Personen,

 

die für die Beurteilung, d.h. Analyse der psychischen Abläufe bei religiösen Menschen als besonders wichtig angesehen wurden (vollständige Personen-Liste >hier<):

 

- Richard Dawkins,

- Sigmund >Freud<,

- Paul >Watzlawick<,

- Iwan Petrowitsch >Pawlow<,

- Alfred >Adler<

- Carl Gustav >Jung<

- Wilhelm >Heitmeyer< (nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

- Neil >Postmann< (nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

- Tilmann >Moser<,

- Werner >Scheid<

- Giordano >Bruno< mit Giordano-Bruno-Stiftung (nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

- Galilei >Galileo< (nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

 

- >Religionsstifter<: Moses (mit eigenem Artikel >hier<), Abraham, Jesus Christus (wird sehr ausführlich >hier< beschrieben), Mohammed, Bhudda

- >Adolf Hitler< mit Verzweigungen zu

- "Bemerkung zu Hitlers "Mein Kampf"

- eine Aussage des Oberhirten der katholischen Kirche, August Kardinal Hlond, über die Juden

- zu einem Artikel über Finanzierungsgerüchte

(nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

- Die "Laufbahn" des derzeitigen Papstes >hier< (nicht auf dieser Seite, zurückkommen über -  Pfeil nach links)

 


Weitere Lebensläufe unter "" bzw. = Register (auf Knöpfe links klicken!) oder direkt >hier<, wo alle Personen aufgelistet sind, jedoch nicht immer mit Zugang zu einem Lebenslauf.


 

1. Clinton Richard Dawkins (aus Wikipedia)

 

wurde am 26. März 1941 in Nairobi (Hauptstadt von Kenia geboren. Er ist ein britischer Zoologe, theoretischer Biologe und Autor wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Literatur.

 

Er wurde 1976 mit seinem Buch The Selfish Gene (Das egoistische Gen) bekannt, in dem er die Evolution auf der Ebene der Gene betrachtet. Er führte den Begriff >Mem< für den Bereich Kultur als hypothetisches Analogon zum Gen in der biologischen Evolution ein. In den folgenden Jahren schrieb er mehrere Bestseller, unter anderem The Extended Phenotype (1982), The Blind Watchmaker (1987), River Out of Eden (1995) und Climbing Mount Improbable (1996), Der Gotteswahn (2006) sowie kritische Beiträge zu Religion und Kreationismus.

 

Dawkins ist bekennender Atheist bzw. Agnostiker, Humanist und ein populäres Mitglied der Brights-Bewegung.

 

 

LEBEN

 

Richard Dawkins wurde in Nairobi geboren, wohin sein Vater Clinton John Dawkins als Angehöriger der Alliierten Streitkräfte versetzt worden war. Seine Familie kehrte 1949 nach England zurück. Er studierte bei dem niederländischen Ethologen Nikolaas Tinbergen an der Universität Oxford Biologie. Im Jahr 1966 erlangte er seinen Doktorgrad in Zoologie (Ph.D. = Philosophical Doctor). 1967 heiratete er die Autorin Marian Stamp, von der er sich 1984 trennte.

 

In den Jahren 1967 bis 1969 war Dawkins Assistenzprofessor der Zoologie an der University of California, Berkeley, von 1970 bis 1995 Dozent für Zoologie am New College der Universität von Oxford. 1984 heiratete er Eve Barham, mit der er im selben Jahr eine Tochter (Juliet Emma Dawkins) hatte; die Ehe wurde ebenfalls geschieden. Seit 1992 ist er mit der Schauspielerin Lalla Ward verheiratet.  Seit 1997 ist er gewähltes Mitglied der Royal Society of Literature und seit 2001 auch gewähltes Mitglied der Royal Society.

 

Seit 1995 ist er Professor of the Public Understanding of Science an der Oxford University. Simonyi äußerte sich wiederholt als Anhänger des wissenschaftlichen Werks Dawkins. Für die Einrichtung spendete der Milliardär Charles Simonyi 1,5 Mio. Pfund an die Oxford University. Dawkins erhielt bereits verschiedene Ehrungen und Auszeichnungen, so wurde er 2005 im Magazin Prospect,  nach Noam Chomsky und Umberto Eco zum drittwichtigsten lebenden Intellektuellen weltweit gewählt. 1987 erhielt er den Royal Society of Literature Award, im selben Jahr den Literaturpreis der Los Angeles Times. 1990 erhielt er den Michael Faraday Award der Royal Society und 1994 den Nakayama Preis sowie 1997 den International Cosmos Prize for Achievement in Human Science, 2001 den Kistler Prize und 2005 den Shakespeare Prize. Im Oktober 2007 erhielt Dawkins als erster Preisträger den mit 10.000 Euro dotierten und nach Karlheinz Deschner benannten Deschner-Preis der Giordano Bruno Stiftung. (Giordano Bruno wird weder im Meyers großem Taschenbuchlexikon - 26 Bände - noch im Brockhaus erwähnt!)

 

Arbeit

 

Biologie und biologische Evolution

 

  Dawkins im März 2005

Dawkins erlangte Bekanntheit durch seine Theorie des egoistischen Gens, die er im gleichnamigen Buch beschreibt. Darin sieht er das Gen als die fundamentale Einheit der Selektion, das den Körper nur als „Überlebensmaschine“ benutzt.

 

Er tritt innerhalb der Evolutionsbiologie für die These ein, dass in evolutionären Prozessen Konkurrenzsituationen bzw. Fitnessunterschiede auf genetischer oder allenfalls individueller Ebene eine Rolle spielen, Gruppenselektion jedoch keine oder nur eine marginale Rolle spielt. In seinem ersten Buch Das egoistische Gen behandelt er diese Thematik und führt sie dann in seinem Sachbuch The Extended Phenotype (1982) weiter aus, indem er die enge Definition des Phänotypen erweiterte und vermehrt das einzelne Gen ins Zentrum stellt. Diese Haltung war im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts weitestgehend akzeptiert. In jüngster Zeit jedoch wurde diese Aussage durch theoretische Modelle und konkrete Beispiele relativiert. Hier sind insbesondere die Arbeiten des Biologen David Sloan Wilson sowie des Wissenschaftsphilosophen Elliott Sober zu nennen.

 

Mem

Dawkins führte den Begriff Mem 1976 in seinem Buch "The Selfish Gene" (dt. "Das egoistische Gen") ein. Meme sind bei der kulturellen Entwicklung, was die Gene bei der biologischen Entwicklung sind. Meme (Melodien, Gedanken, Schlagworte, Moden) verbreiten sich durch Mutation und Selektion genauso wie Gene.

 

Der Spiegel bezeichnete Dawkins als einflussreichsten Biologen seiner Zeit.

 

Philosophie

Dawkins ist Mitglied bei der britischen Skeptics Society, einer Gesellschaft zur Förderung von wissenschaftlichem und skeptischem Denken, sowie verschiedener anderer britischer Organisationen zur Förderung von humanistischem und atheistischem Gedankengut sowie einer stärkeren Säkularisierung des britischen Staates. Er gehört zu den Meinungsführern der Brights-Bewegung. Schon in früheren Werken verteidigte er seine Interpretation der Evolutionstheorie vehement gegen Konzepte, die in der Entstehung der Arten eine Zielgerichtetheit erkennen wollten.

 

In „Der blinde Uhrmacher“ bezieht er sich auf den Gottesbeweis des englischen Theologen William Paley, nach dem das Leben nicht durch Zufall entstanden sein kann, in Analogie zu einer Uhr, die nach dem präzisen Konstruktionsplan eines Uhrmachers entsteht. Dawkins vergleicht in diesem Buch den Aspekt, dass die natürliche Selektion ein unbewusster und ungesteuerter Prozess ist, mit der Analogie von Gott als demnach blindem Uhrmacher.

 

In den vergangenen Jahren hat er sein Streiten auf die Religion im Allgemeinen ausgeweitet. In seinem Essay „Viruses of the Mind“ stellt er Religion anhand der Mem-Theorie als gedankliches Virus dar. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern wie dem neurobiologisch interessierten Autor Sam Harris wendet er sich nicht nur gegen den Glauben an einen Gott, sondern auch gegen den "Glauben an den Glauben".

 

Die Atheist Alliance International (Internationaler Atheisten-Verband) vergibt seit 2003 den Richard-Dawkins-Preis an Atheisten, die der nontheistischen Sache öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen. 2005 verlieh Dawkins den Preis persönlich an die Illusionskünstler Penn und Teller.

 

2006 gründete er die Richard Dawkins Foundation for Reason and Science, eine gemeinnützige Stiftung, welche sich in den Bereichen der humanistischen Forschung und Bildung engagieren will.

 

Kritik

Einige Naturwissenschaftler, die prinzipiell mit Dawkins' Haltung gegenüber religiösem Fundamentalismus sympathisieren, kritisieren seine ihrer Meinung nach polemischen Attacken gegen jegliche Religiosität als kontraproduktiv, da sie bei Dritten den Eindruck entstehen ließen, auch die Naturwissenschaft agiere dogmatisch und intolerant.

 

Kritik an seinen biologischen Thesen wird u.a. von David Wilson und Scott Atran vorgebracht. Letzterer kritisiert vor allem den Begriff des Mems im Kontext der Religion. Fehlendes Wissen in den Bereichen Gehirnfunktion und Gehirnstruktur stellt seiner Meinung nach die Analogie des Mems mit einem Gen in Frage.[

 

Außerdem wird ihm von einigen Theologen und Philosophen (besonders von den Oxforder Theologen Keith Ward und Alister McGrath sowie von dem Philosophen John N. Gray) vorgeworfen, ernstzunehmende Theologie zu ignorieren und seine Autorität als renommierter Wissenschaftler für seine Religionskritik zu missbrauchen, bzw. dass er das Weltbild religiöser Fundamentalisten auf alle Gläubigen übertrage und damit die breite Palette von Weltbildern religiöser Menschen ignoriere.

 

Werke (Auswahl)

Bücher


 

2. Sigmund Freud

 

   

Freud und seine langjährige Wohn- und Arbeitsstätte: Berggasse 19 in Wien

Sigmund (Sigismund Schlomo) Freud wurde am 6. Mai 1856 im nordmährischen Freiberg geboren (heute tschechisch: Příbor). Er starb am 23. September 1939 in seinem Londoner Exil.

Freud, einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts, war ein bedeutender österreichischer Nervenarzt und wurde der bedeutendste "Tiefenpsychologe", der Begründer der Psychoanalyse und galt als vehementer Religionskritiker. Seine Theorien und Methoden werden noch heute - teilweise kontrovers - diskutiert.

Wegen dieser zu sehr angewachsenen Seite über Personen, mußte der weitere sehr ausführliche Teil über Freud ausgelagert werden. Also >hier< vieles mehr.


 

3. Paul Watzlawick (Foto:DPA)

kam am  25. Juli 1921 in Villach, einem Ort im österreichischen Kärnten, zur Welt. Er starb am 31. März 2007 im kalifornischen Palo Alto.

 

Er studierte Philologie und Philosophie an der Universität Venedig. Nach seiner Promotion absolvierte er eine Ausbildung in Psychotherapie am C.-G.-Jung-Institut in Zürich, die er 1954 als Diplomanalytiker abschloss. 1957 übernahm er einen Lehrstuhl für Psychotherapie in El Salvador. 1960 wurde Watzlawick vom amerikanischen Schizophrenie-Experten Donald Jackson zu einem Wechsel an das Mental Research Institute in Palo Alto geholt, wo er als Forschungsbeauftragter und Psychotherapeut tätig war. Ab 1976 lehrte er außerdem als Professor an der Stanford University, wo er auch bis ins hohe Alter noch als Emeritus Vorträge hielt.

 

Mit seinen Arbeiten auf den Gebieten:

-   Psychologie, insbesondere Kommunikationswissenschaft, Psychotherapie (Familientherapie),

-   Philosophie,

leistete er wichtige Beiträge.

 

Er entwickelte maßgeblich eine Kommunikationstheorie, die auf fünf pragmatischen >Axiomen< aufbaut.

 

Das erste Axiom: Sobald zwei Personen sich gegenseitig wahrnehmen können, kommunizieren sie miteinander, da jedes >Verhalten< kommunikativen Charakter hat. Watzlawick sieht in jeder Art von Verhalten die Kommunikation. Für Verhalten gibt es kein Gegenteil. Man kann sich also nicht nicht verhalten. Daher ist es auch unmöglich, nicht zu kommunizieren. Dieses Axiom ist auch bekannt als Metakommunikatives Axiom. (Das ist die über verbale Verständigung hinausgehende Kommunikation, das heißt Gestik, Mimik usw. gehören mit zur Kommunikation. Meta... bedeutet im Griechischen: zwischen, inmitten, nach, später.)

 

Das zweite Axiom: Jede Kommunikation enthält über die reine Sachinformation – Inhaltsaspekt genannt – hinaus einen Hinweis, wie der Sender seine Botschaft verstanden haben will und wie er seine Beziehung zum Empfänger sieht – Beziehungsaspekt genannt. Der Inhaltsaspekt stellt das Was einer Mitteilung dar, der Beziehungsaspekt sagt etwas darüber aus, wie der Sender diese Mitteilung vom Empfänger verstanden haben möchte. Der Beziehungsaspekt zeigt, welche emotionale Beziehung von einem Kommunikationspartner gesetzt wird. Daraus folgt, dass der Beziehungsaspekt bestimmt, wie der Inhalt zu interpretieren ist. Die Art der Beziehung zwischen zwei Kommunikationspartnern ist für das gegenseitige Verständnis von grundlegender Bedeutung.

 

Kommunikation gelingt, wenn auf beiden Ebenen und bei beiden Kommunikationspartnern Einigkeit über den Inhalts- und Beziehungsaspekt herrscht. Sie misslingt, wenn ein Kommunikationspartner unterschiedliche oder gegensätzliche Botschaften sendet, oder wenn der andere Kommunikationspartner eine der beiden Aspekte anders interpretiert (zum Beispiel ein gläubiger Mensch und ein Glaubensgegner).

 

Die anderen Axiome lauten:

3. Die Interpunktion der Ereignisfolgen

4. Digitale und analoge Kommunikation

5. Symmetrische und komplementäre Interaktionen

 

 

Kommunikation und ihre Störungen blieben Watzlawicks Hauptthema. Maßgeblich entwickelte er gemeinsam mit Gregory Bateson und weiteren Kollegen die Theorie des ">double bind<". Diese Theorie spielt bei der Analyse des menschlichen Verhaltens im Rahmen des "Gotteswahns" eine zentrale Rolle und ist als >hier< zu sehen.

 

Watzlawick leistete aber auch bedeutende Beiträge zum radikalen >Konstruktivismus<.

 

Die Prinzipien der konstruktivistischen Denkschule wandte Watzlawick auch in seiner therapeutischen Arbeit an. Im Gegensatz zur analytischen Tiefenpsychologie verzichtete er auf die Erforschung der Vergangenheit seiner Patienten, sondern beobachtete lediglich, ob die Kommunikation des Betroffenen funktionierte oder gestört war. (Diese Prinzipien sind jedoch nicht nur auf Wazlawick zurückzuführen; dann gibt es eine Menge "Lerntheoretiker" und "Gesprächstherapeuten".) Für seine Diagnosen genügten ihm "kurztherapeutische Interventionen", die sich aus dem Verständnis der Sprache des Patienten ergaben.

 

"Ich gehe in meiner ganzen Therapie davon aus, dass es lediglich meine Aufgabe ist, Leiden zu beheben. Das Leiden lässt sich aber gerade dadurch heilen, dass man die Suche nach Patentlösungen aufgibt", sagte Watzlawick einmal (in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" nach einer Darstellung im "Der Spiegel").


 

4. Iwan Petrowitsch Pawlow

 

(russisch Иван Петрович Павлов, wiss. Transliteration Ivan Petrovič Pavlov; * 14. September/26. September 1849 in Rjasan; gestorben am  27. Februar 1936 in Leningrad) war ein russischer Mediziner und Physiologe. Sein Vater war ein russischer Dorfpriester. Er erhielt 1904 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über die Verdauungsdrüsen.

Er hat aber auch wichtige Grundlagen für die Verhaltensforschung erarbeitet und legte den Grundstein für fast alle neueren Lerntheorien.

Er war der Überzeugung, dass Verhalten auf Reflexen beruhen kann und entdeckte das Prinzip der (klassischen) Konditionierung. Dabei unterschied er zwischen unkonditionierten (auch natürlich genannten) und konditionierten Reflexen (die durch Lernen erworben werden).

 

Einer von Pawlows Hunden

Am bekanntesten dürfte der so genannte Pawlowsche Hund sein: ein Forschungsprojekt, das unmittelbar aus seinen mit dem Nobelpreis gewürdigten physiologischen Studien hervorging. In diesem Zusammenhang stellte Pawlow fest, dass die Speichelsekretion eines Hundes nicht erst mit dem Fressvorgang beginnt, sondern bereits beim Anblick der Nahrung. Auch ein anderer Reiz, zum Beispiel ein Klingelton, kann die Sekretion von Speichel und anderen Verdauungssäften auslösen, wenn er regelmäßig der Fütterung vorausgeht. Pawlow erklärte das Geschehen durch das mehrmalige Zusammentreffen des Reizes mit dem anschließenden Fressvorgang. Irgendwann reicht dann bereits der Reiz aus, um die Speichelsekretion auszulösen. Pawlow bezeichnete dies als konditionierten Reflex.

Weblinks (Verzweigungen über "Wikipedia")

Beschreibung der Experimente (mit Filmclip)


6. Carl Gustav Jung (aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie),

geboren am 26. Juli 1875 in Kesswil; am 6. Juni 1961 in Küsnacht gestorben, war ein Schweizer Mediziner und Psychologe und der Begründer der Analytischen Psychologie.

   

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Jung wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Ab 1895 studierte er an der Universität Basel Medizin und wurde 1900 als Assistent von Eugen Bleuler im Burghölzli psychiatrisch tätig. Seine Dissertation von 1902 war ein Beitrag Zur Psychologie und Pathologie sogenannter occulter Phänomene. Danach war er für ein halbes Jahr bei Pierre Janet in Paris; 1903 heiratete er Emma Rauschenbach.

Bei Bleuler konnte sich Jung 1905 mit umfangreichen diagnostischen Assoziationsstudien habilitieren, denen er 1907, dem Jahr seiner ersten Begegnung mit Sigmund Freud, seine Arbeit Über die Psychologie der Dementia Praecox (verfrührt) folgen ließ. Wegen Zerwürfnissen mit Bleuler gab er 1909 seine Tätigkeit bei ihm auf und engagierte sich in Freuds Bewegung, für den er als Redakteur des Internationalen Jahrbuchs für psychologische und psychotherapeutische Forschung tätig wurde. Von 1910 bis 1914 war er Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. 1912 publizierte er sein Buch Wandlungen und Symbole der Libido, das zum Bruch mit Freud führte, da Jung darin Freuds Libidotheorie kritisierte.

1913 gab Jung seine Lehrtätigkeit an der Universität Zürich auf. Fortan war er bis auf Unterbrechungen durch ausgedehnte Reisen in den zwanziger Jahren – vor allem nach Afrika und Asien – in eigener Praxis tätig, publizierte jedoch weiter seine Überlegungen und Ansichten, die er nunmehr Analytische Psychologie oder Komplexe Psychologie nannte.

Seine zunehmende Reputation führte dazu, dass er 1929 eingeladen wurde, eines der Hauptreferate auf dem von Teilnehmern aus ganz Europa besuchten Jahreskongress der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP) zu halten. Im Jahr darauf wurde er als 2. Vorsitzender in den Vorstand dieser bedeutenden Vereinigung gewählt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fiel ihm wegen des solidarischen Rücktritts des bisherigen Vorsitzenden Ernst Kretschmer der Vorsitz zu, gleichzeitig wurde er dadurch formaler Herausgeber des verbandseigenen Zentralblatts für Psychotherapie, das bis dahin neben Johannes Heinrich Schultz und Rudolf Allers wesentlich von Kretschmers Freund Arthur Kronfeld als Schriftleiter organisiert worden war, der als deutscher Jude jedoch sofort jedes öffentliche Wirken hatte einstellen müssen. Als Präsident trug Jung ab 1934 bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1939 dazu bei, die ursprüngliche und europaweite Bedeutung der AÄGP, die organisatorisch weiter in Deutschland und dort von nationalsozialistisch eingestellten deutschen Mitgliedern organisiert und geleitet wurde, unter der Bezeichnung "Überstaatliche" und ab 1935 Internationale Allgemeine Ärztliche Gesellschaft für Psychotherapie wenigstens dem Namen nach weiter aufrecht zu halten. Seine Präsidentschaft der IAÄGP wurde vielfach kritisiert und brachte ihn in den Verdacht des Antisemitismus.

In der Schweiz nahm er 1933 an der ETH Zürich – ab 1935 als Titularprofessor – wieder eine Lehrtätigkeit auf, die er bis 1942 fortführte. Ab 1944 war er Professor in Basel. In seinen letzten Lebensjahren führte er vermehrt Forschungen über seine Theorie des kollektiven Unbewussten und die Bedeutung der Religion für die Psyche durch.

Jungs Theorien

Carl Gustav Jung hat mit seinem Werk nicht nur die Psychotherapie, sondern auch die Psychologie, Theologie, Völkerkunde, Literatur und Kunst beeinflusst. In die Psychologie sind vor allem seine Begriffe Komplex, Introversion, Extraversion und der des Archetypus eingegangen.

Komplex

Ein Komplex ist eine Konstellation von Gefühlen, Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die sich um einen bestimmten bedeutenden Zusammenhang gesammelt haben und mit diesem Kern des Komplexes assoziiert sind. Komplexe, die in das Unbewusste verdrängt sind, können im Bewusstsein als "Affekt" erscheinen. Ein Beispiel: Ein Mutterkomplex ist das Kernelement des Komplexes. Alle Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die direkt oder indirekt mit der Mutter zu tun haben, werden von dem Kernelement des Komplexes angezogen und sind mit ihm assoziiert. Sie werden so dem Bewusstsein entzogen und können die bewusste Absicht stören.

Persönlichkeitsstruktur

Das Ich oder Ich-Bewusstsein ist Zentrum des Bewusstseinfeldes und zeichnet sich durch eine starke Identifikation mit sich selbst aus. Da dieses Ich-Bewusstsein aus einem Komplex von Vorstellung und Identifikationen besteht, spricht Jung auch vom sogenannten Ich-Komplex. Bewusst wahrnehmen kann man folglich nur Dinge, die mit diesem begrenzten Ich-Komplex assoziiert sind.

Außerhalb dieses bewussten Ich-Komplexes existieren weitere Ich-nahe Komplexe, die aber unbewusst sind und in ihrer Gesamtheit als das persönliche Unbewusste bezeichnet werden. Diese unbewussten psychischen Inhalte sind eng an die individuelle Lebensgeschichte geknüpft und werden aus zwei unterschiedlichen Kanälen gespeist. Einerseits handelt es sich dabei um Inhalte, die ehemals bewusst waren und im weiteren Verlauf der Biographie als Vergessenes oder Verdrängtes nachträglich aus dem Ich-Bewusstsein ausgeschlossenen wurden, andererseits um primär unbewusste Elemente, die noch nie völlig ins Bewusstsein gelangt waren, wie zum Beispiel frühkindliche >Engramme< und subliminal (unterschwellig) Wahrgenommenes.

Die Persona (lat. Maske) ist der repräsentative, nach außen gerichtete Aspekt des Ich-Bewusstseins und entspricht der äußeren Persönlichkeit. Sie dient der Anpassung an die Außenwelt im Sinne eines normativen, sozialverträglichen Verhaltens.

Der Schatten ist sozusagen die dunkle, im Schatten liegende Seite der Persönlichkeit. Er ist Teil des Ich-nahen persönlichen Unbewussten und setzt sich aus all jenen, mit den bewussten Identifikationen des Ich unvereinbaren Aspekten, Neigungen und Eigenschaften eines Menschen zusammen. Solange keine bewusste Auseinandersetzung des Ich mit diesem unbewussten Schatten stattgefunden hat, kann dieser nur außerhalb des Ich wahrgenommen werden und wird deshalb häufig auf andere Personen projiziert (Schattenkonzept).

Die Auseinandersetzung mit dem Schatten, d.h. dessen Integration stellt einen wichtigen und unabdingbaren Schritt auf dem Weg zur Ganzwerdung,Individuation der Persönlichkeit dar. Sie stellt ein vorwiegend moralisches Problem dar, das vom Individuum beträchtliche seelische Anpassungsleistungen erfordert. Zu Beginn der Lebensmitte steht indes mehr die Integration der eigenen Anteile des jeweils anderen Geschlechts im Vordergrund, d.h. für einen Mann ist dies seine Anima und für eine Frau ihr Animus.

Das "Kollektive Unbewusste" besteht aus ererbten Grundlagen der Menschheitsgeschichte. Auf ihm beruhen alle entwicklungsgeschichtlich jüngeren Persönlichkeitsstrukturen, wie etwa das Ich. Im kollektiven Unbewussten manifestieren sich Archetypen.

Das Selbst ist das Zentrum der Persönlichkeit. In ihm werden alle gegenläufigen Teile der Persönlichkeit zusammengefasst und vereinigt. Es ist das Ziel des lebenslangen Individuationsprozesses, der im wesentlichen daraus besteht, möglichst große Teile des Unbewussten dem Bewusstsein einzugliedern. Die Individuation setzt immer neue und umfassendere Anpassungsleistungen der Persönlichkeit voraus und in Gang. Sie findet auf der Ich-Selbst-Achse statt, wie sie Erich Neumann (Psychologe) als Ergänzung zu Jungs Theorie sah.

Archetypen]

Nach Jung sind Archetypen universell vorhandene Urbilder in der Seele aller Menschen, unabhängig von ihrer Geschichte und Kultur. Dazu zählen Vorstellungen, Gegenstände und Lebewesen aus der Umwelt. Um die Existenz von Archetypen, die nicht direkt, sondern als Anbahnungen von Vorstellungen vererbt werden, nachzuweisen, sammelten Jung und seine Mitarbeiter Material aus unterschiedlichen Zeiten und Kulturen. Sie betrachteten auf dem Hintergrund dieser Spuren Träume von Patienten und fanden dabei Vorstellungen, die den bildlichen Darstellungen fremder Kulturen, mit denen der Träumer niemals in Berührung gekommen war, stark ähneln. Sie stellten die These auf, dass religiöse und kulturelle Zeugnisse verschiedener Völker in begrenzten Variationen, ähnliche Motive, Vorstellungen und Ausdrucksformen hätten. Jung recherchierte hierzu sehr viel Material, was aus unterschiedlichen Zeiten und aus vielen Kulturen stammte und stellte in den Darstellungen fest, dass bestimmte Bilder, Motive und Symbole sich immer wiederholen, ohne dass die Kulturen voneinander beeinflusst worden waren. Er nannte diese Gemeinsamkeiten Archetypen, welche im Individuationsprozess vieler seiner Patienten eine besondere Rolle zukam. Dieses Material und vor allem seine Bedeutung für die Kultur und den einzelnen setzte er in Verbindung mit den unterschiedlichen Entwicklungen seiner Patienten. Zu den Archetypen gehören: Schatten, Anima und Animus, die Große Mutter, der oder die alte Weise, das Mandala, der Abstieg der Seele zum Wasser, der Abstieg ins Totenreich, und andere. Dabei ist das Erscheinen von Archetypen in den Phantasien und Träumen stets mit dem Gefühl des >Numinosen< verbunden.

Archetypen bezeichnet er als Energiekomplexe, die besonders in Träumen, Neurosen und Wahnvorstellungen ihre Wirkung entfalten. Jung erklärt eine Psychose, die unter anderem dann entstehen kann, wenn eine Neurose nicht behandelt wird, als Überhandnehmen des Unbewussten, das sich des Bewusstseins bemächtigt, um dessen Einstellung zu korrigieren und das Individuum auf dem Weg zur Ganzwerdung zu befreien. Die nun symbolisch wirksamen Archetypen zielen darauf ab, die Gesamtpersönlichkeit wieder ins Lot zu bringen, indem sie archetypische, durch Numinosität (göttliche Erscheinungen, sexuelle Begierde) sehr attraktive Zielbilder ins Bewusstsein aufsteigen lassen. Diese Bilder und die Beschäftigung der Seele mit ihnen haben die Aufgabe, der Persönlichkeit eine fundamentale Balance zurückzugeben, Sinn und Ordnung zu stiften. Sie manifestieren sich daher in symbolischen Bildern universeller Gültigkeit, die einen beträchtlichen Anteil am Leben eines jeden haben.

Rolle der Psychotherapie

Jung selbst sieht den Psychotherapeuten als einen Begleiter des Patienten, der sich frei machen sollte von allen theoretischen Erkenntnissen, die er erlernt hat, und der sich möglichst vorurteilsfrei auf das einlassen sollte, was der Patient an Bildern, Eindrücken etc. aus seinem Unbewussten mitbringt oder im Verlaufe der Therapie entwickelt. Beim Abstieg des Patienten in seine eigenen seelischen Tiefen sah sich Jung als Begleiter, der allenfalls mehr Erfahrung hat und dadurch zum Gelingen des jeweils einzigartigen und individuellen Weges der betreffenden Persönlichkeit zur Individuation beitragen kann. (Jungs Therapie)

Psychologische Typen

Bei seinem täglichen Umgang mit Patienten merkte Jung schnell, dass Menschen sehr verschieden sind und daher auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Daraufhin entwickelte er die Unterscheidung in extravertierte und introvertierte Menschen.

Als extravertiert bezeichnete er einen Menschen, dessen Verhalten auf die äußere, objektive Welt ausgerichtet und von ihr geleitet wird. Introvertierte Menschen sind dagegen auf ihre innere, subjektive Welt ausgerichtet und verhalten sich nach ihr. Da diese Differenzierung nicht ausreichte, entwickelte er ein Modell, bestehend aus vier Funktionen – Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden – das, kombiniert mit dem Attribut introvertiert oder extravertiert, acht Möglichkeiten ergibt, aus denen sich je nach Paarung acht Typen zusammensetzen lassen. In seinem Werk "Psychologische Typen" von 1921 schrieb er darüber.

Jung ordnet alle denkenden und fühlenden Funktionen als rational und alle empfindsamen und intuitiven Funktionen als irrational ein.

Werk

Eine Einführung in sein Werk bietet Jungs Autobiographie Erinnerungen, Träume, Gedanken. Dort schreibt er:

Die Erinnerung an die äußeren Fakten meines Lebens ist mir zum größten Teil verblaßt oder entschwunden. Aber die Begegnung mit der inneren Wirklichkeit, der Zusammenprall mit dem Unbewußten, haben sich meinem Gedächtnis unverlierbar eingegraben. Ich kann mich nur aus den inneren Geschehnissen verstehen. Sie machen das Besondere meines Lebens aus, und von ihnen handelt meine Autobiographie.

Die Gesamtausgabe von Jungs Schriften liegt unter dem Titel Gesammelte Werke von C.G. Jung in 20 Bänden vor, sein Grundwerk in einer neunbändigen Ausgabe. Populär wurde sein 1964 von seiner Mitarbeiterin Marie-Louise Franz zunächst auf Englisch herausgebrachtes Buch Der Mensch und seine Symbole, das seit 1968 auch in vielen Sonderausgaben erschien. Die Sekundärliteratur zur Leistung Jungs ist vielfältig.

Jung ist ein wichtiger Vertreter der Selbstpsychologie innerhalb der Tiefenpsychologie. Sein Werk lässt sich nicht verstehen, wenn man nicht die Beziehung des Ichs zu seinem Persönlichkeitskern, dem Selbst, in die Psychologie mit aufnimmt. Er gehört daher in eine Reihe von Tiefenpsychologen, die den Selbstbezug und die Individualität als Kern der Menschwerdung (Objektstufe) bzw. der Kulturgeschichte (Subjektstufe i.S.d. Außenwelt) ansehen.

Kritik

Heute lässt sich ein dem Konzept des Unbewussten in der Tiefenpsychologie ähnelnder Bereich durch Untersuchungsmethoden der Hirnforschung nachweisen. Auch viele moderne Bewusstseinspsychologen (Kognitivisten) nehmen an, dass es ein Unbewusstes gibt. Jedoch werden spezielle Aussagen der Tiefenpsychologie hinsichtlich der Inhalte und der Struktur des Unbewussten wie die Archetypenlehre bezweifelt. Jungs Begriff der Synchronizität, den er gemeinsam mit dem bekannten Physiker Wolfgang Pauli entwickelt hatte wird von der Wissenschaft nach wie vor nicht akzeptiert. Jung verwendete den Begriff, obwohl er selber zugab, dass die „Synchronizität“ wissenschaftlich noch nicht genug untermauert sei.

Antisemitische Stellungnahmen der Jahre 1934/34 lassen vermuten, Jung wäre Antisemit gewesen. Sie finden sich z. B. in Jungs Artikel im »Zentralblatt für Psychotherapie und ihrer Grenzgebiete«.[2] „Zur gegenwärtigen Lage der Psychotherapie“ (1934), in dem er 'arisches' und 'jüdisches' Unbewusstes abgrenzte und unterstrich, dass diese sich in ihren psychologischen Charakteristika unterschieden „Der Jude als relativer Nomade hat nie und wird voraussichtlich auch nie eine eigene Kulturform schaffen, da alle seine Instinkte und Begabungen ein mehr oder weniger zivilisiertes Wirtsvolk voraussetzen“[3] Auch in Jungs Aufsatz »Wotan« (1936) verstärken Passagen wie: „Das arische Unbewusste hat ein höheres Potential als das jüdische“ diesen Eindruck. [4] Bereits am 27. Februar 1934 griff der Schweizer Psychoanalytiker Gustav Bally C. G. Jung für seine Äußerung in „Zur gegenwärtigen Lage der Psychotherapie“ (1934) in der Neuen Zürcher Zeitung heftig an. Jung erklärte in derselben Zeitung am 13., 14. und 15. März 1934 jene Worte und das Medium, in dem sie ursprünglich innerdeutsch hätten erscheinen sollen als «Treuegelöbnis» [5] des gleichgeschalteten deutschen Publikationsorganes, das von den Machthabern als Voraussetzung einer deutschen Publikation verlangt worden war. Am 7. Mai 1963 schrieb Gershom Scholem an Aniela Jaffé:

„ Liebe Frau Jaffé, ..... Da Sie sich an der Erzählung über Baeck und Jung so interessiert zeigen, möchte ich sie Ihnen für Ihr Benefit aufschreiben, und habe nichts dagegen, in dieser Sache von Ihnen zitiert zu werden. Im Hochsommer 1947 war Leo Baeck in Jerusalem. Ich hatte damals gerade zum ersten Mal eine Einladung zum Eranos in Ascona erhalten, offenbar auf Anregung von Jung, und fragte Baeck, ob ich sie annehmen sollte, da ich inzwischen viele Beschwerden über Jungs Verhalten in der Nazizeit gehört und gelesen hatte. Baeck sagte: «Sie müssen unbedingt hingehen», und erzählte mir im Verlauf unserer Unerhaltung das folgende: Auch er sei von der Reputation Jungs, die durch die bekannten Artikel im Jahre 1933/34 entstanden war, sehr zurückgestoßen worden, gerade weil er Jung, von den Darmstädter Tagungen der Schule der Weisheit her, sehr gut kannte und ihm keine nationalsozialistische und antisemitische Gesinnung zugetraut hätte. Als er nach seiner Befreiung von Theresienstadt zum ersten Mal wieder in die Schweiz gekommen sei (ich glaube, es war 1946), habe er daher Jung in Zürich nicht aufgesucht. Es sei aber Jung zu Ohren gekommen, daß er in der Stadt sei, und er habe ihn zu einem Besuch bitten lassen, was er, Baeck, unter Bezugnahme auf jene Vorgänge abgelehnt habe. Darauf sei Jung zu ihm ins Hotel gekommen, und sie hätten eine zweistündige, zum Teil überaus lebhafte Auseinandersetzung gehabt, in der Baeck ihm all das vorwarf, was er über ihn gehört hatte. Jung hätte sich mit Berufung auf die besonderen Verhältnisse in Deutschland verteidigt, zugleich ihm aber gestanden: «Jawohl, ich bin ausgerutscht», was seine Stellung zu den Nazis und seine Erwartung, daß vielleicht hier etwas Großes aufbräche, beträfe. Diesen Satz, ich bin ausgerutscht, den mir Baeck mehrfach wiederholte, habe ich in lebhafter Erinnerung. Baeck sagte, sie hätten in diesem Gespräch alles, was zwischen ihnen stand, geklärt und wären wieder versöhnt voneinander geschieden. Auf Grund dieser Erklärung von Baeck habe ich dann auch die Einladung zum Eranos angenommen, als sie ein zweites Mal kam. ..... Ihr G.. Scholem“

Aniela Jaffé: Aus Leben und Werkstatt von C. G. Jung, Rascher Paperback 1968, S. 104

Jungs Patienten

Dies ist eine unvollständige Liste von Patienten, deren Behandlungsverlauf von Jung veröffentlicht wurde. Die richtigen Namen wurden durch die angegebenen Pseudonyme ersetzt.

Schriften

Literatur

 


7. Tilmann Moser (aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie)

(geboren 1938) ist ein Psychoanalytiker und Körperpsychotherapeut.

Moser praktiziert seit 1978 in Freiburg im Breisgau, spezialisiert auf seelische Spätfolgen von NS-Zeit und Krieg, sowie Psychotherapie und Religion.

 

Er bezieht sich nicht auf den Vater der Körperpsychotherapie, Wilhelm Reich. Mosers analytische Therapie bezieht bei Bedarf den Körper in den psychoanalytischen Prozess mit ein: Seine Arbeit beruht auf der klassischen Freud'schen Psychoanalyse (neurotische Störungen, rein verbale Analyse), geht aber bei Bedarf weiter zurück in den nonverbalen Bereich (1. und 2. Lebensjahr) und arbeitet für diese Zeit auch mit dem Körper durch sehr einfühlsames und behutsames Berühren oder Halten (Literatur: Berührung auf der Couch. Formen der analytischen Körperpsychotherapie. / Das erste Jahr. Eine psychoanalytische Behandlung). Im Buch „Bekenntnisse einer halb geheilten Seele“ schildert er seinen Weg, wie er seine eigenen Depressionen mittels verschiedener Therapien bis hin zu Psychopharmaka behandelte.

 

Werke


8. Werner Scheid

Werner Scheid wurde am 22. Juli 1909 in Dortmund geboren. Am 25. Dezember 1987 verstarb er in Köln.

Er besuchte Gymnasien in Duisburg und Remscheid und erhielt 1927 das Reifezeugnis. Im gleichen Jahr begann er das Studium der Medizin. Halle (Saale), Bonn, Berlin, Breslau und zuletzt , wo er 1933 sein Staatsexamen absolvierte, waren seine Studienorte, und wurde anschließend in München mit der Arbeit "Der Zeiger der Schuld in seiner Bedeutung für die Prognose involutiver (die Veränderung der psychischen Funktionen und der Gesamtpersönlichkeit im Alter) Psychosen" promoviert.

Nach der Approbation wurde er Assistent am Institut der deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie in München unter Kurt Schneider. Wegen der politisch bedingten schwieriger werdenden Situation in der Psychiatrie wechselte Scheid zur Neurologie und wurde Assistent an der Neurologischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Heinrich Pette. Im Jahre 1946 erfolgte die Habilitation sowie die Ernennung zum Oberarzt der Klinik. 1946 wurde er zum Chefarzt der Neurologischen Abteilung des neu gegründeten Allgemeinen Krankenhauses Heidberg im Hamburg-Langenhorn gewählt.

Im Jahre 1949 erhielt Werner Scheid den Ruf auf den Lehrstuhl für Neurologie und Psychiatrie an der Universität zu Köln und übernahm als Direktor 1950 die durch Kriegseinwirkung schwer zerstörte Nervenklinik, deren Wiederaufbau er sofort in Angriff nahm. Frühzeitig wurde die Klinik durch mehrere Spezialabteilungen für Neurophysiologie, Neurochemie und Neuropathologie ergänzt. Die Gründung einer eigenen Station für infektiöse Erkrankungen des Nervensystems, der ersten neuropsychiatrischen Intensivstation in Deutschland, sowie eines eigenen Rehabilitationszentrums waren Ausdruck wissenschaftlicher Interessen und klinischer Weitsicht.

Eine rege wissenschaftliche Tätigkeit begleitete Werner Scheid sein ganzes Leben, deren Ertrag in mehr als 140 Originalarbeiten und Buchbeiträgen niedergelegt ist. Einige Schwerpunkte sind zu erwähnen: die körperlich begründbaren Psychosen, Pathogenese und Verlauf der diphtherischen Polyneuropathie, Virusinfektionen des Nervensystems, Probleme pathologischer Liquorveränderungen. Längere Studienaufenthalte in den USA an verschiedenen Virusinstituten gaben ihm die fachlichen Grundlagen dafür.

Wichtiger noch als die wissenschaftlichen Arbeiten waren jedoch Werner Scheids außerordentliche Fähigkeiten zur Lehre mit brillanten Vorlesungen und seinem gemeinsam mit Mitarbeitern 1963 verfassten großen Lehrbuch der Neurologie, das 1983 in der 5. Auflage erschien und auch heute noch eine Bereicherung jeder neurologischen Buchsammlung ist.

Werner Scheid war Dekan der Medizinischen Fakultät (1951-1952) und Rektor der Universität zu Köln (1966-1967), Mitglied der "Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina" in Halle (Saale), Ehrendoktor der Medizinischen Fakultät der Universität München, Mitglied des Kuratoriums der Internationalen neuropsychiatrischen Symposien in Pula/Jugoslawien. Im Oktober 1977 wurde er emeritiert. Sein Ordinariat hatte er bereits 1968 geteilt, um seinem langjährigen Weggefährten Albrecht Stammler die Berufung auf einen zweiten ordentlichen Lehrstuhl zu ermöglichen. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie zeichnete ihn 1982 mit der Max-Nonne-Gedenkmünze aus.