Konfuzius für den Westen

 

>Hier< viele Anregungen und Diskussionsstoff,
>hier< zum Lebenslauf von Volker Zotz
und
>hier< einiges über Konfuzius und seinen Lehren


Das Buch erschienen 2007 bei 0. W. Barth, ein Verlag der
S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main
Satz: H & G Herstellung, Hamburg
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
Umschlaggestaltung:
Vv.Willendorf-Design, FFM
Abbildung: akg-images
Printed in Germany

ISBN 978-3-502-61164-6

www.fischerverlage.de

Aus den Umschlagseiten:

Der österreichische Philosoph und Religionswissenschaftler Volker Zotz arbeitete nach einer Lehrtätigkeit an der Universität Wien viele Jahre in verschiedenen Ländern Süd- und Ostasiens.
So war er lange in Indien und von 1989 bis 1999 an japanischen Universitäten in Kyoto beschäftigt. In Asien vollzog er in Theorie und Praxis intensive Auseinandersetzungen mit dortigen philosophischen und spirituellen Traditionen, wovon zahlreiche Buchveröffentlichungen wie:
»Geschichte der buddhistischen Philosophie«,
»Der Buddha im Reinen Land«,
»Mit Buddha das Leben meistern« und
die Rowohlt-Monographien »Buddha« und »Konfuzius« zeugen.
Seit 1999 lehrt Volker Zotz an der Universite du Luxembourg und widmet sich interkulturellen Forschungs- und Bildungsprojekten.


Mehr Informationen zum Autor: www.volkerzotz.eu

>Hier< sein Lebenslauf aus obiger Internetpräsenz.


Kommentar: Das Buch empfiehlt zwar tatsächlich eine Rückbesinnung auf alte Traditionen, wie der  Inhalt zeigt:

Einführung — Vom Eigentlichen zum Realen 9

1
AUF DEM WEG
ZU EINEM EURASISCHEN
HUMANISMUS 2 3
Die globalisierte Welt 25
Globalisierung als Chance 39
Drei Wege 55

2
KONFUZIUS UND WIR 71
Der Schulgründer 73
Der Scheiternde 89
Konfuzius und der Westen 105

3
DER WEG DES EDLEN 12 5
Vom rechten Wort zur rechten Zeit 127
Vom Lernen 145
Die Rückkehr zu den Riten 162

 

4
DER LEHRPLAN 179
Wo die Quellen suchen? 181
Europa im Spiegel der li 199
Lyrik und Musik 220

5
VON DER BEZIEHUNG ZU MENSCHEN 227
Die Familie 229
Freundschaft 249
Staat und Gesellschaft 262

6
GEBROCHENE UND HEILE WELT 273
Universum und Erde 275
Das Korrektiv der religiösen Tradition 294
Die große Umkehr 310
Ausklang 327

ANHANG 335
Literatur 337
Anmerkungen 341

Aber Volker Zotz gibt sehr viele Anregungen und Diskussionsstoff, z.B. in seiner Einführung:
"... »Was du nicht willst, das man dir tu', das füg auch keinem andern zu.« Dass man besser niemanden erleiden lässt, was man selbst nicht erfahren mag, weiß schließlich jeder. Jesus lehrte es in der Bibel ebenso wie einige hundert Jahre zuvor Konfuzius; Immanuel Kant widmete der Begründung dieses Prinzips viele Seiten, und Mahatma Gandhi lebte konsequent danach. Können nicht fast alle Menschen bestätigen, dass diese schöne alte Lebensweisheit theoretisch ebenso richtig wie praktisch vollkommen unbrauchbar ist? Jesus wurde gekreuzigt, Gandhi erschossen, und all die stolzen Besitzer besinnlicher Geschenkbände"
(die solche Weisheiten wie die obige zusammenstellen) "würden sich heillos übervorteilt fühlen, wenn sie andere so behandelten, wie sie es für sich selbst wünschen. Gilt doch in der Realität das umgekehrte Prinzip: »Gibt dir ein Verkäufer zu viel Geld heraus, steck es schnell ein, um auszugleichen, wenn du einmal unachtsam bist und übervorteilt wirst.« Anderen muss man genau das antun, was man selbst keinesfalls erleben möchte, damit die Welt als gerechter Ort erscheinen darf..."
oder
unter dem  Gedanken der neuen Religion, die Zotz "Konsumismus" (in der globalisierten Welt) nennt - sehr treffende Zitate:
"...Indem das Projekt der Globalisierung die Erde auf kommerzieller Basis des Kapitalismus einigt, versucht dieser spektakuläre Umbruch mit weitgehenden Auswirkungen auf den Menschen von morgen einen letztlich unmöglichen Spagat: Die hier zusammenwachsen, müssen Konkurrenten bleiben. Man beschwört Solidarität, indem man einander näherrückt, und doch wird jeder, indem er die eigene Gewinnspanne maximieren muss, zum Gegenspieler jedes anderen. Dies gilt für Kontinente und Regionen wie für Individuen, die national und global um Arbeitsplätze konkurrieren."...
"Längst sind" Herstellung und Handel "keine Mittel zum Dasein mehr, sondern wurden zum Selbstzweck, zur eigenen Lebensform, die nach dem Gesetz des Marktes funktioniert: kaufen, verbrauchen und den Rest entsorgen, um das nächste zu erwerben. Auch vermeintliche Segnungen an geistigem Austausch werden in der ökonomisch geeinten Welt nach dieser Regel feilgeboten und verbraucht – Zen und schamanische Ekstasetechniken in kompakten Kursen und Seminaren für vorübergehend von der Unterhaltungselektronik gelangweilte oder gestresste Abendländer."...
"Im Spirituellen wie Materiellen harmonisiert eine Werbeindustrie die Nachfrage mit dem Angebot und unterstützt so den Konsumismus durch Bereitstellen ihm gemäßer Kunstformen auf seinem Weg zur universellen Religion der globalisierten Welt. Nicht nur die Ästhetik, auch die Politik wird von diesem neuen Glauben bestimmt."...
"Es gibt also kein Entrinnen aus der Einflusssphäre der neuen Religion, deren Grunddogma schon die Kinder lernen müssen: kaufen, verbrauchen und den Rest entsorgen, um wieder zu erwerben. Sobald sie die Welt wahrnehmen, erfahren die jungen Europäer, Japaner und Amerikaner wie auch immer mehr Chinesen und Inder, dass es nur eine unverzeihliche Todsünde gibt — nämlich den Konsumverzicht. Wen es als Heranwachsenden nicht stets nach der neuesten Konsole für aktuelle Videospiele verlangt, der trägt Mitschuld an mangelndem Wachstum, Arbeitslosigkeit und Verelendung. Man hat ein Dasein einzuüben, dessen Sinn im Erwerb von Autos, Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik sowie Wegwerfkleidern in möglichst raschen Intervallen besteht. So kennt der globale Konsumismus seine eigene Ethik, für die Spar- und Genügsamkeit gefährliche Laster sind.
Die Heilslehre des Konsumismus gedeiht gerade in der globalisierten Wirklichkeit mit ihren undurchschaubaren Mammutorganisationen bestens. Trotz plakativer Demokratie sehen sich Menschen machtlos in Strukturen gebunden, auf die sie beim besten Willen nicht einwirken können. Die Politik zeigt symptomatisch, wie dem Einzelnen die Möglichkeit zur Gestaltung entgleitet. Was nutzt das Abstimmen bei Wahlen zu nationalen und regionalen Parlamenten, wenn deren Beschlüsse von größter Tragweite nur mehr im örtlichen Umsetzen internationaler Vorgaben bestehen? Wo bleibt der persönliche Einfluss auf unmittelbare Lebensräume, wenn ferne Entscheide der Brüsseler Kommission, der Welthandelsorganisation und des Währungsfonds in die Wirklichkeit jedes entlegenen Bergdorfs der Alpen wie der Hohen Tatra eingreifen? Schließt jede Gemeindezusammenlegung den Einzelnen immer weiter vom Lenken des Schicksals seines Dorfes aus, entthronen ihn Fusionen von Staaten und Wirtschaftsräumen vollends als souveränes politisches Subjekt.

Das Buch ist also - allein schon wegen der guten und zutreffenden Formulierungen - äußerst lesenswert!

Walter Rath, September 2010


Der österreichische Staatsbürger wurde 1956 in Landau in der Pfalz (Deutschland) geboren. Nach dem Abitur am Max Slevogt Gymnasium in seiner Geburtsstadt leistete er Zivildienst in einem kirchlichen Pflegeheim.

Ausbildung: Sein Studium der Philosophie und Geschichte sowie Kunstgeschichte und Buddhismuskunde schloss Volker Zotz 1986 an der Universität Wien mit einer Dissertation zur Rezeption des Buddhismus in der europäischen Geistesgeschichte und 1987 der Promotion zum Doktor der Philosophie ab. Die Habilitation im Fach Religionswissenschaft erfolgte an der Universität des Saarlandes.

Tätigkeiten: Volker Zotz arbeitete in kultur- und sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten sowie der Organisationsentwicklung. Er lehrte Kulturgeschichte an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien sowie Philosophie an der Universität Wien. Von 1989 bis 1999 arbeitete er an den japanischen Universitäten Ryukoku, Otani und Rissho in Kyoto und Tokyo. Seit 1999 lehrt er Philosophie und Religionswissenschaft als Ass. Professeur an der Université du Luxembourg.

 Asien: Seit seiner Kindheit interessierte sich Volker Zotz für den asiatischen Raum und seine Kulturen. Zu längeren Studien- und Forschungsaufenthalten hielt er sich seit 1974 im islamischen Orient und seit 1979 hauptsächlich auf dem indischen Subkontinent auf. Von 1989 bis 1999 lebte Volker Zotz hauptsächlich in Japan.
"Bei meinen Aufenthalten in Asien ist mir wichtig, hauptsächlich Teilnehmer am Leben und an der Praxis der Menschen zu sein, um die Rolle des Beobachters, der von außen kommt, auf ein möglichstes Minimum zu reduzieren. Von Anfang an habe ich mich dabei für die Gemeinschaft mit Menschen interessiert, die bewusst und tief in ihren Traditionen verwurzelt sind."

Interkulturelle Spiritualität: In seiner Kindheit lernte Volker Zotz den ursprünglich Deutschen Ernst Lothar Hoffmann (1898-1985) kennen, der unter dem Namen Lama Anagarika Govinda indischer Staatsbürger wurde, meist im tibetischen Kulturraum lebte und zahlreiche Bücher zur Religion und Kultur Süd- und Ostasiens veröffentlichte. Angeregt durch die intensive Begegnung mit Hoffmann vollzog Volker Zotz seit 1970 eine tiefe Auseinandersetzung mit Süd- und Ostasien, wobei ihn später weitere Persönlichkeiten auf diesem Weg unterstützten, darunter der Zen-Meister Kiichi Tetsuo Nagaya Roshi und der japanische Philosoph Takamaro Shigaraki. 1979 in Afghanistan

Volker Zotz: "Die religiösen Kulturen der Menschheit können einander tief bereichern, ohne dass eine von ihnen ihre Identität aufgeben müsste. Um zum Beispiel von der praktischen Ethik und der Selbstdisziplin zu lernen, wie sie in Süd- und Ostasien entwickelt wurden, muss man sich weder das Etikett des Buddhisten ankleben, noch die bedeutenden religiösen und kulturellen Errungenschaften des christlichen Abendlandes hinter sich lassen."

Der Schriftsteller: Volker Zotz, der zahlreiche wissenschaftliche, philosophische und literarische Veröffentlichungen vorlegte, ist Mitglied des PEN-Clubs. Er beschränkt sich in seiner schriftstellerischen Arbeit bewusst nicht auf ein Genre. So veröffentlichte er aus seiner Auseinandersetzung mit dem Buddhismus unter anderem eine akademische "Geschichte der buddhistischen Philosophie" (1996) und das erfolgreiche Lebenshilfebuch "Mit Buddha das Leben meistern" (1999).

"Es gibt Themen und Inhalte, die der analytischen Darstellung bedürfen und solche, die sich besser erzählend, dramatisch oder lyrisch vermitteln lassen. In jedem Fall ist es mir wichtig, dass Gedanken auch in der Lebenspraxis fruchtbar werden können. Aber genauso wesentlich ist es, sich selbst mit seinen Texten nicht zu wichtig zu nehmen."


Konfuzius, wie wir ihn heute nennen (jedoch im Englischen Konfusius geschrieben, weil das deutsche s wie z - also scharf - gesprochen wird), bedeutet »Kong der Meister«. Er hat eigentliKonfuzius mit seinem Schüler Yan Hui; Holzschnitt nach Gu Kaizhi; 4. Jahrhundert nach Zeitrechnungch Kong Qiu, K'ung Ch'iu geheißen und war einer der wichtigsten chinesischen Philosophen aus einer kleinadligen Familie, der 479 vor der Zeitrechnung im Alter von 72 Jahren gestorben ist. Sein Grab in Qufu (Halbinsel Shandong), mit Konfuziustempel und Residenz der Familie Kong auf dem 117ten Längengrad und südlich des 36sten Breitengrades, blieb bis heute erhalten.

Konfuzius litt unter dem Zerfall des Feudalreiches und damit des alten mythologisch-religiösen Wertesystems. Er scharte Schüler um sich, mit denen er durch das Land zog und welche Gespräche mit ihm - Lunyu - in einem Buch hinterlassen haben. Dazu gibt es Übersetzungen von Ralf Moritz und von Richard  Wilhelm (Neuausgabe 2000) mit beispielsweise folgenden Interpretationsunterschieden:

1.5. bei Ralf Moritz: Konfuzius sprach: “Wer einen Staat von tausend Kriegswagen regiert, der muß bei allem, was er tut, korrekt und gewissenhaft sein.
Er muß maßhalten können und die Menschen lieben. Seine Forderungen an das Volk dürfen nicht willkürlich sein.

1.5. bei Richard Wilhelm: - Regentenspiegel - Der Meister sprach: “Bei der Leitung eines Staates von 1000 Kriegswagen muß man die Geschäfte achten und wahr sein, sparsam verbrauchen und die Menschen lieben, das Volk benutzen entsprechend der Zeit.”

 Konfuzius hatte viele politische Positionen inne, wurde jahrhunderte später sogar als "Welterlöser" angesehen, der die alte Ordnung wiederherzustellen im Stande wäre usw. Immerhin gilt seine Lehre als das geistige Fundament der Kultur Chinas und auch in weiten Teilen Ostasiens (»Konfuzianismus«) und in ihre Wichtigkeit mit dem Christentum für Europa und dem Islam für die arabische Welt verglichen, obwohl diese, seine Lehre keineswegs eindeutig als eine Religion, Philosophie oder Staatslehre gesehen werden kann. Obiges Buch von Volker Zotz sagt hierzu einiges.

Jedenfalls sind zu erwähnen seine 5 menschlichen Beziehungen:
a. Menschlichkeit,
b. Rechtlichkeit und Wohlwollen,
c. Anstand und Sitte,
d. Klugheit,
e. Zuverlässigkeit. 

Konfuzius sah sich lediglich als Überlieferer der zu seiner Zeit verloren gegangenen früheren Werte und Gesellschaftsform (dao). Den Menschen setzte er in den Mittelpunkt seiner Gedankenwelt. Das Menschsein (ren) und menschliche Handlungen sah Konfuzius in den alten überlieferten Schriften zu voller Kraft entwickelt. Die Normen dieser Handlungen waren die Riten (als »li« bezeichnet, die, ursprünglich aus dem sakralen Bereich stammend, auf den gesellschaftlichen ausgeweitet wurden. Bei www.humboldtgesellschaft.de/ ist zu lesen: "li des Konfuzius stand grundsätzlich im Zeichen des Bewahrens; es bedeutete Kontinuität im gesellschaftlichen Leben. li einhalten hieß, keinen Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart zuzulassen, nicht zu dulden, daß sich die Gegenwart wesentlich von der Vergangenheit unterscheidet. Konfuzius forderte die Orientierung der Gegenwart an der Vergangenheit; jeder Bruch mit der Vergangenheit führte für ihn zu »wu dao«, zu Unordnung in Gesellschaft und Familie. Sie weisen auf den konservativen Grundzug in seiner Lehre hin. In Chinas Geschichte sollte es zum Inbegriff von Ordnung werden.")

(c) wissenmedia GmbH, 2010 schreibt zum Thema (u.a.): "In dem »Mandat des Himmels« (tian ming), mit der die Zhou ihre Vormachtstellung der bis dahin überlegenen Shang rechtfertigten, lässt sich ein Vorläufer für die konfuzianische Wendung zum Menschen hin finden. Nach dieser Auffassung ist die politische Autorität des Herrscherhauses an die moralische Tugend (de) des Herrschers und nicht an seine göttliche Abstammung gebunden. Die Idee der Abstammung wurde im Konfuzianismus in der Ahnenverehrung im Rahmen der Familie umgesetzt".

Durch die Riten wurde eine Verbindung mit dem Himmel hergestellt. Aber überlassen wir die aus unserer westlichen Tradition kaum zu verstehenden Lehren, die Verquickungen mit Buddhismus und Daoismus, die, teilweise widersprüchlichen Interpretationen des Konfuzianismus durch Mo Di, Mengzi (»Meister Meng«), Xunzi und andere sollten der philosophischen Fachwelt überlassen bleiben, wenn auch obiges Buch durch dem Laien die besten "Durchblicke" ermöglicht.

W. Rath, Oktober 2010