Des deutschen Bundespräsidenten private Amtausnutzung

(ist kein Strafbestand und nichts ehrenrühriges und keineswegs verwerfliches)


>Hier< Meinungen der Bevölkerungsmehrheit

>Hier< eine Ergänzung (auf neuer Seite)


SPIEGEL Online, Mitte Dezember 2011

"Der Bundespräsident versucht es jetzt mit Transparenz. Über seine Anwälte ließ Christian Wulff eine Liste mit Urlaubsreisen veröffentlichen, die er in den Häusern wohlhabender Freunde verbrachte. Darauf taucht unter anderem der Aufsichtsratschef der Talanx-Versicherungsgruppe auf.

Christian Wulff veröffentlicht private Urlaubsliste

Bundespräsident Wulff hat eine Liste seiner Urlaubsreisen vorlegen lassen. Die Aufenthalte stünden jedoch in keinem Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern, beteuert er."

Vorteilsnahme im Amt?

 (§ 331Vorteilsannahme, § 332 Bestechlichkeit, § 333 Vorteilsgewährung, Begünstigung im Amt StGB § 346 trifft alles nicht zu nach Staatsanwaltschaft in Hannover)

z. B. § 331
Vorteilsannahme
(1) Ein Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter, der für die Dienstausübung einen Vorteil für sich oder einen Dritten fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ein Richter oder Schiedsrichter, der einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, daß er eine richterliche Handlung vorgenommen hat oder künftig vornehme, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar.

(3) Die Tat ist nicht nach Absatz 1 strafbar, wenn der Täter einen nicht von ihm geforderten Vorteil sich versprechen läßt oder annimmt und die zuständige Behörde im Rahmen ihrer Befugnisse entweder die Annahme vorher genehmigt hat oder der Täter unverzüglich bei ihr Anzeige erstattet und sie die Annahme genehmigt.

Eine Verjährung erfolgt nach 5 Jahren (also bei Freiheitsstrafen, die im Höchstmaß zwischen 1 Jahr und 5 Jahren liegen). Die Verjährung beginnt nach § 78a Satz 1 StGB, sobald die Tat beendet ist. Das ist bei der Bestechlichkeit regelmäßig dann der Fall, wenn der Amtsträger die Amtshandlung vollzogen und den Vorteil angenommen hat (BGHSt 11, 345, 347; BGH NStZ 1993, 538, 539).

2. Juli 2010 ist unser Bundespräsident Wulff nach drei Wahlgängen – und zwei Anläufen beim Amtseid - ins höchste Staatsamt geholpert ... (nach ....zeit.de/politik/deutschland...)


Anmerkung: Nach Artikel 57 des Grundgesetzes ist der Präsident des Bundesrates die Vertretung bei Verhinderung oder vorzeitigem Ausscheiden aus dem Amt. Die Ministerpräsidenten der Länder wechseln sich im Amt des Bundesratspräsidenten ab. Jeweils für ein Jahr stellt ein Land den Präsidenten. Derzeit - 2011 - ist Hannelore Kraft Ratspräsidentin (im Augenblick Ministerpräsidentin von NRW, im Juni 1961 geboren in Mülheim, verheiratet, ein Kind, Abitur. 1980 - 1982. Ausbildung zur Bankkauffrau, 1986 - 1987 Auslandsstudium am King's College, London; Praktikum bei der Banque Populaire Tours, Frankreich; Praktikum bei der PROGNOS AG, Basel, Schweiz, 1989 Diplom-Ökonomin, bis 2001 Unternehmensberaterin und Projektleiterin, seit dem 2. Juni 2000 Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen, von April 2001 - November 2002 Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen, November 2002 bis 1. Juni 2005 Ministerin für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Juni 2005 bis Juli 2010 Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen, seit 20. Januar 2007 Landesvorsitzende der NRWSPD


Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina Wulff bei einem

Gottesdienst in der Gedächtniskirche in Berlin

Bundespräsident Christian Wulff hat eine Liste mit privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, während derer er Gast von Freunden war. Die Liste, die Wulffs Anwälte verbreiteten, umfasst sechs Urlaubsaufenthalte zwischen 2003 und 2010, als Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachsen war. Hinzu kommt ein bereits bekannter Aufenthalt in der Mallorca-Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer, wo sich Wulff kurz nach seinem Amtsantritt im Sommer 2010 einmietete.

Insgesamt drei Mal verbrachten Wulff und seine Familie demnach einen Privaturlaub in Häusern des Osnabrücker Ehepaars Edith und Egon Geerkens, von denen auch sein umstrittener Privatkredit für den Hauskauf aus dem Jahr 2008 stammte. In den Jahren 2003 und 2004 sei Wulff Gast "in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien" gewesen, teilte die Kanzlei mit. Zum Jahreswechsel 2009/2010 seien die Wulffs Gast im Haus der Geerkens in den USA gewesen.

Dieser Urlaub hatte Wulff damals Ärger eingebracht, weil er sich mit seiner Gattin Bettina von der Fluggesellschaft Air Berlin kostenlos von der Economy- in die Business-Class hatte hochstufen lassen.

Im Jahr 2008 seien die Wulffs als Gäste des Finanzunternehmers Wolf-Dieter Baumgartl und dessen Frau Ingrid in Italien gewesen, hieß es weiter. In den Jahren 2008 und 2009 hätte die Familie auf der Insel Norderney Zeit in den privaten Räumlichkeiten des Ehepaars Angela Solaro und Volker Meyer verbracht.

Die Urlaube, die Wulff der Erklärung zufolge "überwiegend gemeinsam mit den jeweiligen langjährigen Freunden" verbrachte, hätten keinen Bezug zu seinen öffentlichen Ämtern, hieß es. "Dieses Verhalten steht uneingeschränkt in Einklang mit den Regelungen des niedersächsischen Ministergesetzes."

Keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten während seiner Amtszeit

Während seiner Amtszeit als Bundespräsident habe Wulff "keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten von Freunden verbracht“, teilte die Kanzlei weiter mit.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte Wulff zuvor volle Rückendeckung zugesichert. "Ich habe volles Vertrauen in seine Aussagen", sagte Gröhe der Welt. Die Kritik der Opposition an Wulff wertete Gröhe als "Parteipolitik zu Lasten des höchsten Staatsamts". FDP-Chef Philipp Rösler sagte im ZDF, seiner Ansicht nach habe Wulff "alle Fragen beantwortet".

Die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag hatte angekündigt, alle Urlaubsreisen Wulffs zu seiner Zeit als Ministerpräsident zu überprüfen. In einer kleinen Anfrage hatte Fraktionschef Stefan Schostok auf eine Auflistung aller Urlaube zwischen 2003 und 2010 gedrängt.

Wulff steht seit Tagen wegen eines Privatkredits zum Kauf eines Eigenheims in Höhe von 500.000 Euro in der Kritik, den er 2008 als Ministerpräsident von Niedersachsen bekommen hatte. Er hatte bislang stets gesagt, Kreditgeberin sei die Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens gewesen. Gegenüber dem Spiegel räumte Geerkens nun aber ein, er selbst sei an den Kreditverhandlungen maßgeblich beteiligt gewesen.

Nur eine Stunde vor der Ansprache war bekannt geworden, dass Wulff seinen langjährigen Sprecher und Berater Olaf Glaeseker entlassen hat. Die Gründe dafür nannte er in seiner Ansprache nicht. Nach Medienberichten soll Glaeseker zuvor um seine Entlassung gebeten haben.

Mit Glaeseker ist Wulff schon seit langem verbunden. Schon zu Oppositionszeiten im niedersächsichen Landtag hat Glaeseker Wulff als Berater unterstützt. Er gilt als Macher der Marke Wulff. Das Ausmaß dieser Krise zeigt sich auch darin, dass der Bundespräsident den wichtigsten Mann in seinem Team entlässt.

Bei der Opposition sorgt die Aufklärungspraxis von Wulff weiterhin für Kritik. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte, Wulff müsse alle offenen Fragen persönlich beantworten. „Dass nicht er, sondern seine Anwälte kommunizieren, halte ich für unglücklich“, sagte Gabriel der „Passauer Neuen Presse“. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Erwin Lotter bekräftigte am Donnerstag seine Forderung nach einem Rücktritt Wulffs und betonte: „Ich bin zumindest positiv überrascht, dass er wenigstens die Weihnachtsansprache nicht auch noch von Anwälten hat verlesen lassen.“

Die Staatsanwaltschaft teilte in Hannover derweil mit, sie werde keine Ermittlungen gegen Wulff wegen des Kredits aufnehmen. „Anhaltspunkte für das Erkaufen eines dienstlichen Wohlwollens“ seien nicht erkennbar, sagte ein Sprecher. „Die Staatsanwaltschaft ist deshalb an der Aufnahme von Ermittlungen gehindert.“ Anhaltspunkte für das Vorliegen einer verfolgbaren Straftat, die über bloße Vermutungen hinausgingen, seien weder den Anzeigen noch den Presseberichten zu entnehmen.

Bei der Behörde waren mehrere Anzeigen im Zusammenhang mit Wulffs Kredit und den Urlaubsreisen eingegangen. Einem Vorabbericht des „Tagesspiegels“ hat Wulff zwischen 2003 und 2010 insgesamt 89 Tage Urlaub bei befreundeten Unternehmern verbracht, etwa in Spanien, Italien, den USA und auf der Insel Norderney. Dabei handelte es sich laut Anwälten um Urlaub „mit Freunden unter gemeinsamem Dach“.

Meinungen (z.B. in Tageszeitung Kölner Stadt-Anzeiger 13.1.2012) der Mehrheit der Mitmenschen:

Schlammschlacht
Endlich besinnt sich jemand in der Presselandschaft auf die gebotene Sachlichkeit und Demut. Würden diese von Joachim Frank treffend formulierten Einschätzungen den Journalismus erleuchten, könnte manche Schlammschlacht vermieden werden. Es geht in den meisten Fällen um Menschen, die vorzugsweise, wenn sie in einer höheren öffentlichen Funktion sind, demontiert werden. Der Journalismus in Deutschland entfernt sich immer mehr von der ursprünglichen freien Presse und ist stattdessen gefangen in Strömungen und tendenziöser Meinungsmache. Der Artikel „In der Dampfsauna"* gibt Hoffnung für nächste Fälle. Erst denken, dann Tatsachen melden, ohne in Sensationsgier zu verfallen. Das Vertrauen in die Seriosität der Presse hat in den letzten Wochen sicher mindestens so gelitten wie der von der Presse herbeigeschriebene beziehungsweise - gesendete angebliche Werteverlust bei Politikern. (Klaus Schwarz, Pulheim)

Lächerliche Vorwürfe
Ich teile auch die jetzt vom „Kölner Stadt-Anzeiger" geäußerte Ansicht in der „Affäre Wulff" voll und ganz. Hier findet ein Machtspiel auf dem Rücken des Bundespräsidenten-Amts statt. Dies gilt es zu enttarnen und nicht, einem Menschen mit so lächerlichen Vorwürfen, die teilweise von Neidgefühlen getragen sind, so zuzusetzen. Fragt sich, wie nun Politiker wie Gabriel (Sigmar Gabriel, SPD-Parteivorsitzender) oder Frau Roth jetzt dastehen? (Claudia Roth. in der Partei "Die Grünen", aus der katholischen Kirche ausgetreten) Auch deren Vorwürfe stellen sich als reines Wahlkampfgetöse dar. Es wäre ja zu schön gewesen, wenn man mit einem erzwungenen Rücktritt des Bundespräsidenten einer Bundeskanzlerin mit Langzeitwirkung bis zur Bundestagswahl hätte politisch zusetzen können. Ich bin gespannt, wann auch andere seriöse Medien so viel Selbstkritik aufbringen und diese ganze Kampagne das nennen, was sie ist: ein Machtspiel der Zeitungen mit den großen Buchstaben. Bleibt die Frage, wann sich Frau Schausten vom ZDF aus ihrer Position zurückzieht. (Die ZDF-Journalistin Bettina Schausten hatte gesagt, sie zahle ihren Freunden für Übernachtungen 150 Euro.) Wer sich so „verplappert", hat auf solch einer Position nichts zu suchen. (Hans Joachim Wilke, Köln)

Mächtige Medien
Endlich fasst einmal ein Vertreter der Medien den Mut, einen solchen Artikel zu verfassen. Gratulation und danke. Dennoch dürfte es noch lange Zeit bei der bekannten Machtstruktur bleiben, weil die Medien dem Schlachtruf folgen: „ Bad news are good news." (Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten - statt: No new are... Keine Nachrichten sind...) Wie war doch gleich die Struktur? Mächtig: Großunternehmungen, Politiker; noch mächtiger: Banken, Gewerkschaften; am mächtigsten: Medien. (Dr. Horst Beckers, Odenthal)

* (Bezogen auf den Artikel im Kölner Stadtanzeiger betitelt "In der Dampfsauna" von Joachim Frank ) ... der frühere Bundesjustizminister Gerhart Baum (FDP) ... macht sich übrigens keine Sorgen, das Amt des Bundespräsidenten könnte nachhaltig ramponiert sein: „Wulff hat sich selbst beschädigt, aber doch nicht das Amt. Sobald jemand kommt, der es wieder ausfüllen kann, ist das alles vergessen.“ Bis dahin, weiß Joachim Frank, wird es für den Steuerzahler zumindest nicht allzu teuer. Gerade einmal 37 Cent** kostet der Bundespräsident jeden Deutschen im Jahr, hat er ausgerechnet. Damit ist der Etat des gesamten Präsidialamtes finanziert, inklusive aller Zuwendungen für noch lebende Vorgänger. Als hätte die nicht jeder selbst für einen umstrittenen Präsidenten übrig…

** entspricht 14,8 Millionen Euro, die alle 40 Millionen in Arbeit stehenden Deutschen zusammen genommen zu zahlen haben?