Werbepsychologie

>Hier< ein wenig zur Propaganda.
>Hier< zum Buch von Vance Packard "Die geheimen Verführer -
Der Griff nach dem Unbewußten in jedermann" (auf dieser Seite)
und
>hier< zur "Konsumentenpsychologie" (getrennte Webseite).
Werbepsychologie
von
Hans-Joachim Hoffmann
Prof. a. d. Hochschule f. bild. Künste Berlin (Abt. Werbung)
Sammlung Göschen Band 5009
Walter de Gruyter
Berlin • New York . 1972
Printed in Germany.
Satz und Druck: Max Schönherr KG, Berlin
ISBN 3 11 004023 9
INHALT
ERSTER TEIL: GRUNDLAGEN
1. Psychologie in der Werbung
1.1. Werben
1.2. Werbung und Psychologie
1.3. Gesellschaftliche Funktion der Werbung
|
2. Beeinflussung durch Werbung 2.1. Handlungsanweisungen zur Beeinflussung
3.
Widerstand gegen Werbung 3.3.1.
Negieren
4.1. Latente Anthropologien in der Werbung 4.2.
Werbepsychologische Denkmodelle als Modellregelstrecke
5.5. Exploratives Verhalten
6.
Impact-Modell
7.
Einstellungsmodell 7.2.2. Einstellungen als intervenierende Variable 7.3.
Methoden 7.3.3.
Tendenzmaße Einstellungsmodells
8.
Image-Modell |
8.2. Modell 8.2.5. Nischen-Theorie 8.3.
Methoden
10.5. Umkehrbarkeits-Hypothese und fehlende operationale Strategiefindung als Schwächen des Modells
11.1.
Grundannahme
12.3.3.
Ermittlung der Fortgeschrittenheit des Adoptionsprozesses 12.4.1. Adoptionsprozeß und seine zeitliche Erstreckung 12.4.2. Adoption und Beeinflussung 12.4.3.
Werbepsychologische Modelle beschreiben den Adoptionsprozeß Literatur Namen- und Sachregister
|
Werben hat sicher in erster Linie etwas mit bewerben zu tun, mit sich
präsentieren durch Gestik, Mimik, Kleidung, seinen Besitz zeigen. Hoffman geht
vom Tierreich aus und sucht Parallelen:
Statt
"Knurren: schreien, die Zähne vor Wut fletschen, auf den Tisch schlagen, Angriffsrufe beim Sport oder Beschimpfungen ausrufen wie »du dreckiger Lügner«, »die Roten«, »die habgierigen Kapitalisten«." Die Wirkung des Knurrens liegt im Abstand erzeugen
Statt
"Schnurren: sich aus Zärtlichkeit anschmiegen, vor Freude tanzen,
klatschen, lachen, in der Badewanne singen, öffentliche Begrüßungsformeln,
Tischreden, sich in freundlichen Farben kleiden...
Die Wirkung des Schnurrens im Erzeugen des Gefühls der Gemeinsamkeit."
In jeder Werbung erfolgt Informationsübermittlung und "Werben zum Zwecke eines Beeinflussungsversuches" durch Überredung verbunden mit Manipulation.
Die geeignetsten Mittel zur Werbung sind die Medien (Medium: Mittel, Vermittler von Informationen, wie Lehr- und Lernmittel, Werbeträger, Plakate, Flugblätter = Flyer neudeutsch, Zeitung, Broschüren, Buch, Rundfunk, Film und Fernsehen, Bild- und Tonträger). "Wer die Medien kontrolliert, beeinflusst auch das Publikum, die Öffentlichkeit, die Allgemeinheit", wissen die Werbepsychologen.
Ausführlicheres zum Thema "Medien":
Brainwash
- Gehirnentwicklung im Sog der Medien,
2 DVDs
Seminar zu Manipulation und Gewalt in neuen Medien, September 2008.
Wie aus medialen Sinneseindrücken
Gehirn- und Persönlichkeitsveränderungen entstehen. Fernsehen und PC,
Play-Station und Internet nehmen im Alltag von Kindern und Jugendlichen immer
mehr Raum ein. Je nach Form, Intensität und Konsumdauer beeinflussen sie die
Entwicklung der emotionalen, körperlichen und psychosozialen Fähigkeiten.
Vier ausgewiesene Experten klären im Seminar über die Hintergründe auf. Die
Schwerpunkte sind
• neurobiologische Grundlagen
• Gehirn- und Persönlichkeitsentwicklung unter Medieneinfluss
• Aggression ist angeboren, Gewalttätigkeit wird gelernt
• Reizüberflutung und ihre Konsequenzen
• Computerspiele - Abhängigkeits- und Suchtpotenzial
• sexualisierte Gewalt in den Medien
• Medienkompetenz - was ist das?
• u.a.m.
Die Referenten: der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther; der Facharzt für
Kinder- und Jugendpsychiatrie Lutz Ulrich Besser; der Diplom-Sonderpädagoge
Stefan Kanke; und Franco Bettels, Kenner der Computerspiel-Szene.
Für Pädagogen, Ärzte, Eltern, Juristen u.a.
Orig. Ausg. € 139.95 bei "AUDITORIUM - Netzwerk"
Herausgeber: Bernd Ulrich
Als Sonderausgabe bei Jokers
www.jokers.de/hoersaal
Best.-Nr. 49 91 611
komplett nur € 19.95 ca. 12 Stunden 16 Minuten.
"Werbung wird die geplante,
öffentliche Übermittlung von Nachrichten dann genannt, wenn die Nachricht das
Urteilen und/oder Handeln bestimmter Gruppen beeinflussen und damit einer Güter,
Leistungen oder Ideen produzierenden oder absetzenden Gruppe oder Institution
(vergrößernd, erhaltend oder bei der Verwirklichung ihrer Aufgaben) dienen soll.
Besondere Formen der Werbung können wir unterscheiden: nach der werbenden Gruppe
oder Institution, nach dem Inhalt oder der Gestaltung der Nachricht und nach der
Stärke begleitender Sanktionen. Nach der institutionellen Zugehörigkeit können
wir zum Beispiel sprechen von:
kultureller Werbung (Bibliotheken, Theater, Konzert)
Volksaufklärung (Gesundheitswesen)
Missionstätigkeit
(Kirche)
Propaganda,
politische Werbung (Parteien, Staat)
Wirtschaftswerbung
(Wirtschaft).
Der Wirtschaftswerbung entnehmen wir die meisten Erfahrungen für die Werbepsychologie, wenn andere Werbungen auch traditionsreicher sind. Das hat verschiedene Gründe: In der Wirtschaftswerbung wird das meiste Geld (nicht nur für die Werbung, sondern auch für die Forschung) ausgegeben. In der Wirtschaftswerbung ist man am ehesten bereit, zielgruppengerecht zu planen. Und schließlich sind in ihr (und auch in der Volksaufklärung) die begleitenden Sanktionen am schwächsten. Dadurch werden die Wirkungsursachen ihrer werblichen Maßnahmen besser abschätzbar, und es bedarf in der Forschung keiner komplizierten Scheidung von Werbung und Sanktion.
Gesellschaftliche Funktion der Werbung
Jedes Mitglied der Gesellschaft kann nur in ein, zwei Institutionen stärker
engagiert mitarbeiten. Dort ist er relativ genau informiert, aber auch
keineswegs über alles. In allen anderen Institutionen ist er ein Fremder, der
sie als Freizeitmöglichkeit, als notwendiges Übel oder als vermeidbar
betrachtet. Würde er die Zeit aufbringen, sich über jede Institution zu
informieren, so wäre er nicht nur überfordert, sondern er wäre nirgends genau
informiert: die beste Voraussetzung zur Entwicklung von Vorurteilen. In
dieser Situation muss die Institution das für sie erstrebenswerte Verhalten
direkt auszulösen trachten: und zwar durch Werbung. Ohne Werbung würden die
meisten Institutionen wirkungslos werden. Ohne Werbung würden sich die
entsprechenden Bereiche der Gesellschaft isolieren und in esoterischer
Selbstbefriedigung zu Fremdkörpern werden. Hierfür gibt es im religiösen
Bereich Beispiele.
Statt die Mittel der Werbung zu benutzen, bemühen sich die das Zusammenleben
regelnden Institutionen durch den Einsatz von Sanktionen bzw. eines psychischen
Drucks ihre Wirksamkeit zu erhalten. Bei der Heirat, bei der Übernahme eines
Amtes oder bei der Besitznahme von Grund und Boden beobachten wir deshalb:
pompöse, geschraubte Ausdrucksweise, Anruf übernatürlicher Mächte, Androhung von
Strafe, einleitendes Zeremoniell, besondere Kleidung, Zeugen, Wiederholungen und
eine abschließend entlastende Feier."
Wichtige Punkte für Propaganda
(heut spricht man gerne von Medienwirksamkeit):
1. Man gebe etwas zu Bekämpfendem einen schlechten Namen. ( Proletarier, Juden,
Araber, Asiaten, Kapitalisten, Studenten...) Gegner werden mit verachteten
Persönlichkeiten gleichgesetzt (Alias Frahm, Terrorist soundso).
2. Eigene Ziele bekommen Prestige genießende Namen (Menschlichkeit, Frieden,
Solidarität, Demokratie, Fortschritt, Innovation = planvolle und zielgerichtete
Erneuerung, [Er]Neugestaltung. Der Krieg wird zum Kreuzzug, zur
Vorwärtsverteidigung. Gruppen - wie "Schurkenstaaten", terroristische
Vereinigungen, überhaupt das Böse müssen vernichtet werden).
3. Es ist die Illusion zu erwecken, dass der Propagandist sich mit dem „einfachen
Manne", dem „Arbeiter" solidarisch ist (NSDAP = Nationalsozialistische Deutsche
Arbeiterpartei). Dabei ist deutlich zu machen, dass doch ein jeder diesen
Standpunkt vertritt.
4. "Zeige, dass du einem dringenden Bedürfnis entgegenkommst. Eventuell sollte
man ein solches Bedürfnis schaffen (wie nach Sicherheit), etwa indem man jedes Ereignis groß
herausstellt, das dieses Bedürfnis stimuliert. Eine andere Möglichkeit ist das
Stiften von Verwirrung und Unsicherheit. Sodann biete eine Patentlösung an, die die
angeblich chaotische Situation ordnet.
5. Gestalte und formuliere deine Nachrichten kurz, einfach, anschaulich, verständlich. Wiederhole sie möglichst häufig. Um keine Sättigung auszulösen und den Lernerfolg zu erhöhen, gestalte deine Nachricht bei jeder Wiederholung neu. Verlange keine schwierigen Denkleistungen, sondern arrangiere zutreffende und unzutreffende Fakten so, dass sie wie eine logische Ableitung wirken" (nach H.J.Hoffman).
>Hier< zum Buch von Hannah Arendt: "Totale Herrschaft"...

Die geheimen
Verführer
Der Griff nach dem Unbewußten in jedermann
von
Vance Packard
Ullstein Buch Nr. 402
im Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt/M - Berlin - Wien
Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Hidden Persuaders
Ungekürzte Ausgabe
Umschlagentwurf: Heinz Kröhl
© 1957 by Vance Packard
Alle Rechte der deutschsprachigen Ausgabe bei Econ-Verlag GmbH, Düsseldorf
Printed in Germany 1974
Gesamtherstellung: Ebner, Ulm
ISBN 3 548 02402 5
Buchrückseite:
Wußten Sie, warum Milch - »seelisch befrachtet« ist? Weshalb
Hausfrauen in Selbstbedienungsläden von rot verpackten Waren unwiderstehlich
angezogen werden? Wieso selbst zahlungskräftige Männer sich für die Limousine
entscheiden, obwohl das ausgestellte Kabriolett sie zum Autokauf in den Laden
gelockt hat? Ob eine Ware beim Kunden »ankommt«, hängt oft von solchen Fragen
ab. Psychologen und Marktforscher suchen sie zu beantworten. Wie, das schildert
Vance Packard. Er beschreibt eindringlich, was auf uns zukommt, wenn
Reklamefachleute Erkenntnisse der modernen Psychologie auswerten, deren
Nutzanwendung nicht immer ungefährlich ist. Er weist nach, in welchem Ausmaß
unser Denken und Fühlen schon heute »unterschwellig« von der Werbung beeinflußt
wird. Bei uns haben die »geheimen Verführer« ebenfalls begonnen, in private
Lebensbezirke einzudringen. Vance Packards Buch, das in der amerikanischen
Öffentlichkeit sensationelles Aufsehen erregte, wird daher auch den deutschen
Leser nachdenklich stimmen.
Leseprobe:
ÜBER DIE HINTERTREPPE DER TIEFENPSYCHOLOGIE
Dieses Buch stellt einen Versuch dar, ein fremdes und ziemlich üppig wucherndes
neues Gebiet des amerikanischen Lebens zu erkunden. Es handelt von der Art und
Weise, in der viele von uns - weit mehr, als wir erkennen - in ihrer
alltäglichen Lebensführung beeinflußt und bearbeitet werden. Mit oft
eindrucksvollem Erfolg werden in großem Maßstab Anstrengungen aufgewendet, um
unsere gedankenlosen Gewohnheiten, unsere Kaufentschlüsse und unsere
Denkvorgänge zu steuern, indem man sich der aus der Psychologie und den
Sozialwissenschaften aufgelesenen Einsichten bedient. Bezeichnenderweise gelten
diese Anstrengungen einer Schicht unterhalb unserer Bewußtseinsebene, so daß die
Antriebe, die uns bewegen, oft gewissermaßen »verborgen« sind.
Einiges an den Bearbeitungsversuchen ist schlichtweg ergötzlich. Einiges ist
beunruhigend, besonders wenn man es als Vorzeichen dessen betrachtet, was uns
allen in stärkerem und wirksamerem Maße noch bevorstehen mag. Bereitwillig haben
die damit befaßten Wissenschaftler manches furchtbare Werkzeug dazu
beigesteuert.
Die Anwendung der Massenpsychologie auf Werbefeldzüge ist zur Grundlage einer
Multimillionen-Dollar-Industrie geworden. Die gewerbsmäßigen Propagandisten
haben sich bei ihrem Tasten nach wirksameren Mitteln, uns ihre Ware zu verkaufen
- mögen es Erzeugnisse, Ideen, Haltungen, Kandidaten, Ziele oder geistige
Einstellungen sein -, darauf gestürzt.
Diesen tiefenpsychologischen Weg, unser Verhalten zu beeinflussen, geht man auf
vielen Gebieten und bedient sich dabei einer Vielfalt von sinnreich erdachten
Methoden. Am ausgiebigsten benutzt man ihn, um auf unsere täglichen Handlungen
als Verbraucher einzuwirken. Der Verkauf von Erzeugnissen im Werte von
Milliarden wird durch diese noch kaum den Kinderschuhen entwachsenen Methoden
bedeutsam beeinflußt, wenn nicht gar revolutioniert. Zwei Drittel der hundert
größten amerikanischen Inserenten haben ihre Werbefeldzüge auf das
tiefenpsychologische Verfahren umgeschaltet und befleißigen sich der durch die
sogenannte Motivanalyse eingegebenen »Kriegskunst«.
Mittlerweile haben sich viele führende amerikanische Public-Relations-Fachleute
die Lehren der Psychologie und der Sozialwissenschaften zu eigen gemacht, um
noch geschickter zu verfahren, wenn es darauf ankommt, uns ihren Vorschlägen
geneigt zu machen. Spendenfachleute nehmen ihre Zuflucht zu
tiefenpsychologischen Verfahren, um aus uns mehr Geld herauszupressen. Eine
beträchtliche und zunehmende Anzahl von industriellen Unternehmungen (darunter
einige der größten) ist bemüht, das Verhalten ihrer Belegschaft - besonders der
leitenden Angestellten - mit Hilfe psychiatrischer und psychologischer Techniken
zu untersuchen und zu formen. Schließlich begegnet man der Tiefenpsychologie
auch bei den Berufspolitikern, die den Wähler, der mehr und mehr wie Pawlows
dressierter Hund behandelt wird, intensiv mit Symbolen und Wiederholungen
bearbeiten.
Die Bemühungen der Meinungsbildner, unsere Alltagsgewohnheiten nach verborgenen
Bedeutungen abzutasten, sind oftmals rein wegen der Augenblicksoffenbarungen
über unser Innenleben interessant, die sie uns vermitteln. Ihre Untersuchungen
enthüllen uns häufig als spaßige Darsteller in einer heiteren Welt Thurberscher*
Marionetten. Die Erkenntnisse der Tiefenpsychologen versorgen uns mit
verblüffenden Erklärungen für viele unserer täglichen Gewohnheiten und
Eigenheiten. Es scheint, daß unser Unterbewußtes ziemlich wild und ungebärdig
sein kann.
* James Thurber US-amerikanischer Schriftsteller und Zeichner (1894 bis1961): Humoresken, Satiren, Fabeln (Tiergeschichten).
Natürlich halten diese »Erforscher« nach dem Warum unseres Verhaltens Ausschau,
damit sie unsere Gewohnheiten und Entschlüsse um so wirksamer zu ihren Gunsten
bearbeiten können. Deshalb haben sie untersucht, warum wir die Banken scheuen,
warum wir diese großen »dicken« Wagen lieben, warum wir in Wirklichkeit Häuser
kaufen, warum Männer Zigarren rauchen, warum die Wagenart, die wir fahren, die
Benzinmarke verrät, die wir tanken, warum Hausfrauen regelrecht in
traumwandlerische Verzückung geraten, wenn sie einen großen
Selbstbedienungsladen betreten, warum Männer durch Kabrioletts in die
Ausstellungsräume der Autohändler gelockt werden, am Ende aber Limousinen
kaufen, warum der Sohn zum Frühstück Cornflakes liebt, die knacken, krachen und
knuspern.
Aus der heiteren Thurberschen Welt geraten wir jedoch in die eisige Welt George
Orwells und seines Großen Bruders, sobald wir einige der extremen Versuche
beleuchten, wie sie zur Erforschung und Bearbeitung des Verbrauchers bereits im
Gange sind.
Irgendwelche Untersucher kundschaften zum Beispiel systematisch unsere geheimen
Schwächen und Fehler in der Hoffnung aus, unser Verhalten desto ergiebiger
beeinflussen zu können. Die Psychologen des Mitarbeiterstabes einer der größten
Werbeagenturen Amerikas machen einen Versuch, an menschlichen Studienobjekten
herauszufinden, wie Leute, die sehr ängstlich, um ihre Gesundheit besorgt,
feindselig oder passiv sind, zu gewinnen und »ansprechbar« sind. Eine Chicagoer
Werbeagentur hat den Menstruationszyklus der Frau und seine psychologischen
Begleiterscheinungen untersucht, um die Momente zu entdecken, die beim Verkauf
bestimmter Lebensmittel die stärkste Anziehungskraft auf sie ausüben.
Anscheinend schrecken die Tester und Manipulatoren vor keiner Frage zurück, und
nichts ist ihnen heilig. Die gleiche Chicagoer Agentur hat psychiatrische
Untersuchungstechniken auf kleine Mädchen angewandt. Public-Relations-Fachleute
beraten Geistliche, wie sie ihre Gemeinden wirksamer bearbeiten können. In
einigen Fällen wählen diese Überredungskünstler sogar unsere Freunde für uns
aus, wie es bei einer großen »Gemeinschaft von morgen« in Florida geschieht.
Freunde wie Wäsche werden beim Angebot der Häuser von der Geschäftsleitung
mitgeliefert. Alles zusammen in einer einzigen großen Hochglanzverpackung.
Traurige Muster der neuen Überredungskünstler, die da an der Arbeit sind,
tauchen nicht nur im Handel, sondern auch in der Politik und im Verhältnis
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf. Der Bundesvorsitzende einer
politischen Partei ließ seine kaufmännische Betrachtung der Wahlen des Jahre
1956 insofern erkennen, als er von seinen Kandidaten als Waren sprach, die es zu
verkaufen gelte. Heute wird in vielen Industrieunternehmen das
Verwaltungspersonal von geschulten, betriebsfremden Sachverständigen
psychoanalysiert und seine künftige Entwicklung karteimäßig erfaßt. Und dann
gibt es in Kalifornien jene Handelsschule, die den Arbeitgebern gegenüber sich
rühmt, ihre Absolventen soziologisch so zurechtzukneten, daß sie, wie eine
Fachzeitschrift bewundernd schrieb, »Menschen nach Maß« werden, die unter
Garantie die richtige Einstellung - vom Arbeitgeberstandpunkt aus - mitbringen.
Was in vielen Fällen die Überredungskünstler wollen, faßte einer ihrer führenden
Männer, der Präsident der Public Relation Society of America, in einem Satz
zusammen, als er in einer Ansprache an die Verbandsmitglieder sagte: »Das
Material, mit dem wir arbeiten, ist die Struktur des menschlichen Geistes.« Bei
vielen ihrer Versuche, unsere geistige Struktur zu bearbeiten, wird den
berufsmäßigen Propagandisten direkte Hilfe und Führung von angesehenen
Sozialwissenschaftlern zuteil. Mehrere Professoren der Sozialwissenschaft an der
Columbia-Universität nahmen beispielsweise an einem von Dutzenden New Yorker
Public-Relations-Fachleuten besuchten Universitätsseminar teil. Bei dieser
Gelegenheit zeigte ein Professor diesen Manipulatoren in einer Art Lehrgespräch
die Grundformen geistiger Bearbeitung auf, die sie mit höchster
Erfolgswahrscheinlichkeit anwenden könnten.
Alle diese Untersuchungen und Manipulationen haben ihre konstruktiven und ihre
erheiternden Seiten; aber - und das sollte nicht verschwiegen werden - sie
bergen auch ernstliche menschenunwürdige Folgerungen. Vieles daran erscheint
eher als Rückschritt denn als Fortschritt des Menschen in seinem langwährenden
Bemühen, ein vernünftiges und selbstbestimmtes Wesen zu werden. Tatsächlich
scheint mit der wachsenden Macht unserer Verführer etwas Neues in den
amerikanischen Lebenszuschnitt einzudringen...