Rollen einiger Menschen

als Beitrag zur Religionsstiftung

 

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1. Abraham,


der Erzvater und Stammvater des Volkes Israel (1.Mose 12,2 und 3), aber nach dem Bibeltext nicht ganz klar. Jedoch für die großen 3 Religionen: Judentum, Christentum, Islam ist er der "Gesegnete" und in . Mose 12,3 heißt es: "in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden". Abraham war nach Brockhaus der erste Patriarch (griechisch: "Sippenoberhaupt"). Mit seinem unabdingbaren Gehorsam Gott gegenüber - Abraham war ja sogar bereit, seinem eigenen Sohn die Kehle durchzuschneiden - war er zum religiösen Stammhalter erkoren worden (1. Mose 22).

Die Christen beziehen sich auf Römer 4: "Abraham (ist) der Vater des Glaubens".

Da Abraham der Vater Ismaels (hebräisch: Gott möge hören) ist, Sohn der ägyptischen Sklavin Hagar und Abrahams (1.Mose 16,11), sehen die Anhänger des Islam auch als ihren Stammvater an. Nun war aber die Geschichte ein weinig sonderbar: Nach 1. Mose 21, Vers 10 forderte Sarah, die Ehefrau des Abraham, ihren Ehemann auf: "Treibe diese Magd (für Seitensprünge des Abraham dienende Sklavin Hagar) aus mit ihrem Sohn (Ismael); denn der Sohn dieser Magd soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak". Abraham wollte seiner Frau wohl gehorchen, aber Gott war nicht so ganz einverstanden... Man möge es selber nachlesen.

Jedenfalls betrachten die Araber den Ismael als Ahnherr arabischer Stämme (der Ismaeliten).

Der Koran jedenfalls bezeichnet Abraham als den ersten Muslim, der zusammen mit seinem Sohn Ismael die Kaaba gegründet haben soll: 2. Sure, 125:

Als der Herr den Abraham durch mancherlei Gebote auf die Probe gestellt hatte und dieser sich als treuer Diener bewährte, da sprach der Herr: "Ich setze dich als Hohenpriester für die Menschen ein." Abraham fragte: "Und meine Nachkommen?" Gott antwortete: "Die sündigen Frevler umfaßt mein Bündnis nicht."

Vers 126: Und als ich für die Menschen ein Versammlungshaus (gemeint ist die Kaaba* zu Mekka) errichtete - auch als Zufluchtsstätte - und sagte: "Haltet die Stätte Abrahams als Bethaus", da schlossen wir einen Bund mit Abraham und Ismael, daß sie dieses Haus rein (vom Götzendienst) halten, für sowohl, welche erst dasselbe (siebenmal) umschreiten, wie für jene, die dann darin weilen und sich im Gebet niederwerfen.

* In der Kaba (arabisch: Würfel) soll ein "schwarzer Stein" (Hadjar al-Aswad), wahrscheinlich ein Meteorit, eingelassen sein.

2. Jesus Christus wird sehr ausführlich >hier< beschrieben.

3. Mohammed
 

Muhammad [arabisch: der Gepriesene], Stifter des Islam mit dem islamischen Ehrentitel »der Gesandte Gottes (Allahs)«, in Mekka um 570 geboren und in Medina am 8. 6. 632 gestorben; gehörte zur Sippe Haschim des mekkanischen Stammes Koraisch. Sein Vater Abdallah starb vor seiner Geburt, die Mutter Amina verlor er als Kind. Er wuchs bei seinem Großvater Abd al-Muttalib und nach dessen Tod bei seinem Onkel Abu Talib ( um 619; Vater des Ali Ibn Abi Talib) auf. Mohammed beteiligte sich wahrscheinlich an Handelszügen der Koraisch in den Norden, vielleicht bis nach Syrien. Um 595 heiratete er die ältere, wohlhabende Witwe Chadidja. Von ihren gemeinsamen Kindern überlebten vier Töchter, darunter Fatima. Um 610 glaubte Mohammed sich durch Gesichte und Stimmen zum »Gesandten Gottes« berufen. Die wahrscheinlich älteste Äußerung dazu bildet nach traditioneller Auffassung der Anfang der Sure 96 des Korans. Nach Zweifeln und einer Zeit der Zurückhaltung, mithilfe der Unterstützung durch seine Frau und Verwandte begann Mohammed um 613 mit dem öffentlichen Auftreten als Prophet in Mekka. Seine Reden verstand er als göttliche Offenbarungen. In ihnen verkündete er die Botschaft von einem gütigen Schöpfergott und dessen Gericht am Jüngsten Tag, wahrscheinlich mit starken Endzeiterwartungen, die zur religiös-moralischen Umkehr der Angesprochenen führen sollten. Dabei wurden in besonderer Weise Themen aus dem biblischen Erbe von Juden und Christen reflektiert. Rituelle Reinigung und Gebete prägten die Rituale. Die frühe Anhängerschaft umfasste jüngere und gleichaltrige Angehörige verschiedener mekkanischer Sippen, die keine führende Rolle in Mekka spielten, sowie sozial Abhängige. Das Wachsen der Gemeinde um Mohammed und die Kritik am Gebaren der herrschenden Kräfte in Mekka führten zu Bedrängungen seiner Anhänger und zur erzwungenen Auswanderung vieler von ihnen um 615 nach Äthiopien. Mohammed überstand zwar einen Boykott seiner Sippe, verlor aber zunehmend an Unterstützung, v. a. durch den Tod seines Onkels Abu Talib und seiner Frau Chadidja 619.

622 wanderte er mit Anhängern nach Jathrib (Medina) aus (Hidjra), wo die »Auswanderer« (arabisch Muhadjirun) des Stammes Koraisch Schutz von den dortigen arabischen Stämmen Aus und Chasradj (den »Helfern« [arabisch Ansar]) erhielten, ohne dass sie anfangs die erhoffte Anerkennung bei den dortigen Bewohnern fanden. Insbesondere die Ablehnung durch die starken jüdischen Stämme zerstörte anfängliche Hoffnungen Mohammeds und führte zur Abgrenzung vom Judentum, u. a. durch den Wechsel der Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka und die Einführung des Fasten im ganzen Monat Ramadan, und zur bewussten Orientierung nach Mekka als rituellem und geistlichem Zentrum, wobei v. a. die Persönlichkeit des biblischen Abraham (arabisch Ibrahim) als des ersten Monotheisten, Wiedererbauers der Kaaba und Begründers der Wallfahrtsnormen wichtig wurde. Hauptgegner Mohammeds blieben die Mekkaner mit ihren Verbündeten. Die Auseinandersetzungen mit ihnen fanden mit kriegerischen wie diplomatischen Mitteln statt und wurden religiös motiviert, z. B. mit dem Konzept des Djihad. Auf den Sieg der Muslime bei Badr 624, folgten ihre Niederlage und der Tod von Mohammeds Onkel Hamsa am Berg Ohod (625), dann aber der unverhoffte Erfolg der Muslime im so genannten Grabenkampf 627 vor Medina. Diese Taten und die Verdrängung und Beseitigung der jüdischen Stämme stärkten die Gemeinschaft der Muslime, die seit dem Stillhalteabkommen mit den Mekkanern in Hudaibija 628 zunehmend expandierte. Im selben Jahr wurde die reiche Oase Chaibar eingenommen. Ihre jüdischen Bewohner behielten gegen Abgaben ihr Leben, ihr Gut und ihre Religion. Diese Grundregeln im Umgang mit Unterworfenen wurden auch bei weiteren Eroberungen befolgt. 630 zog Mohammed mit den Seinen in Mekka ein und richtete es als ein Kultort ein, der nunmehr allein den Muslimen vorbehalten war. Die Koraisch wurden Muslime, spielten eine wachsende Rolle und drängten die medinensischen »Helfer« zurück. Die westarabischen Stämme wurden unterworfen bzw. erkannten Mohammed als ihr Oberhaupt an. Die neue Macht richtete sich v. a. nach Norden gegen byzantinisches Gebiet, in das die Muslime bereits 629 ohne Erfolg eingefallen waren. Damit war die hauptsächliche künftige Expansionsrichtung vorgegeben. Seit 622 leitete Mohammed ein wachsendes Gemeinwesen und verband diese praktischen politischen Aufgaben mit seinem Prophetentum. Im Allgemeinen stützte er sich auf arabisches Gewohnheitsrecht; Normen des Zusammenlebens in der Familie oder des Erbrechts wurden jedoch modifiziert. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen in Medina wurden durch Abmachungen geregelt, die in den Dokumenten der so genannten Gemeindeordnung enthalten sind. Staatliche Strukturen und Ämter wurden zu Lebzeiten von Mohammed nicht geschaffen. Die gesamte Macht war bei ihm konzentriert, doch suchte er den Rat seiner Umgebung und beauftragte für konkrete Aufgaben befähigte Vertraute. Gleichzeitig stand Mohammed einem großen Haushalt mit mehreren einander gleichberechtigten Frauen und Abhängigen vor. Unter den Ehefrauen genossen die Töchter seiner Freunde Abu Bakr und Omar, Aischa als Jüngste bzw. Hafsa, sowie seine Cousine Sainab bint Djahsch besonderes Ansehen. Im März 632 unternahm Mohammed den Hadjdj nach Mekka und Umgebung und soll dessen Rituale genau festgelegt haben. Im Juni starb er überraschend. Das Eingreifen seiner nächsten Vertrauten Omar und Abu Bakr sicherte die Geschlossenheit seiner Anhängerschaft, auch gegenüber dem Auftreten weiterer Propheten wie Musailima unter den Arabern.

Das Grab von Mohammed in der Großen Moschee von Medina ist nach Mekka die wichtigste Wallfahrtsstätte der Muslime.

Wirkungsgeschichte:

Mohammeds Leben, sein Reden, Handeln und stillschweigendes Zustimmen, wurden zur Norm (Sunna) für die Muslime. Für unterschiedliche politische Strömungen wurde Mohammed zum Nationalhelden, islamischen Sozialisten, Staatsgründer oder bedeutenden Feldherrn. Im 20. Jahrhundert wurde sein Lebenswerk als sozial-religiöse Utopie dargestellt. In den bereits kurz nach seinem Tod aufkommenden Legenden erscheint Mohammed auch als Wundertäter, obwohl er sich selbst nur als Diener Gottes gesehen hat. Die Reinigung seines Herzens durch Engel als Initiation zum Prophetentum oder die Himmelsreise von Mekka über Jerusalem (Himmelsreise Mohammeds) gehören als feste Bestandteile zu seiner Lebensbeschreibung im Islam. Die Darstellung von Mohammed folgt der traditionellen islamischen Erzählung vom Leben Mohammeds, die mangels anderer Zeugnisse die Grundlage historischer Studien bildet, aber frühzeitig historische Fakten mit Legenden verbindet.

Literarische Behandlung:

In der europäischen Literatur früherer Epochen erscheint Mohammed als Betrüger (»Roman de Mahomet«, um 1258) und Antichrist, so z. B. bei Dante Alighieri. Auch in Voltaires Drama »Le fanatisme, ou Mahomet le prophète« (1742) trägt Mohammed negative Züge. Erst Goethes Gedicht »Mahomets Gesang« zeichnet ihn als großen Religionsstifter, wie er später auch in dem gleichnamigen Roman von Klabund (1917) oder dem historischen Roman von J. Tralow (1967) zu finden ist. Der Roman »The Satanic Verses« von S. Rushdie (1988), der wegen seiner Verletzung religiöser Tabus weltweite Kontroversen hervorgerufen hat, greift das Betrugsmotiv wieder auf. Das Leben von Mohammed wurde 1976 in »Mohammed - Der Gesandte Gottes« verfilmt (Drehbuch Harry A. L. Craig [* 1925, 1978], Regie Mousthapha Akkad [* 1935], in der englischen Fassung mit A. Quinn und Irene Papas [* 1926].
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

4. Buddha

Zuerst der Lebenslauf, den das Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG (© 2003) in "Meyers Grosses Taschenlexikon in 26 Bänden wie folgt beschreibt: Buddha [Sanskrit »der Erwachte«, »der Erleuchtete«], Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddharta Gautama (Pali: Siddhatta Gotama), *Lumbini (bei Paderia, Nepal, nahe der Grenze zu Indien) um 560 vor Christus (vor der Zeitrechnung), bei Kushinagara (heute Kasia, bei Gorakhpur) um 480 (Lebenszeit nach neueren Forschungen 100 Jahre später); aus der Adelsfamilie der Shakya, daher auch »Shakyamuni« (»Einsiedler der Shakya«) genannt. Der buddhistischen Überlieferung nach war Buddha der Sohn eines Fürsten im Vorland des nepalesischen Himalaja, wuchs in Luxus auf, erkannte nachdenkend über Alter, Krankheit und Tod des Menschen im Alter von 29 Jahren die Sinnleere seines bisherigen Lebens und verließ seine Heimat, um in der Fremde Erleuchtung und Erlösung zu erlangen. Nachdem er sieben Jahre vergeblich Erleuchtung durch Askese gesucht hatte, fand er sie schließlich durch Meditation bei Bodh Gaya (Gaya) unter einem Feigenbaum (Bodhibaum), nachdem er den Versuchungen des Gottes Koma-Mara (»Verlangen und Tod«) widerstanden hatte. Zunächst entschlossen, seine Erleuchtungserfahrung für sich zu behalten, da sie alle Worte übertraf, trat Gott Brahma an ihn heran und überzeugte ihn von seinem Auftrag zu lehren. Buddha ging nach Benares (heute Varanasi), wo er fünf Asketen die »vier edlen Wahrheiten« (Buddhismus) verkündete. Mit ihnen zusammen gründete er einen Orden (Samgha) von Bettelmönchen. Buddha durchzog in der Folge lehrend und werbend Nordindien. Er starb nahe der Grenze zu Nepal.
Seine Predigten wurden von seinen Jüngern erst mündlich, seit dem 1.Jahrhundert v.Chr. auch schriftlich (in der heiligen Sprache Pali; Tipitaka) überliefert. Entsprechend der indischen Auffassung, dass es kein einmaliges historisches Geschehen gibt, sondern dass sich ewig alles zyklisch wiederholt, glauben die Buddhisten, dass auch vor Gautama Buddha Welterleuchter erschienen sind und in Zukunft neue erscheinen werden.
(Brockhaus Ende)

 

Die Gestalt des »Buddha«, des Erleuchteten, geht zurück auf eine historische Persönlichkeit, die im 5./4. Jahrhundert vor Christus (vor der Zeitrechnung) in Indien eine Lehre begründete, die in der nachchristlichen Zeit auch in Südost-, Ost- und Zentralasien große Verbreitung fand. Das Leben Buddhas ist legendenhaft ausgeschmückt und schon in den ersten vorchristlichen Jahrhunderten in der Kunst vielfach und variantenreich dargestellt worden. Doch wird er in dieser frühen Zeit, in der man ihn weniger als religiösen Lehrer, sondern eher als transzendenten und universellen Auserwählten betrachtete, nur in Gestalt von Symbolen verehrt. So glaubt man ihn bei seiner Geburt im Lumbini-Hain noch unsichtbar. Sein erstes Bad wird durch einen Wasserkrug symbolisiert, die Erleuchtung durch einen leeren Sitz unter dem Bodhibaum, sein Parinirvana (= sein Austritt aus der Welt in den Zustand der Erleuchtung) durch einen Stupa. Etwa am Anfang der christlichen Zeitrechnung veränderten sich im Zuge der stetigen Ausbreitung der buddhistischen Lehre die philosophischen Ideen. In der Gemeinde verstärkte sich das Bedürfnis nach einer Darstellung ihres geistigen Führer in menschlicher Gestalt, um sich ihm in persönlicher Liebe (Bhakti) zuwenden und ihm Verehrung erweisen zu können. Archäologische Funde zeigen, dass menschengestaltige Buddha-Bilder in den großen buddhistischen Zentren des nördlichen Indien - in Mathura und Gandhara - fast gleichzeitig entstanden. Nach dem Vorbild der lokalen Baum- und Schlangengötter, den Yakshas und Nagas, schufen die Bildhauer Skulpturen, die sich stilistisch eng an diese monumentalen, kraftstrotzenden Darstellungen anlehnen. Der Buddha ist ungeschmückt wie ein Mönch und gekleidet in ein oft die rechte Schulter freilassendes, einfaches, dem Körper in Falten anliegendes Gewand. Die Bildnisse zeigen den selbstbewussten Weltherrscher, der seinen rechten Arm in der Geste der Furchtlosigkeit (Abhayamudra) erhoben hat. Er weist die in den Texten festgehaltenen Merkmale eines »Großen Mannes« (Mahapurusha) auf, so die glatten, zu einer Asketenfrisur auf dem Oberkopf zusammengedrehten Haare (Ushnisha) oder die Weisheitsflocke auf der Stirn (Urna), die als kleiner Kreis zwischen den Augenbrauen erscheint.


Im Gandhara-Gebiet, dem heutigen Nordwestpakistan und Ostafghanistan, entstand ein Buddha-Bild, das sich stilistisch von dem in Mathura maßgeblich unterscheidet. Der etwas steif und gedrungen wirkende, frühe Buddha-Typ ist in ein faltenreiches Mönchsgewand gekleidet, das an griechische und römische Vorbilder erinnert. Auch er trägt die Asketenfrisur, doch ist sein Haar in weichen Wellen hochgebunden, auf seiner Oberlippe erscheint oft ein Bart. Die Weisheitsflocke zwischen den Augenbrauen ist als tiefe Einhöhlung gestaltet und häufig mit einem Halbedelstein ausgefüllt. Die lebendigsten Buddha-Darstellungen mit gleichzeitig höchst harmonischen Proportionen finden sich jedoch weiter im Süden des Landes, in Amaravati und Nagarjunakonda (2.-4. Jahrhundert n. Chr.). Die schlanken, biegsamen Figuren scheinen von Leben erfüllt, die archaische Gedrungenheit weicht tänzerischer Anmut. Die hier bevorzugte klassische Schönheit hat nichts mehr mit den Idealen Mathuras oder Gandharas gemein. Wann auf Sri Lanka die ersten Buddha-Bilder entstanden sind und ob es hier eine eigenständige Entwicklung gegeben haben mag, ist bis heute ungeklärt. Doch kann keine der bisher aufgefundenen Darstellungen früher als in das 2. oder 3. nachchristliche Jahrhundert datiert werden.


Unter den Herrschern der Gupta-Dynastie (etwa 320-600 n. Chr.) erlebte die buddhistische Plastik in formaler und in ikonografischer Hinsicht ihren Höhepunkt. Mit den Guptas regierte nach langen Jahrhunderten der Fremdherrschaft wieder ein einheimisches Volk im Norden Indiens. Der andauernde Frieden und die damit verbundenen Möglichkeiten einer stärkeren Besinnung auf die eigenen Traditionen mögen der Grund dafür gewesen sein, dass sich Literatur, Musik und Kunst zu voller Blüte entfalteten. Die Ausbildung der buddhistischen Philosophie spiegelte sich auch in der Kunst wider. Im sich entwickelnden Mahayana-Buddhismus wurde ein erweitertes Pantheon geschaffen, in dem den zahlreichen Buddhas und Bodhisattvas mit ihren Erscheinungen wachsende Bedeutung zukam. Mit dem Aufkommen der Bodhisattvas, der erleuchteten Wesen, die den Menschen halfen, den Existenzenkreislauf für immer zu überwinden, trat der Buddha Shakyamuni als lebendige Persönlichkeit in den Hintergrund. Seine Vergeistigung drückt sich auch in der Bildkunst der Gupta-Zeit aus, in der er nicht mehr als kraftvoller Weltherrscher in Erscheinung tritt, sondern in meditativer Versenkung dargestellt ist. In Mathura, Bodh Gaya oder Sarnath präsentieren sich die sitzenden oder stehenden Gestalten in Meditationshaltung versunken. Das schmucklose Gewand liegt faltenlos am perfekt proportionierten Körper und ist nur an den Säumen markiert. Die Gesichter, umgeben von dem oft reich ornamentierten Heiligenschein, strahlen in innere Gelassenheit aus.


Das Zentrum der buddhistischen Kunst verlagerte sich im frühen Mittelalter (8.-12. Jahrhundert n. Chr.) ins östliche Indien, dessen geistiger Mittelpunkt die Klosteruniversität Nalanda wurde. Hier erreichte die buddhistische Kunstentwicklung unter den Pala- und Sena-Dynastien noch einmal eine Zeit höchster Formentwicklung, bevor sie an die Ränder des Himalaya, nach Kaschmir und Nepal, verdrängt wurde. Denn nach dem Westen und Süden Indiens wurde nun auch der Osten hinduisiert, während gleichzeitig andere große Teile des Landes von den islamischen Eroberern unterworfen wurden. Neben den etwas gleichförmigen, wenn auch kraftvollen Figuren aus grauschwarzem, poliertem Schiefer schufen die Bildhauer in dieser späten Blütezeit ausgewogen proportionierte Stelen, die die verschiedenen Stationen des Buddha-Lebens darstellten. Weniger gleichförmig und daher viel lebendiger ist die Bronzeplastik dieser Zeit, deren vitale und doch schlanke, biegsame Figuren auch die spätere Kunstentwicklung Nepals beeinflussten. In Indien selbst aber ist der Buddhismus zu dieser Zeit schon dem Untergang geweiht.
Prof. Dr. Marianne Yaldiz
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

4. Der Hinduismus kennt keinen Stifter. Er entstand aus der Verschmelzung der vedischen (veda=Wissen) Religion von arischen (indogermanischen) Einwanderern mit den nicht arischen Religionen des Tals des Flusses Indus, woher wahrscheinlich der Name "Hindu" kommt. Die Inder selbst bezeichnen ihre, nach ihrer Auffassung seit jeher bestehende Religion "sanatana dharma" (Sanskrit, "ewige Religion"). Sie soll immer wieder von Heiligen, Sehern (Rishis) erneuert und bereichert werden.

Den Inhalt der Religion bildet das Karma (Sanskrit: Tat), ein zentraler Begriff nicht nur des Hinduismus, sondern auch des Buddhismus und Dschainismus. In dieser indischen Religion gibt es einen Stifter (Verkünder), den Wardhamana (oder Mahadvira = großer Held, um 477 vor unserer Zeitrechnung gestorben).

Das Karma ist ein universelles Gesetz, nach dem jedes Dasein die Folge eines früheren Daseins ist; wobei der Mensch durch die Art und Weise seiner Handlungen bestimmt, in welcher Daseinsform (z.B. Pflanze, Tier) oder Kaste er wiedergeboren wird. Das ist ein Kreislauf bis zur Erlösung. Jedes Wesen (das betrifft auch Götter) durchwandert, je nach seinen guten beziehungsweise bösen Taten als Gott, Mensch, Tier oder durch die Hölle diesen Kreislauf.

Im Bild der Gott Shiva mit Parvati auf seinem Reittier

Nandi. Skulptur an einem Gopura des Tempels in

Madura (17. Jahrh,). (Gopuram: Tor-Turm als Zugang

zum Tempelareal)

 

Der Hinduismus kennt (natürlich auch aus seiner ">Projektion<"eine Vielzahl von Gottheiten, wobei es sogar eine Rangordnung gibt.

Sogar durchläuft das gesamte Weltgeschehen sich wiederholenden Weltperioden: Krita (goldenes Zeitalter), Treta, Dvapara und schließlich das Kali-Yuga, die Zeit des Verfalls. Am Ende dieses letzten Zeitalters wird die Welt durch einen großen Brand zerstört, und nach einer Periode der Ruhe beginnt der geschilderte Weltprozess dann doch wieder von neuem.


Es muß kurz auf die Kastenordnung eingegangen werden, deren Zugehörigkeit von der sozialen Stellung abhängt, vom allerniedrigsten Dreckarbeiten bis zum gottähnlichen Wesen. Es gibt inzwischen einige tausend Kasten. Die niedrigsten sind sogar unberührbar.

 

Es reicht zur Beschreibung solcher Religionen, zu deren Philosophie man auch  nur den Kopf schütteln kann.