Umweltschäden & Verursacher
"Das Verursacherprinzip - Umweltprobleme sind global.
Wer sie herbeiführt, soll auch für die Folgen einstehen müssen".
Das fordert der Frankfurter Zukunftsrat und dessen stellvertretender Ratsvorsitzender und Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts, Volker Josef Mosbrugger, und er brachte besonders zum Ausdruck , dass "die globalen Herausforderungen ein neues naturwissenschaftlich fundiertes Selbstverständnis des Menschen erfordern".
Stefan Sauer berichtete Anfang
Dezember 2009 in einem Artikel des Kölner Stadt-Anzeiger über eine Konferenz,
namens "Global Change", des Frankfurter Zukunftsrates mit 45 Ländervertretern
und vielen Wissenschaftlern (Tagungsort Berlin). Dabei wurde insbesondere
hervorgehoben, dass die Erkenntnisse zu berücksichtigen wäre, wonach es in unserem
Gehirn einen Belohnungsmechanismus gibt (>hier<
die Definition und >hier<
zu einem Kommentar).
Wir haben also eine, erforschter Weise beweisbare
Belohnungsprägung im Gehirn, die viele unserer Mitmenschen zur Gier treibt.
Weiter hieß es bei Sauer (Zitat): Wenn ein renommierter Hirnforscher solche
Erkenntnisse referiert und dabei den Bezug zu den zentralen globalen
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts herstellt, wird es spannend.
Und es wurde spannend auf der Konferenz ... Um bei der Funktionsweise des
menschlichen Denkapparates zu bleiben, die Christian E. Elger, Direktor der
Klinik für Epileptologie (Forschung über Fallsucht = Epilepsie) an der Universität Bonn, zur Sprache brachte: Der
Fixierung auf rasche Belohnung stehe ein geringes Interesse an langfristigen
Erfolgen oder künftigen Bedrohungen gegenüber. Man pfeift auf sauberes Wasser
und gutes Klima in 100 Jahren, duscht stattdessen täglich und verfährt Benzin.
Elger glaubt, dass kurzfristig wirksame Anreize zu langfristig erwünschtem
Verhalten führen können - die Politik müsse nur die geeigneten Belohnungssysteme
entwickeln. Eine solche Strategie sei angesichts der Komplexität der globalen
Probleme dringend geboten und erfolgversprechender als das Bombardement mit einer „paralysierendenden Fülle von
Informationen" über Klimawandel, Artensterben und Überbevölkerung. Elgers
Beispiel: fünf Euro Zuschuss für jeden Einkauf ökologisch unbedenklicher
Produkte könne die Nachfrage nach solchen Gütern rasch steigern.
Nach Ansicht des Zukunftsrats-Präsidenten Manfred Pohl wird die „Global-Change-Problematik"
das gesamte 21. Jahrhundert bestimmen: Dazu zählen der jährliche Verlust von
weltweit 13 Millionen Hektar Wald, die Versteppung riesiger Gebiete
vor allem in Afrika und Asien, das noch immer rasante Bevölkerungswachstum in
den armen Teilen der Welt, fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser für zwei
Milliarden Menschen, dramatische, durch Dürren und Überschwemmungen ausgelöste
Völkerwanderungen, zunehmende Artenvernichtung und die vielerorts ungelöste
Lagerung hochtoxischer Schadstoffe.
All diese Entwicklungen seien von Menschen verursacht und weltweit wirksam:
„Umweltprobleme sind immer globale Probleme." Die Verursacher seien indessen
selten auch jene, die an den Folgen zu leiden hätten. Zum
Ausstoß von klimaerwärmenden Gasen trügen die Bewohner der Malediven kaum bei,
ihre Heimat werde durch einen Anstieg des Meeresspiegels aber in wenigen
Jahrzehnten überflutet sein. Insgesamt trügen die Entwicklungsund
Schwellenländer bisher einen geringen Anteil zum menschengemachten Wandel des
Planeten bei, litten aber besonders stark an den Folgen.
Aus diesem Befund leitet der Rat die Forderung nach finanziellen und
technologischen Transfers für die weniger entwickelten Weltregionen ab. Zudem
müsse grundsätzlich bei Abbau, der Produktion, dem Verbrauch und der Entsorgung
von Rohstoffen und Gütern das Verursacherprinzip eingeführt werden.
Beispielsweise dürfe der Verbrauch von sauberer Luft als Kosten- und Preisfaktor
Eingang in die Wirtschaft finden. „Naturnutzung muss Geld kosten", lautet eine
der zentralen Forderungen.
Erziehung, Bildung und Forschung müssten sich
stärker an Problem- und Lebenszusammenhängen orientieren als bisher.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisfortschritte bedürften der „Rückbesinnung" auf
das „Gesamtsystem". Wie die dafür fällige Belohnung für die Wissenschaftler
aussehen könnte, ließ (der eingangs erwähnte) Mosbrugger offen.
Zu viele Menschen verursachen Fluten und Dürre (Bilder: DPA)

Es erflehte der Erzbischof von Sevilla (andalusische Hafenstadt in Spanien) erflehte mit Hilfe der Statue der Stadtpatronin vergebens vom Himmel den Regen, der dem Land so sehr fehlt („Der Spiegel“ 18/1993). Es blieb dabei:
Unendliche Weite völlig vertrockneten Landes in Andalusien (aus „Der Spiegel“)

Walter Rath, Dezember 2009