Neil Postmann

 

Der amerikanische Erziehungs- und Medienwissenschaftler lebte in New York von 1931 bis 2003. Er war in dieser Stadt Professor für "Media Ecology"- der Wissenschaft zur Untersuchung der Wechselwirkung zwischen belebter und unbelebter Natur, im Falle von Postman speziell vom Einfluß der Nachrichten, Meinungen, Unterhaltung durch die Massenmedien (Druckerzeugnisse, Radio, Fernsehen, Kino) auf uns. Bekannt wurde er durch die Bücher "Die Verweigerung der Hörigkeit" (1980, 190 Seiten, Fischer Verlag), "Das Verschwinden der Kindheit" (1983 bei S. Fischer) und "Wir amüsieren uns zu Tode" (1985auch bei Fischer).

 

>Hier< zum Buch von Postman "Die Verweigerung der Hörigkeit"

mit einer Leseprobe aus "Das Verschwinden der Kindheit" (u.a.)

 



Nachstehend eine Kopie aus "Der Brockhaus - multimedial", der sehr guten Computer Software zum Titel "Wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman (Fischer-Verlag):


Originaltitel Amusing Ourselves to Death, Originalausgabe 1985 (184 S.), Deutschsprachige Erstausgabe 1985, Form Sachbuch, Bereich Medientheorie

Neil Postman untersucht in diesem Werk die, so der Untertitel, Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Die einstige große Popularität des Buchs zeigt sich u. a. in der medialen Omnipräsenz des inzwischen sprichwörtlich gewordenen Titels.

Inhalt: Postman diagnostiziert einen tief greifenden Wandel der US-amerikanischen Kultur von einer inhalts- zu einer unterhaltungsorientierten Gesellschaft. Die Fernsehgesellschaft zeitige einen radikalen Verfall der Schriftkultur und mithin der rationalen Urteilskraft. Durch die Ablösung des wortbestimmten »Zeitalters der Erörterung« durch das bildbestimmte »Zeitalter des Showbusiness« werde Erkenntnisstreben durch bloße Zerstreuung ersetzt, und zwar in jedem denkbaren Lebensbereich. Die formalen Unterschiede zwischen Schrift- und Bildmedium bestimmten auch die vermittelten Inhalte: Die Darstellung von Erfahrungen in allen gesellschaftlichen Bereichen werde statt durch die Ratio nun durch die Emotio bestimmt.

Nach Postman nehmen wir die Welt nicht so wahr, wie sie ist, sondern nur in der Vermittlung über die Medien, welche den Inhalt unserer Kultur erst erschaffen. Schnelligkeit und Kurzlebigkeit der Fernsehbilder verhindern die Reflexion der vermittelten Inhalte, weshalb die Präsentation selbst entscheidendes Kriterium der Urteilsbildung wird. Alle gesellschaftlich relevanten Bereiche, selbst Religion und Politik, haben sich dem visuellen Diktat des Fernsehmediums unterzuordnen und lernen es sich zu Nutze zu machen, worin Postman eine Gefahr für die Demokratie sieht.

Auswege aus der stetig fortschreitenden Ersetzung von Urteilskraft durch Amüsement vermag Postman nicht aufzuzeigen. Es bleibt lediglich bei dem Appell, sich kritisch mit dem Medium Fernsehen auseinander zu setzen.

Aufbau: Die elf Kapitel des etwa 200-seitigen Werks sind in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil entwickelt Postman seine Theorie der medialen Metaphorik des Fernsehens und stellt den geschichtlichen Übergang vom Buchdruck- ins Fernseh-Zeitalter dar. Der zweite Teil widmet sich den elementaren gesellschaftlichen Teilbereichen der Information, Religion und Politik. Die Gegenüberstellung der Romane 1984 (1949) von George Orwell und Schöne neue Welt (1932) von Aldous Huxley durchzieht als Leitmotiv das Buch. Während Orwells düstere Utopie die Unterdrückung und totale Kontrolle durch eine äußere Macht schildert, beschreibt Huxley die Möglichkeit, dass die Menschen gerade jene Technologien anbeten könnten, die ihre Denkfähigkeit zerstören. In der Annahme, dass Huxley und nicht Orwell recht hatte, sieht Postman die Kultur nicht zu einem Gefängnis verkommen, sondern zu einem Varieté.

Wirkung: Nicht zuletzt wegen seiner guten Lesbarkeit erreichte das populärwissenschaftliche Werk auch viele nichtakademische Leser. Gleichwohl kaschiert der unterhaltsame Stil zahlreiche Ungenauigkeiten, die in der akademischen Debatte moniert wurden. Angegriffen wurde auch der allzu simple Antagonismus zwischen mehrdeutigem, »schlechtem« Bild und rationaler, »guter« Schrift.

(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007