Watzlawick hat Heraklits Gedanken von der „Einheit in der Vielfalt“ der Dinge – Enantiodromie – aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass ein Zuviel des Guten stets ins Böse umschlage. Zuviel Patriotismus erzeuge Chauvinismus oder zuviel Sicherheit Zwang.

 

Konstruktion der WirklichkeitBesonders bekannt wurde folgendes Beispiel aus der „Anleitung zum Unglücklichsein“. Darin beschreibt Watzlawick einen Mann, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Nach dem Grund für dieses merkwürdige Verhalten befragt, erklärt er: „Um die Elefanten zu verscheuchen.“ Auf den Hinweis, es gebe hier doch gar keine Elefanten, antwortet der Mann: „Na, also! Sehen Sie?“ Damit wollte Watzlawick zeigen, dass der konsequente Versuch, ein Problem zu vermeiden – hier: die Konfrontation mit Elefanten – es in Wirklichkeit verewigt.

 

Paul Watzlawick mit Janet H. Beavin/Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation - Formen, Störungen, Paradoxien. Huber, Bern 1969, ISBN 3456834578


 

Wien - Der Wissenschaftler starb bereits am am 31. März 2007 in seiner Wahlheimat Palo Alto in Kalifornien, wie das dort

ansässige Forschungsinstitut Mental Research Institute der österreichischen Nachrichtenagentur APA bestätigte.

 

Philosoph und Psychologe Watzlawick: "Die Suche nach Patentlösungen" aufgeben

 

Der aus Österreich stammende Philosoph, Psychologe, Psychoanalytiker, Soziologe und Publizist Watzlawick gehörte zu den einflussreichsten Theoretikern der modernen Kommunikationsforschung. Viele seiner populärwissenschaftlichen Werke, darunter die Ratgeber-Parodie "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983) wurden zu Bestsellern. Watzlawicks Ansätze flossen in Psychotherapie und Pädagogik ein.

 

Als Hauptwerk Watzlawicks gilt seine auf fünf pragmatischen Axiomen aufbauende Kommunikationstheorie. Berühmtestes Beispiel ist das erste Axiom: "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren."

 

Paul Watzlawick wurde am 25. Juli 1921 in Villach, Kärnten geboren und studierte Philologie und Philosophie an der Universität Venedig. Nach seiner Promotion absolvierte er eine Ausbildung in Psychotherapie am C.-G.-Jung-Institut in Zürich, die er 1954 als Diplomanalytiker abschloss. 1957 übernahm er einen Lehrstuhl für Psychotherapie in El Salvador. 1960 wurde Watzlawick vom amerikanischen Schizophrenie-Experten Donald Jackson zu einem Wechsel an das Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien geholt, wo er als Forschungsbeauftragter und Psychotherapeut tätig war. Ab 1976 lehrte er außerdem als Professor an der Stanford University, wo er auch bis ins hohe Alter noch als Emeritus Vorträge hielt.

 

Kommunikation und ihre Störungen blieben sein Hauptthema. Maßgeblich entwickelte er gemeinsam mit Gregory Bateson und weiteren Kollegen die Theorie des "double bind". Watzlawick leistete aber auch bedeutende Beiträge zum radikalen Konstruktivismus.

 

Die Prinzipien der konstruktivistischen Denkschule wandte Watzlawick auch in seiner therapeutischen Arbeit an. Im Gegensatz zur analytischen Tiefenpsychologie verzichtete er auf die Erforschung der Vergangenheit seiner Patienten, sondern beobachtete lediglich, ob die Kommunikation des Betroffenen funktionierte oder gestört war. Für seine Diagnosen genügten ihm "kurztherapeutische Interventionen", die sich aus dem Verständnis der Sprache des Patienten ergaben.

 

"Ich gehe in meiner ganzen Therapie davon aus, dass es lediglich meine Aufgabe ist, Leiden zu beheben. Das Leiden lässt sich aber gerade dadurch heilen, dass man die Suche nach Patentlösungen aufgibt", sagte Watzlawick einmal in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt".