Ein Vegetarier

Ist der Mensch die Krone der Schöpfung?

 

Aus dem MAGAZIN des Kölner Stadt-Anzeiger vom 6./7. Dezember 2008, ein Interview, das NINA SCHMEDDING mit dem 40-jährigen Thomas Dürr - Thomas D genannt, der nach dem Schulabschluss eine Friseurlehre beginnt. Es kommen Jobs an der elterlichen Tankstelle sowie als Hausmeister hinzu. Zu Zeit lebt er zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter in einer Künstlerkommune auf einem Bauernhof. >Hier< noch etwas mehr
 



Der 1968 in Stuttgrat geborene Thomas Dürr
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Lieber Thomas D, Sie leben auf einem Bauernhof auf dem Land. Weil Sie lieber die Natur um sich haben als Menschen?

 

THOMAS D

Die Natur lässt mich durchatmen. Den Horizont sehen. Das ist Lebensqualität für mich. Ich habe dort die Erkenntnis, dass jedes Blatt, jeder Grashalm, jeder Baum, den ich sehe, einzigartig ist.
Natürlich ist das in der Stadt auch so. Jeder Mensch ist schließlich einzigartig. Aber die se Erkenntnis ist draußen näher. Man wird da nicht so abgelenkt.
 

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Das hört sich spirituell an. Sind Sie religiös?


THOMAS D

 Nein. Tierschutz ist Selbstschutz. Dafür muss man nicht spirituell ell sein. Diese se Welt ist eins. Wenn irgendwo die Umwelt verschmutzt ist, kennt diese Umweltverschmutzung keine Grenzen, in denen sie bleibt. Wenn wir den Tieren etwas antun, kommt das zu uns zurück. Das ist nichts Esoterisches, und das hat auch nichts mit Gott zu tun. Das ist einfach ein Zusammenhang, der zwischen uns allen existiert.


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st der Mensch die Krone der Schöpfung?


THOMAS D

Natürlich sieht der Mensch sich als Krone der Schöpfung. Aber man kann es auch anders sehen. Ohne den Einzeller hätten wir zum Beispiel nicht die Amöbe gehabt, und keine Tiere und auch keine Menschen. Also eigentlich müssten wir es umdrehen. Das Höchste ist das Niedrigste, nämlich das, aus dem wir alle entstanden sind. Also insofern ist es nicht der Mensch. Der Mensch ist das Ende der Schöpfung.

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Warum sind Sie Veganer(>hier<)?

 

THOMAS D

Ich muss sagen, dass ich Vegetarier bin, ich komme mit dem Vegan-Sein nicht durch. Es fällt mir sehr schwer, besonders wenn ich rausgehe, irgendwo ist immer Käse drauf oder Sahne drin. Also gucke ich halt, dass meine Produkte wenigstens aus dem Biobereich kommen. Aber ich esse kein Fleisch und ich versuche auch, kein Leder zu tragen, so dass ich zumindest an der Tierhaltung, wie sie stattfindet, nicht beteiligt bin.


Ich bin der Meinung, dass es ein gleiches Recht für alle gibt. Und das heißt nicht, wie manche meinen, ich würde meinen Hund von meinem Teller essen lassen. Das gleiche Recht heißt: das Recht auf Vermeidung von Schmerzen und auf ein möglichst freies Leben, so lange es die Freiheit des anderen nicht einschränkt. Und das Recht sollten alle Lebewesen haben. Ich will niemandem vorschreiben, was er zu machen hat. Aber man sollte einfach darauf achten, was man konsumiert. Das Billigste zu kaufen geht auf unser aller Kosten.

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Fällt es Ihnen manchmal schwer, diese hehren Ziele einzuhalten? Das setzt ja auch eine Opferbereitschaft voraus.

 

THOMAS D

Ja, klar, ich sündige auch: zum Beispiel "Macadamia Nut"(>hier<). Oh, mein Gott, das ist einfach das leckerste Eis der Welt. Da muss halt manchmal ne Packung her. Und auch Fertigpizza ist ab und zu dabei. Es ist nicht so, dass ich jetzt ein Engel wäre. Aber es findet eine Verlagerung statt. Ich esse, weil es schmeckt, das reicht für mich heutzutage nicht mehr. Irgendwann wird der Geschmack verdorben, weil Du weißt, dass in den Chicken Wings Quälzüchtung und ganz viel „Bad Karma" steckt.

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Wie setzen Sie Ihr Engagement für die Umwelt noch um?

 

THOMAS D

Wir haben auch Solarenergie auf dem Dach und Pelletheizung. Mein Auto mit Vier-Liter-Hybrid ist bestellt. Ich habe aber lange gebraucht, um von diesen schnellen Wagen, den schicken Limo-Dingern, wegzukommen. Ist aber mehr Rebellion gegen die Preise. Natürlich auch wegen des Umweltbewusstseins. Aber ich bin Vegetarier, da kann ich Sportwagen fahren, bis der Arzt kommt - und das ist trotzdem noch umweltbewusster.
 


 

 Bereits Mitte der 80er Jahre begeistert Thomas Dürr sich für Rap Musik und gründet mit seinen Freunden die erste Hip Hop Formation „Terminal Team". 1992 beginnt mit „Die Da" und dem Album „4 gewinnt" die Erfolgsgeschichte der Fantastischen Vier. Ende der 90er Jahre veröffentlicht er sein erstes Soloalbum. Am Sonntag, 14.12., ist Thomas D mit der „Kennzeichen-D-Tour" zu Gast in der Live Music Hall in Köln. Das Konzert ist ausverkauft.
 


Erklärung von:

1. Vegan (Kunstwort für weniger als dem englischen Vegtarian=Vegetarier zu deutsch): Einstellung und Lebensweise, welche die Nutztierhaltung und den Konsum tierischer Produkte völlig ablehnt. Der Veganismus beinhaltet eine besonders weitreichende vegetarische Ernährungsweise: Neben Fleisch wird der Konsum von Milch, Eiern jeder Art, Gelatine (Eiweißsubstanz aus Haut- und Knochenabfällen) und anderen tierischen Lebensmitteln wie Honig wird vermieden. Weiter gefasst achten Veganer bei Kleidung (Vermeidung von Leder und Wolle) und anderen Gegenständen des Alltags auf Tierproduktefreiheit, sowie Tierversuchsfreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben).

 

2. die Australische Haselnuss - Macadamianuss - (Macadamia tetraphylla), nach dem australischen Naturforscher John Macadam (1827 - 1865).