Panik
Psychologisch untersucht
Beispiel: Diskobesucher in Panik totgetrampeltVon WELT.de/oht/dpa - 17. Februar 2003, 00:00 Uhr
Reizgas-Einsatz in einem Nachtclub der US-Großstadt Chicago führt zum Chaos unter rund 1500 Gästen. Online-Medium: Die Notausgänge sollen versperrt gewesen sein.
In der Großdisko „E2“ in der US-Großstadt Chicago sind bei einer Panik 21 Menschen getötet worden. Dies berichtet die Online-Ausgabe der Tageszeitung „Chicago Tribune“ unter Berufung auf Behörden. Nach Angaben der Polizei wurden die meisten Opfer totgetrampelt.
Die Chicagoer Feuerwehr berichtete von vier Toten in dem Club, die weiteren Opfer seien später in Krankenhäusern der Stadt verstorben. 30 Menschen seien bei der Partykatastrophe Montag früh verletzt worden, darunter zwei Feuerwehrleute im Rettungseinsatz. Einige der Verletzten befanden sich am Nachmittag (MEZ) noch in kritischem Zustand, wie die Behörden mitteilten.
Die „Chicago Tribune“ online berichtete, auf der Tanzfläche sei zwischen drei Frauen ein Streit ausgebrochen. In dieser Auseinandersetzung habe das Sicherheitspersonal der Diskothek Reizgas und Pfefferspray eingesetzt. Die Menschenmassen seien danach in Richtung Hauptausgang geflohen.
Feuerwehr: Mussten Hintertüren erst aufbrechen
In dem US-Medienbericht hieß es weiter, der Hinterausgang sei verriegelt gewesen. Die Redaktion zitierte einen Sprecher der Chicagoer Feuerwehr, der mitteilte, seine Leute hätten die verschlossenen Notausgänge erst aufbrechen müssen.
Zum Thema "Panik":
Panik - so genannt nach dem griechischen Gott Pan, ist ein Phänomen, das entweder durch eine tatsächliche, oder in vielen Fällen jedoch sehr häufig durch eine vermeintliche Gefahr ausgelöst wird. Bei Menschen, aber auch bei Tiere werden unkontrollierte, reflexhafte (unwillkürlich-automatische) Fluchtreaktionen ausgelöst, wobei jegliche Vernunft "abgeschaltet" ist. Die in Panik flüchtenden Wesen überrennen, stoßend, schupsend unaufhaltsam andere Lebewesen. Man kann Panik als die extremste egoistische, jedoch "naturbedingte" Reaktion ansehen. Tritt Panik als Massenphänomen (definiert als außergewöhnliches oder unerklärliches Ereignis, Vorkommnis), dann streben die Flüchtenden in die Richtung, in welche die meisten Lebewesen streben. Aber "Führer" haben eine große Chance (also eine günstige Gelegenheit, eine Möglichkeit, etwas zu erreichen mit Aussicht auf Erfolg).
Beispiele:
1. Da wird Angst vor Vogelgrippe erzeugt und den Landwirten die Überproduktion an Geflügel "gekeult", wie der deutsche Ex-Landwirtschaftsminister und derzeitige Ministerpräsident des Bundesstaates Bayern, der Gutsherr Horst Seehover es abermillionenfach angeordnet hatte. ("Keulen" nannte er es, was eigentlich bedeutet, die Tiere mit der Keule zu erschlagen.)
2. "Die Wirtschaft geht (dauernd) bergab", sagen sogenannte Wirtschaftweise, um Lohnforderungen zu dämpfen, um Steuer- und Abgabenerhöhungen als "notwendige Übel" dulden zu lassen. Da der Konsum der potentiellen Käufer zurückgeht als Folge einer Flaute, tritt diese als "self-fulfilling prophecy" (sich selbst erfüllende Prophezeiung) ein. Panikmache ist sehr beliebt bei Führungskräften, um Eigeninteressen durchzusetzen.
3. Man denke an den Terrorismuswahn des deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble, der guten Kontakt zu Waffenhändlern hat, oder
4. den BSE-Wahn ("bovine spongiforme Enzephalopathie" = Rinderwahnsinn), woran kein einziger Mensch in Deutschland gestorben ist.
Die Finanzkrise, ausgelöst im Sommer 2008, wird auf ein panikartiges
"Herdenverhalten" zurückgeführt; denn Börsianer (Börsenmakler, Börsenspekulant), sogenannte Anleger, beobachten sich gegenseitig bei ihrem Handelsaktivitäten,
so, dass der Börsenhandel beispielsweise manchmal lawinenartig erfolgt, wonach
z.B. der deutsche Autobauern "Volkswagen" zum wertvollsten Fahrzeughersteller
auf der Welt an einem Tag wurde. Damit waren dann die teuren Aktien sogar
unterbewertet. Milliarden Werte wurden panikartig vernichtet. Man stelle sich
vor, dass Bankfachleute fast ohne Ausnahme sich gegenseitig mit Geld aushalfen,
um nicht geprüfte Kreditnehmer zufrieden zu stellen. Es wurden schließlich
Papiere gehandelt, die nichts wert waren. In einer gigantischen Rettungsaktion
wurden die Kreditinstitute (Banken) mit staatlichen Bürgschaften vor Pleiten
bewahrt. Was jedoch nichts mit Panik zu tun hat. Die hochbezahlten
Bank-Fachleute verlangen immer noch ihren Umsatzbonus.
Der wohl bekannteste Spezialist für das Gebiet Panik und Angst ist der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Diplompsychologe und Psychotherapeut, Prof. Dr. Borwin Bandelow, geboren 1951. Er studierte Medizin an den Universitäten Göttingen und Tübingen sowie Psychologie in Göttingen. Er ist Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen und ein international anerkannter Experte für Angsterkrankungen. Er ist geschäftsführender Oberarzt der Göttinger Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und leitet eine Spezialabteilung für Patienten mit Angststörungen.

Einer seiner Sätze: "Die Vernunft wird bei Angst abgeschaltet und das Überlebensgehirn gewinnt die Oberhand."
Zu dem Thema „Angst“ und anderen Themen hat er insgesamt über 170 Zeitschriften- und Buchartikel sowie Bücher in englischer und deutscher Sprache geschrieben und herausgegeben und hat hunderte von Vorträgen über dieses Thema in vielen Ländern gehalten. Beispiele sind die Bücher „Panik und Agoraphobie*“ (Springer, Wien), „Angst- und Panikerkrankungen“ (Unimed, Bremen) sowie „Social Anxiety Disorder“ (Taylor & Francis, New York) in englischer Sprache.
* Agora im Griechischen: Versammlung, Agoraphobie = Platzangst (Furcht vorm Überqueren von Plätzen und Straßen)
Weiter erschienen:
- September 2004 das populärwissenschaftliche Werk „Das Angstbuch“ (Rowohlt) - ein Bestseller,
- März 2006 das Buch „Celebrities – vom schwierigen Glück, berühmt zu werden“ (Rowohlt) - ebenfalls ein Bestseller,
- September 2007 „Das Buch für Schüchterne“,
- 2008, Kurzlehrbuch Psychiatrie.
Borwin Bandelow ist:
- Herausgeber des „German Journal of Psychiatry“,
- Gutachter für zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften,
- Präsident der Gesellschaft für Angstforschung.
In der „Ärzteliste“ des 1993 gegründeten Nachrichtenmagazins, Focus, wurde Prof. Bandelow als Angstexperte empfohlen. Er ist häufiger Interviewpartner in Fernseh- und Radiosendungen zum Thema Angst.
Mehr:
Einen sehr guten Artikel unter der Überschrift: "Entfesselte Angst - Strategien gegen Massenpanik" ist zu finden in "Peter Mossleitners Magazin P.M. - Welt des Wissens" Ausgabe März 2009.
Zum speziellen Thema von folgereichen, ja fatalen Panikreaktionen im Wirtschaftsgeschehen sind die beiden folgenden Fachleute zu nennen:
Joachim Goldberg (geboren 1956 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Finanzmarktanalyst und -publizist.
Goldberg arbeitete nach seiner Banklehre 25 Jahre bei der Deutschen Bank, seit 1983 spezialisiert auf die damals in Deutschland noch relativ unbekannte "technische Analyse" (etwa gleich Chartanalyse**). Da ihn die Erklärungsmuster der technischen Analyse nicht befriedigten, wandte er sich in der Folge der damals in Deutschland ebenfalls weithin unbekannten "Behavioral Finance" (verhaltensorientiertes Geldwesen)*** zu, von 1996 bis 2000 für die Deutsche Bank, ab 2000 in der von ihm mitbegründeten Gesellschaft "Cognitrend". Erstmals in Deutschland startete Goldberg 1997 mit Erhebungen der Marktstimmung unter kurz- und mittelfristig orientierten Marktteilnehmern, seit 2002 in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt.
Mit seinem mitverfaßten Buch zur "Behavioral Finance", das seit 1999 bereits in vierter Auflage erscheint und ins englische, japanische und chinesische übersetzt wurde, und seinen wöchentlichen Fernsehauftritten bei Bloomberg TV, n-tv, DAF (Deutsches Anleger Fernsehen AG) und ehemals CNBC Europe gilt Goldberg als bekanntester Experte zum Thema Behavioral Finance in Deutschland. Daneben schreibt er eine monatliche Kolumne in der Börsen-Zeitung, Gastbeiträge für die Börsenzeitschrift Börse Online und hält Vorträge. Außerdem mitverfaßte er den Kurs "A Practical History of Financial Markets" für die Edinburgh Business School*, der mittlerweile auch für die Ausbildung zum "Chartered Financial Analyst" verwendet wird.
* gehört zur staatlichen Heriot-Watt University in Edinburgh. Die Universität ist nach dem Dampfmaschinenpionier James Watt und dem Kaufmann George Heriot benannt und wurde 1821 gegründet
** Eine Chartanalyse ist eine Vielzahl einzelner Techniken, die eine Vorhersage zukünftiger Börsenkurse anhand historischer Kursentwicklungen (z. B. Trends) anstreben. Diese heute auf einigen Märkten vorherrschende Art der praktischen Finanzanalyse stellt sich primär die Aufgabe, geeignete Zeitpunkte zum An- und Verkauf von Finanzwerten zu identifizieren. Zur Unterstützung der Prognosen werden verschiedene Indikatoren herangezogen.
Im Gegensatz zur Fundamentalanalyse bleiben Kennzahlen aus der klassischen Makroökonomie, Branchenanalysen oder der Betriebswirtschaft unberücksichtigt. Vielmehr nimmt man an, dass sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen über Vergangenheit und Zukunft bereits in der sichtbaren Kursentwicklung – dem Chart (grafische Darstellung einer Datenreihe) – enthalten sind.
Die Chartanalyse wird häufig mit der Technischen Analyse gleichgesetzt, die jedoch zusätzliche Verfahren der Markttechnischen Analyse enthalten kann und damit über die reine Untersuchung von Kursverläufen hinausgeht.
*** Das Spezialfeld verhaltensorientierte Finanzierungslehre (engl. behavioral finance) beschäftigt sich mit irrationalem Verhalten auf Finanz- und Kapitalmärkten.
Die Verhaltensökonomik (engl. Behavioural Economics) ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaft. Sie beschäftigt sich mit menschlichem Verhalten in wirtschaftlichen Situationen. Dabei werden Konstellationen untersucht, in denen Menschen im Widerspruch zur Modell-Annahme des Homo oeconomicus, also des rationalen Nutzenmaximierers, agieren.
Jens Krause leitet seit 2004 den Lehrstuhl für Verhaltensökologie in Leeds. Nach seinem Studium der Biologie an der Freien Universität Berlin, das er 1991 mit dem Diplom abschloss, promovierte Jens Krause 1993 an der University of Cambridge, und es folgten Forschungsaufenthalte in Kanada (Mount Allison University 93-95) und den USA (Princeton University 95-96). 1996 wurde er als Dozent an der University of Leeds, UK, berufen, wo sich seine Arbeitsgruppe seither mit dem Sozialverhalten von Tieren beschäftigt, schwerpunktmäßig mit kollektivem Verhalten, Selbstorganisation und sozialen Netzwerken.