Soziologe Parsons und Psychologe Anger

 

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Talcott Parsons, amerikanischer Soziologe, geboren in Colorado Springs (Colorado) am 13.12. 1902, gestorben in München am 8.5. 1979; Professor an der Harvard University (1944 bis 1979); Begründer und Hauptvertreter der "strukturell-funktionalen Theorie" (des zweckmäßigen Aufbaus also das Zusammenspiel von Handlungen...).



 

Hans Anger (1929-1998) studierte zunächst Medizin (Dr. med.), dann Psychologie und promovierte zum Dr. phil.

In den USA erhielt er bei Louis Leon Thurstone eine umfassende "Methodenausbildung". Er habilitierte sich 1960 und lehrte ab1962 in Köln. Eines seiner Interessengebiete war die Geschichte der Sozialpsychologie. Der Nachlass enthält u. a. das mehrfach überarbeitete Manuskript der Vorlesung zur Geschichte der Sozialpsychologie. Nachfolgend die ersten Sätze aus diesem Manuskript (handschriftliche oder maschinengeschriebene Vervielfältigungsvorlage) zum Thema "Hauptformen des sozialen Lernens": "Der amerikanische Soziologe Talcott Parsons hat einmal gesagt, die Geburt immer wieder neuer Generationen von Kindern gleiche, vom Standpunkt der Gesellschaft aus, einer sich ständig wiederholenden Invasion von Barbaren. Das klingt überspitzt, und doch könnte man Neugeborene in einem bestimmten Sinne durchaus barbarisch nennen:

 

Sie sind völlig kulturlos;

 

sie haben keinerlei Vorstellungen von der Welt, in welche sie hineingeboren werden;

 

sie besitzen weder Sprache, Sitte, noch Moral;

     ja,

sie hätten ohne die Hilfe anderer nicht einmal die Möglichkeit, auf noch so primitive Weise überhaupt zu überleben.

 

Alles das und noch viel mehr müssen sie erst lernen, und dieser von gesellschaftlichen Kräften entscheidend beeinflußte Prozeß des sozialen Lernens, in dessen Verlauf sich nicht nur unser Wissen bereichert und unser Verstand, sondern unser ganzer psychischer Habitus geprägt wird, in dem sich unsere Individualität herausbildet und fortlaufend weiter entwickelt, dieser kontinuierliche Wandlungsprozeß, an dem wir alle täglich und stündlich teilhaben, vollzieht sich nach ganz bestimmten psychologischen Gesetzmäßigkeiten."


»Der Begriff Soziales Lernen stammt aus den >Lerntheorien< und wurde in etwas abgewandelter Bedeutung auch von Sozialpädagogen und Erziehungswissenschaftlern aufgegriffen. Auch die Soziale Arbeit beschäftigt sich mit "Sozialem Lernen".

SIVUS (Abk. schwedisch: Social Individ Via Utveckling Samverkan - "Soziale und individuelle Entwicklung durch gemeinschaftliches Handeln") - so hieß der Ursprung des "sozialen Lernens", wie es in den 70er Jahren vom schwedischen Psychologen Sophian Walujo (Lebenslauf nirgends zu finden) entwickelt wurde und in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Indonesien in der Erwachsenenbildung eingeführt worden sein soll.

SIVUS lehnte sich stark an die Empirie der skandinavischen Bauern und Seeleute an, die ohne eine konsequente Zusammenarbeit die Härte ihres Lebensraumes wohl kaum so erfolgreich bewältigt hätten. Dieses ursprünglich kulturdeterministische* Modell (SIVUS) wurde zuletzt aufgrund der neuesten Hirn- und Genforschungen (Neurobiologie), sowie der Verhaltensforschung des Menschen (Humanethologie) um einige interessante Gesichtspunkte (Facetten) erweitert.

* also kulturbedingt vorherbestimmt und festgelegt, die Willensfreiheit - richtiger Handlungsfreiheit - ausschließend

Das soziale Lernen dient dem Erwerb "sozialer Kompetenz" (Zuständigkeit) und ist somit eine der Grundvoraussetzungen für das Gelingen einer „Offenen Gesellschaft“. Soziale Kompetenz ist eine der Schlüsselqualifikationen für die globalisierte Welt von morgen, denn immer mehr Menschen auf diesem Planeten beanspruchen Recht, Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand. Diese Entwicklung führt aber auch zu einer immer stärkeren Einschränkung der Freiheiten ("Big Brother"; Orwell), was die Entwicklung hin zu einer demokratiebewussten "Offenen Gesellschaft" in vielfacher Hinsicht erschwert. "Soziales Lernen" ermöglicht die Bewältigung dieses Ziels und nutzt dabei die Mechanismen der Gruppendynamik zur Gestaltung von Persönlichkeit und Gesellschaft.

In einem moderneren Sinn bedeutet "Soziales Lernen" auch die Überwindung des linearen, behaviouristischen* Lernens und ist somit ein Weg, der eine sinnstiftende (Viktor Emil Frankl, 1905 bis 1997, österreichischer Neurologe und Psychiater, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse) und vernunftgewinnende Intervention (Immanuel Kant) in die Gesellschaft darstellt.

* die von Verhaltensvorgängen von Mensch (und Tier) ausgeht

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