Riester Rente


>Hier< zu Prof. "Bert" Rürup und

"Wirtschaftsweisheit".

>Hier< zu Carsten Maschmeyer.

>Hier< Enthüllungen um den Bundespräsidenten Wullf.

>Hier< strafgesetzliche Relevanz und Kommentar.

Auf getrennter Seite:

>Hier< bereits eine Seite über die Wullf-Affaire.


Bild aus Artikel Die Welt (aber nicht wiedergefunden!)

Fliesenlegermeister Walter Riester, 1943 geboren, gelang eine Karriere in der SPD bis zum Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung von 1998 bis 2002 im Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder.

Wegen der im Folgenden kritisierten "Riester-Rente" wurden ihm insbesondere folgende Ehrungen zuteil:

  • 2005: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und im selben Jahr der Hans-Böckler-Preis der Stadt Köln.
  • Vier Jahre später erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.

Doch die Reform nützt Versicherungen mehr als den Menschen
den Versicherten)

Mit dem „Portrait einer Jahrhundertreform" wollte die ARD beleuchten (am 9. Januar 2012, um 22.45), wie Politiker und Wirtschaftsbosse Lobbyarbeit auf dem Rücken kleiner Sparer leisten. Es geht unter anderem um Bert Rürup*, den sogenannten Rentenpapst, es geht um den ehemaligen AWD(Allgemeiner Wirtschaftsdienst)-Chef Garsten Maschmeyer und um Walter Riester selbst, der im Vorstand des größten Riester-Renten-Anbieters Union Luvest sitzt. Der Report will zeigen, dass es sich bei der Riester-Rente nicht um den Heilsbringer in der demografischen Krise handelt, sondern um einen Rohrkrepierer, da vor allem die Versicherungen von den Staatszuschüssen der Reform vor elf Jahren profitieren. (buc)

Weiter mit "Riester" beim übernächsten Absatz!

* Hans-Adalbert „Bert“ Rürup (1943 in Essen geboren, 1971 zum Dr. rer. pol. promoviert und seit 1975 Professor an der Universität-Gesamthochschule Essen) ist Gründer und Vorstandsmitglied der Maschmeyer/Rürup AG (unabhängige und international ausgerichtete Beratungsgesellschaft für Banken, Versicherungen wie auch Regierungen) und ehemaliger „Wirtschaftsweiser“ (einer der 5 Personen im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der im Jahr 1963 eingeführt wurde und sich sich wissenschaftlich mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands befasst. Ziel ist die periodische unabhängige Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zur Erleichterung der Urteilsbildung aller wirtschaftspolitisch verantwortlichen Instanzen sowie der Öffentlichkeit.) Mehr bei Wikipedia!

Prof. Dr.Dr. Rürup und Maschmeyer (>hier<) - Bild aus Manager-Magezin

Am Montag, dem 9. Januar 2012, um 22.45 Uhr wurde "im Ersten" der Film von Ingo Blank und Dietrich Krauß

Die Story im Ersten: Das Riester-Dilemma (ARD -SR)

Portrait einer Jahrhundertreform

im Fernsehen gezeigt (folgender Text nach Programmvorschau).

Im Januar 2001 wurde die Riester-Rente eingeführt – und als entscheidender Schritt zur Lösung der Rentenfrage gefeiert. Ihre Verfechter waren sich damals einig: Die gesetzliche Rente alleine könne es nicht mehr schaffen. In einer älter werdenden Gesellschaft müsse jeder privat vorsorgen. Mit großzügigen staatlichen Zuschüssen sollten die Bürger ermuntert werden, ein privates Zusatzpolster für ihr Alter anzusparen.

Doch heute, rund zehn Jahre später, entpuppt sich die vermeintlich renditeträchtige Privatvorsorge à la Riester mehr und mehr als Rohrkrepierer: Die staatlichen Zuschüsse kommen vor allem den Versicherungsgesellschaften zugute und nicht den kleinen Sparern.

Oft werfen Riesterversicherungen sogar weniger ab als viele ungeförderte Produkte – auch, weil der Staat zwar die Ansparphase großzügig fördert, aber bei der Auszahlung ebenso großzügig Steuern erhebt. Viele Rentner müssten über 90 werden, um auch nur das Geld wiederzusehen, das sie in die Riester-Versicherungen eingezahlt haben.

Und schließlich droht gerade Geringverdienern der Totalverlust. Denn wer im Alter auf Sozialhilfe angewiesen ist, bekommt die angesparte Riester Rente nicht oben drauf. Sie wird viel mehr verrechnet von der Sozialhilfe abgezogen.

Schließlich haben nur knapp die Hälfte aller Antragsberechtigten eine Riester Rente abgeschlossen. Aber alle sind von der parallelen Rentenkürzung betroffen. Es sparen bei weitem nicht alle und tendenziell die Falschen.

Viele Besserverdienende nehmen die Riesterförderung gerne mit, aber die, die wirklich darauf angewiesen wären, bleiben – mit gutem Grund – der Privatvorsorge fern, weil sie das Geld nicht aufbringen wollen oder können.

Zudem haben sich die Hoffnungen, dass sich das Geld der Sparer auf den Kapitalmärkten quasi von selbst vermehrt, in der Finanz- und Eurokrise längst zerschlagen. Staatsanleihen gelten entweder als riskant oder nicht profitabel. Die Verzinsung, die die Lebensversicherer ihren Kunden garantieren, ist mittlerweile auf mickrige 1,75 Prozent gesunken – und das auch nur auf den so genannten Sparanteil.

Es wird immer unwahrscheinlicher, dass man mit privatem Sparen die Kürzung bei der gesetzlichen Rente ausgleichen kann. Die Reformen der vergangenen Jahre haben dafür gesorgt, dass die Rente künftig um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen wird. Der Vergleich mit den europäischen Nachbarn zeigt: In keinem anderen Land wurde das Rentenniveau so stark gesenkt. Selbst wer 32 Jahre durchgehend zum Durchschnittslohn gearbeitet hat, wird künftig im Alter Sozialhilfe benötigen.

Dabei hatte die Politik doch 2001 behauptet, es werde niemandem schlechter, sondern allen besser gehen mit der Riester-Rente.

Zudem haben sich die Hoffnungen, dass sich das Geld der Sparer auf den Kapitalmärkten quasi von selbst vermehrt, in der Finanz- und Eurokrise längst zerschlagen. Staatsanleihen gelten entweder als riskant oder nicht profitabel. Die Verzinsung, die die Lebensversicherer ihren Kunden garantieren, ist mittlerweile auf mickrige 1,75 Prozent gesunken – und das auch nur auf den so genannten Sparanteil.

Es wird immer unwahrscheinlicher, dass man mit privatem Sparen die Kürzung bei der gesetzlichen Rente ausgleichen kann. Die Reformen der vergangenen Jahre haben dafür gesorgt, dass die Rente künftig um bis zu 20 Prozent geringer ausfallen wird. Der Vergleich mit den europäischen Nachbarn zeigt: In keinem anderen Land wurde das Rentenniveau so stark gesenkt. Selbst wer 32 Jahre durchgehend zum Durchschnittslohn gearbeitet hat, wird künftig im Alter Sozialhilfe benötigen.

Dabei hatte die Politik doch 2001 behauptet, es werde niemandem schlechter, sondern allen besser gehen mit der Riester-Rente.

"Rentenpapst" Bert Rürup, der die Rentenpolitik unter Schröder maßgeblich geprägt hat, wechselte erst zum AWD und ist inzwischen Geschäftsmann und Unternehmensberater in einer gemeinsamen Firma mit dem umstrittenen Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer. Andere einflussreiche Experten Regierungsberater wie Bernd Raffelhüschen oder (Katholik) Meinhard Miegel leiten Institute, die von der Versicherungswirtschaft gefördert werden oder wurden.

Der Lack ist ab von der privaten Vorsorge à la Riester. Teuer, ineffizient und für viele Bürger viel zu kompliziert. Gerade in der Krise zeigt sich, dass die gesetzliche Rente mit ihrem Umlageverfahren das erheblich stabilere und günstigere System ist. Doch ein Weg zurück ist nicht in Sicht – zu mächtig scheint die Macht der Lobby aus Wirtschaft und Politik. (Zitat Ende)

Redaktion: Wolfgang Wirtz-Nentwig (SR)


Carsten Maschmeyer, 1959 in Bremen als Kind einer "alleinerziehenden" Mutter geboren, inzwischen ein bedeutender Finanzunternehmer und langjähriger Freund des heutigen (2012) Bundespräsidenten Christian Wulff bereist zu dessen Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen, musste sein Medizinstudium im Frühjahr 1982 "aufgrund seiner Fehlzeiten" (mehr bei Wikipedia) abbrechen. Er baute die Finanzvertriebsgesellschaft AWD Holding AG auf und war bis zum 31. März 2009 ihr langjähriger Co-Vorstandsvorsitzender, ist Mitglied des Vorstands der MaschmeyerRürup AG, die er im Januar 2010 gemeinsam mit Bert Rürup gründete. Sein Vermögen wurde Ende 2010 auf 650 Millionen Euro geschätzt.

Wikipedia: ...Maschmeyer finanzierte 1998 vor der Landtagswahl in Niedersachsen eine 650.000 DM teure Werbekampagne mit dem anonym in Tageszeitungen geschalteten Text „Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein“. Damit wollte er den Wahlkampf von Gerhard Schröder unterstützen.Für Schröders Bundestagswahlkampf 1998 kündigte die Initiative „Handwerk und Mittelstand für Gerhard Schröder“ mit Schreiben vom 13. Juni 1998 der SPD-geführten niedersächsischen Staatskanzlei die Weiterleitung einer (durch diese Herkunftsverschleierung gegen das Parteispendengesetz verstoßenden) Maschmeyer-Spende von 150.000 DM an. Mit dieser Spende sollten nach Angaben des ARD-Magazins Panorama ganzseitige Wahlkampfanzeigen in der FAZ, der Welt und der Welt am Sonntag finanziert werden. Maschmeyer selbst dementierte 2011 die Zahlung dieser Summe an die Initiative.

Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass Carsten Maschmeyer während des niedersächsischen Wahlkampfs im Herbst 2007 die Anzeigenkampagne für Hugo Müller-Voggs Interviewbuch mit Christian Wulff „Besser die Wahrheit“ mit 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen finanziert hatte. Das Buch, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt, diente laut der Recherche der Bild-Zeitung auch Wahlkampfzwecken. Christian Wulff erklärte, nichts über die Hintergründe der Finanzierung der Anzeigenkampagne gewusst zu haben, was von einem Sprecher Maschmeyers bestätigt wurde. Wulff, der mit Maschmeyer befreundet ist, hatte auch einen Sommerurlaub in Maschmeyers Villa auf Mallorca verbracht

AWD und Maschmeyer waren lange Zeit mit einem schlechten Image behaftet. Mit der Etablierung und Ausweitung des Geschäfts von AWD veränderten sich Medienberichterstattung und Image, zusammen mit seiner Partnerin Veronica Ferres ist er heute insbesondere in den Boulevardmedien beliebt. Die Financial Times Deutschland schrieb im Januar 2011 zu seiner Außenwirkung: „Nach der Gründung von AWD 1988 war Maschmeyer jahrelang der Aussätzige von der unbeliebten Drückerkolonne. Damals wollten selbst die Chefs jener Versicherer ungern mit ihm gesehen werden, deren Policen er verkaufte. Heute ist der Bundespräsident sein Freund“ (Abzocker Maschmeyer: Liebling der Politik, Freund des Bundespräsidenten [daserste.ndr]).

Einige Beiträge brachten Maschmeyer als Unternehmensgründer und Verantwortlichen aber auch mit umstrittenen Geschäftspraktiken des AWD in direkte Verbindung. Im September 2010 strahlte die ARD in der Sendung Panorama einen Beitrag über Maschmeyer aus mit dem Titel Abzocker Maschmeyer: Liebling der Politik, Freund des Bundespräsidenten. Darin wird über Tausende Kleinanleger berichtet, die ihr Geld mit beim AWD erworbenen Finanzprodukten verloren haben sollen. Der NDR griff die Vorwürfe danach erneut auf und produzierte die Dokumentation Der Drückerkönig und die Politik aus der Reihe ARD-exclusiv; diese wurde am 12. Januar 2011 ausgestrahlt. Maschmeyers Anwalt hatte zuvor versucht, die Ausstrahlung der Sendung zu verhindern.

Eine nach Ausstrahlung der Dokumentation erwirkte einstweilige Verfügung am Landgericht Berlin untersagt dem NDR, eine bestimmte Szene weiterhin zu zeigen (Michael Hanfeld: Maschmeyer schlägt zurück - Ein Großangriff auf die Pressefreiheit FAZ vom 21. Januar 2011). In der Folge gingen Maschmeyer bzw. ein von ihm beauftragter Anwalt sowohl gegen den NDR als auch gegen einige an den beiden ARD-Beiträgen beteiligte Journalisten vor. Diese erhielten Abmahnschreiben an ihre Privatadressen und wurden von Wirtschaftauskunfteien telefonisch detailliert über ihre Beschäftigungsverhältnisse befragt. Außerdem beauftragte Maschmeyer einen Strafrechtler, ein Gutachten über die Frage zu erstellen, ob sich Journalisten im Zusammenhang mit den NDR-Beiträgen strafbar gemacht hätten. Als mögliche Straftatbestände kämen Nötigung, politische Verdächtigung und die Verbreitung von Bildern ohne die Zustimmung der darauf Abgebildeten in Frage.

Der FAZ-Journalist Michael Hanfeld schrieb in diesem Zusammenhang von einem Zurückschlagen „mit allen Mitteln“ und einem „veritablen Angriff auf die Pressefreiheit und den freien Journalismus“ ( (abendblatt.de/kultur-live/...). Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) stellte zu Maschmeyers Vorgehen fest, dass er „Pressefreiheit und Demokratie bedroht“' und verlangte von ihm, „sofort mit den presse- und strafrechtlichen Nachstellungen [..] aufzuhören“.

Maschmeyer begründete sein Verhalten gegenüber dem NDR und dazu die Inanspruchnahme eines Medienanwalts sowie eines Strafrechtlers auch damit, dass er die mehrfachen Interviewanfragen eines „übereifrigen Journalisten“ als „Nötigung“ empfand und sich insoweit auch „verfolgt gefühlt habe“. Seine Maßnahmen vor dem Hintergrund eines nicht zustande gekommenen bzw. auch nicht im Vorfeld abgesteckten Panorama-Interviews rechtfertigte er unter anderem mit seiner Auffassung, dass er „nicht zulassen konnte und durfte, dass hier Tausende seiner ehemaligen Mitarbeiter diffamiert werden“.

Am 8. Juli 2011 gab der NDR bekannt, dass Maschmeyer und der NDR sich geeinigt haben, sämtliche Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der NDR-Berichterstattung über Maschmeyer nicht mehr weiter zu verfolgen.

Nachdem schon im Frühjahr 2011 spekuliert wurde, ob eine 154 Jahre alte "ehrwürdige Institution" wie die Rentenanstalt derartige Presse will, tritt Maschmeyer im Dezember 2011 aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life zurück und reduziert seinen davor 5%igen Aktienanteil auf unter 3%.


In einem Themenbericht des Wochenblattes DER SPIEGEL (Heft 51/2011) ist zu lesen: Berlin - Neue Enthüllungen über private Geldgeber in seinem Freundeskreis bringen Bundespräsident Christian Wulff weiter unter Druck:

Der Unternehmer Carsten Maschmeyer hat laut "Bild"-Zeitung 2008 eine Anzeigenkampagne für ein Interview-Buch bezahlt, in dem der heutige Bundespräsident Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt.

Für die Zeitungsanzeigen, mit denen im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch "Besser die Wahrheit" geworben worden sei, habe Maschmeyer 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben, meldet das Blatt.

Der Unternehmer sagte der Zeitung, er habe "die Anzeigen privat bezahlt", sie jedoch nicht steuerlich geltend gemacht. Mit dem damaligen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten habe er darüber nicht gesprochen. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte am Montagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa diese Darstellung.

Wulff ließ der "Bild"-Zeitung über seinen Rechtsanwalt Gernot Lehr erklären, ihm sei von den Zahlungen seines Freundes Maschmeyer nichts bekannt gewesen. Wulff hatte sich im Sommer 2010 kurz nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt in Maschmeyers Domizil auf Mallorca eingemietet.

Auszug aus „Paradise Castle" (ganzer Bericht). Schon der Name der Eigentümer­gesellschaft sagt einiges. Für seinen ersten Mallorca-Besuch, gerade einmal zwei Wochen nach seiner Vereidigung als Bundespräsident, haben der bekennende Inselliebhaber Christian Wulff und seine Familie es gut getroffen: eigener Bootsanleger, großer Pool und eine unübertreffliche Lage auf der kleinen Halbinsel Sa Mola bei Port d´Andratx. Zwischen dem 15. und dem 26. Juli 2010 haben Christian Wulff, seine Frau Bettina und der zweijährige Sohn Linus Florian in dem Traumhaus im Südwesten Mallorcas ihren Urlaub verbracht. Ursprünglich war der Aufenthalt bis zum 29. Juli geplant, die tragischen Ereignisse von Duisburg (totgetrampelte Fans der dortigen "Love-Parade") bewogen den Bundespräsidenten jedoch zur vorzeitigen Rückkehr nach Deutschland, so seine Sprecher.

„Der Bundespräsident hat ein Apartment in Port d´Andratx gemietet und seinen Urlaub privat bezahlt", heißt es auf MZ-Anfrage beim Bundespräsidialamt. Gemeint ist damit womöglich eine der Gästewohnungen in den Nebengebäuden. Über den Mietpreis kann man nur spekulieren. (Ende Zitat)

(Weiter mit "SPIEGEL"-Artikel:) Buch als wichtiges Instrument für den Wahlkampf

Das Interview-Buch war dem Zeitungsbericht zufolge ein wichtiges Instrument des damaligen CDU-Landtagswahlkampfes: Die Partei habe seinerzeit einige tausend Exemplare gekauft und sie als Wahlwerbung für den damaligen Ministerpräsidenten Wulff verschenkt, berichtet das Blatt.

Die Zeitungsanzeigen seien zunächst vom Verlag Hoffmann & Campe bezahlt worden, am 2. November 2007 habe dieser die Rechnungen aber an Maschmeyer weitergereicht, der den Betrag dann am 19. Februar 2008 beglichen habe - 23 Tage, nachdem Wulff erneut zum Ministerpräsidenten gewählt worden war.

Maschmeyer, Gründer des Finanzdienstleisters AWD, gilt auch als Freund von Altkanzler Gerhard Schröder. Ihm hatte er nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt rund eine Million Euro für dessen Memoiren gezahlt. Dem SPIEGEL sagte Maschmeyer, dass er anschließend die Buchrechte weiterverkauft und insgesamt mehrere hunderttausend Euro an dem Geschäft verdient habe.

Maschmeyer zahlte Schröder nicht nur eine Million Euro für dessen Memoiren, sondern soll 1998 anonym vor der Landtagswahl in Niedersachsen über einen Mittelsmann namens Axel Prümm Schröder eine Werbekampagne in Tageszeitungen finanziert haben. Der Text lautete "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein". Der Landtagswahlkampf wurde von der SPD zur Entscheidung über die K-Frage gemacht - Schröder gewann haushoch, und damit war klar: Schröder, nicht Lafontaine wird gegen Helmut Kohl antreten. Erst nach der Wahl kam heraus, dass Maschmeyer hinter der Kampagne gestanden haben soll.

Maschmeyer bestritt allerdings seinen Anteil an der Kampagne: "Ich habe niemals direkt oder indirekt an Herrn Prümm oder die Initiative Mittelstand 150.000 Mark für eine Anzeigenkampagne im Wahlkampf bezahlt", erklärte der Unternehmer im April 2011 auf Anfrage dem SPIEGEL.

Merkel und Döring verteidigen Wulff

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versicherte Wulff (Bild links mit Ehefrau und Maschmeyer) am Montag noch einmal klar und deutlich ihre Unterstützung. "Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt", sagte sie am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. "Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen."

Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring sprang Wulff bei: Das Staatsoberhaupt habe umfassend Auskunft gegeben, sagte er "Passauer Neuen Presse". Er habe überhaupt keinen Anlass, an der Vollständigkeit und Richtigkeit von Wulffs Angaben zu zweifeln. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, mahnte in der "Mitteldeutschen Zeitung" einen schonenden Umgang mit dem Präsidenten an.

Dagegen warfen die Grünen der Union "moralische Selbstinszenierung" vor. Unabhängig von der Aufklärung sollten die Konservativen "eine Lehre aus dem Vorgang ziehen", sagte der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". "Etwas weniger Gerede von der Vorbildlichkeit des Politikers würde der politischen Debatte guttun." Scheinheiligkeit erhöhe nur die moralische Fallhöhe.

Ältestenrat prüft möglichen Verstoß gegen Ministergesetz

Der niedersächsische Landtag befasst sich am Dienstag mit den Vorwürfen gegen das Staatsoberhaupt. In einer Sondersitzung will der Ältestenrat prüfen, ob Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen hat, als er 2008 ein 500.000-Euro-Darlehen von der Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens annahm. Zugleich sollen seine Verbindungen auch zu anderen Geschäftsleuten durchleuchtet werden, bei denen Wulff als Regierungschef Urlaub gemacht hatte. Zentrale Frage ist, ob Wulffs Vorgehen mit dem Ministergesetz im Einklang steht, das es Politikern untersagt, Geschenke in Bezug auf ihr Amt anzunehmen.

Nach Ansicht des Steuerexperten Peter Bilsdorfer sind Wulffs Gratis-Urlaube bei befreundeten Unternehmern als Schenkungen anzusehen. Am Sonntag hatte Wulffs Kanzlei eine Liste der Aufenthalte öffentlich gemacht. Für Schenkungen müssten über einem Freibetrag von 20.000 Euro Steuern entrichtet werden, sagte der Vizepräsident des saarländischen Finanzgerichts der "Frankfurter Rundschau". "Es stellt sich die Frage, ob Wulff wegen der Vielzahl der geschenkten Luxusurlaube schenkungsteuerpflichtig war."

Die Kanzlei des CDU-Politikers äußerte sich der Zeitung zufolge nicht zu der Frage, ob der Bundespräsident für seine Urlaube jemals Schenkungsteuer bezahlt habe.

heb/cai/kaz/dpa/dapd/AFP

DER SPIEGEL zitiert Zuschriften wie folgt (nur 2 ausgewählt, der Rest völlig uniteressant):

20.12.2011 20:47 von rabenkrähe: Welch übler Skandal gegenüber den Unzähligen, die Maschmeyer mit seinem AWD ausgenommen und übervorteilt hat. Denen muß sich ja der Magen angesichts der Tatsache umdrehen, daß ihr bitter erspartes und Maschmeyer anvertrautes Geld schließlich für Überflüssigkeiten bei größenwahnsinnigen Politikern ala Wulff und Schröder gelandet ist.

20.12.2011 07:29 von ... Das ist ja noch schlimmer als ich annahm. Wie kann jemand nicht merken dass andere für ihn eine Rechnung über knapp 50.000 Euro übernehmen. Wie reich ist er - der Bundespräsident - dass ihm so etwas nicht auffällt. Wozu brauchte er dann einen Kredit wenn er so vermögend ist ...?! Ich weiß es nicht, aber allmählich ist er eine peinliche Figur. Diese krampfhaften Ausreden und Erklärungen entbehren nicht einer gewissen Komik. Aber ich bin gegen einen Rücktritt. Denn tritt er zurück dann bekommt er seine Bezüge weiter bis an sein Lebensende. Wenn ich zusammenzähle wieviele Ex-Bundespräsidenten und Ex-Bundeskanzler und Ex-Ministerpräsidenten und Ex-Politer und Ex-Parlamentarier usw. bis an ihr seliges Lebensende ihre hohen Bezüge erhalten dann wird mir schwummrig.

Kommentar (Walter Rath,11.1.2012 ): Was steht im Neunundzwanzigster Abschnitt unseres Strafgesetzbuches (StGB)?


Straftaten im Amt

§ 331 Vorteilsannahme

(1) Ein Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter, der einen Vorteil als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, daß er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vornehme, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ein Richter ...

(3) Die Tat ist nicht nach Absatz 1 strafbar, wenn der Täter einen nicht von ihm geforderten Vorteil sich versprechen läßt oder annimmt und die zuständige Behörde im Rahmen ihrer Befugnisse entweder die Annahme vorher genehmigt hat oder der Täter unverzüglich bei ihr Anzeige erstattet und sie die Annahme genehmigt.

 

§ 332 Bestechlichkeit
(1) Ein Amtsträger oder ein für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteter, der einen Vorteil als Gegenleistung dafür fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, daß er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder künftig vornehme und dadurch seine Dienstpflichten verletzt hat oder verletzen würde, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Der Versuch ist strafbar.

(2) Ein Richter ...

(3) Falls der Täter den Vorteil als Gegenleistung für eine künftige Handlung fordert, sich versprechen läßt oder annimmt, so sind die Absätze 1 (und 2) schon dann anzuwenden, wenn er sich dem anderen gegenüber bereit gezeigt hat,

1. bei der Handlung seine Pflichten zu verletzen oder,

2. soweit die Handlung in seinem Ermessen steht, sich bei Ausübung des Ermessens durch den Vorteil beeinflussen zu lassen.

 

§ 333 Vorteilsgewährung

(1) Wer einem Amtsträger, einem für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichteten oder einem Soldaten der Bundeswehr als Gegenleistung dafür, daß er eine in seinem Ermessen stehende Diensthandlung künftig vornehme, einen Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Wer einem Richter oder Schiedsrichter als Gegenleistung dafür, daß er eine richterliche Handlung künftig vornehme, einen Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(3) Die Tat ist nicht nach Absatz 1 strafbar, wenn die zuständige Behörde im Rahmen ihrer Befugnisse entweder die Annahme des Vorteils durch den Empfänger vorher genehmigt hat oder sie auf unverzügliche Anzeige des Empfängers genehmigt.

 

Die Frage ist, trifft irgend etwas aus den oben aufgeführten "Straftaten" für den derzeitigen konservativ-katholisch geprägten deutschen Bundespräsidenten zu ? (Ihm und seiner Familie gewährte Papst Benedikt XVI eine Privataudienz in Berlin.) Zumindest befindet er sich offensichtlich sehr nahe daran. Man muss feststellen, dass weder er noch seine Frau Gemahlin Bettina keinerlei Schamgefühl kennen; denn  "die Kanzlerin" (gemeint ist Angela Merkel) "sagt Nein, wenn ihr Modehersteller Kleider für öffentliche Anlässe anbieten. Offener reagiert Präsidenten-Gattin Bettina Wulff nach FOCUS-Informationen vom 6.1.2012 auf solche Angebote." Weiter ist zu lesen: "Wie FOCUS erfuhr, hat der Unternehmer Egon Geerkens mehrere „Gegenstände“ aus dem Nachlass von Wulffs Vater nach dessen Tod 1998 erworben. Das bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr gegenüber FOCUS. Ein umstrittener Privatkredit von Geerkens hatte die Präsidenten-Affäre ins Rollen gebracht.

Anwalt Lehr bestätigte ebenfalls, dass die Frau des Bundespräsidenten mehrfach kostenlos aufwändige Kleider deutscher Luxus-Modehersteller zur Verfügung gestellt bekam. „Frau Wulff wurden von verschiedenen deutschen Modehäusern Bekleidung aus den im Handel käuflichen Kollektionen zur Verfügung gestellt.“ Die Bekleidung sei gekauft oder gegen Gebühr geliehen worden. „Einige Kleider wurden kostenlos bereitgestellt“, so Wulffs Anwalt zu FOCUS. Bei der Erstellung der Steuererklärung seien sie jedoch berücksichtigt worden. Ja, wie denn? Abzug als Repräsentationskosten? Etwas anderes interessiert das Finanzamt in diesem Zusammenhang nicht. Bekannt ist nicht (und auch nicht ausfindig zu machen), ob die deutschen "Luxus-Modehersteller" Werbung ("Verkaufs-Promotion") mit den höchsten Repräsentanten, den Wullfs, machen oder gemacht haben. Dann wäre wohl doch der oben zitierte §333 (Vorteilsgewährung) einmal ins Auge zu fassen (oder sonst wo hin).

 

Der deutsche Staatschef Christian Wulff erhält derzeit angeblich eine jährliche Grundvergütung von 199.000 Euro, an anderer Stelle (home.arcor.de/beschweiler/BL31/diaten.htm) wurde gefunden: "Der Bundespräsident erhält ein steuerpflichtiges (?) Amtsgehalt von 29.402" (d.h.352 824 Euro im Jahr). Meine Anfrage im Internet "repräsentationskosten, gehalt, deutscher bundespräsident" führt zu keinem einzigen Ergebnis (aus tausenden von "Findungen"). Seitenweise wird über das spanische Königshaus, den schweizerischen Bundespräsidenten, die Repräsentationsaufgaben, die Gehälter und absetzbaren Repräsentationsaufwendungen (50.000 Euro ohne Nachweis) der Spitzenmanager usw. berichtet.

 

Es ist wohl vieles "faul im Staate Dänemark" (wohl überall ist vieles von Übel. Der zitierte Ausspruch geht übrigens auf die Tragödie "Hamlet [der Prinz von Dänemark]" von William Shakespeare zurück, wo der Geist des Hamlet ihm eines Nachts mitteilt, dass durch seinen Bruder Claudius der Vater ermordet worden ist).

 

Es gibt ein schönes altes Sprichwort: "Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist!"