Gut und Böse

>Hier< zum Buch von Schmidt-Salomon: "Das Manifest des evolutionären Humanismus

- Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur"

(eigentlich Voraussetzung zum Verstehen des jetzt vorgestellten Buches.

>Hier< ein Klarstellungsversuch der Begriffe »Moral und Ethik«.

>Hier< eine Rezension von Mathias Eckoldt zum Buch unten

und

>hier< eine Diskussion über Willensfreiheit (und psychologische Experimente)

Auf dieser Seite Direktverzweigungen:

>Hier< zu einem Kommentar mit Hinweis auf einen Kurzfilm

(>hier< direkt zum 3½-minütigen Film "Kinder der Evolution");

>hier< Leseprobe zu: Entwicklung der Lebensformen;

>hier< eine Betrachtung zur "MEM"-Theorie (besser Hypothese)

und

>Hier< eine Karikatur von Franziska Bilek zum "Sündenfall"


 

Michael Schmidt-Salomon:

 

Jenseits von GUT und BÖSE

- Warum wir ohne Moral die besseren Mensch sind -

 

ISBN 978-3-86612-212-3 3. Auflage 2009
© Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, München 2009

Redaktion: Regina Carstensen

Satz: Fotosatz Reinhard Amann, Aichstetten

Druck und Bindung: Pustet, Regensburg

Printed in Germany

 

Auf den Umschlagseiten ist zu lesen:

 

Moral steht in der aktuellen Wertedebatte wieder hoch im Kurs, und mit unseren Urteilen sind wir meist schnell bei der Hand. Doch setzen wir vielleicht auf das falsche Pferd? Michael Schmidt-Salomon, streitbarer Kämpfer gegen den (Un-)Geist unserer Zeit, entlarvt den freien Willen und die religiös verankerte Aufteilung in Gut und Böse als Illusionen. Aber was bedeutet es, Ernst zu machen mit dem Abschied von der Willensfreiheit? Und was heißt es tatsächlich, die Kategorien Gut und Böse hinter sich zu lassen?


Wo Friedrich Nietzsches »Umwertung aller Werte« einst endete, setzt Michael Schmidt-Salomon neu an. Er nimmt uns mit auf eine Reise, die von Adam und Eva bis zu Adolf Eichmann, von den Protozellen der Ursuppe über die Terrorzellen von al-Qaida (Organisation des Bin Laden) bis hin zu den Folterzellen in Abu Ghraib (USA-Gefängnis im Irak) führt. Er mutet uns die Ungeheuerlichkeit des Gedankens zu, dass Auschwitz nicht »böse« war, sondern dass die Idee »des Bösen« Auschwitz erst ermöglicht hat. Aber nicht, um uns von jeder Verantwortung freizusprechen, sondern vielmehr um zu zeigen, wie befreiend wahres ethisches Verhalten sein kann.


So zeigt der Autor nicht nur die fatalen Konsequenzen moralistischer Weltdeutungen auf, sondern vor allem wie es uns in ihrer Überwindung gelingen kann, eine säkulare, menschenfreundliche Ethik zu entwickeln - mit erstaunlichen lebenspraktischen und gesellschaftlichen Folgen.
 

Ein Plädoyer wider die Moral von »Deutschlands Chef-Atheist« [Der Spiegel]


Die Moral ist es, die uns zu zivilisierten Menschen macht - so die gängige Überzeugung. Aber was wäre, wenn uns gerade die Unterscheidung von Gut und Böse ins Unglück stürzte? Wenn wir ohne Moral die »besseren« Menschen wären? Und wenn wir uns von der Idee der Willensfreiheit lösen müssten, um den »blinden Instinkt der Rache« zu überwinden?


Michael Schmidt-Salomon stellt unsere bisherigen Moralvorstellungen auf den Kopf und weist uns damit den Weg zu einem befreiteren Sein, zu einer menschlicheren Ethik.



Michael Schmidt-Salomon, Dr. phil, geboren 1967, ist freischaffender Philosoph und Schriftsteller, Musiker und Sozialwissenschaftler, sowie Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung. Schmidt-Salomon wurde u. a. mit dem Ernst-Topitsch-Preis der Kellmann Stiftung für Humanismus und Aufklärung ausgezeichnet. Er ist häufiger Interviewpartner in Presse, Funk und Fernsehen. Bisherige Bücher u.a.: Manifest des Evolutionären Humanismus (2005), Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel (2007) [>Hier<; Buch stand auf dem Index "Jugendgefährdeter Schriften" auf Betreiben des Römisch-Katholischen Kirche, mit der Schmidt Salomon oft - und gerne? - in Konflikt gerät. (Anmerkung: Walter Rath)].


Mehr Informationen zum Autor unter: www.schmidt-salomon.de, wo auch weitere (wichtige) Veröffentlichungen zu finden sind.
 


Der Inhalt:

 

Einleitung

Die Geschichte von Eva und dem Apfel, der keiner war

Das Sündenfall-Syndrom (>hier< eine biblische Beschreibung des "Sündenfalles")

Rückkehr zum Baum der Erkenntnis


Teil I -  Die neuen Früchte der Erkenntnis

Kapitel 1 Abschied von Gut und Böse


Harry Potter und die Achse des Bösen: Die Wiederkehr der apokalyptischen Matrix

»Die Mächte der Finsternis«: Über die religiöse Konstruktion des Bösen

Krieg der Schimpansen: Das sogenannte Böse in der Natur

Prinzip Eigennutz: Die Matrix der biologischen Evolution

Vom Nutzen des Altruismus: Warum uns fremdes Leid berührt

Die Hölle sind die anderen: Der Dualismus der Ethik

Exkurs: Kulturelle Evolution und der Memplex (Bedeutung am Ende dieser Seite) des Bösen

 »Ihr habt den Teufel zum Vater!«: Der Nationalsozialismus und das Böse

Erste Zwischenbilanz: Die Banalität von Gut und Böse


Kapitel 2 Abschied von der Willensfreiheit


Das Gehirn und sein Ich: Warum die Hirnforschung unser Selbstkonzept erschüttert

»Tun können, was man will! « - Die Freiheit, die wir meinen

Jaqueline, Elliot und Mr. Spock: Wie Gefühle unser Verhalten bestimmen

Die Gedanken sind frei? Möglichkeiten und Grenzen der bewussten Verhaltenssteuerung

Die Furcht vor der Freiheit: Eichmann oder der Wille zur Ohnmacht


Kapitel 3 Falsche Konsequenzen


»Alles ist Schicksal?« Wie fatalistische Ideologien unsere Freiheiten untergraben

Jenseits des Fatalismus: Der Mensch ist keine Maschine

»Alles ist beliebig?«Wie relativistische Ideologien die Menschenrechte infrage stellen

Ins Anfang war das Interesse: Warum nicht alles gleich gültig ist

Zweite Zwischenbilanz: Das Paradigma der Unschuld


Teil II - Die neue Leichtigkeit des Seins

Kapitel 4 Das entspannte Ich


Heitere Gelassenheit: Die Kunst, sich selbst zu verzeihen

Was ist Glück? Oder: Warum griff Eva nach dem Apfel, der keiner war?

Das Bewusstsein des Wachsens: Was heißt es, ein glückliches Leben zu führen?

Rationale Mystik: Wie man die Weisheit des Ostens mit der des Westens verbindet

Kapitel 5 Entspannte Beziehungen


Kritik ist ein Geschenk: Die Kunst, Fehler einzugestehen

Vergeben statt vergelten: Warum wir lernen sollten, einander zu verzeihen

Kapitel 6 Die entspannte Gesellschaft


Gerächt ist nicht gerecht: Folgen für die Rechtsprechung

Apokalypse no! Die menschliche Solidargemeinschaft

Kapitel 7 Die frohe Botschaft für nackte Affen

 

Die Evolution frisst ihre Kinder: Eine Lektion in Bescheidenheit

Zu guter Letzt


Anmerkungen

 

Literaturauswahl


Ein paar Sätze aus der Einleitung (etwas grob gefiltert, da nach dem Copyright-Schutz nur etwa maximal 30 Zeilen zitiert werden dürfen):

"Das Böse ist eine Wahnidee, die zwar in unseren Köpfen herumspukt, für die wir in der Realität jedoch keine Entsprechung finden...  Gute und böse Menschen gibt es ebenso wenig wie gute und böse Katzen, Elefanten, Regenwürmer oder Delfine.

Als ich diese zugespitzte These vor etwa einem Jahrzehnt auf einer philosophischen Tagung vortrug, blickte ich in einigermaßen verstörte Gesichter. Von Gott und Teufel hatte sich das philosophisch gebildete Publikum, vor dem ich referierte, zwar weitgehend verabschiedet, doch an der Unterscheidung von Gut und Böse meinte es unbedingt festhalten zu müssen.

Und so stießen meine Argumente gegen das »moralische Schuldprinzip« auf hartnäckigen Widerstand - vor allem, als ich ausführte, dass sich auch Hitler und Stalin nicht aus »freiem Willen« für »das Böse« entschieden hatten...

Reaktionen wie diese sind verständlich. Denn unsere Gehirne wurden über Jahrhunderte hinweg auf der Basis von »Schuld und Sühne« und »Gut und Böse« programmiert. Dass man die Welt auch auf eine völlig andere Weise wahrnehmen könnte, kommt vielen Menschen gar nicht erst in den Sinn. Deshalb setzt sich derjenige, der den Versuch unternimmt, diese Denkmuster infrage zu stellen, der Gefahr aus, grob missverstanden zu werden...

Dass ich trotz dieser Gefahr abermals den Versuch wage, eine menschenfreundliche Philosophie jenseits von Gut und Böse zu skizzieren, mag man als Ausdruck von Dickköpfigkeit interpretieren. Doch im Laufe der Jahre ist in mir die Überzeugung gewachsen, dass ein konsequenter Abschied vom moralischen Dreigestirn »Schuld - Sühne - Strafe« das Beste wäre, was uns passieren könnte. Friedrich Nietzsche sah in diesem Abschied sogar den »Fortschritt aller Fortschritte«...

Verlieren würden wir durch den Abschied von Gut und Böse nichts, worauf wir nicht gut und gern verzichten könnten. Denn das traditionelle Gut-und-Böse-Schema hat uns im Kampf zu einer humaneren Gesellschaft keineswegs geholfen...

Ein Abschied von diesem archaischen Denkmuster würde uns - so eine der Hauptaussagen des vorliegenden Buches - nicht nur in ethischer Hinsicht stärken, er würde uns auch zu einer entspannteren Weltsicht verhelfen...

Sie sind skeptisch? Gut so! Würde ich einen Text lesen, der derartige »Welterlösungsformeln« enthielte, würden auch bei mir sofort sämtliche Alarmsirenen ertönen...

Wenn wir die Kraft der Wissenschaft nutzen, um illusionären Ballast über Bord zu werfen, mit dem wir gewöhnlich durch die Stürme und Flauten des Lebens schippern, so verhilft uns dies zu einer alternativen, heiter-gelassenen Lebenseinstellung, zu einer »neuen Leichtigkeit des Seins«...

So viel sei aber schon verraten: Es handelt sich um eine Lebensauffassung, die so manche negativen Emotionen, die uns als Einzelpersonen belasten und auch das Zusammenleben mit anderen erschweren - etwa Versagensängste, Minderwertigkeitskomplexe, Größenwahn oder Rachsucht -, gar nicht erst aufkommen lässt. Sie meinen, das sei unmöglich? Lassen Sie sich überraschen!..."


Kommentar: Für den USA-Expräsidenten, George Dabbelju Bush, gehörte alles und alle, die nicht seiner Meinung waren, zur "Achse des Bösen". Schmidt-Salomon bringt Beispiele aus den verschiedensten Ideologien, in denen das, was wir als durchaus annehmbar heute ansehen (nach Übereinkunft durch Menschenrechte), absolut böse ist. Homosexualität ist in vielen (islamischen) Ländern mit der Todesstrafe belegt, auch die bekennende Abkehr vom islamischen Glauben.

 

Jetzt eine besondere Geschichte als Zitat aus dem Buch: Ein streng Gläubiger ist überzeugt von seiner »Religion der Ehrlichkeit ..., der Barmherzigkeit, der Ehre, der Reinheit, der Frömmigkeit... der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit zwischen den Menschen... der Religion, die jedem Menschen sein Recht zuspricht und die Unterdrückten und Verfolgten verteidigt... der Religion, die das Gute belohnt und das Böse verbietet mit Hand, Zunge und Herz ... und der Religion der Einigkeit ... und der völligen Gleichstellung aller Menschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrer Sprache.« Diese soeben zitierten Sätze - bei Schmidt-Salomon zu finden auf Seite 69 - stammt originär aus "Die Reden des Osama bin Laden", herausgegeben von Marwan Abu-Taam und Ruth Bigalke, 2006, Kreuzlingen. Das hätte George Dabbelju Bush kaum "schöner" von seiner Glaubensrichtung sagen können. Dazu möchte ich erwähnen: Bush hat mit seinen Freunden (z.B. Toni Blair) allein im Irakkrieg 2003 zwischen 260 Tausend (Bericht der Zeitschrift Der Spiegel) und 1 Millionen (vorsichtige Schätzung der Uni in Kassel) mit einigen Millionen Flüchtlingen, 5 Tausend toten US-Soldaten, einer unbekannten Zahl an Verletzten  erreicht, mit welchem Ergebnis? Da muss sich ein Bin Laden (mit seiner Organisation Al Quaida = "Die Basis") ganz schön anstrengen, um in diese Größenordnung zu kommen. Zumindest stellt sich die Frage, wer ist denn der "objektiv böseste" oder der "bessere"...?

 

Schmidt-Salomon weist auf den Unterschied zwischen Moral und Ethik hin. (>Hier< eine ausführliche Seite - unabhängig vom Buch). Ferner geht er auf Schuld und Reue, vergleichbar mit Moral und Ethik, ein. Etwas anders ist der Zusammenhang von Schuld und Sühne, von Verbrechen und Strafe zu sehen, womit er sich ausführlich beschäftigt; z.B. Strafe ist "auf die Zukunft gerichtet", damit das Verbrechen gesühnt werden kann (könnte) und eine Wiederholung zu vermeiden sei (sein könnte). Rache ist auf die Vergangenheit gerichtet... Noch ein paar Stichworte wie "Sport ist so etwas wie Kriegsersatz", "Wachstum als Lebensprinzip"; denn ein einmal gefundenes Glück kann man nicht in einem "Einmachglas" konservieren. Die absolute Gleichförmigkeit in einem Paradies sei für uns Menschen auf Dauer unerträglich... und vieles mehr. Alles ist präzise und elegant formuliert, wobei es zu neuen, treffenderen Begriffsformen kommt, wie "Nicht-Theist" statt Atheist. (Wenn schon, würde ich für mich selbst vorziehen: Nicht-Gläubiger.)

 

Das, was im Buch fehlt, ist die Einbeziehung von psychopathologischen Verhaltensformen (>hier<), insbesondere unter Berücksichtigung der gefährlichen Psychopathen, die sich rücksichtslos wegen fehlender sozialer empathischer Fähigkeit (Vermögen und Bereitschaft, sich in die Erlebensweise anderer Menschen einzufühlen) in die höchsten Verantwortlichkeiten drängen. (Daher auch Soziopathen genannt. Mehr dazu >hier<.) In der vorgenannten Verzweigungsseite wird sogar gefragt: Sind Psychopathen so etwas wie eine feindliche Spezies im Menschengewand? Ich frage sogar noch weitergehend: Hat diese "menschenfeindliche Spezies" nicht bereits schon die Macht an sich gerissen bzw. war sie nicht immer in einer Machtposition, wobei diese psychopathischen Herrscher ohne irgendwelche Skrupel Kriege angezettelt, Umwelt zerstört, Lebewesen gequält haben oder meistens haben lassen?

 

Kritisch muss ich auf den Abschnitt in Schmidt-Salomons Buch "Was ist Glück?".. und den darauf folgenden Abschnitt eingehen (hängt mit dem oben erwähnten Stichwort "Wachstum als Lebensprinzip" zusammen). Nachdem Schmidt-Solomon meint, alle Menschen ersehnten sich Risiko und Ausdehnung der Lebensmöglichkeiten, wären auf der Suche nach Neuem, nach Veränderungen, was der Buch-Autor unter Wachstum versteht, dann muss ich dem entgegenhalten: Um die 80% unserer Mitmenschen sind (nach vielen Veröffentlichungen) irgendwie religiös weltanschaulich eingebunden (politische Religion >hier< einbezogen). Sie - unsere Mitmenschen - streben nach Sicherheit, Gleichförmigkeit. Sie fühlen sich in Gewohnheiten, in Vorgedachtem wohl. Sie sind wirklich wie nackte Affen, auf welchen Begriff Schmidt-Salomon immer wieder hinweist. Es muss ihnen alles gesagt werden. Sie wollen (und müssen) geführt werden. ("So nimm denn meine Hände und führe mich!" beginnt ein christliches Lied.) Die Mehrheit unserer Mitmenschen sehnt sich nach einer starken Führung (nach einem Gott), weshalb sie sich in einer Diktatur gut aufgehoben findet. Diese Mehrheit hat keinen ausreichenden Leidensdruck, um sich in einer solchen Diktatur einer rebellierenden Gegenbewegung anzuschließen, sie zumindest zu unterstützen. Ich habe noch das "Dritte Reich" erlebt. Mein 3 Jahre älterer Bruder rief einmal (1944, 14 Jahre alt und, wie üblich, in einer Uniform, die Amerikaner schon den Rhein überquert habend): "Wenn ihr noch einmal was gegen unseren Führer sagt, dann zeige ich euch an!" Wie es in islamischen Ländern aussieht, wird >hier< beschrieben und vom deutschen Auswärtigen Amt bestätigt (Verzweigung oben auf der Seite, einfacher >hier< direkt). Andererseits verweise ich auf einen auf den ersten Blick gegenteiligen Artikel über islamische Prägung (>hier<). Nach meinen eigenen "Umfragen" kann ich das nur für Großstädte bestätigen. Bei Nachfragen auf dem Lande, wo ich (wegen meiner deutschen Staatsangehörigkeit) sehr oft mit "Hitler gut" begrüßt wurde, hörte ich auf meine "USA-Frage": "Amerika Teufel"! Die (durchschnittliche) Wählermehrheit überall auf der Welt stimmt in der Regel konservativ; und der "schweigenden Mehrheit" ist alles egal. ("Wir können doch sowieso nichts machen.") Diese Leute sitzen vor dem Fernsehgerät und sehen sich "Talk-Shows" (Zurschaustellung von dummem Geschwätz), Fernsehköche, Krimis, Heimatfilme an. Man gehe einmal in eine Arztpraxis und werfe einen Blick auf die ausgelegte Auswahl an Lesestoff. (Man könnte fast frauenverachtend werden. Männer schauen schon mal - wenn kein Sport da ist oder etwas übers Auto - in, wenn vorhanden, "Der Spiegel" oder "Focus".) Hinzu kommt als Zeichen völliger, selbständiger Denkunfähigkeit, dass ich noch nie eine Person eine Seite habe umblättern sehen, ohne sich vorher die Finger abzulecken und das in einer Arztpraxis zum Austausch aller möglichen Krankheitskeime. Die Mehrheit unserer Mitmenschen wollen nichts Neues lernen, nichts Neues erfahren, selten einen Dokumentarfilm sehen. Mich klärte eine Nachbarin auf, als ich u.a. Krähen fütterte, dass diese gefährlich seien. Sie habe einen Film darüber gesehen. Diese Krähen seien sehr aggressiv. Mein Erklärungsversuch, dass sie sehr wahrscheinlich den (Krimi-)Film von Alfred Hitchkock "Die Vögel" gesehen habe usw., konnte sie nicht umstimmen. (Schließlich musste ich eine Anzeige - natürlich anonym - wegen Fütterung von Vögeln abwehren.) Unsere Mitmenschen träumen zwar von fremden Ländern, liegen dann dort aber (nach langem Flug z.B. nach Bali - Indonesien, östlich von Java) nur am Strand, suchen deutsches Essen und deutsche Getränke, allerdings in luxuriösen Hotels, die man sich in Europa nicht leisten kann (die es in dieser Form hier oft garnicht gibt).

 

Hinweisen muss ich noch auf die wiederholten Erwähnungen im Buch "Jenseits von Gut und Böse", dass wir Menschen ja nur nackte Affen seien, völlig bedeutungslos im Kosmos. Das ist zwar im Prinzip richtig. Dennoch: In diesem Zusammenhang erinnere ich ein Schild an der Tür in einer Kommune der semirevolutionären Studentenbewegung 1967/1968, auf dem zu lesen war: Was interessiert mich die Revolution, wenn ich Orgasmusschwierigkeiten habe? Der "nackte Affe" Michael Schmidt Salomon schreibt (auf einem völlig unbedeutenden Planeten sitzend, der im Vergleich zum Kosmos nicht einmal so groß ist wie ein Elektron, also viel kleiner als ein Staubkörnchen) Bücher, Artikel, doziert, gibt Interviews, erscheint zu Diskussionen, fährt Auto, fliegt hier- und dahin, benutzt das Internet und Computer. Dieser nackte Affe Schmidt-Salomon kann lesen und schreiben, sehr differenziert sprechen und zuhören, Klavier spielen, alles im Gegensatz zu seinen Mitaffen, den Schimpansen, Bonobus, Orang-Utans usw.. Dieser außergewöhnliche nackte Affe (immerhin noch mit ein wenig Haaren auf der Brust) ist voller Energie im Rahmen der humanistischen* Aufklärung... Zum Glück, kann man da nur sagen. Er ist verdammt gut! (>Hier< habe ich diesem Thema des "nackten Affen" eine Seite gewidmet.)

*  eine "wohltätige" Gesinnung, die für mitmenschliche Hilfsbereitschaft, für Achtung der Menschenwürde, für "Bildung des Geistes" und die Umsetzung der Menschenrechte (Wiederbelebung des alten griechisch-römischen Gedankengutes)

Die Gedanken im obigen Buch von Schmidt-Salomon sind meines Erachtens revolutionären als die eines Karl Marx mit seinem Kommunistischen Manifest, der berühmten politischen Flugschrift, die er zusammen mit Friedrich Engels im Auftrag des »Bundes der Kommunisten« in London 1848 vorgestellt hat. Deshalb sollte das Buch von Schmidt-Salomon eine Pflichtlektüre werden, da ein Weg zu einer neuen Weltordnung aufgezeigt wird (pathetisch ausgedrückt, d.h. heftig gefühlsvoll, aber ehrlich gemeint)!

 

Hingewiesen sei noch auf den ganz ausgezeichneten Kurzfilm von etwa 3 1/2 Minuten:

"Children of Evolution", "Evolutionstag statt Christi Himmelsfahrt"

Text und Musik: Michael Schmidt-Salomon

Vocals: Michael Schmidt-Salomon und Anke Beuth

Instruments & Mix: Guido Draveiro

Recorded & mixed at: Pork & Rabbit Studio, Cologne

Label Code: (LC11741, Hoppla!Musik,

Charles Darwin (im Bild rechts: Walter Gontermann)

Regie und Postproduction: Ricarda Hinz und v3 virtual studio

www.videoteuse.de

Im Auftrag der Giordano Bruno Stiftung 2009 und zu sehen unter:

http://www.giordano-bruno-stiftung.de

Walter Rath, 4. Dezember 2009

 


Doch noch eine Leseprobe, die zeigen soll, wie Schmidt-Salomon auf wenigen Seiten (ab Seite 55 des Buches) die Entwicklung zu den heutigen Lebensformen, also etwas nicht ganz und direkt zum Anliegen des Buches Gehörendes, hinreichend erklären kann:

1. Akt (Die Entstehung des Lebens): Vor etwa vier Milliarden Jahren entstanden in den warmen Urozeanen der Erde die ersten organischen Moleküle, insbesondere Amino-, Nuklein- und Fettsäuren, die Grundbausteine des Lebens...  Einige Protozellen enthielten jedoch zufällig einen Satz von Nukleinsäuren1, die in der Lage waren, Kopien von sich selbst anzufertigen. Durch Mutationen ... entstanden so die ersten »echten« Einzeller (Urbakterien). Dies war der eigentliche Startschuss zum Beginn des darwinischen Spiels, des Wettbewerbs um das genetische Überleben, wenn auch noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

2.Akt (Die Entstehung mehrzelliger Lebewesen): Vor etwa 2,2 bis 1,5 Milliardenjahren kam es zum »Schlüsselereignis der Zell-Evolution«: der Entstehung von ... Zellen mit (membranumgrenztem) Zellkern und Organellen (organähnlichen Gebilden), die die Grundlage für die Entstehung mehrzelliger Lebensformen (Algen, Pilze, Pflanzen und Tiere) bilden. ... Vor rund 1,2 Milliarden Jahren entwickelten sich aus den einzelligen ... Organismen mit Zellkern die ersten mehrzelligen Algen, die aufgrund ihrer Photosynthesefähigkeit zu einem Anstieg des Sauerstoffgehalts in den Urozeanen beitrugen. Das wiederum war die Voraussetzung für die Entstehung mehrzelliger Tiere.

3.Akt (Die Entstehung der Sexualität): Vor 600 Millionen Jahren kam es zur ... »Erfindung« der Sexualität. Während Lebewesen, die sich asexuell, also durch einfache Zellteilung vermehren, in der Regel genetisch identische Nachkommen erzeugen, führt die sexuelle Fortpflanzung durch die Neukombination des Erbmaterials - ein Teil stammt von der Mutter, der andere vom Vater - zu genetisch unterschiedlichen Nachkommen (Ausnahme: eineiige Zwillinge). Sexualität ist also unweigerlich mit einem Anstieg der genetischen Variabilität verbunden ... Innerhalb von wenigen Jahrmillionen entstanden unzählige Arten wirbelloser Tiere und Fische. Und so dauerte es auch nicht lange, bis die ersten Lebewesen das Ökosystem der Urozeane verließen. Vor 450 Millionen Jahren siedelten sich die ersten Pflanzen außerhalb des Meeres an, die ersten Landwirbeltiere traten vor 416 Millionen Jahren auf... dem Prinzip des genetischen Eigennutzes folgend...

Die Vorstellung, dass Gene Organismen erschaffen, um auf diese Weise für die eigene Fortexistenz zu sorgen, klingt einigermaßen absurd. Denn Nukleinsäuren besitzen natürlich kein Bewusstsein, haben keinerlei »Interessen«. ...Es wurde ... lange Zeit übersehen, ... dass in der Evolution prinzipiell nur Gene weitergegeben werden, nicht Individuen oder Gruppen.

... unsere eigene Existenz: Am Anfang, neun Monate vor unserer Geburt, stand eine einzelne, befruchtete Eizelle, die die Erbinformationen enthielt, auf deren Basis unser Organismus erschaffen wurde. Wenn wir sterben, wird dieser individuelle Organismus unwiederbringlich verloren gehen. Von uns als Individuen wird biologisch nichts bleiben - außer jene Teile unserer Erbinformation, die in unseren Kindern weiterleben und von ihnen vielleicht an kommende Generationen weitergegeben werden. Insofern sind tatsächlich die Gene - nicht die Individuen - das Alpha und das Omega der Evolution. Während Individuen sterben, Gruppen zerfallen und Arten untergehen, setzt sich das vor Jahrmilliarden gestartete Spiel der genetischen Vervielfältigung kontinuierlich fort.

Die ersten genetischen Replikatoren (Verdoppelungen, "Nachbildungen") entstanden, wie wir gesehen haben, durch Zufall im ersten Akt der biologischen Evolution. Sie vervielfältigten sich, ohne dass dabei so etwas wie ein »Wille zur Fortpflanzung« vorherrschte. Es war wie ein Uhrwerk, das, einmal aufgezogen, einen kontinuierlichen Prozess in Gang setzte. Gene, die sich erfolgreich fortpflanzen konnten, überlebten, weniger erfolgreiche schieden aus dem Wettbewerb aus.

...Während es Genen völlig egal war und ist, ob sie erfolgreich sind oder nicht, trat bei den von ihnen erzeugten Organismen früh eine Art Proto2bewusstsein für Wohl und Wehe auf. Wie wir wissen, können schon einfachste Lebewesen wie Amöben zwischen vorteilhaften, neutralen und aversiven Reizen (Aversion = "Abneigung", etwa zu großer Hitze) unterscheiden und auf Letztere reagieren, indem sie sich zurückziehen (um überleben zu können und um nicht auszusterben).

1 Kernsäuren, in den Zellen aller Lebewesen. Die besondere Reihenfolge von Basen im Nucleinsäuremolekül bestimmt eine entsprechende genetische Information.
2 griechisch: erst, vor, ur
 

Anmerkung (Walter Rath): Einiges mußte weggelassen, ein wenig umgestellt und ergänzt werden, damit die Textlänge in der Copyright-Grenze (höchstens 30 Zeilen) gehalten werden konnte. Dennoch ist hoffentlich der Inhalt verständlich geblieben.



Die Mem-Theorie (besser noch als Hypothese zu bezeichnen; denn nicht ganz bewiesen) als Idee, Gedanken in einer Theorie der "Memetik" (latein: memoria = Gedächtnis, französisch: meme =gleich, griechisch: mimeisthai = nachahmen; man kann es sich aussuchen). MEM erschien wahrscheinlich zum ersten Mal bei Richard Dawkins (>hier< der Lebenslauf) 1976 in seinem Buch "Das egoistische Gen (The Selfish Gene).

 

Es war einmal bei Wikipedia zu lesen: "Solch ein Mem entwickelt sich zuerst im Fühl- und Denkvermögen eines Individuums und wird durch Kommunikation weiterverbreitet. Durch individuelles Nachdenken und durch Austausch mit anderen Memen entwickeln sie sich weiter. Beispiel: Ein Gerücht, das von einer Person erdacht und mitgeteilt wird, verbreitet sich je nach Brisanzgrad weiter. Es tauchen weitere Varianten des Gerüchtes auf. Das Konzept „Mem“ ist eine Analogiebildung zur darwinschen Theorie der natürlichen Selektion für den Bereich der Kultur. Grob gesagt bedeutet ein Mem für die kulturelle Entwicklung das Gleiche wie ein Gen für die biologische Entwicklung."

 

Die Bezeichnung Memplex findet sich (wahrscheinlich) erstmals 1998 in einem Vortrag von H.C.Speel auf dem Kybernetik-Kongress im flämisch-belgischen Namur. Titel seines Vortrages: Why Memes are also Interactors; zu deutsch: "Warum Meme auch interaktiv sind", gemeint in der Kybernetik [griechisch: Steuermannskunst] die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Maschine, in der Soziologie: Wechselbeziehung zwischen Individuen und einer gesellschaftlichen Gruppe oder der Gesellschaft insgesamt usw. Das würde bedeuten: Meme sind übertragbar, sogar vererbbar [weitergebbar] und werden dann komplex, als eine Einheit mit mehr oder weniger vielen Teilen, die wiederum vielfältig miteinander verknüpft sind.

Der Begriff »koadaptiver Memkomplex« wurde von Richard Dawkins (>hier<) eingeführt usw. >Hier< ein Artikel, die Meme betreffend. Zu beachten mein Kommentar, der noch einmal an dieser Stelle wiederholt sei:

Die Überlegungen, sich Meme vorzustellen, ist ganz lustig, aber nicht ernst zu nehmen; denn das Problem ist ein rein psychisches. Die Stichworte der psychischen Religionsbereitschaft und des sich einhüllen in die jeweils herrschende Religion und Ideologie (Weltanschauung) sind - zusammengefasst - >hier< zu finden. Genau so wie bisher keine Art von (vermutetem zusätzlichem) Gehirn im so genannten "hohlen Bauch" nachzuweisen war, wird man (sehr wahrscheinlich) auch keine "Meme" finden.


Wenn schon "Meme", so etwas wie eine Virusinfektion, dann sterben diese Meme, so wie die Viren auch, mit unserem individuellen Tod; denn ein Kind, das in Europa geboren worden ist, dort vielleicht sogar eine kurze Zeit gelebt hat, wird nicht automatisch in einem asiatischen Land die Muttersprache sprechen und die kulturelle Tradition befolgen, wenn es also in einen anderen Kultur- und Sprachraum kommt, wenn es also woanders die prägende Kindheit verbringt. - Psychologen und Soziologen sollten auch nicht umsonst geforscht haben, um ohne Meme (= Mems) auskommen!

Walter Rath


Als "Zugabe" zur Bucheinleitung eine Karikatur:

 

Einleitung

Die Geschichte von Eva und dem Apfel, der keiner war

Das Sündenfall-Syndrom

Rückkehr zum Baum der Erkenntnis

Er mag gar keine Äpfel

 

(>Hier< die biblische Beschreibung des "Sündenfalles")